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Tyler hatte so ein Glück, denn kaum hatte er die oberste Stufe erklommen, drangen schon die liebevollen, vertrauten Worte an sein Ohr. „Wie oft habe ich euch gesagt, dass ihr den Schmuck gerade aufhängen sollt?! Und überhaupt, wie sieht das wieder aus? Da drüben, völlig zerknittert!“ Ihre feinen Schuhchen klapperten über den edlen Fußboden und selbst der teure Teppich konnte nichts dagegen tun. „Wie sieht es mit den Vorbereitungen fürs Essen aus? Ich will, dass es perfekt wird. Du weißt es nicht?! Dann bring es gefälligst in Erfahrung!“ Und in eben diesem Moment stürmte ein Mädchen in der heimischen Hausmädchenuniform aus dem Zimmer, vorbei an Tyler, wobei ein: „Willkommen zu Hause, Mister Knight“, erklang und die Treppe herunter, wo ihre Schritte erst in Richtung der Küche verhallten.
Mister Knight tat gut daran, sich nicht zu bewegen. „Ich habe dich nicht vor heute...“, weiter kam sie nicht. Allison Knight geborene Waters trat eben noch eilig auf den Flur, um ihren Mann zu begrüßen und wen trifft sie dort? Nun, fürwahr Tyler hatte große Ähnlichkeit mit seinem Vater, aber ihm fehlte die wohlerzogene Haltung. Erstaunlich wie ruhig sie blieb und noch viel erstaunlicher war, dass sie derart schnell und reibungslos reagierte. „Welch unangenehme Überraschung. Tyler.“ Ihre Stimme blieb völlig emotionslos und da die Beiden unter sich waren, verbarg sie ihre Meinung nicht im geringsten. „Das war es also, was Sarah vor mir verheimlicht hatte.“ Mrs Knight strich ordnend über ihr edles Kostüm und näherte sich ihrem Sohn. In ihren Augen lag ein helles, eisiges Blau. Allerdings ging sie ohne mit der Wimper zu zucken an ihm vorbei und erst, als sie einige Stufen der Treppe hinter sich gebracht hatte, sprach sie weiter.
„Wage es ja nicht deinem Vater in irgendeiner Weise das Fest zu vermiesen.“ Soweit so gut, er durfte also bleiben, aber Willkommen war ihr die ganze Sache überhaupt nicht. Keine Anmeldung, kein gar nichts und dabei hatte die gute Frau noch nicht einmal von der ganzen Sache mitbekommen. Am Fuße der Treppe angekommen, blickte sie zu ihrem Sohn hinauf, der vorsorglich einige Schritte hinter ihr bleiben sollte. „Steh da nicht so sinnlos herum. Es ist Zeit für eine Tasse Tee.“ Und das war keine Bitte.
Mrs Knight war gerade auf dem Weg in das Wohnzimmer, wo mittlerweile Kaffee, Tee und einige Häppchen vorbereitet worden waren, als es sie ein zweites Mal unangenehm überraschte. Auf den ersten Blick war klar, dass diese Person dort, einem völlig anderen Standart angehörte. Die kaffeebraune Haut, das für ihre Verhältnisse unordentliche Haar und von den Augen hatte sie noch gar nichts mitbekommen. Könnte ihr mal endlich jemand diese Person vorstellen?! „Sarah Schätzchen, hier bist du also“, das erklärte auch, wieso das Mädchen eilig nach dem Gespräch, was für sie mitten im Gespräch war, verschwunden war. Die Dame des Hauses hielt die Hände verschränkt.
Ruckartig stand Cait wieder, obwohl sie nicht mal richtig gesessen hatte.
Verschränkte Hände waren keine besonders offene Geste und die Worte die ihr Kommen bereits vom Flur angekündigt hatten, ließen auch nichts Gutes erahnen.
"Hi, Miss Knight. Ich bin Caitlynn Lydecker...ich begleite Tyler...ähm..sozusagen." toll ausgedrückt."Wir arbeiten zusammen im Institut...und verstehen uns...recht gut."
Sie streckte ihre Hand in Richtung Mutter Knight.
"Es ist schön, dass wir Thanksgiving hier feiern können...?" fast schon eine vorsichtige Frage, als ein Nachsatz.
