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auf der neuen Plattform und hoffen
euch alle in alter Frische und mit dem gleichen Elan
bald auch wieder an dieser Stelle begrüssen zu können.
Wie lange war das jetzt gewesen, zwei Minuten, oder drei? Es war bedauerlich, dass sie es nur noch so kurze Zeit miteinander aushielten, ohne zu streiten. Gewiss, er hatte seinen Teil dazu beigetragen und das Thema war wirklich nicht das einfachste gewesen - aber sie war seine Mutter, verdammt! Warum konnte sie nicht einfach...
...ein bisschen mehr so sein, wie du sie gern hättest? Was für ein alberner Gedanke. Nicht, dass sie sich nicht genau dasselbe wünschen würde, oder? - Oh halt endlich die Klappe, dämliches Gewissen!
Ty stand ebenfalls auf, räusperte sich und ging dann den Flur entlang. "Schon gut, Laura, ich werde gehen. Ich bin sicher, deine Hilfe wird hier unten mehr gebraucht."
Er mußte außerdem erstmal von ihr weg, auch wenn sein letzter Blick, der ihrem Rücken galt, etwas ganz anderes sagte. Familienleben schien viele Definitionen zu haben; die von Tyler und seinen Eltern hatten sich wohl nur weiterentwickelt - in unterscheidliche Richtungen. Und das bedauerte ein Teil von Ty sehr.
Er erhob sich und ging in Richtung von Sarahs Zimmer. Schon auf dem Flur hörte er sie und Cait miteinander sprechen; es klang gelöst und ehrlich, und irgendwie lebendig.
Wenigstens einer, der sie leiden kann, dachte Ty noch, bevor er an die Tür zu Sarahs Zimmer klopfte; ein viel zu fröhliches Gesicht aufsetzend, das ihm selbst irgendwie fremd erschien.
"Hey, ich war gerade in der Gegend. Ich habe gehört, im Esszimmer soll es demnächst ein Bankett geben. Kennt jemand die Nummer vom Linienbus dahin?"
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Tyler kam gerade herein, als Cait eine der Sonnenbrillen von Sarah aufprobieren 'musste'. Cait musste lächeln, wie immer bei Tylers ironischen Worten, aber auch, als sie sah, dass das Gespräch mit 'Schwieger'mama nict so arg verlaufen sein konnte, wie sie befürchtete.
Oder war alles gespielt?
Die große Familien-Aufführung?
"Lass uns zu Fuß gehen, hab gehört, die Busse fahren nicht so pünktlich an Feiertagen...und ich hab ziemlich Hunger."
Sie nahm die Sonnebrille wieder ab.
"Soll ich mir was anderes anziehen, oder so?" Cait nagte unsicher auf der Unterlippe, während sie die Treppen zum Esszimmer heruntergingen.
Sie wusste so ungefähr, wie sie in Mrs. Knights Augen erschien...und würde sich auch im Normalfall nicht dafür schämen, aber das hier wa nicht der Normalfall.
Normalerweise hätte er Cait genau so am Tisch haben wollen, wie sie war. Er fand, dass sie dann einfach irgendwie echter wirkte. Aber eine Person war immer mehr als ihre äußere Erscheinung. Und eine Cait, die sich selbst behauptete, während sie dabei passend gekleidet war, würde seinem Vater sicher mehr Respekt abringen. Abgesehen davon, dass es Mom in ihrer sogenannten Menschenkenntis erschüttern würde.
"Nur, wenn du willst," sagte seine Stimme, aber sein Blick sagte Ja, bitte. "Ich zeig dir am besten erstmal, wo du heute untergebracht bist."
Der nächste Blick galt Sarah. "Fünfzehn Minuten, Prinzessin!" Er zwinkerte ihr zu, dann nahm er einfach Caits Hand und führte sie zu ihrem Gästezimmer.
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"Wenns nach mir geht...behalte ich meinen Thermoanzug an..." meinte Cait und folgte ins Gästezimmer, wo sie auch ihre Sporttasche verstauen konnte.
"Vielleicht zieh ich mir eine Jeans und eine Jacke drüber....oder nen Pullover, oder so"
meinte sie un beann in der Tasche zu wühlen.
