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auf der neuen Plattform und hoffen
euch alle in alter Frische und mit dem gleichen Elan
bald auch wieder an dieser Stelle begrüssen zu können.
Er hatte Noemie eine gute Nacht gewünscht und war in sein Gästezimmer gegangen, das man ihm zu Verfügung gestellt hatte. Natürlich hatte auch er erst einmal geduscht, wenngleich er längst nicht so lange gebraucht hatte. Ahm... dafür hatte er sich schon vor ein paar Tagen in Scotts Kleiderschrank bedient, wenn Jean ihn also nun in Scotts Hosen herum rennen sah, dann... sollte sie einfach mal darüber hinweg sehen.
Was er über die ganze Sache dachte? Er wusste noch gar nicht, dass Seonaid nicht hier war. Aber er hatte noch keinen Kontakt zu Jean aufgenommen, denn das mussten die Drei allein klären. Er war genauso wenig Empath wie Jean und ehrlich gesagt war er heilfroh darum, sonst wäre die Sache am Siegel vielleicht anders ausgegangen. Er wusste nicht, was die Zukunft brachte, denn im Moment hinterfragte er sie nicht, auch wenn er das Gefühl hatte, dass er sich gar nicht an Seonaid erinnern konnte. War sie gestorben, bevor er alt genug dazu war?
Er setzte sich auf das Bett und ließ den Blick schweifen. Es war egal, er konnte nichts mehr für seine Mutter machen. Das lag von nun an alles an seinem Vater, er hatte geschafft, was er hatte erreichen wollen, jetzt musste er sich Gedanken um Noemies und seine Heimreise machen. Aber dann spürte er, dass seine Mutter auf dem Weg zu ihm war und sein Blick fiel auf die Tür des Gästezimmers, die er mit einem leisen Knacken einfach öffnete ohne dabei aufgestanden zu sein. Es war eine Einladung an sie, dass sie einfach reinkommen sollte.
Er erhob sich, blieb aber stehen.
Ihre Gedanken konnte er nicht richtig definieren, sie wusste wahrscheinlich selbst nicht, was sie denken sollte. Wollte sie nun von ihm einen Rat? Nathan wünschte, es wäre alles anders gekommen. Aber vielleicht konnte er sie ein wenig trösten.
Eine Weile stand sie einfach so im dunklen Flur, sie war immer noch barfuss, aber das bemerkte sie gar nicht, so sehr schwirrte ihr der Kopf. Das leise Klicken eines Schlosses holte sie zurück und ihr Blick fiel auf den Lichtschein, der sich wie ein Schwert in die Dunkelheit brach. Ein Schwert...
Sie sah sich selbst, wie sie auf diesen Lichtpfeil zuging, dieser Pfeil, der sie durch die Dunkelheit leitete.
Sie sah sich, wie sie ihre Hand an das Holz der Tür legte und diese weiter aufschob, bis sie Nathan dahinter erblickte.
Er war ihr Führer durch diese Dunkelheit.
Mehr als ein leichtes Lächeln zeigte sich nicht auf ihren Gesicht, als sie in sein Zimmer eintrat, die Tür hinter sich schloss und sich mit dem Rücken dagegen lehnte.
Er konnte in sie hinein sehen, vielleicht auch, weil er sie nicht näher hätte kennen können. Eine ganze Weile sah sie ihn an, ihre Mimik irgendwo zwischen Wut und Trauer eingefroren. Jean konnte nichts sagen, sie wusste nicht was, wo oder überhaupt fiel es ihr schwer. Die Bilder des Gespräches, sie mochten ihr anzusehen sein, aber Nathan konnte sie nur zu genau sehen. Scott hatte jemanden dort, den er mitbringen wollte. Er hatte es versprochen, aber es hatte nicht funktioniert.
Sie wusste nicht einmal, ob sie sich freuen sollte. Schließlich hatte sie die Schuld empfunden, die Scott empfunden hatte, als ihm klar war, dass er sein Versprechen gebrochen hatte.
Ihre Brauen zuckten, aber mehr konnte Nathan nicht sehen, denn sie hatte sich ihm bereits in die Arme geworfen, wo sie hemmungslos zu Schluchzen anfing.
