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Lucian war die letzten Tage in Edinburgh gewesen, um dort noch einmal alles zusammen zu tragen, das ihm vor Jahren schon geholfen hatte seine Bücher zu schreiben. Jetzt allerdings stand er im Keller des Instituts vor einer Tür, dessen Raum eigentlich nicht genutzt wurde. Dennoch schien jene Tür schon einmal geöffnet worden zu sein, obwohl Lucian sie damals versiegelt hatte. Es gab zwei Dinge, die er nie in seinem Buch erwähnt hatte. Eins davon war die Tatsache, dass einst seine Vorfahren hier im 18. Jh. auf diesem Anwesen gelebt hatten. Und das andere war...
Lucian wartete auf einen gewissen Gambit. Er sollte ihm bei seinen neuen Recherchen helfen, wie Scott Summers ihm gesagt hatte. Wahrscheinlich aber wollte Mr. Summers nur jemanden schicken, der Lucian auf die Finger sah. Es war ihm recht, denn wenn dieses Gebäude nun einen neuen Besitzer hatte, dann sollten diese Leute auch wissen, mit was sie es zutun hatten. Oder nicht? Heute trug er seinen Talar und die weiße Kollare leuchtete auffällig im dämmrigen Kellerlicht.
Also Angst vor dem schwarzen Mann hatte Sariel mit Sicherheit nicht, aber er könnte unter Umständen dafür sorgen, dass Lucian Angst bekam, allerdings war er davon auch schon im Vorfeld gefreit. Schließlich war der Mann ein geistlicher und allein diesem Umstand hatte er es zu verdanken, dass Sariel den höchsten Respekt vor ihm hatte, zumindest heute.
Vielleicht konnte er ihm ja ein bisschen zur Hand gehen, bei was auch immer. Aber eigentlich war Sariel ganz ehrlich: Er wollte ein Auge auf ihn haben….man wusste ja nie.
„Pater? Sind sie hier?“ Fangfrage, dafür lernte der Priester gleich einen wirklich freundlichen Sariel kennen, der mit dem Hang zum Schabernack. Er verzichtete sogar auf die Zigarette doch die schweren Schritte auf den Stufen die sich ihm näherten gehörten dem Iren.
Remy hatte schon eine Weile im Kellergang gestanden und den Priester beobachtet. Er hatte sich zunächst nicht zeigen wollen, denn beim Anblick des weißen Kragens kamen die Erinnerungen an seine Kindheit wieder hoch. Oft hatte man ihn damals wegen seiner Augen fortgejagt und mehr als ein Gottesmann hatte ihn als Kind des Teufels bezeichnet. Ausgerechnet diejenigen, die alles in Gottes Schöpfung lieben sollten, besonders ihre Mitmenschen. Es hatte Remy fürs Leben geprägt.
Deswegen hatte er gezögert. Deswegen hatte er in den Gängen des Kellers gestanden. Er wollte herausfinden, ob dieser Priester auch so war. Aber noch bevor er sich irgendwie hatte bemerkbar machen können, ertönte bereits eine andere Stimme von der Seite her. Einer von den Brüdern. Welcher war es? Sariel!
Now dis is gonna be interestin'
Remy lehnte sich wieder gegen die Wand und beschloss, erstmal zuzuhören, was der Ire und der Preister zu besprechen hatten.
Die Schöße des Talars schwangen leicht auf, als er sich in die Richtung drehte, aus der er die Stimme gehört hatte. Eigentlich wirkte er in diesem Gemäuer selbst wie ein Mann aus vergangenen Tagen, denn die Priesterrobe hatte sich über Jahrhunderte nicht mehr geändert. Er hatte die Hände ineinander gelegt und lächelte leicht, als er den Fremden bemerkte.
"Guten Tag. Sind sie Mr. LeBeau? Ich sollte hier auf sie warten. Es geht um die Kellerräume, die dort hinter dieser Tür liegen. Mein Name ist Lucian MacGillivray, falls man sie darüber noch nicht aufgeklärt hat."
Als Sariel nahe genug war, streckte er ihm die Hand entgegen. Wie die meisten katholischen Pfarrer war auch Lucian ein Mann, der die größte Heilsbringung in seinem Glauben sah, wobei er nicht gänzlich vorbehaltslos glaubte (was ihn wiederum zu einem Theologen machte und manchmal ein paar Schwierigkeiten einbrachte)). Wenn Gambit sich fragte, ob auch Lucian ein Priester war, der ihn fortgejagt hätte, dann würde er sich wohl die Mühe machen müssen, aus seinem Versteck zu kriechen und es heraus zu finden.
