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nicht ruhen lassen wollen, empfiehlt die SL euch
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Wir wünschen unseren fleissigen Usern viel Spass
auf der neuen Plattform und hoffen
euch alle in alter Frische und mit dem gleichen Elan
bald auch wieder an dieser Stelle begrüssen zu können.
Die Kameras hätten nicht weiter gestört. Sie nahmen nur Bild auf und keinen ton, wie alle Überwachungskameras.
Und sie konnten ruhig alles aufnehmen, wie sie es gestern Abend auch schon taten. Innerhalb 24 Stunden würde sich das band von selbst überspielen, wenn es nicht jemand zur Beobachtung rauszog und eigentlich hatte es keinen grund dafür gegeben, bis eben.
Denn Jean schien die Veränderung in Cait bemerkt zu haben, sonst wäre sie nicht eingetreten.
Noch bevor sie auf die Doktorin reagieren konnte, schaltete sich Nolan dazwischen und tatsächlich konnte es ihm im ersten Moment so vorkommen, als küsste er Cait, denn der Kuss wurde nicht erwidert. Zu unsicher war der Faktor Jean Grey, die diese Situatioon beobachtete.
Auch wenn die Doktorin schließlich ohne ein Wort zu sagen den Raum verließ und Scale mit dem Rücken zur Tür stand, so spürte sie ihren Blick bohren, in dem Moment, in dem sie sich fragte, ob Cait wirklich Cait war.
Kaum war die Tür zum Verbinungsgang geschlossen, schlang Scale ihre Arm um Nolans Schultern, verschränlte sie hinter seinem Nacken, dürckte ihren Körper enger an seinen und erwiderte den Kuss innig.
"Schön, dass du körperlich nichts eingebüßt hast..." begrüßte Scale ihn, als sie wieder Luft holten.
"Ich hätte am liebsten gestern schon mit dir geredet, aber unser dummes Krankenschwesterchen hat mich nicht gelassen..." Sie drehte ihren Kopf leicht in seinem herrischen Griff.
"Ich wollte dir sagen: Mach sowas verdammt dummes und kurzsichtiges nie wieder!" Damit meinte sie wohl eindeutig die Tablettensache. "Das passt gar nicht zu dir?"
Wohin wollte die Lady eigentlich mit seinen Blutproben? Dorian würde sich darüber beschweren, denn der hatte sie ja eigentlich haben wollen. Aber wenn sie es sich nicht verkneifen konnte, die Proben zu untersuchen, so würde sie feststellen, dass Nolans Blut über keinerlei Leukozyten verfügte. Sie waren schlichtweg nicht vorhanden und Nolan müsste mit dieser Tatsache eigentlich schon tot sein.
Eine weitere Auffälligkeit war, dass sein Blut nicht geronn, es verdampfte nach einiger Zeit an der Luft einfach im Nichts. Außerdem roch es nicht metallisch und wenn Jean wirklich diese Abartigkeit besaß und es kostete, so würde es süßlich schmecken (und sie selbst hätte einige Stunden wirklich groteske Halluzinationen davon).
In seinem Blut waren keinerlei Spuren des Paracetamols nachweisbar. Vielleicht hatte Nolan einfach allen etwas vorgelogen und nie etwas davon genommen? Jeans Mißtrauen würde sich dabei wohl nur noch vertiefen. Aber vielleicht waren die Andersartigkeiten seines Blutes auch auf seine Sandmutation zurück zu führen, die es ihm erlaubte, eigene Materie gänzlich in Sand aufzulösen.
Was denn?
Scale hatte Angst, dass der rothaarige Teufel zu Tyler ging und petzte? Gut, das lag natürlich im Bereich des Möglichen, aber das waren Caits Probleme und nicht Scales, oder? Im Übrigen sollte sich Scale dieses Schwachmaten irgendwie entledigen und hiermit hatte sie immerhin einen Ansatzpunkt.
