Das X-odus Forum befindet sich derzeit in einer Pause.
Für all Diejenigen, die ihre Charaktere bis zum Wiederbeginn
nicht ruhen lassen wollen, empfiehlt die SL euch
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Wir wünschen unseren fleissigen Usern viel Spass
auf der neuen Plattform und hoffen
euch alle in alter Frische und mit dem gleichen Elan
bald auch wieder an dieser Stelle begrüssen zu können.
Noemie war noch nicht da, aber das war auch ganz gut so. Nathan sah sich kurz auf dem Gang um, bevor er die Tür zum Schlafzimmer seiner Mutter öffnete. Er wusste ganz sicher, dass sie im Danger Room war, sonst hätte er den Raum wohl nicht betreten. Die Tür fiel hinter ihm ins Schloß, so dass ihn absolute Dunkelheit einhüllte, bis sich seine Augen daran gewöhnt hatten und er die schemenhaften Umrisse der Möbel erkennen konnte.
Eine Weile stand er so da, als könnte er mit bloßer Anwesenheit etwas bezwecken. Aber das hatte er noch nie können, oder? Eher im Gegenteil. Seine bloße Anwesenheit erweckte vielmehr Erinnerungen. Sie hatte das nie gesagt, aber Nathan wusste es. Und dann klackte er das Licht doch an. Nichts hatte sich verändert, noch immer stand alles so da, wie er es im Gedächtnis hatte. Er ging ein paar Schritte und seine Finger strichen über die Kommode, bis er an einem Foto inne hielt, das er kurz darauf aufnahm und betrachtete. Man hatte ihm viel von seinem Vater erzählt, leider zu viel. Irgendwann hatte er weder hören noch sehen wollen und so hatte er ihn nicht erkannt... damals, vor zwei Jahren.
Man sagte auch, dass er ihm ähnlich war. Aber wie trat man in die Fußstapfen eines Mannes, dessen Schatten schon so gewaltig groß war? Er stellte das gerahmte Bild zurück und wandte sich wieder dem Zimmer zu. Wie? Wie sollte es funktionieren? Wo war dieses verdammte Zeitloch? Wie schritt man hindurch? Und wie sollte er ihn warnen? Er fuhr sich über das Gesicht und wartete weiterhin auf Noemie. Wahrscheinlich versaute er ihr auch dieses Jahr wieder die Ferien.
HA! Da sollte Nathan noch ein einziges Mal behaupten, dass alle nach ihrer Pfeife tanzten. Ehrlich, sie gab zwar immer ihr Bestes, dass es so war, aber von Zeit zu Zeit entwickelten ihre Eltern einen ganz eigenen Kopf. Ganz blöde sowas. Als Kind hatte sie dann noch mit grossen Kulleraugen bei Papa alles durchsetzen können und bei Mama war schon die ein oder andere Träne von Nöten gewesen. Letztenendes hatte es aber doch immer geklappt. Nun war sie erwachsen und ihre Eltern kamen auf den Trichter sie jetzt erziehen zu wollen? Die hatten irgendwie auch die Zeit verschlafen. Und das ihr Dad sie heute morgen eine halbe Stunde aufgehalten hatte, würde sie ihm später mal übel nehmen. (Okay, heisse Schokolade ans Bett, weil man sich krank stellte konnte man auch nur schwerlich übel nehmen, aber sie würde es versuchen, schliesslich hatte er danach noch versucht sie trotz ihrer furchtbaren Erkältung zu einem Trainingsprogramm zu überreden!)
Aber darum ging es hier ja auch gar nicht, Nathan war vermutlich ja schon längst auf seiner Mission und würde ihr sowieso nicht abnehmen, dass sie aufgehalten wurde. 'Wieder Stunden unter der Dusche verbracht? Muss ja eine anstrengende Nacht gewesen sein.'
Oooooh, er wusste ja gar nicht wie anstrengend!
"Nathan?" Ihre Hand hatte zwar kaum das Holz der Tür berührt, aber es schien auch nicht wirklich nötig, denn wenn man ein Haus und die Leute darin so gut kannte, wie sie dieses Institut und seine Bewohner, konnte man Geräusche und Gerüche einfach gut genug zuordnen. Sie wartete die Antwort nicht ab, sondern schob die Tür zum heiligen Sanktum einfach auf und sich selbst durch den Türspalt.
Dies hier war vermutlich das einzige Zimmer, in dem sie sich nicht heimisch fühlte. Es gehörte zwar zum Institut und dennoch war es ihr fremder, als ihr die Subs je gewesen waren. Einige Stimmen hatte Nathans Mutter dann und wann hinter vorgehaltener Hand als Verrückt bezeichnet - Noemie hatte nie daran gezweifelt, dass sie einfach eine Mutter war, die trotz aller Liebe für ihr Kind zu viel Herzblut auf der langen Strecke ihres Lebens zurückgelassen hatte. Jaaa, deswegen hatte sie auch der ein oder anderen bösen Zunge die Pest an den Hals gewünscht. Oder sie war auch mal ein bisschen lauter geworden. Oder hatte eine Nase gebrochen. Aber gut, diese Schlange hatte es nun wirklich verdient, wer so dermassen in Wunden anderer Leute herum pulte und dann auch noch meint ihrem besten Freund im freien Fall die Sicherheitsleinen kappen zu müssen...