Sariel lächelte. Ein seltener Anblick und besonders ungewohnt wenn das Glitzern in seinen Augen fehlte, was sein Gegenüber sonst glauben ließ er tat nichts ohne Hintergedanken. Er überbrückte die paar Meter zwischen ihnen und reichte dem Priester die Hand. „Sariel O’Reilly. Sehr erfreut.“ Sein irischer Singsangakzent schwang in den Worten mit.
Es war ja schon beinahe unheimlich wie schrecklich normal Sariel war und darüber hinaus auch richtig sympathisch.. Sein grünes Auge leuchtete trüb, wie Flaschenglas in der Sonne, dafür strahlte sein blaues Auge so klar wie ein Frühlingshimmel.
„Ich bin nicht der den sie suchen, aber ich dachte ich gehe ihn trotzdem ein wenig zur Hand.“ Da kam eben die gute Kinderstube zum Vorschein. Er lächelte und sehnte sich nach einer Zigarette.
Sariel hatte nichts Ungewöhnliches gesagt oder getan, sondern einfach nur seine Hilfe angeboten. Remy kannte den Iren nicht gut genug, um zu beurteilen, ob das ein für ihn ungewöhnliches Verhalten war oder nicht. Besonders misstrauisch war er deswegen nicht, auch wenn er zur Kenntnis nahm, dass derselbe Mann, der sich bei der letzten Besprechung so kindisch verhalten hatte, nun eine ganz andere Seite zeigte. Was ein ganz normales Verhalten war, denn schliesslich hatte jeder Mensch mehr als nur ein Gesicht. Und Remy wusste wenigstens das mit Sicherheit. Aber deswegen böse von ihm denken? Nein. Er würde einfach alle Sinne offenhalten, so wie immer.
Remy löste sich von seinem Platz und trat zu den beiden Männern. Er war, entgegen seiner üblichen Einstellung, darauf bedacht, seine Augen, die verräterischsten Anzeichen für seine Andersartigkeit, nicht zu sehr ins Licht zu drehen. Ebenso bemühte er sich, möglichst akzentfrei zu sprechen, was ihm aber nicht so recht gelang. Zumindest aber sparte er sich die französischen Floskeln so gut er konnte.
"Ich bin LeBeau. Freut mich Sie kennenzulernen, Pater." Er zögerte zuerst, ergriff dann doch die Hand des Geistlichen und tat so, als würde er den Kragen betrachten. "Römisch-katholisch? Verzeihen Sie mein Zögern, ich kannte einst einen Priester der römisch-katholischen Kirche, der uns immer von Nächstenliebe erzählte. Nur in meinem Fall nahm er es irgendwie nicht so genau damit."
Remy hob den Kopf, lächelte breit und und sah dem Priester in die Augen. Konfrontation schien ihm die beste Möglichkeit zu sein; er würde die Reaktion des Mannes miterleben. War er wieder einer von denen, die nur auf ihre Schäfchen bedacht waren oder zur Abwechslung einer, der sich an das Wort der Bibel hielt und alle Geschöpfe Gottes gleichermassen liebte?
"Oh...Mr. O'Reilly. Nun gut. Sechs Augen sehen mehr als vier, nicht wahr?" Ob er nun in Metaphern sprach oder irgendetwas aus der Bibel zitiert hatte, war nicht so ganz ersichtlich. Aber Lucian kommentierte es auch nicht weiter. Also warteten sie eben gemeinsam auf den Franzosen. Gerade als Lucian noch einmal nachfragen wollte, bemerkte er den Hinzutretenden und gab auch ihm die Hand, als jener sie ihm schüttelte.
Manchmal war es faszinierend, wie sich Menschen Geistlichen gegenüber verhielten. Es kam immer darauf an, welche Erfahrungen sie mit ihnen gemacht hatten. Aber wenn sie die einmal gesammelt hatten, dann übertrug sich dies zumeist auf alle anderen Vertreter dieses Glaubens.
