Das X-odus Forum befindet sich derzeit in einer Pause.
Für all Diejenigen, die ihre Charaktere bis zum Wiederbeginn
nicht ruhen lassen wollen, empfiehlt die SL euch
diese Seite.
Wir wünschen unseren fleissigen Usern viel Spass
auf der neuen Plattform und hoffen
euch alle in alter Frische und mit dem gleichen Elan
bald auch wieder an dieser Stelle begrüssen zu können.
Wirr… nichts als verdammt wirre Gedanken, dieser Schiller… er hätte bei seinen Stücken bleiben sollen und nicht versuchen, philosophisch zu werden. Kantsche Ansätze, ja… oftmals falsch verstanden, anders interpretiert. Die ästhetische Erziehung des Menschen. Schund.
Dann eine Passage, die vollkommen ausgestrichen ist.
Jedenfalls hat es Michel jetzt auch geschafft und Logan verraten, wer er ist. Das ist gut. Denn ich fürchte, dass er mit mir nicht viel anfangen kann. Das ist die wahre Komödie! Denn es ist etwas, das meine beiden Väter trotz vollkommen unterschiedlicher Charakterzüge gemeinsam haben. Aber es spielt keine Rolle, ich weiß ohnehin nicht, was ein Vater ist.
[21.08.05]
Der Ring ist eine algebraische Struktur, in der es zwei Verknüpfungen gibt. In jedem Ring gibt es ein neutrales Element bezüglich der Addition. Diese Elemente heißen Nullteiler.
Ich kann nicht mehr klar denken. Zahlen, Zahlen, diese verfluchten Zahlen. Wo ist das neutrale Element, damit ich diesen Ring bekomme? Ich finde diese Verknüpfungen nicht. Ich dachte, ich finde sie, aber ich finde sie nicht. Meine Hand zittert. Seltsam, das tut sie in letzter Zeit so oft.
[22.08.05]
Diese Augen. Gott, ich verfluche dich! Meine Albträume wurden von anderen abgelöst. Und jetzt sehe ich nur noch ihre Augen. Das ist alles, an das ich mich erinnern kann. Ihr letzter Blick. Ich muss fort… und wenn es nur für ein Wochenende ist. Ich will doch, Ororo, aber es ist so schwer. Was hätte ich denn sagen sollen? Ich habe mich gegen diese Tatsachen gewehrt, ich habe sie nicht hören wollen. Aber was werde ich tun, wenn sie wahr sind?
Nur für ein Wochenende. Klare Gedanken fassen und noch einmal die Zeit zurück drehen.
Ich habe nicht gefragt, ob ich einen der Wagen aus der Garage für ein Wochenende fahren könnte. Gleich nach dem Freitagsunterricht habe ich gepackt und bin zum Bahnhof nach Inverness gelaufen. Hätte ich gewusst, dass auch Logan so ein einsamer Wolf ist und einfach mal gern verschwindet, hätte ich mir die ganze Sache vielleicht noch einmal überlegt, aber zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch so gar nichts von dem Mann, der mein Vater war. Also habe ich ihm nur eine schnelle Notiz auf den Schreibtisch gelegt (dass ich Montag früh zum Unterricht zurück sei) und bin losgegangen. An dem Tag war es ziemlich kalt. Ich erinnere mich, dass ich wirklich gefroren habe, während ich auf den Zug wartete. Meine Gedanken waren noch immer so wirr wie vor drei Wochen, als Ro mit Scott nach New York geflogen war und ich es nicht fertig gebracht hatte, ihr zu sagen, was sie gern gehört hätte. Ich konnte es nicht, und das war nicht ihre Schuld; sie konnte nichts für meine grenzenlose Wut, was mich nur noch wütender machte. Aber auf dem Bahnhof in Inverness waren nur noch meine wirren Gedanken zurück geblieben. Die Wut war verflogen und vielleicht hätte ich ihr dort sagen können, dass es egal war.
Ro, es ist egal, was für ein Kind das ist.