"Okay, hier gehts lang." sagt Sarah unbekümmert zu Caitlynn und geht voraus. Schon im Gang, den sie dann entlanggehen, kostet die Einrichtung wahrscheinlich mehr als in zwei Zimmern des Instituts. Das Wohnzimmer sieht entsprechend aus. Offener Kamin, selbstverständlich, wenn auch derzeit nicht in Benutzung. Warm genug ist es hier trotzdem. Und Klaustrophobie braucht hier auch keiner zu leiden, dann schon eher Platzangst vor diesen Weiten...
"Ohja. Er ist der Beste." antwortet sie zufrieden grinsend, schließlich kann sich nicht jede rühmen, einen solchen Superbruder zu haben, oder? Dann nimmt sie die Sonnenbrille ab, damit Cait auch die Neugier in ihren Augen deutlich erkennen kann. "Woher kennen Sie ihn denn? Arbeiten Sie zusammen, oder sowas?"
Sie deutet auf einen Platz, nicht gestört dadurch, dass dort schon am Tisch eine Tasse steht. Natürlich kann sich Cait als eingeladen betrachten, das braucht sie doch nicht mehr dazusagen, oder? Sie dreht sich um, als die Stimme ihrer Mutter hinter ihr erklingt. Unwillkürlich festigt sich ihre gerade eben noch so lockere Haltung etwas. "Hallo Mom. Hast du Tyler schon getroffen?" fragt sie, und es könnte durchaus als hintergründig scheinheilig bezeichnet werden. Dann schaut sie zu Cait. "Das ist eine.. Kollegin von ihm, Miss Caitlynn Lydecker."
Das ist dann ungefähr der Zeitpunkt, wo Cait auch schon selbst aktiv wird. Jetzt hält sich Sarah erstmal zurück, sollen sich die beiden beschnuppern. Sie ist ja schon gespannt, was Mom sagt, wenn sie Caits Augen sieht... oh. Sie gibt der Besucherin beiläufig die Sonnenbrille zurück. Das könnte durchaus als Hinweis verstanden werden.
Moment, seit wann haben wir denn ein Hausmädchen? Muss wohl irgendwann in den letzten zwölf Monaten passiert sein. Ty kam nicht umhin, eine gewisse Ähnlichkeit zu Francesca zu bemerken, sicher war das eine Verwandte, die sich über Thanksgiving etwas dazuverdienen wollte, so wie Laura damals... Ty riss die Augen auf und sah der Aushilfe nach. Konnte das Laura sein, Francescas Jüngste? Dann war sie aber ganz schön gewachsen in den letzten Jahren.
Eine Stimme liess ihn den Kopf herumreissen. Nicht irgendeine Stimme. Ihre Stimme.
"Ich freue mich auch, dich zu sehen, Mom." Zu mehr kam Ty gar nicht, denn da war seine Mutter schon an ihm vorbei die Treppe hinunter gerauscht, dem Hausmädchen hinterher. Er seuftze leise und folgte ihr, ergeben dem Monolog lauschend. Fehlte nur noch, dass er in regelmäßigen Abständen "Ja, Mutter" sagen musste, und alles war genau wie letztes Jahr. Und das Jahr davor. Und das Jahr davor. Wovon redete sie gerade?
"Dad das Fest vermiesen? Müßte er dazu nicht erstmal anwesend sein?" konterte er scharf, aber ohne laut zu werden. Sofort biss er sich auf die Unterlippe, aber den streitlustigen Blick behielt er bei, selbst als sie ihn zum Tee befahl.
So kam es, dass er direkt hinter seiner Mutter das Wohnzimmer betrat. Hier hatte sich kaum etwas verändert, wie er feststellte, bis auf ... naja, bis die frostige Atmosphäre, die seine Mutter auf einmal zu umgeben schien. Noch frostiger als üblich. Das konnte daran liegen, dass sie und Caitlynn sich nun gegenüber standen. Und plötzlich schien die Aussicht auf Tee gar nicht mehr so schlimm zu sein.
Ty bewegte sich langsam an seiner Mutter vorbei und stellte sich neben Caitlynn. Besser konnte er ihr in dieser Sekunde nicht beistehen. Der Moment gehörte Allison Knight und Caitlynn Lydecker. In diesem Augenblick etwas zu sagen, das Falsche zu sagen, konnte fatale Folgen haben. Sarahs Blick nach zu urteilen, dachte sie genau dasselbe.