Seonaid war also nicht mitgekommen. Darum hatte sich keine Erinnerung als jene bereits vorhandene eingesellt, auch wenn ein komisches Gefühl blieb. So ein Gefühl, dass sich seine Vergangenheit erst selbst wieder konstruierte. Es war kein besonders gutes Gefühl, denn er kam sich so vor, als hätte er einen Unfall gehabt, bei dem Teile seines Gedächtnisses einfach gelöscht worden waren und sich nur allmählich wieder zusammen fügten. Als sie im Zimmer stand, streckte er den Arm nach ihr aus. Er wartete, bis sie die Distanz von selbst überbrückte, aber er wusste, dass sie näher kommen würde, so sehr hatte sie sich in den letzten Jahrzehnten nicht verändert.
Er sah die Bilder, die sich ihr während Scotts Erzählung aufgetan hatten, sie unternahm schließlich nichts, sie vor ihm zu verbergen. Das Schuldgefühl blieb bei Nathan jedoch aus oder erreichte ihn nur in sehr abgeschwächter Form, da er zwar mit seiner Mutter, aber nicht mit seinem Vater in dieser Weise verbunden war. Nathan selbst lächelte nicht, denn er hatte die gleiche Wut wie sie in sich gehabt. Aber Seonaid war nicht hier, vielleicht würde doch alles so werden, wie er geglaubt hatte. Er musste sich an dieses Grillfest im Institut erinnern. Vor ein paar Tagen hatte er Jean diese Erinnerung geschickt, um sie aufzumuntern. Nathan und Noemie waren damals etwa 14 oder 15 Jahre alt gewesen. Sein Vater gehörte jetzt mit in diese Erinnerung, was zuvor nicht der Fall gewesen war. Und doch war dieses Erlebnis noch immer bruchstückhaft, er wusste nur, dass alle dabei gewesen waren. Jeans Entscheidungen in den nächsten Tagen würden ihm die vollständige Erinnerung zurück bringen.
Aber gleichgültig, wie es weitergehen würde, Nathan blieb ihr schließlich erhalten. Er hatte sie früher schon getröstet, er würde es auch weiterhin tun (sah man mal davon ab, dass er noch gar nicht geboren war). Schließlich hatte sie die letzten Schritte hinter sich gebracht und er zog sie an sich. „Es tut mir leid, Mum“, flüsterte er und setzte sich mit ihr auf das Bett, um sie eine Weile weinen zu lassen. Es stand außer Frage, dass er zu seiner Mutter halten würde, so dass ihre Tränen erneute Wut aufkommen ließen. Ja, er war Scotts Sohn und nicht sein Richter, aber genau das gab ihm das Recht, sich sein eigenes Urteil darüber zu bilden. Und er fühlte sich im Moment verraten. Wie mochte es seiner Mutter da erst gehen? Er hatte Seonaid zwar nie richtig kennen gelernt, aber er fühlte keinerlei Schuld, dass sie nicht hier war. Nein, eigentlich war es… Erleichterung. Ein Gefühl, das eigentlich gar nicht zu ihm passte.
Er wollte sie fragen, was sie nun vorhatte, aber das wusste sie wohl selbst noch gar nicht so genau, also blieb er einfach stumm mit ihr sitzen.
Es dauerte eine Weile, bis sich der Stress der letzten Tage sich endlich gelegt hatte und sie sich allmählich wieder fing. Sie musste furchtbar aussehen, wo alles im ersten Moment so gut ausgesehen hatte, stand sie nun vor einem Abgrund, den vier Jahre langsam aber stetig zwischen sie und Scott gemeißelt hatte. Und während sie ihre Stirn an Nathans Schulter lehnte, kam ihr dieses Bild zunehmend in den Sinn.
Aber es war nicht nur Nathans Wut, die sie mehr und mehr zu spüren begann. Je ruhiger sie wurde, umso intensiver wurde das Unverständnis, welches sich gegen die Bilder und Gefühle von Scott in ihr zu wehren begann. Jean löste sich von ihrem Sohn und wischte sich über die Wangen. Abwehrend schüttelte sie den Kopf, es war nicht seine Schuld und es war nicht an ihm, sich zu entschuldigen.
Die Gewissheit, dass diese Frau nicht mitgekommen war, beruhigte sie und es half ihr die Schuldgefühle ihres Verlobten aus ihrem Geist zu verdrängen. Ihre Augen suchten Nathans, die ihren eigenen so ähnlich sahen. Sie würde ihn nicht fragen, was sie tun sollte, denn es lag allein an ihr und Scott, ob und wie sie weitermachen sollten.
