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nicht ruhen lassen wollen, empfiehlt die SL euch
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Wir wünschen unseren fleissigen Usern viel Spass
auf der neuen Plattform und hoffen
euch alle in alter Frische und mit dem gleichen Elan
bald auch wieder an dieser Stelle begrüssen zu können.
[8.6.]
Der Tag begann später als sonst. Keine Kata heute. Keine Meditation, zumindest nicht so ausgedehnt wie sonst. Ty stand um 7.15 auf und kniete langsam atmend in seinem Zimmer.
"Ein neuer Tag, mach was daraus."
Ty konnte seinem Vater nicht viel abgewinnen, aber dieser Spruch hatte sich seit seiner Kindheit in ihm eingebrannt. Damals hatte Dad ihn beinahe jeden Morgen so geweckt, bevor... naja, bevor er keine Zeit mehr dazu hatte.
Ob Sarah den Spruch jetzt zu hören bekommt? Igrendwie schon, glaub ich. Ich sollte sie mal fragen. Warum ruf ich nicht einfach mal zu Hause an?
Die Erinnerung an die letzte Begegnung mit seinem Vater setzte diesem Vorhaben schnell ein Ende. Aber er würde Sarah schreiben, das nahm er sich vor.
Er stand nach nicht einmal 10 Minuten wieder auf und war um halb 8 bereits dabei, seine Runden ums Institut zu laufen. Er lief, um einen klaren Kopf zu bekommen, so wie gestern. Es wurden dieses Mal drei Runden, die letzte im Sprint.
Als er um kurz vor 8 wieder zu seinem Zimmer zurückkehrte, begegnete er der Rothaarigen von der Party wieder. Willow hiess sie also. Und Padraig hatte die Versteigerung gewonnen. Nach einem kurzen Gespräch und voller Vorfreude auf Frühstück, schloss Ty die Tür hinter sich. Der Sprint hatte ihm geholfen wacher zu werden und die Dusche würde den Rest erledigen.
Er verschwand in dem kleinen Badezimmer und gleich darauf rauschte das Wasser.
Storm hatte ihn abgefangen, bevor er in die Küche gehen konnte. Nun, nach der befürchteten Besprechung kehrte er als erstes in sein Zimmer zurück. Hier las er in Ruhe den Leitartikel der Zeitung. Schliesslich entschied er sich, nach unten zu gehen und sich frischen Kaffee zu holen.
Storm hatte gesagt, dass sie ihn später noch sehen wollte. Nun, dann sollte er besser was im Magen haben, nicht wahr? Ob es um diese Zeit noch Frühstück gab? Es war immerhin schon beinahe halb Zehn.
Ty verliess das Zimmer, um in die Küche zu gehen. Er war um einiges zu spät für die Verabredung mit Willow. Er hatte schon vorher gesagt, dass es später werden würde. Aber anderthalb Sunden zu spät? Wahrscheinlich würde sie nicht einmal mehr da sein.
Ty ging langsam die Treppen hinunter und dachte darüber nach, was heute wohl noch passieren würde. Er würde Storm auf jeden Fall noch einmal sprechen, so viel war klar. Vielleicht würde er noch die ein oder andere Frage an sie richten können.
Ansonsten müsste er endlich Hank diese Email schreiben. Und vielleicht auch Sarah, wenn er schon mal dabei war. Bei dem Gedanken an seine kleine Schwester erhellte sich Tys Blick ein wenig.
Ansonsten stand heute eigentlich ncihts weiter auf dem Plan, es sei denn, jemand wollte was von ihm. Also war es gar kein so schlechter Gedanke, sich endlich mal um die Fahrzeuge zu kümmern, schliesslich war das seine Aufgabe hier. Wo wohl Dany stecken mochte? Nach dem Frühstück würde er sie bestimmt sehen. Und wenn Storm Wort hielt, dann wüsste er genau, wo und wann er zu suchen hätte.
[6.8. später Abend]
Ty kehrte in sein Zimmer zurück. Noch immer schwebte er in einer Art Hochgefühl vom Abend mit Cait. Er liess sich aufs Bett fallen, verschränkte die Hände hinter dem Kopf und starrte an die Zimmerdecke.
Caitlynn. Cait - Lynn. Cait... Oh, verdammt, denk doch mal an was anderes.
Ihm fiel ein, dass er Hank wieder nicht geschrieben hatte. Ob das wohl zur Angewohnheit werden würde?
Morgen nahm er sich fest vor, morgen wirst du Hank schreiben. Nachdem dir Jean gesagt hat, was es ist.
