Das X-odus Forum befindet sich derzeit in einer Pause.
Für all Diejenigen, die ihre Charaktere bis zum Wiederbeginn
nicht ruhen lassen wollen, empfiehlt die SL euch
diese Seite.
Wir wünschen unseren fleissigen Usern viel Spass
auf der neuen Plattform und hoffen
euch alle in alter Frische und mit dem gleichen Elan
bald auch wieder an dieser Stelle begrüssen zu können.
Dorian sprach eigentlich wenig während der Fahrt. Aber er hatte immer dieses eigentümliche Schmunzeln auf den Lippen, obwohl er angesichts der Dinge, die er so in den Dateien gefunden hatte, überhaupt keinen Grund dazu hatte. Dennoch.
Vielleicht hatte Padraig ja Recht und es spielte absolut keine Rolle. Die Vergangenheit prägte einen Menschen, aber sie sollte einem Menschen nicht wie ein Schatten folgen. Irgendwann war die Zeit damit abzuschließen. Diese Zeit war zwar jetzt noch nicht gekommen, aber das würde sie. Dorian als 'nicht gefährlich' einzustufen, hatte sich als falsch erwiesen, wenn er daran dachte, wie er einen Menschen getötet hatte. Nichts, auf das er stolz war - im Gegenteil. Kurz warf er einen Seitenblick auf Raguel. Aber wenn sich schon diese Sache als falsch erwies; wie viele Fehler hatte Lewis dann noch gemacht? Was hatte Lewis noch alles nicht bedacht?
Eine ganze Menge.
Und genau das war es, was ihn schon wieder schmunzeln ließ.
Der Oktober war noch recht schön, obwohl man merkte, dass es allmählich immer kälter wurde. Das hielt Dorian aber nicht davon ab, hin und wieder mal das Institut zu verlassen und um den See zu gehen oder sogar eine Runde zu schwimmen. Heute allerdings saß er einfach nur auf einem Gartenstuhl auf der Terrasse und blickte über den Garten. Das, was er in den Subs heraus gefunden hatte, wog schwerer als er geglaubt hatte. Aber was hatte er erwartet? Dorian hatte die Wahrheit gesucht, und die Wahrheit hatte er bekommen. Wie unwirklich das alles war, wenn man in den Garten blickte und die ersten Herbstblätter fallen sah.
Scott Summers hatte ihm ausgerichtet, dass sich Genethics zu Wort gemeldet hatte. Lewis wollte sein Eigentum zurück. Aber es war nicht wichtig, denn der Professor musste sich im Klaren darüber sein, dass Dorian die Daten schon längst ausgewertet hatte. Lewis musste wissen, dass das Labor nun einen Gegner hatte, den sie nicht unterschätzen durften. Hatte man darum nach Dorian geschickt? Weil er einst bei Genethics gearbeitet hatte? Wahrscheinlich war es so... das Team meinte, dass Dorian Lewis zwar treffen sollte, doch dann auf einem neutralen Boden. Am besten der Marktplatz in Inverness. Dorian hatte keine Angst davor, er hatte vielmehr tausend Fragen, die er Lewis stellen musste.
Im Moment wartete er eigentlich auf Seana. Erst jetzt war ihm klar geworden, warum er das Mädchen so gut verstehen konnte und warum er sich ihr so verbunden fühlte.
Dorian hatte die alten Daten heraus gesucht und in den letzten Tagen soweit entschlüsselt, dass er sie mit Padraig auswerten konnte. Die älteren Daten machten eigentlich keinerlei Probleme, da sie nach dem gleichen Schema zu entschlüsseln waren wie die jüngeren. Es hatten sich nur minimale Veränderungen ergeben. Das Gute an der Sache war, dass jeder gezüchtete Mutant einen Namen bekam, bevor er in die Camps geschickt wurde. Natürlich hatte auch jeder Mutant noch seine Nummer, aber ein Name vereinfachte das Verfahren... und es vereinfachte es nun auch Dorian, möglicherweise die Leute zu finden, die Padraig suchte.
