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auf der neuen Plattform und hoffen
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Nun ja... er wählte diese Nummer, die ihm Scott Summers gegeben hatte und natürlich wurde er nicht gleich mit Ororo verbunden. Kassander wusste schon gar nicht mehr, wer nun alles mit ihm gesprochen hatte, aber letztlich stand er eine Weile herum, während er darauf wartete, das man Ororo ausrichtete, dass sie jemand sprechen wollte. Wenigstens stellte man ihn nicht in so eine Warteschleife mit dümmlicher Fahrstuhlmusik, so dass er ab und an noch ein paar Hintergrundgeräusche mitbekam. Vor allen Dingen Stimmen von Schülern, die er auf der anderen Seite wahrnahm - wenngleich er nicht wirklich verstand, was sie sagten.
Irgendwie hatte er das Gefühl, dass man ihm gleich sagen würde, dass Ororo gar nicht im Haus war.
Nein, keine Hiobsbotschaften an diesem Tag, für Herrn Burleigh - oder war es vielleicht die Hiobsbotschaft, dass Ororo nach einer schieren Ewigkeit des Wartens den Hörer anhob und sich ihrer unverkennbare Stimme zu Wort meldete?
"Scott?"
Es war längst kalt geworden und die dicken Wollpullover - die zugegeben etwas plump aussahen, wo man doch von Ro eigentlich eher Körperbetonte Kleidung gewohnt war - vermochten immer noch gut genug Geheimnisse zu bewahren, die ohnehin vermutlich nur Eingeweihte wahrgenommen hätten, wenn überhaupt. Nun war der überdimensional lange Ärmel - und es warf bei einigen Schülern wirklich die Frage auf, ob Ro ihre Kleidung neuerdings bei Hank auslieh - einfach perfekt dafür geeignet zitternde Finger darin zu verstecken.
Ja, es war wirklich kalt geworden. Man sollte die Heizung ein bisschen höher drehen.
Logan hatte Scotts Anruf zwar schon lange angekündigt, aber bisher war er ausgeblieben.
Rogues todernstes Gesicht, als sie Ro ans Telefon gerufen hatte, hatte sie einfach nur auf Herrn Rottenführer schliessen lassen.
...und wenn sie ehrlich zu sich selbst war, war es auch die ein oder andere Angelegenheit, die sie klären wollte (es war schliesslich immernoch ihr Institut, um es mal nicht zu vergessen). Ob sie mitten in der Küche für jene Angelegenheiten - Herzensangelegenheiten - gewappnet war, die nun auf sie zukommen würden? Es war fraglich, zumindest aus ihrer Sicht, hätte sie jemand gefragt. Himmelhochjauchzendzutodebetrübt.
Scott… Scott?! Einen Moment war er geneigt, den Hörer einfach langsam wieder aufzulegen, aber schließlich räusperte er sich leise und antwortete: „Nein… Ro. Ich bin es; Kassander.“
Soviel dazu. Aber sie hatte wohl nicht wirklich angenommen, dass er sie anrufen würde. Warum hatte sie das nicht angenommen? Ach ja, er hatte ja das Arschloch-Gen. Das schwarze Schaf vom Dienst, Kassander Burleigh, was kann ich für sie tun? Und ehrlich gesagt hatte sie ihn mit nur einem einzigen Wort derart aus dem Konzept gebracht, dass er sich nun wünschte, er hätte einen Notizzettel dabei, wo er alles noch einmal in Stichpunkten aufgeschrieben hatte. Oder war es einfach nur ihre Stimme, die sich am Telefon noch intensiver anhörte; einfach, weil sie direkt in sein Ohr drang? Er schwieg eine unendlich lange Sekunde, aber sie sagte auch nichts, so dass diese Sekunde beinahe schon unangenehm zu nennen war.
„Bist du noch dran? Ich… wollte wissen, wie es dir geht. Dir und…“
Er kratzte sich an der Braue und ließ den Blick über den Flur schweifen, auf dem er stand. Nein, weder die Küche noch der Schulflur waren geeignete Orte, etwas zu besprechen, aber er hatte noch nie ein Mobile besessen. Logan und Sariel waren vor einiger Zeit in New York gewesen und Kassander hatte mitgehen wollen. Letztlich war er hier geblieben, weil er Scott, Liam und Jean hatte helfen müssen. So war es doch gewesen, oder nicht? Logan hatte ihm gesagt, er solle ein andermal nach New York fliegen – allein. Kassander hatte diesen Gedanken für gut befunden, aber die Wahrheit war, er hatte Angst gehabt, sie wieder zu sehen. Etwas aufzuschieben machte die Sache natürlich nicht besser, aber er hatte diese Zeit einfach noch gebracht. Das redete er sich jedenfalls erfolgreich ein. Heute allerdings stellte er sich die Frage, ob es nicht wichtiger gewesen wäre, Ro danach zu fragen, was sie gebraucht hätte nach dem ganzen Chaos.
