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Dieses Thema hat 13 Antworten
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Dinand Offline

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Beiträge: 66

21.05.2006 20:02
[18.12.] Always on my mind (abends) Antworten
Er konnte es nicht erklären wie er sich einem Land so verbunden fühlen konnte obwohl es nicht sein Heimatland war. Besagte nicht irgendein Werbespot, dass das Zuhause immer dort war wo das Herz sich heimisch fühlte. So abgedrochen es auch klingen mochte es passte perfekt auf Dinand.

Er war hier her gekommen, nicht viel anders als die Jungen und Mädchen der Schule. Er war ebenso verängstigt gewesen wie sie. Dinand war auch genauso ratlos und hilflos gewesen. Geschockt über sich selbst. Ängste hatten nichts mit dem Alter zutun, dass hatte er nun begriffen. Er war ein erwachsener Mann und er wachte jeden Morgen mit der Angst auf, sein Leben wie es jetzt war könnte nur ein Traum sein. Er war nach Schottland gekommen um sich zu verstecken, sich in Selbstmitleid zu baden und seine Wunden zu lecken, er war aber nicht darauf vorbereitet was er hier stattdessen gefunden hatte.

Er hatte Rohey, ihren Kindern und seiner neuen Liebe so unendlich viel zu verdanken.. Nach dem Vorfall in Spanien hatte er ernsthaft geglaubt niemals die Musik in sich wieder zu finden und nun hatte er nicht nur ein neues Album aufgenommen, er konnte an seine Musik wieder glauben und endlich kam sie wieder direkt aus seinem Herzen. Das Leben war wieder schön und er wollte einfach jeden Augenblick festhalten und ihn für immer in seine Seele brennen. Mit einem schmunzeln dachte er an das bereits abgedrehte Musikvideo. Zwar hatte Dinand die vollständige Fassung noch nicht gesehen, aber er war zuversichtlich dass dieses Video, wie sein neues Album und seine erste Singleauskopplung ihn wieder zurück ins Musikerleben einlud. Er wollte kein Geld, er wollte keine Schlagzeilen. Er wollte mit seinen Texten etwas aussagen und ihm war es auch vollkommen egal ob er in einem ausverkauften Stadion spielte oder in einem kleinen Schülerkreis. Es ging einzig und allein um die Musik und die damit verbundene Liebe.

Dass er zu seinem Fotoshooting die mächtige Kulisse der Highlands gewählt hatte und ihn diesem Ausblick bescherte, ließ ihn die Eiseskälte beinahe vergessen. Noch immer konnte er sich an solche Dinge wie stundenlanges herum stehen und in die Kamera lächeln nicht gewöhnen, aber es gehörte nun mal dazu. Er war froh als der ganze Trouble beendet war und er war noch viel froher, dass er abermals die Motocrossmaschiene vom Verleih aus der Stadt hatte ausborgen können. Für ihn war es die reinste Wonne sich auf durch die zugeschneiten Pfade zu schlängeln, höher, schneller, breiter, die Gefahr in unmittelbarer Nähe.

Sein Aufenthalt hier in Schottland war beinahe vorbei. Vielleicht war er deswegen vom Anblick der zugeschneiten Highlands auch so berührt. Er stand auf einer kleinen Anhöhe und sog die klare Luft tief in die Lungen. Er war seltsam berührt von dem Land und seiner bewegenden Geschichte, aber noch mehr war er von den Schotten angetan. Ein Menschenschlag die sich nun mal nicht unterkriegen ließen. Manchmal wünschte er sich, er hätte diese Eigenschaft auch. Sich von nichts und niemandem unterkriegen zu lassen.

Am Fuß der kleinen Erhebung hatte er seine Maschine stehen gelassen und war hier herauf gestiegen. Schon immer hatte er den knirschenden Schnee unter seinen Füßen gemocht. Automatisch fischte er nach einer Zigarette aus seiner Jackentasche und sah auf die Uhr ehe er die Zigarette entzündete. Er war pünktlich bei den Ruinen, dem verabredeten Treffpunkt. Fehlte nur noch Einer. Er konnte der Verlockung nicht widerstehen nach der verwitterten Fassade der alten Kapelle zu fassen und sich auszumalen wie diese Ruine mal ausgesehen haben konnte. Hatte sie viele Hochzeiten erlebt? Viele Kindtaufen? Beerdigungen?

