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auf der neuen Plattform und hoffen
euch alle in alter Frische und mit dem gleichen Elan
bald auch wieder an dieser Stelle begrüssen zu können.
Sorgsam löffelt Sarah ihre Suppe, die beginnt, immer schaler zu schmecken. Zuerst ist es noch leicht, sich darauf zu konzentrieren und möglichst alles andere auszublenden, wenn ihr auch anzusehen sein muß, wie wenig glücklich (um nicht zu sagen unglücklich) sie mit der Entwicklung ist, die das Ganze nimmt. Vor allem, als Daddy auf sie anspricht, etwas das ihr zuwider ist. Am liebsten würde sie sagen, dass er das lassen soll. Sicher ist Tyler selten da und sie freut sich über jedesmal, wenn er sie besuchen kommt, aber das ist mit Daddy nicht anders. Darum findet sie es noch mehr unfair. Sie schaut nur kurz zu Dad auf und schnell wieder in ihre Suppe.
Er hört nicht auf damit, und allmählich macht sie das wütend. Warum? Warum müssen sie immer streiten, und warum benutzt er sie dafür? Er hat sie ja nichtmal gefragt, was sie sich wünscht, er erfindet es einfach. Natürlich würde sie sich wünschen, dass Tyler öfters da ist, aber sie wünscht sich auch dass Dad nicht so oft weg ist... und das kann er nicht, ebenfalls wegen seiner 'Verpflichtungen'. Bedeutet das nicht, dass die ihm ebenfalls wichtiger sind als sie?
Caits Ausbruch lenkt sie ab. Sie mag es zwar nicht, dass jemand sogar noch offen wütend wird, aber sie kann es nachvollziehen, glaubt sie zumindest. Und als erwähnt wird, dass Tyler Kinder gerettet hat, schaut sie sogar neugierig auf, erst zu ihr dann zu Tyler. Na, wenn das keine wichtigen Verpflichtungen sind! Das müssen doch auch Mom und Dad einsehen, oder?
Anscheinend ist es nicht so einfach, das ist es bei den Erwachsenen nie. Sie versteht das nicht, und das frustriert sie noch mehr. Können die nicht endlich mal irgendwas richtig machen, wenn sie alle zusammen sind? Stattdessen erwähnt Dad schon wieder sie, und diesmal macht sie schon den Mund auf, aber sie sagt dann trotzdem nichts. Sie ist eben nur ein Kind. Immerhin stellt er da eine richtige Frage... sie würde das mit den geretteten Kindern auch gern hören. Erwartungsvoll sieht sie Tyler an. Das wäre doch vielleicht mal was Erfreuliches an diesem Tisch...
Hatte sich was mit 'Gang runterschalten.' Tys Antwort kam ebenso scharf, wie der Vorwurf seines Vaters, jedoch wartete er damit, bis Francesca das Esszimmer wieder verlassen hatte.
"Mein Leben bisher? Das verlief um einiges besser, seit ich hier weg bin. Wer weiß, vielleicht wäre ich am Ende noch genau so geworden wie ihr. Aber bei all euren Ansprüchen, Vorschriften und Erwartungen habt ihr doch völlig vergessen, dass es da draußen noch eine wirkliche Welt gibt! Und sie ist voll von Menschen mit wirklichen Problemen; die sich darum kümmern müssen, dass sie etwas zu essen bekommen, oder einen Platz für die Nacht oder dass sie nicht von irgendwelchen dahergelaufenen Typen krankenhausreif geschlagen werden, weil sie anders sind.
Und mit anders meine ich nicht nur die Hautfarbe oder die Herkunft, ich rede von Mutanten. Macht doch mal den Fernseher an und schlagt die Zeitung auf! Diese Welt hat Probleme, vor denen ihr eure Augen verschließt. Aber ihr überseht ja gern alles, was nicht ins Schema passt, nicht wahr? Aber Mutant zu sein ist keine ansteckende Krankheit, die man sich an der nächsten Straßenecke holt. Es ist ein Teil dessen, was wir sind. Und wenn ihr euch die Zeit genommen hättet, genauer zuzuhören, wüsstet ihr, dass hier eine Expertin zu dem Thema am Tisch sitzt."
