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Er drehte die Karte nun schon unzählige Male in der Hand, ehe er sie einfach fallen ließ. Sie blieb nicht auf dem Tisch liegen, so wie er es beabsichtigt hatte, sie fiel über die Kante und schlitterte auf den Boden, wo sie vor einem Regal liegen blieb. Nathan seufzte. Seit zwei Jahren suchte er nun schon nach einer Lösung... zwei Jahre, wofür seine Mutter nun schon beinahe 26 darauf verwandte. Wie konnte er auch annehmen, dass er die Lösung finden würde, wenn sie ihr schon versagt geblieben war?
Er erhob sich von diesem Einzeltisch, indem er die Schreibfläche hochklappte, um durch das Klassenzimmer zu gehen und das Foto wieder aufzuheben. Letzteres tat er aber nicht sofort, denn seine Aufmerksamkeit war durch ein Lachen im Garten erregt worden, wo er jemanden zwischen den Bäumen herankommen sehen konnte. Nathan legte die Hände auf dem Rücken ineinander und trat ans Fenster. Er hätte sie schon am Klang ihrer Stimme erkannt, denn diese war unverwechselbar. Ein kurzes Schmunzeln huschte über seine Lippen, wenngleich es nie so amüsiert aussah, wie er in Wahrheit vielleicht war.
Schließlich wandte er sich wieder ab und ging langsam die Stuhlreihen entlang. Es musste doch eine Lösung geben. Früher hatte er seine Mutter für verrückt erklärt, wenn sie ihm gesagt hatte, sie spüre, dass er in der Nähe sei. Aber je älter er geworden war, desto mehr hatte er ihre Fähigkeiten diesbezüglich verstanden. Und das, was man sich darüber erzählte, bestätigte die Annahme nur, dass es noch nicht vorbei war. Dass man noch immer etwas tun konnte.
"Hast du eigentlich eine Ahnung wie spät es ist?"
Auch wenn kein Anklopfen ihr Eintreten angekündigt hatte, war sich Noemie ohne jeden Zweifel der Tatsache bewusst, dass ihre Ankunft nicht unbemerkter Natur war. Man kannte einander zu gut, um noch von dem anderen überrascht werden zu können. So zumindest hatte sich Noemie ihr Verältnis im Allgemeinen definiert.
"Wir hatten einen Termin. Vor einer halben Stunde." Zugegeben war Noemie nicht unbedingt die Pünktlichkeit in Person, aber wenn es um ihre Arbeitszeiten ging, konnte sie doch ziemlich kleinlich werden.
Der Zufall spielte ihr wieder einmal Karten in die Hände und mit der passenden Pokermiene dazu, liess sie sich in die Hocke sinken und hob die Karte an. Es brauchte nicht mehr als einen Blick, um zu wissen was es mit Nathans Laune auf sich hatte. Die Töne dieses alten Liedes liessen ihr Lächeln verblassen.
Warum kämpfte man gegen eine solide Mauer, am Ende einer Sackgasse?
Er lehnte mit verschränkten Armen am Fenstersims und beobachtete sie dabei, wie sie die Fotokarte aufhob. Auf der einen Seite war ein Bild, auf der anderen stand etwas. Noemie war diese Karte natürlich bekannt und sie wusste auch, was sie Nathan bedeutete. Er stieß sich vom Sims ab und kam auf sie zu, um ihr das Foto wieder aus der Hand zu nehmen. Dazu musste er nicht einmal gänzlich zu ihr treten, denn das Bild glitt ihr aus der Hand und schwebte in seine Richtung.
"Es ist 5.30 Uhr pm und eigentlich hatten wir einen Termin, ja. Wenn du allerdings lieber mit Mr. Großkotz Knight im Garten herumturtelst, ist es nicht meine Schuld, wenn du zu diesem Termin zu spät kommst."
Wieso klang Nathan immer so widerlich belehrend? Eigentlich provozierte er sie ja gerne, denn das machte er immer, wenn er von seinen eigenen Grübeleien ablenken wollte, aber manchmal nahm seine Stimme dann einen eigenartigen Ton an. Und genau in diesem Moment war es wieder so. Er steckte das Foto ein und griff nach seiner Jacke, die über einem Stuhl lag.
