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nicht ruhen lassen wollen, empfiehlt die SL euch
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Wir wünschen unseren fleissigen Usern viel Spass
auf der neuen Plattform und hoffen
euch alle in alter Frische und mit dem gleichen Elan
bald auch wieder an dieser Stelle begrüssen zu können.
Der Raum in den unteren Gängen des Instituts lag im Halbdunkel.
Nur eine an der Wand befestigte Lampe spendete ein wenig gedämpftes Licht.
2 Betten standen darin,in einer lag eine Gestalt, die sich nicht rührte.
Dann, eine Bewegung!
Ein Zucken im Körper.
Ein Stöhnen kam aus dem Mund, es klang trocken und gequält.
Es wurde merklich kühler im Raum, auf Bodenhöhe bildeten sich kleine Nebelschleiher, die durch den Raum krochen.
Eine Trennwand, dieden Raum zwischen den beiden Betten trennte begann wie von selbst zu schwingen, als wenn ein Windstoß gegen sie traf, jedoch gab es hier keine Fenster.
Ein Zahnputzbecher fiel in das kleine Waschbecken und im nächsten Moment krachte die Trennwand scheppernd zu Boden!
Das Geräusch klang hallend in den Gängen der Katakomben nach!
Ein wenig des kalten Nebels drang mit dem leichten Lichtstrahl unter der Tür hindurch hinaus auf den Gang.
Er war auf der Suche nach jemandem, der sich vielleicht ein paar Minuten Zeit nahm und einen Blick in die Dateien warf, die Dorian encodiert hatte. Hier in den Subs kam er sich wirklich ziemlich fehl am Platz vor, obwohl die Gänge an die Labore von Genethics erinnerten. Jedenfalls in gewisser Weise.
Als er die feinen Nebelschwaden unter der Tür hindurch kommen bemerkte, steckte er die Diskette in die Gesäßtasche seiner Jeans und ging mit leicht gerunzelter Stirn auf eben jene Tür zu. Hier brannte es doch nicht etwa, oder doch? Es roch nicht nach Feuer, dennoch drückte Dorian die Klinke und sah nach, was in dem Zimmer vor sich ging.
Anfangs sah er nicht viel, nur dass einige Dinge auf dem Boden lagen, inklusiv einer Trennwand, die als Sichtschutz zwischen zwei Betten diente, wobei nur eines der Betten belegt war. Gut, Dorian hatte hier rein gar nichts zu suchen, aber er war Arzt und ging darum schon automatisch weiter in den Raum vor.
Langsam stellte er die Trennwand wieder auf, während sein Blick auf den Liegenden gerichtet war. Erinnerungsfetzen rasten durch sein Gedächtnis und er sah dieses Gesicht, das gerade vor ihm war, in den Laboren von Genethics. Erschrocken trat er zwei Schritte zurück, wobei er die Trennwand beinahe wieder umgestoßen hätte. Es war einer der Jungen aus dem Labor, den Raguel und sein Team ...befreit hatte, wie er Dorian erzählt hatte. Befreit...
Etwas verwirrt trat er wieder näher ans Bett und fühlte Brendans Puls. Dorian war für andere immer ein sehr vertrauenserweckender Mensch (auch wenn seine Iris in ständiger Bewegung war), vor allem, wenn er lächelte. Und genau das tat er, als Brendan letztlich langsam zu sich kam. Gleich, was er getan hatte; er war noch immer Arzt.
Die Hände des jungen Mannes waren leicht fixiert, kalter Schweiß stand auf seiner Stirn.
Der Puls ging schnell, aber regelmäßig.
Ein Verband war über den Handgelenk.
Die Augenlieder flatterten ein wenig, und als der junge Arzt ihn berührte, schien es fast, als wenn die Temperatur im Zimmer wieder anstieg.
Und während der Bodennebel sich verflüchtigte, öffnete Brendan die Augen.
Die Iris war von einem tiefen Rot!
Die Lieder schlossen sich, öffneten sich gleich darauf wieder.
Er kämpfte um sein Bewusstsein, darum, wach zu bleiben!
Nur verschwommen konnte er seine Umgebung erkennen.
Aber da war jemand!