Scott Summers hatte Padraig wieder in die Subs gelassen, genauso wie Dorian immer darauf warten musste, dass ihn jemand mit hinab nahm. Aber diesmal war er gleich nach dem Mittagessen in die Subs gekommen und wartete nun auf den anderen. Er saß bereits im Labor am Schreibtisch und schenkte sich einen Kaffee ein... so lange würde die Angelegenheit aber wohl nicht dauern.
Dorian klopfte nur kurz an... Padraig war nicht mehr auf der Krankenstation, man hatte ihn bereits auf sein Zimmer gebracht, wo er es bequemer hatte...oder nicht? Jedenfalls war er an jenem Abend nicht mehr auf der Krankenstation - eigentlich war niemand mehr dort außer Jean. Die Schüler waren schon alle zu Bett gegangen und es schien so, als wäre es auch das Lehrpersonal, denn auf den Gängen ebbten die allgemeinen Geräusche des Tagesberiebs ab... wenngleich man Dorians Schritte hören konnte, die sich der Tür näherten und davor verstummten, ehe ein Klopfen ertönte. Er betrat den Raum und nahm seine Brille ab, die er beim Lesen aufgehabt hatte. Langsam schob er sie in seine Jacketttasche, als er den Blick durch den Raum schweifen ließ, bis er sie entdeckt hatte. Kurz lächelte er und kam dann näher.
Dorian hatte nun alles mithilfe Liam in die Wege geleitet. Zuerst einmal brauchte Seana überhaupt eine Geburtsurkunde... man hatte die Adoption wieder verworfen. Dafür hatte man auf dem Geburtsschein aber eine Mutter gebraucht, was dann doch ein wenig zu Problemen geführt hatte, aber letzten Endes stand nun auch dort ein Name. Wie dieser Name lautete, war unwichtig... jedenfalls heute. Fakt war, dass Dorian nun als Vater eingetragen war und das musste er Seana heute irgendwie erklären.
Es war schon seltsam, dass er einmal wieder im ersten Stockwerk anzutreffen war, denn die letzten Tage war er zumeist in den Subs gewesen und nur sehr selten in seinem Zimmer im oberen Stock. Natürlich hatte er abgewartet, bis der Unterricht vorüber war, so dass er Seana vielleicht in ihrem Zimmer antreffen würde, wenn sie nicht gerade in der Bibliothek oder noch immer beim Mittagessen war.
Er klopfte einfach an und wartete.
Das, was er ihr zu sagen hatte, sollte er auf jeden Fall an einem Ort erklären, wo sie sich in Ruhe unterhalten konnten. Dorian konnte nicht abstreiten, dass er jetzt ein klein wenig aufgeregt war. Er wusste ja nicht, wie das Mädchen reagieren würde.
Er sah eine ganze Weile auf die Tabletten in seiner Hand, ehe er sie widerwillig mit einem Glas Wasser einnahm. Der letzte Tropfen im Wasserglas wanderte über seine Hand und tanzte auf seinen Fingerknöcheln, ehe Dorian ihn abschüttelte und in der Kommode nach einem Pullover kramte. Trotz dass es noch nicht wirklich kalt war, fror er die meiste Zeit. Vielleicht lag es auch an den sterilen Subs, die ihm die Kälte suggerierten.
Jetzt würde er sich erst einmal auf die Suche nach Seana machen und schließlich nach irgendwas Essbarem. Für heute wollte er nicht mehr hinunter in die Subs, vielleicht würde er später noch einmal zum See gehen. Da er den Führerschein nie gemacht hatte, brauchte er irgendjemanden, der ihn einmal wieder ans Meer fuhr, aber er wusste nicht so genau, wen er diesbezüglich fragen sollte. Es schien ihm, als hätten alle andere Sorgen - was durchaus so sein würde.
