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Kerzengerade sitzt Chui da und will vor Aufregung fast mädchenhaft kichern, als sie Colums Atem an ihrem Ohr spürt. Zusammen mit einem mehr als beruhigenden Versprechen. "Okay." sagt sie vertrauensvoll und voller Vorfreude nach hinten. Angst? Die hat erstmal gar keine Chance mehr, sich bemerkbar zu machen, als sich seine Arme um sie schließen. Sie entspannt sich, mit dem Rücken an seiner Brust und hält sich... ähm... an der Mähne fest, da Colum die Zügel vermutlich besser brauchen kann als sie. Dann geht es auch schon los. Es dauert gar nicht lange, bis sich Chui dem Bewegungsrhythmus angepaßt hat, so dass sie weder vom Pferd zu rutschen droht noch irgendeinem ihrer Begleiter - Bysang und Colum - übermäßig auf die Nerven fällt.
Oh, aber das ist ja erst lockerer Gang und noch nicht das Rennen. Allmählich kommt ihr eine Ahnung davon, dass Reiten auch etwas ist, das gelernt sein muß... und dass es gar nicht so leicht ist. Ein Glück, dass Colum bei ihr ist. Dass er ihr wieder etwas flüstert, genießt sie fast so sehr dass ihr entgeht was er sagt. Mit ein klein wenig Verspätung, in der jener Teil von ihr, der für akustische Wahrnehmung zuständig ist, griesgrämig an das von rosaroten Nebeln verhangenen Bewußtsein anklopft, antwortet sie: "Okay, mach ich. Reit ruhig so schnell wie du willst... ich pass schon auf." Mutig, um nicht zu sagen leichtsinnig... ihre eigenen körperlichen Fähigkeiten helfen hier nur bedingt.
Was ihr hilft, wenn auch nur um die Konversation zwischen Ian und Dany mitanzuhören, ist ihr Gehör. Ian scheint sich ja sehr sicher zu sein, aber das macht nichts... nur als Dany schon auf den Siegespreis in Form von Eis spekuliert, blinzelt sie. Oh, hmm... dafür werden wohl ihre spärlichen Euro-Restbestände draufgehen, aber irgendwie macht ihr das gerade nicht viel. Soll sich Dany später ruhig Bauchweh anschlecken. Jetzt ist sie erstmal gespannt wie schnell dieses Pferd laufen kann... und wie sie als Reitanfängerin es schafft, da mitzuhalten.
"Hey-ja!" Nein, es war nicht vollkommen fair, dass Colum so ohne Vorwarnung dem Pferd die Fersen in die Flanken drückte, zumal der offizielle Startschuss gar nicht gefallen war.
Aber das war beinahe sowas wie Colums Schwäche, er war nun mal nicht immer ganz fair. Chui fest an sich gedrückt hatte er sich schnell dem Rhythmus des Tieres angepasst und federte die Bewegungen einfach aus.
Zunächst war Bysang nur leicht getrappt aber durch das verkürzen der Zügel zog das Pferd an und lief so schnell es eben konnte über die Wiese, so schnell das kleine ausgetretene Erdklumpen zu beiden Seiten aufwirbelten. Colum war doch ein ziemlich guter Reiter.
"Eine ganze Menge" hatte er dem Mädchen geantwortet und ihr verschwörerisch zu gezwinkert. Gut, er schaffte mehr Whiskey aber er konnte mit dem Kind ja wohl kaum Whiskey trinken.
Das Colum den Startschuss nicht abwarten konnte war Ian mehr als nur klar gewesen, allerdings schien ihn das in keinster Weise zu beunruhigen.
Die Zügel in der Hand beugte er sich an Dany vorbei zu Donas um ihn etwas in gälisch ins Ohr zu flüstern, eher er die Zügel anzog, Dany mit eisernem Griff festhielt und den Beiden aufschloss. Zugegeben das ganze war bei dem Thempo nicht gerade ungefährlich aber Ian -oder viel mehr die Anderen- hatten nicht gelogen. Ian war ein mehr als guter Reiter, dass zeigte schon allein seine sichere Haltung auf dem Rücken und was Colum nicht bedacht hatte war einfach das Donas sowieso schneller als Bysang war.
