Das X-odus Forum befindet sich derzeit in einer Pause.
Für all Diejenigen, die ihre Charaktere bis zum Wiederbeginn
nicht ruhen lassen wollen, empfiehlt die SL euch
diese Seite.
Wir wünschen unseren fleissigen Usern viel Spass
auf der neuen Plattform und hoffen
euch alle in alter Frische und mit dem gleichen Elan
bald auch wieder an dieser Stelle begrüssen zu können.
Finnja. Nathan wollte gar nicht wissen, wie Finnja hier in der Vergangenheit (jedenfalls Vergangenheit aus seiner Sicht) aussah. Sie sah ja schon in seiner Zeit aus, als wäre sie noch ein Teenager, und ganz ehrlich? Er hätte nicht gedacht, dass Finnja hier schon Lehrerin am Institut war. Nathan hätte eher angenommen, dass sie Schülerin hier war - wenn überhaupt.
Aber immerhin war es Finnja, die Noemie damals den Kreuzanhänger geschenkt hatte und irgendwas musste es damit auf sich haben. Also warum nicht Finnja fragen? Vielleicht wusste sie mehr als sie stets bereit gewesen war zu erzählen. Es war schließlich der Anhänger gewesen, der als erster von diesem Zeitloch in Jeans Zimmer angezogen worden war. Nathan wandte sich zu Noemie um, bevor sie Finnja wirklich gegenüber traten.
"Gib es mir noch einmal." Nathan hatte ihn sich vorhin schon genauer betrachtet und je öfter er ihn ansah, desto sicherer war er, dass der rote Stein darin Rubinquarz war. Er hielt ihn gegen das Licht, während sie zu Finnja gingen, ehe er ihn Noemie wieder reichte und vor sich hergrübelte. Hoffentlich war Finnja da, denn als sie anklingelten regte sich anfangs überhaupt nichts. Aber Nathan würde nicht so schnell locker lassen, er würde seinen Vater diesmal finden.
Spiel es nochmal, Sam, fiel ihr dazu nur ein.
Nathan war wirklich ein Meister in Nervosität überbrücken. Wie oft hatte er sich denn das Kreuz nun schon angesehen? Emm, oder war sie selber es gewesen, die schon dreitausend Mal versucht hatte an dem schlichten Anhänger eine Besonderheit zu entdecken. Eine andere, als dass es eben dieser rotschimmernde Stein war, den sie immer für einen hauchdünnen Rubin gehalten hatte.
Warum hatte ihn Finnja ihn damals ihrer Mutter gegeben? Was hatte es genau mit diesem Anhänger auf sich? Und am meisten wurmte sie tatsächlich die Frage, ob Finnja um die Bedeutung dieses Geschenkes gewusst hatte.
Je mehr sie über all das nachdachte, desto mehr wurde ihr auch bewusst, wie wenig sie eigentlich alle über Finnja wussten. So weit ihr Erinnerungsvermögen sie nicht trug, hatte sie nie eine Photographie von Finnja gesehen, obwohl sie schon so lange am Institut war. Das Jean und Logan sie bei der Frage nach Finnja zu einer Lehrperson geschickt hatten, wollte ihr genauso wenig in den Kopf, wie Nathan. Wenn sie zu dieser Zeit schon Lehrerin war, müsste sie in ihrer Zeit mindestens - Noemies Augenbrauen wanderten bei ihrer Rechnerei unweigerlich höher - sie müsste an die 50 sein!! Und, mit allem nötigen Respekt, ihre Mutter sah mindestens ein halbes Jahrhundert älter aus! (Gut, dass ihre Mutter von diesem Gedanken nie erfahren würde.)
War es möglich, dass der Name Finnja einfach nicht so selten war und sie hier gerade zu einer völlig falschen Person rannten?
Erst bei einem fragenden Blick gen Nathan, liess Noemie endlich davon ab die Kette über ihre Fingerkuppen wandern zu lassen und blickte zu Nathan herüber. "Sie kann es unmöglich sein..." Aber wer nun bei diesen Worten Resignation erwartete, hatte sich zumindest in Noemie getäuscht. Viel mehr war Trotz darin, denn sie waren nicht hierher gekommen, um aufzugeben.
Es musste einen Weg geben und sie würden ihn auch finden.
Man ist so jung, wie man sich fühlt!
Es gab eben Leute, die scheinbar in einen Jungbrunnen gefallen waren.
Mit Kindern leben und arbeiten hält jung!