Ty kam jetzt erst richtig in Fahrt. Er gestattete sich nur einen kurzen Seitenblick zu Cait, bevor er weitermachte.
"Ihr kennt Caitlynn noch keinen halben Tag und doch habt ihr sie in dem Moment verurteilt, da sie über die Schwelle trat. Woher ich das weiß? So wie sie hättet ihr sonst keinen eurer anderen Gäste behandelt. Also, was ist es? Ist es ihre Hautfarbe? Ihr Job? Die Tatsache, dass sie eine Mutantin ist, wie ich? Die Garderobe kann es ja wohl kaum sein; sie hat sich die Mühe gemacht und sich euren optischen Standards angepasst. Und damit hat sie sich bei weitem mehr auf euch eingelassen, als andersherum. Cait hat nur ausgesprochen, was sie gedacht hat; etwas, das ihr schon lange verlernt habt."
Ty machte eine weitere Pause, während er das Messer in der Hand seines Vaters nicht aus den Augen ließ.
"Wir passen nicht in euren Maßstab und genau das stört euch doch. Euch und den Rest der Welt da draußen. Deswegen gab es doch den Gesetzesvorschlag zur Registrierung von Mutanten! Deswegen gibt es doch die Hetzjagden! Deswegen werden doch Mutanten gequält und zu Experimenten gezwungen! Aber das sind ja alles Dinge, von denen ihr nichts wissen wollt. Deswegen habt ihr mich doch in diese Schule geschickt! Und das ist etwas, wofür ich euch wirklich dankbar bin!
Denn genau dort hat mein Leben erst angefangen. Ich habe gelernt, dass Mutanten einen Ort brauchen, an dem sie nicht gejagt werden. An dem sie nachts in Ruhe schlafen können. An dem sie ohne Angst leben können. Die meisten sind doch noch Kinder, nur weniger Jahre älter als Sarah!
So ein Ort war die Xavier Schule für mich. Und genau so ein Ort ist das Institut, an dem ich arbeite. Dort muss sich niemand verstecken oder verstellen. Es muss sich keiner für das schämen, was er ist. Es ist ein Platz, an dem es keine Angst gibt und an dem Mutanten und Nicht-Mutanten zusammenleben, als ganz normale Menschen.
Und diese verrückte Welt braucht mehr dieser Plätze, auch wenn die Leute das nicht einsehen wollen. Manche gehen auf die Straßen und protestieren offen für die Menschenrechte der Mutanten und gegen die Gewalt, die ihnen angetan wird. Wir Mutanten haben das Recht, ohne Angst zu leben! Und wir haben das Recht, uns zur Wehr zu setzen, wenn uns jemand unsere Menschenrechte nehmen will!"
Sein Blick wanderte zu seiner Mutter, die nun die Bratenstücke verteilte. Dass Dad ihm nicht zuhören wollte und lediglich ein Spiel mit ihm spielte, war Ty klar. Aber er war nun einmal richtig in Fahrt und würde sich auch nicht bremsen lassen.
"Ich arbeite täglich dafür, dass es einen Ort ohne Angst auch morgen noch gibt. Caitlynn und ich arbeiten beide für dieses Ziel, wie alle anderen Lehrer und Schüler dort. Jeder trägt seinen Teil dazu bei, dass es weitergehen kann. Und ich rette jeden Tag Kinder, weil es für sie ein weiterer Tag ist, an dem sie ohne Angst lernen können.
Aber so lange es Menschen gibt, die uns als eine Gefahr betrachten, uns jagen und einsperren wollen, wird sich nichts an dieser Welt ändern. Ich wünschte, ihr würdet die Augen aufmachen und das endlich erkennen.
Ihr könntet so viel Gutes tun mit eurem Geld. Aber deswegen bin ich nicht hier. Ich will es gar nicht, und genau das stört euch. Denn nun habt ihr nichts mehr, womit ihr mich kontrollieren könnt. Ihr müsst handeln wie ganz normale Menschen.
Ihr seid nunmal die Eltern eines Mutanten, und kein Geld der Welt kann daran etwas ändern. Wenn ihr also eine Welt wollt, in der auch ich etwas tun kann, auf dass ihr stolz seid, dann tut auch selbst etwas dafür. Und behandelt mich nicht von oben herab! Ich bin weder ein Aussätziger, noch ein ungehorsames Kind, ich bin euer Sohn!"