"Was ist mit deinem Dad? Kommt er...keine Angst, ich werd mich ganz unauffällig und superhöflich verhalten. Dann müssten wir den Abend schon deichseln.
Hey, Tyger...es sind deine Eltern. Ich hab kein Problem damit, von deiner Mom komisch angesehen zu werden und es ist mir eigentlich ziemlich egal was sie denkt, kay? Also mach dir um mich keinen Kopf. Außerdem schützt mich Sarah ja" grinste sie zum Abscluss ihrer Ansprache und zog sich tatsächlich einen olivgrünen Pullover über.
Dann schlüpfte sie noch in eine enge Jeans...mit dem Thermoanzug fast etwas zu eng "Ok...ich wäre soweit..."
"Ja, sehr oft. Den ganzen Tag, außer nachts." ist die erhellende Antwort auf Caits Frage mit der Sonne, dermaßen erhellend, dass Cait jetzt sicher eine dunkle Brille braucht... Sarah gibt ihr auch bereitwillig eine, die sie unbedingt mal aufsetzen muß. "Ohja, das haben sie. Och... die werden schon rufen, wenn es soweit ist." kommt dann auf die weiteren Fragen.
Lange dauert es ja dann nicht mehr, bis Tyler heraufkommt. Na wenigstens haben sie nicht lange gestritten... aber so fröhlich, wie sich ihr Bruder gibt, ist er nicht. Vielleicht tut er nur so und ist in Wirklichkeit traurig... aber wenn sie jetzt deswegen ein trauriges Gesicht macht, wird er nur noch trauriger. Und das will sie nicht. "Also... einen Bus kenn ich nicht, aber ich hab ein Auto. Ihr könnt mitfahren." Womit sie auf ihr Auto deutet. Plastik. Rosa. Mehr Einzelheiten braucht wohl keiner.
Natürlich nimmt sie alle ihr zugehörigen Sonnenbrillen sorgsam wieder an sich und legt sie in die Schublade, ehe sie diese schließt. Gemeinerweise wollen die beiden jetzt ohne sie verschwinden. Na immerhin gibt Brüderchen ein Zeitlimit. "Aber keine Sekunde länger!" ruft sie ihm nach, dann rennt sie schonmal voraus, in Richtung Esszimmer.
Ty hat ihr beim Umziehen zugesehen... oder doch nicht? Im Raum war er jedenfalls und seine Augen waren auch auf sie gerichtet gewesen, nur ob seine Gedanken auch bei ihr waren...? Das sollte keine Beleidigung sein, aber durch Tys Kopf ging etwas, das mit jeder ihrer Bewegungen stärker wurde: Widerstand.
Ausgerechnet das schwarze Schaf der Familie Knight, der sich gegen seine Eltern auflehnte, ihre Konventionen und ihr Geld ablehnte, alles tat, um nicht so zu werden wie sie ... wollte sich mit seiner Begleitung über deren unangemessene Garderobe unterhalten. Entweder lag es daran, dass Tyler ein heimlicher Perfektionist war, der den Schock für seine Eltern größtmöglich gestalten wollte ... oder daran, dass er von seinen beiden Eltern diesen Kontrollzwang geerbt hatte ... oder daran, dass er in der Army gelernt hatte, alles genau zu planen ... oder daran, dass man ihm einfach schon während der Kindheit gewisse Dinge unwiderruflich im Kopf festgesetzt hatte ... Was auch immer der Grund war, Tyler sah Cait an und schüttelte langsam den Kopf.
"Das Outfit ist okay für später ... am Kamin oder so," begann er so diplomatisch er konnte, "aber ich glaube, fürs Essen solltest du was anderes tragen."
Womit er ihr eben zu verstehen gegeben hatte, dass er scheinbar doch mehr Wert auf Äußerlichkeiten legte, als er immer zugeben wollte. Und er war sich dessen bewußt, wenn man die hochrote Gesichtsfarbe richtig deutete.
"Warte einen Moment," murmelte er zerknirscht und ging mit hängenden Schultern zum Kleiderschrank. Zwei Bewegungen und die spiegelglasverkleideten Türen glitten zur Seite, um eine sagenhafte Auswahl an Abendkleidern auf Bügeln zu enthüllen. Es gab sie in verschiedenen Größen, Schnitten und Farben, mit Besätzen, Säumen und Ausschnitten oder auch einfach nur schlicht.