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Das Eisblau in ihren Augen tastete Caitlynn peinlichst genau ab. Allerdings blieb der Blick unmerklich weniger aufmerksam an einer bestimmten Stelle hängen, an die Männerblicke sich normalerweise verirrt hätten. Was sollte dieses Theaterstück hier eigentlich? Gut, Sarah würde sie die ganze Sache eher kurz als lang übel nehmen und schließlich war es ihr kleiner Sonnenschein, nachdem Tyler derart abgestürzt war. Caitlynn allerdings dürfte sich auf die umfassende Behandlung einer Allison Knight gefasst machen, die sich gewaschen hat.
Mrs. Knight hielt den Kopf gerade, die Schultern gestrafft und würde keinen Finger rühren, um Caitlynn die Hand zu reichen, denn ihre Augen hatten ihre Reise beendet und gruben sich gerade mit diamantenen Nägeln in ihre Augen, diese ungewöhnlichen Augen. „Es ist mir eine unaussprechliche Freude sie kennen zu lernen, Miss Lydecker.“ Und hätte sie nicht eine perfekte Fassade, dann hätte ihre Stimme sich vor Ironie überschlagen. „Wie ich sehe, hat ihnen unsere Prinzessin schon etwas angeboten und wir wollten uns gerade in diesem Moment unseren Tee zu uns nehmen. Leisten sie uns doch Gesellschaft.“ Allison war eher nach Gin, aber sie würde weder eine Szene machen, noch irgend einen offenen Angriff starten. Man musste Knight sein, um ihre Sprache entschlüsseln zu können. Für Caitlynn jedoch war diese Frau höchstens etwas zu lange in die Benimmschule gegangen und deshalb etwas steif.
Allison schritt zu ihrer Tochter und führte sie mit einem Arm am Rücken zurück zum Teetischchen, wo sie das Kind in einen handgeschnitzten Sessel setzte, weit weg von dieser Frau wohl gemerkt. Auch der Druck, der kurz auf Sarahs Schultern lag, kam einer Strafe gleich. Das jedoch war die einzigste Strafe, die sie für ihre Geheimniskrämerei bekommen würde. Sonst wurde das Mädchen mit liebevoll bestickten Seidenhandschuhen angefasst.
Sie selbst setzte sich in einen nicht weniger teuren Zweisitzer und ließ sich eine Teetasse reichen. „Nun, erzähl doch. Wie war die Reise?“ Dabei wandte sie den Blick zu Tyler und Caitlynn sollte froh sein, dass sie vorerst nur ignoriert wurde.
Ty führte Cait hinüber zum Teetisch. Ihm fehlte es sicher nicht an Manieren, auch wenn sein Verständnis davon für Allisons hohe Ansprüche nicht einmal ansatzweise genügen mochte. Natürlich liess er sie zuerst Platz nehmen, bevor er sich selbst setzte.
Er fand es zum Kotzen, wenn seine Mutter "das Gesicht" aufsetzte. Man merkte als Außenstehender wirklich nichts, aber Ty durchschaute diese Maskerade sofort. Das war auch nicht weiter schwer, denn seine Mutter würde nie so lächeln. Doch um das zu wissen, mußte man sie gut genug kennen. Und nicht einmal ihre engsten Freunde, oder die, die sich dafür hielten, wussten davon. Allison hatte ihr echtes Lachen schon vor Jahren verloren. Tyler zwang sich dazu, nichts zu sagen und wischte die Erinnerungen an fröhlichere Kindertage innerlich weg.
Er nahm ebenfalls eine Tasse und nippte vorsichtig, bevor er antwortete.
"Der Flug war in Ordnung, keine Verspätungen und es war auch nicht langweilig."
Er nahm einen weiteren Schluck, bevor er ein neues Thema ansprach.
"Es hatte eine Überraschung werden sollen, aber scheinbar laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Erwartest du etwa noch andere Gäste?"
Tyler wußte es besser, an Thanksgiving gab niemand eine Cocktailparty. Es war seine undezente Art, die übermäßig prunkvolle Dekoration zu kritisieren. Niemand außer der Familie würde sie sehen und sie hatten extra deswegen Laura eingestellt. Was für eine selbstherrliche Geldverschwendung.
