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Für all Diejenigen, die ihre Charaktere bis zum Wiederbeginn
nicht ruhen lassen wollen, empfiehlt die SL euch
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Wir wünschen unseren fleissigen Usern viel Spass
auf der neuen Plattform und hoffen
euch alle in alter Frische und mit dem gleichen Elan
bald auch wieder an dieser Stelle begrüssen zu können.
"Es sind nur ein paar Minuten. Und du kannst jederzeit Stop sagen, dann halte ich an. Ansonsten," und hier zog Remy die hintere Tür auf, "gehört die Rückbank dir allein, petite."
Remy wollte ihr Zeit geben, hineinzuklettern und es sich gemütlich machen. Ausserdem wäre es wohl besser, wenn er Ty ins Auto half. Der Junge sah irgendwie gar nicht gut aus. Was wohl mit ihm sein mochte? Er hatte doch früher viel mehr wegstecken können.
Als er dann schliesslich Ty auf dem Beifahrersitz festgeschnallt und sich hinters Steuer geklemmt hatte, drehte sich Remy nochmal um.
"Alles okay bei dir? Hast du genug Platz?"
Remy liess den Motor an, schaltete die Lichter ein und fuhr langsam los. Auf der Fahrt sah er oft in den Rückspiegel, um sich zu vergewissern, dass es Falcon gut ging. Hatte sie nicht etwas über Schmerzen gesagt.
"Wenn du willst, kannst du auch mit einem Arzt reden. Es gibt einen, dort wo wir hinfahren. Und sie wird dich auch ganz bestimmt nicht verraten. Das darf sie gar nicht, sie hat nämlich Schweigepflicht."
Remy zwinkerte dem Mädchen im Rückspiegel zu und lächelte kurz, dann sah er wieder auf die Strasse. Die Interpretation der Schweigepflicht war etwas weit hergeholt, zugegeben, aber Remy fand, dass er sich ganz gut schlug, dafür, dass er eigentlich nicht viel mit Kindern zu tun hatte.
Layleen verhielt sich während der Fahrt erstaunlich still. Obgleich es ihr ein wenig unangenehm war, mit den Schwingen in einem Auto zu sitzen, schwieg sie und blickte nur hin und wieder nach vorn, um Remys Blick im Rückspiegel zu begegnen.
"Vielleicht rede ich mit dem Arzt." sagte sie leise. Sie hatte noch nie viel mit Ärzten zu tun gehabt, an die Zeit, als ihre Flügel hervorgebrochen waren, erinnerte sie sich kaum noch.
Die meiste Zeit sah Layleen nun aus dem Fenster hinaus, besah sich die Umgebung, als wolle sie sich den Weg einprägen, um notfalls abhauen zu können. Zu oft schon hatte man sie eingesperrt, ihr die Freiheit geraubt und darauf gehofft, das sie wie ein eingesperrter Greifvogel einging. Doch sie hatte die Hoffnung ihrer Eltern nicht erfüllt und nun war sie hier, weit weg von Gegend, in der ihre Eltern lebten, in einem anderen Land.
Wieder sah sie nach vorn in den Rückspiegel, beobachtete Remy. Das sie ihrem Ziel immer näher kamen, entging Falcon momentan.
Remy sprach nicht viel während der Fahrt. Er sah nur immer wieder besorgt in den Rückspiegel, ob es Falcon auch gut ging. Was, wenn dem Mädchen jetzt schlecht wurde?
Nur noch wenige Minuten, dann würden sie das Institut erreichen. Vielleicht sollte er doch jemanden vorwarnen? Jean zum Beispiel, denn er hätte sie sehr gern dabei, wenn er das Mädchen mitbrachte. Aber um diese Zeit würde kaum jemand im Büro sein, um den Anruf entgegenzunehmen. Und er müsste dazu erst halten. Ausserdem hatte er der Kleinen versprochen, niemanden anzurufen.
"Sag mal, hast du Hunger? Wenn du mir sagst, was du gern ißt, kann ich dafür sorgen, dass du es bekommst, wenn wir da sind."
