Das X-odus Forum befindet sich derzeit in einer Pause.
Für all Diejenigen, die ihre Charaktere bis zum Wiederbeginn
nicht ruhen lassen wollen, empfiehlt die SL euch
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Wir wünschen unseren fleissigen Usern viel Spass
auf der neuen Plattform und hoffen
euch alle in alter Frische und mit dem gleichen Elan
bald auch wieder an dieser Stelle begrüssen zu können.
Nachdem sie zu spät zu Chemie erschienen ist und nur noch die letzte halbe Stunde mitbekam, konnte man sie nur in Informatik richtig fesseln, bevor sie in Gesellschaftslehre alles interessanter fand, als den Unterricht und zu den Stunden danach ging sie erst gar nicht. Das Ganze nervte sie gewaltig...
Stattdessen lag sie auf dem Sofa in der Bibliothek und verschlang ein Buch nach dem anderen. Bücher über Photographie, Design, Kochen von Desserts, Märchen der Gebrüder Grimm, bis hin zur Anatomie des Menschen. Ja, sie hatte wieder das eklige Buch in der Hand, in dem man Leichen aufgeschnitten hatte, damit man die inneren Organe sehen konnte. Eigentlich ein sehr wissenschaftliches Buch und sie brauchte zwei Lexika um es zu verstehen.
Sie gehörte nicht zu den Kindern, die regelmäßig den Unterricht besuchten und sie war noch zu jung, um die Folgen davon zu verstehen. Außerdem fehlte ihr eine Elterliche Hand, nur die konnte ihr keiner geben, denn sie mied den Kontakt zu anderen. Sie war unauffällig, verschüchtert und wagte es nicht, auf Andere zuzugehen. Sie war zufrieden, wie es lief im Moment...
Wieder einmal musste sie in einem Lexikon nachschlagen, nachdem sie die Erklärung aus dem anderen nicht verstanden hatte. Sie arbeitete seit Wochen an diesem Anatomie Schmöker und wurde es nicht müde...
Ihr Tagebuch zierten einige Skizzen von Körpern. Es war, als machte sie Körperstudien für ihr Kunstprojekt bei Miss Grey und das war einer der wenigen Kurse, die sie voller Inbrunst besuchte. Nur noch Biologie und das Arbeiten am Computer konnten ihre volle Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Ansonsten besuchte sie die Stunden eher spärlich und wenn der Lehrer oder die Lehrerin sie schief ansahen, dann kam sie so gut wie gar nicht mehr hin.
Sie waren gerade erst angekommen.
Und Dorian konnte noch immer nicht fassen, dass er dieses Institut tatsächlich wiedersah. Aber Dr. McCoy und Prof. Xavier hatten etwas vollbracht, von dem er nicht mehr angenommen hatte, dass es möglich war. Der Professor hatte seine Blöcke gelöst und Dorian war sich sicher, dass er auch in seinem Gedächtnis gelesen hatte. Warum, wusste er nicht und er empfand Scham und Schuld für das, was er getan hatte. Nein, nicht jede Erinnerung kam sofort wieder, und das war gut so. Dorian glaubte, dass Xavier noch mehr gesehen hatte, denn die Züge seines Gegenübers waren nahezu starr gewesen, ehe er wieder mit ihm gesprochen hatte.
Hank, wie den Doktor alle nannten, hatte sich wiederum um Dorians medizinische Versorgung gekümmert und Dorian hatte viel von ihm lernen können. Manche Technologien waren sprichwörtlich nicht von dieser Welt. Unter normalen Umständen hätte Dorian diesen Gehirntumor nicht überlebt und das wusste er nur zu gut. Er war dankbar für das, was man für ihn getan hatte. Während dieser Zeit in New York hatte er auch Ororo Munroe und Scott Summers besser kennen gelernt. Und in all der Zeit dachte er an das Versprechen, dass er jemandem gegeben hatte. Er würde wieder zurück nach Schottland kehren. Bevor sie losgeflogen waren, hatte er noch mit Raguel telefoniert und jetzt war es tatsächlich so, dass er wieder hier war.
Sein Weg hatte ihn bereits durch das halbe Institut geführt, ehe er zur Bibliothek kam und hinein sah. Da war sie ja. Das Lächeln, das nun auf seinen Lippen lag, trug keinerlei Spur von Melancholie in sich.