Ty warf einen kurzen Blick zu Cait, ihre Größe abschätzend, obwohl er dabei mehr als beschämt aussah. Dann zog er zwei hervor und hängte sie an eine extra Halterung.
"Wenn du den Anzug wirklich beim Essen tragen willst," begann er, und sein Tonfall klang dabei so jämmerlich, als könnte er sich nichts Schlimmeres auf der Welt vorstellen, "dann solltest du das grüne nehmen. Falls nicht, versuchs mit dem blauen. Oder nimm einfach ein anderes, das dir besser gefällt."
Damit schlich er zur Tür, beschämt von seinem wirklich idiotischen Auftritt, mit dem er nur wieder bewiesen hatte, wie sehr er eben doch ein Knight war.
"Ich geh mich schnell umziehen. Falls du was brauchst, Hilfe bei den Haaren oder so..." Wobei er auf das kleine Badezimmer deutete, das zum Gästezimmer gehörte.
Jetzt übertreibst du wirklich! Mach bloß, dass du wegkommst. Hast du mal gesehen, wie sie dich anstarrt? Sei froh, wenn sie nach der Aktion eben überhaupt noch mit dir redet!
"...ach, ich glaube, du wirst zurechtkommen. Ich komme in ein paar Minuten wieder."
Nuschelte er und verschwand mit hängenden Schultern und gesenktem Blick nach draussen auf den Flur.
Tja, da stand sie wieder. Belastet mit allen möglichen Eindrücken von der sauberen Familie Knight und auch ihr ältester Spross ließ sie gerade daran zweifeln, ob es ne prima Idee gewesen war, mit zu der Familie zu kommen.
Nun war also weder der Anzug, noch der Schlabber-Look, noch beides übereinander erwünscht.
Sie musste Püppchen-Assecoire tragen.
Prüfend musterte die die beiden Kleider...es war keine Frage welches sie auswählen 'sollte', denn immerhin schwangen in Tylers Vorstellungen der Garderobe eindeutige Wertungen mit.
Also streifte Cait Pullover und Jeans ab und schälte sich aus dem Thermo-Anzug, um brav 'Prinzessin Blau' zu spielen.
Das letzte Mal, dass sie so etwas Ähnliches trug, war, als sie mit 4 Jahren auf der Beerdigung ihrer Mutter war.
Egal... Augen zu und durch. mund halten, Nicken, Lächeln...nicht unangenehm auffalen und um Gottes Willen nicht verwandeln!
Cait wühlte den Kulturbeutel aus der Sporttasche und drückte zwei Tabletten aus der Packung.
Dann fiel ihr lick auf die schwarze Reizwäsche, die sie eingepackt hatte.
Vielleicht war ja der späte Abend noch zu retten?
Darüber zog sie brav das Blaue Kleid und schnürte es zurecht, was ohne Hilfe nicht ganz so einfach war, wen man solchen Pomp nie trug. Sie ordete ein wenig die Frisur, dass sie beiden blondierten Strähnen in ihr Gesicht hingen, den Rest steckte sie einfach un unkompliziert hoch und legte etwas Duft nach, bevor sie wieder die Treppe runter ins Esszimmer wankte. Immereinen festen griff am Treppengeländer.
Ty hatte sich in seinem Zimmer umgezogen. Sein Beitrag zur Rebellion beschränkte sich darauf, dass er keine Krawatte oder Fliege trug. Dennoch sah er aus, als würde er auf eine Gala gehen: schwarzer Anzug, dunkle Schuhe, ein hellgraues Hemd, bei dem der oberste Knopf offenblieb. Nicht besonders rebellisch.
Er wusste, dass ihm eine Schlacht bevorstand, so wie jedes Jahr. Sie würde verbal ausgetragen, über Süsskartoffeln, Kürbispastete und Truthahn hinweg, so wie jedes Jahr. Und am Ende würde ein brüchiger Waffenstillstand geschlossen werden, der bis zum nächsten Thanksgiving hielt, so wie jedes Jahr.
