Das X-odus Forum befindet sich derzeit in einer Pause.
Für all Diejenigen, die ihre Charaktere bis zum Wiederbeginn
nicht ruhen lassen wollen, empfiehlt die SL euch
diese Seite.
Wir wünschen unseren fleissigen Usern viel Spass
auf der neuen Plattform und hoffen
euch alle in alter Frische und mit dem gleichen Elan
bald auch wieder an dieser Stelle begrüssen zu können.
Vier Männer liefen über den Platz. Ein öffentlicher Ort, jeden Dienstag war hier Markt, heute war jedoch Samstag. Schließlich fielen drei Männer zurück und nur einer ging weiter. Sein Ziel war der Marktbrunnen, an dem ein Gespräch stattfinden sollte. Er war sich sicher, dass auch Dorian jemand begleiten würde, aber die Unterredung sollte nur zwischen ihnen stattfinden... und das war lediglich in Dorians Sinn.
Lewis sah sich zu den anderen um. Am Rande des Platzes standen Rat mit zwei seiner Wachen, allerdings traute Lewis Rat nicht über den Weg - er schien sich noch daran zu ergötzen, wenn er Lewis fallen sehen würde. Auf der anderen Seite hatte er ihm schon drei Mal das Leben gerettet und er war auf Rat angewiesen... allerdigns nur so lange, wie er ihn brauchte. Er musste bei diesem Wahnsinnigen Vorsicht walten lassen.
Tatsächlich wurde Dorian von Sariel, Logan und Scott begleitet, aber er bat sie ebenfalls am Rand des Platzes zu warten und ging dann auf den Marktbrunnen zu. Er fühlte die Diskette in seiner Jackentasche, denn immerhin wollte Lewis ja sein Eigentum zurück, wie man ihm hatte ausrichten lassen. Er atmete tief durch und wurde sich bewusst, dass er den Professor schon eine Weile nicht mehr gesehen hatte. Am Brunnen angekommen holte er die Diskette hervor und streckte sie Lewis entgegen.
"Ich weiß nicht genau, warum sie mich sprechen müssen, aber hier ist die Diskette, die sie haben wollten."
Dorian fühlte sich unter dem Blick des anderen äußerst unwohl. Er hatte tausend Fragen und die wichtigste war für ihn, warum man ihm all diese Kindheitserinnerungen gegeben hatte und nicht wie die anderen in ein Camp gebracht hatte.
Lewis blickte auf die Diskette und schnaufte abfällig. Dorian konnte ihn nicht für so dumm halten und annehmen, er wüsste nicht, dass bereits alle Daten auf dieser Diskette ausgewertet waren. Diese Diskette war vollkommen nutzlos für ihn.
"Ich sagte, ich möchte mein Eigentum zurück... nicht, dass ich die Diskette haben will. Aber lass uns ein wenig gehen... Dorian." Er legte dem Jüngeren die Hand auf die Schulter - so wie er es auch früher oft getan hatte.
"Wie geht es Seana?" Noch nie hatte Lewis diesen Namen verwandt und er sprach ihn auch nicht gälisch sondern unverkennbar englisch aus. Er hatte da so ein paar Gerüchte gehört, die ihn mehr als erheiterten. "Dorian, eigentlich sollte ich ja böse auf dich sein... du hast dich für die falsche Seite entschieden - wir waren doch immer eine Familie, nicht wahr?"
Dorian war ein klein wenig verwirrt, aber er steckte die Diskette wieder zurück in die Jackentasche und runzelte einfach nur die Stirn. Er konnte nicht leugnen, dass Lewis noch immer Charisma besaß und es verstand, in Rätseln zu sprechen. Was wollte er denn dann zurück, das ihm seiner Meinung nach gehörte? Obwohl er den anderen eigentlich gar nicht so nah an sich heran kommen lassen wollte, gewährte er Lewis, so mit ihm umzugehen. Es war vertraut und ja... er hatte einst tatsächlich geglaubt, das Labor wäre eine Art Familie für ihn. Also ging er mit, aber als das Gespräch auch Seana kam, war dieser Bann gebrochen und Dorian blieb abrupt stehen. Er trat zwei Schritte zurück, um Abstand zu gewinnen und starrte Lewis an.
"Seana gehört ihnen nicht. Sie gehört jetzt zu mir, sie ist meine Tochter - und wenn sie ihr ein Haar krümmen, dann..." würde er ihn töten? Wohl kaum, und das musste auch Lewis wissen. "...dann werde ich nicht eher ruhen, bis alle Labore vernichtet sind. Sie wissen genauso gut wie ich, dass es schon begonnen hat. Und jetzt möchte ich eine Antwort darauf, für welchen Zweck ich gezüchtet wurde."
Lewis sah ihn eine Weile musternd an und hörte sich Dorians Drohungen gelassen an. Eigentlich schien er mehr amüsiert darüber als eingeschüchtert. Aber das hatte noch einen anderen Grund, es war nicht die Drohung gewesen, die ihn nun auflachen ließ. Er schüttelte den Kopf und überbrückte die zwei Schritte, die Dorian zwischen sie gebracht hatte, damit er wieder etwas leiser sprechen konnte.