Nahezu Augenblicklich wollte er sich zurückziehen, Erinnerungen an Schmerzen...bestialische Schmerzen kamen in ihm auf.
"Wer....Weg! Weg von mir!"
Er versuchte, sich von Dorian weg zu bewegen, aber die Fixierung verhinderte das.
Die Armschlaufen ließen sich zwar eigentlich leicht lösen, aber in dem Anflug von Panik konnte er sich nicht darauf konzentrieren.
Armschlaufen?! Wer in Gottes Namen hatte ihn hier festgebunden? Auf Dorian machte er nicht den Eindruck, als wäre der Junge gefährlich.
"Sch...ich tue dir nichts. Keine Sorge, du bist hier in Sicherheit."
So genau wusste er das zwar nicht, aber das musste er Brendan ja nicht unter die Nase binden. Und zudem hatte Dorian eine so beruhigende Stimme, dass sie ebenfalls wie seichter Nebel zu dem Jungen vordrang; nicht gänzlich tief, aber doch sehr angenehm volltönern.
Dorian meinte sich zu erinnern, diese roten Augen auch schon einmal gesehen zu haben, nur ohne Gedächtnis oder nur bruchstückhaftem Gedächtnis, konnte man eben nicht viel damit anfangen. Seine Hände schlossen sich um die Handgelenke des anderen. Nicht um ihn festzuhalten, sondern um zu verhindern, dass sich Brendan verletzte, wenn er weiter an den Riemen zog.
Am besten sagte er nichts davon, dass er Arzt war. Das hatte bei Brendan gewiss noch einen schlechten Nachgeschmack - hoffentlich kannte er Dorian nicht (aber eher unwahrscheinlich, denn Dorian erinnerte sich - wenn auch vage - daran, dass der Junge stets bewusstlos gewesen war). Soweit Dorian das beurteilen konnte, klangen die Medikamenteneinwirkungen gerade ab.
Langsam wurde er klarer.
Er hatte nur wenig mitbekommen, aber das hier war ein anderer Raum, als der, in dem er zuletzt gewesen war.
Entweder hatte man ihn verlegt oder er war irgendwie von diesen Leuten entkommen.
Zumindest machte der Mann vor ihm keinen feindseligen Eindruck.
"Do...Dorian?
Wer bist du, Mann?
Was ist passiert?
Wo... wo bin ich hier?"
Nervös blickte er sich um.
Irgend etwas in ihm verkrampfte sich, ihm war schlecht!
Und mit einer Diangose hatte der junge Arzt vollkommen recht:
Die Medikamente, die man dem Jungen mit den Zöpfen gegeben hatte, klangen ab, und damit kam auch der Entzug.
In seinen roten Auge lag ein fiebriger Glanz.
Ja, das war eine verdammt gute Frage und er hatte absolut keine gute Antwort darauf. Auch was passiert war oder wo genau sie sich hier befanden, konnte er nicht beantworten. Wer war er? Ein Mörder. Ein skrupelloser Wissenschaftler? Oder doch nur jemand, den man bei Genethics gezwungen hatte, etwas zu tun, das er sonst nie tun würde. Experimente an Mutanten kamen ihm so absurd vor und innerlich sträubte er sich, daran zu glauben, dass er wirklich einer von diesen Menschen war.
"Ich werde dir helfen", sagte er darum. Auch wenn Dorian nicht gerade die Statur von Hulk aufweisen konnte, wäre es ein Fehler anzunehmen, dass Dorian schwach war. Entschlossen löste er die Riemen um die Handgelenke, um sich kurz die Verbände anzusehen. Brendans Pupillengröße und die Anzeichen von Übelkeit sagten ihm, dass es bereits in die zweite Phase des Entzugs ging, dennoch machte er ihn vom Bett los, denn an Erbrochenem zu ersticken war ja nun mal ein ganz übler Tod.
"Denkst du, du musst dich übergeben?"
Dorian stellte die Sachen in nähester Umgebung einmal fort. Er wusste natürlich nicht, was genau Brendan im Blut hatte, so dass er nur raten konnte, wie die Phasen des Entzugs einhergingen.
Die Armschlaufen waren definitiv nicht dazu gedacht gewesen, den jungen Mutanten gefangen zu halten, zu leicht ließen sie sich öffnen!
