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Dieses Thema hat 13 Antworten
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 Lowlands-Area
Rat Offline

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Beiträge: 41

01.04.2006 16:01
Irgendwo an der Küste Antworten
Seine Schritte hallten leise vom Marmor wider. Diese Halle war eine Illusion aus alter, nostalgischer Zeit, denn die beiden vergangenen Jahrhunderte hatten hier keine Spuren hinterlassen. Hier in diesen vier Wänden herrschte noch immer das Jahr 1850. Hohe Bücherregale standen auf rechter Seite – kam man zur Flügeltür hinein – und ein mannshoher Kamin dominierte die Wand gleich gegenüber. Die weiten Fenster auf der anderen Seite waren mit schweren tannengrünen Brokatvorhängen abgedunkelt, so dass das Feuer bronzene Lichtflächen auf die mit Samt bezogenen Sessel warf. Weder die Kerzen in den Kandelabern auf den Mahagonikommoden noch die im ausladenden Luster an der Decke waren angezündet worden, so dass die einzige Lichtquelle vom Kamin herrührte und das ganze Zimmer düster erscheinen ließ. Die Schritte verloren sich auf dem ersten Teppich und man hörte kaum noch die Richtung, in die er sich bewegte. Aber dann mischte sich der Hauch von würzigem Zigarrenqualm mit dem Geruch der Ledereinbände der Bücher und Rat stieß den Rauch langsam aus. Er stand neben einem der Sessel, so dass sein langer Schatten über ihr Gesicht fiel.

„Wach endlich auf.“ Er stieß sie mit der Schuhspitze an und wirkte schon wieder irgendwie gereizt. Allerdings war das kein Zustand, der sich in ihrer Gegenwart irgendwie zu bessern schien, da er weder Frauen noch Kinder leiden konnte und sie war bedauerlicherweise die unglückliche Kombination von beidem. „Wir haben heute noch einiges zutun.“

Dreamer Offline

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Beiträge: 101

01.04.2006 18:41
Irgendwo an der Küste Antworten
Wie lange war sie eigentlich in diesem Zimmer?
Sie wusste es nicht, überhaupt wusste sie nicht viel. Nachdem sie ihre Kindheit in einem Bassin verbracht hatte, wenige Woche in einem Institut und nun hier, stellte sich erneut die Frage, was käme als nächstes?

Langsam rappelte sie sich auf, besonders bequem war der Stuhl nicht, aber schlafen war zu einer seltsamen Gewohnheit geworden, jetzt wo Rat sie jeden Tag dazu antrieb ihre Gabe zu benutzen. Es ermüdete sie einfach und auch wenn durch etwas Übung das Schlafbedürfnis auf ein normales Maß reduziert werden konnte, fiel es ihr immer noch schwer, sich zurecht zu finden.

Wortlos strich sie sich das Haar aus dem Gesicht und rutschte vom Sessel, der nun wirklich zu unbequem geworden war.

Das Schlimmste an dieser Situation war allerdings, dass er ihr schlichtweg verbot die Bücher zu lesen. So etwas gemeines.

Rat Offline

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Beiträge: 41

02.04.2006 12:30
Irgendwo an der Küste Antworten
Bücher. Ja, die Bücher... hatte sie immer noch nicht verstanden, dass dieser Raum hier nur eine Illusion war? Und wenn sie eines dieser Bücher aufschlug, so würde sie vielleicht nur eine einzige Seite finden, die beschriftet war... oder aber von der ersten bis zur letzten Seite. Natürlich gab es auch Bücher, in denen stand überhaupt nichts. Rat war zwar über 100 Jahre alt, aber er war das beste Beispiel dafür, dass kein Mensch alles wissen konnte. Hier in diesen Büchern vereinte sich sein ganzes Wissen, denn er hatte diese Illusion ja schließlich erschaffen. Es wunderte ihn sogar ein wenig, dass sie noch nicht so dreist gewesen war und heimlich versucht hatte, eines dieser Bücher aufzuschlagen.