So ein Ausblick verleitete dazu die vergangenen Tage Revue passieren zu lassen, während er nebenbei tief inhalierte. Dinand hatte so gut es ging gelernt mit seiner Gabe umzugehen und würde die Übungen beherzigen die Rohey ihm nahe gelegt hatte. Er verließ Schottland mit einem weinenden Auge. Er hatte hier viele neue Freunde gefunden und Rohey und die Kinder waren ihm die größte Stütze gewesen. Er dachte an die kauzigen Schüler und er dachte an die Gewöhnungsbedürftigen Lehrer. Er würde sie alle vermissen, aber das wichtigste, dass was seinem Leben den Namen zurückgegeben hatte…das nahm er mit sich. Für ihn war klar, dass er eines Tages zurückkommen würde. Vielleicht sogar für immer.

Rat Offline

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Beiträge: 41

21.05.2006 20:04
[18.12.] Always on my mind (abends) Antworten
Der Wahnsinn hatte nun viele Gesichter und eines davon spiegelte sich deutlich in Rats Zügen wider. Dazu kam, dass sich seine Wut nicht gelegt hatte - im Gegenteil. Die Wunden, die er davon getragen hatte, waren schon wieder verschwunden, aber der Hass auf dieses Mutantenpack war geblieben. Das Mädchen gehörte ihm und er würde sich das, was ihm zustand, von nichts und niemandem nehmen lassen. Nicht dass Rat um das Wohl der Kleinen besorgt war - er hasste Kinder. Er betrachtete Seana nicht als lebendes Objekt, sie war schlichtweg sein Eigentum, das man ihm gestohlen hatte.

Und er wollte es wiederhaben. Wahrscheinlich spielte er mit dem Gedanken, in ihr etwas zu erschaffen, das die Fähigkeit seiner Illusionen noch weit überstieg. Er wollte sie zu etwas machen, das vielleicht sogar fähig war, ihn selbst zu besiegen. Aber das musste man nicht verstehen, denn Wahnsinn war immer etwas, das man nicht rational erklären sollte. Im Moment kochte in ihm blinde Zerstörungswut und er war drauf und dran einfach in dieses Institut einzudringen und sich eine blutige Spur zu bahnen, bis er das Mädchen wieder hatte.

Rat war nicht durch die Portaltür in die Kapelle gekommen, sondern durch die eingestürzte Seite vorne im Chorraum. Ein Stück des Daches fehlte dieser zerfallenen Kapelle ohnehin, so dass es dort auf die Stufen zum Altar hinauf hinein schneite. Er stieß eine Atemwolke aus und wanderte durch die Gestühlreihen, während sich zwei Raben auf das offene Fensterbrett eines zerschlagenen Rundfensters setzten und ihm dabei zusahen. Es dauerte nicht lange und sie flogen auf, um auf Rats ausgestrecken Arm zu landen. Er streichelte ihnen fast schon liebevoll über die Federn, so dass man nicht annehmen sollte, dass Mordlust in seinen eiskalten Augen funkelte.

Aber dann bewegte sich die Portaltür und sein Kopf ruckte in jene Richtung. Die Raben flogen wieder auf und auch Rat verschwand im Schatten einer Rundsäule. Man mochte es wohl einfach nur Pech nennen, dass Dinand zu einem falschen Zeitpunkt an den falschen Ort gekommen war, denn Rat kannte den Sänger nicht. Es war ihm auch vollkommen egal, wer er war... er durfte jetzt allerdings ausbaden, was ihm die O'Reillys gestohlen hatten. Und zwar im eigenen Blut.

Leise schnappten die Klingen auf, die er am inneren Handgelenk trug. Sein Kopf senkte sich leicht, während er Dinand fixierte und darauf wartete, dass er noch ein klein wenig näher kam. Vielleicht wirkte er in diesem Moment aufgrund seiner Kleidung selbst wie ein Schatten, als er hinter der Säule hervorschoß und Dinand dabei zwei tiefe Schnitte über den Oberkörper zog. Er hoffte darauf, dass sich der andere trotz allem noch wehrte und er seine Wut ein wenig abreagieren konnte. Zwei Schritte von ihm entfernt blieb er stehen und starrte ihn an. Klirrend eisige Augen, in denen ein kaltes Feuer loderte, das nur einen Namen hatte: Tod.

Dinand Offline

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Beiträge: 66

21.05.2006 20:12
[18.12.] Always on my mind (abends) Antworten
Heimliche Küsse in einer verfallenen Kapelle auszutauschen war vermutlich das wovon jedes romantische Herz träumte und Dinand konnte von sich behaupten, dass er ein ziemlich romantisches Herz hatte.

Allerdings machte er nun die Erfahrung, dass romantische Träume genauso schnell zerplatzen konnten wie sie gesponnen wurden.