"Ja...ja, römisch-katholisch." Vielleicht nicht die Religion, die in Großbritannien vor allem praktiziert wurde, aber immerhin gab es sie hier wieder. "Mein Name ist Lucian MacGillivray. Freut mich ebenso." Er sah Remy letztlich direkt in die Augen und wenn er erstaunt war, ließ er es sich nicht anmerken (aber ganz ehrlich? Er war es). Das Wort der Bibel... wieder etwas, das fragwürdig war. Doch dies zu diskutieren war Lucian nicht hergekommen. Morallehre, Sakramente... seine Hand ließ Remys los. Menschen, Mutanten...
Man musste ihm den Moment des Erstaunens lassen, ehe er sich räusperte und auf die Tür deutete. "Ich denke, wir sollten mit diesen Räumen anfangen." Das Schloss war ja schon gebrochen worden. So sah es jedenfalls aus.
Remy hatte den etwas zu langen Händedruck und die kurze Pause bemerkt. Einerseits war es ein wenig enttäuschend, andererseits rechnete er es dem Priester im Stillen hoch an, dass er sich nicht so leicht ködern liess. An einem anderen Ort oder zu einer anderen Zeit hätte sich bestimmt eine interessante Unterhaltung ergeben können. Doch Pater MacGillivray hatte Recht, als er sich dem eigentlichen Grund seines Hierseins besann. Es gab Dinge, die einfach wichtiger waren.
"Sie scheinen sich hier besser auszukennen als wir. Ich hörte, Sie haben bereits Bücher über diese Gebäude geschrieben? Sie müssen entschuldigen, ich bin kein großer Leser, sonst hätte ich längst einmal einen Blick hinein geworfen. Sie könnten uns doch sicher einen kurzen Überblick über die Geschichte des Hauses geben, oder? Während wir die Räume begehen, meine ich. Hatten diese Gewölbe einen bestimmten Zweck?"
Remy persönlich hätte ja auf einen Weinkeller getippt, oder auf ein Lager für Schmuggler, aber irgendwie wollten sich die Bilder von an die Wände geketteter Gefangener nicht aus seinem Kopf lösen. Vor allem, wenn man wußte, dass es unter dem Keller ein weiteres Stockwerk gab. Freilich sahen die heutigen Katakomben viel sauberer und steriler aus, jetzt wo sie als Basis für das Team fungierten. Aber bisweilen konnte man auch in den saubersten Gängen eine Gänsehaut bekommen, wenn man sie ganz allein durchschritt.
Och einen Priester in der Nähe zu haben war immer ganz praktisch. Sariel musste dringend zur Beichte und am besten nahm sich der Priester für den restlichen Monat dann auch nichts vor. Wenn man es genau bedachte war es ja auch ein Widerspruch in sich das ausgerechnet Sariel streng gläubig war und auch genauso erzogen war. Vielleicht lag es ja auch einfach an seinem Vater, obwohl er sich noch genau daran erinnern konnte wie seine Mutter Raguel und ihn Sonntagmorgens mit in die Messe genommen hatte, fein herausgeputzt und gekämmten Haaren. Es hatte auch eine Zeit gegeben in der hatte er lieber geschlafen wenn er samstags mal wieder durchgesoffen hatte, aber a) hatte ihm seine Mutter dann regelmäßig die Ohren lang gezogen und b) hatte ihm dann stets etwas gefehlt.
Sariel trat näher und deutete auf die Tür und das aufgebrochene Schloss. Er selbst hoffte nur er hatte nichts übersehen was einen eventuellen Verdacht auf sich ziehen könnte. „Der Raum wurde als Lagerraum für illegal gebrannten Whiskey benutzt.“ Damit hatte Remy gar nicht so falsch gelegen und woher Sariel das wusste? Nun ja, er war einer mit der Ersten im Institut gewesen, natürlich kannte er sich auch ein bisschen aus.
Lucian schmunzelte leicht. Tatsächlich waren diese Räume immer wieder für eine versteckte Brennerei genutzt worden. Bevor sie den ersten Saal jedoch betraten wandte er sich noch einmal um und nahm zwei Taschenlampen zur Hand, von denen er eine an Remy weiter reichte. Nein, keine Fackeln - wenn der andere das gedacht hatte. Ohnehin waren diese Dinger im ersten Raum noch gar nicht notwendig, denn genau hinter der Tür befand sich das, von dem Sariel gerade gesprochen hatte.
