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nicht ruhen lassen wollen, empfiehlt die SL euch
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Wir wünschen unseren fleissigen Usern viel Spass
auf der neuen Plattform und hoffen
euch alle in alter Frische und mit dem gleichen Elan
bald auch wieder an dieser Stelle begrüssen zu können.
Genau genommen hatte keiner bemerkt, dass Charleen gestern einfach das Weite gesucht hatte und von ihrer eigenen Party einfach verschwunden war. Aber es gab Dinge die konnte man ertragen und es gab Dinge an denen zerbrach man: Charly wäre vor Sorge um Rohey fast zerbrochen.
Sie hatte sich verkrochen, geweint bis sie glaubte keine Tränen mehr zu haben und war in ihrem Selbstmitleid beinahe ertrunken. Sie war einfach keine Kämpferin, sie war nicht wie Rohey und dabei wäre sie es doch sogern. Charly hate geglaubt fühlen zu können wie ihr Herz in ihrer Brust langsam verkümmerte und dann hatte sie sich vor sich selbst geekelt weil sie daran gedacht hatte, dass ihre liebevoll arrangierte Party einfach im Chaos untergegangen war. Ein Mediziner hätte vielleicht erkannt, dass Charleen einfach unter Schock gestanden hatte und ihrem Anwärterstatus bei den X-odus in keinster Weise gerecht geworden war.
Irgendwann in der Nacht hatte der Strum nachgelassen und sie hatte einsehen müssen, dass es nicht brachte zu weinen und im Geiste die heiße Klinge nachzuziehen die in ihr Herz gestoßen hatte. Sie hätte Michel so sehr gebraucht, er war nicht dagewesen.
In den frühen Morgenstunden -in der Sporthalle hatte bereits Licht gebrannt, Chui und Colum hatten auf der Couch geschlafen- hatte sie den Wagen genommen und war ins Krankenhaus gefahren aus dem sie nun zurück kehrte.
Das Leben war ein Geschenk, sie hate es selbst gesehen.
Nun stand sie hier vor Ororo's Zimmertür, nachdem sie schier wie eine Verrückte über das Gelände gehastet war, die Treppen erklommen hatte und weinte wieder. Diesmal waren es Freudenstränen. "Miss Munroe" sie bollerte mit beiden Fäusten gegen de Tür, ihre Stimme vor hitziger Erregung überkippend. "Ororo, mach die Tür auf. Bitte, mach die Tür auf." Sie konnte einfach keine Ruhe geben, sie war schließlich in dieser Nacht zu einer Tante geworden.
In dem Augenblick war der Kummer und der Trübsinn über gestern Abend einfach vergessen und selbst das jemand sein Leben hatte lassen müssen schien Charleen ausgeglichen: Ihre Nichten waren geboren und sie wollte es in die Welt hinaus schreien.
Die Tür ging tatsächlich nach einiger Zeit auf, aber es war nicht Ororo, die Charleen entgegen sah. Kassander musterte sie kurz, ehe er auf den Gang trat und die Tür hinter sich schloss.
"Ist irgendetwas passiert, Charly? Ist alles in Ordnung?"
Und ja, er war natürlich angekleidet - bis auf seine Schuhe. Und das übliche Haarband trug er auch nicht, so dass er sich kurz durch die blonden Strähnen fuhr und dann Charleens Kinn hob, so als wollte er sich selbst versichern, dass sie nicht irgendwie verletzt war. Eigentlich war es klar, dass man Ro nicht lange in Ruhe ließ, sie war immerhin eine der wichtigsten Personen im Institut, wenn nicht sogar die wichtigste, was die Organisation betraf.
Alles, wirklich alles hatte sie erwartet aber niemals...DAS!
Für einen Moment ist sie unfähig sich zu rühren, sie ist sogar unfähig zu denken, sie ist nicht mehr sie. Alles Blut weicht aus ihrem Gesicht und die vor Freude feuchten Augen verlieren ihren Glanz. Später einmal wird sie zugeben, dass es nicht ihr recht war zu urteilen und das sie sich für Kassander und Ororo nur Glück wünscht, aber im Moment kommt ihr dieses Glück -wenn es dann welches ist- gestohlen, falsch und dreckig vor.