"Übrigens hatte er heute Morgen wieder lauter grüne Flecken im Gesicht. Der Typ kriegt seine Mutation einfach nicht in den Griff. Sowas muss ja ganz schön belastend sein..." Ein Grinsen musste er dann doch unterdrücken. Er konnte es eben einfach nicht lassen. Normalerweise war er ja nicht so... Ehrenwort.
"Deine Sprüche waren auch schon mal besser." Als sie neu gewesen waren zum Beispiel. Nun perlten sie eher an Noemies Gehör ab, wie Regentropfen an Gummistiefeln. Wenn Mr. Knight und er endlich mal auf einen Nenner kommen könnten, könnte das Leben um eine nervtötende Sache leichter sein. Und das konnten die beiden natürlich nicht verantworten, dafür waren sie zu... kindischodermanweissnichtwas.
"Wenn du dich ausgezickt hast können wir ja vielleicht mal los. Oder möchte der Herr hier Wurzeln schlagen?" Es war schon wieder so weit, einer der beiden Herren der Schöpfung schaffte es doch immer erfolgreich ihr Kopfschmerzen zu bereiten.
Das Pochen in ihren Schläfen wurde lauter, wenn sie Nathan nur ansah. Heute war wieder einer dieser Tage, an denen sie ihm nicht aufs Fell gucken konnte.
Warum? Weil er sie einfach rasend machte. Weil er da war, weil er lebte und weil er nichts dagegen tat!
Ja, wieso auch? Ohne ihn wäre ihr Leben doch einfach nur trist und eintönig, oder?! Er zog sie auf, er belehrte sie und...er brachte noch immer die besten Sprüche! Und waren sie so alt wie die Göttin Isis selbst! Mit anderen Worten; er war ein Freund, den man einfach nicht missen wollte. Wer sollte sie denn sonst kindisch nennen, wenn sie mal wieder auf den Boden stampfte, weil sie etwas nicht bekam, das sie unbedingt haben wollte, hm? Also! Eigentlich musste sie ihm wirklich dankbar sein, dass er sich diese Bürde aufgeladen hatte.
Er schlug sich ans Herz und machte einen geknickten Eindruck. "Aber Noemie, du musst doch zugeben, dass das widerlich ist...sei ehrlich!" Er sah sie einen Moment vollkommen ernst an, ehe er eine Grimasse schnitt und hulkartig knurrte. Wie schön, dass er seine ehemaligen Mitschüler noch immer super imitieren konnte. Aber dann legte er einfach seinen Arm um ihre Schultern und trat mit ihr auf den Flur.
"Also... ich habe nochmal über die Sache nachgedacht und mir ist da Folgendes eingefallen..." Sie wusste jetzt schon, was da nun wieder kam, oder? Eine seiner lang durchdachten Theorien, was das Zeitkontinuum anbelangte. Hey, er war da auf bahnbrechende Erkenntnisse gekommen... wie auch schon die letzten zwei Jahre zuvor.
Über die Sache. Na, das klang ja mal wieder nach einem vielversprechendem Wochenende. Würde es ein Jahr geben, in dem der beinahe-Anfang des Urlaubs und Nathans tolle Ideen nicht zusammen fallen würden.
"So, hast du das?" Ihr Blick wanderte nicht etwa zu seinem Gesicht empor, sondern zu allererst spähte sie auf die Hand auf ihrer Schulter. Was war es denn dieses Jahr? Sie bastelten Antennen aus Uhrzeigern, um die sie einen Gezeitentanz aufführten, natürlich mit lustigen Partyhüten auf dem Kopf und Baströckchen. Würde er jemals erwachsen werden?
Mit einer kurzen Handbewegung schob sie ihre Haare zurück und streifte seine Hand dabei leicht, um sie sich von der Schulter zu schieben.
"Ist ja was ganz Neues, dass du nachdenken kannst." Es war Galgenhumor vom Feinsten. Es stand doch ausser Frage, dass sie ihm, trotz all ihren Bedenken an seinen wilden Vermutungen, helfen würde. Frauen hielten eben einfach zusammen und da Nathan für zwei Frauen zicken konnte...
