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auf der neuen Plattform und hoffen
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bald auch wieder an dieser Stelle begrüssen zu können.
„Logan? Das glaub ich ja nicht. Was verschafft mir außerordentliche Ehre?“ Die Frage war bis ins Äußerste verlogen und niederträchtig. Allein der Tonfall war eine Lüge weil sie Freundlichkeit heuchelte und die heute noch anders wirkte als sonst. „So schön dich wieder zusehen.“ Er klopfte ihm auf den breiten Rücken und obwohl er nicht gerade für seine Stärke bekannt war, kam es Logan vor als müsste er von nun an ein Gewicht mit sich herum tragen. „Oh, er wird sich sicher freuen dich zu sehen.“ Noch immer hatte Logan nichts erwidert und das würde er auch nicht, sah man von seinem Geknurre ab. „Wird eine richtige Familienzusammenführung, ja?“ Ein funkelnder Blick traf auf grüne Augen, stumm fochten die Männer einen Kampf der an der Oberfläche brodelte und doch niemals mehr ausgefochten wurde.
So lautete die Abmachung.
„Er ist gerade beschäftigt, aber wenn du willst schicke ich dir deine und eine ähnliche Beschäftigung gleich mit nach oben.“ Nicht zum ersten Mal fragte sich Logan wie er es schaffte bis in sein innerstes zu graben. Sein Blick fiel auf die rassige rothaarige, die ihm wahrhaftig das Wasser im Mund zusammen laufen ließ. Abermals brummte Logan etwas Unverständliches in seine Richtung, er hob die Hände und beteuerte mit Ausgelassenheit die er nicht an ihm kannte. „Nur Spaß. Nimm die Treppe bis ins Obergeschoss.“
Angelullt von den hämmernden Beats der Musik die in seinem Bauchfell Wellen schlugen hatte er für ihn nur ein Stirn runzeln übrig, ehe er kehrt machte und die Treppe ins Obergeschoss nahm. Unwillkürlich fuhr seine Hand zu seinem Rippenbogen. Es war längst vorbei, aber er hatte nicht vergessen wie es sich angefühlt hatte.
Doch heute sollte ein freudiger Tag sein und das war es auch. Unter tausenden –die sie im Moment in dem In-Club ja auch waren- konnte er seinen Geruch ausmachen und erst jetzt wusste er diese Geruchsfarbe die er vorher nie erkannt hatte, einzuordnen. Es war sein eigener Geruch Sein Fleisch und sein Blut. Logan lächelte.
Der Kreis schloss sich als er vor der Tür zum Stehen kam und lauschte. Im Zimmer selbst konnte er ruhiges, aber geschäftiges Stimmengemurmel einer Person ausmachen. Befehle dessen Wortlaut er nicht folgen konnte, doch in der Tonart die es gewohnt war, dass man ihnen ohne wenn und aber gehorchte. Das warme Gefühl in der Magengegend war vermutlich Vaterstolz.
“Ja?” Und fürwahr, Michels Stimme konnte dieser eindeutige Befehlston anhängen. Vermutlich lagen in seiner Stimme weitaus mehr Emotionen, als man es ihm sonst in seinem Privatleben zutrauen würde.
Es dauerte einen Moment, ehe Michel die kompakte Silhouette im Türrahmen nicht nur erblickt, sondern auch erkannt hatte.
Und für einen Moment brach die undurchdringliche Maske auf seinem Gesicht einfach entzwei. Die weit geöffneten Augen und kleine hektische Flecken auf den Wangen: er sah aus wie ein kleiner Junge, der seinem Papi im nächsten Moment quietschend um den Hals fallen und nach Mitbringseln fragen würde.
Humbuk! Sie waren doch alle Erwachsen – erwachsen genug, um Geschäfte zu führen, für die sein neuer Vater plötzlich reichlich Interesse entwickelt zu haben schien. Vielleicht ein bisschen zu viel Interesse?
“Hi Logan” Nice to meet you – oder was sagte man jetzt so neuerdings?
Das leise Knarren des Holzfussbodens schien in der entstandenen Stille überlaut, als Michel sich nach einer schieren Ewigkeit des Musterns wieder zu seinem vorigen Gesprächspartner umwandte. “Alles andere hat Zeit.”
Dass sein Gegenüber alles andere als dieser Meinung war, liess sich in seiner Mimik selbst von einem Blinden ablesen. Vielleicht war es auch die Wut über diesen abrupten Abbruch – weil Mister Grünschnabel sich mit Mr. Reingeplatzt lieber unterhalten wollte, als wichtige Dinge zu besprechen?
Grünschnabel, eben dieses Wort war für Logans feiner Gehör noch über den dumpfen Bässen, die einem in diesem Apartment kribbelnd bis in den Bauch stiegen, vernehmbar, als Mr.Smith - Mr. Allerweltsname, wie Michel ihn nachträglich noch vorstellte, als dieser bereits verschwunden war - aus der Tür war. Er hatte sich noch nie von einem halben Kind derart vorführen lassen. Wer war dieser Logan?
“Setz dich doch”, aber irgendwie schien Michel nicht so unverkrampft wie sonst. Warum? Weil Logan jetzt Bescheid wusste? Kam er sich ertappt vor – in einem Geschäftstermin erwischt, von seinem ‘Dad’, wo dieser doch gerade schriftlich ein gewisses Interesse… An dieser Gedanken hatte er sich heute schon einmal aufgehängt, oder? Für ein sauberes Vater-Sohn-Gespräch über Berufswünsche bist du nun aber wirklich ein paar Jahre zu spät, Logan. Vor ein paar Jahren vielleicht… Aber mit seinem bis dato Vater hatte Michel ein solches Gespräch ja auch nie wirklich führen müssen – und können. Reden war eh eine Seltenheit zwischen ihnen gewesen und wozu hätte man über ohnehin unabänderbare Dinge diskutieren sollen? Das Ziel der Familie war seit Generationen das Gleiche und auch in Michels Generation hatte sich auf dem Weg dorthin nicht das Gerinste verändert.
Gut, abgesehen davon, dass seine ‘Familie’ nicht so wirklich seine Familie war – zumindest väterlicherseits.
