Das X-odus Forum befindet sich derzeit in einer Pause.
Für all Diejenigen, die ihre Charaktere bis zum Wiederbeginn
nicht ruhen lassen wollen, empfiehlt die SL euch
diese Seite.
Wir wünschen unseren fleissigen Usern viel Spass
auf der neuen Plattform und hoffen
euch alle in alter Frische und mit dem gleichen Elan
bald auch wieder an dieser Stelle begrüssen zu können.
Dorian klopfte nur kurz an... Padraig war nicht mehr auf der Krankenstation, man hatte ihn bereits auf sein Zimmer gebracht, wo er es bequemer hatte...oder nicht? Jedenfalls war er an jenem Abend nicht mehr auf der Krankenstation - eigentlich war niemand mehr dort außer Jean. Die Schüler waren schon alle zu Bett gegangen und es schien so, als wäre es auch das Lehrpersonal, denn auf den Gängen ebbten die allgemeinen Geräusche des Tagesberiebs ab... wenngleich man Dorians Schritte hören konnte, die sich der Tür näherten und davor verstummten, ehe ein Klopfen ertönte. Er betrat den Raum und nahm seine Brille ab, die er beim Lesen aufgehabt hatte. Langsam schob er sie in seine Jacketttasche, als er den Blick durch den Raum schweifen ließ, bis er sie entdeckt hatte. Kurz lächelte er und kam dann näher.
Ihre grünen Augen blickten auf und über den Rand der Lesebrille hinweg zu Dorian, der in der Tür stand und sie inmitten einiger Arbeiten fand, welche zum größten Teil der Aktualisierung von Krankenakten diente. Was er nicht sehen konnte war, dass auf ihrem Laptop einige Daten von Hank geöffnet waren und die bereits bekannten Mutationstypen abglich und erneuerte. Langsam klappte sie den Laptop zu und nahm die Lesebrille ab. „Mister Hayward, was kann ich für sie tun?“
Ihr Lächeln war knapp, bis eben war sie vertieft gewesen und jetzt wirkte sie mit den Gedanken noch etwas abgelenkt. Doch sie fing sich und alsbald hatte er ihre volle Aufmerksamkeit. Mit einer geschmeidigen Handbewegung bot sie ihm den bequemen Stuhl ihr gegenüber an, der sich sogleich ihm etwas zuwandte und sich ihm geduldig darbot.
Dorian hatte nicht vor, sich zu setzen. Stattdessen ging er an den Glasschränken vorbei und warf dort einen Blick hinein. Eigentlich suchte er ja nur nach seinen Tabletten und das tat er dann doch lieber, wenn niemand mehr auf der Krankenstation war. Wo hatte man sie denn diesmal hingelegt? Noch immer kam er sich wie ein Gast im Institut vor, aber er war auch nichts anderes, denn er füllte hier keine Funktion aus.
"Ich brauche meine Tabletten."
Er musste nicht viel dazu sagen, denn sie standen auf der Rezeptliste und niemand sonst verwandte sie. Das Licht flackerte einen kurzen Moment, so dass er aufsah.
„Ihre Tabletten“, wiederholte sie ihn nachdenklich und mit einer unbewussten Bewegung schnappte der Laptop zu, den sie eigentlich nicht wirklich schließen wollte. Einen verwunderten Blick über sich selbst, warf sie auf den Laptop und sah, dass sich ihre rechte Hand um einen Stift geklammert hatte. Mit einer fahrigen Bewegung löste sie ihre Finger und legte den Stift beiseite.
Er würde die Tabletten nach einigem Suchen sicherlich hinter der Glaswand finden, denn entgegen ihres eigentlichen Vorhabens, hatte sie heute Morgen eine verwirrende Erinnerung daran gehindert, das Tablettendöschen in eine abschließbare Schublade zu räumen und nun stand es an seinem angestammten Platz, wie sonst auch immer und wartete darauf, dass es abgeholt werden würde.
Die Erinnerung, wie sie die Dose in der Hand gehalten hatte und mit sich selbst haderte, ob sie diese nun wegschließen sollte oder nicht. Eigentlich hatte sie den Platz verplant gehabt, damit bei einem Notfall der schnelle Zugriff auf das richtige Medikament möglich war und doch brachte sie es nicht fertig, sie wegzuräumen. Dorian würde sie sowieso schnell abholen und dann wäre der Platz wieder frei.
„Ich habe sie nicht weggeräumt, sie müssen da stehen, wo sie immer sind“, meinte sie beiläufig und klappte den Laptop wieder etwas auf. Wo war sie gerade? Ach ja die Mutations AG. Am besten noch einen Vermerk auf die Bestellliste für neue Medikament machen. Gut, das war auch schnell erledigt.