"Natürlich... oder hast du irgendetwas anderes vorgehabt als einem Freund mit einer kleinen Gefälligkeit zu helfen?" Er blieb einen Moment stehen, sah gespielt nachdenkend hoch an die Decke und meinte schließlich verstehend: "Mr. Großkotz Knight - das habe ich ja vollkommen vergessen! Aber da es nichts Schöneres gibt, als mit mir Antennen aus Uhrzeigern zu basteln, kann ich dir mit großer Freude berichten, dass ich diese Ferien noch nichts vorhabe!" Er packte ihre Hand und zog sie bereits mit sich.
"Das mit den Partyhüten und den Baströckchen war im Übrigen deine Idee", meinte er grinsend. Es war schon ziemlich leidlich: Nathan brauchte unbedingt einen Knopf, an dem man die Gehirnareale ausschalten konnte, die dafür sorgten, dass er einfach jeden Gedanken aufschnappte. Wahrscheinlich dachte sie mit Absicht so einen Unsinn. Er zog sie hoch in den ersten Stock und in den Jungentrakt.
"Du weißt doch, dass ich nie denke - ich klaue einfach die Gedanken anderer." Man konnte Nathan viel nachsagen, aber schlagfertig war er... und manchmal genauso arrogant wie sein Vater. Aber wenn er die Egozentrik in Person war, dann war Noemie die Zicke. Wahrscheinlich hatten sie ihre Eltern total verzogen, weil sie ihr jeden Wunsch erfüllten. Ja, sie waren wirklich ein Dreamteam. Nathan schloss die Tür seines Zimmers, nachdem sie dort angelangt waren, und wandte sich zu ihr um.
"Okay, hör zu." Allerdings machte er erst einmal eine Pause. So als müsste er nachdenken, wie er es am besten sagte. "Ich muss in das Schlafzimmer meiner Mutter und wenn es stimmt, was ich denke, dann habe ich endlich die Lösung gefunden." Das Schlafzimmer seiner Mutter war zu etwas wie einem Heiligtum mutiert - ähnlich dem Orakel von Delphi. Das rührte nicht allein von den Gegenständen, die dort standen, es war Nathans persönliches Empfinden, seit er alt genug war, bei Gewitter nicht mehr ins Bett seiner Mutter huschen zu wollen. Es war ein nahezu heiliger Ort, den zu betreten, einem Sakrileg gleichkam. Na ja...fast. Aber dass er Noemie mitschleppen wollte, sollte immerhin etwas heißen.
Wenn Nathan nicht bald lernen würde aus ihren Gedanken heraus zu bleiben, dann musste er sich auch nicht über das nächste blaue Auge von ihr beschweren. Er kannte doch die goldene Regel: Nase raus aus meinen Gedanken, sonst ist sie gebrochen!
"Ins Schlafzimmer deiner Mutter?" Über diese Aussage war Noemie für ihren Teil milde erstaunt. Ob es positiv oder negativ war, würde sie sich nochmal durch den Kopf gehen lassen müssen. "Wir könnten doch auch gleich hier - du stehst also auf versauten Sex?" Im Gegensatz zu ihm hatte sie nicht einen Stock im Arsch, aus dem man einen Wandschrank schnitzen konnte. Musste er immer eine Miene wie sieben Jahre Regenwetter machen? Kaum ein Lächeln und das man ihn mal Lachen örte, war noch viel seltener. Und es war bedauerlich, es tat ihr weh und allen anderen, die sich um ihn sorgten, konnte er das denn überhaupt nicht sehen?
"Was hast du rausgekriegt?" An dieser Stelle passierte ein so ungewöhnlicher Wandel, als hätte man die Person vor Nathan ausgetauscht. Das eben noch so lebenslustige und scherzende Mädchen war irgendwo verschwunden, hinter einer sehr pflichtbewussten Frau, die sich in ihrem Ernst nicht viel von Nathan unterschied. Das Buch über Quantenphysik, was sie eben noch aus ihrer Umhängetasche gefischt hatte, landete nun auf seinem Bett, gefolgt von Noemie selbst.
Nathan neigte den Kopf und sah Noemie tadelnd an. Irgendwie hatte er das richtig drauf, denn so war er schon als Kind gewesen. Der überkorrekte Superheld, der gleich von Anfang an X-odus gewesen war. Und woher sollte er wissen, dass es alle toll fanden, ständig durch die Gegend zu lächeln? Er war kein Empath, er war Zyniker. Und Zyniker hatten so die Angewohnheit, immer ein wenig zynisch zu sein. Sagte man jedenfalls....