"War ne Kurzschlussreaktion...", meinte er mit einem lapidaren Schulterzucken und ließ sie los. Das war es auch tatsächlich gewesen, aber da er den Blick senkte und sich auch schon abwandte, sah sie den trüben Glanz seiner Augen nicht. "Ich brauche deine Hilfe", fing er auch schon an. "Ich weiß, dass die Ratte zwei Schlupfwinkel hat, aber nur von einem kenne ich den Weg. Es ist die Fabrikhalle an der Küste." Er sah über die Schulter zu ihr zurück.
"Du kennst doch sicher noch das andere Loch, in dem Rat sich verkriecht, wenn es unangenehm für ihn wird, oder?"
Scale löste sich von ihm und trat einen Schritt zurück an die Krankenliege.
Woher wusste Nolan so viel über sie.
Seit Caitlynn Lydecker in inverness weilte, hatte sie lediglich einmal Kontakt mit Genethics gehabt. Das war exakt dieseelbe nacht, in der ein gewisser Mutant namens Sands auf sie angesetzt war, ihr zum Institut zu folgen und ihr nahezulegen eine gewisse Probe von einem gewissen Logan zu entwenden.
Sie hatte diesen Rat noch nie persönlich zu gesicht bekommen.
Jedenfalls nicht in Inverness. Und nicht bewusst.
"Ich weiß nicht, ob ich dir da eine große Hilfe sein kann. Ich hatte in der nacht...in der wir uns beharkt haben..." sie grinste süffisant: " ...ich habe da lediglich mit einem Mr. Richmond und Adam Lewis einige wneige Worte gewechselt. Deinen Rat....habe ich noch nie gesehen."
Aber Cait vielleicht?
Die einzige Erklärung, die es dafür geben konnte, dass Nolan vermutete, Cait würde den zweiten Schlupfwinkel dieser Ratte kennen, war, dass Miss Lydecker schon einmal mit Genethics in Kontakt gekommen war, ohne dass ihr naiv-blöder Geist das Begriffen hatte.
Südfrankreich?!?
"Kanntest du mich....Lydecker, schon vorher? Vielleicht durch eine Akte, oder so?"
"Natürlich kannte ich dich schon vorher..." Nolan musterte sie und musste leicht grinsen. Zu Scale wiederum passte es nicht, wenn sie unsicher wurde, obwohl das was für sich hatte, wie Nolan fand. Er trat wieder zu ihr und stützte sich links und rechts von ihr auf der Krankenliege auf, während er sich zu ihr neigte.
"...aber bei Genethics ist es üblich, den Leuten Gehirnwäschen zu verpassen, wenn sie nicht mehr notwendig sind." Hatte sich Scale darum in das Naivchen Cait verwandelt, um der bösen Welt den Rücken zu kehren, hm? Wenn Cait stets angenommen hatte, dass SIE zuerst "da" gewesen war, dann musste Nolan Scale nun darüber aufklären, dass es SCALE war, die stets Besuch von Cait bekam. Nicht Scale war das zweite schizophrene Ich, sondern Cait.
Er hob die Hand und strich ihr über die Wange, während er sie musterte. "Zu schade, dass dir deine Angst so viele Probleme einbringt, Scale", meinte er nachdenklich. "Ja, wir kennen uns schon länger..." Er griff ihr Kinn und hob es ein wenig an, damit sie ihm in die Augen sah. "Und du kennst Rat, also strenge dein Hirn ein wenig an, ich brauche diese Auskunft."
War es nicht amüsant, dass er mehr über sie wusste, als sie selbst? Aber er kannte dieses Gefühl. Es war ihm in den Camps nicht anders ergangen - er war damals nur in Gleichgültigkeit verfallen. Eine Gefahr, die ihm wieder drohte, sobald Rat tot war.
Er kennt dich schon länger...
länger als Inverness? Vielleicht sogar schon länger als Frankreich?
Scale kniff die Augen zusammen, zu schmalen Schlitzen aus denen heraus wiederum dunkle Schlitze der Pupillen Nolan genau musterten.
Es war angenehm, geradezu elektrisierend, dass Nolen ihr wieder so nah war, aber das Thema, um das es sich drehte, entschärfte die Situation.
Ihr Kopf arbeitete auf Hochtouren, so wie wenn man sich an eine Sache erinnern will, diese aber im gesamten vergangenen Lebenslauf sucht.
Hawaii...Kindheit...Schule..Mom..Das...