Das waren an und für sich alles gleichermassen schöne Aussagen, aber trotzdem konnten sie in diesem Falle einfach keine passende Anwendung finden. Sie glaubten einer anderen Finnja zu begegnen? Sie irrten gewaltig. Es war ganz unverkennbar (und nicht einen sichtbaren Tag jünger) die gleiche Finnja, die sie auch aus ihrer Zeit kannten. Es konnte kein Zweifel bestehen, es sei denn diese Frau hatte einen Zwilling, der mit einigen Jahren Geburtsverzögerung daherspazierte.
Aber hatte Logan das nicht auch?
Im Gegenzug zu den beiden Nachwuchs X-odus hatte Finnja keinen blassen Schimmer, wer ihnen dort so gegenüber stand, als sie die Tür öffnete. In ihrer (auch in der Zukunft bekannten) dauerhaft guten Laune, strahlte sie die beiden allerdings an. “Kann ich euch irgendwie helfen?” Frage eins: Wenn sie aufs Institutsgelände gekommen waren, dann musste Logan sie ja wohl als ‘würdig’ eingestuft haben; Frage zwei: Was wollten sie dann ausgerechnet von ihr? Wissbegierige Geschichtsstudenten aus New York?
Der nächste Augenblick bewirkte, dass Noemie und Nathan sich diesen Tag tiefrot im Kalender makieren dürften (gut, nicht dass die beiden wohl wirklich einen Kalender aus dieser Zeit besassen…). Finnja war bei einem zufälligen Blick auf den Kettenanhänger in Noemies Hand schlichtweg erstarrt, dass jede Elfenbeinstatur mehr Leben in sich barg. (Ihre Gesichtsfarbe stand in diesem Augenblick auch in schwerer Konkurrenz mit Elfenbein).
Ihre Hand fand ganz von selbst den Weg an ihren Hals, um die feine Goldkette zum umfassen. Mit zitternden Fingern tastete sie nach dem Anhänger.
Die Erkenntnis ihn nicht verloren zu haben, stellte sich als ein noch tieferer Schock heraus.
Nathan dachte da genauso wie Noemie; das konnte sie unmöglich sein. Aber als sie ihnen dann die Tür öffnete, arbeitete Nathans Gehirn schon wieder in eine andere Richtung... ja... eigentlich gabs nur zwei Lösungen für Finnjas Forever young-Gen. Entweder sie hatte Logans Mutation (von dem auch niemand so genau sagen konnte, wie lange er nun schon 40 war) oder sie hatte nen erstklassigen Schönheitschirurgen, der sein Patentrezept immer an seinen erstgeborenen Sohn (wahlweise auch die Tochter) weitergab. Genau so war es.
Konnte Finnja ihnen helfen? Er würde sagen ja! Sein Blick folgte Finnjas Hand, als sie ihren Anhänger griff, der genauso aussah wie jener, den Noemie in der Hand hatte. Moment! Konnte es sein, dass ein und derselbe Gegenstand zwei Mal existierte? Nein, das war doch vollkommen unmöglich... es mussten zwei unterschiedliche, aber dennoch vollkommen identische Anhänger sein, oder? Nathan starrte Finnja im ersten Moment einfach nur an und wusste nicht so genau, was er sagen sollte, bis er sich wieder soweit gefangen hatte, dass er wusste, warum sie hergekommen waren - und wie sich nun ja heraus gestellt hatte, mit berechtigtem Grund.
"Hallo Finnja. Du kennst uns nicht, aber wir kennen dich. Wir sind... X-odus. Das ist Isis und ich bin Memento. Wir müssen uns über diesen Kreuzanhänger unterhalten. Es ist sehr wichtig."
Finnja musste nicht denken, dass sie ihnen die Tür einfach so vor der Nase zuschlagen konnte. Nathan war auf alles gefasst und heute wollte er einige Antworten. Also; hatte sie vor, sie rein zu lassen oder musste er noch mehr Überzeugungsarbeit leisten?
Kein weitere Überzeugungsarbeit notwendig. Ehrlich!
Der Anhänger, Nathan, Noemie – das alles hatte eine derartige Überzeugungskraft, dass Finnja den Weg in ihr bescheidenes Reich frei gab und die beiden ins Wohnzimmer brachte. “Tee?” Sie könnte was Härteres vertragen, auf den Schock.
