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nicht ruhen lassen wollen, empfiehlt die SL euch
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auf der neuen Plattform und hoffen
euch alle in alter Frische und mit dem gleichen Elan
bald auch wieder an dieser Stelle begrüssen zu können.
Wieder verschob sie die Tasse auf dem Couchtisch minimal. Das Bild, das das Geschirr auf dem kleinen Tisch abgab änderte sich dadurch nicht wirklich, aber wenigstens war ihre Hand kurzfristig beschäftigt.
Sie wusste nicht, was dieser Plausch mit Dr. Grey bringen würde, wohl aber hatte sie eine leise Ahnung, um was es gehen würde. Grund genug ein wenig nervös zu werden.
Sie hatte sich in den vergangen Tagen intensiv mit Meditation und bewusster Kontrolle des Unterbewusstseins, medizinisch gesprochen der Hypophyse, befasst. Vieles war in Vergessenheit geraten, war in Routine untergegangen. Es war gut gewesen, dass sie gelesen hatte, dass sie im Internet recherchiert hatte, die Bücher in der Bibliothek gewälzt hatte. Sie hatte das Gefühl, ein Stück voran gekommen zu sein, sowohl was Ms. Lydecker anging, als auch für sie persönlich.
Innerlich bereitete sie sich darauf vor, dass man wieder versuchen würde, ihr Joe 'schmackhaft' zu machen. Und diesmal musste sie sich bis zu einem gewissen Grad darauf einlassen, nicht zuletzt um ihre eigene Patientin besser unterstützen zu können. Diesmal konnte sie sich darauf einlassen, denn hier war sie nicht unter Menschen, hier war sie unter Ihresgleichen.
[EDIT von mir: Datum wurde auf den aktuellen Tag geändert.]
Eine ganze Weile nun stand sie vor dem Foto und doch fiel ihr etwas bestimmtes nicht ein. Sicherlich hätte selbst Charles ihr diese Blockade nicht aufgehoben, denn es war eine Barriere ihres Unterbewusstseins, welches sie vor einem grausamen Schock bewahrte, so gut es konnte. Allerdings kann selbst eine eigenhändig errichtete Sperre nicht ewig halten.
Sorgfältig rückte sie das Urlaubsfoto von sich und Scott auf dem Schrank zurecht. Zu dieser Zeit hatte er als Radiomoderator gearbeitet und sie selbst als Model. Dieses Foto entstand nach einer Bademodesession und er hatte den eifersüchtigen Freund gemimt, damit Jean nicht allein dort sein musste. Schließlich waren sie junge Mutanten und allein war sie immer noch ein Risiko gewesen.
Er war ihr Fixpunkt gewesen.
Ein Seitenblick auf ihre Armbanduhr folgte. Der externe Comlink war in Form eines Armbandes ebenfalls um ihr Handgelenk geschlungen und die kleine Kapsel enthielt einen zarten Vibrationsalarm, der erst vor kurzem zu der Versammlung gerufen hatte.
Es wurde Zeit.
Keine zwei Minuten später stand sie vor Miss Jenkins Tür und klopfte.
Das Klopfen wurde mit der halblauten, freundlichen Bitte um Eintritt beantwortet.
Als Dr. Grey eintrat, kam sie ihr einige Schritte entgegen.
Heute war sie gekleidet, wie es für sie üblich war. Ein knielanger Rock und eine schlichte, fast schon altmodische Bluse nahm ihrer Figur jede Form, das dunkelblonde Haar wurde von einem Stirnband in dunkelbeige zurück gehalten.
Wie immer gab sie das Bild einer farblosen Frau ab, an sich eine Person, der man die Kompetenz, sich in andere hinein zu fühlen, absprechen würde.
Tatsächlich wäre Joe vielleicht sogar besser geeignet, um mit den Jugendlichen hier zu arbeiten, allein schon, weil der offener wirkte. Und wieder dachte sie von ihrem anderen Ich wie von einer anderen Person.
Es war ihre Art, damit klar zu kommen, auch wenn ihr mehr als klar war, dass das nicht die beste Art war, denn damit verdrängte sie das eigentliche 'Problem' nur.