Es war wohl nur geschehen um zu verhindern, das er sich selbst verletzte.
Als er frei war und sich Dorian die Verbände angesehen hatte, die über einigen Schnittwunden lagen, rieb er sich vorsichtig die Handgelenke, sah sich um, als ob er nicht fassen konnte, das er tatsächlich frei war.
"Danke!"
Ihm war schwindlig und der Inhalt seines Magens drückte.
Dabei hatte er bestimmt kaum etwas gegessen.
"Ich weiß nicht...befürchte ja!"
Etwas schnürrte ihm die Speiseröhre zu.
Sein Blick suchte nach einer Toilette und blieb an dem kleinen Waschbecken hängen.
Eigentlich war es ihm Moment egal, aber er hatte wirklich keine Lust, in seinem eigenem Erbrochenem zu sitzen.
Und er hatte keine Lust, das Zeug aufzuwischen, darum nickte Dorian knapp und half Brendan beim Aufstehen. Er begleitete ihn auch hinüber zum Waschbecken, da scheinbar noch niemand vermutete, dass der Bewusstlose erwachen könnte. Die Frage war, ob Brendan sich auch auf den Beinen halten konnte, denn scheinbar war jener lange gelegen, so dass sich womöglich Muskulatur abgebaut hatte.
"Wenn du nicht stehen kannst, dann sag es mir...", allerdings sah er sich bereits nach einem Stuhl um, den er mit dem Fuß am Stuhlbein zu sich zog, damit sich Brendan hinsetzen konnte.
Dabei fiel ihm die Klappmappe auf, die neben dem unbesetzten Bett auf dem Boden lag. Vielleicht enthielt sie ja die Daten über diesen Patienten hier. Noch einmal warf er einen Blick zu dem Jungen, um festzustellen, dass mit dem auch alles in Ordnung war. Erst dann ging er hinüber und hob die Mappe auf.
Brendan war wirklich noch etwas schwach auf den Beinen und nahm die Hilfe gerne an.
"Danke!
Ich heiße Brendan!"
Als sie an dem Waschbecken angekommen waren, hielt er sich erstmal daran fest, blickte kurz in den Spiegel und befand, das er furchtbar aussah.
Als ihm der Stuhl bereitgestellt wurde ließ er sich darauf nieder.
"Danke!"
Er nahm den Zahnputzbecher aus dem Becken und drehte den Hahn auf.
Er ließ sich etwas Wasser ein und trank einen Schluck, in der Hoffnung, das das furchtbare Gefühl in seinem Magen aufhören würde, aber natürlich war genau das Gegenteil der Fall!
Er hustete einmal, dann erbrach er auch schon wieder die Flüssigkeit in das Becken.
Zum Glück hatte er in letzter Zeit keine feste Nahrung zu sich genommen, so das das nicht allzu schlimm war.
Und er fühlte sich tatsächlich ein wenig besser.
Das Wasser spülte das eklige Zeug zum Glück gleich weg, und so ließ er sich wieder etwas Wasser in den Becher ein und versuchte es wieder.
Und diesmal blieb es drin!
Er sah zu Dorian hinüber, der in einer Mappe blätterte.
"Was...was ist denn jetzt genau passiert?
Wo war ich und was haben die mit mir gemacht?
Und was ist das hier?
Wo bin ich denn jetzt?"
Sicher, das waren eine Menge Fragen, aber durchaus verständlich!
Er war mehr als verwirrt aufgrund seiner Situation.
Aber auch froh, aus diesem Raum weg zu sein, in dem er die letzten Tage gesteckt hatte...
Hatte er doch, oder?
Er wusste es nicht genau...es war wie ein Alptraum!
"Hm...?" Nur langsam sah er von der Mappe auf. In Brendans Blut waren ein paar übliche Tranquilizer, beliebte Schlafmittel, die bei gewisser Dosierung aber zur Abhängigkeit führen konnten. Weniger üblich waren Spuren von Barbituraten, die viele Nebenwirkungen hatten und lange im Organismus blieben, so dass sie schon seit Jahrzehnten nicht mehr zur Anwendung kamen.