Es war die Schnelligkeit des Fremden die Dinand nicht hatte reagieren lassen können und es war die Überraschung die sich in Schock wandelte, dass er noch immer dort stand und wie in Zeitlupe seine Hand hob um seine Brust zu betasten die seltsam brannte. Ungläubig betrachtete er seine Fingerspitzen an denen sein Blut klebte. Wie konnte er bluten wenn er gar keine Schmerzen hatte?

„Was machst du denn da?“ Hörte er sich fragen während sein Blut in kürzester Zeit seine Kleidung tränkte und diesen metallischen Geruch hinterließ. Erst dann kam Dinand die Erkenntnis, dass der Andere ihn angegriffen hatte und er wäre nicht Dinand wenn er so was auf sich sitzen lassen würde.

Er hielt auf ihn zu, ratlos darüber das seine Knie zitterten und ihm der Atem in der Brust rasselte. Mit der Kraft die er aufbieten konnte hieb er mit der Faust in Rats Gesicht.

Noch war er nicht bereit die Wahrheit zu erkennen.

Rat Offline

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Beiträge: 41

21.05.2006 20:18
[18.12.] Always on my mind (abends) Antworten
"Du kommst gerade richtig... ich bin ein klein wenig wütend." Ja, was machte er denn da, hm? Nach was sah es denn aus? Er veranstaltete einen Bastelkreis für Fünfjährige! Sah Dinand das nicht?? Rat bastelte sich gerade einen Sandsack! Viel mit Romantik hatte das nicht zutun, wohl eher etwas mit Rohmantik.

Rat bewegte sich kein Stück, als Dinand auf ihn zuhielt und ihm ins Gesicht schlug. Dinand traf auch mit voller Wucht, so dass irgendwas bei Rat knackste. Aber sein Kopf ruckte lediglich einen Moment zur Seite und er spuckte Blut, ehe er ihn irre angrinste. Es war beinahe eine Einladung, noch einmal zuzuschlagen. Aber dann kam Rat einen Schritt auf Dinand zu und packte seinen Hals. Wenn jemand einem anderen das Genick brechen konnte, dann war es auf jeden Fall Rat. Es war nur eine kleine Drehung und der Gegner war tot. Aber Rat würde es Dinand nicht so einfach machen, er würde ihn schlichtweg verbluten lassen. Er würde ausbluten wie ein Schwein.

Und darum hieb er ihm noch einmal die Klingen zwischen die Rippen. Er sah ihm dabei direkt in die Augen und drückte sie mit einem Ruck noch tiefer ins Fleisch. Rat wartete darauf, dass Dinand Blut spuckte, so wie er ihm die Klingen gerade in die Eingeweide trieb und sie mit einem weiteren Stoß hochzog. Er wollte den Schmerz in Dinands Gesicht sehen. Vielleicht auch das Erstaunen und die Erkenntnis, dass er hier und jetzt schlichtweg vor Rat verrecken würde wie ein geschlachtetes Vieh. War das nicht Wahnsinn?

Ja.

Dinand Offline

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Beiträge: 66

21.05.2006 20:21
[18.12.] Always on my mind (abends) Antworten
Und dann schlug hm die Wahrheit verhöhnend ins Gesicht.

Seltsamerweise tat das erstechen nicht so weh wie man es sich vorstellen würde. Das lag am Adrenalin im Blut und vielleicht konnte Dinand sich ja auch in den letzten Minuten noch vormachen, dass er besonders tapfer war.

Er hatte die klammen Finger in Rats Schulter gebohrt und versuchte aufrecht stehen zu bleiben, dass war nicht so einfach wenn man verblutete und so knickten ihm einfach die Beine fort. Rat bekam den Schmerz in Dinands Augen nicht zu sehen, aber die Angst und den Schock.

Es hieß es gab vier Phasen in denen man trauerte, ob es für das Sterben auch so was gab? Dinand für seinen Teil übersprang die Phase in dem er es verleugnete, dass er hier in dieser romantischen Kapelle ausblutete. Die Phase die aus hervorbrechenden Emotionen bestand übersprang er ebenfalls. Es lag nicht daran, dass er sonderlich Tapfer sein wollte sondern einfach daran, dass der Tod ihn schon umklammert hielt und an ihm zerrte. Er ging gleich zur letzen Phase über indem er akzeptierte, dass er sterben würde und es für ihn einfach keine Rettung mehr gab.

Er wartete vergebens auf das Licht am Ende des Tunnels, dafür kam ihm nur Einer in den Sinn. Mit seinem Gesicht vor dem geistigen Auge brach das Leben aus ihm heraus wie das Blut aus seinem Körper schoss.