In einem wahrlichen Höllenthempo schlossen sie auf, bis sie schließlich Kopf an Kopf lagen und eine zeitlang nur das kräftige Schnaufen von Donas und die donnernde Hufe zu hören waren.
Sie jauchzte vergnügt auf. Man konnte sich kaum vorstellen, dass Dany ein Stadtkind war, wie es im Buche stand und dass das das erste Mal in ihrem Leben war, dass sie mit etwas anderem in Berührung kam. Eigentlich hätte sie Angst haben müssen, sie befand sich hoch oben auf einem Pferd, hatte vorher noch nie eines aus der Nähe gesehen und hatte doch mitbekommen, dass Donas ein wildes Gemüt besass. Aber statt irgendwelche Befürchtungen zu hegen, genoss sie das kleine - für sie doch so grosse - Abenteuer und machte es Ian überaus leicht, Donas so zu reiten, als müsste er dabei kein Mädchen festhalten. Sie war klein, alleine hätte sie sich bei dem Tempo niemals auf dem Rücken des Pferdes festhalten können, die Kürze ihrer Beine verhinderte alleine schon die wichtigste Festhaltemöglichkeit. Also lehnte sie sich eben einfach gegen den Mann hinter ihr, sie bedeutete ohnehin kein Gewicht und schlussendlich passte sie sich so auch automatisch den Bewegungen des Pferdes an.
Ihr machte das Rennen überaus grossen Spass und es war doch auch egal, wer dabei als Gewinner hervor ging und wer nicht. Die Siegestrophäe hielt sie für Neckerei von Ian, aber sie wusste ja auch nicht, wie es zwischen Colum und seinem Bruder war. Sie bekam inzwischen auch gar nicht mehr mit, wo Colum und Chui waren, hatten sie sie schon überholt oder waren sie noch irgendwo neben ihnen? Es war ganz gleich, es fühlte sich gut und frei an und Dany fühlte sich versucht, die Augen zu schliessen, aber dann würde sie ja gar nichts mehr von der atemberaubenden Landschaft mitbekommen, die an ihnen vorbei zog.
Colums Startzeichen, ein Ruck plötzlicher Beschleunigung und wie er sie festhält, das sind die Zeichen des Beginns dieses Wettrennens. Die wiedererwachte Aufregung kommt von allem zugleich, von Colums Nähe, der Geschwindigkeit und der Tatsache, dass sie zum erstenmal reitet. Halb unbewußt paßt sie sich den Bewegungen an, die auch Colum macht, um nicht irgendwann vom Pferd zu fallen. Erstaunlicherweise klappt es ganz gut, sie braucht darauf kaum Aufmerksamkeit zu verwenden.
Nach Dany kommt auch ihr ein Jauchzlaut aus, als sie schnell über die Wiese galoppieren, sie das Trommeln der Hufe auf dem Boden hört und spürt, die Luft ihr entgegenbraust. Sie schaut sich um, sieht die anderen näherkommen und ruft übermütig: "Schneller!" Nicht, weil sie unbedingt gewinnen will, eher aus Selbstzweck. Sie lacht in den Wind hinein und hat ihre Schüchternheit wohl irgendwo im Stall an einen Nagel gehängt und vergessen.
Colum hatte mit seiner Annahme schon ganz recht gehabt. Ian würde gewinnen und sei es einfach nur darum, weil Donas und er das bessere Team waren -zugegeben Ian war auch nicht gerade für seine Vorsicht bekannt-
Als der Zaun in Sicht kam, der das Gut vom Nachbarland abgrenzte, hätte Ian das Pferd eigentlich bremsen sollen, zumindest wusste Ian das Colum das tat und dafür müsste er noch nicht mal einen Blick über die Schulter werfen.