Wahrscheinlich hätten die meisten Leute gezweifelt, wenn wildfremde vor der Tür gestanden hätten und behaupteten sie würden zum Team gehören. Finnja war also entweder verdammt naiv oder lief mit offenen Augen durchs Leben, wenn sie die Sache einfach so hinnahm. Es lag wohlmöglich auch an Nathans Aussehen – er sah seinem Vater nicht nur ähnlich, er roch auch genauso.
Wenn Finnja sich noch recht an Scotts Geruch erinnerte.
Vielleicht war es auch pure Einbildung, wie sie sich beim Tee aufbrühen selber berichtigte. Scott und sie waren einander nie wirklich über den Weg gelaufen (was für Kollegen in einem so kleinen ‘Internat’ an und für sich schon ein Wunder war).
Der altmodische Teekessel fand den Weg zurück, auf den noch viel altmodischer wirkenden Herd, während Finnjas Blick aus dem Fenster und in weite Ferne wanderte.
Manche Dinge sollten nie ausgesprochen werden.
Manche Dinge brauchten nur den richtigen Zeitpunkt, um beim Namen genannt zu werden.
“Woher”, sie musste sie räuspern, da ihre Stimme sich mindestens so fern anhörte, wie ihre Gedanken gewesen waren. “Woher habt ihr den Anhänger?” Denn es stand fest: Sariels Geschenke waren Unikate. Es konnte diesen Anhänger nicht ein zweites Mal geben. Es sei denn… und dann würde es auch alles Sinn machen.
Nathan warf Noemie einen Blick zu und ließ sie dann vorgehen, ehe auch er Finnja ins Haus und Wohnzimmer folgte. Nachdem sie saßen, wollte er eigentlich sofort weiterfragen, aber vielleicht war es wirklich keine schlechte Idee, der Geschichtslehrerin eine kurze Pause zu gönnen... um Ausreden zu finden? Nathan erhob sich wieder und meinte darum: "Tee wäre gut. Wer hat dir den Anhänger geschenkt?" Warum hatte er das Gefühl, dass Finnja genau wusste, wer sie waren? Gut, sein Gesicht war verräterisch, vielleicht sollte er selbst mal einen Termin beim Chirurgen machen. Er sah auch nicht wirklich ein, warum er sie siezen sollte, denn eigentlich waren sie ja Kollegen.
"Noemie hat ihn von dir bekommen." Oder hat sie ihn Ororo gegeben und die hat ihn Noemie geschenkt? War eigentlich auch vollkommen egal, jedenfalls war Noemies Anhänger von Finnja... und Nathan glaubte noch immer nicht, dass es der selbe war, den Finnja gerade um den Hals trug. Er würde ihr helfen, die Teetassen rüber ins Wohnzimmer zu tragen.
"Du musst uns alles darüber erzählen, was du weißt, Finnja. Es ist absolut wichtig. Vielleicht hast du schon gehört, dass Scott Summers verschwunden ist."
Toll, das war ja mal wieder eine GANZ KLASSE Aktion, Herr Oberkorrekt! Schon mal daran gedacht, dass er Finnja, indem er ihr davon erzählte den Anhänger zu verschenken, vielleicht erst dazu bewegen würde ihn wegzugeben?
Hallooooooo? War überhaupt IRGENDEINE ihrer Predigten bei ihm hängen geblieben? Nur ein BISSCHEN davon?
Na gut, im Grunde genommen, waren es ja nicht ihre Predigten gewesen, sondern - das war doch genauso verrückt!
Noemie war Finnja und Nathan lediglich in die Küche gefolgt, um das Gespräch verfolgen zu können - scheinbar ja aus bestem Grund, denn wer weiß was Nathan noch alles ausgeplaudert hätte, wenn sie ihn nicht mit einem gedanklichen Seitenhieb zurück gehalten hätte. Und so was wollte sich X-odus schimpfen, aber Selbstkontrolle von einer Butterblume.
Sie nahm Finnja die Teekanne ab, um einen näheren Blick auf ihr Gesicht, in ihre Augen zu erhaschen und kam nicht umhin Bekanntes darin zu erkennen.
Den Rest der Zeit schwieg sie munter vor sich hin - zumindest sollte es einen munteren Anschein erwecken, auch wenn er ziemlich misslang.
Durfte man es ihr Übel nehmen? Sie stand hier gerade jemand gegenüber, der sich nicht einen Deut zu verändert haben schien, in gut 26 Jahren.
"...gehört, dass Scott Summers verschwunden ist."
