Das X-odus Forum befindet sich derzeit in einer Pause.
Für all Diejenigen, die ihre Charaktere bis zum Wiederbeginn
nicht ruhen lassen wollen, empfiehlt die SL euch
diese Seite.
Wir wünschen unseren fleissigen Usern viel Spass
auf der neuen Plattform und hoffen
euch alle in alter Frische und mit dem gleichen Elan
bald auch wieder an dieser Stelle begrüssen zu können.
Langsam stieg sie die Treppe hinauf. Sie hatte auf den Fahrstuhl verzichtet um Zeit zu schinden. Dann öffnete sie die Zimmertür und trat ein, mit einem kräftigen abschließenden Ruck schloss sie diese und trat ans Fenster.
Sie betrachtete die vielen Kerzen, die sie ins Fenster gestellt hatte und zündete eine nach der anderen an. Dann trat sie zurück, setzte sich auf das Bett und schaute in die Flammen um zu warten.
Kassander trat von der Säule auf den Flur im Dachgeschoss und obwohl er seinen X-odus Anzug bereits abgelegt und noch in den Subs geduscht hatte, glaubte er, noch immer diesen ekelhaften Geruch der Kanalisation an sich haften zu haben. Das würde jetzt wohl noch einige Tage dauern, bis er diesen Gestank nicht mehr in der Nase hatte. Das Team war zurück und alles war mehr oder weniger gut gegangen, so dass man den Einsatz als erfolgreich bezeichnen konnte, auch wenn Kassander so ein seltsamer Nachgeschmack geblieben war. Die Kerzen in Carols Zimmer hatte er bemerkt und leicht lächelnd erinnerte er sich an die Geschichte dazu, die sie ihm erzählt hatte, während er über den dunklen Flur auf ihre Zimmertür zuging und leise anklopfte.
Sie zuckte zusammen, als sie das Klopfen hörte, doch ein "Herein" brachte sie gerade noch über sich.
Was würde sie zu hören bekommen? Wer stand vor der Tür? Hiobsbotschaften?
Fest schlang sie die HÄnde ineinander und erhob sich um zur Tür zu schauen. Sie hielt die Luft an, ihr Herz klopfte bis in den Hals hinauf und mit Bangen wartete sie, wer herein kommen würde.
Also drückte er die Klinke und sah hinein ins Zimmer. Anfangs suchte sein Blick das Zimmer nach Carol ab, bis er sie ausgemacht hatte, die Hand von der Türklinke nahm und leicht lächelte.
"Wir sind zurück...", einen Moment sah er zurück und in den Flur, aber es war sonst niemand zu sehen, so dass er zufügte: "Alles ist mehr oder weniger gut gegangen, auch wenn die Verantwortlichen entkommen sind. Du hattest mit deiner Annahme recht."
Ja, sie hatten Mutanten gefunden und ja, diese Mutanten waren für Experimente gefangen gehalten worden. Diese Bilder wollte er einfach so schnell wie möglich wieder vergessen. Kurz ließ er den Blick schweifen, ehe er fragte:
"War hier alles ruhig oder hattet ihr mit den Kindern Probleme?"
Carols Atem entwich pfeifend und schon rannte sie sie paar Schritte durchs Zimmer um Kass um den Hals zu fallen. Tränen liefen über ihre Wangen und sie flüsterte erleichtert:" Dem Himmel sei Dank, du bist heil und gesund. Du bist gesund."
Dann fasste sie sich und löste sich von seinem Hals. Verschämt lächelte sie.
"Geht es den anderen auch gut? keiner verletzt? und nein, keine Probleme. Zumindest hab ich von keinen gehört."
Dann zog sie ihn in das Zimmer und schloss die Tür hinter ihm.
"Eckhardt ist entkommen? oh nein... dann bin ich geliefert."
Alles kam schnell und ohne Punkt und Komma hervorgesprudelt. Sie war so erleichtert dass sie ihm keine Zeit gab zu antworten. Dann setzte sie sich aufs Bett und schaute zu ihm auf. Fassungslos über die letzte Nachricht, dass Eckhardt entkommen war.