„Es kommt wohl zu spät, Ro. Aber es tut mir leid. Das, was dir passiert ist, war meine Schuld, wie so viele Dinge mein Verschulden waren. Damals, bevor du geflogen bist, da sagtest du, ich würde an den falschen Stellen zu viel nachdenken und zu wenig auf… auf mein Herz hören. Vielleicht habe ich ja wieder an falschen Stellen nachgedacht, aber ich wollte dich dennoch zuerst fragen, ob ich dich besuchen kommen darf.“
Ob sie dachte, dass er sie vergessen hatte? Warum hatte sie angenommen, dass Scott sie angerufen hatte? Hatte sie ihn vergessen? Nur recht und billig, Burleigh. Er drehte das Telefonkabel in den Fingern und war sich einen Moment recht sicher, was sie ihm gleich antworten würde.
„Als ich dich damals fragte, ob du mir irgendwann noch eine Chance gibst, da sagtest du vielleicht. Ich will dich einfach nur besuchen kommen, Ro. Aber wenn du das nicht willst, dann werde ich es akzeptieren.“
Nur besuchen kommen? Sie? Nachdem er sich seit einer halben Ewigkeit nicht gemeldet hatte?
Was erwartete er denn von ihr auf die Frage? Wutausbrüche oder Jubelgeschrei?
Er würde beides nicht ernten, sondern stattdessen eine Pause, in der das Stillschweigen nur mit einem unterschwellig leisen Knistern und ihrem Atem erfüllt wurde.
Ja, es war so vieles schief gegangen – und auch nach so vielen Tagen, in denen sie darüber hatte nachdenken können, war sie sich immernoch nicht sicher, an welcher Stelle, an welchem Tag es nun eigentlich wirklich angefangen hatte so dermassen aus dem Ruder zu laufen. Als sie Raguel und Sariel kennengelernt hatte? Als Norman das O’Reilly-Quartett vervollständigt hatte? Der Tag X? Das Labor? Schottland? Vielleicht war aber auch alles von Anfang bis Ende… Damals, bevor du geflogen bist, da sagtest du, ich würde an den falschen Stellen zu viel nachdenken und zu wenig auf… auf mein Herz hören.
Was aber wenn Herz und Verstand einem beide so furchtbar laut in den Ohren lagen? Tolle Ratschläge gibst du, Ororo, wenn du sie nicht mal selbst befolgen kannst.
Es war nicht Scott und trotzdem hatte sie mit Kassander Angelegenheiten zu klären, die nicht über das Telefon auszumachen waren - auch wenn es hier nicht um das Institut ging.
“Ich hoffe der Jet wird nach euren Privatausflügen auch regelmässig wieder überholt wird.” Was ein lausiger Scherz. Aber für den Moment, war das Herz noch nicht genug mundtod gemacht worden. Ihr “Ja” fiel knapp genug aus, um die Unsicherheit – oder war es gar Widerstreben? – in ihrer Stimme zu verbergen.
Freedom, Ororo, is just another word for being alone!
Ich wäre dir sehr verbunden, wenn du manchmal nicht so gut Bescheid wüsstest, was ich denke, Charles…
Da war noch mehr gewesen, auf dass sie ihm hatte antworten wollen, obwohl ihr beim erkennen seiner Stimme eher nach Schreien zumute gewesen war, aber die Antworten glitten schlichtweg aus ihren Fingern, wenn sie versuchte sie zu fangen.
Diese halbe Ewigkeit war gerade mal etwas mehr als einen Monat alt. Aber wohl konnte es einem lange vorkommen, wenn man auf etwas zu warten hatte so wie Ororo. Im Moment wartete sie wohl auf alles und jeden. Wartete sie auch auf sich selbst? Wahrscheinlich. Kassander verstand ihren Witz überhaupt nicht, was wohl daran lag, dass er sich auf alles andere konzentrieren musste – und das hieß zwischen den Zeilen zu lesen. Wenn sie einen Scherz machte, dachte er hingegen, dass es nett verpackte Ablehnung war. Aber vielleicht hatten sie schon immer aneinander vorbei geredet. Und ja, vielleicht dachte er wirklich zu viel über zu unnötige Dinge nach. Manchmal redeten Menschen eben einfach nur ohne wirklich etwas zu meinen. Sein Blick wanderte wieder den Gang entlang. Noch war er hier allein, aber in ein paar Minuten würden die Schüler auf den Flur stürmen, so dass er sich wieder über den Hörer neigte.
