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Für all Diejenigen, die ihre Charaktere bis zum Wiederbeginn
nicht ruhen lassen wollen, empfiehlt die SL euch
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Wir wünschen unseren fleissigen Usern viel Spass
auf der neuen Plattform und hoffen
euch alle in alter Frische und mit dem gleichen Elan
bald auch wieder an dieser Stelle begrüssen zu können.
Scott legte seine Arme um ihre Taille und zog sie näher. Ihm ging es hervorragend, wenn sie ihn so ansah. Wohl wahr, Logan war nicht nachsichtig gewesen, aber daran dachte er im Moment eigentlich weniger. Ja, er wollte allein in den Dangerroom; zum einen, um wieder ein wenig zu sich selbst zu finden und zum anderen, weil er eine spezielle Kampf-Sequenz trainieren wollte.
Mit einem leichten Lächeln strich er ihr durchs Haar und musterte sie leicht: "Ich kann dir nicht versprechen, dass das nicht noch einmal passiert, aber ich werde mich bemühen, Jean. Es tut mir leid, dass das passiert ist. Es war nur..." Einen Moment sah er an ihr vorbei.
"Es war nicht nur ein Traum. Du hast mir vor nicht allzu langer Zeit gesagt, ich solle aufschreiben, was ich träume und wir analysieren es dann, aber... es geht vielmehr darum, dass ich überhaupt geträumt habe. Wobei auch geträumt wohl nicht der gänzlich richtige Ausdruck ist."
Vielleicht wollte er sich schlichtweg aber auch einfach nur darum drücken, ihr zu erzählen, was er denn geträumt hatte. Auch die Vision an sich war erschreckend genug, aber er wollte sie einfach noch nicht mit ihr besprechen.
"Meinst du... dass es möglich ist, dass ich... in...Parallelwelten oder in die mögliche... Zukunft sehen kann?"
Jean schüttelte leicht ihren Kopf, als er versuchte sich zu entschuldigen. War ja nicht so, dass er das mit Absicht getan hätte und sie sah ihm an, wie es an ihm nagte. Er war scheinbar aber doch mehr fertig von dem was er geträumt hatte, als von der Tatsache, dass sie immer noch technische Probleme mit dem Implantat hatte.
Es schien ihn so sehr zu verunsichern, dass er es ihr nicht erzählte. Aber Jean drängte ihn nicht und hörte ihm weiterhin nur zu. Bis zu seiner Frage mit der Parallelwelt. „Hm, das ist gut möglich.“ Ihre Hand strich über seine Stirn. „Der Professor sagte doch über deine Gabe, dass es ein Tor in eine andere Dimension ist. Wer weiß...“, vielleicht gibt es hinter diesem Tor mehrere Möglichkeiten, dachte sie zuende und sah ihn an.
„Das Geschäft mit der Zukunft ist eher unwahrscheinlich, Scott. Schließlich kann auch eine Mutation nicht vorherbestimmen, was wir tun. Der Lauf der Dinge ist viel zu unsicher, zu leicht zu manipulieren“, dass konnte sie sich nun wirklich nicht vorstellen.
Das Geschäft mit der Zukunft? Er sah sie einen Moment lang an und lachte schließlich kurz auf. Meinte sie wirklich, er würde damit hausieren gehen wollen? Wohl kaum. Das Lächeln verblasste langsam wieder… wohl kaum. Sein Blick glitt über die Konturen ihres Gesichtes, ehe seine Fingerkuppen über ihre Wange strichen und er ihr direkt in die Augen sah… natürlich konnte sie das wie immer nur erahnen.
„Zweifel nie daran, dass ich dich liebe, Jean.“
Es ging nicht darum, ob eine Mutation die Fähigkeit hatte, die Zukunft zu bestimmen. Es handelte sich viel eher um die Frage, ob es eine Mutation gab, die es möglich machte, einen Blick in eine mögliche Zukunft zu werfen. Ja, die Zeit war ein so empfindliches Gefüge und jede noch so kleine Entscheidung, jeder noch so kleine Impuls beeinflusste die Gegenwart - und somit auch die Vergangenheit unwiderruflich.
Zweifel nie daran… Scott neigte sich vor und küsste sie. Und noch währenddessen nahm er ihre Hände auf, um sie an seine Schläfen zu legen und ihr die Bilder von letzter Nacht zu schicken, als hätten sie sich in sein Gedächtnis eingebrannt. Nein, er wollte sie damit nicht verletzten, aber dieses Geheimnis wollte er einfach nicht vor ihr haben. Und vor allem wollte er nicht, dass sie es von Logan erfuhr, der es ihr aus irgendeiner wütenden Laune heraus vor die Füße warf.