Und nun sass er nach so langer Zeit des Suchens, des Beobachtens und Vergleichens endlich ihm gegenüber… und konnte sein steinernes Schweigen nicht ablegen. Das erste Mal, dass ein Schweigen ihn unangenehm zu sticheln began und ein eiskaltes Gefühl in seinem Magen verursachte – vergleichbar mit jenem Gefühl, dass er hatte, als er das erste Mal… Nein, es war kälter. Dafür aber bei weitem nicht so bitter. Und dieses Gefühl hatte noch etwas hinterlistigeres. Nicht nur, dass ihm dort ein Eisblock im Magen lag, sondern ihm schoss das Blut wie Lava durch die Adern. Wut. Auf sich selbst.
Hallo? Er sass Logan gegenüber, genau vor ihm. Es gab soviel zu erzählen und zu erklären – und er schwieg. Schwieg, wie sein ‘Vater’ ihn angeschweigen hatte, diese verhasste Ignoranz, seine ganze Kindheit lang.
Noch bevor die Stille allen Ernstes unangenehm werden würde – gut, sie war bereits unangenehm, aber eben noch nicht… richtig unangenehm – räusperte Michel sich. Das kurze Schmunzeln auf den Lippen war einfach nicht zu unterbinden, als Logan es ihm im selben Augenblick gleich tat.
Waren Verhaltensmuster doch vererbbar? Betrachtete man ihn und Logan genauer… Ja!
Na ja, Kassander hatte eben nur den dreckigen Rest an Erbmaterial bekommen, sonst wäre der ja nicht ein dermassen missratenes… Weichei! Ja, Weichei klang in Michels Gedanken einfach nur gut.
Zufrieden mit dem Gedanken, nickte er langsam und schob Logan eine Holzschachtel über den niedrigen Glastisch zu. Eines musste man Norman – bei all seinen seltsamen Wahnanfällen – lassen: Sein Apartement über dem ‘Veil’ hatte einfach Stil.
“Kubanische”, erklärte die Stimme, die für einen Augenblick in seinen eigenen Ohren so fuchtbar fremd klang, leise. “Den Gestank deiner Marke kann ja niemand ertragen.” Wobei Michel sich ernsthaft fragte, ob man bei Logan von einer Marke sprechen konnte oder eher einen “alles-was-mir-in-die-Pranken-fällt-wird-weggeraucht”-Nutzniesser vor sich hatte. In Logan mochte es vielleicht eher die Gegenfrage aufwerfen, womit er zwei solch verwöhnte Gören als Söhen verdient hatte. Ach ja, er war ein böser Junge gewesen, nicht wahr?
Und siehe da, als hätte Michels sich eben jenen Gedanken von Logan vorgestellt, grinste er schon wieder - und diese Mal war es ein nicht mehr übersehbares Grinsen. Wenn der Herr nur mal der Frauenwelt gegenüber so viel Charm zeigen würde, könnte er sogar Erfolg haben.
So viel ’Erfolg’ wie sein Vater??
Hatte es wer schon mal bemerkt? Logan war nicht wirklich gut in diesen Dingen, dabei konnte diesen Dingen so ziemlich alles bedeuten.
Um eins klar und das in aller Form zu sagen und richtig zu stellen: Logan lächelte nicht als er Michel entdeckte, weil nämlich Logan überhaupt gar nicht Lächeln konnte, dazu fehlte ihm einfach die entsprechenden Muskelpartien, was auch immer sein Gesichtsausdruck war: Er lächelte absolut nicht.
Und Michel wusste es natürlich auch: Logan zögerte niemals, niemals nicht. Er war Logan und Logan wusste jetzt nicht so genau ob er Michel in den Arm ziehen sollte und konnte oder ihn vielleicht lieber die Hand reichte. Er machte Beides, im Ansatz nur um im nächsten Moment einfach Loganhaft die Arme vor seiner Brust zu verschränken und Mister Geschäftspartner anzufunkeln.
Was’n das für Blödmann?
Also wenn Logan eins drauf hatte, dann war es ja wohl einschüchternd zu wirken, dafür müsste er nur weiter so gucken und die Augenbrauen zusammen ziehen, was ein Glück das seine Kleidung beim bloßen Atmen ohnehin immer den Anschein hatte als würde sie aufplatzen. Was musste Logan da hören? Grünschnabel? Damit meinte der kleine Pisser doch bestimmt NICHT seinen Sohn, oder? Es wäre sehr ratsam, sonst würden sie gleich mal ein Spiel spielen. Die Regeln waren auch ganz einfach: Wie viele Zähne konnte Logan mit nur einem Schlag in das Fresschen des Heinis rausschlagen. Tolles Spiel und sehr beliebt bei Logan.
Ach ja, er könnte ja mal was sagen, war ihm ganz entgangen er hatte ja damit zutun Mister Smith anzufunkeln, also brachte er es auf ein gigantisches: „Ich war gerade in der Nähe.“ Weil Schottland ja auch einmal um die Ecke und dann links war. „Ich wollte mal nach dir sehen.“ Gefühlsausbruch alá Logan.
Er folgte seinem Sohn also und ließ sich auch beinahe gehorsam auf den angebotenen Platz nieder. Sollte er jetzt so was sagen wie Nett hier? Er brachte es nicht über sich, er konnte es nur noch mal wiederholen, dass alles war für ihn genauso neu wie für Michel. Es war dennoch seltsam, nicht das Logan und Michel für ihre tiefgehenden Gespräche bekannt waren, aber als Logan noch nicht gewusst hatte, dass Michel sein leiblicher Sohn war, hatten sie sich mehr zu sagen. Im Moment kippte es anscheinend so ein wenig, denn dafür unterhielt er sich jetzt mehr mit Kassander.
„Sariel ist auch hier.“ Smalltalk, wie sinnbildlich.
Oh, oh und um eins mal noch klar zu stellen. Er hatte das Alter von Michel einfach verpasst indem er ihm Dinge vorschreiben konnte, gut wenn es hart auf hart kam würde das Logan dennoch machen, aber es hatte bestimmt seinen Grund das Logan Michel nie über seine Geschäfte ausfragte. Er sollte einfach machen was er für richtig hielt, Michel hatte bis jetzt gezeigt, dass er immer gut damit gefahren war.