Ian verlagerte sein Gewicht, drückte die Kleine mit eisernem Griff an seine Brust und Dany hatte es vermutlich längst geahnt: Donas setzte zum Sprung über den Zaun an. Einen Moment lang flogen Reiter und Tier einfach in der Luft, leider hatte sie die Welt zu schnell wieder, so das Donas kräftige Beine auf den Boden aufkamen und Ian lauthals lachte, nebenbei beugte er sich zu Dany und fragte sie. "Alles ok?"
Sie hatten nun mal gewonnen, er ließ das Pferd austraben und streichelte es über die glänzenden Flanken. Erst dann setzte er sich auf und winkte Chui und Colum auf der anderen Seite des Zauns zu. Sie hatten verloren. ]
So ging es wahrhaft über Stock und Stein und Colum behielt Chui weiter an sich gedrückt, er lachte ihr leise, aber angenehm ins Ohr.
Auch wenn er zu früh gestartet war, musste er bald die Führung an Ian abgeben und er fand das noch nicht mal schlimm. Colum hatte schon recht früh das Vorhaben von Ian erkannt und konnte sich nur mit Müh und Not zurück halten, Ian den Sprung einfach auszureden. Aber er hatte doch nun mal die Verantwortung für die Kinder, wenn etwas passierte...er würde sein Leben lang nicht mehr froh werden.
Als Donas sprang hielt er die Luft an und bemerkte das erst als er erleichtert wieder ausatmete. Manchmal war Ian wirklich ein kindkopf. Natürlich war Colum mit dem Pferd schon langsamer geworden, so das Bysang langsam auf den Zaun zu trottete. "Sieht aus als müssten wir Eis kaufen." murmelte er Chui entgegen.
Das.... das wollte er doch nicht wirklich tun! Ihr Herz klopfte ohnehin schon schneller als Donas' Hufe auf den Boden aufschlugen, aber als ihr klar wurde, dass Ian den Hengst weder würde langsamer werden lassen, noch dass er ihn in eine andere Richtung lenken würde, sackte ihr das Herz regelrecht in die Hose. Bei aller Abenteuerlust, sie sass gerade das erste Mal auf einem Pferderücken und in der kurzen Zeit vor dem Sprung, in der sie sich noch die schlimmsten Gedanken darüber machte, wie hart sie wohl fallen würde, war ihr gar nicht mehr wohl zumute. Am liebsten hätte sie die Augen zugekniffen und für einen Moment tat sie das sogar auch, aber als Donas dann absprang und so mühelos über den Zaun hinweg kam, ergriff sie auf einmal Faszination und die liess sie ihre Angst auf einmal vergessen. Zwar war da immer noch dieses bange Gefühl, aber das vermischte sich mit dem aufgeregten Kribbeln, das selbst dann nicht nachliess, als Donas bereits wieder auf der Erde war.
Dany wusste gar nicht, wie sie atmen sollte und auch Ian's Lachen, das bewies, dass alles in Ordnung war, mochte sie noch nicht so recht wieder beruhigen. Sie konnte es kaum fassen, da war er doch tatsächlich über diesen blöden Zaun gesprungen, einfach so und ohne Vorwarnung! Er hätte es verdient, wenn sie ihm irgendwas über den Schädel zog, aber sie hatte ja nichts greifbar, sonst hätte sie ihm wenigstens eine gewischt. Erst eine hauen und ihm dann um den Hals fallen, weils eben doch toll war. Machen das nicht immer die Frauen in den Schwarzweissfilmen? Sie konnte Ian erst gar nicht so wirklich auf seine Frage antworten, denn ob alles okay war, darüber war sie sich nicht so ganz im klaren. Ihr Herz wummerte und die Aufregung berauschte ihren Verstand.
"Wahnsinn! Hast Du das gesehen? Er hat den Zaun noch nicht einmal berührt, grade so, als würde er nie etwas anderes machen."