"Komm mit." Wie schon seit Tagen bekam sie erst etwas zu essen, wenn sie zu Rats vollster Zufriedenheit trainiert hatte. Das war heute nicht anders. Wieder einmal ging er auf die schwere Eichentür zu, die auf der anderen Seite eine Panzertür war. Er drückte sie auf und sah zurück. Konnte sich das Gör vielleicht mal ein wenig beeilen?? Er packte sie am Kragen und zog sie einfach mit sich, bis sie in einem Raum standen, in dem das All zuhause war. Alles war schwarz und man wusste nicht, ob man noch auf festem Grund stand oder schwerelos in vollkommener Dunkelheit. Die Tür glitt lautlos zu und der Schimmer des Kaminfeuers versiegte. Allmählich blitzten immer wieder helle Lichtpunkte auf, die an Sterne erinnerten. Ob sie sich nun bewegten oder einfach stehen blieben und die Sterne an ihnen vorbei rasten, war nicht wirklich heraus zu finden, doch manchmal war es gar nicht so dumm, erst hinterher etwas zu essen. Und dann standen sie plötzlich in einem vollkommen leeren weißen Zimmer, in das von den Seitenwänden Wasser eindrang, so dass sie mit den Beinen schon bald darin standen. Wie lange dauerte es wohl, bis der ganze Raum gefüllt war und sie ertranken? Denn wenn Seana jetzt zurück sah... gab es nirgendwo mehr eine Tür.

Dreamer Offline

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Beiträge: 101

02.04.2006 13:13
Irgendwo an der Küste Antworten
Was war Recht, was war Unrecht.

Auf jeden Fall hatte sie noch nicht ganz den Bogen raus. Auch die Art und Weise des täglichen Trainings kam ihr nicht unbedingt unmenschlich vor. So wenig Zeit sie auch im Labor bei Bewusstsein verbracht hatte, so oft hatte sie mitbekommen, dass den Kids ähnliche Dinge wiederfahren waren.

Nur etwas störend, war die Art, wie er sie immer herum schleppte.

Das kalte Wasser umspülte ihre Fußgelenke und auch die nicht vorhandene Tür war ihr aufgefallen. Das tat er immer. Er schleppte sie irgendwohin, wo plötzlich kein Ausgang mehr war. So langsam hatte sie auch schon daran gezweifelt, nur waren ihre Eindrücke, die ihre Sinne ihr sandten, immer noch so real, dass sie sich nicht gegen ihren Verstand wehren konnte.

Dieser alles entscheidende Fluchtinstinkt war sehr lästig geworden.

Aus dem Augenwinkel sah sie zu ihm herauf. Durfte man mal die innerliche Frage stellen, wieso er sie ständig derart herumschleifte, sie zu Tode ängstigte und dann wieder rettete? Das alles ging doch nicht mit rechten Dingen zu, oder? Vor allem war er immer derartig wütend, wenn er sie aus solchen Situationen befreite. Verdammt, wieso setzte er sie dann erst solchen Situationen aus?

Dieser kindliche Trotz, der im Erwachsenenalter schnell in Wut und Hass umschlagen würde, kroch an die Oberfläche.

Sie wollte das nicht mehr. Es langweilte sie. Es ängstigte sie. Und überhaupt, dürfte sie endlich mal so ein dämliches Buch lesen? Ihr Kopf war vollkommen leer und dabei hatte sie so großes Interesse an neuem Wissen. Auch stand sie bereits stundenlang vor diesem Regal und hatte es angestarrt, aber die Bücher sahen so empfindlich aus. Sie hatte Angst, dass eines in ihren Händen zu Staub zerfallen würde...

...als wäre es nicht real.

Ihr Blick fiel auf den Boden, der langsam immer mehr zu einem knietiefen Teich wurde. Sah Wasser eigentlich immer so farblos und öde aus? Sie kannte doch so viel verschiedenes Wasser, oder? Das heiße, dampfende Nass aus der Dusche. Das modrig, grüne im Loch. Die Bilder von türkisfarbenem Wasser. So vieles und das hier? Es fühlte sich an wie Wasser, sah durchaus auch aus wie Wasser, aber der Geruch war seltsam.

