Das X-odus Forum befindet sich derzeit in einer Pause.
Für all Diejenigen, die ihre Charaktere bis zum Wiederbeginn
nicht ruhen lassen wollen, empfiehlt die SL euch
diese Seite.
Wir wünschen unseren fleissigen Usern viel Spass
auf der neuen Plattform und hoffen
euch alle in alter Frische und mit dem gleichen Elan
bald auch wieder an dieser Stelle begrüssen zu können.
Ein Lächeln legte sich auf ihren Mund.
Sie kam näher und ließ sich nach kurzem Zögern neben Ele auf einem der Stühle nieder.
Sie stützte die Hand an die Ränder der Sitzfläche, als wolle sie sich festhalten und sah dann zu Ele hoch.
"Ich wollte Sie etwas fragen", begann sie unsicher.
"Als sie mit Brooke und mir in diesem Cafe waren und uns die heiße Schokolade ausgegeben haben, kam mir der Gedanke, dass ich gern arbeiten würde, damit ich etwas Geld hab.
Meine Idee war, ob ich vielleicht in dem Cafe arbeiten könnte oder in den Musikgeschäft", fügte sie hinzu.
Das Musikgeschäft wäre sicherlich auch eine Möglichkeit.
Es war ihr egal, wo sie letztendlich arbeiten würde, hauptsache, sie konnte sich ein paar Dinge leisten, die sie gern hätte...eigene Schlittschuhe zum Beispiel, neue Kleidung und Cd´s.
"Ich weiß nur nicht, ob es uns Schülern erlaubt ist zu arbeiten und ob mich jemand anstellen würde..."
Ele war etwas überrascht über die Frage. Obwohl sie es gut fand, dass sich das Mädchen Gedanken machte über ein Einkommen. Durch die Akten wußte sie, dass Ash keine Familie hatte.
"Da bin ich im Moment ein wenig überfragt Ashley. Aber wenn ich ehrlich sein soll, würde ich es im Moment nicht gut finden, wenn Du so in der Öffentlichkeit stehst. Obwohl ich deinen Beweggrund sicher verstehe. Und ich weiß nicht, wie die Altersfreigaben für Zuverdienst aussehen. "
Nachdenklich schwieg Eleanora einige Minuten, ihr Blick war konzentriert und in ihrem Hirn jagten sich die Gedanken. Wie konnte sie dem Mädchen helfen?
Mika!!!! das gleiche Procedere hatte sie mit ihr durch. Sie erhob sich und holte Ashleys Akte aus dem Schrank, blätterte sie durch.
"mmhhhh... Toronto...Kanada.. was hältst du davon, wenn ich mit den Behörden dort mal telefoniere und wir dich hier beim Sozialamt anmelden? dann bekommst du Unterstützung. So hab ich das mit einer Mitschülerin von dir auch gemacht. Das Sozialamt ist happy, dass wir die Verantwortung haben und zahlt pünktlich jeden Monat treu und brav das Geld. Wenn du allerdings lieber arbeiten gehen möchtest, mach ich mich da mal schlau, was der Gesetzgeber dazu sagt."
Wie hieß nochmal der junge Mann bei dem sie mit Mika gewesen war? Aber das würde sie in der Akte finden und den würde sie sich vorknöpfen.
Sie musste nur einen guten Grund finden, warum Ashley hier bleiben wollte und nicht nach Toronto zurück wollte. Und keiner da, den sie fragen konnte. Verfixt und zugenäht.... Ele fluchte stumm vor sich hin.
"sag mal, hast du einen kanadischen Pass oder ein anderes Zeichen deiner Staatszugehörigkeit?" setzte sie noch hinzu.
"Nein, nicht die Behörden anrufen", sagte sie schnell - zu schnell, zu überhastet, zu deutlich, dass da etwas war, was sie verschwieg.
Sie biss sich auf die untere Lippe und sah Ele betreten an.
"Ich meine...die andere Möglichkeit...?"
Sie stockte und wich ihrem Blick aus. Die Behörden. Daran hatte sie nicht mehr gedacht, sie hatte es vergessen, wenn man es genau nahm.
Wenn Ele die Behörden in Toronto benachrichtigen würde, dann würden sie wissen wo sie war. Das Waisenhaus musste sie als vermisst gemeldet haben, selbst wenn sie ihre Schützlinge nicht sonderlich mochten, aber so pflichtbewusst waren sie trotzdem.
Die Behörden...
Was war sie doch für eine Idiotin gewesen.
Hatte sie wirklich geglaubt, dass es nicht irgendwann rauskommen würde?
Sie hätte nicht hierher kommen dürfen, eine ganz dumme Idee, wirklich. Die verschiedensten Dinge war sie durchgegangen, die sie für eine Arbeit benötigen würde, aber ihre Abstammung war ihr nicht in den sinn gekommen.
