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Es liegt an ihrem feinen Gehör, dass Chui als erstes aufwacht. Irgendwann sind die Geräusche der anderen am frühen Morgen einfach zu zahlreich, als dass sie sie registrieren und trotzdem weiterschlafen könnte. Also schlägt sie langsam die Augen auf und erinnert sich gerade noch wo sie ist und dass sie nicht allein ist, ehe sie sich ausstrecken kann. Sie hebt den Kopf und schaut sich um. Der Morgen graut durch das Fenster herein und obwohl das bedeutet, dass sie nicht wirklich viel Schlaf hatte, fühlt sie sich auch nicht mehr schläfrig genug, sich nochmal hinzulegen. Sie schaut zu Colum, lauscht einmal mehr seinen ruhigen Atemzügen und lächelt... nicht verhalten, nicht nur kurz, ein echtes Lächeln so wie es sein sollte und wie sie es bisher nur hinbekommt wenn sie allein ist.
Vorsichtig kommt sie unter der Decke hervor und steht auf, streckt sich und vertreibt mit einem letzten Gähnen die Müdigkeit aus ihrem Körper. Dann schaut sie an sich herunter. Immer noch die teils eingerissenen, schmutzigen Sachen von gestern an. Gestern... die Party... der See... das Licht... Rohey, Norman... Raguel... sovieles was sie nicht versteht. Colum hat gesagt wir besuchen Rohey. Also werd ich auf ihn warten. Sie schaut ihn wieder an, eine ganze Weile, dann geht sie lautlos zum Tisch und sammelt Teekanne und Tassen ein, um sie in die Küche zu bringen... auch dabei macht sie keine Geräusche und kommt jenen zuvor, die sich kurz darauf hier einfinden werden. Sie wäscht auch rasch ab, bevor sie wieder ins Wohnzimmer zurückkehrt und sich umschaut. Colums Kekse läßt sie erstmal stehen, bis auf einen, den sie sich gleich nimmt. Sie betrachtet aus nächster Nähe sein Gesicht. So entspannt und ruhig... ohne diese abgrundtiefe Trauer und die Sorgen. Sie seufzt unhörbar.
Sie erinnert sich an seinen kleinen Kuß, der sich immer noch auf ihrer Wange bemerkbar macht, wie ein kußförmiges Mal wohliger Wärme, und plötzlich kommt ihr der Gedanke, dass sie ihn jetzt auch küssen könnte... ohne dass er es merkt. Sie schluckt und mustert seine Lippen, seine Wange, die geschlossenen Augen... ihre Wangen werden immer heißer. Nein... aber warum nicht... es wäre doch nur... nein.. nein, sie traut sich nicht. Hastig greift sie nach ihren Schuhen und schleicht sich aus dem Raum, um von außen die Tür zu schließen, damit er möglichst ausschlafen kann. Kurz schließt sie die Augen und legt die Stirn an das kühle Holz. Muß denn alles immer so kompliziert sein? Kann nicht e i n m a l etwas einfach sein? Auch wenn sie keine Ahnung hätte, wie das aussehen soll. Was erwartet sie eigentlich? Ja, was? Er ist anders als Charly... er könnte... vielleicht ist er... ach... dumme Katze.
Nach einer Weile macht sie sich auf, möglichst unbemerkt und ohne jemandem zu begegnen in Calans und ihrem Zimmer zu verschwinden.
~tbc: ebendort
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