Remy sah erneut in den Rückspiegel. Einerseits tat er das Richtige, wenn er das Mädchen rettete, andererseits konnte er die Aktion keinesfalls so klammheimlich über die Bühne bringen, wie er es dem Mädchen versprochen hatte. Wenn sie Antworten wollte, müsste sie sich zumindest mit Jean unterhalten. Und das Ganze hinter dem Rücken von Scott oder Logan zu machen, war ohnehin keine gute Idee.
Ein wenig nervös kaute Layleen auf ihrer Lippe herum und sah immer wieder aus dem Fenster. Als Remy sie dann wieder ansprach, hob sie ruckartig den Kopf und starrte ihn aus den gelben Falkenaugen an.
"Dazu musst du dann jemanden anrufen." sagte sie leise und biß sich wieder auf die Lippe. "Aber.. wenn du keine Polizei anrufst, dann kannst du das.."
Sie überlegte kurz und dann breitete sich ein verstohlenes Lächeln auf dem bislang so ernsten Gesicht aus. "Spagehtti. Mit Tomatensoße."
Fragend, den Kopf leicht schräg gelegt, blickte sie durch den Rückspiegel zu Remy. Es war ihr zwar ein wenig komisch zumute, weil sie erst das zweite Mal in einem Auto saß, aber es war auszuhalten.
"Jetzt sind wir bald da, oder?" fragte sie dann leise und spähte vorne aus der Scheibe, konnte Details der Umgebung erkennen, die Remy vielleicht noch nicht sah und so war sie es auch, die den Schatten weiter vorne auf der Straße erkannte. "Vorsicht, da ist ein Reh!" rief sie Remy zu, noch bevor sie überhaupt in Gefahrenreichweite des Wildtieres waren, so das er noch bequem würde herunterbremsen können.
"Nein, kein Anruf, das habe ich dir doch versprochen. Ich werde wohl selbst kochen für dich. Spaghetti cajun style. Ich hoffe, du magst es scharf."
Remy lächelte in den Rückspiegel. Ein Anruf wäre wirklich Zeitverschwendung, zumal sie auch nur noch ein paar Minuten entfernt waren. Und der Koch wäre auch bestimmt nicht mehr wach.
Nein, Remy würde sich wohl selbst an den Herd stellen. Wirklich schwer war es ja nicht. Vielleicht konnte Jean ja das Mädchen in der Zwischenzeit untersuchen? Falls Jean noch wach...
Remy hörte den Warnruf und nahm sofort Gas weg. Das Tier selbst flüchtete mit eiligen Bewegungen, noch bevor Remys Fuss die Bremse auch nur halb getreten hatte. Auf dem Beifahrersitz machte Tyler ein seltsames Geräusch, sagte dann aber nichts mehr. Die gleichmäßigen Bewegungen des Fahrzeugs hatten ihn einschlafen lassen.
Sie legte den Kopf leicht schräg. "Ich habe nicht gegen scharfes Essen." erklang es leise. "Hast du schonmal ein richtig feuriges Chili gegessen?"
Ein leichtes Lächeln spielte um die Lippen von Layleen, auch wenn sie ein wenig müde und abgespannt aussah, mittlerweile. Sie blieb dennoch wach, sah sich immer wieder aufmerksam um. Nichts würde ihr entgehen, nicht die Fahrt zu dem Ort, an den er sie brachte und auch nicht der Ort selber.
Für sich selber hielt Layleen es für wichtig, das sie im Notfall auch schnell wieder wegkommen konnte.
Das Falkenmädchen spähte wieder aus der Scheibe. Weiter vorn erhoben sich bereits Mauern, schwer sichtbar noch, aber eindeutig vorhanden.
"Aaaah, ja, Chili ist nett. Aber an so ein richtiges Jambalaya, wie man es unten bei Papa Joe's an den Docks in NewOrleans bekommt, reicht es nicht heran."
