Das X-odus Forum befindet sich derzeit in einer Pause.
Für all Diejenigen, die ihre Charaktere bis zum Wiederbeginn
nicht ruhen lassen wollen, empfiehlt die SL euch
diese Seite.
Wir wünschen unseren fleissigen Usern viel Spass
auf der neuen Plattform und hoffen
euch alle in alter Frische und mit dem gleichen Elan
bald auch wieder an dieser Stelle begrüssen zu können.
Juliece hatte sich aus dem Zimmer geschlichen, in der Hoffnung Elayne hätte nichts bemerkt.
Sie wollte für eine kleine Weile einfach mal alleine sein, nachdenken, vor allem allein mit ihren Gefühlen sein, niemanden haben, der dazwischen funkt.
Das sollte nicht heißen, dass sie nicht gerne Leute um sich hatte, aber es war auch einfach mal ein schänes Gefühl alleine zu sein, die dunkle nacht zu genießen.
Schlafen konnte sie ohne hin nicht, woran das lag, wusste sie allerdings nicht.
Vielleicht die Aufregung vor dem morgigen - heutigen - Unterrichtsbeginn? Die Angst neue Leute kennenzulernen? Sie wusste es nicht.
Allein mit seinen Gefühlen zu sein, brachte also auch nicht viel mehr Aufschluss.
Sie saß gegen einen Baum gelehnt, hatte die Knie angezogen und starrte auf den Himmel, an dem hier und da eine Wolke vorbeihuschte.
Es raschelt kein Blatt, jedenfalls keines das nicht auch im Wind geraschelt hätte, so dass das Geräusch untergeht, und auch Schritte auf den Ästen sind nicht zu hören. Nichteinmal wenn Juliece sensitiv für feine Erschütterungen wäre, würde ihr das viel nützen. Der Ast, auf den Chui gesprungen ist, schwingt die Bewegungsenergie aus, besonders schwer ist sie auch nicht und ihre Balance ist nicht weniger als tadellos. Es bliebe also dem Zufall überlassen, der Juliece vielleicht funkelnde Katzenaugen entdecken ließe beim Blick ins Blätterwerk, wenn nicht... ja, wenn sie nicht Empathin wäre. Möglicherweise bemerkt sie diesen Hauch von Verwunderung, Erkennen und heraufdämmernder Neugier in der Nähe. Ansonsten bleibt es still und dunkel, nur die Sterne funkeln herab und schweigen ebenso.
Juliece hatte die Augen geschlossen und es genossen alleine zu sein. Der leichte Wind, der ihr durch die Haare streifte und sachte um die OHren pfiff.
Doch dann öffnete Julie die Augen. Da war doch was, wer, jemand anderes.
Oder?
Genau konnte Julie dies nicht ausmachen, denn es war zu weit weg, zu schwach waren die Gefühle, die zu ihr herüberwehten.
Vielleicht war das Gefühl allein zu sein, für sie wieder so fremd geworden, dass sie immer dachte, es wären andere Gefühle, die eigentlich ihre eigenen waren um sie herum.
Und doch spitze sie ihre Ohren und achtete auf die Geräusche in der Umgebung und schaute aufmerksam in die Dunkelheit. Doch sie konnte nichts entdecken, kein ungewöhnliches Geräusch ausmachen.
Vermutlich nur Einbildung - oder?
Vergebens lauscht die Empathin und auch ihr Blick nach oben fördert nichts zutage. Chui hängt fast genau über ihr in den Ästen, teilweise verdeckt von Blättern, und senkt einfach die Lider über ihre Augen, die sie verraten könnten mit ihrer grünfahlen Lumineszenz. Ansonsten bewegt sie sich nicht... in der Dunkelheit kann Juliece sie nicht entdecken, und auch andere Katzen hätten es schwer, nicht einfach nur über einen weiteren unförmigen Ast hinwegzusehen (ihre Hautfarbe hilft dabei auch). Mehr noch als am Tag ist Bewegung der Unterschied zwischen Gesehen- oder Übersehenwerden.
Sie ist nicht beunruhigt, denn sie kennt ja die Handicaps der Normalen in der Nacht. Gleich darauf fragt sie sich aber, warum sie sich eigentlich versteckt. Sicher, Juliece wollte hier wohl alleinsein, aber sie hat etwas bemerkt, sonst hätte sie gar nicht geschaut. Vielleicht hat sie meine Gefühle gespürt? überlegt sie kurz und strahlt für Juliece eine kleine Unsicherheit aus, ein kurzes Wanken und einen daraus hervorgehenden Entschluß. Sie schaut wieder hinunter, und wenn Juliece auf die Idee kommt, nach oben zu schauen, kann sie in hintergründigem Grün funkelnde Katzenaugen sehen... allerdings zu groß für eine Hauskatze. "Hallo Juliece." kommt dann eine leise Stimme, die sie schon kennt, aus dem Geäst. "Ich wollte dich nicht stören, es ist Zufall, dass ich hier vorbeikomme."
