Das X-odus Forum befindet sich derzeit in einer Pause.
Für all Diejenigen, die ihre Charaktere bis zum Wiederbeginn
nicht ruhen lassen wollen, empfiehlt die SL euch
diese Seite.
Wir wünschen unseren fleissigen Usern viel Spass
auf der neuen Plattform und hoffen
euch alle in alter Frische und mit dem gleichen Elan
bald auch wieder an dieser Stelle begrüssen zu können.
Das Büro war inzwischen fertig eingerichtet. Ein Wand war komplett von Bücherregalen gesäumt, in einer Ecke diagonal zum Raum stand der Schreibtisch unter einem der beiden Dachfenster. Direkt und dem 2. Dachfenster befand sich eine kleine gemütliche Sitzgruppe für bis zu 4 Personen. Farblich war der gesamte Raum in hellen, frühlingshaften Tönen gehalten, indirektes Licht, das von Deckenflutern in den Raumecken ausging, tauchte das Zimmer in ein angenehmes, gelb-grünliches Leuchten. Bilder von blühenden Landschaften, die teilweise paradisisch anmuteten, zierten die von Regalen verschonten Wände.
Wischtechnik gab der Farbe an den Mauern Struktur, die ganze Atmosphäre schien darauf ausgerichtet, gute Laune und Entspannung zu bringen, dem Zimmer eine zumindest visuelle Lebendigkeit zu verleihen.
Die Schritte vor ihrer Tür endeten gewöhnlich nicht direkt vor selbiger, so dass sie nun aufsah.
Das Klopfen war dann doch noch eine weitere Überraschung, denn darauf hatte sie schon seit einigen Wochen gewartet. Nicht, dass es ungewöhnlich wäre, dass Schüler allgemein wenig von ihresgleichen hielten und sie daher mieden.
"Ja bitte?" antwortete sie freundlich und wartete ab, wer jetzt wohl öffnen würde.
Megan öffnete die Türe und steckte den Kopf durch die Spalte. "Miss ... Jenkins-Hyde, haben Sie einen Moment Zeit?" kommt die Frage kurz darauf. Die Tür öffnet sich nun ganz und Megan sah schüchtern zu Joey rüber.
Wieso war sie nochmal hergekommen? War ihre Angst Jungs gegenüber so schlimm, dass sie die Zeit einer Psychologin vergeuden sollte. Vielleicht sollte sie mit einer dummen Ausrede gleich wieder das Weite suchen. Aber so würde sie ihre Scheu nie los werden. Verflucht sei ihr Bruder. Sie würde bleiben, es sei denn, Miss Doppelname hätte jetzt keine Zeit für sie.
Innerhalb ihres Büros war sie anders. Hier war sie Ärztin. Die Leute kamen zu ihr, wenn sie Hilfe bei Problemen brauchten.
Dieses Bewusstsein stärkte sie.
Sie erhob sich, trat Megan mit einem bisher nicht gesehenen aufmunternden und offenen Lächeln entgegen. Die sonst eher kühle Frau sah plötzlich richtig nett aus, wie jemand, der tatsächlich mitfühlen und verstehen konnte, ein Eindruck, den sie gewöhnlich eher nicht machte durch ihre verschlossene und vorsichtige Art.
"Komm nur rein."
Megan betrat nun ganz den Raum und schloss die Türe hinter sich. Sie sah sich in dem Raum um, mehr aus Verlegenheit, als aus Neugierde, richtete dann aber den Blick auf Joey.
"Ich wollte Sie nicht stören, aber ich hab da so ein ... Problem. Ich dachte, wenn ich von meinem Bruder weg komme, dann würde es besser, aber ..." sie schüttelt traurig den Kopf, und verstummte.
Megan war recht erleichtert darüber, dass Miss Jenkins-Hyde kein Mann war, von deren Mutation ahnte sie ja auch zum Glück nichts. Aber wäre Joey ein Mann, dann wäre Megan niemals hier herauf gekommen. So stand sie also vor Miss Jenkins-Hyde und lächelte schüchtern und hoffte, dass sie mit etwas Unterstützung ihre Angst, gegenüber der männlichen Bevölkerung, in den Griff bekommen wird.
Mit einer einladenden Handbewegung wies sie zur Sitzgruppe unterm Dachfenster.
"Setz dich doch erst einmal. Möchtest du etwas trinken?"
Entspannte, anheimelnde Atmosphäre sollte ihren Patienten die Scheu nehmen. So war es auch jenen vorbehalten, sie bei ihrem Namen anzusprechen.
