Das X-odus Forum befindet sich derzeit in einer Pause.
Für all Diejenigen, die ihre Charaktere bis zum Wiederbeginn
nicht ruhen lassen wollen, empfiehlt die SL euch
diese Seite.
Wir wünschen unseren fleissigen Usern viel Spass
auf der neuen Plattform und hoffen
euch alle in alter Frische und mit dem gleichen Elan
bald auch wieder an dieser Stelle begrüssen zu können.
Der Herr ist mein Hirte
Es wird mir nichts mangeln,
auf frischem Grün lässt er mich ruhn,
zum Lebensstrom fährt er mich hin,
meine Seele lässt er genesen.
Das Feuerzeug zischte in der Dunkelheit auf und einen Moment erschien Nolans Gesicht vor Raguel. Seine Augen waren nur zwei dunkle Höhlen, die vom Licht der kleinen Flamme nicht ausgehellt wurden. Licht- und Schattenflächen ließen sein Gesicht dämonisch wirken, was die Rauchwolke der Zigarette nicht ablinderte. Das Feuerzeug schnappte zu und Nolan folgte Raguels Blick auf die Fabrikhalle. Es regnete. Hier an der Küste lag kaum Schnee, der Regen kam vom Meer her und peitschte gegen die Ausläufer der Felsen, peitschte gegen ihre dunklen Parkas, wo er triefend an den Ärmeln hinab rann. Rats Tod stand unausweichlich bevor, was Nolans Augen funkeln ließ.
"Bevor wir da reingehen...", entgegen des Wetters hörte sich Nolans Stimme wie ein rauer Wüstensturm an. Dorian hatte Recht behalten, die Schwingen waren verschwunden gewesen, als er vor einigen Tagen auf der Krankenstation erwacht war. Dafür waren ihm seit diesem Tage andere Dinge aufgefallen. Er sah Raguel nicht an, als er fortfuhr: "...möchte ich wissen, wer ich bin. Und warum ich Dinge sehe, die du siehst. Warum du in meinem Kopf bist und ich in deinem."
Er ging zwei Schritte voraus, blieb dann aber erneut stehen und sah zum anderen zurück. "Und fuck, seit wann spreche ich Latein?" Und damit meinte er nicht das Medizinerlatein. Von Kinn und Nase triefte der Regen, er lief ihm über die Schläfen und Wangen, aber er selbst vergeudete keine einzige Träne für den Bastard, den er töten würde. Er würde ihn nicht nur töten, er würde ihn richten und Raguel wusste so gut wie kein anderer, dass es Nolan verdammt ernst damit war. Dass Raguel selbst keine Wahl dabei hatte, war tragisches Schicksal, aber Nolan nahm nicht an, dass der Ire diese Gelegenheit hätte ungenutzt lassen wollen. Aber Raguel würde ihm jetzt auch nicht antworten... und Nolan schmunzelte kaum merklich. Er würde die Antworten kennen, noch bevor diese Nacht vorüber war. Ob sie ihm so kostbar waren, wie sie es noch vor einigen Wochen gewesen wären?
"Ich bin nicht Sariel."
Das hatte er nur mal klarstellen wollen. Aber er war da und Rat war nur der Anfang. Er nahm die Automatik aus dem Holster und ging neben Raguel auf den Seiteneingang der Fabrikhalle zu. Warum ihre Schritte beinahe schon choreografisch aufeinander abgestimmt waren, hinterfragte er mal nicht. Aber musste ihm Raguel alles nachmachen?
Den Weg der Wahrhaftigkeit lässt er mich wandeln
in Seines Wesens waltender Kraft.
Und ob ich auch ginge
im Abgrund der finsteren Todesschatten,
fürchte ich nimmer des Bösen Gefahr,
denn DU bist bei mir.
Irgendwann blieb er stehen... seine Hand blieb zitternd an der Wand lehnen und sein Blickfeld trübte sich zunehmend ein. Er sah Raguel nur noch verschwommen, während er dem anderen schwankend nachsah. Schließlich schüttelte er den Kopf... er konnte Raguel nicht mehr folgen. Für ihn war der Weg hiermit zu Ende.
Sein Blick fiel noch einmal auf Dinand und vielleicht war es eine stumme Absprache, aber er ließ Raguel mit dem anderen gehen. Er verschloss die Augen vor dem blutverkrusteten schwarzen Haar des Sängers und sank auf die Knie. Der Schweiß brach ihm auf die Stirn und er wollte jetzt eigentlich nur noch eines.