Dorian kramte in seiner Hosentasche nach einem Kaugummi und wandte sich zur Tür um, um sich auf die Suche nach Seana zu machen.
Er hatte den Kopf in den Nacken gelegt, während er zurück gelehnt auf dem Stuhl saß und das Buch in einer Hand vor Augen hielt. Dorian war müde, aber er ging nicht nach oben, obwohl ihn auch hier unten in den Subs nur eine Tatsache hielt; die Auswertungen seiner Dateien. Über eines war er sich nun ganz sicher und er hatte auch schon mit Mr. Summers darüber gesprochen. Aber wie machte man es einem jungen Mädchen begreiflich?
'She's dead', he said; 'I've not waited for you to learn that. Put your handkerchief away - don't snivel before me. Damn you all! she wants none of your tears.'
Wie machte man einem jungen Mädchen begreiflich, dass es keine Eltern hatte und aus einem Reagenzglas stammte? Aus dem Reagenzglas von GENETHICS. Wie sollte er ihr sagen, dass sie nichts anderes als eine Züchtung war? Das konnte er nicht.
'Did she die like a saint? Come, give me a true history of the event. How did -'
Aber sein Entschluss stand fest. Er hatte es mit Scott Summers besprochen und auch er hatte dem Ganzen letztlich zugestimmt, denn Seana existierte offiziell überhaupt nicht. Noch hatte sie keinen Nachnamen, aber den würde sie bald bekommen. Seana Hayward.
'And I pray one prayer - I repeat it till my tongue stiffens. You said I killed you - haunt me, then. The murdered do haunt their murderers. I believe - I know that ghosts have wandered on earth.'
Dorian ließ die Hand sinken und sah eine Weile an die Decke des Raumes. Er vermisste jemanden, mit dem er reden konnte. Jemand, mit dem er nicht nur beiläufige Gespräche führte oder der medizinische Hilfe brauchte. Er vermisste Raguel.
Bevor Dorian in die Staaten ging, hatten Sariel und Raguel mal wieder einen heftigen Streit, bei dem es wohl auch recht handgreiflich zugegangen war. Als Sariel Dorian dann am See bemerkte, zielte er mit einer Waffe auf Dorian. So richtig beeindruckt war Dorian nicht, da er ohnehin glaubte, in 4 Monaten tot zu sein. Obwohl die Waffe gar nicht geladen war, nahm Raguel Sariels Wut ziemlich übel. Sariel hingegen schien wiederum von Raguels Benehmen verletzt zu sein.
Raguel fuhr mit Dorian ans Meer. Es war Dorians Wunsch gewesen, das Meer noch einmal zu sehen.
Wieder einmal betrachtete Dorian Raguel eine Weile, doch dann nickte er leicht. Er würde nicht noch einmal so dreist sein, denn eigentlich ging ihn das alles auch gar nichts an.
"Vielleicht sollte ich eher fragen, ob mit dir alles in Ordnung ist?"
Ungefragt hob er das Kinn des anderen an und betrachtete Raguels Augen. Ein grünes und ein blaues. Das war schon sehr selten, vor allem da auch Sariels Iris derart war. Vielleicht auch wieder eine Mutation. Dorian kam es vor, als leuchtete eines dieser Augen im Moment intensiver. Das blaue?
"Möchtest du mit hinein kommen und dir anhören, was ich bisher heraus gefunden habe?"
Er ließ die Hand wieder sinken und drehte den Kopf zur Tür von Logans Büro.
Raguel und er hatten gerade die Diskette angesehen, ehe sich Ersterer von ihm verabschiedet hatte und Dorian nun wieder in den Subs stand. Raguel war zu einer Lehrerkonferenz gegangen, aber auch auf ihn wartete Arbeit. Er hatte sich bereit erklärt, die Daten und Zahlencodes auf der Diskette zu entschlüsseln.
