Das X-odus Forum befindet sich derzeit in einer Pause.
Für all Diejenigen, die ihre Charaktere bis zum Wiederbeginn
nicht ruhen lassen wollen, empfiehlt die SL euch
diese Seite.
Wir wünschen unseren fleissigen Usern viel Spass
auf der neuen Plattform und hoffen
euch alle in alter Frische und mit dem gleichen Elan
bald auch wieder an dieser Stelle begrüssen zu können.
Joe wischte sich ein paar kleine Schweißperlen von der Stirn.
Es war Sonntag. Der Sonntag gehörte eigentlich ihm, seltener allerdings, seit sie diese Stelle hier am Institut hatte.
Wenn es nach ihm ginge, hätte er sich schon längst 'geoutet'.
Und wenn es schief ging, konnte man es wenigstens ad acta legen. Lieber ein schreckliches Ende, als Schrecken ohne Ende.
Das Gespräch mit der Ärztin hatte sie lange beschäftigt, bis tief in die Nacht, was ihm wiederum die Möglichkeit geboten hatte, an ihrem Willen vorbei in die Welt zu schleichen. Sie hatte sich nicht gewehrt. Er hatte mit Gegenwehr gerechnet.
Tatsächlich schien sie es sogar willkommen zu heißen, dass er die Führung übernahm. Wenigstens zeitweise.
Das Joggen an der eisigen Luft hatte ihnen beiden einen klaren Kopf berschert. Sie würde sich wieder darüber beklagen, dass ihr Muskelkater blühte. Er argumentierte dagegen, indem er darauf aufmerksam machte, wenn sie sich öfter zum Joggen überreden ließe, bekäme sie auch keinen Muskelkater.
Er beugte sich vornüber, stützte sich mit beiden Händen über den Knien ab.
Sie wusste, dass er Recht hatte. Und er wusste, dass sie letztlich die Stärkere war, dass er nur in Momenten ihrer Schwäche oder wenn sie es wollte die Kontrolle erlangen konnte. Er hätte ihr schon längst helfen können, ihre Selbstzweifel zu überkommen. Aber wo blieb da der Spaß? Daran mangelte es ihr ohnehin.
Mit dieser Patientin, der durchaus attraktiven Krankenschwester, war sie jedoch an einen Fall geraten, der ihr helfen könnte, sein Spiel zu beenden.
Sie wurde offener. Sie löste sich allmählich von der Vorstellung, als Ärztin perfekt sein zu müssen.
Er sollte sie beschäftigen. Sie ablenken.
Langsam richtete er sich wieder auf, streckte sich.
Sein Blick fiel auf die geschlossene Tür und er schmunzelte. Ein Gespräch unter Männern war doch genau das Richtige.
"Mr. Knight? Sind Sie da?"
Eine Erklärung dafür, wer er war, würde ihm noch einfallen.
Sie rebellierte gegen seinen Plan, sie sollte nicht zu sehr rebellieren, sonst könnte passieren, wovor es ihr graute. Sie könnte ihn zurückdrängen, dann stünde sie da, verschwitzt vom joggen, und müsste erklären, warum da gerade noch ein Mann gerufen hat.
Ihre Gegenwehr schwand. Er fühlte sich schon siegessicher, bis ihm etwas auffiel, ein Vorhaben, das er für unwichtig erachtet hatte.
Sie war schon einen Schritt weiter, als er.
Wieder verschob sie die Tasse auf dem Couchtisch minimal. Das Bild, das das Geschirr auf dem kleinen Tisch abgab änderte sich dadurch nicht wirklich, aber wenigstens war ihre Hand kurzfristig beschäftigt.
Sie wusste nicht, was dieser Plausch mit Dr. Grey bringen würde, wohl aber hatte sie eine leise Ahnung, um was es gehen würde. Grund genug ein wenig nervös zu werden.
Sie hatte sich in den vergangen Tagen intensiv mit Meditation und bewusster Kontrolle des Unterbewusstseins, medizinisch gesprochen der Hypophyse, befasst. Vieles war in Vergessenheit geraten, war in Routine untergegangen. Es war gut gewesen, dass sie gelesen hatte, dass sie im Internet recherchiert hatte, die Bücher in der Bibliothek gewälzt hatte. Sie hatte das Gefühl, ein Stück voran gekommen zu sein, sowohl was Ms. Lydecker anging, als auch für sie persönlich.
