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nicht ruhen lassen wollen, empfiehlt die SL euch
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Wir wünschen unseren fleissigen Usern viel Spass
auf der neuen Plattform und hoffen
euch alle in alter Frische und mit dem gleichen Elan
bald auch wieder an dieser Stelle begrüssen zu können.
Geräuschlos teilte sich die Tür und schob sich leise wispernd auseinander. Das klare Klackern von Stiefeln mit Absatz wurde hörbar und wenig später schob sich die Tür auch schon wieder zusammen und verschmolz still zu einer Einheit. Dieser Bereich des Labors hatte einen weicheren Untergrund, da er für Recherchen genutzt wurde und weniger sterile Oberflächen benötigte. Ansonsten blieb der Raum neutral in Farbe und Geruch, bis sich der schwer, herbe Duft von Kaffee hineinzwängte und in die Form einer Tasse gepresst neben dem Monitor seinen Platz fand, der als einzigster keinen Bildschirmschoner zeigte.
Die schlanke Hand, welche den Becher gehalten hatte zog sich zurück und für einen Moment blieb die Erinnerung an den rot lackierten Fingernägeln haften. Jean ließ ihn bei seiner Arbeit auch schon wieder in Ruhe und setzte sich an einen nicht zu weit entfernten Rechner, der allerdings eine angemessene Entfernung hatte, so dass keiner dem Anderen in die Arbeit spähen konnte. Seit dem Konflikt mit dem Team und Finnja war sie kurz nach Mitternacht schlaflos und unruhig das erste Mal hier herunter gepilgert und hatte versucht etwas zu finden. Einen Hinweis, irgend etwas, dass auf energetische Eigenarten hinwies, aber es fand sich nichts wirklich eindeutiges. Das war auch nicht verwunderlich, denn vorher hatte niemand Versuche mit Zeitreisen gemacht und so waren die typischen Symptome für irgendwelche Arten der Löcher und Tore einfach nicht vorhanden.
Ratlos lehnte sie sich in dem Stuhl zurück und trank einen Schluck.
Er sah erst auf, als der Kaffeebecher neben seiner Hand stand. "Hm? Oh ... danke, Jean."
Und damit kehrte er an seine Arbeit zurück. Es war gar nicht so leicht, den Computer mit nur einer Hand zu bedienen, vor allem, wenn man die Maus plötzlich mit der falschen Hand bedienen musste. Irgendwie kam er sich vor wie ein Kindergartenkind, weil er sich so dämlich anstellte.
Aber immerhin hatte er es geschafft eine topographische Gitternetzkarte und einige Sattelitenfotos der Gegend übereinander zu legen. Das Institut war als leuchtend roter Punkt auf dem Frame eingezeichnet. Der komplizierte Teil war nun, Caitlynns Weg einzutragen. Ty hatte zwar ihre Spuren verfolgen können, Cait selbst aber an einer ganz anderen Stelle gefunden. Und der Straßenplan von Inverness musste erst noch in die Karte eingebaut werden, bevor sich irgendwelche Markierungen setzen liessen.
Als Jean eintrat war Tyler gerade damit beschäftigt, die digitalisierten Daten an den neuen Maßstab der Karte anzupassen. Nur das gestaltete sich schwieriger, als er angenommen hatte. Die Kaffeepause kam ihm gerade recht.
Während er so da sass und den Becher (heiss! heiss!!) in der linken Hand hielt, drehte und immer wieder auf dem Tisch absetzte, überdachte er sein Vorhaben noch einmal. Irgendwann nach mehreren Minuten drehte er sich im weichen Ledersessel herum.
Einige Strähnen ihres Haarschopfes hingen neckisch über der Sessellehne. Sie selbst lehnte im Sessel, während die Tasten sich geschäftig auf und ab bewegten. Nach einem weiteren Schluck drehte sie sich etwas mit dem Stuhl und sah zu Tyler. „Wäre nichts das erste Mal und bestimmt nicht das letzte Mal“, wobei der zweite Teil leiser wurde, als würde sie ihn zu sich selbst sagen. Das Klicken stoppte und sie fuhr sich durch das Haar.
