Das X-odus Forum befindet sich derzeit in einer Pause.
Für all Diejenigen, die ihre Charaktere bis zum Wiederbeginn
nicht ruhen lassen wollen, empfiehlt die SL euch
diese Seite.
Wir wünschen unseren fleissigen Usern viel Spass
auf der neuen Plattform und hoffen
euch alle in alter Frische und mit dem gleichen Elan
bald auch wieder an dieser Stelle begrüssen zu können.
Wer mochte glauben, dass vor einigen Tagen hier ihr Nachwuchs durchgefallen war? Sie trug diesen gerade mitsamt Scott durch die Tür hindurch, als auch schon das Licht anfing zu flackern, bevor es sich endgültig damit beschäftigte den Raum zu fluten. Die Scherben waren weggeräumt, aber in der Tapete befanden sich noch kleine Löcher von deren Einschlägen, die das Licht sogar beinahe sichtbar machte.
„Wir sind da“, flüsterte sie ihm zu und ließ ihn frei. Der Raum war zugestellt genug, dass er sich zur Not selbst vom Bett zur Dusche hinüber hangeln konnte. Jean wollte ihrerseits erst einmal raus aus ihren Schuhen, die voll von Schlamm waren.
Scott würde ihr schon Bescheid sagen, wenn er Hilfe brauchte, dass wusste sie und stellte die Stiefel vor die Tür, wo sie trocknen müssten.
Ehrlich gesagt bemerkte er die Löcher in der Tapete überhaupt nicht, aber das lag daran, dass seine Aufmerksamkeit auch irgendwie auf anderen Dingen lag. Er sah sich nur kurz um, aber wenn nur eine Woche vergangen war, würde sich hier nicht allzu viel geändert haben. Was Nathan anbelangte würde er sich später noch mit Jean darüber unterhalten können. Wer war eigentlich Isis? Aber das hatte jetzt noch Zeit.
Er löste sich von ihr, wechselte den Visor gegen seine Ersatzbrille ein und ging allein hinüber ins Bad, wo er sich erst mal eine recht lange Dusche gönnte. Er wusste noch nicht, ob er das Plaid zur Erinnerungn aufheben (eigentlich war das alles wie ein anderes Leben gewesen) oder schlichtweg verbrennen würde, er wickelte sich schließlich einfach ein Handtuch um die Hüfte und wischte über den beschlagenen Spiegel, während er sich rasierte.
Sogar das Rasieren war seltsam... einfach. Er konnte selbst nicht beurteilen, ob er älter aussah. Scott zog die Klinge über die Wange, während die Betäubung allmählich abklang. Besonders angenehm war es nicht, aber so wusste er wenigstens, dass er wirklich noch lebte. Sobald er Zeit hatte, würde er sich die Haare wieder schneiden lassen, doch jetzt band er sie einfach noch einmal zurück.
Ob sich Jean schon fragte, wo er abgeblieben war? Scott hatte etwa eine Stunde im Bad verbracht, ehe er endlich wieder ins Zimmer trat. Geduscht und rasiert sah er dann doch noch einmal ganz anders aus. War jetzt Zeit für ein Gespräch? Am besten, er zog erst mal den Schrank auf und sah hinein. Aber das war dann vielleicht doch keine so gute Idee gewesen, denn damit präsentierte er ihr seinen vernarbten Rücken, so dass er sich wieder zu ihr umwandte.
Jean blickte von ihrem Buch auf, dass sie sich geschnappt hatte, nachdem klar war, dass Scott ausgiebiger duschen würde. Der Rücken lehnte an einem aufgestellten Kissen und die Füße waren unter der Tagesdecke verschwunden. Rasiert und frisch geduscht, sah er schon wieder mehr nach Scott aus, auch wenn sich da ein paar Sorgenfalten in seinem Gesicht festgesetzt hatten, die ihn älter aussehen ließen. Menschen verändern sich nur, wenn man sie längere Zeit nicht gesehen hatte, oder?
Wie er neben dem Schrank stand, sah er noch besorgter aus, so dass sie das Buch letztendlich zuschlug und wieder zurück auf den Nachttisch legte. „Was liegt dir denn auf dem Herzen, Scott?“ Sie hatte sich in der Zwischenzeit einen bequemen Rock und einen Pullover angezogen, wobei ihre nackten Beine unter der Decke verschwunden waren.