Wollte ihm Rat nicht die bekannten letzten Worte gönnen? Dinand bäumte sich ein letztes Mal auf und wo seine Stimme im Leben immer das einprägsamste gewesen war, so behielt er das im Sterben bei. Er hustete und keuchte und ein ganzer Schwall Blut ergoss sich aus seinem Mund.

„Sie werden dich finden. Er wird dich finden. Sie werden dich jagen und dich töten und mich rächen.“

Mit dieser Gewissheit wurde Dinand von Krämpfen geschüttelt und sein letzter Wunsch wäre es gewesen, wenigstens noch einmal sein Gesicht zu sehen, aber im Herzen….da nahm er ihn mit.

Da brachen seine Augen und er erschlaffte.

Er war in dieser romantischen Kapelle gestorben

Rat Offline

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Beiträge: 41

21.05.2006 20:26
[18.12.] Always on my mind (abends) Antworten
Oh Mann, konnte man noch größere Scheiße reden als dieser Typ? Ja klar, sie würden ihn finden und töten und so weiter und so fort... die sollten s ich hinten anstellen! Am besten eine Karte ziehen, sie wurden dann schon aufgerufen. Schade, Rat sah den Schmerz nicht... aber irgendwie war es immer das gleiche mit den Sterbenden. Sie wollten es einfach nicht begreifen. Sollte er Dinand verraten, wie oft er schon gestorben war? Ganze drei Mal in seinem Leben. Das war nicht viel, aber jedes Mal blieb doch irgendwas auf der Strecke. Vielleicht war es ein Teil seines Verstandes.

Ja natürlich, Rache. Die Klingen glitten zurück und hielten Dinand nicht mehr fest, so dass er zu Boden sinken konnte. Sein Kopf stieß gegen Rats Knie und er kickte ihn angewidert zur Seite, so dass Dinand auf die Treppen zum Altar fiel. Boah, jetzt hatte ihm Dinand auch noch seine Hose versaut. Blöder Pisser. Rat wollte sich gerade abwenden und die Kapelle verlassen, als sich die Tür von neuem öffnete. Das war ja wie beim Henker. Der nächste bitte!

Nolan Ford Offline

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Beiträge: 81

21.05.2006 20:34
[18.12.] Always on my mind (abends) Antworten
„Dinand? Bist du schon da?“

Ein Musikvideo in den Ruinen einer Kapelle? Nolan konnte sich jedenfalls vorstellen, dass Dinand von dieser Ruine begeistert war und gleich noch einmal ein Video hier drehte. Nolan konnte nicht viel damit anfangen, aber der Sänger wollte ja zum Jahresanfang schon wieder mit seinem neuen Album zurück sein – nach seinem plötzlichen Zurückzug aus der Branche. Sie hatten sich den Ort hier anschauen wollen, aber ehrlich gesagt fand es Nolan hier schon wieder viel zu kalt, als er durch den offenen Torbogen in die Kapelle trat. Vorne im Altarbereich war das Dach irgendwann mal eingestürzt und jetzt stoben vereinzelte Schneeflocken hinein. Es hatte den Anschein, als hätte Gott den sakralen Bereich von dem der Gestühlreihen der Gemeinde getrennt, aber Nolan war so wenig gläubig, dass ihn sein Gedanke schon fast erstaunte.

„Dinand?“

Seine Schritte hallten leise auf dem Steinboden, als hinter ihm irgendetwas aufstob und Nolan sich umsah. Aber es waren nur zwei Raben, die auf die offenen Fensterrahmen gesprungen waren und krächzten. Nolan nahm seine Zigarettenschachtel aus der Innentasche seiner Jacke, während er sie noch beobachtete. „Verpisst euch, na los!“ Drecksviecher. Er wandte sich wieder der Apsis zu und ging weiter. Gerade hatte er das Feuerzeug zutage gefördert, als er das Blut auf dem Altarstein bemerkte und regelrecht erstarrte.

Mit einem dumpfen Aufprall fiel das Feuerzeug zu Boden und zersprang in seine Einzelteile. Und genau so wie dieses Feuerzeug zersprang, zerschellte in diesem Moment noch etwas anderes. Er nahm auch die Zigarette wieder aus dem Mund, während sich etwas seiner bemächtigte, das ihm die Kehle zuschnürte. Wie er letztlich zum Altar gekommen war, wusste er nicht mehr, aber Dinand blutend auf den Treppensteinen liegen zu sehen, raubte ihm derart den Verstand, dass er es auch nicht mehr wissen musste. Das war ein Traum, nicht wahr? Ein Albtraum, der mit seinen Ängsten spielte und ihm seine Schwächen vor Augen hielt.