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Tyler wurde politisch und Cait hörte ihren Namen mehrmals fallen, viel zu oft, wie sie für sich entschied.
Dann ging es um Mutanten und Rechte und Tyler hatte eine lange Rede vor, die erst endete, als Kartoffeln und Truthahn aufgetan waren.
Caitlynn starrte auf den Teller vor sich und spürte, dass in ihrem zusammengekrampften magen nicht mehr viel Platz war, so köstlich dieses Essen auch aussah und roch.
Es war ein fehler hier her mit gekommen zu sein.
Aber elleine, wenn sie so schon dachte, dachte sie falsch. Denn das würde heißen, sie könnte als Mutantin nirgends wo mehr hin, außerhalb sicherer Institute wie Inverness oder New York. Naja, die Kanalisation soll ja auch recht gemütlich sein.
Cait schob die Gedanken von sich und eine Kartoffel auf die Gabel. Fast hätte sie wieder unpassender Weise das Essen gelobt, oder nach Bratensoße verlangt, aber sie hielt diesmal den Mund. Ihr letzter Einwurf hatte ein reges Vater-Sohn Gespräch entflammt.
Ihre Fingerspitzen kribbelten unter der Anspannung, wie sie verkrampft messer und Gabel hielt, als wären sie eingeschlafen.
Komm wieder runter, Cait. Halt einfach den Mund und versuch weiterzuessen, als wäre nichts.
Ihr Weg führte sie um den Tisch herum, tat erst ihrem Mann, dann ihren Kindern und Caitlynn auf, bevor sie sich zurück auf ihren Platz setzte und sich selbst bediente. Der Abend war in die gewohnte Richtung gedriftet und das Geschrei ab Tisch nahm stetig zu. Allerdings schnappte sie etwas aus den herumfliegenden Worten auf, dass sie zu Caitlynn sehen ließ. Sie hatten also jemanden unter sich, der sich sehr gut mit dieser Krankheit auskannte? Jemand, der mehr darüber wusste, als Tyler oder sie selbst? Hatte er sie mitgebracht, um eine Aufklärungsstunde abzuhalten? Nein, der emotionale Grund überwog.
Für einen Moment lang hatte sie den unbändigen Drang, sie alles zu fragen und dann würde sie Antworten auf alles bekommen, nicht wahr?
Mutanten, die gejagd wurden, an denen Experimente durchgeführt wurden.
Ja, er hatte davon gehört, wie sollte er nicht.
Er hatte sich informiert, nachdem bei Tyler diese Mutation, wie er es nannte, ausgebrochen war. In seiner Machtposition hatte er Verbindungen, die es ihm natürlich erlaubt hatten, hinter Fassaden zu blicken und sei es durch eine kleine oder größere Geldsumme, die seine Kontakte des Fragens müde und zufrieden gestellt hatten.
Was sollte er nun dagegen sagen? Das es ihm egal war, ob diese Mutanten verfolgt wurden? Irgendwie musste diese Krankheit doch geheilt werden und wie sollte man ein Gegenmittel finden, wenn nicht durch Forschung. Das war in der allgemeinen Medizin auch so, nur durch Experimente gab es Fortschritte.
Opfer waren, wenn man die Ergebnisse betrachtete, ein nötiger Schritt auf dem Weg zum Erfolg.
Er war Republikaner und daher der festen Überzeugung, dass Land müsse geschützt werden, vor allem, was es bedrohen könnte. Das waren vor allem Terroristen und was geschähe, wenn diese Mutanten dort auch existieren würden. Bereiteten sie sich womöglich gerade vor? In solch einem Institut, wie in dem von Tyler?
Er durchbohrte Tyler mit seinem Blick. Dieser Junge war ihm fremd. Wie konnte es sein, dass sein eigenes Fleisch und Blut ihm so fremd war?
Es lag an dieser Krankheit, soviel war klar.
Tylers Worte hatten ihn getroffen, nicht, dass es ihn berührte, dass er sie anklagte, sie hätten nichts für ihn getan und sie seien wie alle andere Familien, was nicht stimmte, da sie nicht, wie andere Familien waren.