"Schon was gefunden?" Sie wollte es gar nicht, aber ihre Stimme wollte einfach nicht lauter werden, denn dieser Raum übte eine deplazierte Ehrfurcht auf sie aus. Aber die Frage war noch nicht ganz ausgesprochen, als Noemie bereits den Kopf ein wenig neigte, als hätte sie etwas entdeckt.
Das gleiche Foto, das schon Nathans Aufmerksamkeit erregt hatte, lag nach wenigen Schritten auch in Noemies Hand. Von exakt diesem Moment an schien die Zeit eine neue Dimension anzunehmen und nur so dahin zu stolpern. Mit einem knirschendem Geräusch, dass Noemie einen Schauer über den Rücken jagen liess, zerbrach das Glas im Bilderrahmen und hinterliess ein Spinnennetz an haarfeinen Rissen. Bevor Noemie noch einen entschuldigenden Blick zu Nathan schiessen konnte, schnappte sie auch schon verzweifelt nach Luft, die ihr von ihrer eigenen Kette schlichtweg abgeschnürt wurde. Wenn hier jemand mit ihnen eine schlechte Inszenierung von "der Exorzist" nachspielen wollte, war das auf jeden Fall nicht lustig. Noemies Kette hatte sich schlichtweg in die Luft erhoben, als würde jemand Unsichtbares auf der Deckenlampe sitzen und sie versuchen zu erhängen. Der goldene Anhänger, in den ein winziges rotes Kreuz eingearbeitet war, schickte blutrot schimmernde Schlieren über die Wände des Zimmers. Es war zu bezweifeln, dass eine dünne Goldkette selbst Noemies Gewicht auch nur im entferntesten tragen konnte - somit war es wohl auch nicht verwunderlich, dass eines der Kettenglieder unter dem Gewicht schliesslich nachgab und die Kette entzwei sprang. Nach Luft schnappend, wich Noemie unvermittelt einen Schritt zurück und stiess somit Nathan fast um. Die Kette kroch unaufhaltsam an einem unsichtbaren Faden (aber es gab mehr zwischen Himmel und Erde, was Noemie nie verstehen würde, also hielt sie es auch nicht für unmöglich, dass das hier kein Streich war, der ihnen gespielt wurde) in die Höhe... und verschwand kurz vor der Zimmerdecke. Einfach so, als hätte die Luft den Anhänger verschluckt, während die entzweite Kette, die sich heruasgelöst hatte, leise zu Boden fiel.
Nathan wandte sich zu Noemie um, als er sie in den Raum kommen hörte. Er hatte ihren Gedanken aufgeschnappt und grinste leicht. Sie erwartete jetzt von ihm, dass er genau das sagte, oder? Sollte er ihr den Gefallen tun?
"Na, Noemie... wieder Stunden unter der Dusche verbracht? Muss ja eine anstrengende Nacht gewesen sein."
Er zwinkerte ihr zu und wandte sich dann erneut den Schränken zu, die er inspizieren wollte. Vielleicht fand er irgendeinen Hinweis auf ein Zeitloch. Seine Mutter war nicht seltsam! Das war sie nie gewesen und wenn jemand etwas anderes behauptete, der bekam es mit ihm zutun. Früher hatte er nicht zugeben wollen, dass er zu jung war, um sie zu beschützen und heute wollte er nicht zugeben, dass sie es gar nie nötig gehabt hatte. Mit anderen Worten: Man sollte ihn besser nicht direkt darauf ansprechen. "Noch nicht... aber ich werde heute etwas finden. Ich gehe nicht eher weg." Ansonsten würde er eben doch eine Schlafsession einlegen.
Nathan sah zurück, als er das Glas zerspringen hörte und zog die Brauen zusammen. Hatte sie das Glas des Bilderrahmens jetzt mutwillig eingeschlagen? So sehr Noemie dieses Wochenende vielleicht zuwider war, aber er nahm nicht an, dass sie seine Unternehmung sabotieren wollte. Zudem sprach dagegen, dass sie gerade jemand strangulieren wollte. Nathan konnte einen Moment nichts anderes als starren, ehe Bewegung in ihn kam und er ihr helfen wollte. Allerdings brach die Kette und der Kreuzanhänger schwebte nach oben, wo er kurz vor der Zimmerdecke verschwand. Nathan streckte die Hand aus, als die goldene Kette wieder hinab fiel, allerdings wandte er den Blick nicht mehr von der Zimmerdecke ab.
"Wow... wie hast du das gemacht?" War er jetzt ein klein wenig verärgert, dass er Noemie nur ein einziges Mal mitschleppen musste und sie schon was entdeckte? Sein Blick war noch immer nach oben gerichtet, als er ihr die gebrochene Kette wieder in die Hand gab und nach einem Stuhl griff. Er stieg hinauf und streckte den Arm aus, so dass er den Sog, der den Kreuzanhänger angezogen hatte, selbst zu spüren bekam. Je näher er dieser leicht flimmernden Atmosphäre kam, desto stärker wurde er. Auf einmal verschwanden seine Finger und er konnte die Hand nur mit Mühe wieder zurück ziehen.