Gott richtet über die Sünder.

„Dinand…“ Nolan sank neben ihm nieder und zog ihn zu sich hoch. Überall war Blut, er fühlte es an den Händen, er saß in seinem Blut.

Und Gott bestraft sie für ihre Verfehlungen.

„Non. Non… Dieu. Non. Réveille!“ Er schüttelte ihn, er zog ihn an sich, er wiegte ihn. Wieder sprach er Französisch. Wach auf, Dinand, wach endlich auf, verlangte er. Gott bestrafte für seine Verfehlungen? Aber Dinand hatte nichts getan!!

Aber du.

„Réveille! Réveille!!“

Da war kein Puls mehr.

Nolan Ford Offline

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Beiträge: 81

21.05.2006 20:47
[18.12.] Always on my mind (abends) Antworten
Vengeance. Oder für Rat auch auf Italienisch: Vendetta.

Ja, irgendwann würde er an Rache denken. Aber nicht in diesem Moment, denn Rat konnte nicht verstehen, was in Nolan vorging. Er fiel in rasender Geschwindigkeit, doch da gab es keinen Boden, auf dem er zerschellen und dem Ganzen ein Ende bereiten konnte. Es war brechende Dunkelheit, die sich um ihn gelegt hatte und nicht mehr atmen ließ. In diesem Moment war nichts mehr präsent außer abgrundtiefe Verzweiflung, die ihn gefangen hielt und keinen rationalen Gedanken mehr zuließ. Noch war da keine Wut, nur der Schmerz über einen Verlust, den er noch immer nicht verstand. Oder verstehen wollte. Nicht annehmen wollte, da er einfach zu tief ging, zu schwer wog? Er war Arzt, natürlich wusste er, wenn ein Mensch tot war und er wusste auch, welche Phasen die Hinterbliebenen durchliefen. Aber es war etwas anderes, wenn man selbst davon betroffen war… betroffen, getroffen, zerschmettert und doch verendend weiterlebend. Es gab keine Worte, mit denen sich beschreiben ließ, welch übermächtiger Schmerz ihn gefangen hielt und niederrang.

"Mein Name ist nicht Ford. Ich heiße Nolan van Bakker", antwortete er leise. Und es war erstaunlich, dass er ihm überhaupt Antwort gab, denn eigentlich hatte er gar nicht gehört, was Rat gesagt hatte. Aber vielleicht war es auch nur ein kurzer Geistesblitz, der ihn dies murmeln ließ.

"Gott!!!" brüllte er schließlich hervor, so dass es sich wie Donnergrollen anhörte und von den Mauersteinen widerhallte. Draußen auf den Bäumen ringsum stoben die Vögel auf, so dass ein kurzes Rauschen zu hören war. Heißer Atem stieg in schweren Wolken in die eiskalte Luft, aber er erstickte gerade an seinem Schmerz und nichts und niemand existierte sonst noch, während er seine Finger in Dinands Blut verkrustetes Haar krallte und ihm Tränen über die Wangen rannen, die ihm genauso unbewusst waren wie Rats Anwesenheit. Nichts, das der andere in diesem Augenblick sagte, kam bei Nolan in irgendeiner Weise an. Niemand wusste, was ihm Dinand bedeutet hatte. Niemand konnte es nachvollziehen und niemand würde je verstehen, wie leicht es doch gewesen war, Nolan von jetzt auf gleich so vollkommen zu brechen und ihn um jeglichen Sinn zu berauben. Er starb mit Dinand. Er hörte die Worte des Holländers noch immer in Gedanken und konnte es einfach nicht begreifen. Fassungslosigkeit in all seinen Facetten. Da war kein Halt mehr. Rasend und gleichzeitig heillos abdriftend. Kopflos. Verstummend. Leidend… von jetzt an zügellos.

Und dann geschah etwas Seltsames. Es war nicht mehr Dinands Stimme, die er in Gedanken hörte. Für einen kurzen Moment war es eine andere. Zu den erdrückenden und dumpfen Schmerzen, die sich auf seine düstere Seele gelegt hatten, gesellte sich nun auch ein körperlicher, der ihn im wahrsten Sinne des Wortes zu zerbersten drohte. Seine Jacke zerriss hörbar, als zwei mächtige Schwingen unter seinen Schulterblättern heraus brachen und mit einer beinahe schon warmen Windböe zu voller Größe aufschwangen. Jeder Flügel trug eine gewaltige Spannweite von über 3 Metern und für den Moment des Erscheinens waren die überwiegend weißen Federn gespreizt, ehe sie ihren Platz auf dem Flügel fanden. Ab und an war eine etwas dunklere Feder zu erkennen, so als wäre Nolans Seele nicht gänzlich… rein. Wenn Rat überrascht darüber war, so war es Nolan nicht minder. Was war das jetzt für eine beschissene Mutation?! Und warum brach sie ausgerechnet JETZT hervor? Aber seltsamerweise war es nicht der Begriff Mutation, der in seinem Kopf widerhallte, sondern: Geburt.