Die kahlen Wände schrieen regelrecht und überhaupt, wie konnte Hank in so einer Umgebung leben, ohne verrückt zu werden? Nachdenklich musterte sie Tyler und seinen rechten Arm. „Kannst du dir vorstellen, dass jemand durch einen Riss durch Raum und Zeit reisen kann, am Ende in der Zukunft oder Vergangenheit landet und du trotzdem noch das Gefühl hast, er wäre in der Nähe?“ Langsam trank sie einen Schluck. „Noch immer spüre ich die Gedanken dieses Telepathen in meinem Kopf und dabei sollte er weit, weit weg sein. Dass jemand von uns durch die Zeit reißt...“, dass hätte sie nie gedacht und nun?
Aber sie musste dem vertrauen. Diesem Gefühl, dass er der war, wer er vorgab zu sein.
Ty fasste es nicht als einen Scherz oder eine rhetorische Frage auf, deswegen dachte er wirklich einen Moment darüber nach.
"Ich nehme an, wenn es möglich wäre, könnte man bestimmt eine Menge Fehler ungeschehen machen."
Und mir würden da auch schon einige einfallen. Aber Jean fragt bestimmt aus einem Grund. Sicher hat das was mit Scott und dem Siegel zu tun.
Eine Weile lang sah er sie nur stumm an, ohne den Kaffee zu trinken. Stattdessen drehte er den Becher auf der Armlehne, wobei er ihn nur mit den Fingerspitzen berührte.
"Ist es das, was Scott passiert ist? Ist er durch ein Loch in der Zeit gefallen? Und du hast noch Kontakt zu ihm?"
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„Wir vermuten es“, meinte sie nachdenklich und trank einen weiteren Schluck. „Der Kontakt zu ihm ist nicht gänzlich abgebrochen und doch“, dabei runzelte sie die Stirn. „...es ist, als wäre er ganz weit weg. Darüber hinaus ist ein Team mit Logan und Padraig durch das Siegel gegangen und bei ihnen ist es ähnlich. Ich kann sie noch spüren, aber es ist nur eine haarfeine Spur.“
Noch ein Schluck und zu ihrem Bedauern war die Tasse mit einem Mal leer. Mürrisch stellte sie diese neben den Monitor auf die Oberfläche und wandte sich wieder Tyler zu.
„Wie weit bist du mit deinen Nachforschungen? Schon etwas heraus bekommen?“ Sie sah, dass er einfach Mühe hatte.
"So lange du ihn nicht ganz verlierst..." kommentierte Ty ihre letzte Aussage, nur um bei ihrer Frage einen hilflosen Blick auf seinen Bildschirm zu werfen und zu seufzen.
"Nicht so besonders weit. Ich hab Probleme, das Strassennetz von Inverness in die Simulation einzugliedern. An und für sich sollte das kein Problem sein, wenn man schonmal digitalisierte Daten hat, aber genau die fehlen. Das muss eigentlich nur einmal komplett gemacht werden, dass man es dann immer in der Datenbank zur Verfügung hat, aber scheinbar war es bisher nicht notwendig gewesen. Deswegen dauert das hier auch noch 'ne Weile.
Der Vollständigkeit halber müßten wir auch das Wasser-/Abwassernetzwerk, die Energieversorgung und die Telekommunikationsleitungen mit eintragen, falls wir wir diese Information mal brauchen. Aber dazu hat auch noch niemand Daten gesammelt. Mit anderen Worten, wir haben ein riesiges Loch in der Datenbank und ich tue mein Bestes, um es halbwegs zu füllen."
Er drehte sich wieder zu Jean um, dieStirn in Falten gelegt.
"Mir ging allerdings etwas ganz anderes durch den Kopf, gerade als du rein gekommen bist. Es macht nämlich alles keinen Sinn. Selbst wenn ich Caits Weg nachvollziehen kann und hier einzeichne, sagt uns das immer noch nichts über ihre Beweggründe. Ich meine, alles, was ich mit dieser Situation herausfinden kann, ist, ob der Punkt an dem ich sie gefunden habe auf derselben Linie liegt, wie der Kurs, den sie zuvor genommen hat. Theoretisch könnte ich die Linie ins Unendliche verlängern und wir müssten dennoch jedes einzelne Gebäude darauf als mögliches Ziel in Betracht ziehen."
