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5 Minuten Ruhe! Ehrlich, 5 Minuten würde sie gleich viel ausgeglichener machen - und vermutlich ihr Tagespensum an Ruhe weit überziehen.
Um aber wenigstens den Versuch zu starten - nachdem Carol heute schon bedauerlicherweise am eigenen Leib erfahren musste, wie kurz ihr Geduldsfaden derzeit war - hatte Ro sich von den anderen abgesetzt und in Richtung Büro verschwunden.
Einkaufen gehen - so ganz liess sie dieser Gedanke tatsächlich immernoch nicht los. Sie würde den Job wirklich gerne übernehmen, um aus dieser Irrenanstalt zu entfliehen. Aber wie man es drehte: Es ging einfach nicht!
Was bildeten sich eigentlich alle ein, was sie hier machen... Aber Ros Gedankengang wurde jäh unterbrochen, als sie durch die Bürotür getreten war und das leise Knistern unter den Schuhsohlen vernommen hatte. Heute war sie vermutlich einfach mehr als empfindlich, sonst wären ihr die beiden Briefchen wohl auch einfach entgangen, die unter der Tür hindurchgeschoben worden waren.
Schweigend sammelte sie die Zettel ein und warf die Tür hinter sich zu.
Welche Hiobsbotschaft hielt sie jetzt bitte in den Händen?
Als sie sich am Schreibtisch nieder liess, landeten beide Zettel vorerst auf der Schreibtischunterlage, die Ro vom Sessel aus fixierte.
Wollte sie wirklich wissen, was los war? Noch mehr schlechte Nachrichten konnte sie einfach nicht mehr ertragen.
Zettel eins landete kurz drauf auf wieder auf dem Schreibtisch, diesmal geöffnet. ...bedanken uns für die Gastfreundschaft... Wir wissen, dass es Brooke hier gut gehen wird... Kinder, das klingt, als wolltet ihr sie in einer Tierhandlung abgeben. Sie konnte die Jungs ja verstehen, dass es sicher schwer war Abschiedn zu nehmen - aber könnten sie sich jemals wirklich verzeihen keinen Abschied genommen zu haben, wenn etwas passieren würde?
Ach, sie dachte einfach schon wieder in viel zu negativen Bahnen, aber nach den Vorfällen am gestrigen Abend sei es ihr auch vergönnt so zu denken.
Sehr geehrte Ms Munroe.
Nach längerem sehr ernsthaftem Nachdenken bin ich zu dem Entschluss gekommen, dass ich an der Laboraktion teilnehmen will. Ich bin keine Kämpferin und ich würde mir sicher die Hand brechen, wenn ich eine Pistole halten soll. Aber ich habe eine sehr nützliche Angewohnheit, ich kann mich unsichtbar machen und alles, was ich berühre auch. Damit würden ihre Chancen um einiges besser stehen, als sie jetzt sind.
Ich habe mir auch überlegt, vor ihnen in das Labor zu gehen und es durch die Gasleitung in die Luft zu jagen, niemand würde mich sehen und alles wäre vorbei. Keiner ihrer Leute würde dadurch in Gefahr geraten und ich hätte einiges weniger an Schuldgefühlen zu tragen.
Ich erwarte ihre zustimmende Antwort.
Mit freundlichen Grüßen Carol Stone
Den Zettel in den Händen, lehnte sie sich zurück und musste vorerst tief durchatmen, ehe sich sich getraute die Worte ein zweites Mal zu überfliegen. Pistolen - das Wort gefiel ihr genauso wenig, wie die Hetzerei der Presse, dass die X-Men eine kriminelle Vereinigung waren. Sie benutzten keine Waffen und - was noch viel wichtiger war - sie töteten nicht. Nicht, wenn es nicht unabdingbar war. Die Gasleitungen in die Luft zu jagen war so sicher gegen ihre Überzeugung, wie die Versuche an den Mutanten selbst. Wieviele Leben könnte so etwas kosten?
Sie musste mit dieser Stone reden - und zwar dringend.
Aber hatte sie jetzt noch die Kraft dazu?
Ro hatte sich eigentlich schon auf den Weg machen wollen, als ein zufälliger Blick - vielleicht vom Schicksal geleitet - auf ihr Handy fiel. Eine Nachricht auf der Mailbox? Bitte, einmal was positives! Mit jenem Stossgebet wählte sie ihre Mailbox an und hörte die Nachricht mit wachsender Verwirrung an.
Edward Brock, noch nie gehört den Namen.
Mit einem kurzen Kopfschütteln wählte sie die angegebene Nummer an - und verstummte in ihrer Begrüssung, als FedEx-Anrufbeantwortet ansprang.
FedEx? Interesse an ihrem Institut? Und somit unterbrach sie vorerst unverrichteter Dinge die Verbindung. Was könnte er denn über die Schule wissen wollen?
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