Dorian wandte sich zu ihr um und wartete, während er ihr dabei zusah, wie sie ihren Stift ein klein wenig zu krampfhaft hielt. Sie schien wohl etwas überarbeitet, oder? Vielleicht sollte er sie mal darauf ansprechen, immerhin war er auch Arzt - ja, vielleicht konnte er ihr ja ein wenig auf der Krankenstation helfen. Immerhin war die Auswertung der Daten abgeschlossen und er hatte hier keinerlei Funktion mehr, so dass er sich durchaus fragte, wie es weitergehen sollte.
Da er nicht mehr hinter die Glaswand blickte und glaubte, sie würde sich erheben, um ihm sein Medikament zu holen, wartete er und suchte nicht wieder danach. Ja, wahrscheinlich hatte er sie einfach nur übersehen, da er mit den Gedanken auch nicht ganz da war.
Als sie ihn anwies noch einmal danach zu suchen, zog er die Brauen leicht zusammen. Sie war schon ein wenig komisch, oder? Und im Moment fand er sie auch recht unhöflich, obwohl er sie so gar nicht kennen gelernt hatte.
"Geht es ihnen gut, Miss Grey? Sie wirken etwas angespannt."
Noch einmal flackerte das Licht im Zimmer, so als würde einer der Mutanten mit seinen Fähigkeiten spielen. Dorian wartete Jeans Antwort jedoch nicht ab, er zog die Glastür auf und sah noch einmal genauer nach, bis er fand, wonach er gesucht hatte. Er steckte das Döschen in seine Jackentasche, als wäre es nie da gewesen und schloss den Schrank wieder. Sollte er sie Fragen, ob sie Hilfe mit der Krankenstation brauchte? Aber dann würde sie ohnehin ablehnen, oder? Er sah zu ihr zurück und eine leichte Welle erfasste seine dunkelblaue Iris.
Nun erhob sie sich doch aus ihrem Sessel, ging um den Schreibtisch herum und trat neben Dorian an den Glasschrank. Sie warf einen Blick hinein und versuchte sich angestrengt an die genauen Details ihres Traumes zu erinnern. Nein, kein Traum. Sie kannte die Parallelen und wusste, dass es etwas mit Scotts Vision zu tun hatte. Nicht umsonst hatte sie Unterschiede gespürt. Dorian hatte sich anders angefühlt, was eine Tatsache war, denn sie hatte ihn nie berührt und der Kopf konnte nichts träumen, was er nicht kannte, sonst käme nur unsinniger Schwachsinn heraus. Also musste es eine Vision gewesen sein und ihre Ähnlichkeit mit der, die sie von Scott gesehen hatte, waren derart groß, dass ihr nicht nur jetzt der Gedanke kam, dass es manipuliert gewesen war.
„Sagen sie Mister Hayward, haben sie in letzter Zeit etwas ungewöhnliches geträumt?“ Irgendwie hatte sie das Gefühl, dass diese manipulierten Träume nicht nur Scott und sie hätten heimsuchen können, sondern das gesamte Institut. Zum Glück wollte Logan ein Briefing, da würde sie es wohl zur Sprache bringen müssen, sonst bliebe sie damit allein.
Jean schüttelte leicht den Kopf. Sie wollte die bruchstückhaften Eindrücke von nackter Haut, Brutalität und Parfum aus ihrem Geist vertreiben, was ihr sogar recht gut gelang. Sie wandte den Blick zu Dorian und sah in diese eigentümlichen Augen.
Na ja, vielleicht vermischte sie auch einfach einige Erinnerungen und Tatsachen miteinander? Im Traum war es doch immerhin möglich, dass sich Bekanntes mit Groteskem zu etwas verband, das es in Wahrheit gar nicht gab, oder? Aber sie hatte wohl schon richtig erkannt, dass einige Elemente aus Scotts Vision - so wie er ihr jene gezeigt hatte - in ihrem Traum vorgekommen waren. Nicht alle, denn seltsam war tatsächlich, dass Dorians Hemdkragen der Duft des Rasierwassers entstieg, den sie zuvor schon einmal wahrgenommen hatte, als er sich ihr in diesem Moment zuwandte und die Hand am Glasschrank abglitt.
Wenn sie nun in seine Iris sah - die Augen waren der Spiegel der Seele, der Quell der Wahrheit, nicht wahr? Bei Dorian traf dieser Spruch so treffend zu, das es faszinierend war, diesem Spiel zuzusehen. Wenn sie seinem Blick also begegnete, dann konnte sie darin tatsächlich einen Augenblick (im wahrsten Sinne des Wortes) eine heftige Regung darin erkennen. Ihre Frage konnte er also gar nicht mehr mit Nein beantworten, sonst wäre er ein Lügner, oder nicht?