"Seana..."
Wie immer hallte seine Stimme in diesem hohen Raum leicht nach.
Es gab nur einen Menschen auf der ganzen Welt, der sie so nannte und er war nun schon über einen Monat lang weg. Aber er hatte versprochen wieder zu kommen und dort stand er nun. Gut sah er aus, als hätte er etwas Sonne abbekommen und irgendetwas an ihm schien anders, fröhlicher zu sein.
Ein Buch fiel zu Boden, als sie vom Sofa aufsprang und zu ihm herüber rannte. Schneller, als man von ihr gewohnt war zu handeln, hatte sie ihre Arme um seine Taille geschlungen und umarmte ihn stürmisch. Dabei drückte sie ihr Gesicht in seinen Pullover und murmelte unverständliche Dinge, die um einiges schwerer zu verstehen waren als ihr: „Dorian!“, dass eben noch die ganze Bibliothek ausfüllte, bevor sie ihn erreicht hatte.
Erst nach einem ganzen Augenblick der schmerzlich vermissten Wärme, löste sie sich von ihm und sah zu ihm hinauf. „Ich hab dich so vermisst... wo ist Blobb?“
Was für eine Begrüßung. Sowas kannte er gar nicht...es war eine eigenartige Sache, es war wie... nach Hause kommen. Er hatte das Mädchen wirklich vermisst, so dass er sie auch in den Arm nahm und einen Moment an sich drückte. Schließlich musste er lachen.
"Blobb? Dem hat es in New York so sehr gefallen, dass er dort geblieben ist... er wollte dir ne Ansichtskarte schreiben."
Mal abgesehen davon, dass es sich bei Blobb um ein neonfarbenes Stofftiernilpferd handelte, das Seana ihm mitgegeben hatte, hätte Dorian einen Teufel getan, das Tier in New York zu vergessen. Also zwinkerte er, während er ihr das Haar wie so oft aus dem Gesicht strich.
"Nein... natürlich ist er in meiner Reisetasche. Er erwartet dich gewiss schon sehnsüchtig, denn ich glaube, meine Gesellschaft fand er langweilig. Du hast dir ja die Haare immer noch nicht geschnitten, Seana."
Er zog etwas aus seiner Hosentasche und griff nach ihrer linken Hand, um ihr eine silberne Armbanduhr umzulegen.
"Die hab ich gesehen und dachte dabei an dich. Ich werde dir zeigen, wie man sie liest, in Ordnung?"
Dorian hatte nämlich bemerkt, dass Seana die Uhr nicht lesen konnte. Er wusste nicht, ob sie es jetzt schon beherrschte und wenn, war es umso besser.
Auf seinen Scherz hin verzog sie die kleine Nase, so dass sie sich kräuselte und murrte. Ihre grauen Augen leuchteten aber sofort wieder auf, als sie sich des Scherzes bewusst wurde und löst sich langsam von ihm. Wie lange hatte sie das vermisst. Jemand, der sie kannte, der ihr durch das Haar strich und sie nicht zu irgendetwas zwingen wollte...
„Haare?“ Stimmt, da war ja was, aber wie sollte sie das alleine machen? „Sie gefallen mir so“, da musste sie nicht alles sehen...
Mit großen Glubschaugen betrachtete sie die Armbanduhr, das Silber erinnerte an ihre Augenfarbe und mit vorsichtigen Fingern, nahm sie das Stück an sich. „Ist die für mich?“ Sie hatte noch nie etwas geschenkt bekommen, außer Blobb vielleicht. Aber der wurde in einem Haufen mit anderen Plüschtieren einfach in eine Ecke geschüttet und zu der Zeit hatte sie sogar noch geschlafen.
Am Anfang wollte sie die Uhr falsch herum anlegen, wobei Dorian sie schnell korrigierte und dann saß das gute Stück um ihr Handgelenk. Noch etwas zu groß, war ja eine schicke Damenuhr. Aber Seana würde hineinwachsen.
Schule?
Daraufhin bekam er nur einen gequälten Gesichtsausdruck.
Es gefiel ihr, dass ihr die Haare in die Augen hingen und sie nicht mitbekam, was links und rechts von ihr vorging? Er grinste kurz und knuffte ihr ans Kinn.