Und diesmal schluchzte er wie ein kleines Kind, das von einem Elternteil zum anderen gezerrt wurde und selbst nicht wusste, wo es stand. Er war um das beraubt, das ihm gezeigt hatte, wer er war. Wieder drückte er Dinand verzweifelt an sich, obwohl er wusste, dass der Körper nur noch eine leere Hülle war. Die Schwingen legten sich wie ein Schutzschild um den Leichnam, wobei sich einige Federn rot verfärbten, Dinand und Nolan jedoch beinahe darunter verschwinden ließen. Abgeschottet von der Außenwelt. Abgeschottet von der Wahrheit… und dem Wahnsinn doch so nah.

Nolan Ford Offline

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Beiträge: 81

21.05.2006 21:01
[18.12.] Always on my mind (abends) Antworten
Hatten sie es gewusst? War es wirklich Nolans Schuld, dass sie Dinand getötet hatten? Wie hatten sie es nur wissen können? Wie hatte Rat es nur wissen können? Von Scale? Oder war es einfach nur Zufall gewesen, dass Rat auf Dinand gestoßen war und er seiner Wut wegen dem Mädchen Luft gemacht hatte? Alles Zufall…

Nolans Atem war schwer von Trauer und er ergab sich ihr vollkommen. Noch immer wiegte er den kühlen und leblosen Körper in seinen Armen und flehte ihn um Vergebung dafür an, dass er nicht da gewesen war. Lautlos fielen die Schneeflocken durch das offene Dach in den Altarraum und blieben in den Federn der schützenden Schwingen haften. Zu spät.

„Ich habe nicht die geringste Ahnung, wo wir sind! Super, du Navigationsgenie!“

„Mir passiert schon nichts.“

„Du willst doch nicht, dass wir es beenden, oder?“


Wie lange er dort mit ihm saß, wusste er nicht. Das Schlimme daran war, dass er nichts von dem, was in ihm vorging, irgendwie Ausdruck verleihen konnte. Aber vielleicht ging auch nichts mehr in ihm vor. Irgendwann glitten seine Flügel mit einem gewaltigen Geräusch auf, er hatte Dinand fester gepackt und schwang sich mit einem Ruck mit ihm in die Höhe, um diesem grauenhaften Ort durch das offene Dach zu entkommen. Alles, was zurück blieb, waren die dunklen Blutlachen auf den Steinen, die nur sehr langsam ins Mauerwerk sickerten oder aufgrund der Kälte zu Eis gefroren. Wie Nolans Gefühlsleben…

Sophie Belmont Offline

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Beiträge: 65

21.05.2006 21:42
[18.12.] Always on my mind (abends) Antworten
Es war eigentlich purer Zufall, dass Sophie an der Kapelle vorbeigekommen war... Sie streifte noch immer herum und versuchte sich das Institutsgelände einzuprägen... Es machte ihr Spaß, denn jedesmal entdeckte sie, so kam es ihr vor, ein neues kleines Geheimnis. Kirche intressierte sie nicht großartig, sie war nicht gläubig... Und auch niemand, der sich eine Kapelle nur der Architektur wegen angeguckt hätte... Aber von aussen mal schauen was sollte es. Sie kam viel zu spät um noch irgendetwas von dem ganzen Unheil mitzubekommen, aber rechtzeitig um ganz deutlich zu sehen, wie jemand mit schier riesigen Flügeln sich durch das Dach der Kapelle in die Lüfte erhob... Und er trug einen schlaffen Körper in den Armen ! Sophie kannte weder Nolan, noch hatte sie je Dinand gesehen... Aber DAS war ihrer Ansicht nach definitiv nicht normal.

Und so machte sie den elementaren Fehler, sich das ganze von unten her ansehen zu wollen und betrat die Kapelle...

Niemand war da.

Es noch nach Blut.

Da WAR Blut.

Die Erkenntnis, die sich langsam in ihr Bewusstsein schob, lies das stumme Mädchen erstarren. Der Mann mit den Flügeln... Er musste den anderen umgebracht oder schwer verletzt und dann fortgebracht haben...

Einfach so.

