Das X-odus Forum befindet sich derzeit in einer Pause.
Für all Diejenigen, die ihre Charaktere bis zum Wiederbeginn
nicht ruhen lassen wollen, empfiehlt die SL euch
diese Seite.
Wir wünschen unseren fleissigen Usern viel Spass
auf der neuen Plattform und hoffen
euch alle in alter Frische und mit dem gleichen Elan
bald auch wieder an dieser Stelle begrüssen zu können.
Sie war aus Jeans Büro geflüchtet, regelrecht geflüchtet. Zuerst hatte sie nicht gewusst, wohin, aber bald wurde es ihr klar. Wenn auch nicht offensichtlich, ihre Beine trugen sie einfach dort hin.
Es war derselbe Platz, an dem sie gestern Raguel zum letzten Mal gesehen hatte. Es war seltsam. Obwohl sie sich kaum kannten, hatte er schon so viel Platz in ihrem Leben eingeräumt.
Zu irgendwas musste ihre Gabe doch gut sein.
Die ganze Zeit hatte sie sie ertragen müssen, hatte es hingenommen, mit Toten zu sprechen, sie zu sehen, deren Gefühle zu leben, mehr von ihnen mitzubekommen, als sie wollte.
Sie lässt sich ins Gras fallen. Spürt es unter ihren bloßen Händen, riecht es, fühlt es. Sie kniet sich hin, die Hände legt sie auf die Beine. Die Augen schließt sie.
Es war an der Zeit, etwas zurückzufordern.
Sie sucht den Zustand, den sie einnimmt, wenn sie ihre Großmutter zu sich ruft, die sie jedoch allzu gerne aufsucht. Die einzige, die beständig bleibt. Aber diesmal sieht sie ein anderes Gesicht vor ihrem inneren Auge, ruft eine andere Person herbei.
Wahrscheinlich floss die Zeit ohnehin einfach nur gähnend langsam, wenn man auf etwas - oder jemanden - wartete. So und nicht anders erging es auch Elayne, als sie mit ihrer Gabe nach Raguel Ausschau hielt.
Er zeigte sich nicht, noch war er spürbar anwesend. Konnte er sie nicht hören? Oder wollte er es vielleicht einfach nur nicht? Wenn sich jemand vorstellen konnte, wie geschockt der Geist eines selbst von einem so plötzlichen Tod sein konnte, dann doch wohl Elayne.
"Such nicht beständig mit gesenkten Wimpern
[...] in dem Staub.
Du weißt, 's ist aller Los: was lebt, muß sterben
Und Ewges nach der Zeitlichkeit erwerben."
Hatte Elayne gut genug im Unterricht aufgepasst, um diese Worte als die Shakespeares wiederzuerkennen?
Ob nun oder nicht, die Frage nach dem 'Sein oder nicht Sein?' stellte Elaynes Gabe doch in ein völlig neues Licht. Die Stimme zumindest, die diese Worte aussprach, war Elayne durchaus schon von der Party bekannt - und doch war sie in anderen Ohren längst in Vergangenheit geraten, abgestreift wie eine zweite Haut.
Als hätte ein etwas kühlerer Lufthauch ihren Hals gestreift, legte sich schliesslich mit sanftem Druck ein kaum erkennbares Gewicht auf ihre Schulter - zu sehen war jedoch nichts.
Sie hatte schon aufgeben wollen. Einfach so dazusitzen und still auf etwas zu warten, war einfach nicht ihr Ding.
Welch Stein von ihrem Herzen fiel, als sie endlich eine Stimme hörte, und sie auch noch erkannte.Doch was antwortete man auf solche Worte? Mit Geister hat sie wenig Erfahrung, meistens kommunizierte man mit ihr, und nicht anders herum.
Sie legt sich eine Hand auf die Schulter, als wolle sie spüren, was darauf ist. Oder demjenigen Trost spenden.
"Raguel?"
Jetzt nunmehr fragend, sich vergewissern wollend. Unsicherheit beschlich sie.
"Nein", gab die Stimme umso leiser zurück. Obwohl Elayne ihre eigene Schulter berührte und nichts zwischen ihr und ihrer Hand zu liegen schien, kribbelten ihre Finger leicht, als wäre etwas unter ihre Haut gekrochen.
"Du wirst ihn hier nicht finden", setzte die Stimme schliesslich nach einer kurzen Pause noch weiter an. "Er hat ... verlassen." Das Wort zwischen 'hat' und 'verlassen' sprach sie - denn es wurde nun deutlich, dass es eine weibliche Stimme sein musste - so leise aus, dass man es nicht zu erstehen vermochte. Dich? Euch? Uns? Mich?
"Wer...wer bist du?"
Hakt sie dann noch mit leicht zitternder Stimme nach. Aber die Hand nahm sie nicht weg. Ihre Neugierde war geweckt, denn wäre es ihre Großmutter gewesen - sie hätte sie erkannt.
"Melissa." Und mit einem Mal klang ihre Stimme, dort wo sie vorher noch hatte trösten wollen, unendlich traurig.