Ihre Familie war etwas Besonderes, ihr Stammbaum wies Größen auf und er selbst, Derek Knight, hatte die Familie zu etwas Besserem werden lassen.
Tyler konnte davon nichts verstehen, weil er nie in ihre Gesellschaft gehören wollte.
Er sah zu Allison. Sie wirkte unruhig auf ihn, als wolle sie fragen.
Gut, sollte sie fragen.
Er nickte ihr unmerklich zu.
Das Wort hatte Mrs. Knight. Eine seltene Begebenheit, aber warum sollte er sich gerade den Mund fusselig reden.
Tyler würde es nie verstehen.
Er wandte den Blick zu seiner Prinzessin. Auch wegen ihr musste er vorsichtig vorgehen.
Wenn es nach ihm ging, dann würde er Tyler und seine Freundin am Liebsten aus dem Haus verweisen, denn er ertrug ihren Anblick einfach nicht mehr.
Derek nickte ihr zu und ihr Mundwinkel zuckte ein wenig in die Höhe. Er gab ihr also die Gelegenheit zu fragen und während sie sorgfältig das Fleisch schnitt, wandte sie sich an Caitlynn. "Mein Sohn hat eine sehr hohe Meinung von ihnen," fing sie an und dabei hatte sie den Unterton direkt unter Kontrolle, obwohl er nicht von ungefähr diese Einstellung zu haben schien. Nicht wahr? Waren wir böse?
"Sie sind also eine Expertin auf dem Gebiet der Mutation? Wieso erzählen sie uns nicht alles, was sie wissen? Soweit ich gehrt habe, ist das wahre Genie auf diesem Gebiet ein gewisser Professor Charles Xavier. Sie müssen demnach bei ihm zur Schule gegangen sein. Dabei höre ich zum ersten Mal von ihnen und Tyler ist seit einigen Jahren dort." Gemütlich nahm sie ein Stück in den Mund und kaute, ließ Caitlynn dabei die Möglichkeit die ersten Gesprächsbrocken zu schlucken, bevor sie fortfuhr.
"Nun erzählen sie schon," fügte sie ruhig an und legte das Besteck beiseite. Im Moment schien diese Frau sowieso nicht besonders hungrig zu sein und bevor sich Derek und Tyler noch an die Gurgel gingen, konnten sie Sarah vielleicht ein paar Dinge beibringen, die eine Mutation nicht nur ins aufregende Licht rückten.
Kurz erinnerte sie sich an Xaviers Gesicht, als er sie damals aufgesucht hatte. Ein Mann, kahl und im Rollstuhl, doch von ungeheurem Ruhm und als unvorstellbar reicher Mann verschrien, ob nun vom Vermögen her oder vom Wissen. Er galt als ein Genie, bekanntester Mutant und Verfechter der Menschenrechte.
Was sollte das nun werden? Biologiestunde mit Truthahn und Süßkartoffeln?
Cait warf einen kurzen Seitenblick zu Tyler, der nicht näher gedeutet werden mochte, aber es war ihr tatsächlich unangenehm im Mittelpunkt des Gesprächs zu sein.
Eine Situation, als ob, sie hier in Echsengestalt sitzen würde.
Im Normalfall liebte Caitlynn Lydecker Aufmerksamkeit jedweder Form, mit der einzigen Ausnahme, wenn es dabei um ihre Mutationen ging...nun war eine weitere Ausnahme hinzugetreten.
"Expertin...ist wahrscheinlich etwas übertrieben. Ziemlich sogar...ich habe lediglich Biologuie studiert und meine Abschlussarbeiten zum Thema exogene Transformation Mutationenveröffentlicht. Desweiteren hatte ich nur einmal die Ehre, während meiner Studienzeit auf Dr. Xavier zu treffen."
Was erwartete also Mrs. Knight nun von ihr. Eine kleine Einführung in die Vererbungslehre?