"Ich habe zwei Bücher geschrieben, aber das zweite ist eher ein Sammelband", mit diesen Worten klackte er den Lichtschalter um und sie standen in einem Kellerraum mit hoher gewölbeartiger Decke. An den Wänden waren Whiskyfässer gestapelt, die von unterschiedlichem Durchmesser waren. Die Glühbirne gab nur spärlich Licht und flackerte, aber so wirklich gespenstisch war das alles noch nicht (sah man mal davon ab, dass der Raum eine Putzfrau nötig hatte). Vielleicht der geheime Whiskyvorrat des Logan J. H. aus E.? Seine Schritte hallten leise auf dem Steinboden, als Lucian weiter ging. Manche Fässer waren mannshoch und schienen schon recht alt zu sein, aber den Priester schienen sie nicht wirklich zu interessieren. Er ging geradewegs auf ein Regal am anderen Ende des Raumes zu und gab Sariel letztlich die andere Taschenlampe in die Hand.
"Bei dem Gebäude handelt es sich um ein Kloster, das im 14. oder 15. Jh. errichtet wurde, aber es ist anzunehmen, dass es auf einem anderen Fundament aufgebaut wurde, das viel älter ist. Schon ein Jahrhundert später wechselten die Eigentümer im Zuge der Reformation ständig."
Lucian schob das Regal langsam beiseite, ehe eine weitere - viel niedere - Tür sichtbar wurde, die verschlossen war. Aber der Priester zog den Schlüssel hervor und ließ das Vorhängeschloss aufschnappen. Hinter dieser Tür war es stockfinster und ein seltsamer Wind war einen Moment zu fühlen, als sie sich knarrend öffnete. "Achten sie auf die Stufen", bemerkte Lucian und ließ einen der Männer vorgehen, ehe er folgte. Gleich hinter der Tür führte eine kurze Steintreppe hinab in den Raum, der rußgeschwärzte Wände aufwies. Irgendwo konnte man Wasser rinnen hören, was wohl ein Grund dafür war, dass hier nichts mehr gelagert wurde, denn die Luftfeuchtigkeit war einfach viel zu hoch. Auch dieser Raum war ein hoher Gewölbekeller, aber er war abgesehen von einigen Regalen absolut leer.
...was Lucian zu wundern schien, denn er hielt auf eines der Regale zu, in der man einst einzelne Weinflaschen gelagert hatte. Zwei der Ausbuchtungen wirkten weniger staubig, aber sie waren... leer. "Seltsam...", murmelte er.
Remy lauschte den Ausführungen des Priesters genau. Dass hinter der Tür tatsächlich Fässer lagerten, liess ihn kurz grinsen. Als jedoch der Priester vom Kloster sprach, stiegen in Remy die Erinnerungen an den Mann in der Kutte nur all zu lebendig wieder auf. Die Frage war, ob das die Erinnerung eines anderen gewesen war, oder ein Blick in die Vergangenheit oder eine komplette Illusion.
Die Geheimtür im Keller wunderte ihn etwas. Sollte die Schulleitung nicht über alle derartigen Nischen und Räume eigentlich bescheid wissen? Oder eher das Team? Und zwar, bevor man hier eine Schule einrichtete? Der Priester schien wirklich zu wissen, was er da tat. Und Sariel? Wußte er mehr, als er preisgeben wollte? Immerhin wohnte er länger auf dem Gelände als die meisten. Und wenn er Scott richtig verstanden hatte, waren die O'Reillys mit Kräften beschenkt, die sich nur schwer in irgendwelche Kategorien einteilen ließen. Zum Beispiel von den Toten wieder auferstehen, wenn man Tyler glauben konnte. Nun gut, er würde ja sehen, wohin das noch führte.
Remy ging voraus, immer auf seine Füße achtend, um nicht auszurutschen und zu fallen. Sorgfältig leuchtete er jeden neuen Bereich aus, sich möglichst viele Details merkend. Falls das hier ein Labyrinth werden sollte, wollte er zumindest ein paar Anhaltspunkte haben, wie man wieder herausfand.
Sein Blick und der Strahl der Lampe folgten dem Priester, der ziemlich zielsicher auf einen bestimmten Teil dieses Raumes zusteuerte. Als Remy neben ihn trat, war er gerade damit beschäftigt, etwas zu betrachten.
"Suchen Sie nach etwas Bestimmtem, Pater? Wonach sollen wir die Augen offenhalten?"