Das waren alles caits Erinnerungen und sie waren alle zu real, als dass man soetwas einer gehirnwäsche zuschreiben konnte, oder?
Ihr Vater lebte ja sogar noch....
Ihr Vater.
Scale war tatsächlich verunsichert und sie hasste es, dass in Nolans Gegenwart einzugestehen.
Ihr Spiel bestand aus Machtfaktoren und gegenseitiges Beweisen, nicht aus Unsicherheit und Hilflosigkeit.
Boston....College..Matthew, ihre erste feste beziehung udn immerwieder Scale in Form einer ungewollten Verwandlung...der Abschluss...das U.S.-Army-Projekt...dann die Flucht nach Südfrankreich ...untertauchen...live life easy an der Küste und..
Moment
Das U.S.-Army Prjekt?
Camouflage.
"Ich...Cait hatte nach ihrem Studium ein mehr oder weniger freiwilliges Mutantenprojekt der Armee in Boston und später in Toronto absolviert...ein halbes Jahr lang..."
fasst Scale ihre Gedanken in Worte.
"Projekt Camouflage wollte unsere...meine Fähigkeiten nutzen eine perfekte Stealth-Kämpferin zu kreieren.
Und da waren noch andere Mutanten....da waren noch...andere..."
Rat? Rat, Rat....
Hatte der Mann keinen normalen Namen?
Zu dieser Zeit hatte Scale weniger Einfluss gehabt, als es jetzt der Fall war, somit lagen klarere Erinnerungen mehr auf Caits Seite.
Aber wenn Camouflage kein Armee-Projekt war?
Wenn Scale damals, wie Nolan sagte, zu Caitlynn umgepolt wurde, wenn sie gar nicht geflohen, sondern in eine harmlose Existenz entlassen wurde?
Dann sprudelte es aus ihr heraus, unerwartet und völlig unklar, wleche Gedankengänge dazu geführt hatten.
Viele Erinnerungen setzten sich zu einem Bild zusmamen, viele Bilder ergaben eine klare Angabe.
"Das Marble-Manor war irgendein Wohnsitz an der Küste, von der adeligen Sippschaft. Heißt so, weil ungewöhnlich viel Marmor darin verbaut wurde."
Woher wusste sie das? das war doch nicht Caits wissen?
Vor ihren Augen war das Foto des Herrenhauses, ein mann hielt es ihr hin. Er hatte es für seinen Arbeitgeber erstanden, der es abreissen lassen wollte.
Den Mann kannte und erkannte Scale nicht mehr, dafür aber das Haus.
"Es müsste an der Westküste, irgendwo bei zerklüfteten Klippen stehen....hier in Schottland. . Aber frag mich nicht, wie ich jetzt auf sowas komme..."
Sie starrte ihr Gegenüber an, erstaunt über das, was sich da als scheinbbare Wahrheit auftat.
"Ich glaube Rat...Genethics...war am Projekt Camouflage beteiligt..."
Also das war es.
Camouflage.
Daher kannten Scale und Rat sich.
Er hatte davon gehört, aber es hatte ihn damals nicht sonderlich interessiert. In dieser Zeit hatte er sich mit Temperance an einigen Projekten beteiligt, soweit er das für sich selbst rekonstruieren konnte. Später bei Genethics hatte er immer das Gefühl gehabt, dass Scale Rat besser kannte als alle anderen, obwohl sie nie miteinander gesprochen hatten (lag wohl an Rat's Frauenphobie... oder sollte er sagen Menschenphobie?).
Natürlich war Cait immer noch Cait, denn im wahren Leben hieß Scale selbstverständlich Caitlynn Lydecker. Dass sie irgendwann nach diesen Gehirnwäschen angefangen hatte, ihren Geburts- und Codenamen auf zwei Persönlichkeiten aufzuteilen - ebenso wie Erinnerungen und Charaktereigenschaften - war etwas, das Freud sicherlich interessiert hätte. Oder aber Temperance...
Camouflage.
Nolan hatte nicht gewusst, dass Scale DIE Schlüsselfigur in jenem Projekt gewesen war, aber dass sie ihm alles so bereitwillig erzählte, lag gewiss an dem nicht ganz erfolgreichen Abschluss dieses Versuchs.