Wahrscheinlich wurde damit nur jedes mögliche Klischee angespielt, das es in Bezug auf Geister gab, aber tatsächlich frischte der Wind ein wenig auf, so dass sie das Blätterdach über Elayne raschelnd zu bewegen begann. Diesen Bruchteil einer Sekunde, die sie davon abgelenkt war, zog das Kribbeln sich von ihrer Hand zurück und kurz schien in der Sonne etwas aufzublitzen, als wenn Sonnenstrahlen auf Tau fallen.
"Entschuldige... ich wollte dich nicht traurig machen."
Sie klang ernst, und hoffte, Melissa sei noch da. So seltsam es auch war, mit Geistern zu sprechen, sie kümmerte sich darum nicht.
Vielmehr wollte sie mit diesem geist sprechen, ihr zuhören.
Vielleicht etwas lernen, zumindest zuhören.
Ein kurzes, leises Lachen, das alles andere als amüsiert sondern eher... trocken klang.
"Es ist schwer mich traurig zu machen."
Schon mal versucht einen Trauernden traurig zu machen? Es gab keine Steigerung von Trauer, so einfach war es - und doch so schwierig zu erklären.
"Aber eigentlich bin ich auch nicht wegen mir hier", zumindest heute nicht. "Sondern, weil ich dich trösten wollte. Mach dir um ihn keine Sorgen..."
"Gehörst du..hierher?"
Fragt sie leise an. irgendwie fing dieses Mädchen, diese Frau an sie zu interessieren.
Und langsam ging es ihr wirklich besser, wenn auch auf eine diffuse Art und Weise.
"Nein... Ja." Und wenn es nicht unmöglich gewesen wäre, hätte man meinen können für den Bruchteil einer Sekunde ein Lächeln zu sehen - nnd zwar mittenwegs in der Luft, als wenn sich dort die Dichte der Luft verändert und kleine Wirbel und Strudel getrieben hätte. "Ich bin... meiner Schwester gefolgt." Es war Irrsinn und mit jeder Minute, die sie in ihrer Nähe war und sie nie würde erreichen können, ging etwas in ihr mehr und mehr zu Bruch.
Zweimal hatte sie es geschafft auf sich aufmerksam zu machen. Und beide Mal hatte sie sie damit in Gefahr gebracht und ihr weh getan, obwohl sie ihr doch nur helfen wollte.
"Sie ist auch... jemand mit Gaben", selbst Geister schienen das Wort 'Mutant' nicht gerne auszusprechen - oder mochte es daran liegen, dass dieser Geist selbst zu betroffen vom Schicksal eines Mutanten gewesen war?
"Und obwohl wir uns sonst alles erzählt haben, war ich von mir selbst so geschockt, dass ich nie wagte ihr von meiner Gabe zu erzählen." Wenn es bei Geistern etwas wie ein Räuspern gab, dann konnte sie es jetzt hinter sich hören und war es nicht auch so, dass die Worte die ganze Zeit um Elayne 'herumzuwandern' schienen? Scheinbar ein recht ruheloser Geist.
"Hätte ich es getan... hätte ich uns beiden sicher eine Menge Leiden erspart." Aber das Leben liess sich nun einmal nicht zurück drehen und so war sie durch die Hand ihrer eigenen Schwester gestorben und die Kleine lebte mit einer Schuld, die ihre Schultern gar nicht tragen müssten. Es war, als würde Elayne für einen Moment in die Haut des Geistes schlüpfen können und durch ihre Augen das unabwendbare noch einmal durchleben: Sie sah eine Zimmerdecke über sich und es stand ausser Frage, dass sie auf dem Boden lag. Ihr Körper von Krämpfen geschüttelt und ganz eindeutig ging von ihren Händen ein grauenhafter Schmerz aus, als würde... ja, als würde ihre Hand sich geradezu auflösen. Irgendwo neben ihr stürzte jemand zu Boden und stiess einen schrillen Schrei aus, der einem eine Metallspange um das Herz legte und es Stück für Stück zusammen zog. Ein fremdes Gesicht schob sich zwischen ihre Augen und die Decke und nicht nur, dass die Frau einen leicht südländischen Einschlag hatte, sie redete auch italiensich auf - ihre Tochter? - ein. Die Wortfetzen waren undeutlich, doch zwei Worte schienen ganz überdeutlich gesprochen zu werden, zwei Namen: Melissa und Rohey.
Die Erinnerung riss so plötzlich ab, wie sie gekommen war und dann herrschte, ausser dem mit einem mal etwas klischeehaft auffrischendem Wind wieder Ruhe.
War alles nur ein Traum gewesen?
Sie war auf diese Vision überhaupt nicht gefasst gewesen und so krümmt sie sich nach vorne und ein leises Wimmern kommt aus ihr. Dieser Schmerz, der sie kurz befällt, ist so grausam, und sie möchte ihre Augen vor dieser schrecklichen Vision verschließen, doch es geht nicht. Ihre Hände krallen sich in der Erde fest, als könnte sie sich damit Linderung verschaffen.
Sie braucht einen Moment, um sich wieder zu orientieren, um zu wissen, dass sie raus aus diesem Zimmer ist. Leise und zögerlich kommt ihre Stimme.