Finnjas Kopf ruckte zwar in Nathans Richtung bei diesen Worten, doch vermied sie Augenkontakt mit ihm.
Sie war kein X-odus Mitglied, somit stand sie auch auf der Informationsliste noch ein wenig zu weit unten, um bereits davon gehört zu haben. Dass sie seit eingen Monaten ausserhalb des Hauptgebäudes niedergelassen hatte und auch vom Institusleben ein wenig mehr Abstand genommen hatte, trug das Übrige dazu bei.
Eine weitere Information, die gesessen hatte und sich irgendwo in ihrem Magen zu einem unheilvollem Ziehen zusammenbraute.
"Scott?" Das war unmöglich, das machte ihre Aussage klar verständlich. Ein Scott Summers verschwand nicht einfach so!
Sie würde ihm nachsagen er ging, ohne zurück zu blicken, aber er ging nicht ohne nach vorne zu schauen. Der Ausdruck 'verschwunden' war bei diesem Mann einfach fehl am Platz.
"Heute?" Damit mussten sich Nathan und Noemie einfach vorerst begnügen, denn Finnja brauchte eine weitere Verschnaufpause.
"Der Anhänger ist von Sariel. Er hat ihn mir gestern gegeben." Erklärte sie schliesslich vom Sofa aus. Es sollte niemand fragen, wie sie hierher gekommen war, sie wusste es nicht mehr so genau. Auf jeden Fall sass sie nun hier und hatte das Gefühl jede Sprungfeder in diesem Möbelstueck spüren zu können, wie sie sich in ihr Fleisch bohrte. Tausend Feuerameisen auf der Haut und Feuer in der Kehle paarten sich auch noch zu diesem Ziehen im Magen.
Noemie sollte aufhören mit ihrem kleinkarierten Unsinn! Sie mussten schließlich irgendwas herausfinden und wenn sie den Leuten gar nichts erzählten, dann würden die natürlich unglaublich kooperativ sein. Außerdem redete er nur mit den Personen, die für ihn von Belang waren. Und im Moment schien Finnja irgendwie der Schlüssel zu sein... oder den Schlüssel zu haben... oder wie auch immer. Hm. Schlüssel. Gar keine so blöde Idee, oder?
"Weißt du, woraus der Anhänger gefertigt ist?" Sie hatte ihn von Sariel? Dann mussten sie den jetzt auch noch fragen? Irgendwie wurde Nathan allmählich ungeduldig. Bekam er hier denn überhaupt keine Antworten, mit denen er was anfangen konnte? Er würde wohl doch wieder auf eigene Faust recherchieren. Das Pentagramm... die Mitte des Pentagramms war das Siegel im Keller und genau dahin würde er auch noch gehen. Nathan hatte sich gar nicht mehr hingesetzt, er war stehen geblieben und auf und ab gelaufen.
"Kannst du uns nicht irgendwie helfen, Finnja?" Wahrscheinlich wusste sich nicht mal was vom Siegel im Keller, oder? Sie war ja nicht einmal im Team. Er warf Noemie einen Blick zu. Das brachte hier doch gar nichts! Aber Moment... der Anhänger hatte ihnen geholfen, in die Vergangenheit zu kommen... zwei Anhänger waren besser als einer, oder? Und wenn es auch noch der gleiche war, dann musste er doppelte Kräfte besitzen. Nathan kniff die Augen zusammen und warf einen Blick auf Finnjas Dekolleté...
Wo starrte Nathan denn bitte hin? Sie kannten sich noch nicht mal eine halbe – ach ja, der Anhänger. Um ehrlich zu sein, hatte Nathan etwas an sich, dass ihr unter die Haut ging. Vielleicht waren es auch nur die vielen Fragen, die er so auf Lager hatte oder das ungute Gefühl von ihm durchleuchtet zu werden. Wie sehr sie damit richtig lag, konnte Finnja zu dieser Zeit ja noch nicht einmal ahnen.
Mit der Hand umschloss sie den Anhänger und mit einem leisen Schnappen gab die feine Goldkette unter einem kurzen Ruck Finnjas Hand nach. “Ich hab keine Ahnung.” Aber eventuell doch eine Vorahnung, wenn sie wirklich ehrlich zu sich selber war. Als das Kreuz in Augenhöhe vor ihrem Gesicht baumelte, explodierte die Idee in ihrem Kopf schlichtweg. Wie man nun so kurzsichtig hatte sein können, war schon eine Leistung an sich.
