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Dieses Thema hat 5 Antworten
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 Tagebücher
Nolan Ford Offline

Besucher


Beiträge: 81

13.09.2006 16:44
Weihnachtsspaziergang Antworten
12-24
Anno 2005
9 pm

Der Herr ist mein Hirte
Es wird mir nichts mangeln,
auf frischem Grün lässt er mich ruhn,
zum Lebensstrom fährt er mich hin,
meine Seele lässt er genesen.


Das Feuerzeug zischte in der Dunkelheit auf und einen Moment erschien Nolans Gesicht vor Raguel. Seine Augen waren nur zwei dunkle Höhlen, die vom Licht der kleinen Flamme nicht ausgehellt wurden. Licht- und Schattenflächen ließen sein Gesicht dämonisch wirken, was die Rauchwolke der Zigarette nicht ablinderte. Das Feuerzeug schnappte zu und Nolan folgte Raguels Blick auf die Fabrikhalle. Es regnete. Hier an der Küste lag kaum Schnee, der Regen kam vom Meer her und peitschte gegen die Ausläufer der Felsen, peitschte gegen ihre dunklen Parkas, wo er triefend an den Ärmeln hinab rann. Rats Tod stand unausweichlich bevor, was Nolans Augen funkeln ließ.

"Bevor wir da reingehen...", entgegen des Wetters hörte sich Nolans Stimme wie ein rauer Wüstensturm an. Dorian hatte Recht behalten, die Schwingen waren verschwunden gewesen, als er vor einigen Tagen auf der Krankenstation erwacht war. Dafür waren ihm seit diesem Tage andere Dinge aufgefallen. Er sah Raguel nicht an, als er fortfuhr: "...möchte ich wissen, wer ich bin. Und warum ich Dinge sehe, die du siehst. Warum du in meinem Kopf bist und ich in deinem."

Er ging zwei Schritte voraus, blieb dann aber erneut stehen und sah zum anderen zurück. "Und fuck, seit wann spreche ich Latein?" Und damit meinte er nicht das Medizinerlatein. Von Kinn und Nase triefte der Regen, er lief ihm über die Schläfen und Wangen, aber er selbst vergeudete keine einzige Träne für den Bastard, den er töten würde. Er würde ihn nicht nur töten, er würde ihn richten und Raguel wusste so gut wie kein anderer, dass es Nolan verdammt ernst damit war. Dass Raguel selbst keine Wahl dabei hatte, war tragisches Schicksal, aber Nolan nahm nicht an, dass der Ire diese Gelegenheit hätte ungenutzt lassen wollen. Aber Raguel würde ihm jetzt auch nicht antworten... und Nolan schmunzelte kaum merklich. Er würde die Antworten kennen, noch bevor diese Nacht vorüber war. Ob sie ihm so kostbar waren, wie sie es noch vor einigen Wochen gewesen wären?

"Ich bin nicht Sariel."

Das hatte er nur mal klarstellen wollen. Aber er war da und Rat war nur der Anfang. Er nahm die Automatik aus dem Holster und ging neben Raguel auf den Seiteneingang der Fabrikhalle zu. Warum ihre Schritte beinahe schon choreografisch aufeinander abgestimmt waren, hinterfragte er mal nicht. Aber musste ihm Raguel alles nachmachen?

Den Weg der Wahrhaftigkeit lässt er mich wandeln
in Seines Wesens waltender Kraft.
Und ob ich auch ginge
im Abgrund der finsteren Todesschatten,
fürchte ich nimmer des Bösen Gefahr,
denn DU bist bei mir.

Raguel Offline

Besucher


Beiträge: 263

14.09.2006 22:38
Weihnachtsspaziergang Antworten
Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde:
geboren werden hat seine Zeit, sterben hat seine Zeit;
töten hat seine Zeit, heilen hat seine Zeit;
weinen hat seine Zeit, lachen hat seine Zeit;
klagen hat seine Zeit, tanzen hat seine Zeit;
suchen hat seine Zeit, verlieren hat seine Zeit;
lieben hat seine Zeit, hassen hat seine Zeit;
Streit hat seine Zeit, Friede hat seine Zeit;
schweigen hat seine Zeit, reden hat seine Zeit.