[W10 gewürfelt : Schaft es nicht sich zurück zu halten, weiteren W10 gewürfelt Schadenswirkung von 6]

Etwas klinkte sich in ihrem Verstand aus... Sie hatte Angst. Sie war geschockt und wusste nicht, was sie tun sollte... Und so öffnete sie den Mund und schrie...

Es war ein Ton wie nicht von dieser Welt. Ein schauriges Heulen, das in den Ohren schmerzte und zudem noch ein Gefühl verursachte, als wenn jemand über eine Tafel kratzte, nur hundertfach verstärkt.
Die beiden schmalen Kiemen an ihrem Hals hatten sich sichtbar geöffnet und liessen nun den unmenschlichen Ton erschallen...
Jemand der neben ihr gestanden hätte, wäre definitiv jetzt tot umgefallen und jemand in näherer Reichweite, innerhalb der Kapelle vermutlich ins Koma gefallen. Nolan mochte den Ton noch entfernt wahrnehmen, der wie eine heisse Nadel in seine Ohren stach, ihm aber nur leichte Kopfschmerzen bereiten würde... Ob nochjemand in Reichweite war wusste sie nicht... Sie schrie einfach, in jenem Moment hilflos, etwas anderes zu tun... Erst nach einigen Minuten hatte sie sich wieder soweit unter Kontrolle, dass sie den tödlichen Gesang abbrechen konnte... Die Chancen standen nicht schlecht, dass sie mittlerweile das halbe Institut auf sich aufmerksam gemacht hatte... Leute mit besonders empfindlichen Gehör würden das unangenehme Geräusch vermutlich sogar in der Schule noch wahrgenommen haben.

Einen Moment lang noch zögerte sie... Dann nahm sie die Beine in die Hand und rannte aus der Kapelle, als wäre der Teufel persönlich hinter ihr her.

Nightcrawler Offline

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21.05.2006 21:48
[18.12.] Always on my mind (abends) Antworten

Seine Schritte wurden von der weißen Decke aus eisiger Kälte verschluckt. Das Schneegeriesel der letzten Stunden hatte sich in einen angehenden Schneesturm verwandelt. Dicke wirbelnde Flocken wurden von dem böigen Wind hin und hergewirbelt.
Er schlug den Kragen seines Mantels höher. Eine vergebliche Aktion, wenn man bedachte, dass er dennoch Lücken ließ, in die das kalte Nass eindringen konnte.
Die Dunkelheit vor ihm war ruhig, genau das Richtige, was er an diesem Abend suchte. Wie immer würde er den späten Abend nutzen, um in seiner Kapelle - nichts anderes war es fast, denn kaum jemand verirrte sich außer ihm in den Trost dieses Bauwerkes - zu beten und die Stille zu finden, die er während des Tages im Institut nicht hatte. Die Kinder, die durch die Schule rannten, laut lachend oder sei es auch nur durch das Trampeln ihrer Schritte auf dem Fußboden, waren ungewohnt für ihn. Nein, ungewohnt war wohl der falsche Begriff, denn er war bereits bei Xavier mit den Schülern in Kontakt gekommen, aber nun, da er sich näher mit ihnen befasste und Kontakt zu ihnen suchte, kam er desöfteren in Gespräche und Situationen, die er früher nicht erlebt hatte.

Ein grauenhafter Schrei ließ ihn in seiner Bewegung erstarren. Ein furchtbarer Schmerz raste durch seinen Kopf und ließ ihn taumeln. Er stieß einen wimmernden Laut aus und fasste sich an den Kopf.
Erst, als es wieder still war, richtete er sich wieder auf. Der Schrei war von der Kapelle im Wald gekommen.
In solchen Situationen war ihm seine Mutation sehr willkommen.

Er tauchte vor der geschlossenen Kapellentür wieder auf. Die Fußabdrücke derjenigen, die zuvor hiergewesen waren, waren längst durch die neue Schneedecke verwischt. Seine gelben Augen ruhten auf der verschnörkelten Klinke, ein Überbleibsel aus der Zeit, in der Kirchen noch mit Prunk erbaut wurden.
Ein Lächeln legte sich um seinen Mund und ließ die Augen kurz aufblitzen. Sein Zuhause, Gotteshäuser waren immer sein Zuhause, auch wenn dieses hier bereits ein wenig verfallen war. Gott wohnte immer in den Bauten, die für ihn errichtet wurden.

Seine indigofarbene Hand, verdeckt durch einen löchrigen Handschuh, dessen dunkle blaue Farbe bereits leicht verwaschen war, drückte die Klinge herunter.

Niemand schien hier zu sein. War der Schrei womöglich aus einer anderen Richtung gekommen?