"Eigentlich träume ich nur ungewöhnliches Zeug." Er musste leicht schmunzeln, sah sie kurz darauf jedoch etwas fragend an. "Warum wollen sie das wissen?" Und konnte es sein, dass sie jetzt eine Gänsehaut hatte? Irgendetwas stimmte mit Jean Grey nicht und Dorian wurde erst jetzt richtig aufmerksam darauf.
Sich gegen den Glasschrank lehnend, musste sie feststellen, dass der Duft des Parfums nicht aus ihrer Erinnerung kam, sondern wahrhaft und tatsächlich aus Dorians Hemdkragen heraufstieg. Zu alle dem kam auch noch die stetige Bewegung in seinen blauen Augen und es war faszinierend zu beobachten, wie man sich darin spiegelte, als würde man in das türkise Blau einer friedlichen Lagune sehen. Nun zumindest manchmal, es schien mit Dorians Stimmung zusammenzuhängen, welche Wasseroberfläche diese Augen gerade wiedergaben.
„Warum ich das wissen will? Nun ja, wir sind ein Haus voller Begabter und ich hatte letzte Nacht einen merkwürdigen Traum. Ich wollte nur wissen, ob es vielleicht noch anderen so ergangen ist und ob vielleicht doch jemand aus dem Institut dafür verantwortlich ist. Sie erinnern sich sicher, an ihre erste Prognose im Fall Seana, hm?“ Das war ihr doch tatsächlich erst während des Sprechens in den Sinn gekommen. War Seana nicht träumerisch begabt? Aber ob sie wirklich damit zusammenhing? Schließlich hing die Kleine sehr an Dorian und schien sich keinem Anderen wirklich so nahe zu fühlen. Das würde vielleicht doch nicht zu ihr passen.
Anfangs hatte sich Dorian einfach auch seitlich an den Glasschrank gelehnt und er schien die Unterhaltung recht interessant zu finden. Nein, er hatte nichts Seltsames geträumt - jedenfalls nicht mehr wirres Zeug als er sonst auch so träumte. Seine Augen hatten also wieder zu einer seichten Bewegung gefunden, die an einen leichten Wellengang bei Ebbe erinnerte.
Allerdings gab es wieder einen leichten Ruck und das Dunkelblaue in seiner Iris begann einen Moment zu schimmern, als Jean Seana ansprach. Dorian richtete sich wieder etwas gerader auf und nickte.
"Ja, Seana... natürlich erinnere ich mich. Sie meinen, sie könnte dafür verantwortlich sein? Es wäre möglich, aber ich weiß nicht, ob sie schon soweit ist, dass sie ihre Träume über ganze Etagen verschicken könnte. Wohl eher nicht... obwohl sie ein sehr talentiertes Mädchen ist. Sie hat schon sehr viel gelernt, seit sie hier ist und sie ist sehr wissbegierig. Außerdem..."
Ähh... er redete gerade zu viel. Und er hatte in diesen ganzen Ausführungen nur eine einzige Frage gestellt. Das war nicht normal für ihn, absolut nicht. Aber fiel ihr auf, dass er ein klein wenig stolz war?
Jeans Antwort war ein Nicken und sie lächelte sogar etwas, auch wenn in ihrem Inneren immer noch alle Alarmglocken läuteten und es ihr zunehmend schwerer fiel in seiner Nähe, sie einfach totzuschweigen. „Dann... schlafen sie gut. Wir sehen uns dann morgen in alter Frische?“ Jetzt fing sie sogar schon an wie ein alteingesessener Arzt zu reden. Sie hatte in letzter Zeit einfach viel zu viel als Arzt zu tun, als sie es in New York tat. Ihr fehlte die Aufregung, wie das Salz in der Suppe und der falsche Friede über dem Haus machte sie ganz hibbelig.
Wie sie sich an Dorian vorbei zu ihrem Schreibtisch schlich, hatte sie sich immer noch sehr gut unter Kontrolle, nur rutschte ihr, endlich beim Schreibtisch angekommen, eine Akte aus der Hand, die sie eben noch aufnehmen wollte. „Sieht so aus, als sollte ich auch etwas Schlaf bekommen“, murmelte sie zu sich selbst und sah Dorian nach, wie er das Krankenzimmer verließ. In weniger als 15 Minuten würde das Licht hinter ihr erlöschen und dann wäre Ruhezeit angesagt.