Die Gabe war die Stunde zu erkennen und ihr das Vorhaben zuzuordnen.
Dies hier war nicht die Zeit fragen zu stellen, so wenig wie es die Zeit für Frieden war.

Raguels Miene war steinern, so wie er schon in den letzten Tagen nur wenig andere Mimiken zu Leibe getragen hatte. Nichtsdetotrotz war ein kurzes Laecheln in der Dunkelheit auszumachen, als Nolan mit dem Ruecken zu ihm stand und er ihn ungesehen betrachten konnte.
Nein, er war nicht Sariel und niemand haette das mehr erspueren koennen, als Raguel. Noch konnte auch Nolan es nicht verstehen; aber er wuerde es, wenn die Zeit dafuer gekommen war. Er wuerde wie kein anderer nachvollziehen koennen, was die irischen Brueder so derart zusammen geschweisst hatte.

Und so vehement er auch behauptete nicht Sariel zu sein, war es doch ersichtlich, dass Nolan sich in das einfuegte, was Sariel als Luecke gelassen hatte. Nicht den wunden Platz in Raguels Herz, aber sehr wohl den an seiner Seite.
Raguel zumindest hatte Nolan nichts von einem schwarzen Parker gesagt oder einer Waffe oder dieser leicht schnoddrigen, respektlosen Art, die auch Sariel immer an den Tag gelegt hatte; aber sie war da ohne Raguels Zutun.
Nolan war vielleicht doch mehr Sariel, als sie beide es wahr haben wollten.

"Gewoehn dir das Rauchen ab - wir wollen doch nicht, dass die Ratten das sinkende Schiff verfrueht verlassen."
Ob Raguel gerade boshaft gegrinst hatte? Im Leben nicht! Sariel war der boshafte Part, Raguel war der liebe, ruhige, friedvolle,... Okay, er hatte!
Aber wenn jemands Hinterkopf es verdient hatte Bekanntschaft mit dem Lauf seiner Waffe zu machen, dann definitiv die Ratte.


Gott wird richten den Gerechten und den Gottlosen; denn alles Vorhaben und alles Tun hat seine Zeit.

Gambit Offline

Besucher


Beiträge: 818

15.09.2006 03:35
Weihnachtsspaziergang Antworten
Ob es Raguel und Nolan nun gefiel oder nicht: sie hatten ihr Weihnachtsgeschenk bereits heute erhalten. Ein Geschenk in Form eines menschengroßen Schattens namens Remy LeBeau, der sich von beiden um nichts in der Welt freiwillig trennen lassen wollte.

Remy war bei der Besprechung in den Subs dabei gewesen; er wusste, was sie damals geplant hatten und er hatte gesagt, dass er dabei sein würde. Dass dies jemandem nicht gefallen mochte, war ihm herzlich egal. Er hatte versucht, Raguel in den letzten Tagen im Auge behalten, soweit das möglich war. Er wollte den Zeitpunkt nicht verpassen, wenn der Ire und der Irre diesem Rat ein angemessenes Ende bereiten würden. Nicht, dass er kaltblütigen Mord gutheißen würde, aber... das hier war etwas völlig anderes.

Der Cajun verstand nur zu gut, das manche Sachen einfach unausweichlich passieren mussten. Manchmal konnte man versuchen, diesen Ereignissen zu entkommen, wenn man daran glaubte, seinem Schicksal entkommen zu können. Auch er hatte Schatten in seiner Vergangenheit, über die keiner der X-Men etwas wusste und wenn es nach ihm ging, würden sie nie ans Tageslicht gelangen. Doch wer wusste schon, wann das Schicksal für und wann gegen einen arbietete?

Was wollte er also hier? Zusehen, wie ein Mutant von seinesgleichen gejagt und zur Strecke gebracht wurde? Dabei helfen? Oder die beiden daran hindern? Keine der letzten beiden Optionen, aber beobachten würde er sie, egal, was sie taten. Eventuell als Vorbereitung für den Tag, an dem vielleicht er selbst der Gejagte sein würde. Für den Augenblick, an dem das Schicksal sich entschied, gegen ihn zu sein.