„Ich hole nachher Ororo ab.“ Sie sahen sich beinahe zwei Monate nicht und Logan brachte nicht mehr als drei Sätze zu Stande, aber hey…er bemühte sich, ehrlich. Andernfalls wäre er nicht hier.
Logan nahm sich eine gebotene Zigarre und paffte gleich begeistert an ihr. „Kennst du die rothaarige unten im Club?“ Keine Ahnung wie er jetzt darauf kam, aber wenn sie sich scheinbar nichts anderes zu sagen hatten, dann würde Logan es halt mit den Frauen versuchen und eins dürfte ihm sein Sohnemann aber mal glauben, er hatte ziemlich dicke…ok, dass würde zu weit führen. „Komm bald nach Hauset.“ Himmel, herrje.
Konnten sie sich vielleicht doch lieber über Brüste unterhalten?
Komm bald nach Hause?
Himmel, Norman muesste sich jeden Moment uebergeben, wenn Logan weiter diese Nummer abzog.
Das war ja im hoechsten Masse widerlich zu nennen!
“Na, alte Schnapsdrossel?” Troy, Norman Troy mein Name - und nein, so sehr du mich auch mit deinem Blick gerade zu ermorden versuchst, Logilein, du wirst es nicht auf meinen Grabstein meisseln duerfen.
Hey, was hatte der alte Sack bitte erwartet? Halloooo? Das hier war SEIN Apartement, also quatschte er eben was er wolte und lief rum, wie er wollte.
Gut, wollen traf jetzt den Nagel nicht so ganz auf den Kopf, aber er hatte gestern einfach keinen Bock mehr gehabt sich noch umzuziehen. Folglich war das ehemals graublau Shirt mit seltsam rot-braunen Sprenkeln versehen, die sich auch ueber seine Jeans zogen. Ja, und von der Wange hatte er das Blut immerhin versucht fortzuwischen – oder das Kopfkissen hatte das fuer ihn uebernommen.
Man wusste es nicht so genau..
Man wollte es vermutlich auch nicht wissen...
“Wie war der Flug?” Ach, er hatte gerade das Papi-Sohn-Gespraech unterbrochen? Jaaaaa, er war schon ein Ekelpaket sondergleichen – aber der Dreikaesehoch redet eh nicht gerne, Vaeterchen Adamantium.
Die Nase ruempfend zog Norman das Shirt ueber den Kopf und pfefferte es lieblos in eine Ecke – es war definitive nicht sein Blut, so viel stand nun schon mal fest. Und waehrend Michel sich zuruecklehnen und lediglich einen kurzen, bedauernden Blick zu Logan schiessen konnte, hatte Norman sich auch schon neben diesen auf die Sessellehne gepflanzt.
“Ich freu mich schon, dass Ororo mich mal wieder in meinem kleinen Reich besuchen kommt. Man, das waren Zeiten…”
Und dieses diabolische Grinsen kannte und liebte man doch einfach an Norman, als er zu Logan herabblickte und fuer Sekunden dessen Blick im Bann zu halten schien.
Logan hatte keine Ahnung, nicht wahr?
Nach all der Zeit, hatte er noch immer kein Stueck begriffen. Er blieb eben einfach ein Tier, das nicht nachdachte und seinen Instinkten folgte. “Sariel wird sie sicher nicht vergessen”, intonierte er schliesslich und erhob sich, um nach seiner Zigarettenschachtel zu angeln.
Ein O’Reilly kommt selten allein und so war es wohl auch kaum weiter verwunderlich, dass die Tuer zum Badezimmer aufschwang und Raguel sich seinen Weg ins Wohnzimmer bahnte.
Wo Norman heute morgen schon das bluehende Leben mit der boshaften Zunge war, schien Raguel noch ziemlich mitgenommen von ihrem naechtlichen Ausflug. Er sah weder so aus, als haette er sonderlich viel geschlafen, noch wirkte es, als wenn die Dusche den Erfolg gehabt haette Leben in seine mueden Knochen zu bringen.
“Hi”, brummelte er, beinahe so uebellaunig wie Logan im Allgemeinen, vor sich her und hielt kurz inne, um seine Kleidung zu richten. Wobei ein um die Huefte geschlungenes Handtuch nicht gerade von Kleidung reden liess - und er zog es auch nicht etwa fester um seinen Leib, sondern schob stattdessen seinen Daumen unter den Stoff, um den Druck zu vermindern.
Kein Wunder, was dort so blau-lila auf seinem Bauch schimmerte, sah nach einem Bluterguss uebelster Sorte aus, der unter dem Handtuch in ein noch ungesunder aussehndes Schwarz auslief.
Ueberhaupt warf Raguel die Frage auf, was zum Teufel die beiden Bruder gestern Nacht so getrieben hatten.
Ging man mal vom Aussehen beider aus, lag die Vermutung nahe, dass Norman seinen juengeren Bruder Raguel ziemlich verdroschen hatte.
Die Beweise sprachen fuer sich: Blut auf Normans Kleidung und er selbst vollkommen unversehrt – Raguel sah eher aus, als haette man ihn durch den Fleischwolf gedreht, mit all den Kratzern und Bluterguessen auf seinem Koerper.
Wenn Norman allerdings nicht gleich aufhoeren wuerde Raguel bloede anzugrinsen, wuerde er sich wohl einen Nasenbeinbruch einfangen; zumindest stapfte Raguel ziemlich energisch auf ihn zu. “Ist Sariel schon da?” Und nun erst glaenzten seine Augen voller Leben. Klar, es war eine rein rhethorische Frage, aber die Hoffnung blieb bestehen, dass es auf der anderen Seite der Stadt jemand Bestimmtes mitbekam. Bei Norman angekommen, entwendete Raguel ihm schliesslich die Zigarette. Rauchen war sonst eher eine schlechte Angewohnheit, der die beiden verkorksten O’Reilly-Sprosse nachgingen – nicht so Unschudsengelchen und Mister O'Propper Raguel -, aber nach dieser Nacht durfte er sich es einfach mal erlauben, hatte er befunden.