Sie hatte keinen gültigen Pass. Sie hatte ihn nicht mitgenommen, hatte gedacht, dass sie ihn nicht brauchen würde.
Sie würde bestimmt wieder zurückmüssen.
Dieser Gedanke war schrecklich. Sie würde zurück nach Canada ins Waisenhaus müssen. Nur sie waren berechtigt die Vormundschaft über sie zu haben. Vor allem, was sollte sie sagen, warum sie hier war...
Sie kämpfte mit den Tränen.
Was wenn das Institut wegen ihr nun Schwierigkeiten bekam?
Erst jetzt wurde ihr bewusst, dass sie einen Pass brauchte. Auch hier. Es wäre so oder so rausgekommen...
Sie hatte den Blick immer noch gesenkt.
Fast hätte sie Eles Hand abgestreift, doch die Berührung hatte etwas Gutes.
Ashley wischte sich eine Träne aus dem Augenwinkel.
"Es ist so....ich...", sie brach ab.
Sie traute sich nicht. Die Folgen waren zu weitreichend. Sie wollte nicht zurück und würde sie nicht auch Ärger bekommen, dass sie einfach so abgehauen war?
Sie atmete tief durch. Es brachte nichts, wenn sie nun schwieg. Irgendwann musste es passieren und auch wenn ihr gerade dieser Moment so ungünstig erschien, wie kein anderer - wenn es nach ihr gegangen wäre, dann wäre es nie herausgekommen, aber so einfach war die Welt nun mal nicht.
"Ich bin....abgehauen", ihre Stimme war nicht mehr als ein Flüstern. Noch immer sah sie Ele nicht an.
"Niemand ...weiß, dass ich ...hier bin....", die Tränen liefen nun wirklich.
Eleanora hatte so etwas erwartet. Das Waisenhaus war der erste Hinweis gewesen. Ashley erschien ihr empfindsam und sensibel. Also ihrer Meinung nach war da ein Waisenhaus nicht der beste Platz für so ein empfindsames Kind.
Sie hielt weiter die Hand und ließ ihr Zeit, sich zu fassen. Nun war es raus und vllt. war es bischen leichter für Ashley.
Nach einigen Minuten fing sie an zu reden.
"Schon gut Ashley, es gibt für alles eine Lösung. Und wir finden auch für dich einen Weg hier zu bleiben und zu lernen. Nun brauchst du keine Sorge mehr zu haben, dass es jemand heraus findet."
Eleanora holte die Box mit den Tempos und stellte sie vor Ashley ab.
"Im Moment würde ich vorschlagen, dass ich einfach mal in dem Waisenhaus und bei den staatlichen Stellen anrufe und mich nach der allgemeinen Lage erkundige. Was wäre wenn..., dann sollten wir eigentlich schon einen Anhaltspunkt bekommen. Und egal wie wir es drehen und wenden, irgendwann wirst du einen Pass brauchen. Und somit müssen wir die Lage klären. Aber ich helfe dir dabei, du bist nicht allein Ashley."
Der kleine Funke von Hoffnung begann in ihrem Kopf zu glühen und sie nickte.
Sie nahm sich ein Taschentuch und putzte sich die Nase.
Die Tränen wollten noch nicht so recht aufhören. Sie war einfach zu aufgewühlt, doch sie schien nicht mehr ganz so aufgelöst zu sein.
"Sie...me..meinen..also...dass das...gehen...kö..könnte?", schniefte sie mehr, als dass sie es sprach.
Das wäre zu schön, aber war es realistisch? Was war, wenn der Staat sagte, sie würden ihr das Aufenthaltsrecht nicht gewähren?
Es gab so vieles, was schief gehen konnte...und sie wollte nicht mehr zurück. Nicht nachdem sie hier soviel gefunden hatte. Hier hatte sie alles, was sie sich je ersehnt hatte - jemanden wie sie, eine Familie, wenn auch keine Richtige, aber jemanden, der sie verstand und nicht ausgrenzte, weil sie anders war.
Hier war Dave...
Nun griff sich Eleanora beide Hände.
"Hör zu Ashley, egal wie lange es dauert und egal, wen ich an die Scheunenwand nageln muss, du bleibst bei uns. Irgendwie werd ich das hinbekommen. Auch wenn mir zur Zeit noch keine zündende Idee gekommen ist. Aber ich werde alles versuchen, was irgend machbar ist."
Es war für Eleanora fest auf die Fahne geschrieben, dass sie Ashley nicht wieder hergeben würde.
Dann wiederholte sie nochmal.
"Du bist nicht mehr allein Ashley, hab keine Angst."
Dann zupfte sie ein Tempo aus der Box und wischte Ash die Tränen ab.