Er hatte es gewusst, nicht wahr? Und ebenso kamen ihr dunkel Kommentare und Gedanken der Anderen in die Erinnerung, die sie vor lauter Aufregung nur am Rande mitbekommen hatte. Das Team hatte sie gesehen, sie war dabei gewesen, sie hatte einfach nicht durchdringen können. Ihr Kopf begann schon wieder zu schwirren und sie musste einen Großteil dieser letzten Stunden zurück drängen, um nicht noch schwächer zu werden.
Jean griff nach Nathans Hand und strich vorsichtig darüber. Ihr Blick heftete sich auf den silbernen Ring an ihrer rechten Hand. „Wie geht es euch? Ist Isis OK?“ Schließlich blieb bei all dem Chaos immer noch die Frage, wie ihr Sohn und seine Gefährtin in ihre eigene Realität zurück finden sollten.
Sie musste sich darum keine Gedanken machen, denn Nathan hätte es auch sehr leicht in den Köpfen der anderen lesen können, als sie auf Scott und die Schülerinnen gestoßen waren, aber seine eigene Anspannung und Erschöpfung hatte es ebenso verhindert. Es waren einfach zu viele Einflüsse gewesen, als dass er gleich auf die Frau geachtet hätte, die Scott begleitet hatte. Er hatte seinen Vater zum ersten Mal bewusst gesehen und da war diese Fremde nicht sonderlich wichtig erschienen.
Nun ja, vielleicht musste er sich nicht für die Fehler (waren es Fehler? Er konnte es gar nicht so genau sagen, denn er kannte all die Umstände nicht wirklich, um es beurteilen zu können) seines Vaters entschuldigen, aber er selbst hatte sich das alles auch irgendwie anders vorgestellt und vielleicht empfand er diese Mission für seinen Teil doch als nicht gänzlich erfolgreich abgeschlossen, so wie Noemie es ihm einreden wollte. Es mochte auch sein, dass er von dieser unerwarteten Wendung einfach etwas enttäuscht war.
Und genau darum war es notwendig, dass er noch einmal mit seinem Vater sprach. Schließlich strich er seiner Mutter ein paar Haarsträhnen zurück und musterte sie. "Ich denke, dass alles wieder gut wird, Jean." Ob die Tonlage nun der seines Vaters glich, konnte er nicht so direkt sagen, aber er hatte es nicht bewusst so gesagt. Er drückte ihre Hand einen Moment und antwortete: "Ja, uns geht es gut. Isis ist wie ihr..." Aber er brach ab und schmunzelte nur kurz. Wahrscheinlich hatte sie es in seinen Gedanken ohnehin gelesen, aber er führte es nicht weiter aus. "Und wie geht es Dad?"
Sie betrachtete Nathan und wischte sich noch einmal über die Wange, bevor sie seine Hand erneut streichelte. „Scott schläft... oder versucht es zumindest“, beantwortete sie seine Frage. „Es war eine anstrengende Reise. Besser du gehst auch bald ins Bett.“ Sie umarmte ihn noch einmal und diese ungewöhnliche Bindung, die von Anfang an zwischen ihnen bestanden hatte, fühlte sich zunehmend natürlicher an. Ein erneuter Kuss auf seine Wange folgte, der sich in seiner eigenen Zeit in einen liebevollen Kuss auf die Stirn verwandeln würde. „Schlaf gut. Ich sehe dich morgen“, fügte sie an und war schon dabei sich zu erheben und würde er nicht noch unbedingt etwas loswerden wollen, würde Jean sich von ihm zur Tür begleiten lassen.
Nein, er hatte für heute nichts mehr zu sagen, so dass er sie lediglich an die Tür brachte. Für ihn war diese Bindung zu seiner Mutter schon immer vorhanden gewesen, weshalb er gleich zu Anfang recht vertraut ihr gegenüber gewesen war, auch wenn es für die junge Jean natürlich recht ungewöhnlich gewesen sein musste. Allmählich schien sie das aber abzulegen und der Mutter, die er kannte, ähnlicher zu werden, was ihn leicht schmunzeln ließ. Vor 10 Jahren hätte er dieses Verhätscheln noch abgelehnt, aber er war immerhin kein pubertärer Junge mehr, so dass es ihm jetzt nur noch ein Lächeln entlockte.
Auch er strich ihr kurz über die Wange, als sie bei der Tür angelangt waren. "Gute Nacht, Mum." Sie wusste ja, dass sie ihn immer behelligen konnte, wenn es ihr nicht gut ging, oder? Egal, zu welcher Tages- oder Nachtzeit. Aber das war ja bei allen X-odus irgendwie so.