Langsam hob sie ihr Bein an und sah, wie das Wasser an ihrer Haut abperlte.

Irgendwo in ihrem Hinterkopf schellte eine äußerst nervige Alarmglocke, aber ihr Bewusstsein hatte gerade eine völlig neue Region angezapft, die zwar Startschwierigkeiten aufwies, aber ansonsten sehr gut als Indikator funktionieren würde. Nur der Knoten müsste endlich mal platzen. Und genau daran zerrten Rats ständige Trainingstouren.

Wieder warf sie einen Blick zu Rat hinauf.

In seinem Geist bewegte sich etwas. Sie verengte ihre Augen, irgendetwas schimmerte da doch. Und je länger sie darauf starrte, sah sie sich selbst, ihn, nur in klein und einen Raum und Wasser. Wie ein Spiegel in seinem Kopf. Wie seltsam, aber als sie es endlich erkannt hatte, fehlte etwas.

Sie blickte sich um.

Das Wasser war weg und alles, was sie damit gefühlt hatte. Der Raum verblasste zusehends. Wie seltsam, dachte sie. Woher sollte sie auch wissen, dass ein begabtes Kind wie sie, zumindest über einen Schutzmechanismus verfügte.

Es fielen ihr keine Worte ein, wie sie das alles nennen sollte, was sie hier erlebte oder bereits erlebt hatte. Aber sie verstand einiges wenigstens in ihrem Inneren. Diese Dinge eben, sie waren in seinem Kopf, in ihrem Kopf und nun nur noch in seinem Kopf. Und jetzt wo der Motor einmal lief und sich langsam immer geschmeidiger in seinen Gelenken bewegte, kam ihr ein Bild vor Augen, dass sie gerne mal wieder sehen wollte.

Und auf grünen Hügeln, mit dem Geruch des salzigen Windes vermischt, formte sich ein verschwommenes Abbild des Institutes...

Rat Offline

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Beiträge: 41

04.04.2006 14:46
Irgendwo an der Küste Antworten
Sie hatte doch tatsächlich seine Illusion geblockt und sich selbst eine erschaffen. Das hatte sie noch nie gemacht und obwohl Rats Bild nur eine schwache Anfangsübung gewesen war, war er doch irgendwie beeindruckt von dieser Leistung. Aber konnte sie ihm auch entgegen treten, wenn es sich zu einem kleinen Wettstreit entwickelte? Rat musste unweigerlich an Ijilia denken, die ihm erbittert gekontert hatte - und damals eindeutig besser gewesen war. Es war eine Sache, die Illusion zu blocken, eine andere, die Illusion des anderen Illusionisten zu überflügeln. Vielleicht sollte er sie mal zu einem geheimen Zusammentreffen mitnehmen, wenn sie gut genug dafür war. Die Illusionisten waren seiner Meinung nach die Götter unter den Mutanten, denn sie konnten einfach alles in den Köpfen der anderen verändern. Rats Augen blitzten einen Moment gefährlich auf und die Pupille verwandelte sich dabei zu einem Schlitz, wie es Raubkatzen zu eigen war. Der jährliche Wettstreit der Illusionisten; er war lange nicht mehr dort gewesen. Warum auch? Er war besser als die anderen.

