Das X-odus Forum befindet sich derzeit in einer Pause.
Für all Diejenigen, die ihre Charaktere bis zum Wiederbeginn
nicht ruhen lassen wollen, empfiehlt die SL euch
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Wir wünschen unseren fleissigen Usern viel Spass
auf der neuen Plattform und hoffen
euch alle in alter Frische und mit dem gleichen Elan
bald auch wieder an dieser Stelle begrüssen zu können.
"Was für ein beschissens Land und wo hatte ihn Michel da wieder einmal hereingeritten?" dachte Paolo sich als er am Flughafen ankam. Schon als er die Gangway hinunter gegangen war, war ihm Schottland zuwider gewesen. Um ihn herum fielen sich Leute in die Arme, andere schluchzten in ergreifenden Abschiedsszenen. Paolo hatte für all diese Menschen nur ein schwaches stirnrunzeln übrig.
Auch das Wetter war nicht gerade das was er als sonnenverwöhnter Italiener gewöhnt war. Es regnete ununterbrochen. Unter dem Schutz einer Überdachung vor dem Flughafen von Inverness kramte er sein Handy aus der Tasche. Er war hier, Michel sollte es wissen.
Schottland. Was immer sie hier auch sollte. Wahrscheinlich stellte sich Trisha die Frage schon eine ganze Weile, aber aus ihrem Begleiter war ja nicht grade wirklich was heraus zu bekommen.
Er hatte sie in den Staaten abgeholt und eigentlich nicht viel mehr erzählt, als dass er Michel hiess und anstelle von Logan und Ororo hier war, um sie ins Institut zu bringen - das Institut eben, in dem Kinder wie sie eien Platz finden konnten.
So weit, so gut... oder? Wer wusste es schon, was der Mann wirklich vor hatte - und ein bisschen unheimlich wirkte er ja schon.
Trotzdem - oder grade deswegen - war er immerhin doch nett zu ihr, schien über ihre Mutation einfach hinweg zu sehen.
Im Airport angekommen hatte Michel scheinbar auch endlich seine Sprache wiedergefunden - wenn auch nicht mit ihr, sondern mit seinem Handy. Wunderbar, das nannte man doch zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Seinen Freund Xanatos konnte er auch noch gleich mitnehmen.
Den Treffpunkt mit ihm machte er kurzerhand hier im Airport mit ihm aus, in 15 Minuten.
Das Handy in der Hosentasche verstauend, wandte er sich schliesslich wieder seinem Schützling zu und streckte lächelnd die Hand aus. "Komm, ich nehm deine Sachen." Das der Mann lächeln konnte war doch wirklich eine gelungene Überraschung, immerhin hatte er es fast 18 Stunden lang verbergen können.
"Entschuldige, aber ich muss noch auf einen Bekannten warten." Mit einem kurzen Blick in die Menschenmenge um ihn herum, in der er eher wie ein ruhender Pol im geschäftigen Treiben wirkte, nickte er schliesslich in Richtung eines kleinen Imbiss.
"Lust noch einen Kaffee mit mir zu trinken? Vielleicht kannst du mir was von dir erzählen." Gut, im Flugzeug hätten sie eigentlich genug Zeit dafür gehabt, aber da hatte der gnädige Herr es ja vorgezogen zu schweigen.
Im Gegensatz zu anderen Leuten, die sie vielleicht kennengelernt hatte, schien es nicht im Mindesten an Michels Ego zu kratzen, dass er sich mit einem Mädchen in der Öffentlichkeit zeigte, was doch recht offensichtlich... anders war. Nein, ganz im Gegenteil, der Mann hatte eine Art sich mit ihr an seiner Seite zu bewegen, als sei er unangefochtener König und sie nichts minderes als eine Prinzessin.
Schweigend zog er ihr einen der Bistrostühle zurecht und liess sie darauf Platz nehmen.
Den Tisch selber umrundet, stellte er ihr Gepäck neben seinem Stuhl ab. bevor er sich endlich auch nieder liess und ihr die Karte reichte.
Die neugierigen Blicke vom Nachbartisch entgegnete er mit einer ungewöhnlichen Ruhe - das dünne Lächeln auf seinem Gesicht war dabei jedoch so eisig, dass es Angst einflössen konnte.
Erst nachdem der Kellner ihren Tisch wieder verlassen hatte, beugte er sich ein wenig vor, um ihre Krallen scheinbar einer genaueren Musterung zu unterziehen.
Die Augen ein wenig zusammen gekniffen, schielte er schliesslich zu ihr empor und versuchte ihren Blick hinter der Sonnenbrille auszumachen. "Nervös?", fragte er verständnisvoll nach und streckte zögernd seine Hände aus, um ihre Krallen kurzerhand mit seinen Handflächen zu bedecken.