Es war völlig überflüssig, dass sie das erwähnte, denn für Ian war das nicht das erste Mal, dass er und Donas über ein Hindernis sprangen, so viel war ihr auch klar.
"Aber eins sag ich Dir, wenn Du mir nochmal so einen Schrecken einjagst, dann leg ich Dich übers Knie!"
Na, das war doch mal ein Versprechen. Der Versuch würde mit Sicherheit witzig aussehen.
Wäre sie nicht schon von Natur aus weit entfernt davon, eine Quatschtante zu sein und würde ihr der Kick dieses schnellen Ritts nicht sowieso sprichwörtlich atemberaubend wirken... sie wäre spätestens jetzt sprachlos, wo sie sieht wie Ian und Dany auf ihrem Pferd vor ihnen auf den Zaun zupreschen als hätten sie ihn nicht gesehen und darüber hinwegsetzen, als wäre das die normalste Sache der Welt. Ist es vielleicht ja auch, für Ian. Was die Frage aufwirft: Für Colum auch?
Mit weit aufgerissenen Augen schaut sie noch zu, wie Donas auf der anderen Seite wieder aufkommt, als sich dieser Gedanke in ihrem Gehirn breitmacht. Das... das macht er doch jetzt nicht nach, oder? Ian ist der bessere Reiter (haben sie selbst gesagt) und Dany ist viel kleiner und leichter als ich und das Pferd schneller und überhaupt... Aber Bysang wird ja schon gebremst, rechtzeitig, so dass sie vor dem Zaun zum Stillstand kommen. Sie lächelt erleichtert, aber ein kleiner Teil von ihr ist enttäuscht... es wäre bestimmt ein erschreckendes und zugleich großartiges Gefühl gewesen, etwa so wie Bungee-Jumping immer beschrieben wird.
Sie wendet den Kopf um Colum aus den Augenwinkeln ansehen zu können, als sie sein Ausatmen und seine Erleichterung hört und danach seine Stimme. "Das macht nichts... das teilen wir uns." sagt sie leise, ignoriert ihre klamme Kasse und lächelt wieder. "Reiten ist wirklich toll... vielen Dank." Eine plötzliche Idee fordert ihren Wagemut. Soll sie? Darf sie? Kann sie? Zuviel Nachdenken zerstört die Gelegenheit. Recht plötzlich drückt sie ihm einen Kuß auf die Wange, sanft und flüchtig wie die Berührung eines Schmetterlingsflügels. Dann schaut sie wieder nach vorn zu Ian und Dany und befürchtet, dass ihr Herz auch gleich davongaloppiert... es trommelt mindestens so laut und so schnell wie Bysang zuvor. Und es ist auch über den Zaun gesprungen.
Ian lachte, Ian lachte laut und unbeschwert, er lachte so sehr, dass seine breiten Schultern bebten und seine beinahe schwarzen Augen vergnügt blitzten. Dieses Kind war wirklich ein Orginal. Hatte sie ihm gerade wirklich angedroht ihn über das Knie zu legen? Er wandt sich auf dem Pferd bevor er Gefahr lief vor lauter Lachen vom Pferd zu fallen.
Dann gab er Donas einen sanften Stoß worauf sich das Pferd wieder in Bewegung setzte. Diesmal würde Ian mit Dany nicht wieder über den Zaun springen, aber das hieß das sie ganz außen rum mussten wenn sie wieder zurück auf das Grundstück der McNaras wollten.
Ian war einfach zu aufmerksam, so das er Chui und Colum genau beobachtet hatte und er könnte sich entfernt vorstellen, dass den Beiden es vielleicht ganz recht war wenn sie ein paar Minuten für sich hatten. "Ich mag dich, Dany." Zugegeben sie kannte Ian erst ein paar Stunden aber sowas aus seinem Mund zu hören war nicht weniger gewichtig als wen ihr jemand das Bundesverdienstkreuz oder sowas überreicht hatten.