Wahrscheinlich wussten einige vom Team auch mehr, als sie zugeben wollten. Jedenfalls wanderte Lucians Blick einen Moment zu Sariel, der ihm auch ein wenig seltsam vorkam. Es war nichts Greifbares, aber er hatte schon immer genug gute Menschenkenntnis aufbieten können um zu sagen, dass Mr. O'Reilly nicht einfach nur so mitgekommen war. Er tippte auf das Holz des Regals und überlegte. Das Schloss war verriegelt gewesen.
"Hier hatten zwei Weinflaschen gelegen, die nun fort sind. Darin ist allerdings nicht Wein gewesen sondern Whisky." Letztlich war es nicht wichtig. Oder doch? Irgendjemand war eben hier gewesen und hatte die beiden Flaschen, die einst seine Vorfahren gebrannt hatten, mitgenommen. Sie mussten einiges wert sein, denn die eine war von 1798 und die andere von 1812 gewesen. Lucian wandte sich wieder ab und ließ den Blick schweifen.
"Da drüben ist es", meinte er und deutete auf die gegenüberliegende Wand, die im Gegensatz zu den anderen Wänden nicht rußgeschwärzt war, so dass anzunehmen war, dass sie erst viel später hinauf gezogen worden war. Wie sich aber heraus stellen sollte, war sie nicht einmal verputzt, denn man konnte die Steine herausbrechen. Genau das war es, das Lucian nun tat. "Würden mir die Herren vielleicht helfen?" Er grinste leicht, während die Mauersteine auf den Boden fielen.
Ja, Sariel wusste mehr als er bereit war zuzugeben und mit Raguel zusammen wusste er sogar soviel, dass er es Remy, dem Priester und jeden Institutsbewohner gar nicht begreiflich machen konnte. Dabei war er ja eigentlich niemand besonderes. Ein gläubiger, eigentlich gutherziger Ire, mit einer Vorliebe für Streitereien und Auseinandersetzungen, oder?
„Sieht aus als wäre schon mal jemand hier gewesen.“ Was ja wirklich nicht schwer war, schließlich waren nur die Subs im Institut selbst tabu.
Zugegeben Sariel wollte und würde nicht mit der Sprache heraus rücken und obwohl er eigentlich der erste war der in einer Kneipenschlägerei zuschlug fiel es ihm schwer zu lügen…glaubhaft zu lügen.
Jedenfalls war es ein leichtes –beinahe ein leichtes- dem Priester zu helfen. Es erforderte nichts mehr als enorme Willensstärke, Konzentration und einige Anstrengung.
Die Steine vor den Augen des Priesters und Remy verblassten langsam. Erst waren es nur die Konturen die verwischten, dann war es der Mörtel der durchscheinend dann milchig und schließlich unsichtbar wurden. Bis Sariel die ganze gedankliche Barriere aufgebaut hatte dauerte es allerdings, so dass das Bild einige male zurück fiel und die Wand wie sie war zum Vorschein kam, beinahe so als gäbe es einen „Wackelkontakt.“ Schließlich schaffte es Sariel –nicht zuletzt durch seine jahrelange Übung- und wischte sich blass den feinen Schweiß von der Stirn.
„Nach ihnen meine Herren.“ Meinte er überheblich und machte eine einladende Geste.
Remy schob seine Art der Hilfe, wie er sie sich vorstellte, zurück zu den anderen ins Kartendeck und nahm die Hand wieder aus der Tasche. Ein paar Steine wegpusten hätte er auch noch gekonnt, doch er musste sich im Stillen eingestehen, dass die Methode des Iren eindrucksvoller war. Und bei weitem weniger staubig.
Er zögerte noch einen Augenblick, dann ging er voraus, wie schon zuvor auf der Treppe. Sorgsam leuchtete er jeden Winkel vor sich aus, bevor er einen neuen Schritt tat und so dem Priester und Sariel ermöglichte, ihm zu folgen.
"Sagen Sie, Pater, besitzt außer Ihnen noch jemand den Schlüssel?" Die Tür ganz oben war ja auch schon geöffnet worden. Falls jemand also den Schlüssel hatte, wäre es ihm ein Leichtes gewesen, denselben Weg zu nehmen wie sie. Andererseits war es gut möglich, dass der Dieb die Hintertür benutzt und wieder verschlossen hatte, nachdem er hatte, was er wollte. Dann würden sie seinen Weg durch diesen Gang wunderbar verfolgen können.