Woher Dorian wusste, dass es sich bei den Zahlenreihen um Versuchs- und Züchtungsobjekte handelte, konnte er selbst nicht sagen. Aber da er die Diskette einst angelegt haben musste, waren diese Informationen wohl noch irgendwo gespeichert. Wieder einmal fragte er sich, ob er selbst einer von denen gewesen war, der Experimente mit den Kindern gemacht hatte. Er war zum Mörder geworden, dann lag es doch nahe, dass er auch ein skrupelloser Wissenschaftler war.
Er hoffte es nicht, und er konnte es auch nicht glauben. Er wollte es nicht glauben, aber er hatte Angst vor der Wahrheit; was mitunter wohl der Grund dafür war, dass die Blöcke nicht so aufbrachen, wie es hätte sein können. Wahrscheinlich wollte er sich gar nicht erinnern. Trotz allem hatte er Raguel seine Hilfe versprochen, denn er wusste nicht, wohin er sonst gehen sollte.
Über 100 Zahlencodes, DNA-Stränge und Versuchsreihen waren in den Datein vorhanden. Sie mussten einander zugeordnet werden, um die entsprechenden Ergebnisse miteinander vergleichen zu können. Die Versuche an den Kindern dienten einem ganz bestimmten Zweck und Dorian hatte sich geschworen, es für das Institut heraus zu finden.
Auch wenn er dabei entdecken musste, dass er ein Monster... Mr. Hyde, nie Dr. Jekyll gewesen war.
Er warf einen Blick in die Labore und blieb dort eine Weile unschlüssig stehen. Sollte er hier nicht auch Dr. Grey antreffen? Vielleicht würde er sie später sehen.
Raguel und Sariel begleiteten Dorian nach Inverness. Zwischenzeitlich griff allerdings wieder einer der Blöcke und Dorian konnte sich nicht mehr daran erinnern, was er überhaupt in der Bank wollte. Das Schließfach fasste einen Brief von Dorian an sich selbst - ebenso eine Diskette, die noch nicht angesehen worden ist, jedoch sehr brisantes Material gegen Genethics enthalten soll.
Letztlich nahm Raguel Dorian mit hinauf ins Institut; wobei es in ihrem Gespräch hauptsächlich um Iren und Schotten ging - und wer von beiden trinkfester ist.
Irgendwie gewann keiner von beiden, denn Sariel beendete die Whisky-Session mit einem Wutanfall und irgendwie scheinen sich die beiden Brüder nun zerstritten zu haben...
„Da gibt es diesen Moment… diesen kurzen Moment zwischen Träumen und Wachen. Dieser Augenblick ist so schnell vorbei, dass du ihn kaum wahrnimmst. Aber was passiert in diesem Augenblick, Dorian? Du weißt nicht, wo du bist, du weißt nicht, wer du bist und du hast absolut keine Ahnung davon, dass du überhaupt bist… ähnlich einer Bewusstlosigkeit, nur um einiges faszinierender. Uharg, was ist denn das für eine widerliche Pampe? Die Kantine hier sollte verklagt werden.“
„Was willst du mir eigentlich damit sagen, Nolan?“
„Das liegt doch auf der Hand… das Zeug wird genauso schmecken wie es aussieht. Hey, warte… jetzt renn doch nicht immer weg!“
„Dafür habe ich heute keinen Nerv.“
„Ja… wie für viele Dinge nicht. Oh…Dorian, ich sehe, ich habe deine Aufmerksamkeit. Du solltest nicht vergessen, wo du bist oder wer du bist, aber am aller wenigsten solltest du vergessen, dass du bist. Vielleicht träumst du dann mehr als dass du wachst… aber bei dem Essen hier ist das vielleicht eine gute Alternative.“
„Soll das eine Drohung sein?“
„… du bist ja so ein selbstgefälliger Idiot, Dorian.“
Dorian stand vor dem Spiegel in einem der Räume in den Subs. Er hatte sich gerade mit Hilfe eines Mannes, der sich mit Raguel vorgestellt hatte, die tiefe Schnittwunde in linker Schulter vernäht. Die Fünfstichnaht sah trotz eigener Einschränkung annehmbar aus, wenngleich ihm noch immer der Schweiß auf der Stirn stand, da er die Wunde nicht hatte betäuben können. In eben diesem Moment, als er in den Spiegel sah und seine sich ständig verändernde Iris betrachtete, wurde ihm klar, was Nolan damals in der Kantine gemeint hatte. In seine starren Züge trat für einen kurzen Augenblick ein schwaches Lächeln, ehe er sich abwandte und im Raum umsah. Er war hier kein Gefangener, wie ihm Raguel versichert hatte, und doch fühlte er sich so.