"Auf was willst du hinaus? Dass Männer und Frauen ohnehin nicht zusammen passen, außer in der Mitte? Aber bevor wir uns tiefgreifend darüber auslassen, wer welche Sexpraktiken bevorzugt, sollten wir zum eigentlichen Thema kommen. Mal abgesehen davon, dass dieses Gespräch nur für dich von Interesse wäre, denn du vergisst, dass ich weiß, was Frauen denken."
Wenn jemand das Talent hatte, ein Thema belanglos zu reden, dann war es Nathan. Und ja, er machte das mit voller Absicht. Als sie das Buch auspackte, hatte er geschafft, was er erreichen wollen hatte. Er setzte sich zu ihr auf das Bett und neigte sich vor, um eine Skizze unter dem Kissen hervor zu ziehen. Sie zeigte das Institut und die umliegenden Hallen, was nicht sonderlich interessant war - auf den ersten Blick. Wenn sie allerdings genauer hinsah, dann waren überall auf dem Gelände und auch im Gebäude selbst Punkte eingezeichnet, die - sollte man sie miteinander verbinden - ein Pentagramm ergaben. Ein Punkt war beispielsweise in der Kapelle, ein anderer direkt im Schlafzimmer seiner Mutter. In der Mitte des Pentagramms war ebenfalls ein Punkt, der größer als die anderen waren. Es handelte sich dabei um einen Raum im Keller, der wiederum genau über einem Raum in den Subs lag. Nathan zeigte allerdings auf den Punkt im Schlafzimmer.
"Ich muss das genauer untersuchen. Es muss irgendwelche Hinweise darauf geben, dass es dort eine Lücke im Zeitgefüge gibt."
Weil Lächeln eine normale menschliche Angewohnheit war? Weil Nathan einfach wie ein Roboter wirkte, wenn er so durch die Gegend watschelte, darum lächelten alle anderen gerne, weil sie in ihm ein abschreckendes Vorbild hatten.
Er war wohl der einzige Mensch auf der Welt, der einem ein schlechtes Gewissen einreden konnte, weil man im Besitz einer Gefühlswelt war!
Im übrigen, bezweifelte sie, dass eine Diskussion über ihre Vorlieben für ihn uninteressant wäre, schliesslich...
Aber nein, Noemie warf ihm nur einen bitterbösen Blick zu, anstatt den Gedanken zu Ende zu führen. Warum bist du nur so ein verdammt dämlicher dressierter Affe, hm?
"Du meinst eine Lücke, die sie bisher übersehen hat, in all ihren Versuchen." Trotz ihres innerlichen Ärgers über ihn, beliess sie es bei einer ernsten Miene und versuchte sich auf den Plan zu konzentrieren. "Und hast du inzwischen eine Idee entwickelt, wie und was wir machen wollen, wenn es dort wirklich etwas gibt?" Vielleicht ja doch die Uhrzeiger...
"Vielleicht könnten wir das Wochenende nutzen, wenn das Team im Dangerroom ist." Im Gegensatz zu ihm hatte man Noemie erst für das Team gewinnen müssen. Es hatte nicht daran gelegen, dass sie nicht die Einstellung gehabt hatte, den Mut oder die Fähigkeit ein gutes Mitglied zu sein (sie war schliesslich ebenso wie Nathan einfach aufgewachsen in dieser Superheldenwelt). Das Problem hatte in ihrem Drang gelegen ihre Wochenenden woanders, als im Dangerroom bei Trainingseinheiten zu verbringen. Sie war lieber ausgegangen, anstatt Illusionen zu verprügeln.
Die Lektion sich an den Trainingseinheiten zu beteiligen kam schnell und hart.
Manche Kinder lernten eben nur auf die harte Schiene.
Dämlich dressierter Affe... dämlich dressierter Affe?? Das war er überhaupt nicht! Was konnte er denn dafür, wenn er nicht gleich bei jeder rührseligen Szene im Fernsehen losheulte? (Nein, eigentlich analysierte er lieber, warum diese Szene nun so unlogisch war, wie sie nun mal war). Allerdings musste er zugeben, dass er es beinahe getan hätte, als sein Wagen einen Kratzer davon getragen hatte... weil ihn sich NOEMIE ausgeliehen hatte! Oder anders gesagt: Er hatte natürlich eine Gefühlswelt - irgendwo weit hinten vergraben mit einer Warntafel obenauf, die man besser nicht abschraubte. Wer wollte schon wie ein dämlich grinsender Idiot durch die Gegend laufen? ...wo waren sie gerade gewesen?