Er nahm den Becher und nun hatte der Kaffee eine trinkbare Temperatur erreicht. Nach einem Schluck sprach der Mechaniker weiter, während er Jean direkt in die Augen sah.
"Worauf ich hinaus will ist Folgendes: die Antworten auf unsere Fragen sind in Caits Kopf. Und da sie sich nicht erinnern kann, kommt wohl nur ein Telepath an sie heran. Oder ein Hypnotiseur. Unter Trance sollen Menschen sich ja an alle möglichen Details erinnern können. Und wenn man jemandem einreden kann, er wäre ein Huhn, dann müsste das andere ja wohl ein Kinderspiel sein. Zumindest denke ich das, aber ich bin kein Experte für Gehirne und Erinnerungen."
An dieser Stelle gingen Tys Augenbrauen in die Höhe. Sollte das etwa eine Frage oder eine Aufforderung an Jean gewesen sein? Nur um ganz sicher zu gehen, stellte er sie laut.
"Wenn ich Cait überreden könnte, sich in den Kopf sehen zu lassen, würdest du das dann tun?"
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Eine Weile sah sie ihn an, bevor sie sich zurücklehnte und die Beine übereinander schlug. „Ich habe es damals zur Besprechung gesagt und ich sage es wieder. Charles hat mir beigebracht, dass der Geist keine Dose ist, die man nach belieben aufmachen kann. Sie muss es wollen und ich als Ärztin empfehle die ungefährlichere Variante der Hypnose.“ Warum wollte Tyler eigentlich schon wieder, dass Jean es tat? Vielleicht sollte sie ihm von Memento erzählen, der Junge schien weitaus geschickter zu sein in Sachen Telepathie.
„Ich kann zwar eben gedachte Gedanken hören, als würden sie direkt in mein Ohr gesprochen, dass macht es aber nicht leichter mich in die verborgenen Gedanken eines Menschen hineinzugraben, geschweige denn die Schäden, die ich verursachen könnte“, murmelte sie vor sich hin. Die wenigen ‚Reisen’ die sie bisher unternommen hatte, waren nicht wirklich sehr angenehm gewesen.
„Du glaubst also, dass Caitlynn etwas vor uns verheimlicht? Solche Blackouts könnten geradezu alles mögliche als Ursache haben.“ Dabei war Tablettenmissbrauch ganz oben auf ihrer Liste. „Demnach ist die Chance, dass sie noch etwas davon weiß sehr gering. Ich muss gestehen, ich habe nicht wirklich den Drang mich in ihre Erinnerung hineinzubohren und nach etwas Verschüttetem zu suchen.“
Ihre Unlust, Dank der Ablehnung des Teams kam wieder durch. „Ich mische mich in solche Dinge erst ein, wenn unmittelbar Gefahr besteht. Im Moment kommt es mir eher so vor, als hätte sie mit verschiedenen Nachwirkungen zu kämpfen, die einfach auf dem eigenen Unverständnis gegenüber ihrer eigenen Mutation beruhen.
"Hey, mal langsam! Ich hab nie behauptet, dass sie etwas verheimlicht!" verteidigte Ty sich und Caitlynn sofort. Und im selben Augenblick fielen ihm wieder diese Gerüchte ein, über die er noch immer nicht mit Cait gesprochen hatte. Aber Zweifel waren jetzt fehl am Platz.
"Ich denke nicht, dass sie irgendetwas verheimlichen würde. Sie will doch dasselbe, wie der Rest von uns: dass wir Scott zurückbekommen, dass Seana wieder auftaucht und dass wir endlich Ruhe vor Genethics haben. Ich bin davon überzeugt, dass sie so denkt. Warum sonst hätte sie sich in ihrem Zustand noch zur Besprechung geschleppt?"
