Das X-odus Forum befindet sich derzeit in einer Pause.
Für all Diejenigen, die ihre Charaktere bis zum Wiederbeginn
nicht ruhen lassen wollen, empfiehlt die SL euch
diese Seite.
Wir wünschen unseren fleissigen Usern viel Spass
auf der neuen Plattform und hoffen
euch alle in alter Frische und mit dem gleichen Elan
bald auch wieder an dieser Stelle begrüssen zu können.
Belle saß bis zur Brust in eine Decke gekuschelt auf einem der Korbsessel. Die Beine hatte sie angezogen und sich tief in den Sessel sinken lassen. Leise klang die Musik von Apokalyptica durch den MP3-Player zu ihr, während sie in einem Buch las. Das linke Handgelenk war in einen dicken weißen Verband gehüllt und ganz offensichtlich schonte sie diese Hand, da sie immer mit rechts umblätterte und das Buch von ihren Beinen gehalten wurde.
In letzter Zeit hatte man sie selten in der Schule zu Gesicht bekommen, außgenommen war davon der Unterricht, aber selbst zur Mutations-AG erschien sie nicht regelmäßig.
Früh morgens vor dem Frühstück verschwand sie schon um zu laufen oder dergleichen und nach dem Unterricht verschwand sie meist promt nach Inverness um erst spät am Abend wieder zu kommen und dann praktisch sofort zu Bett zu gehen.
Es war ärgerlich, dass der blöde Sturz sie jetzt davon abhielt und so widmete sie sich eben lang liegen gebliebener Literatur.
Noah hatte eine Eigenschaft oder eine Eigenart oder eine Gabe, ganz wie man es nennen wollte. Er war da und das meist überall und ziemlich oft ohne das ihn jemand bemerkte. Es gab Phasen da brauchte er die Gesellschaf der anderen Kinder und es gab Phasen da musste er einfach ganz für sich allein sein. Im Gegensatz zu Belle besuchte er den Unterricht regelmäßig und hatte sogar Freude daran, er war ein guter Schüler. Allerdings schwänzte er oft die Mutations- AG. Er aß nicht regelmäßig mit seinen Mitschülern und generell hielt er sich am liebsten im Keller auf wo er sich regelrecht verigeln konnte und sich seinen Fotos voller Leidenschaft widmete.
Heute hatte er Lust auf Gesellschaft und so tapste er leise in den Wintergarten und noch bevor Belle es eigentlich hatte registrieren können hatte er schon ein Foto mit seiner Kamera geschossen. Viele hielten ihn für sonderbar, sie hatten Recht. Einige hielten ihn für verrückt, sie hatten ebenfalls Recht. Aber kaum jemand, hatte sich wirklich Mühe gemacht Noah kennen zu lernen.
Ohne Aufforderung setzte er sich zu Bell und schlenkerte mit den Füßen, während er seine Kamera fest umschlungen hielt. „Du bist hübsch.“ Sagte er schlicht und sprach mit den Augen eines Künstlers.
Sie sah ihn überrascht an und blinzelte kurz. Kurz glitt ihr Blick prüfend über ihn. Sie kannte ihn nicht und nahm einfach Details seiner Erscheinung auf. Dann lächelte sie ein wenig unsicher.
"Danke."
Ein wenig sah man ihr die Verwirrung schon an. Ein Finger wurde zwischen die Seiten geschoben und das Buch zu geklappt. Auf dem Titelbild war eine blonde Frau mit einem Schwert in der Hand zu sehen und in kunstvoll geschwungener Schrift stand Dunkelheit in roten buchstaben darüber.
Noah war ebenfalls ein Kind, das man aus dem Labor gerettet hatte, allerdings sah er alles andere als ein Kind aus. Das lag daran, dass man ihn mit Versuchen und Medikamenten zum Altern gebracht hatte. Neben Belle saß ein Junge der zwar vom Kopf her erst 15 Jahre alt war, allerdings war sein Körper bereits um die 23 Jahre herum.
Er rieb sich mit dem Ärmel seines dunklen Rollkragenpullis die Augen. Die Kontaktlinsen die er seit neustem trug scheuerten in den Augen. Auffällig war an ihm sonst eigentlich nur, dass er seine Kamera an einem Tragegurt um den Hals geschlungen trug und das seine Oberarmmuskeln sich deutlich unter dem Stoff abzeichneten, dass lag daran, dass er viele viele Jahre bereits boxte.
Ansonsten war ihm fürs Erste das Gesprächsthema ausgegangen mit dem Blick ihr Buch erklärte er allerdings. „Ich mag die Dunkelheit auch.“ Was er ihr damit auch immer sagen wollte, aber in seiner Stimme schwang irgendetwas mit, etwas schwer zu fassendes.
Sie fuhr mit den Fingern der verletzten Hand vorsichtig durch das Haar und strich ein paar Strähnen aus ihrem Gesicht zurück. Heute fiel das Haar offen über ihre Schultern, denn mit einer Hand einen Zopf binden ging nunmal nicht wirklich gut.
"Aber das Buch ist trotzdem gut. Es geht darin aber auch nicht um Dunkelheit."
Noah runzelte die Stirn. Am liebsten hätte er sie angeschrieen sie sollte dann gefälligst nicht solche Bücher lesen, dass führte dazu das er sich irrte und lächerlich machte, dabei hatte er wirklich nur freundlich sein wollen.
Doch er sagte nichts dergleichen, stattdessen musste er seine Hände an seine Schläfen legen und tief durchatmen. Er war ein bisschen blass geworden, dass war weil er mal wieder einen seiner starken Kopfschmerzen hatte, die so schnell kamen aber genauso schnell wieder verschwanden.
