Das X-odus Forum befindet sich derzeit in einer Pause.
Für all Diejenigen, die ihre Charaktere bis zum Wiederbeginn
nicht ruhen lassen wollen, empfiehlt die SL euch
diese Seite.
Wir wünschen unseren fleissigen Usern viel Spass
auf der neuen Plattform und hoffen
euch alle in alter Frische und mit dem gleichen Elan
bald auch wieder an dieser Stelle begrüssen zu können.
"Dann nehmen wir am besten den Fahrstuhl, mh? Dann gehts schneller."
Und schon machte sie sich auf den Weg zum Fahrstuhl und drückte dort auf den Knopf, um dann zu warten, dass sich die Schiebetür teilte. Carol's Frage brachte sie ziemlich aus dem Konzept. Lesen? Sie? Gerne? Fast war sie versucht, leise zu lachen, aber das hätte wahrscheinlich genau so nervös geklungen wie sie sich bei dieser Frage fühlte, also liess sie es.
"Also ich, äh.... weiss nicht? Ich lese eigentlich nicht viel."
"Aber warum nicht? Man erfährt so viel aus Büchern.... schau mal hier... was zum Abschalten. Die Drei Musketiere oder das hier ist eine Reisebeschreibung... ich weiß gar nicht, was ich noch rausgesucht habe... lies doch mal bitte die Titel der Bücher, die du trägst."
Carol stand vor dem Fahrstuhl und wartete, dass er von oben runter kam. Sie konnte sich gar nicht vorstellen, dass jemand nicht gern in Büchern schmökerte.
Oh ja, genau darauf hatte sie gewartet. Eine Bloßstellung war doch immer was Schönes und dass ihr das ausgerechnet mit Carol passieren musste, na prima. Aus unerfindlichen Gründen wurden Dany's Wangen auf einmal rot und sie klammerte sich an die Bücher, während sie stur auf die Fahrstuhltüren starrte. Einen Teufel würde sie tun und die Buchtitel lesen, sie musste Miss Stone ja nicht gleich mit blinkenden Neonpfeilen und lautem Getröte auf ihre Leseschwäche hinweisen. Verdammt, sie wollte ihre Legasthenie ja in den Griff kriegen, zumindest soweit es überhaupt möglich war. Aber darauf angesprochen werden wollte sie eben trotzdem nicht.
"Ich bin eben anders. Und was für Bücher das sind, können Sie ja oben nachsehen."
Ihre Antwort klang so knapp, dass man kaum mehr etwas von dem lebensfrohen Mädchen an ihr bemerkte.
Nanu, das war je ein völlig ungewohnter Ton bei Dany. Nachdenklich schaute sie das Mädchen an. Da war doch was faul.
"Dany... wir beide waren auf dem besten Weg uns näher kennen zu lernen und ich denke, das wenigste was eine Freundschaft gebrauchen kann, ist Misstrauen. Meinst du, du kannst dich überwinden mir zu erzählen, was mit dir ist?"
Sie wußte, nur mit viel Einfühlungsvermögen konnte sie Dany dazu bringen, ihr zu vertrauen. Und vllt. konnte sie ihr ja helfen bei ihrem Problem.
Die Fahrstuhltür ging auf und Dany ging hinein, wartete, bis Carol zu ihr aufgeschlossen hatte und drückte dann auf den Knopf für das Dachgeschoss. Sie sah stur auf den dunklen, schmalen Spalt, der sich durch die sich in der Mitte treffenden Schiebetüren ergab und wirkte so verschlossen, dass es kaum wahrscheinlich war, dass sie überhaupt noch irgendwas sagen würde. Irgendwie war sie wütend. Wütend, weil man nicht einfach so vergessen konnte, unter welcher Schwäche sie litt und dass sie immer und immer wieder ihre Schwierigkeiten damit hatte. Die Buchtitel lesen. Mal eben schnell. Wenns denn so einfach wäre.