London war wie ich es zurück gelassen hatte. Und auch Rochester war es. Leider. Ich stand am Tor des Anwesens und blickte durch die Eisenstäbe hindurch zum Haus meiner Kindheit. Die Blätter der Pappeln, die die Allee hinauf säumten, durch die ich gekommen war, rauschten im aufkommenden Wind, während ich bewegungslos vor diesem hohen Tor stand und geradeaus starrte. Zwei Wagen standen vor dem Anwesen, denn Rochester Hall gehörte schon einige Jahre nicht mehr meiner Familie. Ich blieb, bis es dunkel war. Ich wollte noch einmal durch diese Gebäudeflügel gehen und mich fragen, warum mein Leben so gelaufen war, wie ich es kannte. Aber ich fand keine Antworten, nur Erinnerungen. Einige Gemälde, die ich kannte, hingen noch immer an den Treppenaufgängen. Obwohl ich sie nur im Mondlicht sah, wusste ich, mit welchen Farben sie einst gemalt worden waren. Ich wandelte wie ein Schatten durch das Haus, das mir zugestanden hätte. Oder nicht? Für einen Moment hatte ich vergessen, dass ich nicht Richard Thomas Burleighs Sohn war. Hätte ich wirklich einmal all dies geerbt oder wäre es ohnehin nie dazu gekommen? Richard Burleigh musste gewusst haben, dass ich nicht sein Sohn war. Die Frage war, warum er stets geschwiegen hatte? Die Stille des nächtlichen Hauses gab mir keine Antworten auf die vielen Fragen, die mich beschäftigten, so dass ich es genauso lautlos verließ, wie ich gekommen war.
Es war ein windiger Nachmittag, als ich den Friedhof betrat. Die ersten frühen Herbstblätter stoben über den Boden, während ich auf die Familiengruft zuging, in der auch mir ein Platz zustand, hätte ich es gewollt. Ich wollte es nicht. Beinahe schwerfällig waren meine Schritte zu nennen, als ich die steinernen Stufen hinab stieg und die eisenbeschlagene Tür aufzog. Es waren nur zwei eiserne Platten, die in den Boden eingelassen waren, unter denen die beiden Körper lagen. Ein paar verdorrte Blumen standen in einer Niesche, deren Blütenblätter zum Teil schon auf den Steinboden gefallen waren. Ich ging vor der Grabplatte meiner Mutter in die Knie und berührte die eingravierten Letter, so dass das Eisen in leichte Bewegung kam und die Buchstaben einen Moment zu schmelzen schienen. Den Schatten, der plötzlich hinter mir aufragte, bemerkte ich erst, als er sich bewegte. Ich sah auf.
Ich war im Familienarchiv in London. Ich wusste gar nicht, dass dieses Archiv noch existiert, aber wie ich erkenne, hat der Name Burleigh eine lange Tradition. Mein Onkel hat mich darauf gebracht, es zu öffnen, denn niemand sonst hat die Befugnis dazu. Ich habe ihn auf dem Friedhof in Rochester getroffen, als auch er das Grab seiner Schwester besuchte. Eigentlich bin ich nie sehr gut mit ihm ausgekommen, aber wenn ich richtig darüber nachdenke, dann habe ich mich mit niemandem gut verstanden. Diesmal war es anders.
Im Archiv war ein seltsames Buch. Ich werde es bei Gelegenheit einmal genauer in Augenschein nehmen.
[02.09.05]
Ich unterrichte sehr gern. Das liegt nicht allein daran, dass es mich von anderen Dingen ablenkt, es ist eine gute Sache, über Dinge zu sprechen, die einem liegen. Und ich merke, dass es rege Beteiligung an Literatur gibt. Philosophie hingegen ist ziemlich schwer und manchmal frage ich mich selbst, wie man über etwas 500 Seiten lang schreiben kann, ohne dass irgendetwas sinniges dabei heraus kommt. Früher hat es mich gereizt, hinter diesen sinnlosen Sinn zu kommen, heute denke ich, dass jeder seinen eigenen Sinn finden muss.