Die beiden waren Profis, deswegen hatte der Dieb aus New Orleans bis in den letzten Winkel seiner Trickkiste greifen müssen, um ihnen so unauffällig wie nur möglich zu folgen. Falls sie wussten oder nur ahnten, dass er da war, so zeigten sie es mit keiner noch so kleinen Reaktion. Remy jedenfalls verliess sich auf seine Talente, seine Fähigkeiten und seine Erfahrung und deshalb war er davon überzeugt, dass sie ihn nicht bemerkt haben konnten.

Er hatte sie bis zu dieser alten Fabrikhalle verfolgt. Offensichtlich wollten sie da hinein, um Rat zu stellen. Der Regen und die nächtliche Meeresbrise schienen die Szene nur noch abzurunden, auf eine fast klischeehafte Art und Weise. Nun, da die Bühne und die Schauspieler bereit waren, wurde es Zeit für das Publikum, seinen Platz einzunehmen.

Suchend wanderte Remys Blick über die Fassade. Er war sich sicher, irgendwo oben ein zerschlagenes Fenster gesehen zu haben. Und garantiert würde das stählerne Dachgerüst dahinter einen idealen Beobachtungspunkt abgeben.

Als Raguel und Nolan sich wieder in Bewegung setzten, war der Schatten namens Remy schon längst verschwunden.

Joyeux Noël, Rat!

Nolan Ford Offline

Besucher


Beiträge: 81

15.09.2006 19:07
Weihnachtsspaziergang Antworten
Er sollte aufhören zu rauchen?
War er seine Mutter, die es ihm verbieten wollte?
Rat sollte ruhig bemerken, dass jemand da war und er sollte sich aus seinem Bau raustrauen und nur versuchen zu fliehen. Vollkommen egal, wohin, Nolan würde ihn überall finden. Allerdings glaubte er auch nicht daran, dass Rat sich diesem Kampf nicht stellen wollen würde. So wie er ihn kannte, würde er ihm mit Freuden entgegen sehen. Schließlich hatte sich der Irre (und nein, damit meinte er NICHT sich selbst, so wie ihn Remy noch betitelt hatte) nicht auf Marble Manor verkrochen, auch wenn diese Variante im Bereich des Möglichen gewesen wäre, aber Rat Rationalität zu unterstellen, würde dessen Irrsinn zutiefst beleidigen... vielleicht sollte er genau das mal versuchen. Er musste sich ohnehin noch etwas einfallen lassen, womit er die Ratte provozieren konnte. Mit Wut ließ sich schließlich weniger gut denken - auch wenn Rats Irrsinn noch viel gefährlicher sein mochte.

Er riss die Seitentür auf und blieb einen Moment stehen, ohne Anstalten zu machen, ins Gebäude hinein zu gehen. Erst als sich seine Augen soweit an die Düsternis im Innern gewöhnt hatten, betrat er die Halle, in der jeder Schritt leise nachhallte. Sie war vollkommen leer, aber damit hatten ja auch schon Raguel und Sariel damals Bekanntschaft gemacht. Ein paar Fenster am oberen Rand der Halle waren eingeschlagen und man konnte das leise Schaben einiger Vogelkrallen hören. Remy hatte richtig angenommen - die Fabrikhalle stand schon einige Jahre leer und niemand interessierte sich noch für das Areal an der Küste. Als Nolan den Blick hob, bemerkte er einen Raben, der auf einem Leitungsrohr spazieren lief. Rat musste hier sein, wenn diese Drecksviecher noch hier saßen. Sein Blick wanderte zu Raguel und es war mehr als offensichtlich, dass sie sich über die Richtung einig werden mussten, die sie einschlagen wollten. Oder war es nur so offensichtlich, weil sie sich ohnehin gegenseitig hörten? Seltsam war, dass Nolan durchaus noch jemand anderen wahrnahm, aber nicht direkt sagen konnte, ob es Rat war, der seine Spielchen trieb oder doch einfach nur die Anwesenheit dieser dunkelgefiederten Biester, die sie mit ihren schwarzen Augen verfolgten.