Jean warf einen langsamen Blick auf Joey und nickte dann, ihre Mundwinkel zuckten sogar in Richtung Lächeln. „Wie geht es ihnen? Sie sehen gut aus“, und mit diesen Worten trat sie ein, blieb neben dem bereitstehenden Stuhl stehen, lehnte die Hand auf die Lehne und sah sich um. „Hübsch haben sie es hier“, wieder eine Floskel, aber sie passte, es war geschmackvoll und gemütlich eingerichtet. Gemächlich ließ sie sich in dem Stuhl nieder und wandte ihren Blick zu Joe. Der schlichte Look dieser Frau wirkte neutral, beinahe zu neutral. Eigentlich war Joe die ausgebildete Psychologin, aber in manchen Dingen schien sie selbst nicht Herrin ihrer Sinne zu sein, denn man sah ihr an, dass sie die angepriesene Kontrolle über ihre Gabe nicht vollends selbst überzeugt hatte. Sie sah aus, als würde sie ihre andere Hälfte fürchten, so dass sie jeden Moment herausbrechen könnte. Oder aber, Jean irrte sich schlicht.
„Ich muss mich noch einmal dafür entschuldigen, dass ich unser Gespräch letztens so abrupt abgebrochen habe“, meinte sie ruhig. Aber der Grund, den sie nicht erwähnte, der nicht interessierte, blieb unerwähnt. Es war wichtig gewesen.
"Ich bin sicher, Sie hatten Ihre Gründe dafür."
Es war ja nicht so, dass man Gedanken lesen können musste, um zu bemerken, dass das Gespräch beendet war, kaum dass die Krankenschwester hinzu gekommen war. Nicht zu vergessen auch die Tatsache, dass besagte Krankenschwester nur wenig später in ihrer Sprechstunde aufgetaucht war.
Die Floskeln, die Jean hervorbrachte, störten Joey wenig, im Gegenteil. An Floskeln konnte man sich festhalten, sich orientieren, um nicht aus der Reihe zu fallen. Sie waren normal.
Sie bot Jean Tee und Gebäck an, nachdem sie selbst Platz genommen hatte und wartete ab, welches Thema die Ärztin nun ansprechen wollte. Letztlich war es auch deren Idee gewesen, sie musste also eine bestimmte Absicht verfolgen.
Und etwas sagte ihr, dass es nicht zuletzt auch um Joe gehen würde. Ihre Haltung versteifte sich geringfügig, ihr Mund nahm einen verkniffenen Zug an.
Joe brach hier in diesem Institut öfter aus, als es zuvor der Fall war, als es ihr lieb war. Den Grund dafür würde sie sicher nicht mit der Ärztin erörtern. Der Grund war ihr bekannt. Aber er ging niemanden etwas an.
Die Frau mit dem roten Haarschopf gab sich dem Geschmack des Tees hin. Einen Moment lang einfach nichts denken, niemanden vermissen und nur hier sitzen und entspannen. „Hm... der ist gut“, meinte sie und hob den Blick, aber dann senkte sie die Tasse etwas und blickte in den goldenen Schimmer in der Tasse. „Wie sie sich sicher denken können, gibt es verschiedene Gründe, wieso ich diesen Termin vorgeschlagen habe. Zum Beispiel würde ich sie darum bitten, mir den Entwicklungszustand von Miss Lydecker von Zeit zu Zeit mitzuteilen. Leider hatte sie in letzter Zeit sehr viel mit sich und ihrer Mutation zu tun, so dass ich sie von ihrem Posten als Aushilfe in der Krankenstation vorerst entheben musste. Ich möchte wissen, wann ich ihr wieder diese Aufgabe anvertrauen kann, ohne dass sie sich selbst damit schadet.“
Mit einem nachdenklichen Blick nippte sie von der Tasse und hatte Punkt eins abgehakt. Ein bisschen fühlte sie sich an Logans Rede erinnert, der ebenfalls stur einige Dinge einfach mal abhaken musste. „Des weiteren wollte ich ihnen das Angebot machen, einfach immer mal in den verschiedenen Unterrichtsfächern präsent zu sein, so dass die Kids sich an ihre Anwesenheit gewöhnen und ihre Position hier, etwas an Schrecken verliert.“ Sie hob ihren Blick und sah Joe an. „Ich befürchte nämlich, dass selbst in einem Institut wie hier, in dem Kinder miterlebt haben, wie viel Leid Vorurteile bringen, dieselben Vorurteile einer Person entgegen bringen, die Psychologe ist. Ein Beruf, dem sie interessante Bedeutungen geben. Vielleicht gefällt ihnen der Gedanke, an einem Abend im Wohnzimmer eine Art Vorstellungsgespräch mit den Kindern zu veranstalten. Jeder würde sie sehen, mit ihnen reden können und vielleicht verstehen sie auch endlich, dass sie nicht normalerweise in einer Klapsmühle arbeiten.“
Ein Keks erhob sich aus dem Teller und schwebte zu Jean, für sie war das beinahe zu normal.