"Ich weiß selbst nicht, was genau passiert ist, Brendan, aber man hat euch aus den Laboren geholt und ihr seid nun hier erst einmal in Sicherheit."
Dorian lehnte so arzttypisch gegen das Bett, dass man sich schon beinahe den Arztkittel mitdenken konnte. Schließlich klappte er die Mappe wieder zu und ließ sie auf dem Bett liegen. Der Entzug würde einige Zeit dauern und Dorian überlegte, wie man dem entgegen wirken konnte. Brendan stand jedenfalls keine leichte Zeit bevor.
"Sie haben dir Schlafmittel verabreicht, die einige Nebenwirkungen haben und ich denke, du solltest in nächster Zeit unter ärztlicher Aufsicht bleiben."
Schließlich stand er wieder neben Brendan, neigte sich aber etwas zu ihm und fühlte noch einmal seinen Puls, wobei er auf die Uhr sah. Der Herzschlag hatte sich auch nach dem allgemeinen Schrecken nicht sonderlich beruhigt, was aber nur eine Bestätigung des Bluttest war.
"Hast du Atemprobleme?"
Und vielleicht sollte er den armen Jungen mal fragen, ob er Hunger hatte.
Euch?! Waren da auch noch andere? Verdammt, ich glaube..oder doch nicht...verdammt, ich kann mich einfach nicht erinnern...
Dann grunzte er einmal kurz auf.
"Ärztliche Beobachtung?
Hatte ich davon in letzter Zeit nicht genug?"
Es klang fast ein wenig verächtlich, aber das ließ sich kaum verübeln.
Er seufzte ein wenig resigniert und ließ die Untersuchung über sich ergehen.
Als Reaktion auf die Frage atmete er einmal tief durch, wobei er tatsächlich einmal husten musste, dann aber noch einmal atmete und dann den Kopf schüttelte.
"Nein, eigentlich nicht!
Hatte ich auch noch nie..aber ich fühle mich allgemein nicht so gut....das sind wohl die Nebenwirkungen!
Fuck, die haben mich so richtig am Arsch gekriegt!"
Er trank noch einen Schluck Wasser aus dem Becher und legte eine Hand in Magenhöhe unter seinen Bruskorb.
Das T-Shirt und die Short, welche er trug, klebten verschwitzt an seinem Körper.
"Ich bin total unruhig....so, als wenn ich gleich ne Riesenpanik bekommen würde und gleichzeitig hämmert es in meinem Magen und meinem Schädel...."
Er schaute ein wenig gequält auf, aber rang sich ein Lächeln ab, welches aber gleich wieder erstarb.
"Da waren also auch noch andere drin eingesperrt?
Kann ich mich nicht wirklich klar dran erinnern, die müssen irgendwas mit mir gemacht haben...ich kriege einfach keine klaren Bilder in meinen Kopf!
Verdammt, ich hoffe, die Polizei hat sich die Mistschweine da drin richtig vorgeknöpft!
Die können doch nicht einfach Leute entführen und mit denen....Dinge..."
Er stockte, sprach es nicht zuende!
Irgendwie konnte er sich noch nicht mal an den Fahrer des Wagens erinnern, der ihn mitgenommen hatte, da hörte die Erinnerung einfach auf.
Nicht, das er sich im Moment an etwas genaues davor erinnern konnte, aber das hatte noch einen klareren Charakter als alles danach, was wie ein zerlaufenes Ölgemälde erinnerte.
Und er wusste nicht, was er gerade tun sollte...wie immer weglaufen, oder einfach darauf vertrauen, das man ihm half.
Dieser Dorian wirkte nett und sogar kompetent.
Aber die Angst war ein ständiger Begleiter und Vorsicht musste er immer walten lassen.
Aber im Augenblick fühlte er sich einfach nicht in der Lage, seine Fähigkeit zu nutzen, da er sonst bestimmt wieder Krämpfe bekommen würde.
Gerade kam wieder so ein Übelkeitsgefühl.
Immer noch etwas blass blickte er auf.
"Du bist nen richtiger Arzt und nicht nur nen Pfleger,stimmts?
Cool! Wie alt bist du denn?
Wirkst ziemlich jung!"
Er lächlte, überspielte den Schmerz, der gerade wieder seinen Magen zusammenzog.
