Das X-odus Forum befindet sich derzeit in einer Pause.
Für all Diejenigen, die ihre Charaktere bis zum Wiederbeginn
nicht ruhen lassen wollen, empfiehlt die SL euch
diese Seite.
Wir wünschen unseren fleissigen Usern viel Spass
auf der neuen Plattform und hoffen
euch alle in alter Frische und mit dem gleichen Elan
bald auch wieder an dieser Stelle begrüssen zu können.
Es war ein Ritual.
Die ruhigen Schritte auf dem Flur.
Das Klimpern von Schlüsseln, bevor sie dir Tür öffneten.
Schritte, die Tür schloss sich wieder, Schritte.
Doch heute kein Gruß für Eleanor.
Schritte, die zum Schreibtisch führen.
Schritte, die verstummen.
Übrig blieben nur noch Blicke.
Das stand sie, eine Person im Schatten des steil einfallenden Lichtes, den Blick stumm auf den Hof, den Vorgarten und die Gärten dahinter gerichtet. Nur, war der Haarschopf rot, lang und auch sonst stand dort eine dünne Figur, im Gegensatz zum trainierten Kreuz des Scott Summers.
Bisher hatte sie noch mit niemandem darüber reden können. Es war spät gewesen und wie hätte sie es erklären sollen? Allein der Verlust seiner unmittelbaren Gedanken in ihrem Kopf, hatte sie für Stunden gelähmt, sodass sie einfach geschlafen hatte, ohne wirklich Erholung zu erfahren. Wie ein Rhythmus, des sie begonnen hatte und der bis jetzt noch nicht aufgehört hatte. Wie sie sich so in der Spiegelung betrachtete, wenn das Licht in den Baumwipfeln verschwand und sie nicht mehr erreichen konnte. Da stand sie und doch hatte sie Scotts Rhythmus im Blut. Sein Gedankenmuster war verschwunden, aber ein Teil von ihm war noch immer da, noch immer hier und noch immer überall. Er war nicht gegangen, er war verschwunden, wie es schon die kurze Notiz in ihrem Tagebuch sagte. Aber sie wusste nicht wohin, denn als sie den Spuren seiner Gedanken gefolgt war, die sich durch das ganze Haus, wie feine Spinnweben der Erinnerung fädelten, war das größte Knäuel immer noch in ihrem Zimmer gewesen. Er war überall, im Dachgeschoss, im ersten Stockwerk, im Erdgeschoss und im Keller, doch am meisten, am ehesten und am innigsten spürte sie ihn nur in ihrem Zimmer. So konnte sie ihn nicht suchen, denn sie stand immer wieder vor dem zerborstenen Spiegel, der ihr nichts mehr zeigen konnte.
Er war so angefressen, dass man u Logans Willen angefressen neu definieren musste. Es waren einfach verdammt schlechte Wochen gewesen und er war vollkommen aus seinem Rhythmus den er eigentlich hatte, seitdem er hier in Schottland war.
Es gab so viele Sachen. So viele Dinge die überlegt und bewältigt werden wollten und das wo Logan nun mal alles andere als ein Ordnungsmensch war.
Sie alltägliche Sorge um Ororo, die Gedanken über seine Söhne, die Situation mit Genethics, der Vorfall mit Charleen und Norman. Nebenbei mussten sie einen depressiven Pop(p)star beherbergen, sie hatten einen Priester im Institut der mit Sicherheit mehr heraus finden würde als gut für sie alle war, eine Schule wollte geführt werden, zudem hatten sie auch irgendwie eine Geisel im Institut und ihm entglitt gerade die ganze Situation. Er musste Lehrer, Freund, Vater, Respektsperson und Patenonkel sein.
Ganz am Rande hatte er immer noch nichts zu poppen gehabt, so dass er mit seinem Frust auch nirgendwo hin konnte.
Er war wieder einmal soweit alles hinzuschmeißen und einfach zu gehen. So wie er es früher auch getan hatte.
Zum Teufel mit seinem Teamgeist.
Er achtete also nicht weiter auf eventuelle Personen im Büro oder nicht. Es war nur vollkommen klar, dass sie schleunigst eine Teamsitzung einleiten musste.
Das dürfte Scott machen, schließlich sollte er auch mal was für sein Geld tun.
„Scott is gone“, kam ihre Stimme vom Fenster, ohne sich umzudrehen. Ihre Arme waren mittlerweile verschränkt, eine Geste, die Schutz in sich selbst suchte und doch war es zu spät, die Wunde klaffte und ihr Geist musste etwas bewältigen, dass er seit ihrer Pubertät gewohnt war und das nun fehlte. „Er kommt nicht zurück“, fügte sich langsam an und wandte den Kopf zu Logan, dessen Probleme nicht minder schwer, für die aber winzig waren.