"Rohey..." sie stammelt zusammenhangslos und wo gerade noch der Schock gesessen hatte kam nun kochende Wut auf. Sie hatte Kassander so bereitwillig ihre Freundschaft geboten und jetzt verabscheute sie ihn und sich dafür. "Die Kinder sind da." Wie sie es auch immer geschafft hatte ihre Stimme fest klingen zu lassen, war der Ton den sie anschlug von Michel abgekupfert und verriet nicht mehr als bloße Enttäuschung.
"Ich wollte nicht stören. Entschuldigung." Ihre Stimme klang selbst in ihren Ohren fremd und unterkühlt. Insgheim hoffte sie, dass sie vielleicht nur etwas falsches hinein interpretierte und Kassander einen guten Grund hatte barfuss aus Ororos Zimmer zu tapsen. Vielleicht die Besprechung der Stundenpläne? Nein, Charleen war beraubt worden und zwar von dem Bild das sie über Ororo der Überlehrerin, der Überfrau und der Übermutantin gehabt hatte und wie sie es hatte wagen können Kassander zu vertrauen war ihr ein Rätsel.
Sie schob hier und jetzt einen dicken Riegel vor ihr Herz und wollte noch nicht mal mehr Erklärungen hören.
Kassander konnte sehr gut in Gesichtern lesen, was er allerdings überhaupt nicht - oder noch nicht - konnte, war, darauf auch richtig zu reagieren. Dennoch wurde ihm das Ausmaß dieser Situation mit Charleens Gesichtsausdruck in aller Tragweite bewusst und obwohl Charly wie er Anwärter für das Team war, so war sie doch auch noch um ein paar Jahre jünger als er selbst. Und wenn er genau darüber nachdachte, dann hatte er nicht unbedingt reif gehandelt...
Auf der anderen Seite: Was ging es die anderen an?! Letztlich war das seine Sache und er hatte jetzt auch ohne Charleens Reaktion genug Erklärungsbedarf vor sich.
Aber warum fühlte er sich dann genauso überrumpelt wie das Mädchen vor ihm? Er hatte nicht wirklich darüber nachgedacht, als er das Poltern an der Tür gehört hatte, aber eigentlich hätte er nichts Dümmeres tun können, als hier auf den Gang zu treten. Das wurde ihm jetzt sehr deutlich vor Augen geführt - mit Charleens Enttäuschung. Hatte er wirklich etwas Unrechtes getan? Er war stets ehrlich und log keinem etwas vor... bis vielleicht sich selbst.
"Rohey und die Kinder?" Zu Anfang wusste er überhaupt nicht, wie er das nun einordnen sollte, doch dann erinnerte er sich wieder daran, dass Rohey schwanger gewesen war.
"Du hast nicht gestört, Charleen. Ich..." Er kratzte sich an der Braue und wich dem Blick des Mädchens kurz aus. Aber musste er sich überhaupt dafür entschuldigen? Nein. Und doch...
Nach dem Schock und nach der ungezügelten Wut, kam jetzt noch etwas viel, viel gravierenderes. Die Enttäuschung. Selbst als sie sich stumm immer wieder vorsagte, dass es sie nichts anging, dass Ororos und Kass Sache waren, war das Bild der Beiden zerstört.
Vielleicht lag es ja auch an ihrer Vergangenheit, dass sie so -ein anderer mochte es übertrieben nennen- reagierte. Aber sie empfand es einfach nur als dreckig und schmutzig und ekelhaft. Selbst wenn Charleen es in ihrer Sensibilität übertrieb, sie fühlte sich allein gelassen und musste feststellen, dass sie mal wieder nur von ihrem guten Glauben hatte leiten lassen.