Aber ein Zittern lief durch seinen Körper, das er selber kaum bemerkte.
Dorian musterte Brendan einen Moment. Essen war vielleicht doch keine gute Idee, besser war eine Infusion, aber Brendan sah nicht so aus, als würde er Ärzten noch sonderlich vertrauen. Verständlich. Aber Dorian ging in die Hocke und sah zu dem Sitzenden auf, wobei seine meeresblaue Iris leichte Wellenbewegungen vollführte. Er konnte Brendans Zustand sehr gut nachvollziehen, da er selbst auch nicht wirklich wusste, was passiert war oder in irgendeiner Weise eine zusammenhängende Erinnerung zustande brachte. Lediglich wenn die Blöcke nicht für eine gewisse Zeit oder Umfang ineinander griffen, konnte er sich an Dinge erinnern. Jetzt allerdings erzählte er nur, was er von Raguel wusste.
„Ja, ihr ward einige Kinder, die man aus einem Genlabor in Inverness befreit hat. Und ich glaube, die, die euch befreit haben, sind selbst Mutanten, so dass sie diese Sache selbst in die Hand genommen haben.“
Die Meldepflicht für Mutanten wurde in der Politik noch immer heiß diskutiert und es sah auch so aus, dass man dieses Gesetz durchbringen konnte, was in Dorians Augen eine Diskriminierung einer Minderheit darstellte. Geschichtliche Vergleiche drängten sich dabei nahezu auf. Vielleicht hatte Brendan noch nicht viele Erfahrungen mit seiner Mutation und den Reaktionen seiner Mitmenschen gemacht, aber dass der Junge im Labor gewesen war, identifizierte ihn als Mutant.
„Hör mir zu…ahm, Brendan. Die haben dir da einige Medikamente verabreicht, die sich in Form von Giften in deinem Körper abgesetzt haben.“ Er versuchte das jetzt einmal so zu erklären, dass der andere nicht gleich wieder Angst bekam, irgendwo eingesperrt zu sein. Dorian überlegte einen Moment und kratzte sich an der Braue. Die hohen Konzentrationen im Blut sprachen eindeutig dafür, dass Brendan bereits von den Medikamenten abhängig war, auch wenn es möglicherweise nur eine körperliche Abhängigkeit war.
„Wir müssen deinen Körper also erst entgiften, verstehst du? Sonst kann es zu Nierenschäden oder toxischen Schocks kommen.“ Er konnte immer noch nicht glauben, dass die Leute im Labor so skrupellos mit den Leben von Kindern spielten. Vor allem Lewis, auf den er so große Stücke gehalten hatte… es irgendwie immer noch tat. Oder war das nur das, was man ihm weiß hatte machen wollen? Er wusste gar nichts mehr; er hatte hier jedoch jemanden, der Hilfe brauchte und Dorian konnte ihm helfen.
„Und ja…“ Er lächelte. „Ich bin Arzt, auch wenn ich erst 27 bin. Wie alt bist du denn, Brendan? Ich weiß, du hast in den letzten Tagen einiges mitgemacht und es tut mir Leid, dass das jetzt noch nicht vorbei ist, aber ich verspreche dir, in spätestens drei Wochen wirst du wieder auf den Beinen sein.“
Erst jetzt erhob er sich wieder und ging ein paar Schritte im Raum. Durfte er hier überhaupt einfach so Arzt spielen? Er war hier selbst doch nur… ja, was eigentlich? Gefangener? Befreiter? Er hatte absolut keine Ahnung.
„Du solltest dich wieder hinlegen. Wir müssen dafür sorgen, dass du die Gifte aus dem Körper bekommst. Du musst viel trinken, damit die Nieren arbeiten können. Es gibt drei Möglichkeiten des Entzugs…“ Scheußliches Wort, aber es war nun mal so. Er warf Brendan einen Blick zu und hatte bereits entschieden, noch bevor er darüber nachgedacht hatte, ob er tun durfte, was er tat.