Sie konnte ähnlich aussehende Buchstaben nicht unterscheiden, ein kleines d sah für sie schnell aus wie ein kleines b und ein a wie ein o. Manchmal erschienen ihr Wortteile, als wären sie rückwärts geschrieben und manchmal fingen die Buchstaben sogar an zu tanzen. Dazu kam, dass Dany leichte Schwierigkeiten hatte, zwischen links und rechts zu unterscheiden und sie wollte lieber nicht daran denken, wie elend lange sie dafür gebraucht hatte zu lernen, sich die Schnürsenkel zu binden. Aber immerhin, sie besass im Gegenzug Kreativität und ein sehr gutes Vorstellungsvermögen. Dany wusste, dass viele bekannte und erfolgreiche Wissenschaftler oder Künstler Legastheniker waren und das gab ihr Hoffnung, dass sie dadurch doch nicht zum dummen Teil der Menschheit gehörte.
Freundschaft. Als Dany bewusst wurde, dass Miss Stone von einer Freundschaft zwischen ihnen gesprochen hatte, wich die Wut schlagartig und auf einmal hatte sie das Gefühl, dass es vielleicht sogar gut war, wenn sie sich Carol anvertraute. Sie würde sie ganz bestimmt nicht auslachen, so sehr konnte sie sich gar nicht in ihr täuschen. Also hob sie den Blick an und betrachtete die Frau kurz, ehe sie schliesslich mit der Sprache rausrückte.
Carol hörte die Worte und nickte nur. Sie hatte davon gelesen und irgendwie tat es ihr leid, dass die lebhafte und aufgeschlossene Dany dieses Problem hatte. Ihr blieb die Welt der Bücher verschlossen, die ihr so viel geben konnten.
"Nun, das ist zwar nicht toll, aber auch kein Problem. Dann werde ich eben mit dir üben. Sollst mal sehen, wie schnell wir das Ding in den Griff bekommen."
Und dann umarmte sie Dany, mehr impulsiv als geplant. Aber sie wollte ihr zeigen, dass sie nicht allein war und das sie auf Carols Hilfe bauen konnte.
"Ja...." nuschelte sie gegen Carol's Kleidung, während sie die Umarmung zaghaft erwiederte. "Das hab ich schon ein paar Mal gehört, aber ich hab einfach nicht das Durchhaltevermögen dafür."
Beinahe hätte Dany eines der Bücher fallen gelassen, als sie sich wieder von Carol löste, aber sie konnte es mit der zweiten Hand auffangen und hielt die Schriftstücke nun wieder mit beiden Armen fest und an sich gedrückt. Immerhin, der missgelaunte Zug an ihr war wieder verschwunden, schlechte Laune hatte sie ohnehin nie lange.
"Ich musste nach der Schule an Übungsstunden teilnehmen, das war die reinste Tortur. Alles nochmal von vorne beginnen, ich hab sogar eine Tabelle gekriegt, wo hinter dem A noch eine Ameise gemalt ist, damit ich mir den Buchstaben auch ja merken kann. In der Schule wurde ich immer ausgelacht, wenn ich was laut vorlesen sollte und es nicht konnte und an meine Rechtschreibung will ich gar nicht erst denken, die ist irgendwie nicht wirklich vorhanden."
Etwas frustriert klang das ganze schon, es war für ein Kind nie leicht, wenn es eine solche Schwäche hatte und Kinder waren nun einmal grausam, sie machten sich über so etwas gnadenlos lustig. Trotzdem zeigte Dany wieder ihr Grinsen, als sie zu Carol hoch sah und hob dabei leicht die Schultern an.
"Dafür war ich immer besser beim Sport und ich hab sogar eine gute Note in Kunst. Wenns also mit der Schriftstellerin nichts wird, dann kann ich immer noch schräge Bilder malen oder mir eine Goldmedaille bei einer Olympiade holen."
"Na, wir versuchen es einfach mal und dann sehen wir, ob du vllt. doch Malerin oder Olympiasiegerin wirst. Und keine Bange, ich lach dich nicht aus. Ich möchte, dass du die Welt der Bücher kennen lernst und dafür ist keine Mühe zu groß, glaub mir. Und das mit dem Durchhaltevermögen, ich denke da finden wir genug, war dich bei der Stange hält. Was meinst du, wie toll das wird, wenn du Bedienungsanleitungen lesen kannst für Bastelsachen oder für Motoren.
Sie war sich sicher, dass sie es schaffen würden, Dany zumindest die Hemmungen zu nehmen, ein Buch in die Hand zu nehmen.
Dann glitten die Fahrstuhltüren auf und sie ging auf ihre Zimmertür zu, um sie aufzuschließen und mit Dany hinein zu gehen.