Nach dieser Nacht und jeder grausigen Nacht zuvor.
Das Warten war bald vorbei…
(Denkt euch einfach eure ues, aes und oes bitte an geeigneter Stelle. Irische PCs sind einfach unzuverlaessig und ich zu faul… )
„Drei Haare am Sack und eins davon kann pissen, was?“ Ja, Norman und Logan hatten sich doch schon immer blendend verstanden und das dieser auch prompt hier auftauchte passte Logan ja mal so gar nicht.
Er war warf Michel einen Blick zu und da Norman sich wenig empfänglich für Logans böse Blicke zeigte, funkelte er halt stellvertretend Michel an. Sein Sohn wusste schon, dass Norman ein schlechter Umgang für ihn war, ja?
Und wenn Norman vom begreifen redete, dann blieb die Frage was genau er denn begreifen musste?
Er hatte Norman noch nie leiden können und in der Vergangenheit waren die Männer auch oft genug aneinander gerasselt. Logan war auch vollkommen dagegen gewesen Norman mit ins Institut zu nehmen, aber weil es die O’Reillys (und Sariel war schon beinahe oberste Schmerzgrenze in seinem Verhalten) nur im Dreierpack gab, hatte Logan keine Wahl gehabt und es hatte da ein ganz überzeugendes Argument gegeben und dieses Argument war selbst jetzt noch so stark, dass Logan (Wirklich Logan und kein Klon, keine Kopie, der wahre und wirkliche Logan) den Mund hielt und Norman nicht gegen die nächste Wand donnerte wie er es gern tun würde.
Wenn es um brachiale Gewalt ging, dann dürfte Norman doch wissen, dass er in Bezug auf Logan nicht die geringste Chance hatte, aber Logan –der ja sonst nun mal nicht für das analysieren von einzelnen Situationen bekannt war- wusste ganz genau, dass er keine Chance hatte, wenn es um die bloße Hinterhältigkeit ging.
Wie schön das die Gedanken immer noch frei waren und Logan dachte bei sich, dass er es durchaus verstehen konnte warum Norman nicht gemeinsam mit seinen Geschwistern aufgewachsen war, welcher Mensch bei Verstand wollte Verwandtschaftsgrade mit Norman zugeben?
Oh Logan war es (beinahe) pissegal was Norman dort für Blut an seiner Kleidung trug, sah man mal davon ab, dass Logan es sich ohnehin vorstellen konnte, nur schade das Norman nicht die Tracht Prügel abbekommen hatte, die er verdiente.
Wenn es einen Lieblings O’Reilly gab, dann hatte Raguel ganz große Karten, konnte er ja nichts dafür, dass er in eine Familie voll mit Pissern geboren worden war. Vielleicht war es verminderte Reaktion, dass Logan Raguel so offensichtlich anstierte und sein Blick dann wieder zu Norman wanderte. Hey, Familienstreitigkeiten gingen ihn ja nichts an, aber dass war ja wirklich die Höhe.
Logan sprang auf um es mal wieder vorzuführen, dass er erst handelte und dann dachte. Er packte den lieben Norman am Kragen und zog ihn auf die Füße. Er konnte doch seinen Bruder nicht so zusammen schlagen. Obwohl…
Der Blick in Normans grüne Augen war so seltsam wie eh und je und was gerade noch Logans wütender Blick gewesen war, wich langsam der Erkenntnis. Ob es nun die richtige Erkenntnis war, oder mehr Spekulation, dass würde sich heute garantiert nicht mehr aufklären. Nur einen Sekundenbruchteil später ließ Logan schon wieder von ihm, mit einem Zischlaut zwischen den Zähnen ausgestoßen als hätte er sich verbrannt.
„Ich hole Ororo.“ Die Information ging eigentlich nur an Michel. Warum genau war er noch mal hier her kommen? Ach ja, er hatte seinen Sohn sehen wollen. Ging aber schlecht wenn sein Anhängsel Norman überall dabei war.
Das wirklich schöne an Illusionisten war, dass sie Illusionen erschaffen konnten.
Während Sariel also noch die hübsche Ororo knutschte und ihr von der Überraschung erzählte, die in Bezug auf Logan wohl eher eine Enttäuschung als wirkliche Überraschung war, öffnete Sariel die Tür zum Apartment keine fünf Minuten später als Logan durch diese verschwunden war.
Oh, es war immer schön wenn man Spekulationen zu hören bekam, wie konnte Sariel denn an zwei Orten gleichzeitig sein? Wenn man es ganz genau nahm, dann konnte er an mehreren Orten gleichzeitig sein, denn er war stets und immer überall da wo Raguel auch war. Das Sariel seine Kraft oder seine Mutation oder wie man es auch immer nennen wollte gut beherrschte indem er jetzt schon zu Raguel, Norman und Michel trat musste man ja wohl nicht extra erwähnen oder?
Er hatte es einfach verdammt drauf.
„Singt mir doch mal ein Trull-lala.“ Forderte er Raguel und Norman breit grinsend auf, wie er dort so im Türrahmen stand, die Hände über seinen Kopf erhoben um sich am Türsturz festzuhalten, die obligatorische Zigarette im Mundwinkel. Vielleicht hatte er ein wenig abgenommen in der Zeit die vergangen war, seitdem seine Brüder ihn das letzte Mal gesehen hatten, seine Wangen waren ganz eingefallen und auch die Augenringe unter seinen zweifarbigen Augen zeugten davon, dass er des nachts nicht wirklich viel schlief. Aber wem sollte er das erzählen? Raguel? Dem ging es doch beinahe genauso oder nicht? Sonst war er ganz der alte. Der Parker, der Rollkragenpulli, seine Jeans.
