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nicht ruhen lassen wollen, empfiehlt die SL euch
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auf der neuen Plattform und hoffen
euch alle in alter Frische und mit dem gleichen Elan
bald auch wieder an dieser Stelle begrüssen zu können.
Der Oktober war noch recht schön, obwohl man merkte, dass es allmählich immer kälter wurde. Das hielt Dorian aber nicht davon ab, hin und wieder mal das Institut zu verlassen und um den See zu gehen oder sogar eine Runde zu schwimmen. Heute allerdings saß er einfach nur auf einem Gartenstuhl auf der Terrasse und blickte über den Garten. Das, was er in den Subs heraus gefunden hatte, wog schwerer als er geglaubt hatte. Aber was hatte er erwartet? Dorian hatte die Wahrheit gesucht, und die Wahrheit hatte er bekommen. Wie unwirklich das alles war, wenn man in den Garten blickte und die ersten Herbstblätter fallen sah.
Scott Summers hatte ihm ausgerichtet, dass sich Genethics zu Wort gemeldet hatte. Lewis wollte sein Eigentum zurück. Aber es war nicht wichtig, denn der Professor musste sich im Klaren darüber sein, dass Dorian die Daten schon längst ausgewertet hatte. Lewis musste wissen, dass das Labor nun einen Gegner hatte, den sie nicht unterschätzen durften. Hatte man darum nach Dorian geschickt? Weil er einst bei Genethics gearbeitet hatte? Wahrscheinlich war es so... das Team meinte, dass Dorian Lewis zwar treffen sollte, doch dann auf einem neutralen Boden. Am besten der Marktplatz in Inverness. Dorian hatte keine Angst davor, er hatte vielmehr tausend Fragen, die er Lewis stellen musste.
Im Moment wartete er eigentlich auf Seana. Erst jetzt war ihm klar geworden, warum er das Mädchen so gut verstehen konnte und warum er sich ihr so verbunden fühlte.
Aus der Ferne wurden die Schritte von vier Kinderbeinen hörbar. Es war abends und um diese Zeit lief Seana immer mit Karl eine Runde um das Institut oder um das Loch oder... nun ja, ihre Schritte wurden auf dem Kiesweg deutlicher und deutlicher, bis auch ihr dunkler Haarschopf in Sicht kam und sie sich völlig ausgepowert einen Moment auf ihren Knien abstützen musste, vornüber gebeugt dastand und nach Luft schnappte.
Sie stand unweit der Terrasse neben Karl und es war deutlich, dass ihre Erschöpfung sich anders zeigte, als bei ihm, zumindest wenn man ein Arzt war. Nachdem sie einige Worte mit Karl gewechselt hatte und ihm irgendetwas gegeben hatte, wollte sie schon mit ihm zurück ins Institut gehen, als sie inne hielt und nach einigem Suchen auch etwas fand.
Über die Entfernung hinweg betrachtete sie Dorian, wie er auf dem Stuhl lehnte und sich die Umgebung ansah. Es dauerte eine Weile, bis sie sich wieder in Bewegung setzte und den Weg in Richtung Terrasse einschlug. Ihre Turnschuhe knirschten vom Kies auf den Stufen und dann stand sie neben ihm, sah auf ihn herunter und wischte sich mit dem Ärmel ihrer Fliesjacke über die Stirn.
„Was siehst du dir an?“ Ihr Blick folgte versuchsweise dem, was er sich hätte ansehen können und vor ihr lag die weite Landschaft des Institutes.
Dorian drehte den Kopf in Seanas Richtung und schien sie einen Moment lang zu mustern. Aber dann lächelte er und nickte sie näher. Er griff ihr Handgelenk und zog sie zu sich auf den Schoß. Ja, es war kein Sommer mehr und er würde sie auch gleich duschen lassen, ehe sie noch krank wurde, aber kurz wollte er ihr noch etwas zeigen, denn er streckte den Arm aus und deutete auf einen der Bäume, die am Rand standen. Es waren rote Kastanien, die erst im Sommer wieder blühen würden, jetzt dafür dunkelbraune Kastanien trugen, die allmählich auf den Boden fielen.
„Siehst du dort? Da sind zwei Eichhörnchen vor dem Baum.“
Er fragte sich, woher er sein ganzes Wissen hatte. Er konnte sich einfach nicht vorstellen, dass er nichts wirklich gelernt hatte. Er fand nicht heraus, wie sie es angestellt hatten, dass er so viele Dinge wusste, die man erst im Laufe von Jahren lernte. Wo war er in seinen Kindertagen gewesen, wenn nicht im Haus seiner Eltern? Wie Seana in einem dieser Wasserröhren? Was für ein Wahnsinn… was für ein unermesslicher Wahnsinn. Es würde jedenfalls erklären, warum er sich mit Bindungen schwer tat. Aber das alles war doch nicht real, oder? Es entsprang einem Albtraum.
„Hast du mal Lust, an die Küste zu fahren? Das Land hört dort auf und der Ozean breitet sich vor einem aus. Er ist noch größer als der See am Institut. Viel größer…“
Ein wenig kniff er die Augen zusammen, ehe er Seana fragend ansah. Sie war wie er und er wusste nicht, zu welchem Zweck man Seana gezüchtet hatte. Er war bei Genethics als Wissenschaftler und Arzt gewesen. Vielleicht war er einfach nicht für gut genug für die Camps eingestuft worden. Immerhin hatte er den Status von ‚nicht gefährlich’. Vielleicht war er einfach zu ungefährlich gewesen. Aber warum hatte man Seana gezüchtet? Was steckte hinter ihrem Geheimnis? Wenn er Lewis traf, dann würde er ihn fragen, das schwor er sich.