Diesen Überschwang hatte er nicht erwartet, auch wenn er sich letztlich wieder daran erinnerte, was er ihr vor dem Einsatz gesagt hatte. "Versprich mir, nicht allzu traurig zu sein, falls ich nicht zurück kommen sollte..." Nun ja, er war wieder hier und was auch immer Sariel gemeint hatte - ob er ihn hatte provozieren wollen oder ob er auf einen späteren Zeitpunkt Vorschau gegeben hatte - Kassander würde das alles erst einmal zu den Akten legen. Er strich Carol kurz über den Rücken und lächelte.
"Schon okay, Carol. Ja, ich bin heil geblieben." Wenngleich du nicht wissen willst, was wir dort alles gesehen haben.
"Dr. Grey wurde leicht verletzt. Ebenso einer der Mutanten, die wir mitgebracht haben, allerdings wissen wir noch nicht genau, wer er ist. Vielleicht einer von den Wissenschaftlern."
Besorgniserregend, wenn sogar Mutanten an Mutanten herumdokterten. Er konnte es noch immer nicht ganz begreifen. Er war einfach nur froh, dass er das fürs Erste überstanden hatte. Auch er ging ein paar Schritte ins Zimmer vor, als sie sich auf das Bett setzte, doch trat er vielmehr ans Fenster, wo sie die Kerzen stehen hatte.
"Du bist hier sicher, Carol. Aber es kann durchaus sein, dass noch irgendetwas geschieht. Also sei am besten vorsichtig."
"eine wahrhaft Sybillinische Vorhersage. An Deutlichkeit nicht zu überbieten. Was kann noch geschehen? Was habt ihr dort gefunden? Steht das Gebäude noch? habt ihr die Jugendlichen gefunden?"
In ihren Akten waren viele Jugendliche verzeichnet. Immer hatte sie Angst davor gehabt, wenn der Moment kommenn würde, wo sie erfahren würde, dass die Jugendlichen vllt. nicht mehr am Leben waren. Aber sie musste es wissen. Sie musste wissen, ob ihr Einsatz zum Erfolg geführt hatte.
"Lebten... waren sie noch am Leben?" zögernd kam die letzte Frage.
Ein leichtes Schmunzeln war einen Moment auf seinen Lippen zu sehen, aber da er ihr abgekehrt stand, sah sie es nicht. Woher sollte er denn wissen, was noch geschehen könnte? Er tippte eine Kerzenflamme mit Daumen und Mittelfinger aus.
"Ich weiß nicht, was noch geschehen kann, Carol. Wir sind nicht dort hinein gegangen, um Leben auszulöschen, sondern Leben zu retten. Und genau aus dem Grund steht auch das Gebäude noch. Es waren etwa 20 Kinder, die wir gefunden haben... und ja, sie leben noch, aber mehr kann ich dir nicht sagen."
Er konnte und er wollte auch nicht mehr darüber sagen. Kassander selbst würde wohl erst mehr Informationen bei der Nachbesprechung bekommen, die er Carol jedoch auch nur in soweit schildern würde, wie sie für sie wichtig waren. Allerdings nahm er nicht an, dass man nach Carol suchen würde... wenn, dann wohl eher nach Ro.
"Eckardt hat den Tod verdient... tausendfach."
Carol antwortete ungewohnt heftig.
"und wenn er darauf gegangen wäre, hätte ich keine Träne um dieses Miststück vergossen."
Sie erhob sich mit einem Ruck, ohne auf ihre schmerzenden Knochen zu achten und ging im Zimmer unher.
"Warum kannst du mir nicht mehr sagen? oder willst du nichts sagen? Ich hab genug Phantasie um mir vorstellen zu können, was diese Tiere mit den Kindern gemacht haben."
Dann hielt sie inne.
"Ihr habt 20 Kinder? nur zwanzig? ... ich hab Aufzeichnungen von mehr Kindern... es müssten ungefähr... 30 oder 40 sein."
Sie wurde blass und schaute sich unruhig im Zimmer um.