Remy überlegte im Gehen laut. "Was könnte an diesen beiden Flaschen besonders gewesen sein? Und warum ausgerechnet diese beiden? Scheinbar wurde ja nichts anderes entfernt, oder ist Ihnen noch mehr aufgefallen, Pater? Vielleicht war darin doch mehr als nur Whiskey - aber was? Aus welcher Zeit, sagten Sie, stammten die Flaschen?"
Lucian musste grinsen. Was an diesen Flaschen so besonders gewesen war? Na... dass es die einzigen in diesem Raum gewesen waren. "Nein, nur ich hatte den Schlüssel", antwortete er dem anderen und starrte auf die Steine, die Sariel einfach so verschwinden ließ. Ahm... hatte Remy das auch gesehen? Aber was fragte er eigentlich... er hatte bisher kaum mit Mutanten zutun gehabt, aber er war kein Mann, der nicht an Wunder glaubte. "Die Flaschen stammten aus dem 18. bzw. 19. Jh. Meine Vorfahren haben ihn gebrannt und sie müssen einiges Wert sein." Hatte Gambit nun die Antwort darauf, warum sich ausgerechnet ein Pfarrer aus Glasgow für dieses Gebäude interessierte?
Einen Weg durch die Hintertür? Welche Hintertür? Bisher waren sie lediglich durch einen Raum gekommen, ehe sie hier gelandet waren. Und diese Wand, die sie abtrugen, führte in keinen weiteren Raum oder Gang. Diese Wand hatte lediglich etwas verborgen, das am wahren Ende des Raumes mit der Wand verschmolzen zu sein schien. Die kleine Kammer dahinter barg ein mannshohes und tellerrundes Bronzesiegel (jedenfalls sah es wie Bronze aus), das in der Wand verankert war und einen Durchmesser von etwa 2 Metern aufwies. Seltsame keltische Ornamente, aber auch christliche Symbole waren darauf zu sehen, als sie es mit ihren Taschenlampen anleuchteten. Lucian ging darauf zu und blieb davor stehen.
"Sehen sie? Das hier ist das Zeichen des Bischofs von York, das ihn als edlen Spender des Stückes ausweist. Allerdings steht nirgends geschrieben, ob er das Siegel gespendet hat oder etwas, das zu diesem Siegel gehörte. Ich habe schon in York selbst geforscht, ob diese Spende in irgendeiner Urkunde erwähnt wird. Ohne Erfolg." Lucian deutete daraufhin auf eine Schlange und einen Drachen am oberen Rand des Siegels, die sich gegenseitig in den Schwanz bissen und in dieser Weise eine liegende Acht bildeten, die der Priester in einem Luftzeichen nachmalte.
"Das dort sind keltische Symbole. Die Schlange steht für Weisheit, der Drache für Mut. Sie bilden zusammen die Unendlichkeit und ergeben die Zahl Acht." Er sah zu den beiden Männern zurück und ließ das einen Moment auf sie wirken. Schon allein das Siegel war von beeindruckender Größe und eigenartigem Metall. Es musste Jahrhunderte alt sein und konnte aufgrund dieses keltschen Zeichens nicht nur christliche Funktion gehabt haben. Oder?
"Wie sie vielleicht wissen, hat Gott die Welt in der Schöpfungsgeschichte an sieben Tagen erschaffen. Ich habe mich immer gefragt, ob ein Heide dieses Siegel gegossen hat und die Kirche damit verhöhnen wollte." Lucian sah wieder an die Wand und betrachtete die Zeichen. "Mut und Weisheit haben vielen Ketzern den Tod gebracht. Nehmen wir mal an, Gott habe die Welt an acht Tagen erschaffen...was... erschuf er wohl am achten Tag?"
Er trat wieder zwei Schritte zurück und legte die Hände ineinander. Scheinbar grübelte er selbst über seine Frage nach. Was erschuf er am achten Tag? Gott ruhte am siebten...für was? Um noch einmal nachzudenken? Um am achten alles wieder zu zerstören? Wie ein Kind, das eine Sandburg baute, nur um festzustellen, dass sie ihm nicht gefiel?
"Ich habe dieses Siegel nie in meinen Büchern erwähnt. Ich wollte nicht, dass es Schatzsucher, Geschichtswissenschaftler oder ...Touristen anlockt."