Auf dem Herzen haben… ja, das war wohl eine nicht ganz unpassende Formulierung. Scott streckte den Arm aus und fischte sich seine Pyjamahose aus dem Schrank (ein Handgriff, der irgendwie immer noch ziemlich automatisch war). Bevor er zu ihr ans Bett kam, zog er sich diese erstmal an und schmiss das Handtuch durch die offene Badezimmertür auf die Fliesen. Das war ein Handgriff, der wohl nicht voll und ganz zu Scott Summers passte, aber Jean sollte sich nicht darum kümmern, denn er hatte ihr andere Dinge zu sagen, die wichtiger waren. Er setzte sich neben sie und dachte darüber nach, wie er anfangen wollte.
„Ich war tatsächlich viereinhalb Jahre fort, Jean. Und… vor etwa einem Monat habe ich geheiratet.“
Ja, und gleich würde er Fotos herumzeigen. Das alles hörte sich einfach nur schonungslos an, aber er wusste nicht, wie er es sonst sagen sollte. Er veränderte die Sitzposition ein wenig, damit er sie besser ansehen konnte.
„Ich wollte sie mitnehmen, aber… irgendetwas hat sie nicht durch das Siegel gehen lassen. Ich weiß nicht, warum sie es nicht geschafft hat. Letztlich ist sie einfach zurück geblieben. Das…“
…war jetzt genug.
Er sollte ihr die Geschichte von Anfang an erzählen.
Aber über genau dieses Ende grübelte er. Noch immer war er gedanklich dort vor diesem Siegel, eigentlich war er noch gar nicht wirklich hier angekommen. Scott hatte das noch gar nicht realisiert, auch wenn er es Jean nun erzählte. Ob es Seonaid gut ging? Er hätte nicht ohne sie gehen sollen… er hatte sein Versprechen nicht halten können und Versagen war etwas, das Scott überhaupt nicht ertragen konnte. Er hatte eine Pause gemacht, bis ihm auffiel, dass Jean noch immer kommentarlos schwieg.
„Eine Weile lebte ich im Kloster… im Institut. Ich hatte meine Brille auf, als ich durch das Siegel gegangen bin – sie wurde bei dieser Zeitreise zerstört, so dass ich erst einmal überhaupt keine Orientierung hatte. Ich wusste nicht, wo ich mich befand oder was überhaupt passiert war. Ein kleiner Junge namens Iain führte mich in dieses Kloster und die Mönche nahmen sich meiner an, weil sie glaubten, dass ich blind und hilfsbedürftig war. Ich lebte und ich betete mit ihnen, aber ich aß nicht mit ihnen. Man brachte mir mein Essen zu den Mahlzeiten in meine Zelle. Da war dieses Mädchen, die nie etwas sprach und mir des Öfteren das Essen brachte. Ich habe nie herausgefunden, warum sie Seonaid im Kloster behielten wie eine Gefangene. Der Papst persönlich hat sie in dieses Kloster am Ende der Welt geschickt und ich nehme an, dass sie seine illegitime Tochter war, aber sie hat nie wirklich darüber gesprochen. Immerhin konnte ich sie dazu bewegen, ab und an mit mir zu reden, denn die Mönche sprachen entweder Latein oder Gälisch und ich verstand sie nicht. Seonaid hat mir Gälisch beigebracht und ich selbst entwendete immer wieder Schriftrollen aus der Bibliothek, um heraus zu finden, wo ich war. Sie hat sie mir nachts vorgelesen, aber wir hatten auch einen Mönch, der mit dem Gänsekiel recht kräftig aufdrückte, so dass ich einige Worte wie eine Blindenschrift lesen konnte und nach Jahreszahlen suchte. Irgendwann las ich dann von Robert the Bruce und wusste ungefähr… wann ich war. Ich konnte es anfangs gar nicht glauben.“
Wieder machte er eine Pause. Jean konnte immer wieder einige Bilder sehen, die sich ihm bei seiner Erzählung auftaten. Er verbarg sie nicht vor ihr, sie unterstützten seine Erzählung lediglich, auch wenn sie die Dinge sah, die sich Scotts Fantasie zusammen gebastelt hatte, da er nichts wirklich gesehen hatte, sondern von seiner Vorstellungskraft anhand seines Tastsinns Bilder erschaffen hatte.