Das Institut. Nein, wie herzallerliebst. Rat schnaufte, als er sich ansah, was das Mädchen sich da gezaubert hatte. Wollte sie ihm damit etwa sagen, dass sie Heimweh hatte? Oh... warum tat ihm das jetzt nur überhaupt nicht Leid? Ach ja, Rat hatte ja kein Gewissen. Dieses Mädchen war so durchschaubar und langweilig. Das Bild formte sich mit Rats Hilfe noch ein wenig aus und die Umrisse des Gebäudes wurden klarer. Sie standen auf der Zufahrtsstraße zum Institut und Rat warf Seana einen Blick zu. Sieh an, was aus deinen Träumen wird... Das Gebäude ging mit einem berstenden Krachen in Flammen auf. Rat nahm einen Zug von seiner Zigarre und blies den Rauch langsam aus. Ein paar Würmer krochen über die Straße, so als wären sie nach einem Regentag hervor gekommen (oder warteten sie schon auf den nächsten Leichnam?). Einer davon war auf Seanas Schuh gelandet. Rat selbst trat einen Schritt nach vorn, so dass es zu einem schleimigen Geräusch kam, als er eine der Schnecken dort zertrat. Er sollte mal wieder in seinem Kopf aufräumen... was sich da so an Mist angesammelt hatte...

Dreamer Offline

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04.04.2006 21:02
Irgendwo an der Küste Antworten
Das Bersten von Holz und uraltem Gemäuer würde wohl ewig mit diesen Bilder verschmolzen bleiben. Zumindest war das die erste Explosion in dieser Form, die sie zu Gesicht bekam. Schwarze Rauchwolken, Hitze und der langsam zu ihr dringende Geruch nach verbranntem Holz.

Aus den weit aufgerissenen Augen sah sie zu Rat hinauf. Er fand das wohl sehr witzig. Sie hingegen schüttelte es, als er auf eines der am Boden kriechenden Tierchen trat. Ihr Blick fiel nach unten und da kroch gerade irgendetwas ihren Schuh hinauf. Geschwind bückte sie sich, hob es auf und betrachtete es.

Woher kannte sie diese Form nur? Nachdenklich betrachtete sie es. Genau! In der Küche lag mal eine Packung Gummitierchen, die fast genauso aussah! Die schmeckten richtig lecker, wenn auch etwas gummiartig. Irgendwie gefiel ihr der Gedanke daran und sie wünschte sich direkt eine Handvoll Gummiwürmer. Nun ja, das Ergebnis war wohl ein anderes. Denn in einem sich langsam ausdehnenden Kreis erstarrten die sich windenden Würmer und wurden zu Gummitierchen.

Yummy!

Rat Offline

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Beiträge: 41

07.04.2006 14:26
Irgendwo an der Küste Antworten
Langsam brannte das Gebäude aus und Rat war einige Schritte voraus gegangen. Dieses Mädchen hatte wohl noch einiges zu lernen. Rat fand gar nichts witzig... wenn er grinste, dann war das Häme. Wieder zog er an seiner Zigarre und warf einen Blick zurück über die Schulter. Das war der Nachteil bei Kindern, sie brauchten immer etwas zum Spielen und verwandelten alles in Süßigkeiten. Rat verzog den Mund und schnaufte.

Aus ihren Yummy Yummy Gummitierchen formte sich allmählich ein großer Wurm, der zu Seanas Größe anwuchs und dessen Leib solange anschwoll, bis er in alle Windrichtungen zerplatzte. So viel dann zu Süßigkeiten. Und wenn Seana mal an sich herabsah, dann würde sie merken, dass es kein Gelee war, das an ihren Händen klebte, sondern Blut. Jetzt war Schluss mit lustig und Aufwärmübungen, denn als sich Rat zu ihr umdrehte, schoss eine Feuerfontäne aus einem der Institutsfenster und brannte sich eine Schneise zu ihr durch.

Rat kniff leicht die Augen zusammen und senkte den Kopf. Sein Blick lag immer noch auf dem Mädchen, während auch hinter Seana eine Feuerwand empor loderte und sie allmählich kreisförmig einzuschließen begann. Die Luft flimmerte und es musste sich so anfühlen, als versengte die Hitze Seanas Wimpern. Mit einer anderen Naturgewalt zu kontern, war ihr in ihrer Macht wohl kaum möglich, aber vielleicht konnte sie sich selbst mit einer Idee aus dieser Lage retten. Rat war gespannt darauf. Das letzte Mal, als er sie mit dem Kaminfeuer erschreckt hatte, war sie zu dumm gewesen, die Illusion zu erkennen. Jetzt allerdings... war das noch viel schwieriger.