Da war es wieder. Ein kurzer Hauch eines fremden Gefühls. Unsicherheit, wie Julie feststellte.
Wieder starrte sie in ihre Umgebung, konnte aber nichts ausmachen.
Doch dann war da etwas, mehr als deutlich. Ein Stimme.
Sie kam aus den Ästen über ihr. Julie erschrack und stand mit einem Satz auf. Es dauerte ein paar Sekunden, bis sie realisierte, dass es eine ihr bekannte Stimme war. Chui?
Das würde auch erklären, warum die Stimme von oben kam.
Also schaute Julie in eben diese Richtung, machte aber noch nicht viel aus, außer ein kurzes Aufblitzen eines Augenpaares.
"Keine Sorge, du störst nicht!", antwortete sie leise, aber laut genug, dass es - zumindest für Julie - den sachten Wind übertönte.
Chui duckt sich ein wenig, als Juliece aufspringt, sie wollte sie ja nicht erschrecken... andererseits hätte sie dazu wohl geräuschvoll am Boden entlang herkommen müssen. Da sie bis vor kurzem nicht wußte, dass noch jemand außer ihr hier ist, kam es anders. Trisha hat sich von ihr getrennt, im Wald... vielleicht kommt sie ja noch her, aber sie wollte sich etwas ansehen.
Da es unhöflich ist, die andere andauernd aufschauen zu lassen, sollte sie wohl auf den Boden kommen. "Warte, ich komm runter." sagt sie und klettert kopfüber auf einen niederen Ast zu, an dem sie sich mit beiden Händen festhält und herunterschwingen läßt, um sich mit dem Loslassen die letzten 5 Fuß Höhenunterschied zum Boden einfach fallenzulassen. Sie kommt mit den Füßen auf und es ist wohl das lauteste Geräusch, dass sie hier außer ihren Worten verursacht hat. Es ist immer noch ziemlich dunkel, aber ihre Silhouette und die glimmenden Augen sind jetzt für Juliece besser zu erkennen - Chui sieht sowieso (fast) alles was sie sehen will.
"Ähm... was machst du denn hier am Wald, um die Zeit? Kannst du nicht schlafen?" fragt sie, ein wenig verlegen. Eigentlich geht es sie ja wenig an, aber ungewöhnlich ist es schon... genauso als sie Padraig begegnet war, aber das Faible für einen nächtlichen Waldlauf war ein Grund, den sie mehr als bereitwillig akzeptieren konnte.
Julie schaute zu der dunklen Gestalt, die sich als Chui herausgestellt hatte, wie sie den Baum herunterkletterte.
Auf eine verdrehte Art und Weise bewunderte Julie Chui für ihre Begabungen, beneidete sie sogar fast.
Vermutlich hatte sie es sehr schwer gehabt in vielen Hinsichten, doch bemitleidete Julie sie nicht dafür.
Warum auch? Denn jetzt war sie hier und was besseres konnte ihr, konnte jedem hier nicht passieren.
"Nein, ich kann nicht schlafen! Ich bin ein wenig nervös, wegen morgen!", erklärte sie und lächelte, auch wenn sie Chuis Ausdruck in ihrem Gesicht nicht sehen konnte, konnte sie ihn doch erahnen.
Sollte sie sagen, dass sie einfach ein wenig allein sein wollte? Würde sich Chui auf den Schlips getreten fühlen? Das wollte Julie wirklich nicht.
Chui lächelt leicht zurück, was ja nun gar nicht zu sehen ist, wie sie sich wiedermal klarmachen muß. "Ja... ich hätte nicht gedacht, dass ich nochmal zur Schule gehe..." kommt es halblaut aus ihrer Richtung, begleitet von einem merkwürdigen Mischmasch aus Unbehagen und Dankbarkeit. Vielleicht läßt sich das ja der Vergangenheit und der Gegenwart zuordnen. Ich hätte einiges nicht gedacht... eigentlich nichts von dem das passiert ist, seit ich Sariel begegnet bin.
Sie blinzelt und sieht Juliece wieder an. Nicht nur dass sie hier jetzt nicht vor sich hin sinnieren will, ihre Emotionen sind für Juliece auch noch ein offenes Buch... ob ihr das manchmal auf die Nerven geht? Ob sie es abschalten kann? Sie weiß sovieles nicht. Chuis Neugier jedenfalls ist erwacht, kommt aber an der Barriere ihrer Zurückhaltung nicht vorbei. Sie will Juliece nicht mit Fragen überfallen, wo sie doch hergekommen ist um Ruhe zu haben. Und was bedeutet das für deine Anwesenheit? Sie hat zwar gesagt ich störe nicht, aber das war vielleicht nur höflich. Empathin müßte man sein. "Ehm... wolltest du allein sein?"