Ihre Fingerspitzen berührten seinen Haaransatz und die elastische Härte der Ohrmuschel schimmerte in kurzer Entfernung von ihnen in ihrem Tastsinn auf. Der weiche Flaum seiner Wangen kitzelte ihre Handflächen und dabei war ihr im ersten Moment nicht klar, was er eigentlich wollte. Ihre Gewohnheit, ihre Hände in die Schläfenhöhe zu halten, um besser in den Geist des Gegenüber zu gelangen, war nur eine Hilfestellung und im Moment eher unnötig, denn sein Geist schwappte zu ihr herüber, wie ein umgekippter Eimer voll Wasser, der sie zu überspülen schien.
Sie biss die Zähne aufeinander und dabei küsste er sie noch, als die Bilder sie überwältigten. Allein die Vorstellung wäre beinahe zuviel gewesen, aber die Dinge zu sehen, wie er sie gesehen hat, aus derselben Perspektive und den Gefühlen, Gerüchen, Licht, Schatten, das alles...
Abrupt riss sie sich von ihm los und starrte ihn an. Aber sie sah nicht wirklich Scott an, sondern konzentrierte sich auf die Bilder, die sich jedes Mal zeigten, wenn sie ihre Augen schloss. Das Kino der Augenlider bot ein urkomisches Spektakel, dass leider überhaupt nicht komisch war.
„Eine Vision“, stammelte sie, denn wie eine Phantasie fühlte es sich nicht an und für den Hauch eines Augenblicks sah man sie ratlos und unsicher.
Doch dann schlug etwas in ihr um und man sah förmlich, wie sich ihr Haar aufstellte, ihre Brauen senkten sich gefährlich über die finster funkelnden Augen und ihr Mund verkümmerte zu einem einfachen Strich. Das alles ergab keinen Sinn. Wieso hatte er es ihr gezeigt? Nur damit Logan ihm nicht zuvor kommen konnte? Der Com Link und der Streit auf dem Flur, das alles hatte damit zu tun, oder?
Was sollte Jean tun?
Sie fuhr auf einer Überdosis Adrenalin und doch wusste es nicht wohin. Denn es gab keinen Schuldigen und genau das, machte Jean so wütend. Ihre angestaute Kraft, die wie eine Raubkatze auf der Jagt, fertig zum Sprung war und doch gab es kein Ziel.
Nein. Er hatte es ihr nicht so eindrücklich zeigen wollen, doch wogen die Bilder noch so schwer in seinem Gedächtnis, wie er es selbst nicht für möglich gehalten hatte. Die Wucht der Vision war regelrecht auf sie eingestürmt und so wie ihr Geist nicht gleich alles hatte erfassen können, so waren die Bilder auch wieder zurück geströmt wie hereinbrechendes Wasser die Küste kurz darauf schon wieder frei gab und zurück ins Meer drängte.
Noch bevor sie sich von ihm losriss, packte er ihr linkes Handgelenk und öffnete die Augen, so dass sie zwar zurückweichen, aber nicht gänzlich fliehen konnte. Er wusste, dass sie durch ihn hindurch sah und er konnte selbst nicht sagen, welche Reaktion er erwartet hatte. Vielleicht wäre es besser gewesen, wenn sie ihn angeschrieen hätte. Vielleicht wäre jede andere Reaktion besser gewesen als diese erschütternde Schweigsamkeit, mit der sie ihn anstarrte und doch nicht sah. Aber er wusste, dass das Chaos gerade in ihrem Innern tobte. Er bemerkte es nicht allein an ihrer zitternden Hand, denn ihre ganze Haltung drückte ihre Hilflosigkeit aus.
Langsam ließ er sie los. Eine Vision. „Ja“, hörte er sich selbst sagen. Und Xaviers Worte hallten erneut in seinem Gedächtnis, so dass es auch Jean wahrnehmen musste.
Die Zukunft ist noch nicht geschrieben, Scott. Wir entscheiden selbst, was wir tun und was nicht.
„Es tut mir Leid, Jean.“ Es war nur ein Flüstern, doch mussten ihre Sinne gerade so überreizt sein, dass sie in diesem Augenblick wohl auch den Flügelschlag eines Schmetterlings schmerzhaft wahrgenommen hätte. Er würde ihr das mit Logan und den Grund ihrer nächtlichen Auseinandersetzung erzählen, aber nicht jetzt gleich. Er kam wieder näher, aber diesmal sagte er nichts. Sie würde auch so wissen, dass er selbst keine Antwort auf diese Vision hatte. Auf was wartete er? Dass sie ihm sagte, es sei in Ordnung?
Wahrscheinlich genau das.
Aber er wusste, dass er es in diesem Moment nicht verlangen konnte. Stattdessen zog er sie einfach zu sich in die Arme, auch wenn sie sich dagegen wehren würde.