Jean wusste, dass er nicht verloren ist.
Sie würde ihn suchen, Zeit ihres Lebens.
Doch sie wusste, anhand eines Fotos und einiger Gesprächsfetzen, dass sie einen Sohn haben würde, der selbst als Erwachsener, seinen Vater nicht kennen würde.
Die Anwesenheit der Umwelt, spülte sie in einen erneuten Ablaufplan, den schon Caitlynn mitbekommen hatte. Nur das es diesmal der Plan von etwas war, dass in seiner Struktur in ihr fehlte und nur noch Erinnerungen zurück gelassen hatte. Sie nahm eine Akte vom Tisch, schlug den Tagesplan auf und las ihn.
„Ich werde eine Versammlung des Teams zusammenrufen“, bemerkte sie und dabei fiel ihrem Selbst auf, dass es nicht ihre Worte waren, sondern die Worte, ihrer anderen Hälfte. „Wir haben viel zu besprechen...“
Logan war bekanntermaßen ein harter Brocken und es gab nicht viel was ihn wirklich aus der Fassung brachte, aber Jean schaffte es immer und immer wieder.
Eine ganze Weile tat er nichts außer dort zu stehen und sie zu betrachten, ihre die Rückenansicht ihrer Gestalt. Wusste sie dass sie im kalten Licht eines Wintermonats etwas vollkommen Bezauberndes hatte? Seine Hand zuckte weil er versucht war ihr durchs rote Haar zu streichen und ihr den Trost zu geben den sie nötig hatte. Er konnte nicht genau sagen warum ihn ihre Offenbarung nicht weiter überraschte. Irgendwie hatte er es gewusst. Vielleicht lag das an den Comlinks und er war einfach nicht bereit gewesen sich das einzugestehen.
Dann schlug seine Laune um. Weil er seinen Schmerz schon immer in Wut entladen hatte, weil er es einfach nicht anders konnte, es niemals anders gelernt hatte und weil es immer einfacher war Wut und Zorn regieren zu lassen als tiefgehende Gefühle zuzugeben.
Er gab ein kehliges Knurren von sich und mit dem Recht als Hausherren nahm er den nächst besten Gegenstand zur Hand –das war in diesem Fall die kleine Leselampe auf seinem Schreibtisch- und feuerte sie mit aller Macht gegen die Wand. So das sie in viele kleine Teile zersprang und eine Macke in der Wand hinterließ.
Es gab etwas was noch über seinen tödlichen Zorn stand und das war sein Stolz und sein Ego und das sie es wagte, dass sie es sich wirklich traute mit dieser Sache zu ihm zu kommen schlug dem Fass den Boden aus. Über Wochen ging sie ihm aus dem Weg. Spielte mit ihm (unerheblich, dass er Mitschuld trug) und nun kam sie zu ihm um ihm zu berichten Scott sei fort? War es nicht das auf was sie gewartet hatten? Nein, sie bat ihn um Hilfe.
„Das wirst du bleiben lassen.“ Fauchte er sie an und verengte die Augen zu gefährlich glühenden Schlitzen. War es also wieder einmal soweit, dass er den Tröster spielen durfte?
Aber es gab etwas was über den ganzen und ewigen Hickhack mit Jean stand und das war…..die aufkommende Sorge um Scott. Logan wusste natürlich das Scott nicht einfach so verschwand. Jean allein ließ und niemandem ein Wort gönnte. Es bereitete ihm körperliche Schmerzen sich eingestehen zu müssen, dass er sich a) wirkliche Sorgen um Scott machte (obwohl er durchaus in der Lage war auf sich allein aufzupassen) und b) Logan sich dieses Institut einfach nicht mehr ohne Scott vorstellen konnte. Er glaubte zwar an keinen Gott, aber wenn es einen gab, konnte er ihm jetzt gerade nicht mal beistehen?
„Mein Institut, mein Team.“ Antwortete er schließlich und das war natürlich wieder einmal nur seine Art zu sagen wie sehr ihm die Sache zusetzen. Indem er einfache und primitive Besitzansprüche stellte. Das hier war Ororos und sein Institut. Ihr Traum. Jean sollte das nicht vergessen und in diesem Moment pfiff er auf den ätzenden Teamgeist. Wenn man ihm schon Jean versagte, immer und immer und immer wieder und er mental nicht stark genug war sich das einzugestehen, dann sollte sie nicht vergessen wessen Haus das hier war.