Er zwinkerte Falcon abermals zu und bemerkte dann erst, dass er in dieser Äusserung mehr in seinen alten Akzent verfallen war als sonst. Die Art und Weise, das o im Namen der Stadt zu betonen und dabei in die Länge zu ziehen, während er beide Worte zu einem einzigen verschmolz, waren ebenso typische Anzeichen, wie der intonierte Singsang und die weichen Endungen. Und Remy hätte schwören können, das es für eine winzige Sekunde sogar roch wie in Papa Joe's' Küche. Ganz leise meldete sich sein Magen. Ja, Kochen wäre eine gute Idee.
"Wir sind gleich da. Die Lichter da hinten ... von dort aus sind es nur noch zehn Minuten."
Layleen lehnte den Kopf leicht zurück, so das er zwischen ihren Schwingen auf der Lehne des Rücksitzes zu liegen kam und blickte so in Richtung des Wagendaches. Dann schloß sie die Augen. Remy würde sich sicherlich melden, wenn sie da waren und irgendwie fühlte sie sich nun ziemlich müde. Vielleicht lag es daran, das sie nun allein war, vielleicht auch an der langen Reise, die sie hinter sich hatte und der Zeitverschiebung.
Jedenfalls döste sie während der Fahrt ein wenig vor sich hin, jedoch nicht in einen wirklich tiefen Schlaf fallend, dazu war sie einfach zu nervös und aufgeregt. Sie wusste ja nicht, wo genau Remy sie hinbrachte und was sie dort erwartete und das er davon gesprochen hatte, das in diesem Heim Jugendliche wohnten, machte die Sache auch nicht besser. Sie hatte schließlich noch nicht mit vielen Umgang gehabt - eigentlich mit keinem ausser ihrer Schwester.
Als der Wagen über einen leichten Huckel fuhr, schreckte sie aus ihrem Schlaf hoch und sah sich kurz verwirrt um, ehe sie sich erinnerte, wo sie war.
"Es ist ein Zuhause für besondere Kinder. Sie wohnen dort und sie gehen dort zur Schule. Und sie lernen miteinander zu leben."
Remy hatte das Wort Mutant nicht erwähnt. Vielleicht würde das Mädchen neugierig genug sein, und es vor Ort selbst herausfinden... falls noch eines der Kinder wach war. Immerhin war es schon spät und morgen war Unterricht.
"Und du musst keine Angst haben. Niemand von ihnen wird dich wegjagen. Sonst hätten sie es ja auch schon längst mit mir gemacht, eh?"
Remy grinste erneut in den Rückspiegel, aber nur kurz. Er dachte darüber nach, wie er dem Mädchen klarmachen konnte, dass sie dort unter ihresgleichen war, ohne dass sie in Panik verfiel. Sie kannte ja nicht einmal die normale Welt da draussen, wie sie selbst sagte. Wie schwer es ihr dann wohl fallen würde, eine ganze Schule voller Mutantenkinder zu akzeptieren?
Layleen blickte nachdenklich auf die Straße vor ihnen und lauschte seinen Worten.
"Ein Zuhause für besondere Kinder? Haben sie keine Eltern?" fragte sie leise.
"Man kann auch keine Eltern haben, wenn man welche hat."
Eine Pause entstand und Layleen überlegte, ob sie diesem fremden Mann, der ihr seine Hilfe angeboten hatte, wirklich etwas erzählen sollte. Doch dann entschied sie sich dafür.
"Meine Eltern haben mich im Keller eingesperrt. Die Tür war immer zugeschlossen und nur durch Jessy hab ich ein bisschen was von der Welt erfahren, etwas gelernt und wenn meine Eltern nicht zuhause waren, hat Jessy mich raus gelassen. Es war immer nur so kurz. Der Keller war dunkel und es hat gestunken und da waren grauslich viele Spinnen." erzählte sie und aus ihrer Stimme klang die Furcht und Traurigkeit mit, die sie in diesen langen, endlosen Jahren in dem Keller durchgemacht hatte.
Layleen sah wieder in den Rückspiegel, um Remys Gesicht und seinen Ausdruck zu beobachten, nachdem sie ausgesprochen hatte.
Remy umging die Antwort auf ihre Frage, indem er einfach auf ihre Äusserung einging.