Sie nickte bedächtig auf die Worte hin, die Ms. Lydecker betrafen. Von einer Entwicklung war bislang noch nicht zu sprechen als derjenigen, dass die Frau sich dazu entschlossen hat, sich ein wenig mehr zu öffnen.
"Umfassende Ergebnisse werden vermutlich noch eine Weile auf sich warten lassen, Dr. Grey. Derzeit befinden wir uns noch nicht einmal am Anfang der Behandlung. Diese kann ich erst dann wirklich beginnen, wenn ich das volle Ausmaß ihrer Mutation verstehen kann. Die körperlichen Auswirkungen auf die Psyche sind bedeutender, als angenommen wird. Wenn Sie mir Unterlagen zur Verfügung stellen könnten?"
Sie kannte Jean nicht annähernd gut genug, als dass ihr auffiele, das etwas mit der Frau nicht stimmte. Vielleicht war die Frau einfach nur so sachlich und kühl, wie sie selbst sich gab.
Als die Kinder zur Sprache kamen und der Vorschlag, eine Art Kennenlernabend zu veranstalten, lächelte sie unvermittelt.
"Ein interessanter Gedanke."
Eine Begebenheit, die Joe sicher mit Leichtigkeit meistern würde, während sie sich einengte, indem sie sich vor Fehltritten scheute. So schön die Vorstellung auch war, die ihr für einen Augenblick vorschwebte - Kakao, Napfkuchen, Feuer im Kamin, alle saßen auf dem Boden und waren vertieft in ein angeregtes Gespräch mit allen gleichzeitig, so dass der Raum vor Stimmen nur so summte - so schnell kam auch die Ernüchterung und mit ihr das Bild, das sich wahrscheinlicher geben würde.
Sie würde dastehen wie eine unbeliebte Lehrerin, steif, mit verkniffenen Lippen, weil sie wusste, dass sie nicht willkommen war, und die Schüler würden sie betrachten wie ein sonderbares, ekelerregendes Insekt, nur darauf wartend, dass diese peinliche, unliebsame Veranstaltung bald beendet wäre.
"Ich werde darüber nachdenken."
Und irgendwie wirkte die Vorstellung, am Unterricht teilzunehmen weniger abschreckend.
Sie angelte den Keks aus der Luft und biss davon ab, kaute und sah schließlich wieder zu Joe herüber. Es war interessant jemand offen denken zu hören, ohne dass einen Augenblick später der Gedanke aufkam, dass man gehört werden würde. Auch Joes Art und Weise die Umgebung wahrzunehmen war interessant, allerdings kam jemand in diesen Gedanken vor, den sie nicht kannte. „Ich kann ihnen einen Überblick über ihre Mutation zur Verfügung stellen. Allerdings würde mich im Gegenzug dazu ein Überblick über ihre Gabe interessieren.“ Ihre grünen Augen blitzten kurz auf und betrachteten ihren Gegenüber genau.
Ein dünnes Lächeln huschte über ihre Züge.
"Ich glaube nicht, dass fachliche Unterstützung mit Ausgleichen gerechtfertigt werden sollte. Bisher habe ich es als Selbstverständlichkeit betrachtet, Ihnen meine medizinischen Unterlagen zukommen zu lassen, sobald sie aus Deutschland eingegangen sind."
Abgesehen von der Tatsache, dass das Thema ihr nach wie vor unbehaglich war, hasste sie es, wenn Taten und Gesten gegeneinander aufgewogen wurden. Entweder tat man etwas aus freien Stücken, oder man war dazu gezwungen, und so hörte sich die Aufforderung der Ärztin für sie an.
Ihr wurde schlagartig bewusst, dass sie sich hier indirekt auf ein Machtgerangel eingelassen hatte, und wo sie früher zurückgesteckt hätte, empfand sie es nun als Affront gegen sie persönlich und ihre Reaktion als gerechtfertigt. In ihren Gedanken bekräftigte sie Joe, woraufhin sie sich eine Spur gerader hinsetzte.
Ebensogut hätte sie diese doch sehr intime Einzelheit aus ihrem Leben für sich behalten und auf eine Wohnung in Inverness bestehen können, statt hier im Institut zu wohnen, wo sie selbst unter anderen Mutanten noch als störend empfunden wurde, wenn auch aus anderen Gründen.