In einer Schlacht, nun, da nutzte man seine Vorteile und verschenkte nichts. Und jetzt, da Cait an seiner Seite kämpfen würde, musste er das Feuer auf sich lenken. Deswegen hatte er ihr von ihrer Gaderobe abgeraten und ihr das Kleid...
Bullshit! Hör endlich auf, dich selbst zu belügen! Du wolltest, dass sie es trägt! Du hast in dem Moment weder an deinen Vater, noch an deine Mutter gedacht. Und erst recht nicht an Cait! Du hast es ihr einfach hingeknallt und befohlen. Schau dich nur an, dein alter Herr wäre so stolz auf dich in diesem Moment!
Ruckartig stiess sich Ty vom Bett ab und starrte wütend in den Spiegel. Die Person darin erinnerte ihn auf erschreckende Weise viel zu sehr an die, vor der er hier im Haus am meisten Respekt hatte. Dann riss er sich los und lief aus dem Zimmer.
Er erwischte Cait noch auf der Treppe. "Warte, bleib stehen!" Hastig nahm er zwei Stufen auf einmal, um sie einzuholen. Als er sie erreicht hatte, blieb er auf der Stufe unter ihr stehen, direkt auf Augenhöhe mit ihr und ...
... er kam nicht umhin, sie einen Augenblick lang mit offenem Mund anzustarren. "Wow, das ist ..." Sie sah hinreißend aus, noch besser, als er sich das vorgestellt...
... sein Blick wanderte zu ihren Augen und seine Hand ergriff ihre. "Es tut mir leid. Du siehst wirklich fantastisch aus und ... Ich war so ein Idiot. Ich wollte, dass sie dich kennenlernen, die echte Cait, und nicht irgendjemanden, der sich verstellt. Es tut mir leid, dass ich dir dieses Kleid aufgenötigt habe. Bitte, wenn du dich darin unwohl fühlst, dann sag es mir. Ich will, dass ..."
Schlechte Wortwahl
"Ich würde mich freuen, wenn du als du selbst mit da raus kommst. Und wenn dich das Kleid stört, dann bringen wir es zurück, wo es hingehört."
Aber es war nicht nur das Kleid, es war die ganze Familie, das Haus, die Atmosphäre. Sie machte Ty zu jemand anderem, und er ging damit auf die einzige Art um, die er konnte. Und nun hatte er Cait mit hineingebracht. Wenn sie sich also in diesem Haus unwohl fühlte und wieder gehen wollte...
Verstand sie, worauf er hinaus wollte? Er hoffte es.
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Cait verstand die Welt nicht mehr.
Bleib so, zieh dich um, zieh es aus...mach Männchen?
"Hey, Ty...das hier ist deine Familie, oder nicht? Du führst dich auf, als hättest du ne Absclussprüfung zu bestehen , oder Schlimmeres." Sie zupfte das Kleid ein wenig zurecht.
"Beruhig dich, kay? Ich bin und bleibe Cait...und wenn ich einen Rede-lash habe, dann habe ich einen Rede-Flash, da ändert so ein Prom-Night-Fummel auch nichts dran. Das ist nur äußerlich. Ähnlich wie bei meiner Reptilienhaut, kay?"
Sie zog ihm am Arm. " und jtzt komm, dass wir das über die Bühne und hinter uns bringen."
Abschlussprüfung kam der Sache schon recht nahe. In gewisser Weise war Tys Besuch hier ein Statement, und Caits Anwesenheit ebenso. Recht hatte sie allemal: es war seine Familie. Und vielleicht würde dieses Essen zeigen, ob sie ein Teil davon werden könnte.
Aber ihre Worte verfehlten ihre Wirkung nicht. Er beruhigte sich tatsächlich etwas. Und auf unnachahmliche Weise hatte sie ihm dieselbe Lektion erteilt, die er seinen Eltern erteilen wollte: die Welt drehte sich weiter, auch ohne Erlaubnis eines Knights. Es war nur ein Essen und es würde irgendwann ein Ende haben, solange nicht jemand die Zeit anhielt.
"Warte noch." Sacht hielt er sie zurück, als sie ihn weiterzog. Er drehte den Spieß um, zog sie dichter zu sich heran. "Danke, für alles" sagte er leise und küsste sie sacht auf die Wange. Es schien zunächst nur eine Geste der Dankbarkeit zu sein, doch dauerte sie etwas länger als sonst. Auch die sekundenlange Berührung seiner Schläfe mit ihrer deutete an, dass er mehr sagen oder tun wollte in diesem Augenblick.