"Das muss schwer für dich gewesen sein. Was glaubst du, wieso sie das gemacht haben? Denkst du, sie wollten dir damit wehtun? Oder wollten sie dich damit vielleicht schützen?"
Remy war kein Psychologe und er hatte auch nicht vor, einer zu werden. Aber die Antworten des Mädchens würden ihm etwas mehr über sie verraten. Und er könnte seine Eindrücke eventuell an Jean weitergeben, für den Fall, dass die Kleine der Ärztin gegenüber nicht so aufgeschlossen war. Andererseits hatte Jean nur selten Probleme, Leute zu verstehen.
"Ich verspreche dir, dass du heute Nacht keine Spinnen zu Besuch haben wirst, okay?"
Layleen kniff einen Moment ihre Augen zusammen, starrte nach vorn, mißtrauisch, vorsichtig. "Schützen?" Es klang fast so, als wolle sie die Worte und damit ihn nachäffen.
Layleen schloß die Augen wieder und öffnete sie abrupt erneut.
"Sie wollten mich nicht schützen, nein. Sie haben gesagt, sie wollen keinen Mutanten zum Kind, sie haben gesagt, sie wollen nicht, das mich jemand sieht. Man hat behauptet ich sei unheilbar krank und dann haben sie mich eingeschlossen und mich nicht mehr rausgelassen. Alles, was mich anging, wurde unter Verschluss gehalten, die Leute, die mich kannten, über Verträge zum Schweigen verpflichtet. Meine Eltern waren nicht das, was man arm nannte. Sie wussten, wie sie Leute zum Schweigen bringen. Sie haben gesagt, sie hassen mich. Sie haben gesagt, das ich hässlich und entstellt bin.."
Layleens Stimme brach, bei diesen Worten, zitterte, deutete von der Trauer über diese Worte. Sie zeigte, wie sehr die Worte ihrer Eltern sie verletzt hatten. Den Blick gesenkt starrte sie nun in Richtung des Bodens von Remys Wagen.
Woher weiss sie das alles? Sie wirkt als wäre sie schon fast erwachsen, aber verhält sich manchmal wie ein kleines Kind. Wenn sie so gar nichts über "die Welt hier draussen" wusste, wer hat ihr gesagt, was Verträge sind? Vielleicht weiss sie doch mehr, als sie zugeben will.
Remy hatte ihr zugehört und war sich bewusst geworden, dass sie sich über die Realtität des Mutantendaseins voll bewusst war. Sie wusste vielleicht nicht, wie die Welt funktionierte, aber in dem Mikrokosmos ihres eigenen Zuhauses hatte sie bereits alles erfahren, was sie wissen musste - und besser nie hätte erfahren sollen. Ihrer Stimme nach hatte sie die Ablehnung durch ihre Eltern schwer getroffen. Wie schlimm würde es noch werden, wenn sie erfuhr, dass der größte Teil der Menschheit sie genauso ablehnen würde?
"Wir sind da," war die einzige Antwort, die er ihr gab. Natürlich hätte er sie trösten können, aber in seinen Augen benötigte sie als allererstes Hilfe. Je früher desto besser.
Remy passierte das Tor und fuhr den Wagen vor die Garage, wo er ihn stehenliess. Er stieg aus und öffnete die Tür für Falcon. Dann kümmerte er sich um Tyler, der zwar einige Minuten brauchte, um zu sich zu kommen, doch dann seinen Weg alleine finden wollte. Remy sagte noch etwas zu ihm, zu leise, als dass es das Mädchen hätte hören können, und Tyler marschierte langsam, aber in einer geraden Linie davon, direkt auf ein großes Gebäude im Hintergrund zu. Er schwankte nicht und stolperte nicht, aber er hielt sich den Kopf und ab und zu hörte man ihn stöhnen.
Remy wandte sich zu dem Mädchen, das inzwischen aus dem Fahrzeug hatte klettern können.
[~tbc: Ankunft im Hof, etwa 0.45 Uhr]
[Ende dieses Threads]