Auch er wandte sich um und trat vor sie. Sein Griff war zwar nicht unglaublich schmerzhaft, aber da sie noch immer verletzt war, wohl auch nicht wirklich angenehm. Genauso wie sein Blick, der recht eindringlich wirkte.
"Selbst wenn er den Tod verdient hat, so haben wir kein Recht, darüber zu entscheiden. Willst du selbst zum Mörder werden? So bist du nicht besser als die Leute im Labor. Und jetzt hör mir zu, Carol..."
Er machte eine kurze Gedankenpause und schüttelte schließlich den Kopf. Nein, Kassander wirkte nicht wie 21, er musste doch bedeutend älter sein, oder nicht? In diesem Augenblick schien es wirklich so.
"Es waren 20 Kinder. Was immer du auch gesehen hast, es konnten nie mehr als 20 Kinder sein. Vertrau mir."
Sein Griff war unangenehm und bei einem Blick in sein Gesicht war ihr kurz mulmig zumute. Sie wand sich um freizukommen und als er sie endlich freigab, rieb sie sich unbewußt die Handgelenke.
"Kass... du verstehst nicht. Ich hab die Kinder nie gesehen, weil ich nie bis auf dieses Sicherheitslevel eingestuft wurde. Ich hab die Akten in meinen Händen gehabt. Die Kopien sind bei Doktor Grey. Wir können nachsehen, wenn du mir nicht glaubst."
Dann trat sie einen Schritt von ihm weg.
"dann hab ich kein Recht zu entscheiden? Wo er mich umbringen wollte? Wer, wenn nicht ich hab dieses Recht? Ich würde nicht vor dir stehen, wenn es nach seinem Willen gegangen wäre.
..... oder denkst du, die weltliche Gerichtsbarkeit würde so ein Schwein richten wo die Gerichte doch selbst gegen Mutanten sind? Und dazu kommt noch, dass Eckhardt nie vergessen wird, dass ich ihn beklaut habe und das sein Projekt hier in Inverness gescheitert ist."
Wieder hatte sie ihm keine Zeit gelassen, zu antworten. Aber die Gedanken sprangen ihr wild durch den Kopf ebenso wie sie die Fragen stellte.
Kassander war über Carols Ansicht wahrlich erstaunt. Natürlich gestand er ihr ein gewisses Maß an Wut und Angst zu, aber dass sie so sprach, ließ ihn erneut den Kopf schütteln. Mit keinem Wort entschuldigte er sich für seinen Griff.
"Ich werde mit dir gewiss nicht über einen Mord diskutieren. Hätte ich diesen Eckhardt in den Fingern gehabt, glaubst du tatsächlich, ich hätte ihn getötet? Aus dir spricht Hass, Carol. Nicht, dass dieser nicht verständlich wäre, denn diese Menschen sind kaltblütige Mörder und haben kaum Skrupel, aber ich werde mich nicht mit diesen Leuten auf eine Stufe stellen."
Seine Stimme war ruhig und sachlich, vielleicht sogar schon ein wenig kühl zu nennen, genauso wie das stählerne Grau seiner Iris, als er sie direkt ansah. Wenn sie gesehen hätte, was er gesehen hatte, so wüsste sie, dass es überhaupt kein Sicherheitslevel gegeben hatte, in das irgendein Mitarbeiter des Labors hätte kommen können. Diese Räume waren schlichtweg für alle Unwissenden nicht existent gewesen. Und hätten sie den Laden in die Luft gehen lassen, wären sehr viele Unschuldige gestorben. Irgendwie stieg leichte Aggression in ihm auf und er wusste nichtmal, woher er diese Gefühlsschwankungen hatte... weder seine Mutter noch sein Vater waren derart schnell auf der Palme gewesen.
"Schluss jetzt!" fiel er ihr schließlich ins Wort.
"Eckardt war gewiss nicht die Spitze des Eisbergs und sein Projekt interessiert mich nicht. Sollte er einen Fuß ins Institut setzen und dabei auch noch ein bestimmtes Ziel verfolgen, dann bin ich der Letzte, der ihn dafür nicht zur Strecke bringt. Bis dahin... will ich nichts mehr davon hören."