Es sprach natürlich auch einiges für die Theorie, dass Scale nicht ganz freiwillig Cait in ihr Leben geholt hatte, aber das interessierte Nolan an dieser Stelle überhaupt nicht. Ob nun ihr Unterbewusstsein nach dieser Gehirnwäsche in eine harmlose Cait geflüchtet war oder aber ob eine naive Cait von Genethics willentlich nach diesem "Armee"-Projekt kreiert worden war, war nicht Nolans Problem.
Er hörte Scale konzentriert zu und ein wenig fragend schoben sich seine Brauen zusammen, als sie die Westküste erwähnte. Sie waren hier an der Ostküste, war Scale sich sicher mit der Ortsangabe? Aber warum auch nicht. Zu beiden Seiten des Ozeans... damit Rat das sinkende Schiff verlassen konnte, sollte irgendetwas Unvorhergesehenes geschehen. Dass Rat dennoch so dumm war, sich in einem Haus aufzuhalten, von dem Genethics Kenntnis hatte, war entweder selten dämlich... oder aber genial.
"Danke."
Eine Hand wusch schließlich die andere.
Er würde dieses Haus finden.
Marble-Manor.
Aber das war im Moment nebensächlich, war Scale doch mit etwas vollkommen anderen beschäftigt.
Ihrer udn Caitlynns Vergangenheit.
Wer war wer und wer wurde wann, wie ins Leben gerufen.
Sie waren eins im Körper, geschieden im Geist und eine der beiden Persönlichkeiten hatte so etwas wie ein Erbrecht.
10 Jahre!
10 gestohlene Jahre!
"Nichts zu danken....aber du wirst jetzt nicht, Hals über Kopf...also, ich meine wie gestern Abend?..."
Weiter kam sie nicht mehr, denn es waren heftige udn rasche Schritte im Gang vpr der Tür zu hören...
Jaja, diese blöden Überwachungskameras. Mochte ja gut sein, dass die Daten nur einen bestimmten Zeitraum lang aufbewahrt wurden, aber dummerweise wurden sie während der Aufzeichnungen auf Bildschirme übertragen. Und diese Bildschirme standen unglücklicherweise in genau dem Raum, in dem Ty gerade die Sensorendaten für das Meeting aufbereiten wollte.
Nach einer halben Minute schon hatte er bemerkt, dass er nicht die nötige Konzentration besass, um sich mit den Zahlenbergen zu befassen. Immer wieder kehrten seine Gedanken zu Cait und dieser Flachzange zurück, die sich da auf die Liege gelümmelt hatte. Allein der Gedanke an das behäbige Grinsen brachte ihn innerlich zur Weissglut. Und wenn er jetzt noch daran dachte, dass Cait ihn seinetwegen zur Tür rausgeschoben hatte...
"Wollen doch mal sehen," begann er, während er den Drehsessel herumschwang, um die Sicherheitsmonitore in Augenschein zu nehmen. Schon die erste Sekunde des Anblicks liess ihm die Gesichtszüge entgleisen.
Was taten die da?? Blöde Frage, was die da trieben, sah ein Blinder mit Krückstock! Das war es also, weswegen sie ihn so schnell loswerden wollte? Wegen einem Schäferstündchen mit diesem Messias für Arme?
Und ab dieser Sekunde verstand Ty durchaus, wie Scott sich fühlen musste, der die ganze Welt permanent in Rot sah. Was auch immer an Selbstbeherrschung, guten Vorsätzen und Kontrolle dagewesen war - jetzt war es weg. So wie eine Sekunde später auch Ty nicht mehr im Sessel sass.
Es waren seine Schritte, die Cait kommen hörte und "heftig" war noch ein viel zu mildes Wort für das Geräusch. Die Tür flog auf und die ganzen 195 Zentimeter Tyler Vincent Knight stürzten wie von der Tarantel gestochen herein. Er sprach nicht, kein einziges Wort kam zu diesem Zeitpunkt über seine krampfhaft zusammengepressten Lippen. Sein Gesicht war zu einer Maske des Hasses verzogen und hatte kaum noch etwas mit dem gutmütigen Mechaniker gemein. Sollte Cait oder Scale oder wer auch immer sie in diesem Augenblick sein mochte sich ihm in den Weg stellen, würde er sie unsanft zur Seite stoßen. Die letzten Schritte ging Ty nicht mehr, er rannte. Der Typ da konnte zehnmal ein Patient sein, das was jetzt kam, hatte er verdammt noch mal verdient!