„Soll ich dir einen Zopf flechten?“ Er lächelte zaghaft. Entweder hatte er ihre Gedanken gelesen oder aber er kombinierte nur gut und er wollte ja schließlich wirklich freundlich sein. „Um was geht es in dem Buch?“ Wollte er wissen und sah sie abwartend an. Noch etwas war besonders an ihm: Seine Augen. Lange, geschwungene Wimpern für den ihn Mädchen beneiden konnten und seine Augenfarbe war nicht klar zu nennen, mal schimmerten sie grün im Licht, mal blau oder braun.
Ein unsicheres Lächeln erschien auf ihren Zügen. Sie brauchte keinen Zopf. Eigentlich. Sie band das Haar meist nur zusammen, damit es beim Training nicht störte.
"Um Hexen und Dämonen. Um ein Matriachart. Ein Fantasyroman eben."
Unbeweusst strich wieder das Haar nach hinten. Sie war es wirklich nicht gewohnt, dass es ihr ins Gesicht hing. Sie nahm das lesezeichen und steckte es in das Buch um die andere Hand frei zu haben.
Warum wollte sie sich von ihm keinen Zopf flechten lassen. Einen kleinen Moment lang flackerte beinahe fanatischer Zorn in seinen Augen auf. Er versuchte doch nur freundlich zu sein und immer wenn er das tat war man so gemein zu ihm.
Und ich sehe wie ich meine Hand um deinen schwanenhaften Hals lege und ich kann deine Angst, deine Panik riechen, weil der Geruch aus deinen Poren sickert. Du flehst mich an und doch nützt es nichts. Ich drücke zu, solang bis ich Male auf deiner Haut hinterlasse und ich warte nur auf einen Moment. Der Moment wenn deine Augen brechen
Er blinzelte und seine Vision, oder sein Tagtraum oder wie man es auch immer nennen wollte, war schon beinahe wieder vergessen, genauso wie seine Wut verraucht war. „Hexen und Dämonen? Fürchtest du dich nicht davor?“
In seinem Kopf hörte er die bekannte Stimme sie höhnisch auslachen.
So einfach wollte Noah das Thema allerdings nicht wechseln, zumindest nicht sofort. „es gibt schlimmeres? Was denn zum Beispiel.“ Das interessierte ihn wirklich, was war für sie denn schlimmer? Vielleicht konnte er die Inforamation irgendwann mal gebrauchen.
Allerdings wechselte er dann wirklich ebenfalls das Thema. „Ja, ich lese auch. Am liebsten James Joyce.“ Ob sie ihn kannte? Allerdings blieb ja nicht besonders viel Zeit zum lesen wenn er ständig fotografierte und auf Motivjagd ging.
Hast du mich in letzter Zeit mal angesehen? Hast du mich in letzter Zeit überhaupt mal wahrgenommen
Noah konnte nicht anders als zu Schmunzeln. Sie hatte Angst vor den Schatten? Nein wie praktisch, denn er war das Licht. Zumindest was seine Mutation anbelangte, aber sollte er ihr mal ein Geheimnis verraten? Ihm war es nicht gelungen sein Innerstes zu erhellen, dass war so düster und zäh wie die Schatten die sie fürchtete.
Hatte sie die Wendung in diesem Gespräch überhaupt wahrgenommen? Schließlich verstand es Noah die Übergänge ganz leicht zu verwischen.
„Ein irischer Schriftsteller.“ Erklärte Noah und so wie es aussah verstand sie nicht viel von Literatur, denn diese Fantasyromane konnte man doch wohl kaum als wirkliche Literatur bezeichnen. „Sein bekanntestes Werk ist Ulysses.'Das Leben eines Entwurzelten scheint mir viel weniger verächtlich, als das Leben eines Menschen, der sich mit der Tyrannei des Durchschnitts abfindet'."
Wieder einmal hatte die Stimmung umgeschlagen, es blieb die Frage ob Belle das auch spürte oder nicht. Es war die Art wie er sie ansah, beinahe ein bisschen spöttisch, aber da hatte er sich vorgebeugt und strich ihr eine Haarsträhne zurück ohne sie wirklich zu berühren.
Sie sah ihn wieder übberascht an, lächelte dann aber. In letzter Zeit hatte sie niemanden angesehen und war immer für sich geblieben. Sie legte nicht wirklich viel Wert auf Kontakte mit anderen wie es schien.
"Das hört sich nicht nach meiner bevorzugten Literatur an, aber ich kann mir vorstellen, dass es interessant ist. Ich will aber lieber vor dieser Welt fliehen und dafür ist sowas"
sie deutete auf ihr Buch
"genau richtig."
Ein schiefes Lächeln, halbes Grinsen erschien auf ihren Zügen. Ob sie etwas von seinem Stimmungsumschwung bemerkte oder nicht wurde nicht wirklich offensichtlich. Vielleicht interessierte es sie auch einfach nicht?
Ach Liebchen. Ich könnte dich an Orte entführen die jenseits deiner Vorstellungskraft liegen und ganz bestimmt würdest du dann nicht mehr bloß die Schatten fürchten
„Ich glaub ich muss jetzt langsam wieder gehen.“ Murmelte er und senkte den Blick zu Boden als würde ihn eine neue Welle der Schüchternheit überrollen.
„Vielleicht sehen wir uns ja noch mal.“ Irgendwann und bevor sie hätte antworten können war er nicht nur aufgestanden sondern bei ihrem nächsten Augenblinzeln einfach verschwunden als sei er niemals da gewesen.
Sie blinzelte überrascht und seufzte dann leise. Hätte sie seine Gedanken gekannt, wäre wohl ein bitteres Lachen über ihre Lippen gekommen. Nachdenklich richtete sie den Blick auf die beginnende Düsternis draußen und ihre Gedanken wanderten weit weg, während sie über das seltsame Gespräch nachdachte.