Nein, niemand sollte sich dafür schämen müssen andersartig zu sein. Aber so lange die Menschen noch so engstirnig waren und jeden, der anders als sie selber waren, begafften als wäre er ein Ausstellungsstück, wollte er sie zumindest vor diesen Blicken so gut wie möglich bewahren.
Doch Michel ging mitten in diesem Ambiente ganz bewusst nicht auf solch eine Äusserung ein. Es sollte ja nun weiss Gott nicht jeder Mensch wissen, was das Besondere an der Schule war.
"Wir müssen nur kurz auf einen Freund warten." Hatte er das schon mal gesagt? Na ja, um ehrlich zu sein, hatte er auch grade nicht so viel Ideen, was er sich mit dem Mädchen sonst unterhalten könnte.
"Warst du eigentlich schon mal in Schottland?"
"Das mag sein. Hier regnet es ja eigentlich auch nur einmal: Und das ist ständig." Mit einem dünnen Schmunzeln auf den Lippen umfassten seine langen, schmalen Finger die Kaffeetasse. Als er sie anhob, wirkte es für einen Moment so, als würde der Schatten, den die Tasse warf, sich wie flüssiges Pech vom Teller zur Tasse hinauf ziehen und sich in Michels Händen sammeln.
"Ich hoffe trotzdem, dass es dir hier gefallen wird." Denn vielleicht war es ja auch ihre einzige Chance auf ein einigermassen normales Leben.
Kurz löste er die Hand von der Tasse, um einen Blick auf seine Armbanduhr zu werfen. Er war zu spät - und wenn Michel eines hasste, dann unentschuldigte Verspätungen.
Nachdem er alle Cafés abgeklappert hatte -sicherlich Michel hatte ihm den Standort verraten, aber ein kurzer Frauenrock hatte ihn zeitweilig etwas abgelenkt- teilte er die Menge wie Moses zu seinen Lebzeiten, dass rote Meer geteilt haben musste. Als glübiger Italiner war er der Ansicht, Moses müsste einfach sowas wie ein Vorfahre von ihm gewesen sein. Schließlich war er auch sowas wie ein Prophet der eine ganz bestimmte Botschaft unter das Volk bringen wollte.
Mit einem entschuligenden Nicken sah er zu Michel, ehe er sich vorbeugte und geheimnissvollen Dame -dessen Geheimniss er ganz sicher auf die Schliche kam- nach europäischer Art einen Kuss auf die linke und dann auf die rechte Wange drückte. "Paolo. Paolo Cutillio" erklärte er mit tiefer von Akzentgeprägter Stimme
Genauso schnell wie sein feuriges Blut in Wallung gekommen war, war die Frau auch schon wieder vergessen. Erstmal zählte nur sein Freund. Sein einzigster Freund.
Ein erneuter und demonstrativer Blick auf seine Armbanduhr war fällig. Fünf Minuten, FÜNF! - Seine Meisteleistung, sonst waren es immer mindestens 15 gewesen.
Seine Kaffeetasse endgültig beiseite stellend, erhob er sich aus dem Bistrostuhl und umarmte Paolo, auf eine kurze, aber doch sehr freundschaftliche Art. Wenn man bedachte, wie abweisend Michel sonst auf Körperkontakt reagiert, war es schon eine sehr intensive Geste einem Freund gegenüber.
"Guten Flug gehabt?" Und wenn man das in Paolos und Michels ganz private Sprache übersetzte, dürfte es wohl so viel bedeuten wie 'Irgendwelche Probleme gehabt am Zoll? Alles glatt gelaufen?'.
Demonstrativ und mit einem breiten grinsen, dass bis auf weiteres die einzigste von Paolos Gefühlsregungen bleiben würde, rieb er sich mit dem Zeigefinger unter die Nase.
"Alles wunderbar." und das er die Telefonnummer von etlichen Flugbegleiterinnen abgestaubt hatte müsste er Michel ja wohl nicht erklären, oder?
Freundschaftlich klopfte er ihm auf den Rücken und ließ sich neben Trish nieder, die jetzt und hier für ihn nicht mehr als Luft war. SIE war eine Frau und Michel und er hatten Männergespräche zu führen. Wie wärs wenn sie schonmal das Gepäck holte?
"Was gibts Neues?" und damit nahm er die Sonnenbrille von der Nase und schenkte Michel einen lauernden Blick aus südländischen Augen
"Nicht vieles." Michel hingegen schenkte Trisha ein entschuldigendes Lächeln und fuhr sich mit einer kurzen Handbewegung durch die wirr vom Kopf stehenden Haare. "Aber den Müll hätte ich schon vor meinem kleinen Ausflug mal wieder rausbringen müssen. Wie praktisch, dass du mein Zimmer beziehen wolltest."
Paolo verstand schon, nicht wahr? Na ja, so war Michel eben - in Gegenwart von Frauen redete er grundsätzlich nicht über Geschäfte. Jedenfalls nicht auf verständliche Weise.
"Und was liegt in deiner Familie so an?"