Dann trat er neben sie, bot ihr den Arm an und machte sich gemeinsam mit ihr auf den Weg ins Esszimmer.
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Allisons Aufgabe bestand darin, den sorgfältig ausgewogenen Aufbau des Festtisches darauf auszurichten, dass nicht nur ein weiterer Gast, sondern direkt zwei Gäste mehr einzurechnen waren. Tylers Platz war sorgsam berücksichtigt worden, aber für Caitlynn einen Platz zu finden, würde schwer werden. Selbst als Prinzessin Sarah schon ins Esszimmer trat, war sie noch damit beschäftigt umräumen zu lassen. „Sarah Darling, du wirst heute Abend neben deinem Vater Platz nehmen“, meinte sie in der Hektik und zupfte kurz an Sarahs Kragen. Ihr Platz war nahe dem Kopfende, dass immer für den Hausherren reserviert war. Aber wie ging es weiter?
Sie hatte ein wirklich großes Problem. Und dann fiel es ihr wieder ein, sie hatte es mal von einem Arbeitskollegen von Mister Knight gehört. Er kam aus dem Osten und in seiner Kultur war es Brauch, dem Gast das Kopfende zuzuweisen, eine Position voller Würde und Ehre. Geschwind wies sie ihre Mädchen an, für Caitlynn das Kopfende gegenüber ihrem Mann bereit zu machen, so hätte er genügend Gelegenheit mit ihr zu sprechen; und den Umständen und Eindrücken gemäß, würde er das wollen. Hm, Tyler neben seiner Schwester und sie selbst ebenfalls neben ihrem Mann? Genau, so wollte sie es machen und so wurde der Tisch umorientiert. Dabei verschwand ein zu hoher Strauß, welcher der Dekoration diente vom Tisch; er hätte Mister Knights Sicht gestört und wurde auf dem Kamin aufgestellt. Ein niedrigerer, nicht weniger teurer Strauß fand seinen Platz auf der angerichteten Tafel.
„Freust du dich schon auf Vater?“ Allison wies ihrer Tochter einen Sitz zu und machte sich dann auf, noch ein paar Dinge zu regeln, bevor der Hausherr eintraf.
Zwar betritt Sarah Marie das Esszimmer langsamen Schrittes, aber an den Haarsträhnen die sie zurückstreichen muß, den roten Wangen und dem beschleunigten Atem ist recht deutlich zu sehen, dass der kleine Wirbelwind mal wieder durch's Haus gerannt ist. Aha, Mom bei einer typischen Beschäftigung... dem Arrangieren. Erst der Tisch, dann ihre Kleidung. Auch das ist sie gewöhnt, sie hält still. "Okay." antwortet sie gutgelaunt und schaut zum Tisch, zum Kopfende. Darum mag sie Thanksgiving so... da sind einfach alle mal wieder zusammen zuhause... dass es auch immer eher kühl ist zwischen Tyler und den Eltern, will sie dabei jetzt gerade vergessen. Das kommt noch früh genug wieder.
"Ja klar freue ich mich." sagt sie daher mit ehrlichem Lächeln, während sie sich zu ihrem Platz führen läßt. Für sie als Prinzessin des Hauses ist es sowieso immer positiv, wenn Daddy heimkommt. Sie setzt sich schonmal hin, aber eigentlich wird ihr das schon einen Herzschlag später zu langweilig. Tyler und Caitlynn haben ja offiziell noch ein wenig Zeit. "Kann ich dir helfen?" fragt sie daher einfach mal, da Mom sich schon wieder anschickt, dieses und jenes zu tun.
Der Wagen legte den letzten Teil der Einfahrt im schnellen Tempo zurück, bis er zum Stehen kam. Ein teurer, europäischer Wagen, schwarz polierter Lack und helle, edle Ledersitze.
Der Mann hinter dem Steuer trommelte ungeduldig mit den Finger auf dem Lenkrad, während er wartete, dass die automatische Garagentür sich öffnete.