Noch immer starrte sie auf denselben Punkt an der Wand. Selbst als sie etwas nahes, warmes spürte und ihre Wange gestreift wurde. Ihr Tastsinn schien überwältigt zu sein und war so nahe am Abgrund, dass er sich nur noch darauf konzentrieren konnte, nicht abzustürzen. So blieben viele Berührungen plump im Eingangsordner liegen, ohne wahrgenommen zu werden.
Es dauerte einen Moment, bis sie das Gefühl von breiten Schultern, einem anderen Herzschlag und dem Atem in ihrem Haar wieder bewusst spürte und darauf auch reagieren konnte. Ihre Hände fanden Halt an seinem Rücken, wo sie sich krampfhaft in sein Shirt vergruben und sie die Spitzen ihrer Nägel in ihren Handflächen, wie kleine Dolche aus Licht und Schmerz sah.
Vorsichtig drehte sie den Kopf und schmiegte ihr Gesicht in seine Halsbeuge. Langsam kam ihr die Gewissheit, dass es trotz allem nur ein Abklatsch von dem war, was Scott gesehen hatte. Und wenn die Empfindungen nur ein bisschen intensiver gewesen sein mochten, dann musste es schockierend gewesen sein. Ihre rechte Hand löste sich aus ihrem Krampf und fand seinen Nacken, wo sie durch das kurze Haar am Ansatz strich.
Wer von ihnen war der Ertrinkende, der sich an den Anderen klammerte und Schutz suchte?
„Schhh...“, meinte sie, als sein Herzschlag ihre Lippen berührte. „It’s OK, Scott“, wisperte sie und küsste wieder seinen Hals.
In solchen Situationen war Jean unstreitbar die Stärkere. Denn Scott wusste untrüglich, dass er bei solchen Bildern gewiss nicht so ruhig geblieben wäre. Er war niemand, der wegen jeder Kleinigkeit wütete so wie Logan, aber wenn es um Jean ging, dann war er doch zumeist ganz anders, als man es von ihm gewohnt war.
Tatsächlich tat es ihm leid... für etwas, das er noch nicht getan hatte und für seine Begriffe auch nie tun würde. Dennoch blieb ein schaler Nachgeschmack, den er nicht leugnen konnte. Und vor allen Dingen hatte ihn diese Vision nachdenklich werden lassen und er wunderte sich über einige Situationen in der Vergangenheit, die er damals nicht so wahrgenommen hatte, wie er es vielleicht hätte tun sollen. Aber vielleicht war es auch richtig gewesen, dass er manches nicht bemerkt hatte, was heute Fragen aufwarf.
Auch Scott zog sie etwas fester in die Arme und blieb einen Moment so mit ihr stehen. Ihre Antwort überraschte ihn. Ja, es überraschte ihn, obwohl er sie so lange kannte und vielleicht hätte sagen können, wie sie reagieren würde. Dennoch hätte er nicht damit gerechnet, dass sie ihm genau das sagte. Er atmete tief durch und einen Augenblick war alles ruhig. Und in diesem Moment hatte Scott den Eindruck, genau zu wissen, dass Jean ihn so liebte wie er sie.
Dass er es aber auch immer wieder in Frage stellte...
Einen Moment stand sie einfach so mit ihm da und überlegte. Ihre Wut, das Adrenalin hatten sich irgendwo hinter ihrem Mitgefühl versteckt oder wurden dort unfreiwilligerweise festgehalten. Im Endeffekt hatte sie sowieso keinen Schimmer, gegen wen sie agieren sollte, wo es doch eine Vision war. Etwas, dass geschehen könnte, aber nicht musste. Aber sie spürte das aufgebrachte Prickeln noch auf ihrer Kopfhaut, wie eine elektrische Ladung, die nicht wusste wohin.
Langsam strich sie Scott über das Haar im Nacken und warf einen kurzen Blick auf die Schublade neben ihnen. Ja, das Problem musste wohl etwas warten.
Stark, nun Jean versuchte es zumindest. Aber ihr Temperament rettete sie aus so mancher Schwäche heraus, einfach weil ihre Wut ihr mehr Auftrieb verlieh, als ihr Kummer. „Hast du dich selbst verarztet?“ Das dumpfe Gefühl von seinen zumindest geprellten Rippen, schimmerte wie ein dunkles Lila in ihrer Wahrnehmung und sie wich etwas vor ihm zurück, als sie bemerkte, dass sie sich genau daran gelehnt hatte. Ihre Hand strich über seine Brust und sie sah ihn fragend an.
Wenn er trainieren wollte, sollte er aufpassen und vielleicht einen Stützverband tragen.