Gipsarm hin oder her, der ehemalige Soldat liess sich nicht davon abhalten, aus dem Lauf heraus dem anderen die Schulter vor den Brustkorb zu rammen, um ihm die Luft zu nehmen. Sobald der andere zurück taumelte, würde Ty ausholen und ihm die wohl beste linke Gerade servieren, zu der er momentan fähig war. Genau in das schleimige Grinsen hinein. Erst dann würde er in der Lage sein, wieder einen halbwegs klaren Gedanken zu fassen.
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Erst als es zu spät ist, dämmert Scale, wo sich Tyler Knight nach der Ausweisung hinverdrückt hatte.
Diese verdammten Kameras!
Als die Dampflok Knight an ihr vorbeirauscht und einen unfreiwilligen Passagier mit sich reisst, scheint Scale im ersten Moment zu ohnmächtig um zu handeln.
Mehr als ein: " Knight! Nicht..." kommt ihr nicht über die Lippen, da hat er shcon den Anderen erreicht und attackiert.
Das Labor, in das sich Jean mit Nolans Blutprobe zurück gezogen hatte, lag wie alle anderen Räume immer noch innerhalb des Krankenflügels. Sie hörte so einiges, während sie sich Handschuhe anzog, ein Klemmbrett bereit legte und selbst auf die Gefahr hin, dass Dorian etwas anderes mit der Blutprobe vorgehabt hätte, untersuchte sie die Probe auf alles Mögliche hin. Bei der Gelegenheit konnte sie auch gleich ihr angelesenes Wissen über die verschiedenen Apparate hier in tatsächliches Wissen umwandeln.
Sie hörte Schritte oder spürte sie diese eher?
Fragend sah sie von dem Mikroskop auf und in Richtung der Tür. Sie war zu und sie war verschlossen, so dass sie sich im Augenblick nur für Jean öffnen würde. Sie wollte nicht gestört werden und während sie sich das Blut des Herren ansah, waren ihre Gedanken ganz bei Ragnar. Der Junge schien sich deutlich zu bessern. Eine gute Sache das und sein Blut hatte sie ebenfalls hier und es wartete darauf untersucht zu werden. Vielleicht hatte sie ja auch noch Zeit dafür.
"Nein", meinte er knapp. Er würde nicht gleich wieder losrennen und sich auf die Suche nach Rat machen. Erst einmal... wollte er in sein Gästezimmer und duschen. Und rasieren könnte er sich auch mal wieder. Und dann würde er sich tatsächlich einige Tage schonen, denn auch wenn es ihm nach Rats Tod verlangte, so war der irre Italiener nicht zu unterschätzen.
Und fand sie etwa, dass es nichts war, dass er sie auf die richtige Fährte ihrer eigenen Vergangenheit gestoßen hatte? Was wollte sie denn noch mehr? Manchmal war sie ja ziemlich anhänglich... man könnte fast annehmen, sie sorgte sich wirklich um sein Wohlergehen. Er bewegte den Arm ein wenig im Kugelgelenk, da er sich die Schulter irgendwie geprellt haben musste, und wandte sich erneut ab, um sich noch einmal ein Glas Wasser einzuschenken.
Genau in diesem Moment stürmte Tyler in den Raum und diesmal war Nolan eindeutig zu langsam. Es mochte an den Schmerzmitteln liegen, die er geschluckt hatte, dass seine Reaktionen nicht ganz so schnell waren wie Tyler in seiner Wut. Normalerweise wäre er noch vor dem Schlag in Sand zerfallen, so dass dieser ....im Sande verlaufen wäre. Doch diesmal fiel lediglich das Glas auf den Boden und zersprang dort, während Nolan dem Schlag kaum ausgewichen war, so dass dieser durchaus saß.