"Nenn mich einfach Joey. Der Nachname ist danke meiner Mutter ein wenig lang geraten."
Sie lächelte das Mädchen an, ihre Fröhlichkeit im Augenblick war keine aufgesetzte, das spürte man. Diese Frau war nicht der Typ, der sich verstellte.
"Und wie heißt du?"
Megan setzte sich und schüttelte den Kopf: "Nein, danke, ich möchte nichts trinken."
Sie entspannte sich wirklich etwas und nickte leicht, als Joey sie bat, sie mit dem Vornamen anzusprechen.
"Ich heiße Megan", antwortete sie. Und nun? Wie sollte sie anfangen? Hätte sie sich doch was zu trinken gewünscht, dann hätte sie sich an ihrem Glas/Tasse festhalten können. Sollte sie jetzt einfach drauf losreden, so wie ihre Mutter es immer tat oder sollte sie lieber warten, bis Joey Fragen stellt.
Während dieser Überlegungen hatte Megan ab und zu den Mund geöffnet, als ob sie anfangen würde, ihn aber ohne ein Wort wieder geschlossen. Dann aber nahm sie sich einen Ruck und fing dann doch an.
"Sie fragen sich bestimmt, warum ich hergekommen bin. Es ist, weil ... weil ich Angst hab. ... Angst vor Jungen." Megan sah dabei nicht Joey an, sondern ihre Hände. "Und diese Angst würde ich gerne los werden", kam noch leise hinterher.
Nicht unbedingt das, was sie erwartet hatte. Eher pubertäre Identitätskrise verstärkt durch die Tatsache, dass man auch noch Mutant war.
Sie selbst nahm Platz, musterte Megan schweigend, während diese offenbar nachdachte.
"Normalerweise," setzte sie vorsichtig an, "lasse ich die Leute reden, worüber sie reden wollen. Ich werde dich also vorerst nichts fragen, Megan. Erzähl mir, was immer du erzählen möchtest. Es muss noch nicht einmal etwas mit dem Thema zu tun haben."
Sie mied das Wort Problem prinzipiell im Umgang mit Patienten. Dem Wort haftete eine negative Bedeutung an.
Megan nickte langsam. Sie sollte einfach erzählen, irgendwas. Ja, warum eigentlich nicht über das Problem, denn sie nennt es schon so, denn deswegen war sie ja gekommen.
Sie nagte kurz an ihrer Unterlippe, während sie überlegte, wie sie anfangen sollte. "Es ist wegen meinem Bruder, denk ich. Er hasst mich, wissen Sie? Seit ich mich erinnern kann, ärgert er mich und noch viel schlimmer. Meine Eltern haben mich dann auf ein Mädcheninternat gesteckt. Ich war sehr gerne dort und hatte auch keine Schwierigkeiten mit den Mitschülerinnen gehabt, aber die Ferien waren immer ein Alptraum." Megan unterbrach sich kurz, nagte wieder an ihrer Unterlippe.
"Dann brach meine ... Mutation durch," fuhr Megan fort. "Und meine Eltern steckte mich auf eine staatliche Schule in der Nähe, weil sie eben Angst hatten, es könnte jemand merken und sie könnten nicht schnell genug reagieren oder so, jedenfalls haben sie es mir so erklärt. Mein Bruder wurde noch aggressiver, aber meine jüngere Schwester stellte sich meistens dazwischen. Die mochte mein Bruder übrigens, gegen sie hatte er nichts. Nur mich hasste er. In der Schule fühlte ich mich auch nicht mehr wohl, immer hatte ich Angst, dass die Jungen genauso reagieren würden, wie mein Bruder."
Wieder unterbrach Megan sich und sah zu Joey rüber, hoffend, dass sie diese nicht mit diesem Problemchen langweilte. Trotzdem fuhr sich kurz darauf fort:
"Drei Jahre ging ich auf diese Schule, mit den Jungs konnte ich mich nie anfreunden, mit den Mädchen wars kein Problem. Da konnte ich ihnen auch aus dem Weg gehen, aber hier ist es schwieriger und da dachte ich ... vielleicht könnten Sie mir helfen." Sie sah Joey diesmal direkt an.
Aufmerksam hörte sie zu. Sie machte sich keine Notizen, wie ihre Fachkollegen es täten. Sie merkte sich einfach, was für ihre Beurteilung der Lage relevant war.