Dreamer Offline

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Beiträge: 101

07.04.2006 17:42
Irgendwo an der Küste Antworten
Würden ihre Sinne nicht allesamt um die Wette schreien, würde sie vielleicht bemerken, was neben Angst und dergleichen noch in ihr hochstieg. Dieser Mann regte in ihr Stimmungen und Gedanken an, die sie zuvor nicht von sich gekannt hatte. Bisher war ihre Umwelt ein einziges Rätsel gewesen, von dem sie nicht immer alles verstanden hatte. Aber das hier wurde allmählich nervig.

Du musst hingehen, auch wenn du keine Lust hast, es ist Schule.

Wo kam das her? Es war Dorians Stimme, die sie zu etwas antrieb, wozu sie keine Lust gehabt hatte. Schon damals regte sich ein Fünkchen in ihr, dass man noch als Trotz bezeichnet hätte. Aber Rat forderte mehr, wesentlich mehr, als nur ein Fünkchen kindlichen Trotzes.

Überhaupt schien er stets genervt von ihr zu sein. Wieso also ließ er sie nicht einfach gehen?

Konzentration ist der Schlüssel...

Diese Stimme... wem gehörte sie doch gleich? Sie erinnerte sich an endlose Unterrichtsstunden und das in einem schnell und unordentlich zusammen geschnittenen Kurzfilm. Die schnelle Abfolge der Gesichter machte sie fast schwindelig, doch dann reichte es ihr.

Genau in diesem Moment schlossen sich die Flammen vollends um sie herum. Dabei hatte sie weitaus besseres zu tun, als gegrillt zu werden. So musste sich das Essen fühlen, wenn es ins rohe Feuer geriet. Sie war doch kein Grillwürstchen!

Das seltsame Vibrieren, welches von dem Feuer ausging, ließ sie inne halten. Ihr Körper schien vollends von diesem Geräusch eingenommen zu sein und obwohl die Hitze unerträglich wurde, schob sie etwas in ihren Sinn, dass sich gerade an dieses Geräusch erinnerte und es kam nicht von Feuer.

Das Vibrieren wurde deutlicher, beinahe spürbar und auch wenn die Hitze, die so unerträglich war, dass sie es nicht mehr ertragen konnte, übertönte dieses Flattergeräusch mehr und mehr ihre Sinne.

Wo eben noch eine flammende Feuersäule war, die Hitze in alle Richtungen ausstrahlte, übertönte alsbald ein wirres Surren und Flattern die Szenerie, bevor sich die zur Einheit verschmolzenen Flammen in etwas neues wandelten. Allmählich wurde aus den dutzenden von Rottönen eine bewegte Masse aus vielen kleinen Einzelteilen.

Mit einem leises, seufzenden Geräusch ebbte die Hitze schlagartig ab und die Feuersäule teilte sich an ihrem höchsten Punkt allmählich in unzählige, blutrote Schmetterlinge auf, die sich in alle Winde zerstreuten. Und wenn auch das Feuer sich so langsam in Wohlgefallen auflöste, stand dort in einem Kreis aus verbrannter Asche noch immer dieses Kind, dessen Augen wohl zum ersten Mal Gefühle wiederspiegelten.

Vielleicht hätte ihr eine andere Regung besser gestanden, aber jetzt in diesem Moment war sie schlicht und einfach wütend.

Rat Offline

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10.04.2006 12:56
Irgendwo an der Küste Antworten
Warum er sie nicht einfach gehen ließ?

Das war eine gute Frage. Sie war ein Kind und er konnte einfach nichts mit Kindern anfangen. Sie nervten ihn, er mochte ihre Fragereien nicht, er mochte auch ihre lebhafte Art nicht oder wie sie Dinge in ihrer kindlichen Art wahrnahmen. Er mochte nicht einmal ihre Naivität. Seana würde irgendwann eine Frau sein und Frauen hasste Rat genauso. Er hasste ihre Schwäche wie die Art dies zu kaschieren gleichermaßen. Er mochte es nicht, wie sie sich gaben und dass sie in dieser Zeit Ansprüche stellten, die sie überhaupt nicht verdienten.

