Das X-odus Forum befindet sich derzeit in einer Pause.
Für all Diejenigen, die ihre Charaktere bis zum Wiederbeginn
nicht ruhen lassen wollen, empfiehlt die SL euch
diese Seite.
Wir wünschen unseren fleissigen Usern viel Spass
auf der neuen Plattform und hoffen
euch alle in alter Frische und mit dem gleichen Elan
bald auch wieder an dieser Stelle begrüssen zu können.
"Was hast du denn ausgefressen?" Raguel klang tatsächlich amüsiert. Mit einer Hand angelte er ein weisses Stofftaschentuch aus der Hosentasche und tupfte sich brummelig das Blut von der Stirn, wobei er nur abwinkte. Er würde schon nicht dran sterben.
"Setz dich doch." Okay, der Mann, den er grade umgerannt hatte, bot ihm an sich neben ihm auf dem Asphalt niederzulassen? So ganz frisch konnte er ja auch nicht sein. "Wird dich schon niemand finden..."
"Ich hab gar nichts ausgefressen!" widersprach Milo gleich und sah Raguel mit einem seltsamen Blick an als dieser ihn bat sich zu setzen.
"Woher wollen sie wissen das mich hier niemand findet? D-Das soll jetzt nicht heißen das ich etwas getan habe.. nein... ich hab nichts getan ich kann hier stehen bleiben und es wäre der Polizei bestimmt egal!"
"Klar." Und auch wenn es ein wenig belustigt klang, schien Raguel es als Antwort zu akzeptieren und bohrte vorerst nicht weiter nach. Stattdessen klopfte er nochmal auffordernd auf den Boden, rutshcte allerdings vom blossen Asphalt nun auf die Stufe einer Eingangstür hinauf. "Hunger?", erkundigte er sich leise und griff in die Tasche seiner Jacke, um kurz darauf doch tatsächlich eine Tüte Gummibären hervorzuzaubern.
Milo sah sich nochmal um bevor er sich ebenfalls auf die Treppenstufe saß. Was blieb ihm auch anderes übrig immerhin hat er ja grad lautstark erklärt das er nicht auf der Flucht sei und alle Zeit der Welt hätte.
Als er gefragt wurde ob er Hunger habe horchte er auf und als er die Tüte sag glänzten seinen Augen kurz.
"Ich.. ähm nein" murmelte er dann.
"Nun nimm schon", leise und warm auflachend, knuffte Raguel ihm mit dem Ellenbogen gegen die Seite. "Ich mag die Dinger sowieso nicht. Mein Bruder frisst sie allerdings tütenweise." Damit warf er ihm die Tüte auch schon gradewegs in den Schoss und lehnte sich im Türrahmen zurück.
"Ich bin Raguel." Und das niemand die Apokryphen kannte, fand er doch sehr beruhigend. Ihm die Hand entgegen streckend, wurde das Tattoo auf seinem handrücken nun sehr deutlich erkennbar: 'Veritas' stand dort in altertümlich wirkenden Lettern.
"Wahrheit", gab er lächelnd zur Antwort und als er sich nun mit den Fingern der anderen Hand über den Handrücken strich, wurde auch auf dem anderen Handrücken ein weiterer Schriftzug sichtbar.
"Aequitas, Gleichheit", erklärte er ihm, ohne dass es einer Frage von Milo bedurfte.
Wahrheit und Gleichheit - das war doch eigentlich auch genau der richtige Leitspruch für das Inverness Institute.
"Von zu Hause weggelaufen?" Damit liess er die Hände ineinander gefaltet sinken und neigte den Kopf zu Milo herüber.
"Was?" etwas entsetzt sah er ihn nach seiner letzten Frage an, hätte sich fast verschluckt. Er konnte es nicht wissen oder vielleicht doch?
"Ich...ne..naja vielleicht" stammelte er.
"Aber nicht ohne Grund. Ich konnte da nicht bleiben, verstehen sie? Ich komm auch bestens klar so wie es ist!"
Erneut sah er sich um.
"Wieso haben sie Wahrehit und Gleichheit auf ihren Händen stehen?" versuchte er nun von dem Thema abzulenken.
Vermutlich, weil der Mann ein absoluter Psychopath war, jedenfalls wirkte der Blick ganz so, mit dem er Milo nun musterte. Dass sein linkes, blaues Auge kurz aufzuglimmen schien verstärkte seinen leicht... 'seltsamen' Eindruck nur noch.
"Weil das zwei sehr wichtige Dinge für mich sind und die Welt sie braucht, um weiter zu bestehen." Ja, seine Erklärungen waren genauso eigentümlich wie er.
Allerdings sprach sein Lächeln doch für sich, denn als er Milo nun anstrahlte, war es ganz so als würde Milo von seiner Mutter liebevoll umarmt werden, so wie sie es bei ihm als Baby getan hatte.
Milo wusste nicht ob er es mit der Angst zu tun bekommen sollte oder ob er Raguel vetrauen sollte. Es waren zwei Gedanken oder Gefühle die immer wieder gegeneinander ankämpften in ihm.
Eine zeitlang sah er ihn einfach nur an mit einem skeptischen Blick.
"Aber manchmal hat es keinen Zweck die Wahrheit zu sagen!"
"Weil die Wahrheit einem Missverständnis und Hass einbringen?" Er nickte sachte und liess sich mit dem Rücken wieder gegen die Wand sinken. "Ja, da hast du leider Recht. Menschen können selten mit der Wahrheit umgehen und begegnen ihr noch viel seltener mit Gerechtigkeit. Aber meinst du mit einer ewige Lüge ist besser?"
"Es muss ja keine Lüge sein..." widersprach Milo.
"Man muss ja nicht alles sagen... Wenn man bestimmte Dinge zum Selbstschutz verschweigt dann ist das keine Lüge!"
Zumindest dachte er das immerhin lebte er ja nach diesem Motto.
Lachend, warm und wohlig, legte Raguel ihm wieder die Hand auf und deutete mit einem Kopfnicken gen Himmel. "Aber einem kannst du nichts verschweigen." Natürlich, der Mann war gläubig, wer sonst trug schon so einen auffälligen Rosenkranz - mit einem kelitschen Kreuz -, wenn nicht ein gläubiger Katholik?
"Wann warst du das letzte Mal beim Italiener essen?" Immerhin konnte dieser Raguel wirklich schnell Themen wechseln.
Lachend schüttelte er den Kopf. "Also, erstens Mal laufe ich meistens die Leute um und zweitens", er presste die Lippen aufeinander und hielt kurz inne. Mit den Fingerspitzen tastete er behutsam nach seiner Stirn und begann vor lauter Unsicherheit an dem angetrocknetem Blut zu knibbeln. "Na ja, und ausserdem siehst du aus, als könntest du etwas vertragen."