Ashley musste gegen ihren Willen lächeln.
Das mit dem an die Wand nageln war einfach ein treffender Ausdruck, auch wenn er ihr selbst nie eingefallen wär.
Sie griff nach einem neuen Taschentuch, hielt aber in der Bewegung inne, als Ele ihrerseits nach dem weißen Tuch griff und ihr die Tränen abzutupfen begann.
Das hatte ihre Mum auch früher gemacht, wenn sie hingefallen war.
Ein kindischer Gedanke, doch er tauchte unvermittelt in ihren Gedanken auf.
Sie musste sich beherrschen nicht wieder loszuheulen.
Nein, hier war sie nicht mehr allein, würde es nie wieder sein.
"so... " nach einem Blick auf die Uhr stand sie auf
"ich hab gerade eine Idee... Ashley... wir fangen sofort an."
Der Telefonhörer war auch schon an ihrem Ohr und sie suchte im Telefonverzeichnis, dann ein triumphirendes "HA" und schon tippten die Finger eine Nummer ein.
Nach einigen Minuten meldete sie sich und dann ging es los.
"Mr Port, hier ist Eleanora Fraser... ja genau. Marylin ist eine gute Schülerin und hat sich an alle Auflagen gehalten. Aber sicher weiß sie das. Aber weswegen ich anrufe Mr Port. Ich habe eine Frage.
Nur mal hypothetisch... ein Schüler, nicht volljährig und eigentlich Angehöriger eines anderen Landes. Ohne Pass und ausgerissen aus dem Waisenhaus. Der Schüler möchte hier bleiben und lernen, den Abschluss machen und fühlt sich hier eigentlich wohl. Was könnte ich tun um dem Kind zu helfen?"
Sie lauschte und machte sich Notizen auf ihrem Block.
Nach ca. 10 min bedankte sie sich.
"Mr Port, ich melde mich auf jeden Fall nochmal. Auf Wiederhören."
Dann legte sie den Hörer auf.
"Also Ashley, es gibt einen Weg, wie mir der Sozialarbeiter sagte. Du müsstest einen Antrag auf Einbürgerung stellen und dein Vormund müsste dsa befürworten. Dann würde das Sozialamt hier mit den amtlichen Stellen in Kanada Kontakt aufnehmen und die Staatsübernahme anbieten."
Sie kam hinter dem Schreibtisch hervor und stellte den Wasserkocher an für zwei Tassen Tee. Das musste bei Ashley sicher erstmal sacken und so ließ sie das Mädchen erstmal in Ruhe nachdenken.
Sofort anfangen? Womit?
Ashley folgte Eles Tatendrang mit verwirrtem Blick. Sie war so perplex, dass sie mit dem Weinen aufhörte.
Sie beobachtete, wie Ele den Telefonhörer nahm und eine Nummer wählte.
Nein, nicht, wollte sie ihr sagen, aber es hätte keinen Sinn gehabt. Es musste sein.
Sie begann das Taschentuch in ihrer Hand zu bearbeiten, hier eine Ecke, die eingedreht wurde, dort ein Stückchen, dass abriss. Ashley bemerkte es nicht einmal. Ihre Augen waren starr auf Eles Gesicht gerichtet.
Dort hoffte sie ablesen zu können, was sie hörte. Wo sie wohl angerufen hatte?
Unter Ashleys Stuhl sammelten sich weiße Papierfetzen an, das Taschentuch war nur noch schwer als das zu erkennen, was es wohl am Anfang von Eles Telefongespräch einmal gewesen war.
Ashley sah Ele hoffnungsvoll an, als diese den Hörer beiseite legte.
Antrag auf Einbürgerung?
Das war viel, was es zu verarbeiten gab und so schwieg sie für eine geraume Zeit.
Eleanora stellte ihr eine Tasse Tee hin und setzte sich dann neben sie. Bereit für Ashley, sobald diese bereit war.
"Ash, wenn du Zeit brauchst um das Ganze zu überlegen, es muss nicht gleich und sofort sein. Du weißt nun, wie es möglich wäre. Und ich starte sofort, wenn du mir sagst, dass du es so möchtest."
Sie trank einen Schluck Tee und überließ Ashley ihren Gedanken. Es war sicher eine große Entscheidung, die es da zu treffen galt und sie wollte das Mädchen nicht beeinflussen. Das musste sie allein entscheiden. Aber sie war bereit zuzuhören und zu beraten.
Ashley griff nach der Tasse, die vor ihr stand. Sie war heißt, doch sie ignorierte das schmerzhafte Gefühl an ihrer Handfläche.
Sie war zu sehr in Gedanken, um es wirklich zu bemerken.