"Aber wenn sie meine Meinung wissen wollen. Im Moment befindet sich der Mensch wieder in einem spürbaren Schritt der Evolution und unsere Natur verändert sich wieder, sei es, damit sich die kommenden Generationen an die neuen Lebensverhältnisse auf diesem Planeten anzupassen, sei es zum Schutz gegen selbsterzeugte Umweltgifte, oder andere Gefahren. Oder vielleicht einfach nur, weil es mal wieder zeit für einen Schritt vorwärts ist. Die Mutanten werden diese Veränderungen nicht einleiten, sie geschieht ja schon längst. Klimaerwärmung, Naturkatastrophen, ansteigender Meeresspiegel und so weiter.
Das kann Jahre...oder Jahrzehnte oder noch länger dauern, aber das wichtigste dabei ist, dass diese neuen Mutationen nicht durch eine ansteckende Krankheit vererbt wird, wie die Sichelzellenanemie, oder Albinismus und auch nicht durch Umweltschäden oder Strahlungen. Sondern das sie willkürlich und überall auftreten, was Beweis dafür ist, dass es ein evolutiver Schritt ist.
Dabei entstehen eine Unmenge verschiedener Mutationen die auf die Probe gestellt werden.
Das all diese neuen Mutationen jedoch an ihrem alten Ursprung, dem Menschen sebst scheitern, hatte sich die Evolution wohl nicht vorstellen können.
Es gibt keinen Grund, diese Mutationen zu bekämpfen oder als Krank anzusehen und daher auch keinen Grund ein Heilmittel zu suchen, oder Mutanten für das, was sie sind zu bestrafen."
Das wäre, wie wenn die Affenvorfahren des ersten menschen, diesen gejagt hätten und dafür gesorgt hätten, dass er sich nicht durchsetzt.
Aber diesen vergleichlässt Cait dann doch lieber unter den Tisch fallen.
"Wie gesagt...meine Meinung..." als ob sie sich dafür entschuldiigen müsste. Vor einem jahr hätte sie wahrscheinlich noch anders gedacht und nicht die idealistische Rede geschwungen.
Nein... auch wenn es Tyler ist, der wütend wird, ist ihr unbehaglich zumute. Das sollte er nicht, nicht hier. Und trotzdem passiert es immer wieder. Natürlich hat er recht mit dem was er sagt, es gibt einfach viele Leute denen es schlechter geht als Sarah und ihren Eltern, und sie brauchen jemanden wie Tyler, der ihnen hilft und auf sie aufpaßt. So zumindest versteht sie das, und sie ist stolz auf ihren großen Bruder. Vor allem lauscht sie aufmerksam, als er diesen Ort erwähnt und die Kinder. Sie versucht sich das vorzustellen. In etwa so wie ihre Schule?
Alles versteht sie zwar auch nicht, um das es geht in dieser langen Rede, und sie wird auch durch den leckeren Truthahn etwas abgelenkt, dem sie sich nach einem Lächeln zu ihrer Mutter (ein Danke während ein anderer spricht geht nicht) nebenbei widmet. Derek Knight kann bei seinem Seitenblick also feststellen, dass seine Tochter (recht schnell in der zumindest kurzfristigen Überwindung ihrer Trauer über herrschende Zustände) ißt und dabei zu Tyler aufschaut... und das nicht nur buchstäblich. Außerdem ist sie erleichtert, dass Mom jetzt mit Cait redet... kein Streit mehr. Und was Cait sagt ist ja auch interessant. Wäre es wahrscheinlich noch mehr, wenn in der Schule die Evolutionstheorie schon dran gewesen wäre.
Während des Vortrages hatte sie ihr Besteck doch tatsächlich beiseite gelegt. Also keine Expertin? Wieso hatte Tyler sie dann so bezeichnet? Ein kurzer Seitenblick zu ihrem Jungen und die Frage, wieso er gelogen hatte. Welchen Grund hatte er, seine Arbeitskollegin derart auf einen Sockel zu stellen, wenn es doch gar nicht stimmte. Also doch mehr als eine Kollegin, mehr als eine Freundin, dann also wirklich eine Liebhaberin. Derek würde das sicherlich nicht minder auffallen.