"Ich will drei Portionen Sahne auf meinem Eis." eröffnete er der Kleinen und ließ Donas ganz allein traben, er würde den Weg schon finden.
Etwas in ihm schrie auf und er wusste genau, als ihr Lehrer sollte er sie eventuell nur drücken und sich mit ihr wieder in den Alltag einfinden, aber als Mann, als Colum McNara wollte das nicht wirklich passieren.
Er hielt sich selbst für einen Vernunftsmensch, der das gesunde Mittelmass zwischen Gefühlen und Vernunft seiner Entscheidungen und generell seiner Lebenweise gefunden hatte und einhielt, aber im Moment war die Vernunftsstimme in seinem Hinterkopf ganz schön leise und selbst wenn er sie gerufen hätte, war ihm so als hätte diese Urlaub eingereicht und befand sich irgendwo in der Karibik oder so.
Er dachte nicht nach als er Chui -fast schon ein bisschen wild- herum wirbelte und ihr Gesicht in beide Hände nahm, dass grün seiner Augen war vollkommen klar und hatte einen Ausdruck den noch nicht einmal er hätte deuten können. Seinem Wesen sei dank, waren seine Berührungen aber ganz vorsichtig beinahe zaghaft als er ihr mit den Fingerkuppen den Wangenknochen nachfuhr und ihr mit dem Daumen über die Lippe strich. Colum fasste in ihren Nacken und kraulte verträumt in ihrem Haaransatz und als er genießerisch die Augen schloss sollte vielleicht sogar ein Mädchen wie Chui darauf kommen was Colum da eigentlich vor hatte.
Er fasste sie an beiden Schultern und drückte ihr einen langen und innigen Kuss auf die Lippen, der vielleicht nicht ganz so unschuldig war wie Colum immer wirkte. Es mochte der Altersunterschied sein, oder einfach Beweis dafür das Colum sich auch nicht wirklich unter Kontrolle hatte, liebevoll nagte er an ihrer Oberlippe und dachte ja gar nicht daran sie los zu lassen, eher würde er sich an ihr betrinken.
Genau so hatte sie sich ihr neues Leben vorgestellt. Wenn jemand einwenden wollte, dass es mit Dreizehn noch zu früh für einen Neubeginn war, dann sollte er das ruhig machen, sie das anders und sowieso, wenn sie nicht selbst über ihr Leben bestimmte, wer dann? Raus aus Milton Keynes, den ganzen Schmutz der Stadt hinter sich lassen, nie wieder hören, sie sei verrückt oder gar krank, in der Sonne lachen und nichts fühlen, das nach Sorge oder Leid klingt. Sogar ihr Magen war wieder in Ordnung, das war fast das Beste an der ganzen Sache.
Sie drehte sich etwas, jedenfalls so gut es ging und sah seitlich zu Ian hoch und musterte sein Gesicht. Frauen in seinem - und natürlich auch anderem - Alter fanden ihn bestimmt sehr attraktiv, sie fand ja auch, dass er hübsch war, aber das nun mal aus einer ganz anderen und vor allem unbedarften Warte heraus. Sie mochte seine Augen, denn sie verrieten, dass er kein Gesellschaftskriecher war, sondern genau das machte, was sie sich für sich selbst auch wünschte. Er lebte sein eigenes Leben.
"Rot werd ich jetzt trotzdem nicht."
Sie zeigte ein Lächeln, das ihr Gesicht regelrecht erhellte und sie bekam wieder diese kleinen Grübchen links und rechts, nur einen Fingerbreit von ihrem Mund entfernt. Es tat so unglaublich gut, wenn man gesagt bekam, dass man gemocht wurde.
"Du bist übrigens auch ganz in Ordnung."
Sie dachte gar nicht daran, ob das vielleicht etwas nüchtern klingen würde, es war einfach ihre Art, es so auszudrücken. Diese Wesenszüge würden ihr in späteren Jahren vielleicht das eine oder andere zwischenmenschliche Problem bereiten, aber bis dahin war es ohnehin noch weit.