"Keine Ahnung, aber sie meinte, dass er eine Traumvision gehabt hatte, als er in die Zukunft gereist ist. Also muss er wohl geschlafen haben. Sie ist immer von der Annahme ausgegangen, dass es eine Vision gewesen ist - was aber, wenn sich das einfach nur miteinander verbunden hat? Wenn sich diese Lücke öffnet, wenn man sehr intensiv träumt? Natürlich sind das nur Thesen... ich muss dorthin, um sie zu überprüfen."
Wie genau er das machen wollte, sollte sie ihn besser nicht fragen, er hatte noch keine Ahnung. Erst einmal wollte er sich einen Überblick verschaffen. "Wenn es dort wirklich etwas gibt, dann..." Er hielt inne und eigentlich konnte sie sich denken, was er hatte sagen wollen. "Aber soweit sind wir ja noch lange nicht."
Schließlich schob er die Skizze wieder unter das Kissen und blieb auf dem Bett liegen, während er den Kopf auf die Hand stützte. "Gut, dann gehen wir, wenn alle im Dangerroom sind", stimmte er zu und warf einen Blick auf das Buch, das sie ausgepackt hatte. "Du hast doch jetzt nicht vor zu lernen?" Als ob nur er ein Freak wäre...
Stillschweigend betrachtete sie Nathan, um im geeigneten Moment zu bejahen oder verneinen. Wenn der Herr erstmal einen seiner Redeflüsse hatte, durfte man ihn ja nicht unterbrechen. So war er eben, so hassliebten sie sich eben, wie ein fast normales Geschwisterpärchen.
"Wenn, dann weisst du ja, was ich davon halte! Wir können da nicht einfach hinmaschieren und alles umkrempeln, wie es uns in den Kram passt!" Auch - wenn sie ganz ehrlich war - sie gerne das ein oder andere ebenfalls dort loswerden würde.
Sie musste nicht noch einmal die alte Predigt anschlagen, nicht wahr? Er kannte sie zur Genüge, so wie er ihre Gedanken ja ohnehin ebenfalls kannte.
"Vielleicht sollten wir dann schon mal Entspannungsübungen lernen, wenn du dort ein Nickerchen halten willst." Klar, sie brachen in irgendwelche Zimmer ein und versuchten da dann intensiv zu träumen. Hallelujah, er hatte ja mal wieder einen tollen Plan!
"Seh ich aus, als wenn ich Physik studiere?" Bitte, sie war zwar in den Naturwissenschaftlichen Fächern immer gut gewesen, aber als Berufswunsch hatte sie es mit Sicherheit nicht heran gezogen. Dass sie dieses Buch wegen ener seiner wilden Theorien mit sich rumschleppte, würde sie allerdings auch nicht erwähnen - sie versuchte ja schon den Gedanken daran im Keim zu ersticken.
"Ich dachte es würde sich gut machen, um..." Sich über ihn stürzend, klopfte sie ihm mit dem Buchrücken kurz auf die Hüfte und grinste siegessicher vor sich her. Im Nahkampf waren sie einfach ebenbürtige Gegner und dass sie sich eines Tages mal bei einer Trainingseinheit oder einem von Noemies Anfällen umbringen würden, daran bestand auch für niemanden Zweifel.
Ja, manche Kinder lernten auf die harte Tour und manche wurden auch nie erwachsen.
"Hmmmm", brummte er und vergrub das Gesicht einen Moment ins Kissen. Davon fing sie einfach ständig an. Natürlich würde er nicht alles auf den Kopf stellen, und natürlich würde das alles auch gaaaaanz top secret bleiben. Sie musste ihm das nicht hundert Mal sagen, er hatte schon verstanden. Aber würde sie es nicht auch versuchen, wenn die Möglichkeit bestand...? Sie konnte ihn darin eigentlich gar nicht verstehen. Schließlich blinzelte er sie aus den Kissen heraus wieder an.