Das Mädchen setzte irgendwie am falschen Punkt an. Es war irrelevant zu fragen, warum der Junge seine Schwester nicht leiden konnte. Sie bezog das auf sich selbst. Sie musste Megan also nach und nach auf die Spur bringen, dass der Junge selbst ein Problem hatte.
Aber noch konnte sie das Bild nicht deutlich sehen, das sich vor ihrem geistigen Auge formierte, wenn sie ihren Patienten zuhörte.
Ganz davon abgesehen, dass die Eltern grundfalsch reagiert hatten. Wie es sich im Augenblick anhörte, war der Bruder derjenige gewesen, der 'angefangen hat', nicht etwa sie. Es wäre leichter gewesen, mit ihr zu arbeiten, zumal mit einer weiteren Schwester, hätten die Eltern den Sohn in seine Schranken verwiesen oder ihn aus dem Familienhaushalt verbannt. Megan in ein Internat zu stecken kam in dem Fall regelrecht einer Schuldzuweisung gleich.
Kein Wunder also, dass das Mädchen das Problem bei sich sah.
"Und gab es andere Jungs, mit denen du Auseinandersetzungen hattest?" Zum Vater würde sie später kommen.
Megan überlegte kurz. In ihrer Klasse damals gabs schon ein paar, die sie mit kleinen Papierkügelchen bewarfen, aber niemand war so, wie ihr Bruder, aber sie ließ auch nie einen Jungen so nah an sich heran, dass sie sie besser kennen lernen konnte noch umgekehrt.
"Nein, eigentlich nicht," sie legte leicht die Stirn in Falten. "Aber ich bin ihnen auch meistens aus dem Weg gegangen." Sie erzählte dann doch noch von den Papierkügelchen, die sich in ihrem Haar verfingen.
Klar, dass die Klassenkameraden so reagiert hatten. Das brachte die nach aussen hin abweisende Haltung, als die die Ängstlichkeit missverstanden wurde, eben mit sich.
"Ich glaube allerdings nicht, dass nur du mit Papierkügelchen beschossen wurdest. Öfter als andere wahrscheinlich, aber nicht als einzige. Und was das angeht, Megan, so ist das vollkommen normal."
Sie lächelte freundlich, bot dem Mädchen erneut einen Tee an, als sie sich selbst einen einschenkte.
"Gibt es denn auch Männer, die du magst? Wie muss ein solcher Mann sein?"
Megan nickte langsam und nahm dann doch das Angebot des Tees an.
Sie nagte an ihrer Unterlippe,als sie überlegte und antwortete dann auf Joeys Fragen "Ich mag meinen Vater, denn der hat mich noch nie angeschrien. Er hat sogar mit mir mein Haus gebaut. Dahin konnte ich mich dann immer zurückziehen, wenn mein Bruder mich wieder ärgern wollte oder geärgert hatte."
Erneut überlegte sie kurz: "Wie ein solcher Mann sein soll? Er soll auf alle Fälle nicht rumbrüllen." Sie nickte langsam und überlegte gleichzeitig. "Hmmmm ... hier hat ehrlich gesagt noch niemand rumgeschrien." Wieder nagte sie an ihrer Unterlippe.
Lächelnd reichte sie auch Megan eine Tasse Tee.
Im Grunde genommen, das wusste sie schon jetzt, konnte dem Mädchen im Hinblick auf den Bruder nur geholfen werden, wenn die ganze Familie in den Therapieprozess integriert würde, was hier am Institut und auf die Entfernung eher schwierig war.
"Erzähl mir mehr von deiner Familie. Ist dein Bruder älter?" forderte sie Megan auf.
Sie redete offenbar nicht gern über das Thema, Gedanken lesen konnte Joey nur eben leider nicht, so dass sie auf die Worte ihres Gegenüber angewiesen war, um ihr Urteil zu bilden.
"Ja, er ist zwei Jahre älter als ich. Dann hab ich noch eine jüngere Schwester. Mein Bruder behandelt sie ganz anders, er würde für sie durchs Feuer gehen, oder so, jedenfalls würde er alles für sie tun. Meine Eltern sind ziemlich normal. Ich hab auch noch ne Katze."
Sie nippte erneut am Tee und beobachtete Joey über den Tassenrand hinweg.
Die Basis, die das Mädchen aus freien Stücken lieferte, reichte einfach nicht aus, um sich ein konkreteres Bild von der Familie zu machen.
"Erzähl mir von euch. Von deiner Familie. Erzähl mir einen typischen Sonntag bei euch zuhause. Fang beim Frühstück an," hielt sie Megan dazu an, ihr mehr Informationen zu geben.