Warum also ließ Rat sie nicht einfach gehen? War es gleichzeitig ein Rachefeldzug, dass er so mit ihr umsprang? Die Wahrheit war, dass es Zeit war, sein Wissen weiter zu geben. Er wollte ein Meisterstück aus ihr machen, das allein war der Grund, warum er mit Adam Lewis überhaupt um einen Mutanten gefeilscht hatte. Er wollte einen Nachfolger, der ihn selbst zu dem machte, was er hinterlassen wollte: einen Mythos. Seinen Mythos. Er wollte ihren Hass wecken - so sehr, dass sie irgendwann genug davon angesammelt hatte, um ihn zu besiegen. Bis dahin würde sie lernen, was es hieß, jemand anderem unterlegen zu sein und jede Demütigung zu ertragen, die er ihr zuteil werden ließ.

Die Schmetterlinge verwandelten sich in schweres Vulkangestein und fielen im Flug zu Boden. Je nach Fallhöhe wurden sie immer größer und schlugen beim Aufprall gefährliche Krater in den Boden. Alles Schöne sollte irgendwann aus ihrem Gedächtnis getilgt sein, bis sie endlich kapiert hatte, das es keine Gummitiere oder Schmetterlinge waren, die zum Sieg führten. Mit einer kurzen Handbewegung winkte er sie zu sich, doch sollte sie Acht geben, dabei nicht von einem der niederfallenden Steine getroffen zu werden, denn das konnte schmerzhaft werden...

...wenn man daran glaubte.

Dreamer Offline

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13.04.2006 20:01
Irgendwo an der Küste Antworten
Demütigung, was war das nur für ein Wort? Es bedeutete Erniedrigung und Aufgabe der eigenen Seele. Aber war es nicht ihr Manko, dass sie ihre Seele erst seit kurzem entdeckt hatte? Die ersten kleinen Steine fielen zu Boden und sie spürte wie ihre Finger taub wurden. Ihre Fäuste waren zum zerreißen gespannt und ihre kleinen Fingerknöchel traten weiß hervor, selbst ihre Handfläche fing an zu schmerzen. Erst ein Stein, der sie an der Schulter streifte und sie zurück brachte, ließ sie in seine Richtung rennen.

Allerdings brachte ihr kleiner Geist keinerlei Sympathie für ihn auf, weshalb sie sich weder an ihn klammerte, noch sich hinter ihm versteckte. Mit gesenktem Kopf und verkrampften Fäusten kam sie vor ihm zum Stehen und starrte auf seine Schuhe. Es war das einzigste, was sie von ihm sehen wollte und irgendwo hatte sie die leise Hoffnung, dass ihm ein Stein auf den Kopf fallen würde. Dabei blieb ihr noch einen Moment das Rauschen im Kopf. Ein dumpfes Gefühl in ihrer Schulter blieb als einzigstes übrig...

Rat Offline

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15.04.2006 14:44
Irgendwo an der Küste Antworten
Ein leichtes Schmunzeln huschte über seine Züge, als er ihr mit frostigblauem Blick entgegen sah. Man sollte nie die Hand beißen, die einen fütterte, nicht wahr? Noch war es nicht soweit. Rat blieb reglos stehen und tatsächlich fielen auch einige Steine in seine Richtung, jedoch trafen sie ihn nicht, sondern fielen regelrecht durch ihn hindurch und rollten im Gras aus. Es mochte wieder einmal eine Täuschung sein, denn es sah fast so aus, als wäre Rat derjenige, der nicht echt war. Als sie vor ihm stehen blieb und auf den Boden starrte, fiel etwas Asche neben ihren Schuhen ins Gras. Kurz darauf landete auch der Rest der Zigarre dort und blieb lautlos glimmend liegen.