Nathan hatte in diesem Moment das unheimliche Pech ein Telepath zu sein. Ja, Pech. Zuerst waren es nur die doch recht informativen Bilder: Scott Summers mit seiner Rubinquarzbrille und Scott ohne Brille. Die nachfolgenden Bilder hatten eine Komplexität, als würde man versuchen wollen einen Liter Rotwein in einem Schnapsglas unterbringen zu wollen. Zu viel, zu schnell und mehr als die Hälfte schien irgendwie nicht ganz zum Thema zu gehören.
Das die Wände in diesem Institut Ohren hatten, sollte inziwschen allgemeinhin bekannt sein. Bei Schülern mit so besonderen Gaben sollte es auch niemanden verwundern. Warum aber bekam nun gerade die Lehrerin, die offiziell als Nicht-Hochbegabt (oder auch Nicht-Mutantin) bekannt von einer Top Secret Sache wie dieser Ahnung hatte… eventuell könnte man Sariel die Schuld daran in die Schuhe schieben.
Nachdem sich Finnja die Unterlippe vor Nervosität beinahe durchgebissen hatte, erhob sie sich endlich vom Sofa und schloss ihre Hand um den Anhänger. “Wir sollten nach dem Siegel sehen. Wenn es Antworten gibt, dann dort.”
Ja, Nathan spielte tatsächlich mit dem Gedanken, sie einfach mal ein wenig zu durchleuchten. Dabei gab es mehrere Stufen der Telepathie, wobei die einfachen Stufen darin bestanden, flüchtige Gedanken aufzuschnappen - etwa beim aneinander vorbei gehen. Oftmals fing die Telepathie so an. Man schnappte nichtssagende Gedanken der anderen auf und fragte sich, ob der andere das nun gesagt oder wirklich gedacht hatte. Nathan hatte diese Stufe von Anfang an übersprungen, obwohl er heutzutage oftmals noch darauf zurück griff um Noemie zu ärgern.
Eine weitere Stufe in der Telepathie waren die Kurzzeitwindows. Je schneller man das Hirn danach durchforstete, desto auffälliger wurde es für den Nichttelepathen. Kroch man langsam vorwärts, dauerte es zwar länger, aber es wurde auch vom anderen weniger bis gar nicht wahrgenommen. Die Königsdisziplin waren natürlich die Langzeitwindows - die Erinnerungsfenster; Gehirnbereiche, in denen zurück liegende Ereignisse gespeichert waren... natürlich auch Träume. Sie zu durchforsten ohne dass der Nichttelepath daran dachte - es sich also wieder ins Kurzzeitgedächtnis rief - war die schwierigste Disziplin in der Telepathie. Auch dabei gab es wiederum Stufen oder Abstufungen, denn das Gehirn war das komplizierteste Organ des Menschen. Neben diesen drei Hauptfähigkeiten gab es noch Nebeneffekte wie Gedanken sogar durch Wände zu hören, mehrere Gedanken zu filtern oder zu blocken, außerdem die Unterscheidung zwischen gedachten Gedanken und Bildern usw.
Nathan hatte lediglich vorgehabt, Finnjas Kurzzeitwindows zu öffnen und einen "Blick" hinein zu werfen. Aber dazu kam er gar nicht, denn ihr Gedankenflash brach in diesem Moment aus und überflutete Nathan regelrecht mit Bildern. Er presste die Lider aufeinander und fasste sich an die Schläfe. Eigentlich weniger wegen der Reizüberflutung als wegen das, was sie ihm da zeigte. Er keuchte auf und hieb einen Block zwischen ihre Gedanken und seine. Manche Dinge sollte er einfach nicht sehen und Nathan dachte immer sehr gut darüber nach, was er im Hirn eines anderen öffnete und was er verschlossen hielt. Aber ihre Unkenntnis hatte ihm Dinge gezeigt, die ihm den Atem raubten. Einen Moment starrte er sie lediglich mit großen Augen an, ehe er schnaufte und sie fast eine Lügnerin genannt hätte. Aber wie sollten ihre Gedanken denn lügen? Und es würde einiges über Finnja erklären.
Sein Blick schweifte zu Noemie und es mochte das erste Mal sein, dass er nicht wusste, was er jetzt tun sollte. Schließlich wandte er sich sehr langsam der Tür zu. "Dann gehen wir in den Keller...", antwortete er und schien trotz allem nicht ganz im Hier und Jetzt zu sein.