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Die Hand sank so schnell, wie sie erhoben wurde...wär doch die Freude von Tys Mutter wirklich unaussprechlich gewesen.
Entweder war sie Mutantenhasserin, was bei so einem Sohn ja eine schwierige Sach war...oder sie hasste dunkelhäutige und betrachtete sie lediglich als gutes Dienstpersonal...oder sie hasste junge Frauen..oder Cait im allgemeinen.
"Ich freue mich auch...hier sein zu können..." gab Cait so höflich als möglich zurück.
Und dabei hatte Tyler nur etwas von den Problemen mit seinen Vater erzählt. Happy Thanksgiving.
Aber nun beschloss Cait sich hübsch still hinzusetzen...ihre unorthodoxe Kleidung (sie trug ja immernich den X-odusAnzug) zurecht zu ziehen un still dem Gespräch von Mutter und Sohn zu lauschen.
Konnte man es dieser Frau übel nehmen? Sie saß ihrem Sohn gegenüber, der nicht im geringsten die an ihn gesetzten Forderungen erfüllt hatte und das obwohl er in einem intakten zu Hause aufgewachsen war und es ihm nie an etwas gefehlt hatte. Und dann brachte er auch noch eine Frau mit, die einer Domina gleich im Lederoutfit auf ihrem schnieken Sofa saß und ihren teuren, englischen Tee trank. Ihr Augenmerk legte sich auf ihren Sohn. „Die Überraschung ist dir gelungen“, und sie hasste Überraschungen, wenn sie mit Personen zu tun hatte, die nicht im geringsten dem Anlass entsprechend gekleidet waren. Wieder nahm sie einen Schluck und blieb die Ruhe selbst, auf seinen Kommentar ging sie nicht ein, er wusste genau, dass es Thanksgiving nur einmal im Jahr gab und im Gegensatz zur Weihnachtsdekoration, war das Haus schlicht geschmückt.
Vorsichtig stellte sie das teure Porzellan auf den Tisch und klingelte nach Laura, die mit leisen Schritten ins Zimmer trat: „Das Essen wird pünktlich bereit sein“, meinte sie, als sie zu Allison trat und sich nach einem kurzen Winken von der Hausdame etwas ins Ohr flüstern ließ. Dann nickte sie und meinte in bestätigendem Ton: „Sehr wohl Mrs Knight, ich werde das Gästezimmer vorbereiten.“ Mit diesen Worten machte sie sich auf den Weg zur Tür.
Viel mehr Gespräch würde es an dieser Stelle kaum geben. Wenn überhaupt, würden seine Eltern ihn später allein in die Mangel nehmen. Naja, sein Vater nur, wenn er dazu auch die Zeit hatte.
"Hast du etwas von Grandma und Grandpa gehört? Wirst du sie am Wochenende besuchen?" Tyler bezog sich damit auf ihre Eltern, das einzige Thema, bei dem Allison nicht ganz so eisig war wie sonst. Ausserdem nannte er nur die beiden so; seine Großmutter väterlicherseits lebte nicht mehr und der Vater seines Vaters liess sich immer noch respektvoll mit 'Mr. Knight' anreden.
Bevor sie antwortete, schien seine Mutter noch irgendwas Wichtiges mit Laura absprechen zu wollen, so übertrieben, wie sie nach ihr klingelte. Worum ging es? Ein Gästezimmer?
Ty beging nicht den Fehler, den Blick von seiner Mutter abzuwenden, denn die würde ihn und Cait in diesem Moment um nichts in der Welt aus den Augen lassen. Dennoch hätte er in diesem Augenblick nichts lieber getan, als sich irgendwo in Ruhe mit Cait zu unterhalten.
Aber worüber eigentlich? Dass sein Vater und er im Streit lagen, hatte er im Vorfeld erwähnt. Und er persönlich sah darin auch das größere Problem. Seine Mutter... wie um alles in der Welt hätte er diese Frau und ihren Charakter auch nur annähernd in Worte fassen können? 'Hüte dich vor meiner Mutter' oder doch eher 'Übrigens, Cait, deine Echsengestalt ist nichts im Vergleich zu dem Drachen, den ich Mom nenne'?