„Die schnellste Möglichkeit erfolgt unter Narkose und fällt schon mal aus dem Konzept, weil du von narkotischen Mitteln abhängig bist. Dann gibt es das Verfahren ohne medikamentöse Behandlung, den man auch den kalten Entzug nennt, der aber recht schmerzhaft ist. Am besten ist es, wenn wir die Entzugserscheinungen medikamentös lindern, allerdings dauert das auch am längsten.“
Er kam wieder näher. Natürlich waren das alles sehr nüchterne Fakten, die wohl mehr beunruhigten als ruhiger stimmten. Und dass es Brendan nicht gut ging, sah man auch, wenn man kein Arzt war. Dorian legte ihm die Hand auf die Schulter und lächelte aufmunternd.
„Das kriegen wir schon hin. Ich helfe dir, dich wieder hinzulegen und dann suche ich mal frische Kleidung für dich, okay?“
Und er hatte so das Gefühl, dass er noch einmal mit Dr. Grey sprechen musste, denn sie schien hier die einzige Ärztin zu sein.
Irgend etwas war merkwürdig in den blauen Augen des jungen Arztes.
Und was ersagte, war fast ein mittlerer Schock für ihn!
"Andere...Mutanten?
Oh Gott....Shit!"
Er hatte immer nur in Zeitungen oder im Fernsehen andere gesehen!
Ein merkwürdiges Grinsen legte sich auf sein Gesicht.
"Ist ja klar, verlass dich auf die Cops, und du bist verlassen!
Ich wette, die hätten uns ebenfalls eingesperrt!"
Er verstellte ein wenig die Stimme, so das er wie ein Nachrichtensprecher klang.
"Mutanten sind ja eine Gefahr!"
Er ließ die Schultern hängen.
"Drauf geschissen!"
Er hörte sich die Erklärungen und Erläuterungen an, trank wieder einen Schluck Wasser.
Mittlerweile begann sich ein nicht gerade angenehmes, warmes Gefühl in seinem Inneren auszubreiten.
Aber so etwas kannte er wenigstens von früher, wenn ihm schlecht war.
Deswegen beunruhigte ihn das nicht.
Die Sachen mit dem Entzug allerdings schon.
"Na super, da versucht man, den Drogen aus dem Weg zu gehen, und dann finden sie von selbst zu einem!
Ist ja nicht so, das ich nicht schon mal gekifft hätte, aber das machte mich nicht so an!
Da haben die mir anscheinend was ganz Feines verpasst, um mich auszuknocken!
Haben die wirklich so ne Sache auch mit richtigen Kindern gemacht?"
Brendan mochte keine Kinder, kam mit ihnen nicht gut klar, aber sie anzurühren war ein Verbrechen!
"Ich meine, ich bin 18, und deswegen kann ich mir bei so einem Strassenpunk wie mir weniger Skrupel vorstellen, aber echte Kinder?!
Oh Mann!"
Er wirkte echt geschockt.
Aber auch entschlossener!
"Was die Entgiftung angeht, entscheide ich mich am besten für den kalten Entzug!
Von Medikamenten habe ich erstmal genug!
Wenn es zu schlimm werden sollte, zieht mir lieber einen Knüppel über den Schädel!
Und trinken kann ich nie zuviel!"
Das Grinsen zeigte, das er das mit dem Knüppel oder möglichen Alkoholkonsum in rauhen Mengen nicht ernst meinte, aber auch, wenn er Angst vor Schmerzen und Übelkeit hatte, hatte er noch mehr Schiß davor, so zu enden wie einige Typen, die wegen Drogen im Rinnstein gelandet waren.
Und wie zur Bestätigung trank er den Becher in seiner Hand leer und stellte diesen wieder ab.
Als ihm Dorian dann zur Seite stand, meinte er nur:
"Okay!
Ne Dusche oder ein Bad könnte auch nicht schaden, ich stinke bestimmt wie ein Iltis!"
Er griff nach der Hand des jungen Arztes um sich auf helfen zu lassen und als er stand, sah er seinem Helfer wieder in die Augen.
"Und Dorian...
Danke Mann!"
Das meinte er ernst, denn es war gut, das jemand da war!
Und ihm zurück ins Bett half!
Aber er meinte schon etwas anderes, als er sich bedankte!
