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Es gab bestimmt viele, die von Vorahnungen heim gesucht wurden. Sei es einfach durch ein bestimmtes Gefühl oder eben durch eine höhere Begabung, wie Visionen oder Ahnungen, die einen im Traum erreichten. Als Dany an diesem Morgen aufwachte, fühlte sie sich, als hätte ihr der Schlaf eine eben solche Ahnung eingeflüstert, doch als sie sich fragte, was das wohl für eine gewesen sein mochte, gab es nichts, weswegen sie sich beunruhigt fühlte, also schob sie diese Gedanken einfach beiseite und stand auf, um sich eine lauwarme Dusche zu gönnen.
Sie war eine Frühaufsteherin und besass zwar keine Uhr, aber trotzdem wusste sie, dass es spätestens sieben Uhr war. Später wachte sie so gut wie nie auf, selbst dann nicht, wenn sie erst sehr spät eingeschlafen war. Heute sollte also endlich der erste Schritt in Richtung Unterricht getan werden. Sie war ziemlich gespannt, vor allem auf diejenigen, welche eine Klasse mit ihr teilen würden. Irgendwie hatte sie das Gefühl, dass die meisten eher ein paar Jahre älter als sie waren, aber befürchten, dass sie am Ende ganz alleine die Schulbank drücken würde, wollte sie mal lieber nicht. Karl schien ja in ihrem Alter zu sein, auch wenn er ganz schön gewöhnungsbedürftig war.
Dany war froh, dass sie inzwischen wusste, wo und wie sie ihre Sachen waschen konnte, denn sie hatte nur ein paar Stücke dabei. Und wie ein Dreckspatz rumlaufen wollte sie nun wirklich nicht. Nachdem sie sich ihre ausgebeulte Jeans, den alten Kapuzenpulli und die Turnschuhe angezogen hatte, zog sie voller Tatendrang und vor allem dem Bedürfnis nach einer guten Tasse Tee die Zimmertür auf, als sie das sah, was ihr diesen Tag verderben sollte, noch ehe er richtig angefangen hatte.
Liebe Dany,
leider musste ich unvorhergesehen und ohne Ankündigung die Schule verlassen. Aber ich habe Ms Munroe mitgeteilt bzgl. der Bücher und den Rest, über den wir gesprochen haben. Du musst nicht denken, dass ich dich im Stich gelassen habe. Ich denke an dich und drücke dir die Daumen dass du es schaffst. Aber eigentlich brauch ich das ja gar nicht, da ich weiß, dass du es schaffen wirst. Ich bin in Gedanken bei dir.
Ich hab dich lieb.
Deine Freundin Carol
Sie brauchte lange, bis sie den ganzen Brief gelesen hatte und das lag nicht nur an ihrer Legasthenie, viel mehr an dem Unglauben an den Worten, welche da krampfhaft versuchten, ihren Verstand zu erreichen. Aber noch bevor sie wirklich begriff, was Miss Stone ihr da mitgeteilt hatte, kamen Fragen auf. Da stand was von Miss Munroe. Wenn jemand etwas wusste, dann sicher sie und Dany liess sich nicht einmal die Zeit, die Zimmertür hinter sich zu schliessen, so schnell rannte sie auf einmal los.
~tbc: Auf der Suche nach Ororo
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