„Sie fanden heraus, dass ich mit ihr sprach und Schriftrollen entwendete. Einer der Mönche glaubte die Hölle unter meinen Lidern zu sehen. Vielleicht hatte ich die Augen im Schlaf einmal nicht fest genug geschlossen, ich weiß es nicht. Aber sie lehrten mich, was es hieß, in Zeiten der Inquisition zu leben. Die Freundlichkeit wandelte sich in Angst und ich muss dir nicht sagen, zu was Menschen fähig sind, wenn sie Furcht verspüren. Ich glaube, sie nahmen wirklich an, dass ich der Teufel bin, um ihre Jungfrau zum Bösen zu verführen. Leider habe ich wider Erwarten alles ertragen, damit sie ihr nichts taten, aber das ließ sie nur annehmen, dass ich wirklich der Teufel bin, der gegen Schmerz resistent ist. Wahrscheinlich wäre ich dort unten in den Kellern gestorben… lange hätte es gewiss nicht mehr gedauert, wenn Seonaid mich nicht gefunden hätte. Diese Kellerräume sind noch verschachtelter als wir sie heute kennen. Es sind lange Gänge, die labyrinthartig angeordnet sind. Manche führen nirgendwo hin.“
Allmählich machte sich seine Wunde bemerkbar, so dass er sich schließlich hinlegte und kurz die Augen schloss. Das alles wollte sie bestimmt nicht hören, aber er musste ihr das jetzt erzählen. Wie immer sie auch reagieren würde, er würde es akzeptieren. Am Rande fiel ihm auf, dass das Bett einfach viel zu weich war.
„Iains Familie hat uns aufgenommen. Sie lebten in einem Dorf, der dem Kloster nicht allzu fern ist, aber doch nicht so nahe, dass die Mönche Seonaid dort finden und sie zurück schleppen würden. Die Gottesmänner verließen das Kloster bis auf einen oder zwei niemals, so dass uns Zeit blieb. Wir haben noch einige Male versucht, dieses Siegel im Kloster zu finden, aber es war nahezu unmöglich, wenn man den Weg nicht kennt.“
Er griff erneut nach ihrer Hand.
„Ich lebte in zwei Welten, Jean. In einer, die wie ein Traum war und in einer anderen, die zu einem Traum geworden war. Aber das Leben dort war schließlich alles andere als ein Traum, es war sehr hart. Du bist dort nichts… als Fremder hast du es schwer, auch wenn sie dich aufnehmen, aber sie sind misstrauisch. Dein Wort zählt nichts, wenn du… dich nicht in die Gesellschaft dort einfügst. Wenn du nicht Teil dieser Gesellschaft wirst… heiratest, Kinder hast, die dir und dem Dorf nützlich sind. Ein Mann allein weckt Misstrauen und wenn er noch so blind ist. Aber nicht nur ich habe von ihnen gelernt… the Alders hörten sogar hin und wieder auf meinen Rat, aber wie das kam, ist wieder eine andere Geschichte.“
Wieder eine längere Pause, in der er sie einfach nur ansah. Er hatte zwar nicht gesagt, wer Iain war, aber in seinen Gedanken war es dennoch heraus zu lesen, dass es sich um Vorfahren der McNaras handelte.
„Glaub’ nicht, dass ich dich oder Nathan vergessen hätte. Das habe ich nie. Aber irgendwann musste ich mich entscheiden. Die Zukunft wurde zu meiner Vergangenheit und die Vergangenheit zu meiner Gegenwart… ich musste irgendwie weitermachen, Jean. Sie wusste fast von Anfang an von dir…denn am Anfang war es am schlimmsten.“
Seine Stimme war ein wenig dunkler geworden.
Dunkler und leiser.
Entweder er war nun müde oder nachdenklich geworden.
Robert the Bruce? Eine andere Frau? Vor einem Monat hatte er geheiratet und wollte sie mitbringen? Irgendwann in seiner Erzählung hatte sie angefangen die Stirn zu runzeln, aber sie hörte ihm weiterhin still zu und ließ die Eindrücke auf sich einrieseln, welche Scott ihr als Untermalung seiner Geschichte zusandte. Das alles konnte sie sich gar nicht vorstellen, während hier ein paar Tage vergangen waren, hatte er dort viereinhalb Jahre zugebracht? Nicht gerade leichter Tobak und sie musste einige Mal schwer schlucken, als er so von seinen Erlebnissen erzählte. Es sprudelte einfach aus ihm heraus und ihr legte sich ein schwerer Kloß in den Hals, der zunehmend auf ihre Atmung drückte.