Er nahm sich ebenfalls vor, seiner Schwester Sarah zu schreiben. Dann, als er merkte, wie ihm die Augenlider immer schwerer wurden, stand er wieder auf und verschwand im Bad. Keine zehn Minuten später hatte er den Wecker gestellt und schlief.
[7.8.]
Dank Padraigs Wecker konnte Ty wieder um 6 in der Turnhalle sein, wo er seine Meditation und Kata absolvierte. Es folgten die üblichen drei Laufrunden ums Institut, die letzte wie gewohnt im Sprint. Er war so erschöpft wie immer, als er in sein Zimmer zurückkehrte. Aber er hatte bedeutend weniger Spass am Laufen als sonst, was wohl daran lag, dass er allein lief.
Noch während er sich duschte und anzog (Oh, Mann! Hol dir endlich mal ein paar frische Sachen!), plante Ty seinen Tag. Einkaufen wäre sicherlich ratsam. Selbst wenn er Hank sofort eine Email schicken würde, seine restlichen Sachen würden einige Tage brauchen. Da war es leichter, sich einfach neue T-Shirts und dergleichen zu kaufen. Ausserdem einen Wecker, dass er Padraig seinen wiedergeben konnte. Und es stand auch noch eine Rechnung von letzter Nacht aus. Er würde also nach Inverness fahren.
Nur änderten seine Pläne nichts daran, dass er blank war. Storm hatte ihm zwar zugesichert, dass er auch Gehalt bekommen würde als Angestellter des Instituts, aber er brauchte das Geld sofort. Ob er sie wohl nach einem Vorschuss fragen könnte? Es blieb ihm ja kaum was anderes übrig. Er würde sich nach dem Frühstück auf die Suche nach ihr machen.
Er hatte verpennt! Aus irgend einem Grund hatte er den Wecker nicht gehört und nun war er spät dran. Die Meditation musste heute wohl entfallen, wenn er noch rechtzeitig zum Training mit Pad kommen wollte.
Eine Katzenwäsche später lief Ty in seinen Trainingsklamotten los und stürmte die Treppen hinab.
Ty hatte an diesem Morgen sein Training in seinem Zimmer abgehalten und es war auch kürzer gewesen als üblich. Er hatte vergeblich versucht, Caitlynn Bescheid zu sagen, sie war nicht in ihrem Zimmer gewesen. Die innere Ruhe, die er sonst durch die Meditation gewann, wollte sich heute einfach nicht einstellen. Zu viel ging ihm im Kopf herum. Cait.
Ob sie das gestern bereut? Bestimmt denkt sie, dass es ein Fehler war. Sie war schon während des Abendessens so seltsam. Sicher bereut sie es und weiss nicht, wie sie mir jetzt sagen soll, dass wir nur Freunde sein sollen.
Im Grunde konnte er es Cait nicht einmal verdenken, dass sie ihm aus dem Weg ging. Schliesslich war sie älter als er und das gestern ... war eine ziemlich spontane Aktion gewesen. Über Konsequenzen dachte man ja immer erst hinterher nach. Die Ablenkung in Form einer Aufgabe kam ihm also gerade recht.
Er beschränkte sich auf einige einfache Kata und duschte schnell. Dann ging er, um seinem Job nachzugehen. Chauffeur für die Eltern einer Schülerin zu spielen, die heute zu Besuch kommen wollten.
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Ty trug nach dem Besuch bei Cait die Sachen in die Küche. Dann kehrte er in sein Zimmer zurück und legte sich aufs Bett. Er versuchte zu lesen, konnte sich aber nicht konzentrieren.
Irgendwann schrieb er einen neuen Eintrag in sein Tagebuch, um seinen Kopf leer zu bekommen. Erst als er es wieder weglegte, bemerkte er die zerbrochene Sonnenbrille wieder. Danach hatte er Cait doch fragen wollen. Er nahm es sich für ein anders Mal vor. Vielleicht für den nächsten Tag. Wenn sie dann noch redeten.
Ty blieb nicht mehr lange wach, noch vor Mitternacht schlief er ein.
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Das Leben mit einem Gipsarm konnte schon tierisch nerven. Es war, als wäre man nur noch ein halber Mensch, und als ob sämtliche Dinge, die einem sonst so selbstverständlich vorkamen, auf einmal extrem kompliziert geworden waren. Selbst so eine einfache Aufgabe wie sich die Hände zu waschen, war plötzlich ein abenteuerliches Unterfangen ohne Vergleich. Vor allem, wenn man nur eine Hand hatte.