Es mochte weniger beruhigende Eigenart haben als vielmehr das Gefühl eines Schraubstocks, als Rat seine Hand auf ihren Kopf legte und sie kurz darauf herumdrehte, um ihr einen Schubs zu versetzen. Sie standen plötzlich wieder im zeitlos weißen Raum, der nun aber eine Tür besaß, die einen kleinen Spalt weit geöffnet war. Dahinter war das leichte Flackern eines Kaminfeuers zu erkennen, das sein seichtes Licht auf ein Bücherregal warf. Frühstück... und danach wurde weiter gelernt.

Dreamer Offline

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15.04.2006 18:54
Irgendwo an der Küste Antworten
Sie seufzte innerlich, bevor sie sich in Bewegung setzte und in Richtung der Tür ging. Vom Prinzip her hatte sich ihre Situation nicht wirklich geändert, auch wenn seine Art vergleichsweise ruppig war. Jemand wollte etwas von ihr, dass sie nicht nachvollziehen konnte und ob sie wollte oder nicht, man zwang sie dazu. Das war im Institut nicht anders gewesen, nur die Methoden hatten sich etwas unterschieden.

Ihr Hunger hielt sich in Grenzen, sie war vielmehr tot müde und sobald sie auch nur den Kamin erreicht hatte kollabierte sie beinahe davor, sank auf die Knie, legte sich hin und schloss die Augen.

Rat Offline

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Beiträge: 41

23.04.2006 17:06
Irgendwo an der Küste Antworten
Nicht alles in diesem Raum war Illusion. Das Mobiliar existierte tatsächlich, es war von Rat in vielen Jahren nach und nach angeschafft worden, aber nichts davon hatte ihm die Zeit zurück bringen können, in die er eigentlich gehörte. Das Feuer war Illusion, die Wärme, das es in den Raum brachte, ebenso. Rat selbst mochte die Kälte und er bildete sich schon lange nicht mehr ein, dass ein Feuer wärmen konnte.

Als das Mädchen niedersank, packte er sie und hob sie wie ein nasser Sack über seine Schulter. Er setzte sie in den nächsten Sessel und blieb im Raum. Sie musste nicht glauben, dass er ihr ihre Zickereien duchgehen ließ. Sobald sie wieder wach war, würde sie das schon zu spüren bekommen. Ob er Mitleid hatte? Diese Gefühlsregung kannte er schon lange nicht mehr, auch wenn er sie brauchte und darum... auf sie aufpassen musste.

Dreamer Offline

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24.04.2006 01:41
Irgendwo an der Küste Antworten
Keinen Schimmer wie lange sie geschlafen hatte, überhaupt verlor sich ihr Zeitgefühl schon immer im Nichts, einfach, weil sie ihre Uhr erst vor kurzem von Dorian bekommen hatte.

Mit einem Mal riss sie ihre Augen auf und sah zu ihrem Handgelenk, das soeben von ihrer Hand abgetastet wurde. Sie war nicht da! Wo war sie? Erst allmählich dämmerte es ihr, denn auch das Zimmer in dem sie aufwachte, kam ihr fremd vor. Aber sie war hier schonmal aufgewacht und das war erst... vor kurzem.

Langsam schob sie den Ärmel ihres Jogginanzuges wieder nach unten und betrachtete ihre Füße. Sie fühlte sich nicht wirklich erfrischt von diesem Schläfchen, aber sie nahm ihre Umgebung wieder schärfer wahr und ließ sie neugierig umhersehen.

Es war, als wäre da noch etwas in diesem Raum. Etwas, dass sie nicht sehen, ertasten oder riechen konnte, aber es war irgendwie da und sie spürte es. Hätte sie gewusst, was sie konnte und hätte sie gewusst, was das alles bedeutete, dann hätte sie vielleicht eine Idee gehabt. Doch im Moment war da nur dieses Gefühl, nun da ihre Mutation ausgeruht war und empfindlicher auf ihre Umgebung reagieren konnte.

Nur hatte weder sie noch Dreamer eine Ahnung, was sie tun oder suchen sollten und so blieb nur das ungewisse Gefühl, dass sie beobachtet wurde zurück.

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