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Mein Name ist Deon, Deon George, ehemaliger Lehrer für Mutanten? Wieso ehemalig? Hört zu, schweigt und genießt, oder auch nicht. Geboren wurde ich am 19 Februar, um 4:43 PM in einem Krankenhaus in Glasgow. Ein kleines schreiendes Balg, dennoch liebevoll in die Arme genommen von meinem Vater Victor und plötzlich herrschte Stille. Er hatte schon damals eine sehr beruhigende Ader, etwas – was mich als Baby schon anzog und faszinierte. Meine Mutter sah fast schmollend drein, war dann aber doch noch glücklich, als ich in ihre Arme kam. Ihr Name – Chelsia. Ich war ihr Wunschkind, ihr absolutes Wunschkind, sie wollten nur eines haben und einen Jungen und hey, ich bin einer geworden! Geschwister? Nein, ich würde also nie welche haben und genoss die Vorzüge eines Einzelkindes. Meine Kindheit war eigentlich recht „erholsam“ und entspannend.
Ich fing damals schon mit 5 Jahren an, Sport zutreiben, ob nun schwimmen oder doch leichtes Muskeltraining, dabei half mir mein Vater. Ach ja bevor ich es vergesse, mein Vater ist im Logistikbereich tätig und meine Mutter ist eine echte Krankenschwester. Ich muss zwar heute sagen, der Beruf ist echt ein Knochenjob, aber sie konnte mich immer sofort verarzten. Die Schulzeit war relativ angenehm, man weiß ja wie Kinder sind. Ärgern, stänkern, rumalbern, mal die Schule schwänzen. Die Zeit verging, es passierte nichts Außergewöhnliches. Ich machte weiter mit meinem Training, bekam einen Hund namens Josh, ein Schäferhund, genoss noch immer das Leben als Einzelkind, war dennoch kein Außenseiter.
Nur eines erschütterte mein sonst so gutes und unbeschwertes Leben. Ich war gerade mal 14, welch ein Alter? Ich war mit meiner Mutter im Supermarkt einkaufen, langweilig ohne Ende, aber dieses Mal, sollte es nicht langweilig werden. Warum musste ich auch schon unbedingt an der Kasse stehen? Wie aus den Filmen hörte man dieses klassische „Hände hoch, das ist ein Überfall“. Ob „Kinder“ das so registrieren? Ja, eindeutig, mit diesem Alter schon, sie wissen wenn Gefahr droht. Ein maskierter Mann, diese standardartige schwarze „Strumpfhose“ über den Kopf gezogen, eine Waffe in der linken Hand und er machte einen ziemlich kompletten Eindruck, dennoch war er kein schwabbelndes Molekül, sondern besaß auch irgendwo versteckt Muskeln. Und warum gerade zum Teufel, musste er meine Mutter haben? Meine Mutter! Ich sah die Angst in ihren groß aufgerissenen Augen, ich sah die schnelle Atmung, konnte fast den Schlag des Herzens hören, wie es vor Angst zitterte und unkontrolliert pochte.
Ich glaubte sogar zusehen, wie das Blut durch die Venen und Adern schießt. Und irgendetwas in mir, veränderte sich, irgendetwas erhob sich in meinem Inneren, rebellierte und übernahm ein Eigenleben. Der Mann ließ die Waffe fallen, sah dabei selbst geschockt und erstaunt aus. Seine Augen wurden weiter, größer, angsterfüllter, er verstand nicht. Ich in diesem Moment – aber auch nicht. Irgendwann, war er vollkommen gelähmt, lag auf dem Boden und rührte sich nicht mehr. Meine Mutter nahm mich in den Arm, drückte mich, ich hörte sie leise schluchzen. Wenige Minuten später stand auch die Polizei auf der Matte und schaute ebenfalls nicht schlecht. Man konnte mit dem Mann nicht mehr viel anfangen, er war gelähmt, nicht einmal reden konnte er, ein Pflegefall für die Ewigkeit.
Ich hatte zwar bemerkt, dass diese Ausnahmesituation etwas in mir wach gerufen hatte, so wie ein Tier was erwacht um Jagen zugehen, ich hatte in meinem Unterbewusstsein Blut geleckt. Meine Mutter hatte nicht bemerkt, dass ich diese schlimme Tat angerichtet habe. Ich habe einen Menschen zugrunde gerichtet, aber dafür meine Mutter gerettet. Abends am Tisch saß ich wie benommen da, das Gesicht meiner Eltern verzogen vor Sorge. Ich fing ganz leise an zusprechen, teilte meine Vermutungen mit, die Augen meiner Eltern – es traf mich sehr tief, dieser Irrglaube, diese Enttäuschung, dieses Mitleid, konnte ich nicht ertragen. Doch was tut man nicht Alles, um seine Eltern glücklich zumachen? Ich lächelte, erhob mich dann vom Tisch und packte meine Sachen. Die Kinder in der Schule erzählten immer lachend von den Mutanten, diesen armen Schweinen.