Aber Nolan war nicht gefallen. Er stand in leicht geneigter Haltung da und fuhr sich das Blut von den Lippen. Seine Augen funkelten gefährlich, als er den Blick langsam in Ty's Gesicht hob. Der Amerikaner hatte wohl vergessen, dass Nolan absolut nichts mehr zu verlieren hatte, oder? Und tatsächlich machte es einen Moment den Eindruck, als würde Nolan diese Kampfansage mit einem Gegenschlag erwidern wollen. Doch schließlich richtete er sich einfach nur auf und wischte sich das Restblut vom Kinn. Diesmal war er es, der einfach nur tief durchatmete und leicht grinste.
"Geh' nach Hause, Ami. Du hast es nicht drauf."
Er hasste Raguel.
Diese ganze neue Codexscheiße war doch zum Kotzen.
"Heb' lieber mein Shirt auf und brings in die Wäsche..."
Schonmal versucht, einen Erdrutsch davon zu überzeugen, stehenzubleiben? Oder einen Tornado, woanders lang zu fegen? Oder die Sonne am untergehen zu hindern? Ungefähr so aussichtslos war es in diesem Moment auf Ty einzureden.
Er hörte den anderen vielleicht, aber er registrierte seine Worte nicht. Zumindest hatte sich an seiner Körperhaltung nichts geändert, nichts an seiner Wut und nichts an seinem Verlangen, dem anderen einfach nur Schmerzen zuzufügen.
Für Ty war es eindeutig. Der andere bewegte den Mund. Wenn er noch reden konnte, dann hatte er auch noch nicht genug. Deswegen liess die zweite Attacke auch nicht auf sich warten. Es wäre ihm zwar lieber gewesen, wenn der andere sich wenigstens ansatzweise gewehrt hätte, aber das spielte keine Rolle mehr.
Der rechte Arm war nicht einsatzfähig, soviel bekam Ty noch von sich und seinem Zustand mit. Stattdessen verpasste Ty Nolan einen schnellen Tritt seitlich gegen das Knie, während sein linker Arm synchron nach vorne schnellte, um den anderen aus dem Gleichgewicht zu bringen und zu Boden zu drücken. Er wollte ihn am Boden sehen. Er wollte hören, wie dessen Schädeldecke Bekanntschaft mit dem Fussboden schloss, wollte ihm in seine kleinen, hinterlistigen Augen sehen und dann, eventuell, würde er vielleicht so nett zu ihm sein und ihn mit einem Elektroschock schlafen schicken.
"Fass sie nie wieder an!"
Ty hatte tatsächlich seine Sprache wiedergefunden, auch wenn die Stimme unnatürlich kehlig klang und eher einem Zischen glich als einer wirklich artikulierten Lautreihe. Aber seinem Blick nach hatte Ty nicht einmal registriert, dass er eben etwas gesagt hatte.
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Hey, er hatte nicht gesagt, dass er sich nicht wehren würde, nur weil er diesen Kinnhaken nicht erwiderte, oder? Es stand schließlich nirgendwo geschrieben, dass er diesen Penner gewähren lassen musste. Und fuck! Lass deine bescheuerte Bibel stecken, das wollte er GAR NICHT hören.
Es war ja nicht so, dass Nolan nun glaubte, Tyler würde schließlich nicken und gehen. Selbstverständlich erwartete er einen zweiten Angriff und diesmal sah er ihn immerhin voraus. Der Andere mochte in seiner Wut weniger weitsichtig sein und immerhin hatte das Ganze auch einen Lerneffekt für Nolan; wollte er Rat zur Strecke bringen, dann half ihm seine Wut zwar für seine Entschlossenheit, aber seiner Taktik würde es schaden. Musste er jetzt wirklich jemanden schlagen, der verletzt war? Auch wenn Cait es anzweifelte, aber er war Arzt und ein Doppelbruch in Elle oder Speiche konnte derartige Schmerzen verursachen, die niemand wirklich brauchen konnte.