„Schon gut… Mann“ Dorian schmunzelte leicht und die Bewegung in seinen Augen wurde einen Moment etwas intensiver – das Blau in seiner Iris schien gleichzeitig Gefühlsregungen wider zu spiegeln. Und ja, er freute sich über den Dank, auch wenn er vielleicht nicht tun durfte, was er tat. Er stützte Brendan erneut, allerdings achtete er darauf, dass er seine eigene Schulter schonte, die er sich selbst vernäht hatte. Da Raguel ihm die Duschräume hier in den Subs gezeigt hatte, wusste Dorian, wo jene lagen.
„Na schön, wenn du es dorthin schaffst, dann helfe ich dir.“
Sie gingen über den Flur, während Dorian über Brendans Worte nachdachte.
„Wenn ich dein Arzt wäre… und na ja, im Moment bin ich wohl dein Arzt, dann würde ich dir vom kalten Entzug abraten. Natürlich müsste man das noch einmal in einem Gesundheitscheck prüfen, aber so wie ich das beurteilen kann, bist du im Moment nicht so fit, dass dein Kreislauf das mitmachen würde. Die medikamentöse Behandlung lindert einige Schmerzen, natürlich nicht alle.“
Dorian stieß die Tür auf, so dass sie in den Umkleideraum treten konnten, der zur Großraumdusche führte. Hier ließ er Brendan auf einer Bank nieder und zog eines der Handtücher aus dem angrenzenden Regal.
„Hier. Wenn du möchtest, dass ich dir helfe, dann schäm dich nicht, es zu sagen.“
Und hey, eigentlich war das die Aufgabe von Schwestern oder Pflegern; Brendan konnte sich ob dieses Angebots privilegiert fühlen. Aber bevor sich Brendan irgendwie verletzte, war es besser, wenn Dorian ihm half. Er setzte sich kurz neben ihn.
„Ansonsten solltest du in die Hocke gehen, wenn du merkst, dass dir schwarz vor Augen wird. Und wenn du nicht so lange stehen kannst… dann solltest du auch in die Hocke gehen“, leicht grinsend schlug er ihm auf die Schulter und erhob sich wieder.
Erst da fiel ihm die Diskette ein, die er noch immer in der Gesäßtasche seiner Jeans hatte. Später musste er unbedingt zu jemandem, der sich mal anhörte, was er darauf entdeckt hatte.
„Außerdem muss ich mir noch einmal deine Verbände ansehen. Ich weiß, es ist schwer, aber du solltest versuchen, dass sie nicht nass werden.“
Das stimmte zwar, aber in so einem Zustand war er vorher wirklich noch nicht gewesen, deswegen ließ er sich gerne helfen.
Und Dorians Augen waren faszinierend.
Er war bestimmt auch ein Mutant!
Den Ratschlag auf dem Flur quitierte er mit einem:
"Wenn du meinst, werde ich das tun!
Ich habe da nicht wirklich Erfahrung mit....ist vielleicht wirklich besser, wenn ich dir da vertraue!
Muss ja keinen auf harten Macho machen!"
Brendan gehörte defintiv zu den Leuten, die Unsicherheit gerne überspielten.
Den Gang musterte er nebenbei.
Zusammen mit dem fensterlosen Raum wirkte das ganze sehr nach Keller.
Einen kurzen Moment lang kam ein wenig Panik in ihm auf, welcher er aber wieder nieder drückte.
Bis jetzt war alles glaubwürdig gewesen, also sollte er keine Paranoia schieben.
Auf der Bank angekommen zog er sein Shirt aus, wodurch man die etwas groben Tribaltätowierungen auf seinen tatsächlich etwas trainierten Armen sehen konnte und hörte zu.
Dann nickte er.
"Keine Sorge, das mit der Scham habe ich vor ein paar Jahren beiseite gelegt, als ich abgehauen bin!
Beim Betteln ist sowas nur im Weg!"
Auf die Verbände und seine Verfassung angesprochen, legte er den Kopf schief.
"Hm, vielleicht wäre es am besten, wenn ich einen feuchten Lappen benutze!
Damit bleiben die Verbände halbwegs trocken und ich kann auf der Bank oder einem Stuhl sitzen!
Aber eine Frage hätte ich noch....du bist auch ein Mutant, richtig?"
Brendan deutete auf seine eigenen roten Augen.
"Das sieht bei dir irgendwie abgefahren aus! Cool!"