„Nein, ich würde nicht mit dem Jet nach New York kommen, da ich ihn nicht fliegen kann. Zudem braucht ihn das Institut vielleicht, so dass ich mit einer öffentlichen Linie fliegen würde.“
In dieser Hinsicht war er nicht Logan, der einfach mal kopflos nahm und ging, auch wenn Kassander ebenfalls nicht vorhatte, sein Verschwinden groß anzukündigen. Es würden letztlich nur wenige wissen, wo er war. Ihr widerstrebendes Ja ließ er unkommentiert, er fragte auch nicht noch einmal nach, ob sie sicher war, denn dann hätte die Antwort mit Sicherheit Nein gelautet.
„Aber du musst dir keine Gedanken machen, ich werde schon zum Institut finden.“
Die machte sie sich wohl ohnehin nicht. Ororo machte sich über andere Dinge Gedanken. Ob es wirklich eine gute Idee war, nach New York zu fliegen? Jetzt gerade, in diesem Moment, zweifelte Kassander daran. Nein, er erwartete nicht, dass sie hier am Telefon Gefühlsausbrüche bekam – in welche Richtung auch immer –, aber sie hörte sich ziemlich müde und desinteressiert an. War die halbe Ewigkeit doch noch zu früh? Im Augenblick konnte er sich lebhaft vorstellen, wie er in New York ankommen würde und sie sich schlichtweg nur anschwiegen. Es war fast wie vor ihrer Abreise, als er gesprochen hatte und sie dieses Gespräch widerwillig über sich hatte ergehen lassen. Er konnte es ihr nicht verübeln, doch wenn es ihr so widerstrebte ihn wieder zu sehen, dann sollte sie es ihm jetzt sagen. Sie war doch sonst nicht so unentschlossen gewesen. Nicht einmal, als es um die Klärung ging, was mit dem Kind geschehen sollte.
„Wie geht es dir im Moment?“
Diese Frage hatte sie ihm immer noch nicht beantwortet und er war wahrlich interessiert an dieser Antwort, so dass er sie wiederholte.
“Gut.” Und doch wart es mehr eine automatische Antwort, als wirklich ihr Wohlbefinden. Oder? Wie sah es eigentlich aus? Wirklich über etwas klagen konnte sie doch nicht. Keine morgendliche Übelkeit, keine einzige andere dieser Horrorgeschichten, die man werdenden Müttern immer so gern unter die Nase rieb. Die Freundinnen einer werdenden Mutter so gerne unter die Nase rieben. Wieviele Freundinnen hatte sie eigentlich, die schon… Rohey, richtig. Aber die hatte genug mit ihren eigenen Kindern zu tun. Und sonst? Jemand der ihr Tips geben könnte? Bei dem sie mal nachfragen könnte, ob es normal war…
You called me from the room in your hotel
All full of romance for someone that you met
And telling me how sorry you were, leaving so soon
And that you miss me sometimes when you're alone in your room
Do I feel lonely too?
You have no right to ask me how I feel
You have no right to speak to me so kind
We can't go on just holding on to time
Now that we're living separate lives
“Kass…”
Ooh, it's so typical, love leads to isolation
So you build that wall
Yes, you build that wall
And you make it stronger
”… wenn du wirklich kommen willst, dann tu es.” Sie würde ihm nicht im Wege stehen – und vielleicht damit auch sich selbst nicht mehr im Wege stehen.
“Du denkst schon wieder…” Oder war es Überraschung, die ihn nun schweigen liess?
Well you have no right to ask me how I feel
You have no right to speak to me so kind
Some day I might find myself looking in your eyes
But for now, we'll go on living separate lives
“Sag nur Bescheid, wann du kommst. Hank wird dich sicherlich abholen.” Und ob Hank eine Ähnlichkeit zu Logan wohl erkennen würde?
Nein, es war keine Überraschung, die ihn schweigen ließ. Kassander hatte sich ohnehin gedacht, dass Ororo es ihm freistellte, ob er nach New York kommen wollte oder nicht. Die Sache war die; er wollte durchaus fliegen, denn auch wenn nicht viel Zeit vergangen war, so doch Zeit genug, um noch einmal über alles zu sprechen. Die Frage war einfach, ob sie das auch so sah... wahrscheinlich nicht. Ihre Erwiderungen machten das deutlich.