Michel sollte es ihm nachsehen, dass er für ihn nicht sonderlich viel Aufmerksamkeit hatte, eher lag sein Blick auf seinem zerschundenen Bruder. „Wie oft soll ich dir denn noch sagen, dass du nicht mit der Bulldogge spielen sollst, hm?“ Sariel konnte es weder beeinflussen noch war es ihm bewusst, dass die Farbe seines grünen Auges langsam in ein hell-babyblau umschwappte. Sariel sah nicht nur besorgt aus, er sah auch amüsiert aus. Mit dem Recht des immer jüngeren Bruders zog er Raguel in die Arme, es war auch kein Zufall das Sariel das Gesicht verzog als spürte er bei der ruckigen Bewegung Raguels Schmerzen. Nur einen Moment und Sariel würde Norman nicht minder sehnsüchtig in den Arm fallen, aber Norman verstand es ja. Raguel ging vor. Immer und überall. Vielleicht hatte er ja auch deshalb keine Frau, weil sie nur zwischen den Brüdern stehen würde.
Worte waren keine nötig, als Sariel seinem Bruder im Arm lag, oder er ihm, oder wie auch immer. Sariel wusste…nein, eher spürte er nur eins: Nun war er wieder vollständig und sein Herz klopfte endlich wieder im Rhythmus.
War es verwunderlich, dass Norman in seinem eigenem Apartement rumwuselte? Wohl kaum. Ja, und Michel konnte diesen Oberpapi-Blick schon ganz recht deuten. Was er so viel mit Norman herum hing? Wenn man von Zeit zu Zeit genauer hinsah, erkannte man ziemlich viel unter Normans Masken, die er so zur Schau stellte. Schon mal versucht, Dad?
Natuerlich wuerde Michel sich hueten dies – oder derartiges – Logan gegenueber auszusprechen. Was blieb war ein Grinsen, als er sich erhob und Logan nachstieg. “Ich fahr dich”, schliesslich war Logan schon ein paar Stunden auf den Beinen gewesen.
Das war auch das letzte Wort, was man ihm entnehmen konnte, ehe die Tuer auch hinter Michel zuschnappte – und dann wieder auf.
Ehrlich, hier ging es zu, wie auf einem Bahnhof und wenn Norman nicht gleich den Geduldsfaden verlieren wuerde. Er hatte noch so einen schoenen Konterspruch fuer Logan auf Lager gehabt und der #?*&£ ging! Einfach so! Und Raguel und Sariel sollten einfach auch mal aufhoeren sich anzuschwulen, das war ja noch wiederlicher, als… das die beiden IHN ausschlossen!
“Ey!” Grosser Bruder hier! Ihr habt mit der Party nicht auf mich gewartet. Meint ihr, dass verzeih ich euch nochmal? Die Lippen abfaellig geschuerzt musterte er seine Brueder aus dem Augenwinkel. Pah! Er wollte ja auch gar nicht mehr, um ganz ehrlich zu sein. Er wuerde sich einfach mit Logans Zigarrenschachtel begnuegen und Ronan einen Besuch… “Du haettest mal die Bulldogge sehen sollen, nachdem Raguel mit ihm fertig war!” So unterschiedlich sie waren, tickten sie alle doch nach einem vergleichbarem Prinzip – dem O’Reilly Prinzip eben. Norman hatte fuer einen Moment eine scheinheilige Miene aufgesetzt, die beinahe an Raguel erinnern konnte und Raguel hingegen grinste verschmitzt auf, als waere er einfach zu lange mit Norman zusammen gewesen. Mit einem kurzen Aufflackern seines gruenen Auges, drueckte er Sariel einen Kuss auf die Wange und verlagerte das Gewicht, um auch Norman in den ‘Kreis’ der Brueder einzuschliessen. Fehlte nur noch, dass sie die Degen zusammen in die Luft hielten und “all for love” vor sich hintraellerten. Das waere dann allen ernstes zufiel des zuckeruessen Guten.
Lieber Michel,
sehr habe ich mich über deine Zeilen gefreut. Ich hoffe dir geht es gut. Liadan und Heavenly entwickeln sich prima. Ich vermisse dich so sehr, dass ich manchmal glaube den Verstand zu verlieren. In dieser Zeit überlege ich wirklich oft, was für ein verkorkster Teenager ich wohl sein muss, wenn ich ohne dich in meiner Nähe nicht mal richtig atmen kann.
Schulisch läuft alles ganz wunderbar, natürlich nimmt das Tanzen eine Menge Zeit ein, aber ich arbeite auf das nächste Arrangement hin. Es ist verrückt so was zu glauben, weil ich mit Rohey nicht blutsverwandt bin, aber weißt du warum ich dich selbst in meinen jungen Jahren schon so sehr liebe? Dir regelrecht verfallen bin? Weil meine Liebe zu dir kein Segen sondern ein Fluch ist, ohne dich kann ich niemals wieder frei sein
Logan erzählt zwar nicht viel, aber wir können es ihm alle ansehen, dass er mit dir in New York sehr viel Freude gehabt hat. Warum bist du nicht mitgekommen? Warum hast du nicht nach mir gefragt? Ist es weil ich dich mit meiner Liebe erdrücke, oder ist es einfach das wir doch zu verschieden sind, du der niemals gelernt hast ein Gefühl zuzulassen und es auf immer verweigern willst und ich, die ich mir vorgenommen haben dich glücklich zu machen und dich dabei so sehr erdrückt habe, dass dir nichts als die Flucht nach vorn blieb?
„Hey Süße, geiler Arsch.“ Die lallende Stimme ließ bei ihr den Ekel ausbrechen und das wo sie gerade noch geglaubt hatte im Himmel gelandet zu sein. Man konnte Norman ja viel nachsagen, aber dann müsste man einfach auch erwähnen, dass er wusste wie man ein Geschäft führte. Das Veil war und blieb einfach ein Ereignis und sie war bei der tanzenden Meute durch die sie sich drückte gewillt zu vergessen warum sie eigentlich hier war. Hörte sie die Musik wollte sie tanzen. „Och Kleine, müsstest du nicht schon im Bett sein?“ Da war schon wieder diese Stimme von einem betrunkenen Gast. Sie ignorierte sie. Das wurde allerdings schwer als ihr der Mann, denn sie nur im Augenwinkel gesehen hatte auf den Hintern klappst.
Noch im gleichen Atemzug drehte sie sich um und funkelte ihn aufgebracht an. Sie wollte ihm sagen, dass sie Charleen Szramko war. Die Schwester von Rohey McNamara und gute Freundin von Norman Troy, doch sie sagte nichts, sie schwieg, knüllte den Zettel den sie in den Händen trug zusammen um ihre Faust zu ballen und sie dem Mann auf die Nase zu schlagen.