Seine Hand griff in die Innenseite seiner Manteltasche und förderte eine Streichholzschachtel , sowie eine Kerze zu Tage. Er entzündete sie. Ein einsames Licht in völliger Dunkelheit.
Er schluckte. Dieser Ort hatte doch etwas Trostloses. Es war eine Erkenntnis, die ihn erschütterte. Ein Haus Gottes war Schutz, Geborgenheit...das war es, was es bieten sollte, nicht Kälte und Finsternis. Oder gaukelte ihm seine Fantasie etwas vor, ausgelöst durch den Schrei?
Langsam ging er durch die alte Kapelle nach vorn.

Er leuchtete mit der Kerze in der Dunkelheit umher und erstarrte. Etwas Rotes schimmerte durch einen Teil des frischgefallenen Schnees. Etwas war dort auf den Steinen des Kapellenbodens. Dort, wo das Dach intakt geblieben war. Es sah aus wie.....BLUT?!?
Er stieß einen keuchenden Laut aus und kniete an der Stelle nieder. Mit den behandschuhten Händen wischte er den Schnee beiseite. Im Licht der Kerze bewahrheitete sich, was er vermutet hatte. Der gesamte Boden war voller Blut, halb gefrorenem Blut, verdeckt von einer feinen Decke aus Schnee.
Ein eisiger Schauer rieselte seinen Rücken hinab. Er betrachtete seinen Handschuh, auch daran klebte das rote Nass. Nicht mehr viel, aber dennoch etwas.
Hatte hier ein Kampf stattgefunden? War jemand verletzt und hatte hier Schutz gesucht?

"Gott...", seine Stimme war nicht mehr als ein Wispern, ein hilfloses Bitten an eine unbekannte Macht um Erkenntnis.
Nocheinmal suchten seine Augen den Boden ab. Dort war noch etwas...eine weiße Feder steckte im Schnee.
Er griff danach und starrte sie an. Weiß, die Farbe der Unschuld...und dennoch, Blut...inmitten einer Kirche.
Was war hier geschehen? Angst kroch in ihm empor, kalte, nackte Angst.

Scott Summers Offline

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Beiträge: 1.652

21.05.2006 21:58
[18.12.] Always on my mind (abends) Antworten
[Anmerkung: Noch immer scheint es zu Verwechslungen zu kommen. Es gibt zwei Kapellen auf dem Gelände. Eine direkt am Institut und die andere im Wald. Die im Wald ist bereits verfallen und das Dach ist zum Teil eingestürzt. Genau um diese Kapelle handelt es sich gerade.]

Nightcrawler Offline

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Beiträge: 163

21.05.2006 22:03
[18.12.] Always on my mind (abends) Antworten
[Hab den Fehler beim Schreiben selbst gemerkt. Wir sind sowieso gerade dabei das etwas abzuändern, weil Sophie schneller war, als ich]

Nightcrawler Offline

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Beiträge: 163

04.06.2006 13:06
[18.12.] Always on my mind (abends) Antworten
[vom Schulleiterzimmer wieder zurück]

Er hatte einen Zwischenstopp in der Reinigungskammer gemacht und Putzutensilien mitgenommen. Auch in seinem Zimmer war er noch einmal gewesen und hatte Kerzen und ein paar andere Dinge mitgenommen, die er in seine Tasche gesteckt hatte.

Nun tauchte er neben dem alten Altarstein wieder auf und stand einige Minuten einfach nur da. Mit gesenktem Kopf und betend. Seine Stimme war leise, nur ein Wispern im Schnee, der durch das Dach hereinrieselte.

Dann kniete er nieder und begann mit den Tuch das Blut wegzuwischen. Das Blut war mehr gefroren, als vorhin, aber den chemischen Mitteln, die im Putzzeug enthalten waren, konnte es nichts entgegensetzen.
In langsamen Bewegungen führten seine Hände die Bewegungen aus. Er selbst fragte sich die ganze Zeit über, wer der Unglückliche war, dessen Blut auf diesen Steinen gefroren war.

Als er fertig war, legte er den blutgetränkten Lappen neben sich auf die dunklen Platten.
Stumm holte er eine Kerze heraus und entzündete sie. Er stellte sie genau an der Stelle nieder, an der eben noch das Blut gewesen war.
Daneben legte er eine der weißen Federn, die herumlagen.
Er hatte keine Ahnung, welche Rolle die weiße Feder spielte und wem sie gehörte. Ihm viel der neue Junge ein, der mit den weißen Schwingen, war er am Ende verletzt?

Er bekreuzigte sich und begann noch einmal zu beten.

 Sprung