Eine ganze Weile kaute sie auf dem Keks herum und betrachtete Joe. Hatte sie irgend etwas verpasst? „Ich entschuldige mich, falls ich sie irgendwie angegriffen habe. Aber ich wollte nichts weiter, als dass sie mir mit ihren eigenen Worten erzählen, was ihre Gabe ist.“ Aus Akten konnte man keine Menschen lesen und überhaupt, wieso war sie denn mit einem Mal so empört gewesen. Fachliche Unterstützung mit Ausgleichen rechtfertigen? Konnte man sich als Ärztinnen nicht auch mal normal unterhalten, ohne das gleich ein Konkurrenzkampf daraus wurde?
Vage lächelte sie, noch immer unsicher ob sie nun eine Frau oder eine Psychologin vor sich hatte. Es war doch eigentlich ein privates Kaffeestündchen veranschlagt und keine Debatte um irgendwelche Kompetenzen.
Sprache zwängte Kommunikation in Formen, die es wiederum zu verstehen galt. Missverständnisse entstanden nur zu leicht, war erst einmal ein 'falsches' Wort gesprochen.
Gegenwärtig hatte Dr. Grey also eine Frau vor sich, die Psychologin geworden war, um zu verstehen und um verstehen zu helfen. Das beinhaltete auch, sich der beschränkten Möglichkeiten der verbalen Ausdrucksformen bewusst zu werden und sie immer und immer wieder zu analysieren. Möglicherweise nahm sie vieles zu ernst. Und möglicherweise war ihre stellenweise übertriebene Ernsthaftigkeit ihr auch persönlich ein Hindernis.
Aber sie arbeitete daran.
"Verzeihung. Ich habe Sie falsch verstanden."
Ihre Haltung entspannte sich wieder.
Dennoch klang ihre Stimme trocken und sachlich.
"Meine Gabe, wie Sie es nennen, und ich gehe hier davon aus, dass Sie Joe meinen, steht in engem Zusammenhang mit der Hypersensation, die bereits in meiner Akte verzeichnet sein dürfte. Tatsächlich ist diese Form der Mutation eine äußerst seltene. Ähnlich der Hybridmutationen, die Animaltransfiguration mit sich bringt, ist die Genomorphose eine Mutation, die einen befähigt, das Äußere zu ändern. Zu beachten ist ausserdem, dass sich, wie das Wort schon sagt, nicht nur das Äußere verändert, sondern auch den Genus, das Geschlecht und mit ihm der gesamte Hormonhaushalt."
Sie nippte an ihrem Tee. Ihr Monolog glich einer Vorlesung der besonders langweiligen Sorte, doch das störte sie wenig, sie wollte das nur schnell abhaken.
"Der Zusammenhang der Hypersensation liegt auf der Hand, wenn man die Auslöser für die Wandlung kennt. Das können zum einen natürlich selbst induzierte Auslöser sein wie etwa sich bewusst Stress auszusetzen, was zur Adrenalinausschüttung führt. Nicht immer erfolgt die Wandlung allein durch Stress, ich muss sie zulassen."
Diese Aussage passte nicht wirklich mit ihrem Tablettenkonsum zusammen. Aber auch der diente nicht allein Joe's Unterdrückung.
"Endorphine sind eng verwandt mit Adrenalin, sie lösen Gefühle in Form von chemischen Reaktionen im Gehirn aus, wie Ihnen zweifelsohne bekannt ist, Dr. Grey. So kann auch in Momenten überschwenglicher Freude der Hormonpegel so sehr aus dem Gleichgewicht geraten, dass die Wandlung eintritt. Medikamente kommen ins Spiel, um das hormonelle Gleichgewicht zwischen männlichen und weiblichen Hormonen zu halten. Die Präparate, die ich einnehme, sind eigentlich für Frauen in den Wechseljahren gedacht, während derer bekanntermaßen die Frau dem steigenden Testosteronspiegel ausgesetzt ist, während die Östrogenproduktion abnimmt. Die Tabletten helfen einerseits, die weiblichen Hormone so weit höher zu dosieren als die männlichen, dass man mich auch als Frau erkennt, als auch um männliche Impulse wie Aggressivität als Folge von erhöhtem Testosteron zu negieren."
Ein weiterer Schluck Tee unterbricht sie erneut.
"Selbstakzeptanz ist nur ein geringer Teil dessen, was nötig ist, um das zu kontrollieren und auch Meditationsübungen können nicht allein bewirken, was im Chemiebaukasten Mensch nötig ist, um den Wandel zu kontrollieren."
Von den psychischen Auswirkungen wollte sie gar nicht anfangen.