Logan bemüht sich. Manchmal weiß ich nicht warum, denn ich glaube noch immer, dass er mich nicht leiden kann. Er hat mir angeboten, mit ihm zu trainieren, aber ich bin nicht Michel. Was Sport anbelangt, bin ich alles andere als ehrgeizig. Natürlich habe ich eingesehen, dass ein... Anwärter nur mithalten kann, wenn er auch körperlich fit ist, so dass ich allein für mich trainiere und Logan mit meinen Nichtleistungen nicht auf die Nerven falle. Als Kind habe ich versucht, meinen Vater mit geistigen Leistungen zu beeindrucken und ich glaube, heute versuche ich es mit körperlichen. Mir ist es weder damals geglückt noch wird es mir heute gelingen.
[05.09.05]
Ich hasse die Nächte. In den Nächten denke ich zuviel nach. Dann denke ich an Ororo und New York. Ro meldet sich in regelmäßigen Abständen bei Logan, aber ich selbst habe nur einmal mit ihr gesprochen. Vorgestern. Es war kein sonderlich langes Gespräch und es war so belanglos, als spräche ich mit einer Fremden. Ist das wirklich alles vorbei? Ich habe einen Fehler gemacht, den ich wohl nicht wieder gut machen kann. Ich bereue ihn.
In solchen Nächten denke ich auch über Carol nach.
Und es tut mir leid. Manchmal erschaudere ich vor mir selbst.
Was für ein aufgewecktes Kerlchen, dieser Ping!
Es macht mir wirklich Freude, mit ihm zu arbeiten. Es ist die gleiche Wissbegierde, die ich früher hatte. Er fragt so viel, dass ich gar nicht alles so genau erklären kann, wie ich gern würde. Aber er lernt schnell und wenn ich ehrlich bin, ich lerne auch viel von diesem kleinen Jungen. Ich mag ihn sehr, was schon seltsam ist. Es gibt nicht viele Dinge, die mich berühren.
Neulich hat er mir sogar etwas über seine Heimat erzählt und mir gezeigt, welchen Kampfstil er von seinem Vater erlernt hat. Dieser kleine Mann weiß für sein Alter schon ziemlich viel. Und leider hat er für sein Alter auch schon viel zu viel Unglück erfahren. Ich werde mich weiter um ihn kümmern.
Da kam heute ein Brief an... von Carol.
Es ist seltsam, die Zeilen einer Toten in der Hand zu haben, so als wäre derjenige noch nicht gegangen. Man sagte mir, dass der Brief verloren gegangen war und jetzt erst wieder aufgetaucht ist. Man hat sich bei mir entschuldigt...
Ich hatte nicht vor, zur Gedenkfeier zu gehen, aber nun glaube ich, dass ich es muss. Ich bin das nicht nur Carol schuldig, sondern auch mir selbst.
Irgendjemand war in meinem Zimmer. Ich habe absolut keine Ahnung, wer. Aber die Tür war angelehnt, als ich zurück kam. Die Wochen sind im Moment nur eine Aneinanderreihung ein und desselben Tages und ich habe angefangen zu schreiben. Eigentlich habe ich nur damit angefangen, weil ich meine Abhandlung in unserer Bibliothek gefunden habe. Damals war ich 9 Jahre alt und von den Kritikern wurde sie zerrissen, wenngleich nicht von allen, aber wenn ich es mir heute durchlese, dann habe auch ich ein Schmunzeln auf den Lippen. 'Über den Staat und die Auswirkungen auf den Einzelnen'... ich sollte es noch einmal in Hinblick auf die Diskussionen über Mutanten schreiben. Aber wahrscheinlich würde es nicht weniger provokativ und überspitzt.
Aber in Wahrheit ist es so lachhaft. Denn es dient nur einem einzigen Zweck, dem ich allem voran stelle - gleich, was ich mache: Ich möchte nicht über Ororo nachdenken.
Über den Staat und die Auswirkungen auf den Mutanten.