Sollte sie zustimmen? Was war, wenn es nicht klappte, was wenn Eleonora es nicht schaffte ihr Versprechen zu halten.
Doch wie lange sollte sie warten, um sich zu entscheiden. Aufgeschoben war nicht aufgehoben. Das Sprichwort hatte sie bereits früh gelernt.
Besser sie tat es sofort, brachte das Ganze hinter sich.
Wenn es nicht klappte, dann konnte sie erneut ausreissen.
Niemand würde sie aufhalten können, wenn sie sich in den Falken verwandelte und einfach wegflog.
Sie würde nicht mehr nach Kanada zurückgehen, um keinen Preis.
"Ja", sagte sie schließlich nach längerer Pause.
"Fangen Sie an..."
Es klang irgendwie nicht wie sie selbst. Die Tasse in ihrer Hand schwebte reglos in der Luft, denn die Finger, die sie hielten, hatten sich nicht weiter zum Körper bewegt.
Eleanora drückte ihre Hand und ging zum Telefon, die Nummer war noch in der Wahlwiederholung und so war sie nach wenigen Sekunden wieder am Reden.
"Mr Port, hier ist nochmal Eleanora Fraser. Es geht um die Frage, die ich Ihnen vorhin gestellt habe." Sie hörte zu und grinste in den Hörer.
"Sie haben wie immer recht und ich gebe mich geschlagen. Eine unserer Schülerinnen. Sie würde gern hier bei uns bleiben und möchte nun gern den Antrag stellen."
Wieder zuhören und notieren.
"Gut Mr Port, dann bin ich morgen gegen um 8.00 Uhr bei Ihnen und wir besprechen alles. Ja, werde ich alles mitbringen. Vielen Dank für Ihre Hilfe."
Dann legte sie auf.
"Es läuft und ich denke, Mr Port wird uns sehr helfen. Er hat damals auch sehr unbürokratisch und schnell den Antrag für Marylin durchgesetzt. Jetzt ist nur noch die Frage nach der Vormundschaft."
Nachdenklich betrachtete sie nun das Mädchen, was die Hände um die Tasse krampfte und scheinbar irgendwo verloren im Wald saß, sinnbildlich gesprochen.
"Wenn du damit einverstanden bist, könnte ich deine Vormundschaft übernehmen. Damit wäre dir am ehesten geholfen. Ich bin immer hier und du kennst mich, kein Fremder, den wir dir aufs Auge drücken müssten."
Sie war sich schon darüber im Klaren, was da für eine Verantwortung auf sie zukam. Ashley war kein normaler Teenager aber wenn die Kleine einverstanden war, würde sie es tun.
"Überleg es dir einfach in Ruhe."
Sie ließ Ash da sitzen und wendete sich ihrem Büroalltag zu, wobei sie da auch sofort wieder auf das Problem des fehlenden Schulleiters kam. Himmel nochmal, sie würde wohl doch die McNamaras besuchen müssen.
Eigentlich wollte sie Ash nur Zeit zum überlegen geben und ließ sie sitzen, damit sie nicht den Eindruck hatte, nun wäre für Ele alles erledigt und Ash war wieder sich selbst überlassen. Weit gefehlt, wenn nicht sogar noch weiter...
Ab und zu warf sie Ashley einen kurzen Blick zu um zu sehen, wie es ihr ging. Sollte sie Fragen haben, dann war ein Ohr auf Ashley gerichtet, das andere in Richtung Telefon gespitzt, die Augen folgten dem Text, den sie dann tippte und ihre 5 Sinne waren irgendwie im Zimmer verteilt um den vllt. wieder auftauchenden Schulleiter zu erfassen. Wer immer das auch war im Moment.
Die Frage der Vormundschaft.
Als Ele sich selbst als ihren Vormund vorschlug, hätte Ashley die Tasse fast losgelassen, so errschrocken war sie.
Damit hätte sie nun gar nicht gerechnet.
Sie beobachtete Ele, wie sie wieder begann im Büro umherzugehen und ihre Arbeit zu erledigen.
Was musste ein Vormund eigentlich alles tun?
Sie wollte für Ele keine Belastung darstellen und wer war eigentlich Marylin?
Hier im Institut hatte sie noch niemanden gesehen, der so hieß.
Wenn Ele ihre Vormundschaft übernahm, wurde diese Marylin dann sowas wie ihre Schwester?
Oder waren Vormundschaft und Adoption zwei verschiedene Dinge.
Im Waisenhaus hatte sie sich damit nicht auseinander gesetzt. Sie war immer verschwunden, wenn Eltern kamen, um Kinder abzuholen.
"Wäre das denn für dich...in Ordnung? Ich will keine Last sein..."
Sie senkte den Blick auf ihre Tasse und führte sie zum Mund. Der Tee war angenehm warm und schmeckte gut.