Immerhin konnte Kass von sich behaupten er hatte es geschafft ein Mädchen zum Weinen zu bringen, auch wenn sie sich dafür schämte war sie nicht in der Lage die Tränen zurück zu halten. "Nicht so wichtig. Ich muss eh nochmal zu Rohey, sie braucht noch einige Dinge."
War Kass in dem Moment den Betrachter genug um zu sehen, dass Charleens eigentliche Tränen seltsam schimmerten und für normale Tränen viel zu dickflüssig waren?
Er streckte den Arm nach ihr aus, aber so richtig wusste er auch nicht, was er sagen sollte. Er wusste zwar nicht im Genauen, was sie dachte, aber er sah durchaus, dass ihr Weltbild irgendwie ins Wanken geraten war. Nun, Kassander hatte schon an einigen Weltbildern gerüttelt, meist unbewusst, aber der Unterschied zu früher lag darin, dass es ihm in diesem Moment eben nicht egal war. Er würde Lehrer werden und war nicht mehr der Junge von 9 Jahren mit einer Publikation 'Über den Staat', über den die Professoren erstaunt den Kopf geschüttelt hatten.
"Bitte lass uns reden. Ich möchte nicht, dass du so gehst."
Sie war eine der ersten hier am Institut gewesen, die es geschafft hatte, dass er sich hier wohlfühlte und er wollte einfach nicht, dass er Grund für ihre Tränen war, ohne die Möglichkeit zu haben, sie darin wieder zu trösten.
Sie konnte es sich selbst nicht erklären, aber ihr war danach ihn einfach anzuschreien, ihm entgegen zu brüllen, dass er ihr weh getan hatte und das Ororo ihr auch gestohlen bleiben konnte.
Es war vielleicht nicht richtig, gerade nicht in dem Moment. Aber sie fühlte sich einfach nur so allein gelassen und das wiederrum brachte sie dazu sich zu schämen. Raguel hatte sein Leben gelassen, ihre Schwester und den Kindern hätte etwas ernsthaftes passieren können und SIE kam sich allein gelassen vor. Charleen konnte ja verstehen das Ororo und Logan auch Trost brauchten, aber das der Trost SO aussah ließ ihr beinahe die Galle übergehen, was sie ja zwangsläufig wieder an den Anfang brachte.
"Kass, bitte." Es klang kläglich und zudem noch so kindlich obwohl sie im Gegenzug etwas von ihrer Kindheit im Flur zurück ließ. "Es tut mir leid...es steht mir nicht zu...." aber ihrer Enttäuschung tat das leider keinen Abbruch.
Verlegen wischte sie die Tränen fort, die nicht nur eine seltsame Konzistenz hatte, sondern mittlerweile sogar eine seltsame Farbe angenommen hatte, irgendwie...dunkel.
Erst jetzt bemerkte er diese seltsame Konsistenz von Charleens Tränen...war das Baumharz?! Zuerst machte er einen Schritt auf sie zu, doch letztlich verharrte er wieder und legte ihr darum nur einen Moment die Hand auf die Schulter. Allerdings machte sie nicht gerade den Eindruck, als würde sie es begrüßen, wenn er sie berührte, darum hatte diese tröstende Geste nicht lange vorgeherrscht.
Innerhalb weniger Sekunden musste er eine Entscheidung treffen, wobei allerdings eindeutig feststand, dass er nun etwas auf ihre Worte erwidern musste. Nein, es war weder dreckig, noch schmutzig oder ekelhaft.
"Charleen, ich habe zu Ro ins Zimmer gesehen, weil ich mir Sorgen gemacht habe."
Das hatte er gerade eben nicht wirklich gesagt, oder? Er hatte sie nicht dreckig ins Gesicht gelogen und teilte ihr damit indirekt mit das er sie für dumm hielt. Zugegeben, später würde sie einsehen, dass sie keinesfalls das recht hatte so zu denken -schließlich war sie dafür viel zu gerechtigkeitsliebend- aber ihr zu sagen, dass er sich Sorgen gemacht hatte....