"Ich habe doch nicht vor, dort ein Nickerchen zu machen." Okay, er musste zugeben, er hatte diesen Gedanken auch gehabt, aber selbst wenn er einschlief, war das noch kein Garant dafür, dass er auch was träumte. Das war alles viel zu kompliziert. Vielleicht musste man sich einfach nur auf etwas konzentrieren? Er dachte eine Weile darüber nach. Irgendwie war sein Vater für derartige Zeitverschiebungen anfällig gewesen - warum auch immer. Und genau für dieses Warum musste es eine Antwort geben.
Nathan schnappte lediglich ihren letzten Satz auf, ehe sich Noemie auf ihn stürzte. "...mich damit zu erschlagen?" Er packte ihre Handgelenke und schmunzelte leicht überheblich. "Das versuchst du doch schon seit Jahren - langsam solltest du verstanden haben, dass ich immer weiß, was du vorhast!" Sein Griff wurde fester und mit einem Ruck hatte er sie über sich geworfen, so dass sie aus dem Bett fallen würde. Aber genauso wie sie sich abrollen würde, drehte er sich um und stand kurz darauf auf der anderen Seite des Bettes.
"Hat uns dein Vater nicht verboten, auf den Zimmern zu trainieren?" Er hob eine Braue und sah sie amüsiert an, während er überlegte, was sie als nächstes tun würde.
"Nicht immer, Nathan. Ich erinnere dich nur daran..." Und Noemies Grinsen wurde unmerklich breiter, während sie daran zurück dachte. Selbst wenn er Gedanken lesen konnte, war das nicht garant dafür alles zu wissen. Merkte man doch schon daran, dass er eben... - das er eben doch nicht mit ihr konkurrieren konnte.
Zu einem gewissen Grad, war es tatsächlich langweilig sich mit Nathan zu raufen. Nicht etwa, weil er alles vorausahnen könnte - alles ging ohnehin nie -, aber sehr wohl, weil sie sich auch ohne die Gedanken des anderen zu gut kannten. Jeder Bewegungsablauf, jeder Schritt, jeder Angriff. So war es eben, wenn man zusammen hier aufwuchs und Tag für Tag den Stil des anderen analysierte.
"Nur weil du so ein Muttersöhnchen bist, heisst das nicht, dass ich auf meinen Dad höre, Darling."
Wenn es nach ihrem Dad ginge, würde sie auch nicht die meisten Wochenenden ihrer Vergangenheit in Kneipen und Diskotheken verbracht haben, sondern schön brav Zuhause.
Die Hände an die Hüften gestemmt, reckte sie das Kinn divenhaft vor und drehte ihm den Rücken zu. "Also, was hast du geplant? Bis zur Dangerroom-Sequenz ist es noch ein bisschen."
Warum sie ihn fragte? Weil sie ihn immer fragte, jedes verdammte Mal, wenn sie ausging. Und doch war die Antwort immer die Gleiche, zuhören tat sie ihm vermutlich schon lange nicht mehr.
"Ich leih mir das mal", erklärte sie dafür strahlend, während sie eine seiner Krawatten aus der Kommode fischte. Er bräuchte sie ja ohnehin nicht, da er nie ausging.
Ja, natürlich... sie war natürlich viel besser als er. Jetzt konnte er allerdings genug Situationen aufzählen, in denen er sein Team einfach viel taktischer geführt hatte. Er hatte nämlich alles ganz genau aufge... gut, das sollten sie jetzt wohl besser nicht weiter ausdiskutieren.
"Ach ja, ich vergaß. Denn deine rebellische Ader verbietet dir ja ohnehin, auch mal auf einen anderen zu hören als dich selbst. Wobei wir bei deinem Hauptproblem angelangt wären..."
Was er geplant hatte bis zum Wochenende? Jedenfalls nicht nach Inverness fahren und mitten in der Nacht auf den Rand des Marktbrunnens springen, um dort alle Lieder zu grölen, die einem gerade so einfielen - und waren sie noch so peinlich! Nein, wirklich. Das hatte er einmal mit Noemie mitgemacht und es reichte für die nächsten 50 Jahre. Gut, er war da gestanden und hatte versucht, sie dort wieder runter zu holen.
"Lass deine Finger aus meiner Kommode, Noemie! Weißt du eigentlich, wie teuer diese Krawatte war? Los, gib her..." Mit einem Satz war er bei ihr und packte sie am Handgelenk. Manchmal war sie so ein Kind!