Nein sie erzählten nicht wirklich lachend, sondern immer mit ein wenig Angst und sie sahen dabei so angewidert aus. Meine Eltern verstanden meine Aktion nicht. Sie waren im ersten Moment zwar geschockt gewesen, aber schließlich war ich ihr Kind, sie wollten zu mir stehen. Erstaunlich ist, wie ein junges Kind schon solch eine Selbstständigkeit übernehmen kann, denn ich entschied mich, zu einer Schule zugehen, wo Mutanten ihre Fähigkeiten entwickeln, verfeinern können, und lernen – mit ihnen umzugehen. Ich versprach meinen Eltern aber, mit ihnen in Kontakt zubleiben und bat sie darum, niemanden etwas von meinem Geheimnis zu erzählen. Bis heute sogar noch, halten sie dicht.
An der neuen Schule war wirklich Alles fremd, so viele „magische“ Kinder mit unterschiedlichen Fähigkeiten, so viele Mutationen. Ich lernte dort auch gleich den Oberboss kennen, der mich in eine Klasse steckte, die „geistige“ Manipulation vornehmen. Die Lehrerin war besonders hübsch, sie hatte eisblaues, fast weißes Haar, dafür glasklare grüne Augen, einen Körper, der jedem jungen Mann den Atem verschlug. Ihr Name : Francesca, ein schöner italienischer Name, dennoch konnte sie fließend Englisch, bzw. auch Schottisch. Bei ihr lernte ich, meine Fähigkeiten zu kontrollieren, zusteuern, zu verbessern. Ich dachte damals, ich kann einen Menschen nur lähmen, sie zeigte mir, dass ich ihn schlafen lassen kann und wenn ich will – kann ich ihn dadurch beeinflussen.
In der Schule lernte ich noch jemand interessantes kennen, ihr Name : Rebecca, sie war ebenfalls ein Mutant, sie konnte sich unsichtbar machen, manchmal war es unheimlich, weil sie mich auf den Arm nahm, aber irgendwie fühlte ich mich zu ihr hingezogen. Mittlerweile war ich 20, sie gerade mal 18 und ich – ich konnte mich schon Referendar schimpfen. Ich konnte also Lehrer werden, aber irgendwie reizte mich die Schule nicht mehr. Ich war nun 4 Jahre hier, hatte kaum noch Kontakt zu meinen Eltern, wie es meinem Hund ging, weiß ich gar nicht – vielleicht ist er schon gestorben. Ich brauchte unbedingt einen Tapetenwechsel. Ich entschied mich, Rebecca mit zunehmen und mich in Amerika als „Lehrer“ zu bewerben. Francesca ließ ihre Kontakte spielen, schickte mich mit Rebecca nach Amerika (Seattle). Dort unterrichtete ich nun auch. Ein junger Lehrer, dennoch irgendwie ehrgeizig und liebenswert. Tja, was Rebecca anging, ich heiratete sie, ich liebte sie wahnsinnig, abgöttisch, sie war ein lebensfroher, glücklicher Mensch, der mit seiner Art mich verzauberte. Irgendwo war sie auch noch wie ein Kind, was beschützt werden musste, in ihren Augen spiegelte sich die Unschuld wieder, aber auch die Frechheit.
Ich dachte kaum noch an meine Eltern, Josh, mein Hund, war sicherlich auch schon tot, meine Freunde dort drüben – auch „tot“. Ich trieb zwischen meinen Lehrstunden Sport, ging schwimmen oder trainierte meine Muskeln. Die jungen Mutanten waren anstrengend, war ich damals auch so? Sie waren noch so unwissend und wollten sich immer in den Vordergrund drängeln, schrecklich. Man musste sie manchmal in die Schranken weisen, schnell und gezielt. Wer nicht hören wollte, musste eben schmerzenvoll spüren. Mittlerweile war ich 22, Rebecca 20, sie erwartete ein Kind, sie war gerade im 7 Monat, es sollte ein Mädchen werden, was sie sich schon immer gewünscht hatte, und ich – ich war ebenfalls vorfreudig gestimmt. Rebecca hatte ihre Kraft ebenfalls kontrolliert, sie war reifer geworden, sie hatte gelernt, mit meiner Hilfe, aber auch mit der Hilfe der anderen Lehrkörper. Ich war damals ein sehr lebensfroher junger Mensch, ich dachte und glaubte an das Gute in der Welt, auch wenn es Mutanten gab, aber diese waren für mich, zum damaligen Zeitpunkt eigentlich recht friedlich und solange es diese schulischen Einrichtungen gab, hatte ich keine Befürchtungen. Weder vor einem Krieg zwischen Menschen und Mutanten, noch vor einem Krieg unter den Mutanten. Doch auch ich bin nicht unfehlbar, ich muss auch noch soviel lernen und es geschah das, was mein Leben vollkommen änderte.