Als Ty, nachdem er sich endlich die Hände gewaschen hatte, aus dem kleinen Badezimmer trat, fiel sein Blick als erstes auf den Wecker neben dem Bett. All zu spät war es ja noch nicht. Ob Cait in ihrem Zimmer war?
Ty beschloss, sie nicht zustöören, sondern sich unten in die Küche zu setzen. Da war jetzt, nachdem der Abendabwasch getan war, noch am Wenigsten los. Und trotzdem kam er sich nicht so verloren vor, wie in seinem Zimmer.
Nachdenklich kaute er einen Moment auf der Unterlippe. Es bestand immer noch die Möglichkeit, dass einer der Schüler hereinkommen könnte. Und seit dem Vorfall vor zwei Tagen waren die fast alle schlecht auf ihn zu sprechen. Andererseits knurrte sein Magen und da er immer noch nicht mit den anderen im Esszimmer essen wollte, brauchte er Nahrung.
Ty griff sich kurzerhand zwei Bücher vom Tisch und klemmte sie sich unter den Gipsarm. Dann verließ er sein Zimmer, um sich auf den Weg zur Küche zu machen.
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Ty war eben erst hochgeschreckt, doch das helle Licht, das von draussen durch die Fenster fiel veranlassten diesen ersten Gedanken des Tages. Der Blick auf den Wecker neben seinem Bett bestätigte seine Vermutungen. Zu spät fürs Frühstück, zu früh fürs Mittagessen.
Seufzend schwang er sich aus dem Bett und überlegte, wie der Tag verlaufen sollte. Seine nächtlichen Gespräche mit den Lehrkräften, die noch wach gewesen waren, blieben erfolglos. Er hatte nichts erfahren. Und die Kinder beim Frühstück zu zählen...
Marinja!
Er hatte sie versetzt. Nun würde sie schon mit den anderen in den Klassenräumen sitzen.
Ty beschloss, etwas zu essen und sich dann mit Hilfe der Sensorenaufzeichnungen in den Subs ein Bild davon zu machen, wer wann vom Gelände verschwunden war. Es gab zum Glück nicht nur den Sensor am Tor. Viele waren über das gesamte Gelände verstreut. Das bot zwar eine grundlegende Sicherheit, gleichzeitig aber bedeutete es mehr Sensorenlogs zum durchsehen. Er würde eine Weile beschäftigt sein.
Als er fünfzehn Minuten später das Zimmer verlassen wollte, bemerkte er den kleinen Zettel. Ein Trainingstermin mit Cathrina... das würde sich bestimmt noch einrichten lassen.
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Er kam vom Joggen zurück, war entsprechend ausgepowert, und irgendwas zwischen durchgefroren und nassgeschwitzt. Und glücklich.
Kaum war die Tür hinter ihm ins Schloss gefallen, hatte er auch schon damit begonnen, sich aus seinen Klamotten zu schälen. Was sich während des Gipsarms schwieriger gestaltete, als er es sich im ersten Moment vorgestellt hatte.
Kaum hatte er diese Hürde genommen, tat sich ein weiteres Problem auf: die ersehnte Dusche war nicht so einfach möglich, so lange er den Gips hatte. So ein Mist, warum hatte er nicht vorher daran gedacht?
Erst nach einigen Minuten hatte er eine halbwegs effektive Schutzmassnahme gefunden, in Form einer Plastiktüte. Jetzt endlich gönnte er sich seine heisse Dusche.
Es war hier, dass ihn Jeans telepathische Nachricht erreichte. Kaum hörte er ihre Stimme in seinem Kopf, zuckte er herum. Instinktiv bedeckte er seine Blöße, bis er sich überzeugt hatte, dass er allein war. Eine Gänsehaut hatte er dennoch bekommen. Es war einfach ein zu seltsames Gefühl, nicht allein in seinem Kopf zu sein, und er war froh, als es wieder vorbei war.
Er beendete seine Dusche und bemühte sich, in einigermassen angemessene Kleidung zu klettern. Der Anzug fiel aus. Es würde zwar noch etwas dauern, aber er wollte nicht im Schlabberlook zum Meeting erscheinen.
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Der Wecker klingelte schon, da war die Sonne noch nicht einmal aufgegangen. Ty stellte ihn sofort ab und schwang die Beine über die Bettkante. Verschlafen strich er sich mit der linken Hand über das Gesicht und wuschelte sich selbst durch die Haare. Nachdem er eine halbe Minute so zugebracht hatte, zwang er sich dazu, endgültig aufzustehen.