Das Fenster war noch weit geöffnet, aber dafür war die Zimmertür verschlossen. Ein paar Schneeflocken stoben in den Raum und wirbelten auf den Boden, ehe sie langsam schmolzen. Nolan saß an die Wand gelehnt und starrte ins Leere. Er hielt Dinand noch immer fest, obwohl die Leichenstarre langsam einsetzte, aber bei der Kälte, die im Zimmer war, nahm er es ohnehin nicht wahr. Eine Träne schimmerte auf seiner Wange und es hatte beinahe den Anschein, als würde sie dort festfrieren.
Vorhin war er einfach auf dem Dach gelandet und hatte das Fenster aufgeschoben, um ins Zimmer zu gelangen. So hatte ihn niemand bemerkt, als er ins Institut gekommen war, oder? Seine Schwingen hatten sich wieder um Dinands Körper gelegt, als wollten sie ihn trotz allem wärmen, während er ihn selbst nur im Arm hielt und alles, das er bisher geglaubt hatte zu wissen, hinfällig geworden war. War es Aristoteles, der einst gesagt hatte: 'Ich weiß, dass ich nichts weiß?' Aber nicht einmal das wusste Nolan im Moment.
Er fragte nicht warum.
Es war eine törichte Frage.
Die hatten wohl einen an der Lusche!
Sie teilten IHN für Mathematik und Geschichte ein? Er erzählte ihnen gleich mal eine Geschichte. Die handelte auch von Krieg und Zerstörung. Pfff... also ehrlich, er war Arzt und kein Mathematiker. WER hatte sich da bitteschön wieder zu weit aus dem Fenster gewagt? Dorian. Der hatte die Klappe doch bestimmt wieder nicht halten können. Ja, er war gut in Mathematik, aber das beschränkte sich auf die Dreistichnaht! Oder so...
Nolan verlagerte das Gewicht von einem Bein auf das andere und kramte mal in seiner Jacke nach seinen Zigaretten. Scheiße, das durfte doch nicht wahr sein. Auf der anderen Seite war es natürlich eine gute Gelegenheit, um... gleich zwei gute Gründe gab es sogar. Er hatte die Zigarette schon im Mund, als er den Blick über den Glaskasten mit den Aushängen hob und das Rauchen-Verboten-Schild bemerkte, als hätte man es nur für ihn dorthin gehangen. Mit einem leisen Knurren nahm er das Ding wieder aus dem Mund.
Musste er sich jetzt irgendwo melden? Sein Blick fiel auf den Stundenplan, wo er am Montag überhaupt hin musste. Vielleicht stattete er ja Scale noch einen Besuch ab. Wo war die Echse eigentlich? Also manchmal stellte sich Madame auch ganz schön an.
Erinnerung war etwas Seltsames... sie verhielt sich meistens so wie die Wahrnehmung. Im Laufe der Zeit veränderte sie sich und oftmals nahm man sie letzten Endes als etwas Positives wahr. Man sagte nicht umsonst, Zeit heile alle Wunden. Aber das war nicht ganz richtig. Manches ließ sich nicht weglügen oder mit der Zeit beschönigen.
Und das hatten die auch gewusst. Oh, es war nicht so, dass sie alles verändert hatten, sie hatten ein paar Tatsachen lediglich ausgelöscht. Mitunter sein Gewissen? Manchmal war es ihm so vorgekommen. Jeder Handgriff war mechanisch, emotionslos gewesen. Aber er hatte auch nichts getan, um sich dagegen zu wehren. Er hatte einfach weiter gemacht.
Ja, die Frage war, wer von ihnen beiden schlechten Umgang gehabt hatte: Er oder doch eher Dorian? Er kannte die beiden Brüder schon von einer früheren Begegnung und damals waren sie nicht die netten Jungs von nebenan gewesen. Aber wenn man es genau nahm; er auch nicht.
Nolan hatte keinen Blick für die Bücher, die dort in den Regalen standen. Er war ans Fenster getreten, um einen Blick hinaus zu werfen und sich zu orientieren. Wahrscheinlich sah man ihn nicht als Gefangenen, so dass er sich hier im Institut einigermaßen frei bewegen konnte... oder aber die O'Reilly hatten ein besseres Loyalitätssystem als Genethics.
Wohl eher nicht.
Sah man von einer Tatsache ab.
Dorian vertraute ihnen.