Carol war erstaunt, dass Kass so argumentierte.
"Kass... was wollte er mit mir machen? sicher nicht mich auf Rosen betten.
Ich ... ich wäre tot, wenn ich mich nicht so an mein Leben geklammert hätte. Tot, verstehst du das? keine Carol, die in deinem Bett liegt, wenn du Unterhaltung brauchst, keine Carol, die die Schulverwaltung leitet, keine Carol, die auf dich wartet. Und dann verlangst du von mir, dass ich nicht hasse oder so wütend bin, dass ich diesen jemand auch gern töten würde? Aber vllt. kannst du das erst verstehen, wenn auf dich geschossen wird und du aus einem Wagen springen musst, der mit 120 kmh auf einen Abgrund zurast."
Sie drehte sich um und schaute aus dem Fenster. Mit einem Atemzug löschte sie die restlichen Kerzen.
"Ich denke nicht, dass Eckhardt hier auftauchen wird. Aber ich kann mich auch nicht mehr außerhalb dieser Mauern sehen lassen. Er wird alles dran setzen, mich zu finden und büßen zu lassen. Und seine Spitzel sind überall. Wußtest du , dass die Regierung in diesem Forschungsinstitut mit drin hängt? Und auch Regierungsgelder geflossen sind?"
Irgendwie war sie enttäuscht, dass kass kein Verständnis für ihre Wut aufbrachte.
Er rieb sich über die Schläfe und versuchte nun wirklich wieder ruhiger zu werden, was angesichts ihrer Worte doch ein großer Selbstbeherrschungsakt war.
"Ich habe nie gesagt, dass du dich nicht wehren sollst, wenn er dich angreift. Aber du sprichst auch nicht davon, dass du dein Leben lediglich verteidigen willst... du, Carol, wärst am liebsten da rein gegangen und hättest diesem Eckhardt eine Kugel in den Kopf gejagt! Und nein, wohl ist dies nicht meine Auffassung von einer erfolgreichen Aktion und ich bin heilfroh, dass die anderen genauso denken."
Auch er wandte sich ab und ging einige Schritte im Raum. Keine Carol, die in deinem Bett liegt, wenn du Unterhaltung brauchst... Was glaubte sie eigentlich von ihm?! Er wandte sich lediglich zur Seite und drehte den Kopf in ihre Richtung, wobei er die Arme verschränkte.
"Du glaubst, ich würde abwerten, was sie getan haben. Das tue ich nicht. Genauso wenig verteidige ich diese Menschen. Ich möchte lediglich, dass du einsiehst, dass es falsch ist, wenn du genauso handelst wie sie."
Und etwas versöhnlicher fügte er hinzu:
"Ich stehe auf deiner Seite und wir werden dafür sorgen, dass du wieder ein normales Leben leben kannst. Aber nicht auf diesem Weg, der dir dein Hass vorgibt."
Nachdenklich lauschte sie auf seine Worte und schaute in die Dunkelheit. War sie wirklich besessen von ihrem Hass auf diesen Mann? War sie so weit abgerutscht, dass sie eine Mörderin werden könnte? Hilflos schaute sie auf ihre Hände und stellte sich vor, wie sie um Eckhardts Hals legen würde...
"Aber wenn du Recht hast und ich Unrecht mit meinem Hass, wo bekomme ich dann Gerechtigkeit wenn nicht von mir selbst? Wer richtet über diesen Mann und all die anderen, die diese schändlichen Versuche gemacht haben? Denkst du, die weltliche Gerichtsbarkeit tut das? Manchmal, wenn ich wach liege, dann denke ich, wie wenig ich weiß um zu urteilen oder zu richten und dann wiederum denke ich, dass das Wenige was ich weiß eigentlich reichen sollte."
Kass Worte haben sie verwirrt und langsam legt sie die Stirn an die Scheibe. War sie auf dem falschen Weg wenn sie den Tod von Eckhardt wollte? Aber wenn sie falsch lag, wie sollte sie mit dem Vergangenen weiter leben? Einfach so abstreifen oder vergessen?