"Ein neuer Tag, mach was daraus!"
Seltsam, dass er diesen Ausspruch selbst benutzte. Noch seltsamer, dass er ihn wirklich laut aussprach. Aber außer ihm war ja niemand da, der ihn hätte hören können. Auch wenn er es sich vielleicht anders gewünscht hätte. Aber Cait war ... ein anderes Thema, mit dem er sich jetzt nicht befassen wollte.
Stattdessen begann Ty mit einem leichten Aufwärmtraining, soweit das der Gipsarm und die beengten Verhältnisse seines Zimmers zuließen. Sit-ups und einarmige Liegestütze bekam er ja wohl noch hin; für mehr Gymnastik war hier einfach nicht mehr Platz. Aber er hatte ja auch nicht vor, hier zu bleiben.
Nachdem er aufgewärmt war, legte Ty die Plastiktüte im Bad bereit, die er sich beim Duschen um seinen Gipsarm band. Dann zog er sich die Joggingkleidung über und verließ das Zimmer. Ein paar Runden ums Institut würden ihm gut tun. Vielleicht würde er sich sogar in der Sporthalle einfinden, manche seiner Kata konnte er auch mit einem Gipsarm ausführen.
Ty hasste es, so eingeschränkt zu sein und deswegen hatte er sich vorgenommen, trotz der Verletzung fit zu bleiben. Der pochende Schmerz, der seinen rechten Unterarm durchzuckte, als er mit dem Gips an den Türrahmen seines Zimmers stieß, verriet ihm, dass es wohl noch eine ganze Weile dauern würde, bis er wieder der ganz der Alte war. Verbissen zog er die Tür ran und machte sich auf den Weg nach draussen.
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Als der Wecker klingelte, verschwendete Ty keine Zeit. Er beeilte sich mit seinem Ausflug ins Bad und zog sich schon die Boots über, als er die Zahnbürste noch im Mund hatte.
Heute hatte er viel vor: das Schneemanöver musste vorbereitet werden, und die Überraschung für die Kids musste man in die Wege leiten. Aber an allererster Stelle stand eine Überraschung ganz anderer Art. Sie würde Miss Caitlynn Lydecker betreffen, die er in ihrem selbstgewählten Exil am heutigen Morgen mit einem Frühstück wecken wollte.
Er schnürte die Boots zu, beeilte sich, die Zahnbürste loszuwerden, fuhr sich mit den nassen Fingern durchs Haar und wollte das Zimmer verlassen. Im letzten Moment griff er noch nach dem Päckchen Karten, die Remy zurückgelassen hatte.
Ty schlug die Augen auf. Draussen war es noch dunkel, nur vereinzelt tanzten Schneeflocken im Schein der Aussenbeleuchtung. Ein Blick auf den Wecker verriet ihm, dass seine innere Uhr wieder zu funktionieren schien. Fünf Minuten später hätte das Gerät ihn geweckt.
Ihm war an diesem Morgen nach Laufen, Frühsport, sich einmal wieder richtig auspowern, Gips hin oder her. Ob Cait wohl mitmachen würde? In letzter Zeit hatte sie öfter abgelehnt, aber Ty hatte ohnehin nicht mehr regelmässig trainiert, seit er den Gips hatte. Das war nun schon über einen Monat her und er fühlte sich jetzt sicher genug damit.
Es wurde Zeit, dass es weiterging.
Ty warf sich in seine Trainingsklamotten und band sich mit erstaunlicher Geschicklichkeit die Bänder seiner Turnschuhe zu. Es sah immer noch seltsam aus, da er mit der Kante des Gips immer irgendeine der Schlaufen festhalten musste, aber er hatte es immerhin schon so weit gebracht, nicht mehr auf fremde Hilfe angewiesen zu sein. Das Gefühl der Hilflosigkeit war das Schlimmste am Ganzen gewesen.
Noch ein kurzer Ausflug ins Bad und dann stand Ty auf dem Flur.
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Ausgepowert kam er zur Tür herein, erschöpft aber glücklich. Er hatte bekommen, was er wollte, und mehr. Auf den Anraunzer in den Subs hätte er verzichten können, aber woher hätte er auch wissen sollen, dass Remy gerade erst eingeschlafen war?
Im Moment war ihm ohnehin alles egal, jetzt zählte nur noch die wohlverdiente heisse Dusche.
Der Wecker zeigte 8:10, als Ty sein Zimmer erneut verließ, dieses Mal, um unten zu frühstücken.
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