Zu langsam, wenn es nach ihm ging. Er nutzte die Zeit, indem er seinen Organizer noch einmal durchging. Noch heute um zehn würde sein Flieger nach Asien gehen. Eine weitere Geschäftsreise, die seine Position entweder weiter stärken würde und ihm einen Millionenauftrag einbrachte, oder alles zerstören konnte, was er in diesem Jahr erarbeitet hatte. Also hatte er verdammt noch mal das Recht ungeduldig zu sein - vor allem, wenn man bedachte, dass sein Meeting heute um ein Haar in einer Katastrophe geendet hätte.
James Borner hatte einen Alleingang versucht und hatte fast das gesamte Unternehmen damit in Verruf gebracht. Mistkerl! Seine Arbeit war miserabel, aber als Sohn eines seiner wichtigsten Geschäftspartner, hatte er ihm einen hohen Posten nicht vorenthalten können, nicht wenn es dabei Vorzüge gab, die er nutzen musste, wenn er weiterkommen wollte.
Das Garagentor war offen – endlich.
Der Organizer wurde zugeklappt und ordentlich an seinem Platz verstaut. Er fuhr den Wagen hinein und stieg aus.
Sein Blick streifte über die ordentliche Anlage ohne sie wirklich wahrzunehmen. Solche Unzulänglichkeiten waren nicht wichtig.
Mit schnellen Schritten ging er zum Haus.
Die Tür wurde ihm geöffnet, noch bevor er zum Schlüssel greifen musste.
Er nickte dem Hausmädchen zu.
"Danke, Laura."
Seine Stimme klang geschäftsmäßig. Nicht übermäßig freundlich und nicht unhöflich. Höflichkeit war eine Tugend, die er stets einzuhalten pflegte.
"Ich vermute, das Essen ist bereits aufgetragen? Sehr gut. Ich werde nur noch einen Anruf tätigen, bitte sagen Sie schon bescheid."
Damit verschwand er nochmals für fünf Minuten in seinem Büro, wobei er die Tür sorgfältig hinter sich schloss.
Laura trug die Information, wie es sich gehörte, zu Allison die darauf dann nur leicht nickte und anordnete, dass sich alle in den nächsten fünf Minuten am Tisch versammeln sollten. Sie hingegen trat an die Bar und mixte Dereks allabendlichen Umtrunk zusammen, den er für gewöhnlich vor dem Essen zu sich nahm um abschalten zu können. Eiswürfel kullerten in das Glas und sie beäugte aufmerksam sie Etiketten der verschiedenen Flaschen. Sich selbst würde sie auch etwas mixen. Sie trank selten Alkohol vor dem Essen, aber jetzt hatte sie den Drang dazu und so stellte sie kurz darauf zwei Gläser voll mit golden schimmerndem Inhalt auf den Tisch. Die Mädchen trugen derweil das Essen auf und Allison widmete sich der sorgfältigen Ausrichtung der einzelnen Tabletts. Auf einem Wagen rollte die Vorsuppe heran und Laura bemerkte, dass das Dessert pünktlich fertig werden würde. Zum Zwecke des Thanksgiving Essens hatte Allison den angestammten Kochdienst beauftragt, das Essen vorzubereiten, seit einem sehr erfolgreichen Dinner mit einem von Dereks Arbeitskollegen, der die Küche mehrere Male in den Himmel gelobt hatte.
Bäh... es ist öde, nicht beachtet zu werden. Sie läßt die Beine baumeln und horcht auf, als sie die Tür gehen hört. Daddy ist da... und sie könnte jetzt aufspringen und ihn begrüßen. Aber da kommt Laura schon herein. Vermutlich hat er noch irgendetwas zu tun... ach naja, bleibt sie halt sitzen. Wenn nur endlich mal die anderen kommen würden. Fünf Minuten können ja so lang sein, vor allem wenn die einzige andere Anwesende sich mit diesem alkoholischen Krimskrams beschäftigt, dessen Geruch Sarah sowieso nicht mag. Also bleibt ihr eigentlich nur, zuzuschauen wie sich der Tisch mit Essen füllt. Und die Luft mit Gerüchen. Ihr läuft das Wasser im Mund zusammen und rutscht ein wenig ungeduldig auf dem Stuhl herum. Fünf Minuten sind eine entschieden zu lange Zeit.