Innerlich bereitete sie sich darauf vor, dass man wieder versuchen würde, ihr Joe 'schmackhaft' zu machen. Und diesmal musste sie sich bis zu einem gewissen Grad darauf einlassen, nicht zuletzt um ihre eigene Patientin besser unterstützen zu können. Diesmal konnte sie sich darauf einlassen, denn hier war sie nicht unter Menschen, hier war sie unter Ihresgleichen.
[EDIT von mir: Datum wurde auf den aktuellen Tag geändert.]
....meint ihr, es wäre möglich, eine Psycho-Sparte aufzumachen, dann müssten meine Patienten und ich nicht das Dachgeschoss zuspammen und könnten jeden Patienten in nem eigenen Thread abhandeln...
Ihr war unbehaglich bei dem Gedanken, der Ärztin von ihrer 'Sekundärmutation' zu berichten. Zumal das etwas war, das ihr höchst unangenehm war, aber in den letzten Tagen hatte Joe einfach zu oft nach aussen gedrängt. Der Tablettenkosnum war nicht weiter bedenklich oder gesundheitlich schädlich, das zumindest hatten ihr die behandelnden Ärzte in Deutschland versichert.
Eigentlich hatte sie auch nur so lange damit gewartet, weil sie es am liebsten gar niemandem gesagt hätte. Wer Joe bislang begegnet war, hatte ihn als ihren Cousin kennen gelernt, der 'zufällig' in Inverness lebte und eben einfach das Glück hatte, auf dem Weg in ihr Zimmer neben ihr nicht aufgefallen zu sein.
Zugegeben, das Leben als Mann war in vielerlei Hinsicht einfacher, für sie dennoch inakzeptabel. Während Joe nichts gegen ein wenig Abenteuer hatte, stebte Josephine nach Kontrolle und Ordnung.
Joe zu offenbaren wäre zunächst allerdings mehr als genug. Der Grund dafür blieb weiter ihr Geheimnis.
Zaghaft klopfte sie an die Tür.
"Dr. Grey?"
Das Büro war inzwischen fertig eingerichtet. Ein Wand war komplett von Bücherregalen gesäumt, in einer Ecke diagonal zum Raum stand der Schreibtisch unter einem der beiden Dachfenster. Direkt und dem 2. Dachfenster befand sich eine kleine gemütliche Sitzgruppe für bis zu 4 Personen. Farblich war der gesamte Raum in hellen, frühlingshaften Tönen gehalten, indirektes Licht, das von Deckenflutern in den Raumecken ausging, tauchte das Zimmer in ein angenehmes, gelb-grünliches Leuchten. Bilder von blühenden Landschaften, die teilweise paradisisch anmuteten, zierten die von Regalen verschonten Wände.
Wischtechnik gab der Farbe an den Mauern Struktur, die ganze Atmosphäre schien darauf ausgerichtet, gute Laune und Entspannung zu bringen, dem Zimmer eine zumindest visuelle Lebendigkeit zu verleihen.
Die Schritte vor ihrer Tür endeten gewöhnlich nicht direkt vor selbiger, so dass sie nun aufsah.
Das Klopfen war dann doch noch eine weitere Überraschung, denn darauf hatte sie schon seit einigen Wochen gewartet. Nicht, dass es ungewöhnlich wäre, dass Schüler allgemein wenig von ihresgleichen hielten und sie daher mieden.
"Ja bitte?" antwortete sie freundlich und wartete ab, wer jetzt wohl öffnen würde.
Sie konnte es kaum fassen, wie schnell das alles ging.
Gefühlte 2 Wochen nach dem stellenweise nervenaufreibenden Bewerbungsgespräch hatte man ihr die Zusage gegeben. Mit Arnolds Hilfe hatte sie ihren Haushalt in Köln aufgelöst und war ins Institut gezogen.
Ihr Zimmer war nur wenig kleiner als ihre winzige 2-Zimmer-Wohnung in Deutschland, entsprechend wenig Mühe hatte sie also, all ihre Sachen unterzubringen.
Und bald würde man ihr die ersten Schüler zur Betreuung schicken. Vielleicht würden sie auch freiwillig kommen.