Vielleicht hielt Raguel ihn ja für komplett durchgeschüsselt, aber Nolan warf die Zigarette auf den Boden, so dass die Ölspuren zu brennen begannen, und brüllte: "RAT!" Nolan war sich ziemlich sicher, dass die Ratte nicht lange auf diese Einladung hin warten würde. Immerhin ging es um sein verfluchtes Loch, das gerade einfach so in Flammen aufging. Das Feuer breitete sich weiter aus und schlug einigen Ölstreifen nach, so dass man den Eindruck hatte, als bildeten sie ein Zeichen auf dem dreckigen Boden der Fabrikhalle. Aber selbst wenn dies der Fall war, so würde man es wohl nur aus einer gewissen Distanz heraus erkennen können.


Raguel Offline

Besucher


Beiträge: 263

15.09.2006 19:25
Weihnachtsspaziergang Antworten
Und nicht nur die Ratten, wenn der Herr, den man gerade aus der Zwangsjacke entlassen hatte, vielleicht mal richtig nachdachte.
Raguel haette ja nun durchaus meckern koennen, aber erstaunlicherweise machte er nichts dergleichen, sondern warf seiner Begleitung nur einen winzigen Seitenblick zu.
Rat aufzumischen war in der Tat auch seine Idee gewesen, aber musste Nolan gleich so schamlos uebertreiben? Doch, vermutlich musste man das, wenn man mit einem Psychopathen wie Rat zu tun hatte.

Das Gewicht seiner Waffe schien heute um einiges schwerer zu sein, als es ueblicherweise der Fall war. Vielleicht war es aber auch das Gefuehl der Verantwortung, die er nun fuer Nolan mittrug. Sariel und er waren im Grunde immer gleichberechtigt gewesen, aber Nolan - wollte man das hier wie eine Art Ausbildung sehen -, war noch Grün hinter den Ohren.
Er stand am Anfang seiner Karriere.
Durfte er das so sagen?

Und was machen sie beruflich? Tagsüber bin ich Wissenschaftler und nachts schmeiss ich mich in meinen Parker und loesche boese Buben aus.

Trotz der ernsten Lage verzog sich Raguels Gesicht zu einem Grinsen, als er Nolan musterte. Ja, er wusste sehr wohl, dass dieser seinen eltzten Gedanken klar und deutlich mitbekommen hatte und er konnte nichts dafuer, dass er die Situation meinte ein wenig auflockern zu muessen.
Was glaubte Nolan denn, dass es wegen seinem Durst nach Rache leichter sein wuerde? Es war nie leicht ein Leben zu beenden. Wenn es leicht wurde, dann sollte man diesen Job an den Nagel haengen, denn dann war einem die Objektivitaet abhanden gekommen zwischen Schwarz und Weiss zu unterscheiden - und die feinen Nuancen dazwischen auch noch zu erkennen und richtig zu interpretieren.

Aber genug den Alleinunterhalter gespielt, Raguels Blick wurde wieder ernster, als er aufsah und einem der Raben nachsah, die ihren Fluchtweg aus einem der zerbrochenen Fenster finden wollten. Heute verliessen nicht die Ratten das sinkende Schiff zuerst, sondern die Raben die brennende Halle.
Eine Einladung an Rat ersparte sich Raguel, Nolan hatte sie bereits ausgesprochen und alles was sie jetzt tun konnten war warten. Warten und aufmerksam sein, denn das Rat gefaehrlich war, konnte niemand abstreiten.

~Zoeger nicht.~ Rachegefuehle brachten Menschen manchmal dazu seltsam zu handeln. Aber es ging bei Raguels Warnung nicht nur darum, dass sie Rat nicht auch unterschaetzen durften, sondern darum dass sie nicht wegen eines persoenlichen Rachefeldzuges hier waren. Ihn leiden zu lassen, stand nicht in ihren Auftragspapieren - auch wenn sie es beide sicher gerne gesehen haetten.

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