Er spürte aber deutlich, wie viel Abneigung seine Mutter der Hawaiianerin entgegenbrachte und Cait war weder dumm noch unsensibel, sie würde das genau spüren. Er wünschte sich, diese unangenehme Situation so schnell wie möglich zu beenden. Nicht, dass Mom noch auf die Idee kam, Cait irgendwelche Fragen zu stellen. Aber das würde sie sich bestimmt bis zum Essen aufheben, wo sie dann gemeinsam mit Dad nicht nur den Truthahn, sondern auch die Fehler ihres Sohnes, dessen gesamtes bisheriges Leben und schliesslich seine Begleiterin zerlegen würde.
Tys Blick wanderte zu Sarah und es keimte in ihm die Idee, wie er diese unangenehme Versammlung zu Caits Entlastung auflösen konnte.
"Sarah, sagtest du nicht, dass du Caitlynn deine Sammlung zeigen wolltest? Ich denke, ihr beide könntet schonmal vorgehen. Ich bin gleich bei euch, das wird sicher nicht lange dauern. Mom hat ja auch noch mit den Vorbereitungen zu tun."
Diesen letzten Seitenhieb konnte er sich nicht verkneifen, aber es war die einfachste Möglichkeit, Cait aus der Gefahrenzone zu bringen. Sicher würde seine Mutter sich keine fünf Minuten mit ihm allein abgeben, ohne vorher mit Dad zu sprechen. Aber das zu erwartende Donnerwetter sollte keinesfalls Cait treffen.
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Unaussprechliche Freude, na das klingt ja geradezu... unaussprechlich erfreut, genau. Sarah weiß auch gleich, wie sich das anfühlt, als sie nämlich zu einem Platz gelotst wird, der ungefähr die ganze Raumbreite von ihrem Bruder und seiner interessanten Bekannten entfernt ist. Eine kurze, mißmutige Schnute muß genügen, um ihr Mißfallen auszudrücken, ehe sie gehorsam Platz nimmt, für mehr ist sie viel zu gut erzogen. Und die echte Rebellenphase kommt ja erst noch irgendwann in Sarahs Leben.
Während die anderen gerade noch mit dem nötigen Eifer verbal die Fassaden der Etikette stützen, denen solche Begegnungen unterliegen, gießt sich die Prinzessin ohne Erbse schonmal ein wenig Tee ein, und gibt fleissig Zucker dazu... oder umgekehrt. Sie mag die Atmosphäre nicht, die sich aufgebaut hat. Tyler ist sauer auf Mom, Mom ist sauer auf die Situation und Miss Lydecker fühlt sich unwohl. Kein Wunder. Still und heimlich regt es auch Sarah auf... sie mag ihren Bruder und sie mag Mom, die beiden sollten sich verstehen, Himmel nochmal! Wie oft hat sie sich schon ihren 11j... ups, 12jährigen Kopf ('tschuldigung) darüber zerbrochen, wie sie das wieder einrenken könnte. Leider hat sie keine Ahnung, wie sie das bewerkstelligen soll. Und auch Tyler hat sie mit dem Hinweis auf die Kompliziertheit der Sache (und dem Wissen, dass Sarah das Verständnis dafür fehlt) auf später vertröstet, was Erklärungen angeht.
Immerhin, nach dem was zu hören ist, bleibt Caitlynn zum Essen und auch über Nacht. Wunderbar, dann wird sie schon noch Gelegenheit haben, sie über alllle Mutanten auszufragen, die sie so kennt. Und was Tyler sonst so macht, das nicht in seinen Mails steht. Unbeteiligte Dritte hat auch sie schon als Informationsquelle zu schätzen gelernt.
Sie trinkt gerade ihren Tee, wie um vorzumachen, dass auch die anderen das zur Ablenkung einfach mal machen könnten, als Tyler sie anspricht. Gute Idee, Bruderherz! Sie macht erst gar nicht den Fehler, um Erlaubnis heischend zu ihrer Mutter zu schauen. Der wird die Idee sowieso nicht gefallen, aber Sarah weiß auch, dass sie damit durchkommen wird. Also steht sie kurzerhand auf. "Ja, stimmt. Kommen Sie, Miss Lydecker?" sagt sie unternehmungslustig und blickt dann doch nochmal zu Tyler und Mom. "Entschuldigt uns bitte." Das mit einem hübschen Lächeln sollte genügen.