Das alles war nicht halb so dramatisch wie der Umstand, dass sie mitteilen musste, welche Mutationen sie hatte. Allein der Gedanke brachte sie aus der Fassung. Der Schwall kalten Leitungswassers, mit dem sie ihr Gesicht kühlte, beruhigte sie nur wenig. Als sie den Blick in den Spiegel über dem Waschbecken hob, sah sie schon die dicker werdenden Augenbrauen, die langsam aus der Haut auftauchenden Bartsoppeln, weiblichen Rundungen wichen nach und nach mäßiger männlicher Körperbehaarung.
Wenige lange Schritte trugen sie zur Tür, um diese zu verriegeln.
Wo waren ihre Tabletten?
Die großen, schlanken Männerhände wühlten wenig zimperlich durch den Inhalt der beigefarbenen Handtasche.
Ah, hier.
Hochdosierte Östrogene. Das einzige, das half, den Mann in ihr zu unterdrücken.
Als sie am vergangenen Nachmittag, bzw. am frühen Abend, mit ihren beiden Begleitern im Institut angekommen war, lag etwas in der Luft. Sie hatte nicht deuten können, was es war, und eigentlich ließ die nach und nach aufbrandende Hektik auch gar keine Zeit für sie als Person zu.
Von einem Zirkusbesuch war die Rede gewesen, und davon, dass etwas nicht stimmte.
Sie fragte nicht nach. Sie ließ sich wieder zurück ins Hotel bringen, nachdem man ihr einen neuen Termin für den folgenden Tag gegeben hatte.
Und hier war sie nun, pünktlich und weitestgehend gefasst - und noch immer hatte sie nicht die geringste Ahnung, was für ein Institut das war, in dem sie sich beworben hatte, über hochbegabte Kinder hinaus.
Vor weniger als 3 Stunden hatte sie im Hotel eingecheckt. Der Flug war ereignislos gewesen und auch sonst hatte alles reibungslos geklappt. Kein Grund übermäßig nervös zu werden. Noch einmal prüfte sie ihr Spiegelbild in dem kleinen Handspiegel, der danach wieder in die dezente Handtasche zurück glitt.
Sie war zu früh im Foyer. Wie so oft folgte sie auch heute dem Drang, jeden Fehler, jede Auffälligkeit zu vermeiden.
Ihre Tabletten hatte sie genommen, ihr Erscheinungsbild war ordentlich und zurückhaltend, wobei das Tweed-Kostüm noch vor wenigen Jahren altbacken gewirkt hätte, heute aber war es wieder in Mode.
Sie vertrieb sich die Wartezeit mit Lektüre über Land und Leute, den entsprechenden Reiseführer hatte sie am Flughafen gekauft.
Sie hatte die Umschläge mit den Bewerbungen schon vor einigen Tagen bei der Post aufgegeben und wartete nun schon einige Zeit auf Antworten. Vielleicht entsprach die Formulierung ihres Bewerbungsanschreibens nicht den üblichen Maßstäben in Groß Britannien.
Einer der braunen Umschläge landete auch auf dem Schreibtisch der Schulleitung des Instituts.
- Sehr geehrte Damen und Herren,
anlässlich der Beendigung meines Praxis-Semesters und damit des Studiums ist es nun an der Zeit, nach einem Arbeitsplatz in meinem Beruf zu suchen.
Ich bin Doktorin der Psychologie mit Schwerpunkt Kinder- und Jugendpsychologie. Gerade den Jüngsten fehlt es oft an Möglichkeiten und auch an Mut, sich zu öffnen und mitzuteilen, weshalb es mir ein Anliegen war und ist, diesen Kindern helfend zur Seite zu stehen.
Gerne möchte ich in einem persönlichen Gespräch die Gelegenheit wahrnehmen, Sie von meiner Eignung und meinem Interesse an einer Anstellung in ihrer Einrichtung zu überzeugen.
Mit freundlichen Grüßen,
Josephine Joy Jenkins-Hyde
Anlagen:
Zeugnis Abitur
diverse Dilpoma
Abschlussdiplom
Referenzen aus Kindertagesstätten und den Praktika während des Studiums -
Sie hatte nicht erwähnt, warum sie nach einem Job ausserhalb Deutschlands suchte. Vielleicht wirkte das negativ? Überhaupt hatte sie wenig geschrieben, wollte die Zeugnisse für sich sprechen lassen, möglicherweise war das ein Fehler gewesen.