Julie sah Chui an und zögerte zu antworten.
Vermutlich verriet ihr Zögern mehr, als sie beabsichtigt hatte.
"Chui, naja...", begann sie.
"Also, zu erst ja, aber ich freue mich, dass du gekommen bist!", sagte sie wahrheitsgetreu.
Sie spürte, dass Chui einiges auf dem Herzen hatte und wenn sie fragen wollte, würde Julie jede einzelne Frage ruhig beantworten. Doch wollte sie Chui sicher nicht aufdringen sie zu fragen. Das sollte ihre Entscheidung bleiben.
"Es ist seltsam immer das Gefühl zu haben, dass irgendwer anders in einem drin ist, die Gefühle mein ich..."
Kurz kratze sie sich am Kopf. Sie wusste auch nicht mehr, was genau sie da eigentlich redete.
"Was machst du denn hier draußen, wenn ich fragen darf?"
Irgendwie musste ja davon ablenken, dass sie etwas verwirrt war.
Ja, so ein Zögern ist schon ziemlich deutlich für jemanden, der zumindest halb sowieso damit rechnet. Die anfänglichen Worte verfestigen den Eindruck, die nächsten widersprechen. Chui legt den Kopf leicht schief, und ihre Verwirrung ist ziemlich deutlich. Das legt sich ein wenig, als Juliece weiterspricht. Dennoch kann natürlich auch das Katzenmädchen ihre Gefühle nicht abschalten. "Oh... kann ich mir vorstellen..." sagt sie. "Kannst du nicht... naja, in deinem Kopf die Tür zumachen?" Bildliche Sprache ist was Tolles.
"Oh, ähm..." Chui fühlt sich ein wenig ertappt, aber da sie nichts Verbotenes tut (hier hat, im Gegensatz zum Heim früher, noch keiner etwas von Bettruhe und Zimmeraufenthalt gesagt), vergeht das recht schnell wieder. "Ich laufe schon lange gern in der Nacht in den Wald.. also.. fast jede Nacht, eigentlich." sagt sie und lächelt leicht. "Das liegt mir."
"Tür zu machen?", Julie schmunzelte ein wenig. Das war eine nur zu treffende Ausdrucksweise für das, was sie gerne könnte, und auch mit Padraig übte.
"Naja, noch nicht!", ergänzte sie und lächelte sachte.
Sie schaute sich mehrfach um. Nicht um sich zu vergewissern, dass dort niemand war, nein, einfach weil sie die Umgebung betrachten wollte, dunkel, leer. Sie würde es vermutlich nicht wollen, jede Nacht hier raus zukommen, geschweige denn aushalten, aber sie würde Chui nicht weiter fragen.
Doch es lag ihr eine Frage auf der Zunge, die sich allgemein um alles drehte. Es war einfach, als ob Julie jeden aus dem Institut fragen wollte.
"Wie, wie gefällt es dir hier? Ich meine, bist du nervös wegen des Unterrichts?"
"Aha, okay." sagt das Katzenmädchen und spart sich eine Platitüde wie 'Das ist sicher nicht so leicht.' Sie weiß es schlichtweg nicht und wird es wohl nie erfahren. Das heißt, sie 'hört' alles was ich fühle. Huh... naja, aber sie ist nett... ich hab nicht vergessen wie sie mich als erste begrüßt hat, als das erstemal andere Schüler da waren als Calan und ich. Was für Dr. Grey gilt, wird für sie auch gelten.
Spürbar ist, dass sich ein gewisses Grundunbehagen wegen Juliece's Fähigkeit (sie kann wahrscheinlich erraten, dass es darum geht) in Grenzen hält und erlischt, zugunsten von Vertrauen, gemischt mit einer gewissen entrückten Dankbarkeit... Gedanken an Vergangenes, die Gefühle die mit Erinnerungen verknüpft sind, haben ihre ganz eigene Färbung, die sie entlarvt. Auch das verschwindet, als Juliece's Frage sie in die Gegenwart zurückholt.
"Nervös?" fragt sie nach und überlegt. Während ihrer nächtlichen Spazierklettertouren hat sie den Kopf weitgehend frei, und wenn nicht, denkt sie neuerdings an Colum (ein Hauch Rosenblüten weht durch ihre Gedanken, bildlich gesprochen), sie hatte einfach keine Zeit, Gedanken an den beginnenden Unterricht zu verschwenden. "Eher wegen der Schüler die ich noch nicht kenne als wegen dem Unterricht." sagt sie und lächelt flüchtig/verlegen. "Aber... ähm, das liegt an mir..." sagt sie noch dazu. Hätte sie wahrscheinlich gar nicht müssen, schließlich wird Juliece das kaum falsch verstehen können.