„Aber zieh’ dich erst einmal um, sonst wirst du noch krank.“
Dorians Schoß war warm und für einen Moment erlag sie der Versuchung sich an ihn zu kuscheln, als er auch schon auf den Baum und die sich dort bewegenden Fellkugeln deutete. Sie brauchte eine Weile, um sie überhaupt zu erkennen, doch dann hatte sie die Eichhörnchen entdeckt und lächelte.
Das Angebot an die Küste zu fahren, lenkte sie ab und sie wandte ihren Blick in Dorians Gesicht, dass ihr so vertraut war. „Das Meer... ich habe noch nie das Meer gesehen...“, und damit war es entschieden. Sie wollte dort hin. „Ja, gerne...“, meinte sie und erhob sich zögerlich von seinem Schoß, als er die väterliche Fürsorge ausspielte und sie daran erinnerte, dass sie durchgeschwitzt war und hier draußen ein frischer Wind wehte.
„Ich... bin gleich zurück“, sagte sie und war dann auch schon für eine reichliche Viertel Stunde verschwunden. Sie kam in ihren warmen Winterklamotten zurück, von dem der Pullover wohl etwas zu groß war, aber überaus kuschelig. Sie vergrub die Hände in ihre Jacke und lehnte sich an den Gartentisch neben ihm und sah ihn an.
"...wenn das erstmal hinter uns liegt, dann koennen wir auch..." Das zweifarbige Augenpaar Raguels kam auf Seana zum Ruhen, als er sich halb von Dorian abgewandt hatte. Der Satz blieb unvollendet - aber vielleicht waere er das ohnehin geblieben. Es gab nur wenige Orte in diesem Haus, in dem man Dinge unter zwei Augen besprechen konnte. Die Veranda war ein selten schlechter Ort dafuer, das musste Raguel ohnehin eingestehen.
So, das war nun also Dorians 'Tochter'? Er musste sich sein Grinsen fuer einen Moment einfach ansehen lassen, schliesslich wirkte es ja auch alles andere als unfreundlich. "Hallo Seana."
Nun, wenn man richtig hinsah, machte sich Dorian in seinem neuen Job doch wirklich alles andere als schlecht.
Dorian erhob sich, als er Seana bemerkte. Er hatte sie erst gesehen, als sich Raguel halb abgewandt hatte.
"Ja", antwortete er Raguel - so als wisse er ohnehin, was der andere hatte sagen wollen. Vielleicht wusste er das auch. Raguels Eigenart, keinen Satz wirklich zu vollenden, war er allmählich schon gewohnt. Dorian trat neben Raguel, streckte die Hand aber aus, um dem Mädchen über die Wange zu streichen.
"Raguel kennst du ja, Seana, nicht wahr?" Er war sich nicht so sicher, aber gewiss hatte sie auch schon mal bei ihm Unterricht gehabt. Raguel gab ja mit Kassander Literaturunterricht.
"Er wird uns zur Küste fahren." Kurz sah er auf die Uhr, aber eigentlich nur, weil er damit etwas Bestimmtes überspielen wollte. Wenn man genau hinsah, dann konnte man das kurze Grinsen allerdings in seinem Gesicht ausmachen. Was genau es zu bedeuten hatte, war allerdings schwer zu erraten. Gut, sie sollten sich vielleicht beeilen, sonst wurde es dunkel.
Als er wieder aufsah, streifte sein Blick Raguel und er nickte leicht. "Dann können wir ja." Wobei er Seana die Hand hinstreckte. Ja, seine Tochter. Irgendwie ungewohnt, auch wenn er sich nicht wirklich unwohl dabei fühlte.
Sie hatte ihn gar nicht gleich bemerkt, doch dafür sah sie ihn nun etwas aufmerksamer an. Sein Gesicht gehörte zur selten geseheneren Sorte in diesem Institut und deshalb hatte es so vieles an sich, dass sie nicht kannte und dem sie entsprechend viel Neugierde entgegenbrachte. Es gab keinen Gedanken, ob sie vielleicht stören könnte und mit einer Flasche Wasser in der Hand, dessen Wichtigkeit sie von Logan im Sportunterricht gelernt hatte, stand sie da bei den zwei Männern und starrte Raguel an.
„Hallo...“, meinte sie ruhig und trank einen Schluck. Seinen Nachnamen hatte sie wohl verlegt. Die Flasche wieder zuschraubend, griff sie nach Dorians Hand und schmiegte ihre kleinen noch warmen Finger in seine Hand, die ein wenig kühler war.
Seana störte gewiss nicht, immerhin hatte er ja mit Raguel auf das Mädchen gewartet. Da Dorian selbst keinen Führerschein hatte (was wohl - aus Sicht des Labors - einen guten Grund gehabt hatte), würden sie mit Raguel fahren. Die Küste war zwar nicht allzu weit entfernt, aber kurz hinlaufen konnte man auch nicht. Hatte er tatsächlich eine so kühle Hand? Jedenfalls war sie beruhigend fest, obwohl Dorian in den letzten Tagen für seinen Geschmack einfach zu viel heraus gefunden hatte.
Sie würden nicht wieder ins Innere des Instituts gehen, sondern außen herum, bis sie im Hof ankommen würden, wo Raguels Wagen bereits stand. Seana durfte hinten sitzen - alt genug (oder besser gesagt groß genug) war sie ja bereits, dass sie sich problemlos anschnallen konnte ohne dass sie der Gurt am Hals störte.
Dorian sah zurück zu ihr und lächelte kurz. Wenn Seana nun irgendwie ein seltsames Gefühl überkam... dann hatte sie verdammt Recht damit.