Und dann kam etwas, dass ihr gehörig auf den Magen schlug. Da äußerte diese Fremde an ihrem Tisch ungefragt ihre Meinung über ein Thema, dass ein wunder Punkt in diesem Hause war. Ja, die Andersartigkeit ihres Sohnes war keine ansteckende Krankheit und sie war ebenso unheilbar. Sie trat unwillkürlich auf, aber man vermutete eine Erbkrankheit und das hieß unweigerlich, dass Sarah ebenfalls befallen werden könnte. Und dann würde sie auch ihr zweites Kind verlieren.
Was auch immer in der Pubertät von Tyler geschehen war, es hatte ihn vergiftet und seitdem waren seine Eltern nicht mehr gut genug für ihn.
Noch immer hatte sie ihr Besteck nicht wieder aufgenommen, noch immer starrte sie Caitlynn an und noch immer war sie fassungslos über soviel Frechheit. Das Hauptgericht war nun beinahe durch und die Mädchen räumten, nachdem es endgültig beendet war, leise das Geschirr ab. Stand nur noch der Nachtisch an, dann wäre alles endlich überstanden gewesen.
"Entschuldigt mich bitte", kam es plötzlich von ihr. Allison warf die Stoffserviette neben ihren Teller, erhob sich und verließ das Esszimmer. Ihr Weg führte sie in eines der Badezimmer im Erdgeschoss.
Cait war an sich sehrt zufrieden mit ihrer Ausfürhung gewesen und wie sollte sie auch wissen,was die Knights hören wollten und was nicht.
Jedenfalls war das eben Gesagte anscheinend für Mrs. Knights empfindliche Seele zuviel gewesen, denn sie stand auf und verließ das Esszimmer.
Warum? Cat fand auf die Schnelle keine Antwort.
Vielleicht hatte ihr der Gedanken nicht gefallen, nur noch an zweiter Stelle der evolutionären Krone zu stehen? Dabei wasr das nicht einmal so gemeint.
Jedenfalls saß man nur noch zu viert am Tisch.
Caits Blick war auf ihren leeren teller geheftet, schwang dann fast ruckartig zu Derek.
"Habe ich irgend etwas gesagt, dass ihrer Frau nicht bekommen ist?"
Er sah seiner Frau wortlos nach. Ihre Reaktion war verständlich, aber nicht klug. Sie war doch sonst immer eine Frau gewesen, die besonders gut darin war, ihre Gefühle nicht Oberhand gewinnen zu lassen.
Aber das war eben auch der Unterschied zwischen ihnen - er konnte es, musste es. In seinem Geschäft war dieser Umstand unerlässlich.
Nicht, dass er seine Frau nicht verstand, er fühlte dasselbe. Sie waren sich in diesem Punkt einig gewesen, was Tyler anging. Aber durch ihr offenes Verhalten war es ein Punkt für die andere Seite.
Dieses Essen war wie ein Footballspiel. Jeder kämpfte verbissen, um den nächsten Punkt im Gespräch zu erzielen.
Langsam war es aber genug.
Dieses Thanksgiving hätte perfekt werden sollen. Aber nein, Tyler hatte es, wieder einmal, geschafft, den Tag zu ruinieren, so wie er es jedes Jahr tat.
Seine Augen wanderten zu Caitlynn, als sie ihre Frage stellte.
Er hob nur eine Augenbraue.
Wollte diese unverschämte Frau darauf nun wirklich eine Antwort?
Aber was verlangte er. Diese Frau konnte nicht wissen, wie man sich wohlerzogen benahm, dort wo sie herkam gab es solche Manieren anscheinend nicht.
Er zwang sich zu lächeln, doch es war ein spöttisches Lächeln.
"Was glauben Sie denn?"
Glaubte sie allen Ernstes, Tylers Mutter würde es nicht nahegehen, was aus ihrem Sohn geworden war? Was seine Krankheit für ihre Familie bedeutete, was es für eine Mutter bedeutete?
Die Angst, auch Sarah an diese Krankheit zu verlieren, schwebte wie ein drohender Schatten über ihrem Haus, je mehr Zeit verstrich.
"Sehen Sie und gerade DAS war ihr Fehler", ein kurzes geschäftliches Lächeln glitt über seine Züge.