Ich war eines Nachts mit Rebecca in Seattle unterwegs, wir wollten uns eigentlich vergnügen, bzw. wir wollten uns einfach mal wieder ein wenig Freizeit gönnen, nur für uns beide. Doch so sollte es nicht kommen. Vor einer Bank brannte es und meine Sinne sagten mir : Halt an! Ich hielt an, stieg aus, Rebecca blieb im Wagen. Ich schaute mich um. Feuerwehr und Polizei waren schon da, nur .. irgendetwas stimmte hier nicht, irgendetwas stimmte hier gewaltig nicht. Ich sah Eis und Feuer, bemerkte heftigen Wind und registrierte Blitze. Es waren Mutanten, ganz eindeutig! Und sie raubten eine Bank aus. Es waren 4 junge „Männer“, gerade mal 17 Jahre alt, ihre Kräfte konnten sie gerade so beherrschen. Sie nutzten ihre Gabe, um eine Bank aus zurauben?! Ich versuchte natürlich, dieses Desaster in Ordnung zubringen, versuchte mit dem Jugendlichen zureden, ihnen zuhelfen – sie wollten aber nicht hören und ein unglücklicher Zufall brachte es fertig, dass bei einem beschädigten Auto, was in der Nähe stand, dass Benzin Richtung Rebecca floss, unter den Wagen hindurch. Ich hatte es nicht wirklich registriert, doch die Explosion die erfolgte, machte mir das Chaos deutlich. Mein Wagen „sprang“ in die Luft, fing einfach Feuer, deutliches Feuer, das Glas schepperte. Die Feuerwehrleute versuchten das Feuer am Wagen zulöschen, sie schafften es auch, aber es war zu spät. Ich erkannte Rebecca, sie war zwar noch am Leben, aber vollkommen entstellt, mit schwerwiegenden Verletzungen.
Ich hielt ihre Hand, schnitt mich dabei noch selbst, Blut vermischte sich. Ich erkannte das bizarre verzerrte Lächeln ihrerseits, es war ein schrecklicher Augenblick. Sie wollte noch etwas sagen, aber es gelang ihr nicht, dafür war sie zu schwach, ich verlor sie in dieser Nacht, durch junge Mutanten, die in ihrem Inneren „böse“ waren. Doch ich ließ sie nicht davon kommen, in meiner Rage, in meinem Zorn, erlitten sie eine komplette Lähmung. Einem nach dem anderen zog ich mit mir, meine Muskeln waren angespannt und zeigte ihnen meine tote Frau, schrie sie an, ließ meinen Zorn und meiner Wut, sowie meiner Trauer freien Lauf. Ich wollte und konnte der Feuerwehr, der Polizei nicht Rede und Antwort stehen, sondern informierte einen anderen Lehrkörper, Keith Lehnty, der mit mir die Jugendliche „bestrafte“. Ich übergab der Schule die 4 Mutanten, erzählte was passierte und bat – sie zu Rechenschaft zuziehen. Was mit ihnen passiert, das war mir egal, ob sie leben oder sterben, das war mir auch egal. Hauptsache sie sind nicht mehr in der Lage, solch ein Desaster an zurichten. Für mich war das Leben irgendwo sinnlos geworden, Frau und ungeborenes Kind verloren und mein Glaube wurde ebenfalls erschüttert. Ich entschied mich erst einmal zu meiner Familie zurück zukehren, um dort zu entspannen und meine Eltern wieder zusehen, zureden und vielleicht entschließ ich mich, wieder an eine Schule zurück zukehren, aber nicht als Lehrer, oder Referendar, sondern als einfacher Bewohner. Ich flog also wieder zurück nach Glasgow, besuchte meine Eltern und dachte darüber nach, wie ich das Leben von vorne beginne. Den Ehering trag ich noch bis heute und als Andenken an Frau und Kind, bekam meine rechte Schulter ein Tattoo.
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