"Ja gern..." Whoops, das kam ein bisschen zu erleichtert udn hastig, aber Cait hatte weder den Tee angerührt, noch den Drang länger im Zimmer zu bleiben und familieninterne Probleme zu belauschen.
Hier drin war es so eisig dass selbst ihre Thermo-Kontrolle im Domina-Outfit nicht genug heizen konnte.
"Bis nachher..." fügt sie in Rictung Tyler hinzu...der Kuss auf die Stirn...
Bleibt erstmal aus. Dann folgt sie rasch der Kleinen aus dem Zimmer.
Auf der Treppe dann fasst sie ihre Sorge in Worte.
"Ich hoffe deine Mom und dein Bruder bekommen sich jetzt nicht meinetwegen in die Haare. Tyler hatte es für eine gute Idee gehalten, mich mitzubringen, aber irgendwie bezweifel ich, dass deine Mom auch so denkt?"
So wie sie über die beiden redete, tat es ihm direkt leid, nicht öfter hier zu sein. Natürlich fehlten ihm seine Großeltern. Aber es bedeutete auch immer Nähe zu seinem Vater. Und zu seiner Mutter, die immer häufiger so unausstehlich war wie vorhin zu Caitlynn.
"Wir werden sie besuchen fahren. Gleich morgen." Und das bezog sich nicht nur auf Sarah und ihn, das bedeutete vor allem Caitlynns Anwesenheit. Er wusste, seine Mutter würde nicht nein sagen. Das konnte sie nicht. Und jetzt, so wie sie ihn gerade ansah, fühlte er sich fast wieder wie der kleine Junge, der er einmal gewesen war.
Damals haben wir noch im alten Haus gewohnt. Mom war schwanger gewesen in jenem Frühling, das weiss ich noch. Und Grandma war fast jeden zweiten Tag da, um nach ihr zu sehen, auch am Tag, als...
Ty drängte die Erinnerung gewaltsam aus seinem Kopf. So wie niemand je mit Sarah darüber sprach, so hatte auch er gelernt, nicht mehr daran zu denken. Fast wie seine Mutation, hatte er die Erinnerung daran bis ganz tief ins Unterbewusstsein, in den hintersten Winkel seines Ichs gestopft, wo sie nur herauskam, wenn er es wollte. Und doch fragte er sich, ob sie all das mit dem Umzug hierher hinter sich gelassen hatte, oder ob sie noch manchmal daran dachte...
Um ein Haar hätte er die Frage seiner Mutter überhört. "Willst du wirklich sie?"
Natürlich wusste Tyler sofort, worauf seine Mutter hinaus wollte. In seinen Überlegungen, hier und heute mit Cait aufzutauchen, war ein solcher Effekt keineswegs zufällig. Und doch wurde er rot, aber aus einem völlig anderen Grund, als man zunächst vermuten würde.
Er war mit ihr hier, weil er wollte, dass sie seine Familie kennenlernt - das war okay. Wo auch immer das mit ihnen beiden noch hinführen würde, Cait wusste jetzt ganz genau, was sie noch erwartete, wenn sie sich für Tyler Vincent Knight entschied.
Er war ausserdem mit ihr hier, weil er wollte, dass seine Familie sie kennenlernte - auch das war okay. Caitlynn Lydecker, Teilzeitkrankenschwester, Biologielehrerin, Capoeirista und Teilzeitsuperheldin entsprach nicht ihren Maßstäben, nicht ihren Konventionen und erst recht nicht ihren Vorstellungen, aber das kam Ty gerade recht. Die Welt drehte sich auch ohne die ausdrückliche Erlaubnis der Knights und hin und wieder war eine kleine Erinnerung an diese Tatsache durchaus nötig.
Letztendlich war Ty aber mit Caitlynn hier, weil er seinen Eltern wieder einmal etwas beweisen wollte: er lebte sein Leben ohne sie, ohne ihr Geld und damit auch ohne ihre Regeln - und das war ganz und gar nicht okay. Es war genau der falsche Grund, Caitlynn in die Sache mit hineinzuziehen und Ty schämte sich dafür.
Dennoch siegten sein Dickkopf und sein Drang nach Freiheit. Gute Frauen, von wegen. Bestimmt irgendwelche Töchter von reichen Wirtschaftsbossen, irgendwer, der in eure feine Gesellschaft hineinpasst. Vielleicht noch eine, die selbst ins Familiengeschäft einsteigt? Das könnte dir so passen, ich bin nicht eure Schachfigur, ich...