Ty wollte ihn wirklich am Boden sehen? Da hätte er früher kommen müssen, denn noch vor einigen Stunden hatte er dort gelegen, so erbärmlich, dass Tyler gelacht hätte. Jetzt war das allerdings wieder eine andere Sache und Nolan wurde in jenem Moment zu Sands, als der Andere ausholte, um ihm gegen das Knie zu treten. Eine Sandböe stob auf und peitschte Tyler direkt ins Gesicht. Die kleinen Körner mochten wie tausend Nadelstiche gegen die Haut treffen, ehe der Sand hinter dem X-odus wirbelte und sich wieder formierte.
Blitzschnell hatte sich ein Sandarm um Tylers Hals gelegt, während der andere die gesunde Hand griff und ihm den Arm mit einem schnellen Ruck nach hinten zog, so dass er ihn ihm auskugelte. War keine sonderlich tolles Gefühl, oder? Tylers Mutation war ja sowas für den Arsch, wenn Nolans Gestalt aus Sand bestand.
Und er konnte ihn mit einer heftigen Böe einfach so von den Beinen fegen. Also...wollte Tyler den Boden küssen? Nolan donnerte ihn jedenfalls gegen die nächste Wand und seine Stimme glich rauem Schmirgelpapier, als er nahe Tylers Ohr sagte: "So gut bist du noch nicht, Soldat."
Schnaufend ließ er ihn los und verwandelte sich noch in der Bewegung wieder zurück in seine menschliche Gestalt. Er hatte jetzt genug von diesem Unsinn. Er hatte Gott verflucht nochmal HUNGER! Öhm...'tschuldigung.
Der Schmerz in seiner linken Schulter war das erste, was Ty registrierte, als er wieder die Kontrolle über seine Sinne erlangte. Erst dann erkannte er, dass er neben der Wand am Boden kniete; nach Nolans Gegenattacke war er einfach in sich zusammengesackt und für einen Augenblick lang waren tatsächlich die Lichter ausgegangen. Oder kam ihm das nur so vor?
Schliesslich folgten die anderen Sinne und die damit verbundenen elektrischen Reize für sein Gehirn, allen voran die Nervenenden, die von Brustkorb und Schädel ebenfalls Schmerzen meldeten. Das warme, feuchte Gefühl an der rechten Stirnseite dürfte dann wohl Blut sein. Eine Platzwunde von Tys Aufprall an der Wand, wie sich später herausstellen sollte.
Als das Schwindelgefühl verschwand und seine Augen wieder mehr wahrnehmen konnten, als nur die verschwommenen Konturen der Gegenstände um ihn herum und den Anblick des Bodens direkt vor ihm, versuchte Ty wieder aufzustehen. Instinktiv bewegte er dazu den linken Arm, um sich abzustützen ... und stiess sofort einen unterdrückten, kehligen Schmerzschrei zwischen den zusammengebissenen Zähnen hervor. Linker Arm vollständig ausser Gefecht registrierte sein Gehirn und automatisch ging er seine verbleibenden Möglichkeiten durch: Beine, rechte Schulter, rechter Ellbogen.
Er lehnte sich mit der rechten Körperseite an die Wand und schaffte es tatsächlich irgendwie aufzustehen. Sofort drehte er sich zu Nolan um, fixierte ihn und als der kurze Schwindelanfall endgültig abklang, hob er die rechte Hand, die noch immer bis zum Ellbogen im Gips steckte. Es sah fast aus als wollte er damit sagen Hör auf, ich kann nicht mehr.
Stattdessen begann Ty zu grinsen, als hätte er komplett den Verstand verloren. Nur das deutlich hörbare Knistern und die sich langsam aufrichtenden Haare verrieten, was er in diesem Moment wirklich tat. Und der eben noch abwehrend wirkende Arm drehte sich leicht und machte eine unmissverständliche Bewegung, die dem anderen soviel wie Komm her signalisierte.
"War das etwa schon alles? Ich lebe noch, du Sandmännchen!"
Der gesamte Anblick musste einfach nur grotesk wirken, denn Ty blutete und grinste dabei wie ein entsprungenener Irrer, sein linker Arm hing unnatürlich leblos an ihm herunter, der andere steckte bereits im Gips. Und trotzdem hatte er noch lange nicht genug, wie es schien. Woher er die Energie nahm, jetzt auch noch seiner Umgebung die Ladung zu entziehen, war ein Rätsel und würde es wohl auch immer bleiben.