New York war ein heißes Pflaster und an Einfluss hatte es rein gar nichts verloren.
Das konnte man doch mal eine vortreffliche Antwort nennen!
Es klatschte nicht nur, als Charlys kleines Faeustchen aufschlug, sondern auch anschliessend – und zwar Beifall. Das sie das ueber den Krach – der sich Musik nennen durfte – hinweg hoeren konnte, war auch nur der Tatsache zu verdanken, dass Norman die Haende schon beinahe IN ihrem Ohr hatte.
Anders als noch beim Treffen mit Logan, hatte er es heutzutage mal geschafft sich aus seiner SonntagsmittagsvorderTuerstehHose zu pellen und in einen erstaunlich guten Anzug zu schmeissen. Gut, an diesem Ort sollte er vielleicht auch mal was hermachen, schliesslich war er hier bekannt wie ein bunter Hund. Wuerde man es genau betrachten, sah Norman im Anzug nicht einmal so schlecht aus, auch wenn ihm noch immer etwas verwegenes anhaftete, das boesartige Funkeln in seinen Augen und das spoettische Laecheln in den Mundwinkeln schien einfach verflogen. Den braunen Umschlag, den er sich unter den Arm geklemmt hatte wieder sich in der linken Hand verwahrend, reichte er Charly die andere Hand und zog sie zu sich, um ihr einen Begruessungskuss aufzudruecken.
“Schoen dich mal wieder hier zu sehen.” Wann war noch das letzte Mal gewesen, hier im Club? Ja, dieser Vorfall mit Rohey und Liam. Wie die Zeit doch verging. Nun waren die Kinder schon ein paar Tage aelter.
Die gruenen Augen funkelten selbst in diesem Halbdunkel kurz auf und es war beinahe so, als wuerden sich verschiedener Gruentoene in diesen Augen jagen und Wirbel bilden. Die blutende Nase, die bisher von Norman gekonnt ignoriert worden war, so laut ihr Besitzer auch gebruellt hatte, wurde lediglich eines eisigen Seitenblickes gewuerdigt.
“Ich fuerchte du musst ein paar Minuten mit mir Vorlieb nehmen. Michel ist gerade… nun ja, sagen wir ‘verhindert’.” Und es war immer wieder erstaunlich, wie Norman selbst ueber diese lautstarke Musik hinweg, die Stimme kaum zu heben brauchte und sie trotzdem klar und verstaendlich war. Klar, verstaendlich und nun doch wieder mit einem Hauch von eisigem Spott belegt.
Noch ehe Charleen ihn mit laestigen Fragen belagern konnte, nahm er sie bei der Hand und schlaengelte sich durch den Menschenauflauf.
Erst vor Ende der Treppe, hielt er einen Moment inne, um ueber Charleens Kopf hinweg einen bitterboesen Blick in die Menge zu schiessen. Ehrlich, die Frau hatte einen Stock im Arsch, daraus konnte man einen Wandschrank schnitzen. Und der Hintern ihres Bruders… also, wenn der mal nicht ober-schwul war!Ceara und Carrick, die modernen Haensel und Gretel. Und wo die beiden waren, war vermutlich David – aka Rumpelstielzchen - auch nicht weit. Tolle Party!
Ein kurzes Grollen entwich ihm und seine aufkommend schlechte Laune, wurde auch prompt am naechstbesten Personal ausgelassen, das die Treppe runterwackelte. “Ted! Ronan.” Und damit drueckte er dem ueberrumpelten Kerl auch schon den Umschlag in die Hand. Um genau zu sein, war das wohl seine Art ‘Hallo Ted, schoen dich zu sehen! Kannst du mir einen Gefallen tun und das bitte zu Ronan bringen’ zu sagen. “Was stehst du noch rum?” Gut, das liess sich vermutlich bei aller Guete nicht mehr ins nette Uebersetzen.
Den Rest des Treppenaufstieges schwieg er beharrlich und vermutlich war es auch besser, da seine Laune nicht nur rapide Abgefallen war, sondern sich bis dato auch noch nicht wieder verbessert hatte.
“Willkommen in meinem Reich. Mach’s dir bequem.” Sein Reich - wollte sie da wirklich sein?
Kaum das Charleen zugeschlagen hatte tat es ihr ja auch schon wieder Leid. Sie wusste auch nicht so genau woran es gelegen hatte, dass sie einfach so reizbar war und dann schoss dem Mann das Blut auch noch aus der Nase und sie konnte gar nicht begreifen, dass sie das gewesen sein sollte. „Es…es…tut mir leid.“ Das tat es wirklich und schockiert über sich selbst und aus lauter Mitgefühl trübten sich ihre Augen als wollte sie gleich losweinen, aber dann stand auch schon Norman bei ihr.
Wenn sie jemand nach ihrer Meinung fragen würde, dann hätte Charleen Norman als die pure Gefahr bezeichnet. Er war gutaussehend (natürlich nicht so wie Michel) und hatte dieses Etwas was sich wohl keiner lebenden Frau entziehen konnte und dass es genau das war das ausgerechnet Charleen auffiel sprach ja wohl für sich. Sicher, sie war jung aber deswegen für Männer nicht unempfindlich. Was hatte sie gerade noch ….ach ja, der Mann dem sie doch tatsächlich die Nase gebrochen hatte, aber da hatte Norman sie auch schon an sich gezogen und sie geküsst, dass Charleen das Blut heiß in die Wangen schoss. „Hallo Norman..“ Sie stammelte immer noch, oder? Im Gegenzug müsste er es einfach ertragen, dass sie ihm die Arme um den Hals schlang und ihn drückte. „Schön dich zu sehen.“ Der Mann war von jetzt auf gleich wirklich einfach vergessen und Charleen strahlte als wollte sie die Sonne in seinen Club bringen. Sie meinte es vollkommen ernst, es war schön ihn zu sehen.