"Sie wurden nicht nach Ihrer Meinung gefragt. Ihre Meinung gilt in diesem Haus nicht. Sie kennen Tyler nicht sehr lange und Ihr berufliches Verhältnis zu meinem Sohn sagt schon im Voraus, dass Sie ihm zugetan sind und somit keine andere Seite akzeptieren würden. Sie kennen nur seinen Standpunkt. Daher können Sie gar nicht wissen, was Tylers Hintergrund in diesem Haus ist und sollten daher mit Ihren Ausführungen, so interessant sie auch waren, etwas vorsichtig sein."
Er warf den beiden Mädchen, die fragend in der Tür standen einen auffordernden Blick zu.
"Ich denke, wir wenden uns nun dem Nachtisch zu."
Er legte die Hände ineinander.
Bald war dieses Essen vorbei und damit auch Tylers Besuch und er würde mit Allison reden, dass Tylers Kontakt mit Sarah zu unterbinden war.
Vielleicht konnte er seine Beziehungen spielen lassen und ihm etwas nachweisen, was Sarah endlich die Augen über ihren missratenen Bruder öffnete.
Sie durfte niemals so werden wie er....er würde es nicht ertragen, sie zu verlieren...noch einmal zu versagen.
Ein Seitenblick in Richtung Tyler wäre vielleicht weise gewesen, aber Cait antwortete sofort.
"Und ihr familiäres Verhältnis zu ihrem Sohn...und ich versichere ihnen, mr. Knight, da reichen bereits zwei oder drei Minuten in ihrer Gegenwart um das zu bemerken, sagt ebenfalls im Voraus, dass sie ihm in keinster Weise zugetan sind und überhaupt keine Seite an ihm akzeptieren. Genauso wie sie von mir und meiner Meinung voreingenommen sind."
Cait musste sich Mühe geben nicht lauter zu werden. Sie kannte diese Diskussionen aus der eigenen Familie.
"Meine Ausfürhungen sind nicht bloße Meinung sondern iin vieler Hinsicht wissenschaftlicher Fakt. Vor demn jedoch Leute wie sie willentlich die Augen verschließen, damit ihr altes, stabiles Weltbild weiter existieren kann. Alles was nicht hinein passt, wird rausgeworfen...oder Schlimmeres."
Sie holte Luft un dmit einem weiteren zug war das Weinglas leer.
"Sie haben Recht. Ich kenne nur seinen Standpunkt und mache mir aus ihren Ausführungen ein Bild. So wie sie sich eines von mir gemacht haben....und es fällt nicht ssssonderlich schwer." Cait biss sich auf die Zunge.
Genug gesagt.
"Tyler... danke für den Versuch, aber das hier funktioniert nicht." Und die kleine Sarah in der Mitte, das war schlimmer als der Konflikt mit ihrem eignen Vater.
"Mr. Knight...sagen sie ihrer Frau von mir...vielen Dank für das Essen. Es war wirklich sehr gut..."
Sie stand auf. Sarah tat gut darann, wa ihr gleich zu tun.
Viel Spaß noch...
"Ich zieh mich oben um..."
Sein Gesicht verfinsterte sich bedrohlich. Langsam war sie dabei, seine Geduld wirklich zu strapazieren.
Wie konnte jemand, der gesellschaftlich unter ihm stand, so anmaßend sein?
"Ich bin nicht dumm, Mrs. Lydecker. Ich sagte bereits, ihre Ausführungen, womit ich die wissenschaftlichen Aspekte meinte, waren sehr interessant."
Aber warum sollte er sich weiter mit dieser Frau in ein Gespräch vertiefen.
Er bemerkte ihren Blickaustausch mit Sarah mit Missfallen.
Natürlich würden sie und Tyler alles daran setzen, Sarah auf ihre Seite zu ziehen. Das musste er verhindern.
"Sarah, Prinzessin, würdest du bitte einmal nach deiner Mutter sehen und dich ein wenig um sie kümmern?"
Er lächelte ihr liebevoll zu. Doch innerlich zog sich alles zusammen. Sie war sein ein und alles, sein Stolz, sein geliebtes Kind. Niemals würde er sie verlieren, nicht wenn er es verhindern konnte und er würde alles dafür tun.
Er würde warten, bis Sarah und Tylers Begleitung den Raum verlassen hatten. Dann gab es nur noch Tyler und ihn...