Sie schluckte das Komentar runter welches ihr so bitter auf der Zunge lag und sah ihn irgendwie müde an, sie fragte sich nur ob man die Socken ausziehen musste wenn man jemanden trösten wollte?
"Ich hoffe es geht ihr besser." Das meinte sie zwar ernst, aber gleichzeitig schlich sich auch Gleichgültigkeit in ihre Stimme. Es tat einfach so weh. Sie war es schon wieder und wiedermal: Das Heimkind.
Abermals wischte sie sich über die Wangen und schien erst jetzt wirklich zu begreifen, dass das SO nicht richtig sein konnte. Irritiert sah sie auf ihre Finger und weil ihr Tag nicht schon chaotisch genug war versagte ihr der Schrei in der Kehle.
Zum einen hatte er sie nicht angelogen. Er log eigentlich nie, eher im Gegenteil - er war meist schonungslos ehrlich. Er hatte sich durchaus Sorgen um Ro gemacht und war auch darum in ihrem Zimmer gewesen. Zum anderen war sein Zimmer gleich neben dem Ororos, so dass er ja wohl durchaus nicht immer Schuhe anhaben musste. Aber das hatte er nicht gesagt und das würde er auch nicht sagen.
Und für manche Dinge war es besser, wenn sie einfach verschwiegen wurden.
"Ja, es geht ihr besser." Aber er sagte ihr auch nicht, was Ro gesehen hatte. Das würde Charly noch früh genug selbst sehen und eigentlich wusste er auch nicht, ob es wirklich stimmte, was Ro ihm erzählt hatte.
Schließlich aber starrte er genauso auf Charleens Hände und fragte: "Was ist das, Charly?"
Kassander war doch ein schlaues Bürschchen, kam er nicht auf den Gedanken, dass Charleens Seele irgendwann mal sehr gelitten haben musste, wenn sie sich einen eigentlich harmlosen Vorfall so zu Herzen nahm? Dazu kam noch hinzu, dass sie immer sowas wie Nestwärme brauchte, sie hatte in ihren ersten 14 Lebensjahren schließlich darauf verzichten müssen und ein Mädchen von ihrem Kaliber...na gut, Kass würde es schon erkennen.
Unwohl strich sie sich immer und immer wieder über die Wange, doch das klebrige Zeug, dass eigentlich ihre Tränen hatten sein sollen floß nur noch mehr und das in Ströhmen und nicht nur das, es verdickte..vielleicht konnte man auch sagen es klumpte
Zittrig und nun entgültig aschfahl im Gesicht stürzte sie zurück und wo sie gerade noch gedacht hatte, Kassander einfach die Gurgel umdrehen zu müssen hob sie gebietend die Hand und fauchte (eindeutig um ihn besorgt) im Befehlston. "Komm nicht näher" schließlich stimmte hier irgendwas nicht
Im ersten Moment hielt er tatsächlich inne, doch hielt dieses Verharren nicht lange an, denn er hob ihr Kinn an und betrachtete diese eigenartigen Tränen. Dass er damit in Berührung kam, hatte schließlich eine sehr seltsame Wirkung auf ihn, denn sein Vitalhaushalt wurde für einen Moment gänzlich aus der Bahn geworfen und er alterte innerhalb kurzer Sekunden zu einem alten Mann, ohne dass er es selbst hätte steuern können.
Entsetzt zog er die Hand zurück und betrachtete seine knochigen Finger und den faltigen Handrücken, unter dessen Haut die Adern bläulich hervorschimmerten. Ein leises Keuchen entwich ihm und er stolperte einen Schritt zurück. Hatte sie ihm irgendetwas entzogen? Das konnte kaum sein, aber warum hatte er seinen Hormonhaushalt gerade überhaupt nicht im Griff gehabt? Nur langsam nahm er sein Alter von 21 Jahren wieder an.
"Vielleicht sollten wir dich zu einem Arzt bringen, Charleen."