Plötzlich wurde sein Ton wieder ernst.
"Wenn es soweit ist, werde ich keinesfalls um seine Erlaubnis fragen. Oder um deine. Es wird allein meine Entscheidung sein - und ihre."
Sollte sie daraus entnehmen, was sie wollte. Vielleicht würde Cait für immer an Tylers Seite bleiben, vielleicht auch nicht. Auf jeden Fall konnte sie sich schonmal mit dem Gedanken anfreunden.
"Ausserdem solltest du sie vielleicht erstmal kennenlernen, bevor du dir ein Urteil über sie erlaubst."
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Jetzt hätte sie ja beinahe eines der leckeren Häppchen vergessen, aber bevor sie sich aus dem Wohnzimmer verzieht, nimmt sie noch zwei davon mit. Und sobald sie auf dem Weg zur Treppe sind, bietet sie Caitlynn eines davon an, schließlich ist sie immer noch die spezielle, offizielle Gastgeberin der Frau mit den merkwürdigen Augen. Jetzt umso mehr, da Tyler anderweitig schwer beschäftigt sein wird.
Sie verzieht ein wenig das Gesicht, weil sie einerseits die Stimmung zwischen ihrer Mutter und Tyler nicht mag und weil andererseits Caitlynns Befürchtung nicht so ohne Weiteres von der Hand zu weisen ist. "Naja... die hätten bestimmt auch ohne Sie einen Grund gefunden, sich zu streiten. Sie verstehen sich nicht mehr so toll..." Was wiederum sie nicht versteht, da Tyler doch Mom's Sohn ist... aber das hatten wir schonmal. Hin und wieder hat sie sogar ein schlechtes Gewissen, seine 'Verbündete' zu sein in der Familie - gegen ihre Eltern, irgendwie.
"Ich find's jedenfalls schon eine gute Idee." lenkt sie ab und lächelt wieder, bevor sie die restlichen Stufen hinaufhüpft und den Gang entlang zu einer nahen Tür geht. "Das da ist mein Zimmer." kündigt sie an, bevor sie die Tür öffnet. Der Raum dahinter ist ziemlich geräumig und sehr bevölkert... von Puppen und Plüschtieren, vor allem, mitsamt ihren teilweise ziemlich ausgedehnten Behausungen. Ach ja, und Möbel gibts auch, alle die ein Mädchen so braucht. Schnurstracks geht Sarah auf eine Kommode zu, öffnet deren größte Schublade und sucht mit den Händen darin herum. "Ah... da." sagt sie und hebt triumphierend ihr Fundstück hoch. "Die sieht fast genauso aus wie die Ihre." Eine Sonnenbrille. Die Schublade ist voll davon, in allen Farben und Formen.
"Scheint hier so oft die Sonne?" Cait beugt sich über die Schublade und wirft einen Blick auf die Sammlung. Aber ihr entgeht auch der Rest des Zimmers nicht. Hier mangelt es nicht an Mädchenträumen.
"Schön hast du es hier...deine Mom und dein Dad haben dich wohl sehr lieb, mh?" Oder keine Zeit...wie so oft, bei besser verdienenden Familien. Mom ist in der Charity unterwegs und Dad im Job...die Ansprechpartnerin Nummer eins ist das Hausmädchen. Und viel Spielzeug lindert den Schmerz.
Klischee.
"Was glaubst du wie lange wir warten müssen, bis wir wieder runter können?"
Seine Antwort, war wie ein Schlag ins Gesicht und ihre Reaktion darauf war nicht minder. Allison setzte sich gerade hin, entzog ihre Hände und erhob sich im selben Atemzug. „Meine Menschenkenntnis hat mich nie im Stich gelassen“, meinte sie und strich sich über das Kostüm. Und mit einem Mal schwang ihre Stimmung scheinbar um. „Es wird Zeit für das Essen.“
Das hatte so viele Aktionen zur Folge. Allison begab sich ruhigen Schrittes in das Esszimmer, zudem wurde das Hausmädchen geschickt, um Sarah und Co herunter zu bitten und diverse andere Kleinigkeiten, die einem geregelten Thanksgiving Essen zugrunde lagen.