„Ich berufe die Versammlung ein.“
Warum konnte er Jean nicht einfach zum Teufel wünschen? Vielleicht weil er die vielen Gesichter des Teufels in sich trug?
Über den Plan hinweg sahen ihre grünen Augen zu Logan, dessen Gefühlsumbrüche gerade an ihr abprallten. Ihr Geist war gerade überhaupt nicht auf empfang, vielmehr spulte er gerade einen Tagesplan ab, der nicht einmal Jeans war. Sie hörte nur entfernt, dass Logan das Team zusammenrufen wollte und sie nahm es zur Kenntnis. Überhaupt strahlte sie nicht im geringsten Hilflosigkeit aus, vielmehr hatte sich ihr Verstand zu einer Notfallsitzung zurück gezogen und würde erst in einigen Stunden wieder ansprechbar sein. Bis dahin übernahm dieser Ablaufplan, der aus Scotts Erinnerung stammte, ihren Körper, sodass sie einige Dinge sortierte und abheftete, wie es Scott getan hätte, ohne dabei die zerbrochene Lampe oder die Macke in der Wand für voll zu nehmen.
Langsam schob sie den Aktenschrank zu und strich sich nachdenklich über die Wange, ihre Finger berührten das Pflaster, aber ihre Hand hielt nicht inne, sondern fuhr ihr über den Hals und blieb letztendlich wieder in der Luft hängen.
Ich muss ihn suchen...
Ah, die ersten Ergebnisse aus der Ratssitzung des Verstandes. Allerdings wird nun über die möglichen Perspektiven diskutiert und auch das offensichtliche Fehlen von Scotts Gedanken hatte man noch nicht an Jeans zentrales System geschickt. Wohl war die Information in eben diesem Loch verloren gegangen und bis sie erneut geschickt wurde, könnte es noch etwas dauern.
Logan verachtete Männer die Frauen schlugen, aber gerade war er nahe dran es bei Jean einfach zu tun.
Was sollte dieses….dieses was immer es auch war. Gut, er konnte ihre Gedanken nicht lesen aber vermutlich war das auch besser so, oder was hätte er zu diesem Pseudoseelengefährtenkrimskrams sagen sollen? Hatte sie vergessen, dass sie nach Schottland gekommen war weil sie zu IHM kommen wollte?
Aber so war Jean schon immer gewesen, nur alles so drehen wie sie es wollte und nun hatte sie auf einmal keinen Vater mehr zu ihrem Balg und da war Logan wieder genau der richtige Ansprechpartner?
Keine gute Idee wo sein Stolz und sein Ego sich von der letzten Kränkung erholen mussten. Wusste sie weiterhin, dass er es vollkommen Leid war, das sie die überaus starke Frau mimte nur um sich dann in Scottis Arme zu werfen?
Er war stärker als Scott, schon immer gewesen.
„Gehe jetzt, Jean.“ Er war es so Leid und irgendwie…war er auch müde. „Ich kümmere mich darum.“ Ach? Wären das nicht auch Scotts Wort in diesem Fall gewesen?
Jean nickte kurz, wandte sich um und betrachtete Logan einen Moment. Ihr nächster Blick galt ihrer Uhr. Es wurde Zeit, sie sollte noch etwas für den Kunstunterricht vorbereiten, damit das große Projekt gut anstarten konnte. Allerdings würde sie noch weniger aus dem Büro wegzudenken sein, als vorher schon, denn sie würde die unterstützende Hand von Scott ersetzen, ob Logan nun wahnsinnig werden würde, oder nicht. Auch wenn die Wand bald einen neuen Durchbruch hätte, Jean wäre hier und würde das Loch ebenso wie alles andere, dass er dem Büro antut, mehr oder minder annehmen.
Für den Moment hatte Logan sein Büro wieder.
Kurz zuvor hatte sie ihn angesehen, als hätte sie ihn noch nie gesehen. Ein Mann der mal eben eine Schreibtischlampe gegen die Wand gepfeffert hatte, als gäbe es keinerlei Regeln, die das auch nur im geringsten verurteilen würden. Sie ging die wenigen Schritte durch den Raum und schmiegte ihre Hand um die Türklinke. „Ich bin später zurück und helfe dir, wo ich kann“, meinte sie ruhig, öffnete die Tür und trat hinaus. Mit einem leisen Klacken rastete das Türschloss hinter ihr ein.