Und dann war sie wieder da… die Erinnerung. Dorian wusste nicht, wie lange sie bleiben würde - er musste sofort mit jemandem sprechen.
Vollständiger Name: Dorian Gabriel Hayward
Spitzname: Poseidon
Codename: keinen
Mutation:
Aquakinese: Lenken von Wassermassen, sowohl von Salz- als auch von Süßwasser
Aquagenese:
A) Er braucht einen gewissen Wasservorrat, um Wasser zu erschaffen, was nicht heißt, dass er eben dieses Wasser als erschaffenes Wasser nutzt - sondern das Wasser in seinem Körper lediglich als Energiequelle dient, die für die Wassererschaffung notwendig ist.
B) Dorian benötigt natürlich ein Umfeld (sprich: genug Luftfeuchtigkeit), das es ihm erlaubt, Wasser zu erschaffen. In einer Wüste z. B. würde er kaum genug Wasser erschaffen können, selbst wenn sein eigener Energievorrat dazu ausreichen würde.
Alter: 27
Geburtstag: 12.10.1977
Geburtsort: Nairn/ Schottland
Beruf: Arzt für Humanmedizin und Mutationsbedingte Veränderungen
Aussehen: Dorian ist recht schlank, irgendwie auch schmächtig zu nennen, obwohl er sportlicher Betätigung nicht abgeneigt ist.
Haarfarbe: dunkelblond
Augenfarbe: wasserblau
Besondere Kennzeichen: Das Blau seiner Iris ist meist in Bewegung, so wie die Gezeiten des Meeres, manchmal wirkt es sogar schäumend. Im Nacken trägt er einen eintätowierten Zahlencode, von dem er nicht weiß, was er bedeutet.
Charakter: Er hat ein ruhiges, meist sehr ausgeglichenes Wesen und legt großen Wert auf korrektes Benehmen. Zudem tritt er immer sehr gepflegt auf und achtet auf sein Äußeres.
Vorlieben: Dorian liebt das Meer, aber auch jede andere Art von Gewässer.
Abneigungen: Gerüchte kann er nicht leiden, ebenso wenig Vorurteile und Intoleranz. Dorian ist ein Idealist.
Hobbies: Natürlich geht Dorian gern Schwimmen, denn Wasser ist sein Element. Er verträgt Salz- wie Süßwasser, wenngleich er das Meer bevorzugt.
Freunde: Er ist nicht wirklich zurückgezogen, geht sogar auf Menschen offen zu – als Arzt ja unabdingbar. Dorian hat keine Berührungsängste, aber dennoch scheint er sich schwer zu tun, Kontakte zu knüpfen, aus denen Freundschaften werden könnten.