Irgendwas war da bei Chui und Colum, das sie stutzen liess, aber erst glaubte sie nur, dass sie die beiden aus einem eigenartigen Blickwinkel sah und dass es deswegen so wirkte als ob die grade knutschen würden. Sie blinzelte. Sah noch einmal hin, konnte immer noch nicht sagen, ob sie ihre Augen grade täuschten - schliesslich waren Ian und sie ja grade ein gutes Stück von ihnen weg - und als sie bemerkte, dass sie sich etwas zu weit zur Seite lehnte, kiekste sie leise und setzte sich lieber wieder ganz grade hin.
"Sag mal."
Irgendwie hörte sie sich beinahe etwas bedröppelt an, was schlicht daran lag, dass sie den Gedanken seltsam fand, dass Chui und Colum vielleicht ein Paar waren. Aber sie hatte sich ja auch fest geschworen, dass sie nie - nie - nie mit jemandem knutschen würde und dass Jungs, die sich nicht wie normale Kumpel benahmen, sowieso blöd waren. Warum nahmen die Erwachsenen die Liebe eigentlich immer so ernst? Es kam ihr vor, als würde sie die Leute befallen wie eine Grippe und plötzlich erholten sie sich dann wieder davon. Und wenn man jemanden liebte, wieso tat man ihm dann weh und stritt sich die ganze Zeit, bis der eine dann ging?
Von dem was Dany sagte müßte auch Chui lachen, wäre sie nicht anderweitig gerade so aufgeregt. So bleibt es bei einem Lächeln, als Ian seinem von der Kleinen angesprochenen Humor freien Lauf läßt. Sie sieht, dass sie sich auf den Weg machen, den Zaun diesmal nicht auf dem Luftweg zu überwinden, und viel mehr bekommt sie von dem Geschehen außerhalb eines Bereichs, der sich auf Bysangs Rücken beschränkt und jene die auf ihm sitzen, auch schon gar nicht mehr mit. Denn jetzt tut Colum etwas, mit dem sie ganz sicher nicht gerechnet hat.
Ihre Augen sind vor Überraschung geweitet und auch die Schlitzpupillen weiten sich ein wenig, als sie sich herumgewirbelt fühlen darf und Colums naher Schatten auf ihr Gesicht fällt. Fast erschrocken wirkt sie, wie sie da zu ihm aufschaut, verwirrt von diesem Gesichtsausdruck, den sie nicht deuten kann, während ein Teil von ihr schon erfreut ist über diese zärtliche und so persönliche Geste, mit der er ihr Gesicht sozusagen in Händen hält. Sie schaut ihm in die klaren Augen, grün wie frisches Laub in einem frühlingshaften Wald, spürt seine Finger überdeutlich, vorsichtig auf ihrem Gesicht und gleich darauf auch im Nacken, so dass sie vor Behagen fast die Augen schließt, sie aber wieder öffnet, als ihr endlich mit felsenfester Sicherheit aufgeht, was er gleich tun wird - und da gerät sie erst so richtig in Panik.
Äußerlich ist davon nicht allzuviel zu merken, denn die Panik vermischt sich mit der Tsunami-Welle der Vorfreude, die fast zeitgleich aufbrandet, und diese Mixtur flutet sie dann und elektrisiert sie, dringt bis in ihre Haarspitzen vor, läßt sie unwissentlich die Krallen ausfahren (die sich langsam wieder zurückziehen) und schickt eine Gänsehaut über ihren gesamten Körper. Panik und Euphorie, kalt und heiß durchfährt es sie, und was die Symptome für eine ganz besonders schlimme Krankheit sein könnten, verstärkt sich noch, als er ihre Schultern faßt. Ihre Lider flattern zuerst nervös, als sie gleich ihm die Augen schließen will, ihre Lippen öffnen sich leicht, ein leiser Laut eines kurzen, schnellen Einatmens... dann berühren ihre Lippen die seinen.