"Komm schon, du musst dich schon etwas mehr anstrengen, bevor ich sie aufgebe!"
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Erneut schlug die feine Nadel, welche für das Anzeigen von Mutationen zuständig war und irgendwo innerhalb ihres Telepathiemuskels lag, aus und Jean hielt inne. Fragend hob sie den Kopf vom Aufsatz des Mikroskops und tastete instinktiv nach, wer denn da seine Gabe einsetzte. Der Mutant war nah, zu nah für ihren Geschmack, denn es bedeutete, dass es sich in den Subs abspielte.
Seufzend entledigte sie sich der Handschuhe, erhob sich von ihrem Stuhl und schritt durch den Raum. Gedanklich ging sie verschiedene Szenarien durch, aber letztendlich musste sie nach dem Rechten sehen. Hoffentlich war die Sache nur halb so wild.
Ein kurzes Piepen, als sie den temporären Code eingab und sich die Schotten der Tür vor ihr aufschoben, so dass man sich für einen Moment in eine Star Trek Episode hineinkatapultiert fühlte, dann war sie auch schon auf dem Gang. Der Weg zum Ort des Geschehens war kurz, aber viel zu sehen bekam sie nicht, zuerst fiel ihr Caitlynn auf oder zumindest kannte sie die Frau, die dort im Flur stand als Caitlynn Lydecker. Ihr Gesicht mochte Bände sprechen, auch ein Grund, wieso sie nicht wirklich überrascht war, wer sich dort im Zimmer prügelte.
Obwohl, von einer Prügelei konnte man nicht mehr sprechen, das meiste war bereits geschehen. „Was geht denn hier vor?“ Nolan schien es besser zu gehen, oder wieso empfing sie diese Schwingungen von ihm?
Ein zweiter, genauerer Blick und ihr fiel auf, das Tyler gar nicht gut aussah. Ihr sträubten sich die Haare, wie eine Katze, die ihr Fell aufstellte. „Spinnt ihr total?! Das hier ist nicht der Dangerroom!“ Mit einer Handbewegung drängte sie die beiden Herren voneinander weg, bis sie die jeweilige Wand im Rücken spürten. Mit wenigen Schritten war sie vor Nolan und funkelte ihm aufgebracht in die Augen. „Sie glauben wohl auch, sie könnten sich alles erlauben, oder?! Wenn nur ein bisschen Verstand in dieser übergroßen Blase auf ihren Schultern steckt, dann sollten sie eigentlich wissen, dass dies hier die Krankenstation ist. Und nicht nur, dass ich einen Patienten habe, der verdammt noch mal Ruhe braucht, werden hier Patienten geheilt und nicht zusammen geschlagen!“ Eine wirsche Handbewegung folgte, um Nolan auch nur den Versuch etwas zu erwidern, sofort zu vereiteln. „Und noch etwas Mister.“ Ihr Finger bohrte sich versuchsweise in seine Brust. „Wenn ich sie noch einmal erwische, wie sie innerhalb meines Zuständigkeitsbereiches Ärger machen und mir ist egal, wer ihre sogenannten Freunde sind. Denn dann ist es vorbei mit der Höflichkeit.“
Es reichte ihr und zwar gewaltig! Mister Selbstmord und Gigolo hatte genug angereichtet für heute. Jean entfernte sich von ihm und er tat gut daran jetzt ein braver Junge zu sein, sonst würde sie ihm nämlich mal zeigen, dass auch in ihr eine Furie stecken kann! „Cait“, oder wer auch immer du gerade vorgibst zu sein, „Geh. Ich will dich vorerst nicht in diesem Bereich der Subs sehen“, und mehr sagte sie nicht zu ihr. Noch einmal warf sie Nolan einen wütenden Blick zu, bevor sie sich Tyler schnappte. „Und du Freundchen kommst mit auf die Station. Einen schönen Schlamassel hast du dir da eingebrockt“, knurrte sie nur geringfügig weniger wütend.
Und jetzt war Feierabend. Sollte Nolan doch auf Dorian warten und das er ihm sein Breichen brächte...