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Was? Er war verletzt? Wer sagte DAS denn?? Aber ganz ehrlich, er konnte einfach nicht mehr rumliegen. Davon tat ihm ja noch mehr weh, als wenn er sich bewegte. Also hatte er sich in aller Herrgottsfrühe in die Garage gestohlen und überlegt, welches seiner Schmuckstücke er für einen kleinen Ausflug nutzen sollte. Letztlich hatte er sich für sein Motorrad entschieden. Schon seltsam, denn auf den Fahrzeugen lag kaum Staub, obwohl er selbst so lange fort gewesen war. Aber Motorrad fahren war wie...öhm Fahrrad fahren. Und es war ehrlich gesagt ein ziemlich gutes Gefühl, auch wenn ihm die Ankunft hier im Institut noch etwas schwer fiel.
Eigentlich war er noch immer nicht zurück. Es war mal wieder wie ein Traum und er glaubte, wenn er erwachte, war er wieder in diesem schottischen Dorf. So war es zu Anfang in der Vergangenheit gewesen, als er im Kloster gewesen war. Jedes Mal hatte er geglaubt, dass er im Institut der Gegenwart erwachen würde. Als er losgefahren war, um nach Inverness City zu gelangen, hatte es leicht angefangen zu schneien und er hätte sich vielleicht doch für seinen Lamborghini entscheiden sollen, aber der Winter machte ihm bei weitem nicht mehr so viel aus wie früher.
Die Universitätsarchive von Inverness waren hingegen staubtrocken und ein abgestandener Geruch lag in der Luft. Vielleicht irgendein Pilz, der sich in das alte Papier der Dokumente geschlichen hatte. Glücklicherweise musste Scott nicht in den Originalunterlagen stöbern, da alles auf altmodischen Mikrofilm gebannt war. Also legte er seinen Helm neben sich auf den Tisch und dankte der Frau, die ihm in die Geheimnisse des Apparats einwies. Scott hatte nun schon über zwei Stunden in den Kellern der Universitätsbibliothek verbracht und hatte keinen einzigen Hinweis auf Seonaid gefunden, bis...
...er auf einen Namen stieß, der ihn irgendwie nicht mehr losließ. Wahrscheinlich starrte er schon einige Minuten auf den flackernden Bildschirm, ehe er sich erhob und nach einem Stammbaum forstete. Christopher MacScotach. Es konnte kein Zufall sein, oder? Die Jahreszahl von 1326 konnte durchaus hinkommen, aber Scott war sich nicht sicher, ob er denken sollte, was er dachte. Also holte er einige Stammbäume heran und war überrascht, dass es sie überhaupt gab. MacScotach wandelte sich im Laufe der Zeit in den Clan Scotach oder Scott. Existierte dieser Clan auch heute noch??
Durch Heirat gab es einige Seitenlinien und Scott las in einem späteren Jahrundert von dem Namen Sir Walter Scott. Ungläubig schüttelte er den Kopf, was für ein Unsinn. Allerdings klärte sich nun, warum die scottschen Linien so genau im Archiv zu finden waren. Ohne diesen Vertreter gäbe es wohl keine Anhaltspunkte auf die Fortführung dieser Linie. Er musste eine Pause machen, ihm schwirrte der Kopf. Christopher... das war der Name seines Vaters. Ein Name, der in dieser Zeit nicht sonderlich üblich war. Christopher MacScotach. Der einzige Anhaltspunkt auf Seonaid? Über sie selbst fand er nichts. Der Clan Scott hatte viele Linien und eine davon erregte Scotts Interesse erneut.
Es handelte sich um die Linie der MacGillivray. Hatte dieser Priester nicht so geheißen? Ja, im 16. Jahrhundert hatte eine Scott einen MacGillivray geheiratet. Das alles schloss einen Kreis, von dem Scott nie geahnt hätte, dass es sich um einen handelte. Aber ihm drängte sich förmlich der Verdacht auf, dass ...er einen Sohn verlassen hatte, um zu einem anderen zurück zu gehen. Er fuhr sich über das Gesicht und atmete tief durch. Er hatte das nicht gewusst... sie hatte nichts gesagt.
Christopher MacScotach.
Lucian MacGillivray.
Der eine begann eine Linie, der andere beendete sie.
Wenn das wirklich alles wahr war, dann war dieser Priester einer seiner Nachfahren.
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