Der erste Kuß! Das ist er. Es fühlt sich ein wenig an wie damals, wo sie als Kind das erstemal Brausepulver gegessen hat... unglaublich prickelnd und süß und aufregend wie nichts anderes zuvor. Sie gibt sich ganz diesem Gefühl und dem Kuß hin, merkt gar nicht dass ihre Hände Colums Seiten berühren und hat keine Ahnung mehr, dass sie auf einem Pferd sitzt oder dass es Leute gibt, die sie beobachten könnten. In ihrer kleinen, mit Colum geteilten Welt ist für solche Nebensächlichkeiten kein Platz. Was ein wohliges Seufzen sein könnte wird von der gemeinsamen, innigen Berührung aufgesogen, und ein dazugehöriger Schauer durchläuft sie, als sie spürt, wie er an ihrer nichtmenschlich wirkenden Oberlippe knabbert. Was mag noch alles passieren? Sie weiß es nicht... aber sie ist mehr als neugierig, es zu erfahren.
Sofern Ian etwas dazu zu sagen hatte, behielt er es erstmal für sich, aber seiner verdrießlichen Miene war anzusehen, dass er der Sache zwischen Chui und Colum -so fern es da eine Sache gab- so rein gar nichts abgewinnen konnte.
Er schnalzte mit der Zunge und presste die Oberschenkel zusammen um es von da an allein Donans zu überlassen zum Gut zurück zu traben, genau durch die Einfahrt die Dany und Chui vor ein paar Stunden mit ihrem Lehrer durch fahren hatten.
"Sieht ganz so aus." brummte Ian und zog auf Danys Frage hin eine Grimasse die aussagte, dass er davon ganz bestimmt nicht erbaut war. Launisch war Ian eigentlich nicht -gut war er doch, aber nicht in diesem Moment, er war eher nachdenklich-. Sein Bruder...ob er wüsste, dass ihm ganz schöner Ärger ins Haus stehen konnte?
Ian überlegte ernsthaft ob er Dany darum bitten sollte, erstmal nichts vor den Lehrern und den anderen Schülern zu sagen, auf der anderen Seite reagierte Colum ja immer sehr allergisch, selbst wenn man ihm nur helfen wollte. Ian entschloss sich dafür, dass Thema einfach ganz zu übergehen
"Wenn du magst kannst du jederzeit wiederkommen, du bist ein gern gesehener Gast." Und das weil Dany eben diese burschikose Art hatte. Hey, Ian war mit vier...öhm fünf Brüdern aufgewachsen und Mädchengehabe konnte er genauso wenig leiden wie wahrscheinlich Dany.
Über sich selbst aufs tiefste überrascht brauchte Colum mehr als einen Anlauf um sich von Chui los zu machen. "Entschuldige" murmelte er mit verhangener Stimme. Nein, nicht das es ihm Leid tat, aber was genau hatte er da gerade eigentlich getan? Sie war seine Schülerin, seine Schutzbefohlene und er kam sich vor als hätte er ihre Unschuld und Unsicherheit schamlos ausgenutzt. Sicher es kam auf den Blickwinkel an, aber irgendwie war es ja genau so.
Und doch...allem zum Trotz dürckte er ihr abermals einen Kuss auf die Lippen, als konnte er sich einfach nicht ganz losreißen. Als er sich doch dazu zwingt rutscht er vom Pferd und fährt sich mit zittrigen Fingern durch die Haare, greift Bysang beim Halfter und macht sich daran das Pferd zurück in den Stall zu führen.
Verfluchte Scheisse! Er sass verdammt tief in der Tinte und wie sollte er Chui begreiflich machen, dass es nicht an ihr lag, aber in dem Moment als er vom Pferd gerutscht war hatte Colum sein "Schutzschild" meterhoch gezogen und bis auf weiteres würde es niemand durchbrechen können. Von jetzt auf gleich war Colum wie ausgewechselt, zwar höflich...aber distanziert.