"Na, wir werden sehen, ob ich dich nicht doch dazu überreden kann."
Sein Blick schweifte über die Bücher, die sie gerade gelesen hatte, ehe er jenes aufhob, das auf den Boden gefallen war. Sie las noch immer in diesem Anatomiestudienbuch?
"Hast du vor, Ärztin zu werden? Das kannst du aber nur, wenn du regelmäßig in den Unterricht gehst. Und zwar in jedem Fach, Seana."
Dorian hatte eine ganz eigene Art, diesen Namen auszusprechen. Auf der anderen Seite war diese Art aber eben einfach nur schottisch. Schiänna - er konnte kein Gälisch, aber es gefiel ihm. Vielleicht lernte er irgendwann irisches Gälisch.
Noch kürzere Haare? Sie war doch ein Mädchen und noch weniger Haar und sie sähe aus wie ein dummer Junge. Außerdem würde sie so ihre geheimen, grauen Augen offenbaren und das wollte sie nicht. Einen Moment lang dachte sie nach...
„Also, wo warst du? Wie war es da? Und... und es ist schön, dass du endlich wieder da bist“, dann musste sie sich nicht um alle Probleme des Lebens allein kümmern, dabei kam sie sich schon verloren genug vor und mit ihren 13 Jahren, konnte sie vieles einfach nicht verstehen. Ihr fehlte schon das normalste Allgemeinwissen.
„Ärztin? So wie Doktor Grey?“ Ihr Gesicht verzog sich nachdenklich, aber so recht gefiel ihr das nicht. Woher wusste er nur wieder, dass sie nicht in alle Fächer ging? Konnte er hellsehen? Vielleicht konnte er das, so wie in den Märchenbüchern.
Wieder schmiegte sie ihr Gesicht an seinen Pullover, als würde er noch nach New York riechen.
Allerdings roch er nur nach Desinfektionsmitteln, aber vielleicht würde Seana den Begriff New York nun immer mit diesem Geruch in Verbindung bringen. Dorian musste noch immer Tabletten nehmen, aber die Dosis würde sich mit dem Laufe der Zeit verringern. Noch einmal strich er ihr durchs Haar, löste sich dann aber von ihr und schwang sich auf den Tisch, wo er sitzen blieb und überlegte.
"Ich war in einem Institut, das etwa so ist, wie das hier. Nun ja, man konnte mir dort helfen, aber ich denke, Schottland gefällt mir trotz allem besser und ich bin froh, wieder hier zu sein. Blobb und ich haben dich vermisst."
Ein echter Schotte liebte sein Land. Bei Dorian war das nicht anders. Aber natürlich lag es auch an den Leuten, die er hier kennen gelernt hatte, dass es ihn zurück nach Hause gezogen hatte. Er lächelte leicht.
"Ja, so wie Dr. Grey...oder ich. Was interessiert dich an diesem Studienbuch, Seana? Und warum gehst du nicht in die Schule?"
Wieder diese tausend Fragen, kaum war er zurück, nicht wahr? Aber er hatte ihre Reaktion richtig gedeutet, sie ging also noch immer nicht in alle Kurse. Das musste sich ändern.
Zaghaft trippelte sie hinter ihm her und als er auf dem Tisch Platz nahm, fing sie an die Bücher sorgfältig zuzuschlagen und dann zurück in das Regal zu räumen. Das war eine Lektion, die sie sogar von alleine gelernt hatte. Es störte, wenn jemand einfach Bücher herumliegen ließ und man dann in dem Chaos nichts mehr fand.
Mit dem großen Anatomiebuch im Arm blieb sie stehen. Er hatte wieder diese lästige Schulfrage gestellt und sie stockte, bevor sie sich wieder bewegen konnte und das Buch schließlich in seine Lücke im Regal stellte. „Ich gehe doch in die Schule“, meinte sie und strich über den Buchrücken.
„Nur nicht in die Fächer, in denen ich mich nicht wohl fühle.“ Dabei lehnte sie den Rücken gegen das Regal und sah zu ihm. „Es ist nicht fair mich zu zwingen in Fächer zu gehen, in denen ich mich nicht wohl fühle“, murmelte sie noch.