Irgendwann, als seine Stimme zunehmend tiefer und leiser geworden war, war sie zu ihm herüber gekrabbelt, hatte seinen Kopf auf ihren Schoß gebettet und ihm über die Stirn gestreichelt. Seine Haut war warm, wohl auch vom ungewohnten Rasieren. Ihre Finger glitten über die neuen Sorgenfalten zwischen seinen Augenbrauen und der Stirn. „Du...“, sie schluckte, weil ihre Stimme für einen kurzen Moment versagte. „Hast du sie geliebt?“ Vor allem, was wollte er mit ihr machen, nachdem er sie mitgebracht hatte? Auch eine Frage, die sie nicht vor ihm verbarg, im Gegensatz zu dem seltsamen Gefühl in ihrer Magengegend.
Sie antwortete nicht darauf. Darüber nachdenken sollte sie und sie würde es tun. Ihm das Haar aus der Stirn streichend, küsste sie ihn vorsichtig, bevor sie ihm zuflüsterte: „Versuch zu Schlafen Darling.“ Es war seltsam, in ihr schrie etwas und ihr Drang nach einem langen Spaziergang wurde immer größer. Jeans Furcht, wenn sie ihn hier allein zurück lassen würde, dass er dann erneut verschwinden könnte, war groß. Aber sie ertrug Scotts Gedanken an diese andere Frau einfach nicht, noch nicht. Wollte sie das?
„Ich sehe noch einmal nach Nathan“, fügte sie noch hinzu, bevor sie sich von ihm löste und vom Bett kletterte. Wie er da so lag, die Brille, das Licht der Nachttischlampe auf seinem Gesicht, hätte man meinen können, es wären keine vier Jahre zwischen ihnen. Woher sollte sie auch wissen, dass er so lange ausgeharrt hatte? Im Moment schwirrten ihr viel zu viele Gedanken im Kopf herum und sie würde einfach nicht mit ihnen einschlafen können.
An der Tür, sie hatte sich eine leichte Strickjacke übergeworfen, sah sie noch einmal zurück zu ihm. Scott sollte versuchen zu schlafen, sie wäre ja bald zurück. So oder so ähnlich waren auch ihre Gedanken, die er noch aufschnappen könnte, bevor sie die Türklinke herunter drückte und auf den Flur hinaus verschwand.
Nathan, war er noch hier? Wie sollte er zurück in seine Zeit kommen? Scott verheiratet? Nun eine Vernunftehe kam ihr gar nicht so schlimm vor, aber war es eine ? Tot oder nicht tot, das machte doch keinen Unterschied. Eine enge Beziehung war doch bisher immer der Grundstein für eine Ehe gewesen. Das alles verwirrte sie zu sehr, viel zu sehr.
Es versetzte ihr einen Stich, auch nur einen Moment daran zu denken, was gewesen wäre, wäre seine Frau... wäre diese Frau mitgekommen. Dann wäre er doch immer noch verheiratet, oder nicht? Nathan wäre trotz dieser gefährlichen Reise, nicht in einer intakten Familie groß geworden. Wie musste es ihm nur gehen, wenn er das wusste? Wusste er es? Sie hatte vor lauter Aufregung keine Gelegenheit gehabt ihn zu fragen. Sie musste ihn einfach finden...
Er blieb zurück.
Scott wusste, dass es nicht einfach für sie war, das zu erfahren. Er hatte die Augen geschlossen, als sie ihn geküsst hatte. Er öffnete sie auch nicht, als sie zu ihm zurück sah. Sie hatte anders als Nathan reagiert und er wusste nicht, was nun besser war. Wenn sie wütend auf ihn geworden wäre oder so wie nun, dass sie es mit sich selbst ausmachte, so dass er nicht wusste, was sie dachte.
Sobald sie draußen war schien ihm das Zimmer ungewöhnlich still und leer, aber er war zu müde, um es als störend zu empfinden. Alles, das störend war, war das weiche Bett, so dass er das Kissen griff und aufstand, um sich daneben auf den Boden hinzulegen. Eine Vernunftehe? Das war es nicht gewesen und es war gut, dass sie für eine Weile ging, auch wenn er sie im ersten Moment davon hatte abhalten wollen. Aber er musste selbst erst einmal darüber nachdenken.