"So hat der Bruder die Schwester adoptiert. Glaubst du wirklich, du würdest durchschauen, was die Schachspieler vorhaben, wenn du nur ein schwarzer unbedeutender Bauer bist? Wo du jetzt stehst, hast du keine Möglichkeit, je ein Schachspieler zu werden." Lewis schnaufte und ließ den Blick kurz über den Platz schweifen, wo ein paar Vögel Essensreste pickten.
"So... du willst wissen, warum du gezüchtet worden bist." Lewis sah Dorian direkt an und schmunzelte langsam. "Du bist nicht dumm, Dorian. Ich sehe, dass du dir bereits Gedanken darüber gemacht hast und ja... man sollte immer auf Seiten seiner Familie stehen. Du hast so viel Potential, Dorian. Aber das ist nicht verwunderlich, denn es sind meine Gene, die du trägst."
Er machte eine bedeutende Pause, ehe er sagte: "Du bist gezüchtet worden, um mein Nachfolger zu sein."
Er musste zugeben; er hätte niemals damit gerechnet, was ihm Adam Lewis heute offenbarte und wenn er mal so frei sein durfte, dann war es wirklich ein Schock. Er starrte den Älteren eine Weile nur an und hätte ihn fast einen Lügner gegannt, aber warum sollte Lewis in diesem Punkt lügen? Und genauso machte alles allmählich wirklich Sinn. Seana war seine Schwester? So unmöglich es scheinen musste, aber er erinnerte sich, dass eine Fremde vor einigen Jahren viel mit Lewis zutun gehabt hatte. Eine Asiatin. Sie war die Geliebte eines bedeutenden Mannes gewesen. Eines Mannes, der einen Sohn hatte, der ebenfalls ein Illusionist war.
Dorian stützte sich mit einer Hand auf dem Rand des leeren Brunnens ab. Es war kein Wasser darin, denn der Sommer war schon lange vorbei. Lewis hatte ihn also als seinen Nachfolger gezüchtet, aber noch immer blieb die Frage, wozu Seana dann erschaffen worden war und warum man sie nicht in ein Camp gebracht hatte. Dorian war sich sicher, dass Lewis es ihm offenbaren würde, so dass er erneut aufsah. Vielleicht zögerte er einen Augenblick, doch er musste es wissen.
"Und Seana?"
Noch immer verstand er nicht recht, warum ihn Lewis hierher zitiert hatte, warum er ihm das alles erzählte. Wollte er Dorian umstimmen? Aber der Ältere musste wissen, dass dies unmöglich war. Seit Nolans Verschwinden war dies unmöglich geworden.
Lewis senkte den Kopf ein klein wenig, während er seinen "Sohn" beobachtete. Natürlich hatte er ihn nicht hierher zitiert, um ihm zu sagen, wer Dorian wirklich war, obwohl es ein angenehmer Nebeneffekt war, wenn der Jüngere über seine Worte nachdachte. Es war ihm durchaus klar, dass die Frage nach Seana hatte kommen müssen und genau diese hatte er auch erwartet. Langsam und bedeutend sah er zurück zu seinen Leuten, die am Rand des Platzes standen. Und wenn man seinem Blick genauer folgte, dann erkannte man, dass er Rat ansah.
"Jede Leistung erfordert eine Gegenleistung und jede Tradition einen Nachfolger, Dorian. Und dies war sein Preis." Er sah den Jüngeren wieder an. "Nun... du weißt so gut wie ich, dass du nicht gegen ihn bestehen könntest. Ich hingegen könnte ihm ein anderes Angebot machen." Adam schmunzelte leicht.
"Jetzt fragst du dich, was ich dafür haben will, nicht wahr? Die Antwort ist Frieden. Ist es nicht das, was jeder will... auf dieser großen weiten Welt?" Und wieder einmal kam er etwas näher. "...und eine winzige Kleinigkeit, Dorian. Es wird dir nicht schwerfallen, es zu beschaffen, wenn du dafür das beschützen kannst, was dir so kostbar ist."
Auf einmal packte er Dorian im Genick und flüsterte ihm etwas ins Ohr, ehe er ihn genauso abrupt wieder losließ, sich abwandte und zurück zu seinen Leuten ging. Er war sich ziemlich sicher, dass er bekommen würde, was er wollte...
Dorian blickte dem Älteren nach. Noch immer hatte er nicht ganz registriert, was ihm Lewis gesagt hatte. Rat hatte Seana als Preis für seine Dienste gefordert? Zum Zweck seiner Nachfolge? Das war doch vollkommener Blödsinn... und doch... so banal schlüssig, warum sowohl Seana als auch er nie in ein Camp gekommen waren. Wenn ihn der Winter je hatte frösteln lassen, dann wohl in diesem Augenblick, als er Lewis nachsah. Er würde Seana gewiss nicht an Rat ausliefern... aber als Gegenleistung forderte man von ihm etwas, das einem Verrat gleichkam. Und wenn er ganz ehrlich war, dann wusste er auch nicht, warum Lewis genau das verlangte.
Auch er ging zurück zu den anderen. Frieden. Welch Hohn. Nein, Lewis wollte den Frieden nicht als das, was er war. Er wollte Ruhe - und zwar gewaltsam. Und Ruhe war nicht Frieden, war nicht Beilegung. Diese Ruhe bedeutete Krieg.