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In der Küche war es wunderbar gemütlich gewesen und die Gelegenheit, sich nach der abendlichen Kühle im Garten wieder aufzuwärmen, hatte sie dankbar angenommen. Sie hatte dort Doktor Jean Grey und der Frau namens Carol Stone bei einem Gespräch zugehört und als sie müde wurde, hatte Miss Grey sie hier im Dachgeschoss in einem Zimmer untergebracht, in welchem sie sich ausschlafen konnte. Dringend nötig hatte sie es, sie hätte ohnehin längst im Bett sein sollen.
Ihre Gedanken kreisten und wollten nicht zur Ruhe kommen. Die Geräusche des Zuges klangen noch immer in ihrem Gehör nach und sie glaubte, dass ihre Lunge sich immer noch über die Rennerei während ihrer Flucht am Bahnhof beschwerte. Sie sah die Gesichter von Rohey und Liam, sass wieder im Büro von Miss Munroe, unterhielt sich in der Kapelle mit Kurt und schloss dann im Garten Bekanntschaft mit Logan und den beiden Frauen, deren Gespräch sie zu diesem Zeitpunkt am wenigsten los liess. Um es mal bildlich zu sagen, Du hast mein Leben in Deiner kleinen Hand. Ich hoffe, Du kannst dicht halten, sonst bin ich schneller weg vom Fenster als man Amen sagen kann. Experimente an jugendlichen Mutanten, Genforschung, Quecksilberschübe. Erst jetzt, da ihre Gedanken die Worte, die in der Küche gefallen waren wiederholten wurde ihr bewusst, was Miss Stone da eigentlich erzählt hatte und auf einmal spürte sie einen schweren Kloß in ihrem Hals. Vielleicht war diese Welt, in der ihr neues Leben begann, doch nicht so wundervoll, wie sie es sich ausgemalt hatte.
Noch über eine Stunde drehte sie sich trotz ihrer Müdigkeit hin und her, wälzte sich regelrecht auf dem Laken und wusste einfach nicht, wie sie ihre Gedanken zur Ruhe bringen sollte. Sie hatte sich sogar versucht abzulenken, indem sie sich konzentrierte und die Wellen eines Radiosenders einfing, so dass sie Musik hören konnte, aber auch das brachte nichts. Schliesslich setzte sie sich auf und fuhr sich durch die verstrubbelten Haare, atmete tief durch und knipste die Nachtischlampe an. Raus gehen wollte sie nun nicht wieder, die grosse Tür in der Eingangshalle war vermutlich inzwischen abgeschlossen und hier im Gebäude sah sie sich nun lieber doch nicht auf eigene Faust um - jedenfalls noch nicht heute Nacht – und schlafen konnte sie offensichtlich nicht. Um wenigstens irgend etwas zu tun zu haben, packte sie ihren Rucksack aus, breitete ihre wenigen Sachen vor sich aus, legte die Kleider zusammen und packte alles neu. Sie hatte das Glück, sogar noch einen von diesen Salami-Snacks zu finden, die sie an einem Bahnhof gekauft hatte und hungrig wie sie war, stopfte sie das Möchtegernbrötchen mit der dicken Wurstscheibe dazwischen regelrecht in sich hinein und auch wenn es alles andere als sättigend war, war sie zufrieden.
“Mir die Nacht mit einem Baukasten um die Ohren schlagen, das wärs jetzt.“
Dany seufzte. Sie hatte sogar ihren kleinen Werkzeugkasten dabei, den sie vor drei Jahren zu Weihnachten bekommen hatte. Aber was brachte ihr das, wenn es nichts zu schrauben gab. Unschlüssig sah sie sich um und fasste den Radiowecker ins Auge, der auf dem Nachttisch stand, ermahnte sich dann aber daran, dass er nicht ihr gehörte.
“Ach, was solls. Ich bau ihn ja wieder zusammen.“
Eine weitere Stunde später, nachdem sie den Radiowecker in seine Einzelteile zerlegt und ihn wieder zusammen gebaut hatte, kroch sie zurück unter die Bettdecke. Sehr sinnvoll war ihre kleine Tätigkeit gerade nicht gewesen, aber sie hatte nun einmal ein grosses Interesse an Technik und ihr machte es großen Spaß, an irgend etwas herum zu basteln. Immerhin hatte es seinen Zweck getan und sie hatte sie ablenken können, gut genug sogar, dass sie endlich einschlief.
- abgeschlossen -
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