Ty wusste nicht, ob er damit Jean oder sich selbst überzeugen wollte. Aber an irgendetwas musste er glauben ... und in diesem Fall glaubte er daran, dass Cait ehrlich gewesen wahr.
"Du musst dich nicht einmischen, wenn du nicht willst. Ist schon ok. Ich kann's ja verstehen, wenn's für dich zu riskant ist. Ich wollte ja auch nicht, dass du ihre Gehirnwindungen bis in die letzte Ecke erforschst.
Ist doch so, wie du gesagt hast, ein Blackout. Man hat Probleme sich zu erinnern. Nach Unfällen soll das ja öfter so sein. Amnesie durch Schock oder so? Ich wollte ja lediglich wissen, ob man dem Erinnerungsvermögen nicht auf die Sprünge helfen kann. Und wenn du der Meinung bist, dass Hypnose der beste Weg ist, dann suche ich eben nach einem vertrauenswürdigen Hypnotiseur. So bald ich hier fertig bin."
Er leerte ebenfalls seinen Kaffee und stellte den Becher weg. Jean hatte ihren Standpunkt klargemacht und das akzeptierte er. Er würde das Thema "Caitlynns Kopf" auf sich beruhen lassen.
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Sie wandte sich ihren Daten zu und murmelte nur noch: „Du musst dem Geist die Chance geben sich selbst wieder zu ordnen. Alles andere riskiert, dass es sich verschlimmert.“
Wieder diese Daten, die alles und im selben Moment überhaupt nichts aussagten. Kaffee? Der war alle. Hunger? Nicht wirklich. Überhaupt blieb der Appetit bis heute aus. Seltsam, oder? Nicht wirklich, denn nur weil sie für zwei atmete, hieß es nicht, dass sie für zwei essen musste. Auch blieben die letzten Tage nicht ohne Folgen, so hatte sich ihr Hunger beinahe vollends eingestellt.
Alles erinnerte an etwas, dass sie nicht wissen wollte.
„Wie wäre es, wenn du die Hypnose noch einmal überdenkst und stattdessen einfach ein Gespräch in ruhiger, entspannter Atmosphäre mit ihr führst. Schließlich traut sie dir am meisten...“
Eigentlich hatte er nicht hinhören wollen, halsstarrig, wie er nunmal sein konnte. Aber Schallwellen konnte man sich nun einmal nicht entziehen und er hörte ihre Bemerkung trotzdem. Im ersten Moment schwieg er noch, dann murmelte er was von drüber nachdenken, während er den Sessel herumschwang und sich wieder einmal dem Problem auf dem Bildschirm widmete.
Eine fitzelige Arbeit, die schon längst hätte gemacht werden müssen. Datenbestände dieser Art waren unerlässlich, wenn man einmal Einsätze in der Stadt plante. In New York hatten sie sogar dieses mikromagnetische Modell, womit sie 3D-Simulationen des Einsatzortes...
Die Idee kam ihm im selben Augenblick. Erneut rief er die Datenbank mit den Satellitenbildern auf. Ja, Inverness war ebenfalls mit auf den Bildern, nur hatte er die Stadt bisher immer aus der Simulation herausgeschnitten, weil er den Meinung war, dass es eine digitale Version in der Datenbank gab. Wenn er aber nun das topographische Raster mit einer nicht geostationären Aufnahme der Satellitenbilder kombinierte, und dann noch einen UV Filter benutzte...
Ty versank in seinen Bemühungen. Jetzt, wo er die Idee hatte und etwas schnell ausprobieren wollte, störte die fehlende Hand besonders. Aber mit etwas Glück bekam er das, was er wollte: die Eckpunkte, um einen Online-Stadtplan mit einem Satellitenbild mit dem richtigen Zoom zu verbinden und beides in die Karte einzufügen. Man würde kein 3D-Modell bekommen wie in New York, aber das war auch nicht seine Absicht. Und die Höhenangaben der Gebäude nachzutragen sollte nicht weiter schwierig sein.
"Ich glaube, das wird was" flüsterte er dabei zu sich selbst, während der Computer vor sich hin rechnete und im Sekundentakt das Bild veränderte.
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