„Verhindert?“ Das hieß jetzt nicht das Michel bei einer anderen Frau war, oder? Keine Ahnung was sie sich gedacht hatte, aber gehofft hatte sie zumindest, dass Michel auf sie warten würde und sie sich ihm laut schluchzend in die Arme werfen könnte und dann alles wieder so war, wie es mal gewesen war.
Ja, damals hatte es wirklich diesen Zwischenfall gegeben und in Charleens Erinnerungen fragte sie sich wie sie jemals an Norman hätte zweifeln können. Natürlich er war ebenso wenig der bloße Geschäftsmann wie seine Brüder bloße Lehrer waren und dass Norman stets seinen Willen durchsetzen konnte wusste sie ja wohl auch, aber deswegen war er doch noch kein schlechter Kerl? Zu ihr war er niemals schlecht gewesen, oder zumindest nicht so, dass sie es gemerkt hatte.
„Oh…hübsch hast du es ihr.“ Und wie immer achtete Charleen eben auf solche Details und setzte sich auf das Sofa kaum dass sie im Wohnraum angekommen waren. Sie schlang ein Bein über das andere und nahm dann erst ihren Rucksack ab den sie auf ihren Oberschenkeln bettete. „Weißt du wenn Michel keine Zeit hat…“ Dann fahr ich eben wieder! Natürlich ich mache mich auf dem Weg nach New York um jetzt auch noch dämlich auf Michel zu warten. Er ist nicht da? Wunderbar, dann kann er mich mal ausnahmsweise gepflegt gern haben. „…könntest du ihm dann den Brief geben? Ich werde morgen schon wieder aufbrechen.“ Nur einmal möchte ich Michel nur so entgegen treten können wie Rohey. Mit Rohey würde er solche Sachen nicht versuchen. „Wie geht es Ceddy?“
Ceddy? Wer war nochmal...? Oder tat Norman jetzt nur so, als muesse er ueber Charleens Frage einen Moment nachdenken?
Und dann, nach einem gut 30 sekuendigem Schweigen, verdunkelte sich seine Miene zusehends, waehrend das Gruen seiner Augen einen stechenden Ton annahm.
"Da fragst du besser", aber vermutlich zum ersten Mal, seitdem Charly ihn kannte, brach er einen Satz ab und liess den Rest ungesagt seinen Gedanken entweichen, als sei es Gift. Wenn Blicke mehr aussagen konnten als tausend Worte, dann hatte er wohl nichts Gutes im Sinne gehabt.
"Setz dich. Wir machen es uns einfach gemuetlich." Und die schneeweiss aufblitzenden Zaehne schrien ebenso nach einer Luege, wie die Art, mit der er ihr den Ruecken zudrehte. "Was zu trinken? Ach, da Bad ist uebrigens da", mit einem stummen Deut in Richtung einer weiteren Tuer. "Wenn du dir das Blut abwaschen willst." Und nun wiederum war das Grinsen beinahe zu sehen, allein wenn man seine Stimme hoerte.
Zwei Glaeser auf dem Tisch abstellend - von Normans Erinnerungsvermoegen fuer Kleinigkeiten, sollte sich vielleicht mancher Lover etwas abschneiden, denn selbst nach ueber einem Jahr kannte er noch Charlys Vorliebe fuer Celtic Wave, den er nie mit ihr persoenlich getrunken hatte - liess er sich neben Charly nieder.
"Und? Was macht die Schule? Wie geht es deinen Nichten?" War es normal, dass alle O'Reillys diese Frage stellten? "Wie kommst du mit dem Tanzen voran? Was machen Brooke und Noah?" Nebensaechlichkeiten eben - zumindest das Tanzen und die Schule...
Das Charleen immer das Beste vom Menschen oder Mutant denken wollte, war ja wohl so sicher wie das Amen in der Kirche, aber allein Normans Blick raubte ihr ein wenig ihrer kindlichen Unschuld. Schelm, wer nun an etwas anderes dachte, aber in dem Moment glaubte sie einfach zu erkennen, dass Michel sie hinterging und wenn sie schon gedacht hätte es könnte nicht mehr schmerzen, dann wurde sie nun eines besseren belehrt. „Einen Moment, ja? Ich mache mich nur schnell frisch.“
Und das sie nun wirklich im Bad verschwand und dort um eisige Beherrschung rang war Michels Einfluss. Sie wollte sich nicht die Blöße geben schon wieder zu weinen. Tränen vergießen die ohnehin nichts brachten. Sie ließ eisiges Wasser ins Waschbecken einlaufen und spritzte sich mit der hohlen Hand die Wassertropfen auf die Wangen. Seltsam, das Wasser war gar nicht so kalt, oder kam es ihr nur so vor weil ihr Herz so sehr erstart war?
Nur einen Moment und sie trat zurück ins Zimmer, schlüpfte aus ihren Schuhen und lächelte Norman –betont oder verkrampft, verkrampft betont oder auch betont verkrampft- an. Ihr ging es gut, ehrlich und ohne dass sie Michel gesehen hatte und ihn nach gewissen Dingen fragen konnte war das Misstrauen gesät. Sie würde nicht mehr eine einzige Träne wegen diesem Mistkerl weinen. Er war ihr egal! Vollkommen! Und er hatte etwas geschafft, was nur die wenigsten schafften: Er hatte Charleen rasend vor Wut gemacht.
„Heavenly und Liadan geht es prächtig. Die Beiden sind einfach wunderbar.“ Wer nun glaubte zu Norman vertrauen fassen zu können war ein Ding der Unmöglichkeit, der irrte. Vertrauensvoll setzte sie sich an seine Seite und grub ihre Zehe unter seinen Oberschenkel. „Celtic Wave? Du hast es nicht vergessen.“ Zorn konnte eine mächtige Waffe sein und bei Charleen entfachte er gerade den puren Trotz und dieser Trotz wieder rum bewirkte doch tatsächlich, dass Charleen zumindest für heute Abend ein Teil ihrer Schüchternheit ablegen würde. Bitte, wenn Michel sie nicht wollte, dann wollte sie Michel ebenso nicht mehr. Es gab genug Männer auf dieser Welt und Norman war einer von ihnen und selbst wenn sie Gefahr lief sich lächerlich zu machen würde sie es darauf ankommen lassen nur um etwas getan zu haben, was Michel ebenso verletzten konnte wie sie. Das ihr Vorhaben gedankliche Lücken hatte war ihr in erster Linie vollkommen egal.