Familie: Vater: Thomas Dorian Hayward, Mutter: Helen Beatrice Hayward
Geschichte:
„Wenn ich mich an die Tage meiner Kindheit erinnere, so ist es wie ein Schleier, der über allem liegt. Nicht, dass mir meine Kindheit nicht gefallen hätte – jedenfalls nicht, soweit ich mich daran erinnern kann –, doch ist mir zuweilen so, als hätte nicht ich diese Zeit erlebt, sondern ein anderer. Ich war ein Kind, das nie gern auf hohe Bäume kletterte, auch kann ich mich nicht erinnern, dass ich je auf einem hohen Turm gewesen bin. Meine Eltern lebten in einem Vorort von… lassen Sie mich nachdenken… ja, von Nairn und direkt an der Küste. Es war eines dieser Häuser, die heutzutage die Touristen fotografieren – Sie wissen schon, diese bunten Häuser, die wie Soldaten in einer Reihe an der Küstenstraße stehen und vor allem vom Meer aus nett anzusehen sind. Nun, wir Kinder waren jedenfalls so gut wie jeden Tag bei den Felsen am Strand und haben uns die Zehen an den scharfen Steinen aufgeschlagen und Treibgut zurück ins Meer geworfen. Aber Sie wären erstaunt, was der Ozean so alles wiedergibt, wenn er es lange genug blank geschliffen hat.
Als ich dann älter wurde, half ich einigen Seeleuten auf einem Fischkutter, obwohl ich diese Arbeit gehasst habe. Grinsen Sie nicht, aber manchmal habe ich die Fische sogar zurück ins Meer geworfen. Ich empfand es als bestialisch, dem Ozean in solch großen Mengen das Leben zu rauben; ihm den Atem zu nehmen. Aber lassen Sie mich fortfahren, bevor ich allzu sehr abweiche. Irgendwann suchte ich mir Arbeit im Inland, was sich als nicht sonderlich leicht herausstellte, denn zu dieser Zeit herrschte überall Arbeitslosigkeit. Ich muss ungefähr 15 Jahre alt gewesen sein, als ich in dieser Leichenhalle anfing. Anfangs nur als Laufbursche und für das Herumreichen von mir damals unbekannten Gerätschaften. Es war Dr. Adam Lewis, der mein Potential für die Medizin erkannte, noch bevor ich es selbst zu erkennen glaubte. Ich erinnere mich, wie es damals zu einer großen Diskussion kam, als eben dieser Mann – den ich heute als meinen großen Mentor ansehe – mit meinen Eltern sprach, um mir ein Studium in der Medizin zu ermöglichen. Adam Lewis war nicht nur ein Mann von äußerst erstaunlichem Fachwissen, sondern auch ein Mensch, den zu schätzen und zu bewundern keiner leugnen konnte, der ihm je begegnet war.
Aber ich habe vorgegriffen, denn meine Mutation äußerte sich in eben dieser Zeit, als ich in der Leichenhalle anfing. Ich konnte Wasser die Wände hinauf rinnen lassen – sehr zur Belustigung auf der einen Seite und zur Verteufelung auf der anderen. Seit damals sagt man mir den Spitznamen Poseidon nach. Später, als ich auch mit Lebenden in medizinischer Hinsicht zutun hatte, konnte ich den Wasserhaushalt eines Körpers exakt bestimmen und etwaige Diagnosen auf Wassereinlagerungen stellen. Vor einigen Jahren im Sommer dann starb meine Mutter an Krebs und mein Vater folgte ihr nur wenige Monate nach. So ist das mit alten Leuten, nicht wahr? Ich finde es seltsam, doch die Trennung durch den Tod können nur wenige Paare über eine längere Zeit hinweg verkraften. Jedenfalls… ich glaube, ich habe dieses Haus an der Küste verkauft. Ja, Sie runzeln zu Recht die Stirn, aber ich weiß es nicht mehr genau. Vor zwei Jahren hatte ich einen Autounfall, bei dem Teile meines Gedächtnisses ausgelöscht wurden, und wenn ich heute an die Küste fahren würde, könnte ich nicht einmal sagen, welches Haus es war, in dem ich aufgewachsen bin.
Im Moment arbeite ich im Genforschungslabor von Inverness und, Mr. Haynes, sollte dort irgendetwas vorfallen, so gehen Sie mit meiner Einverständniserklärung zu jenem Bankfach, das ich Ihnen nannte. Jedoch nur, wenn ich zum nächsten Treffpunkt nicht erscheine. Wollen Sie meinen Kaffee? Ich muss jetzt leider weiter…“