Gut, er hatte viel falsch gemacht, aber ihre automatischen Antworten waren einfach nur nervtötend. Und das war eigentlich der einzige Grund, warum er schwieg. Er dachte in diesem Moment ausnahmsweise mal gar nicht. Wenn sie schon am Telefon nicht mit ihm reden konnte, dann würde sich das von Angesicht zu Angesicht gewiss nicht ändern.
Aber, Ororo Munroe, ich werde dennoch nach New York kommen. Dann werden wir uns eben anschweigen.
I am afraid of nothing... now all the more.
"Ich denke nicht. Du musst niemanden bemühen, Ro. Ich bin schließlich der Sohn meines Vaters, nicht wahr? Wäre doch traurig, wenn ich deine Fährte nicht fände... Ororo."
Was ließ ihn so ungehalten sein? Natürlich... dieser anklagende Unterton, mit dem sie sprach. Dinge, die sie eben nicht aussprach, aber die unverkennbar da waren. Es wäre ihm lieber, wenn sie ihn anschreien würde, wenn sie nur ein einziges Mal sagte, was sie ihm am liebsten sagen würde. Vielleicht würde sie sich dann selbst besser fühlen. Stattdessen dieses bedrückende Schweigen... diese Schwäche. Ein wenig erinnerte ihn das an seine Zeit, nachdem Richard Burleigh gestorben war. Schweigsamkeit, Frust, stumme Anklage... das waren Dinge gewesen, die ihn immer wieder hatten fliehen lassen. Und er war oft in den Pubs von Rochester gewesen - letztlich war genau dies der Grund gewesen, warum er damals zu spät gekommen war. Diesmal wollte er nicht zu spät kommen, aber sie machte es ihm nicht leicht und er wurde schon wieder zynisch.
"Also... machs gut. So gut, wie es dir im Moment zu gehen scheint."
Nein, so wollte er eigentlich nicht auflegen und darum hielt er den Hörer weiterhin ans Ohr und sah sich noch einmal auf dem Gang um.
Pass auf euch auf...
Der Satz würde ihr sicher noch lange durch den Kopf spuken. Für den Moment schaffte er es damit zumindest sie schweigend zu machen.
Nicht eines dieser erdrückenden Schweigen, wie zuvor, aber das konnte Kassander wenn überhaupt ja nur ahnen.
Was er vermutlich nicht erahnen konnte, war die Regung in ihrem Gesicht, als sie schliesslich zu einer Antwort ansetzte. “Ich tu mein Bestes.”
Was immer das Beste in einer Situation wie dieser sein konnte, wenn man so vor den Trümmern eines – Da! Sie fing ja schon wieder mit ihrem gottverdammten Mitleid an. War es denn auszuhalten?
“Ich freu mich auf…” Nein, eigentlich freute sie sich nicht darauf. Oder doch? Es war ein ewiges Hin und Her, dass ihr langsam auch den letzten Nerv raubte. “…dich.” Und ehe das Wort wirklich ausgesprochen war, hatte sie den Hörer bereits aufgelegt und starrte das Telefon einen Augenblick verachtend an, als würde es Schuld an ihren Worten tragen.
Tatsächlich konnte er dieses Schweigen nicht deuten und vielleicht hätte er es auch falsch gedeutet, wenn er es versucht hätte. Aber er unternahm diesmal keinen Versuch, ihr Schweigen zu interpretieren, vielmehr wartete er auf ihre Antwort. Auch keine Antwort, war eine Antwort. Gerade als er hatte fragen wollen, ob sie noch am Hörer war, sprach sie wieder.
„Okay… dann… bis demnächst, Ororo.“
Ich freue mich auf dich. Hatte er das gerade wirklich gehört? Sie hatte bereits aufgelegt, so dass das bedeutendste Wort in diesem Satz irgendwie untergegangen war und am liebsten hätte er gleich noch einmal angerufen, um es einzufordern. Aber das war töricht.
Ja, das war töricht.
Dennoch hielt er den Hörer noch immer in der Hand.
Er stand genauso wie sie meilenweit fort und starrte auf das Telefon. Sogar dieses Gespräch war ein ständiges Hin und Her gewesen. Kassander war sich ziemlich sicher, dass es auch nicht anders war, wenn er in New York ankam. Aber da gab es etwas, das er ihr unbedingt sagen musste. Etwas, das er schon längst hätte sagen sollen… damals. Als sie fort gegangen war. Er würde es sagen.