Sie nahm ihr Glas und trank gleich einen großen Schluck und selbst wenn sich ihre Blicke mit die von Norman nicht vergleichen ließen so schenkte sie ihm einen mehr oder weniger kecken Blick über den Glasrand hinweg und blinzelte in ihrer ganz eigenen Art mit ihren langen Wimpern. Sehr wohl…sie flirtete mit Norman.
„Mit dem Tanzen steht ebenfalls alles zum Besten. Ich bereite mich auf das nächste Stück vor, dass ist zwar sehr stressig, aber ich habe ja nun einiges an Freizeit….“wenn Michel nicht da ist. Wieder nippte sie von ihrem Glas und gleich bescherte ihr der Alkohol rosige Wangen und einen verschleierten Blick. „Ich habe mit Brooke sehr wenig gesprochen, aber du kannst dir sicher sein sie trauert dir hinterher.“ Das war es doch was er hören wollte, oder? Merkte man ihr nun an wie verletzt sie war wenn sie so nüchtern über ihre Mitschüler sprach? „Noah ist ein Sonderling der seines Gleichen sucht, aber vermutlich vergöttert er dich deswegen so sehr.“
War es möglich dass der Alkohol ihr schon zu Kopf gestiegen war? Ihr kam es beinahe so vor. Sie lächelte und wackelte mit ihren Zehen unter seinem Oberschenkel.
"Natuerlich erinnere ich mich." Ob Norman jemals was vergass? Fraglich - und zugleich doch auch erschreckend.
War das was sie ihm erzaehlte tatsaechlich das, was Norman hatte hoeren wollen? Seiner Mimik zumindest war keine Reaktion zu entnehmen, auch wenn er das Gesicht nicht einen Moment von Charleen abwandte.
Seine Augenbraue heupfte merklich empor, als sie mit ihren Zehen zu wackeln begann. Dennoch machte es den Anschein, als wollte er diesen Annaeherungsversuch einfach schlichtweg weiter ignorieren.
"Und was tanzt du als naechstes?" Und sich vorlehnend, um sein Glas auf dem Tisch abzustellen, fand sich seine freie Hand unter ihrer Kniekehle wieder. "Ich hab da was von einer Nussknacker-Auffuehrung gehoert." Nicht, dass Norman von dieser Art Kunst - oder einer anderen? - Ahnung hatte, aber man konnte ja zumindest versuchen freundlich zu sein. Oder musste er sich nur gerade Gespraechsstoff suchen, um nicht lauthals loszulachen?
Mit einer weniger eleganten, als effektiven Bewegung, winkelte er Charleens Beine an und bettete ihre Fuesse auf seinen Oberschenkeln. "Ich bin mir allerdings sicher, dass du dann nicht mehr einfach solche Spontanausfluege machen kannst, wenn du erstmal fest fuer eine Auffuehrung eingeplant bist." Erschreckend war nicht, dass er hier gerade den Lehrmeister spielte, wie er im Buche stand, sondern dass er schon wieder einmal mehr wusste, als er doch eigentlich wissen konnte. Er hatte das Institut verwanzt? Er war so gut wie Professor Xavier im Gedankenlesen? Er war einfach unheimlich talentiert - oder doch mehr nur unheimlich?
Er liess einige Sekunden verstreichen, in den er schlichtweg ihren Blick in seinem gefangen hielt. Erst seine Hand, die sich waermend auf ihre Fuesse legte, schien den Bann zu brechen. "Also?" Es war Zeit Stellung zu nehmen, vor Herrn Oberlehrer - waehrend er sich daran machte ihre Fusssohlen schweigend zu massieren.
„Du bist ein Schatz.“ Das stimmte auch, im Moment war er einfach ein Schatz und sie war froh, dass er da war und sie nicht die Schmach erleben musste hier vor verschlossener Tür zu stehen, wobei sie dann noch nicht mal gewusst hätte wo Michel war. Aber weh tat es dennoch. In ihrer kleinen Welt hatte sie nun mal gehofft Michel würde sie aus den Fängen des bösen Zauberers befreien und sich dann mit ihr auf den Schimmel schwingen und in Richtung Sonnenuntergang reiten. Das wirkliche Leben sah leider ein bisschen anders aus.
„Woher weißt du das?“ Also vom Nussknacker, jetzt. Sie hatte nur mit Rohey darüber gesprochen und einmal mehr überraschte sie Norman. Dieser Mann wusste ehrlich und definitiv zu viel. Sie war so frei ihr Glas nun zu lehren und auf den Tisch zu stellen. „Und ich bin mir allerdings sicher, lieber Norman Troy, dass es solche spontanen Ausflüge nach heute nicht mehr geben wird.“ Wer nun gedacht hatte Charleens Stimme konnte nicht kalt und verletzt klingen, der irrte. Dafür war es ihr voller Ernst. Warum sollte sie um etwas kämpfen was sie schon verloren hatte und warum sollte SIE sich ständig bemühen. Sollte ER seinen knackigen Hintern doch auch mal bewegen. Das sie SOWAS dachte…es konnte nur der Alkohol sein und genau der bewirkte es auch, dass Charleen verzückt aufseufzte. Eine Fussmassage. In dem Moment krönte sie Norman zu ihrem speziellen Gott. Jeder Mann der einer Frau eine Fussmassage verpasste war ein Gott.
Ihr war ein bisschen schummrig und der Alkohol hatte ihr heiße Apfelbäckchen beschert. Sie hätte nicht so schnell trinken sollen. „Soll er doch bleiben wo der Pfeffer wächst.“ Es war doch nicht schlimm, dass Charleen gerade eher mit sich selbst sprach als mit Norman oder? Ihre Augen schimmerten feucht als sie ihre Füße von seinem Oberschenkel zog um sich umzudrehen, zusammen zu igeln und ihren Kopf genau dort abzulegen wo zuvor ihre Füße gelegen hatten.
Sie konnte froh sein, dass Norman ihr Freund war. Ehrlich.