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auf der neuen Plattform und hoffen
euch alle in alter Frische und mit dem gleichen Elan
bald auch wieder an dieser Stelle begrüssen zu können.
...durch Flur und Zeit, es ist die Nomi, es ist schon wieder so weit.
Nein, im Ernst: Sie konnte Nathans Zickereien einfach nicht verstehen!
Zugegeben, sie hätte ihn vielleicht in der Küche nicht vor versammelter Mannschaft anblaffen sollen, aber sie hatte schliesslich auch nicht gewusst, dass er zwischen den Schülern gehockt hatte. Als wenn Nathan sowas öfter machen würde und sich nicht eher zurück zog - in ihrer Zeit eben.
Das so eine kleine Zeitreise ihren Mitschulbankdrücker so von innen nach aussen kehrte, konnte ja niemand ahnen!
Folglich hatte er nicht das geringste Recht nun mit ihr zickig zu sein - sie aber natürlich alles Recht der Welt, zickig mit ihm zu sein.
Ey, sie hatte den Darf-Schein gepachtet und war ihre komplette Schullaufbahn über als Miss Oberzickig des Inverness Institutes gekrönt worden.
Wie bitte, kam Mister Memento denn nun also plötzlich auf den Klopps er könnte einen auf Miss Isis machen?
Er war ausserdem weder im Diventum, noch im Schmollen auch nur annähernd so talentiert, wie sie es war. Er konnte also auch gleich den Versuch nach über 12 Stunden wieder aufgeben!
Sie hatten noch nie so lange eine Sendepause gehabt.
Weswegen Noemie sich auch gewisse Sorgen machte.
"Nathan?", inzwischen kannte scheinbar ohnehin jeder in dieser Zeit schon seinen Namen - selbst, wenn Jean sich also noch umentscheiden sollte, bei der Namenswahl, würde sie das wohl nicht mehr raus kriegen.
Zögernd hob sie die Hand an, aber anstatt anzuklopfen, legte sie lediglich die Hand flach auf den Türrahmen auf.
Funkstille.
Wie gut sie Jean nachempfinden konnte...
Komm schon, Nathan!
Als würde die Tür sich mit einem Mal in ein glühendes Eisen verwandeln, trat die schmale Gestalt aus dem Schatten zurück in die Mitte des Flures.
Sie würde sich nicht entschuldigen, nein.
Nathan sollte sich einfach mal wieder einkriegen - und wenn er das nicht tat, sollte er Pfeffer pflücken gehen!
Es ist die Nomi, es ist schon wieder soweit?!!
Genau... das musste sie mal mit Kassander ausdiskutieren. Wie konnte man den Erlkönig nur so verschandeln? Es hieß natürlich: Es ist der Vater mit seinem Kind!! Aber er war ja nicht hierher gekommen, um mit Noemie eine Literaturstunde abzuhalten.
Warum war er eigentlich hier hoch gekommen? Eigentlich hatte er doch in die Subs gehen wollen. Kassander kratzte sich am Hinterkopf und überlegte, was er hier oben hatte holen wollen. Aber er kam nicht mehr zur jovialen Erkenntnis, denn das Mädchen, das vor ihm auf dem Flur stand und eine Tür anstarrte, hatte er noch nie zuvor hier gesehen. Es gab zwar einige neue Schüler am Institut, aber irgendwie sah sie schon zu alt für eine Schülerin aus. Also... sie sollte das jetzt nicht falsch verstehen, sie sah natürlich NICHT alt aus... aus der Sache kam er nie wieder raus!
Sie erinnerte ihn irgendwie an jemanden. Und dass er gleich auf Ro kam, lag nicht allein an ihrer Hautfarbe. Kassander kniff die Augen ein wenig zusammen und rief sich ins Gedächtnis, was er noch von der letzten Sitzung im Briefing Room wusste. Hatte Jean nicht gesagt, dass zwei Leute aus der Zukunft hier waren? Sie hatten sich dem Team angeschlossen, das in die Vergangenheit gereist war. Der eine war mit ziemlicher Sicherheit Scotts Sohn.
Und wenn der junge Mann Scotts Sohn war... wer war sie dann? Sie war gewiss im gleichen Alter. Kassander trat zu ihr und blickte ebenfalls einen Moment auf die geschlossene Zimmertür.
"Rausgeschmissen worden?"
Sie sah Ro verdammt ähnlich.
Und wenn das der Fall war, dann... musste dieses Mädchen ihn kennen. Oder nicht? Oder würde er in einigen Jahren doch wieder einsamer Wolf spielen wollen? Aber er hatte Ororo ein Versprechen gegeben.
Ja, los, nur zu! Mit mir kann man es ja machen. Noch so ein dummes Kommentar und ich sag Mum...
Noemies Blick huschte zu der etwas verjüngten Ausführung Kassanders herüber.
Klar kannte sie ihn!
Wer kannte ihn nicht, den netten Mr. Burleigh?
Und er sollte ihr bloss mit Literatur vom Hals bleiben, dass hatte sie lange genug ertragen müssen.
Nein, falsch: Sie würde es noch lange genug ertragen müssen. Auch nicht richtig, sie in dieser Form nicht mehr. Die Nomi, die da noch kommen würde, für den Kassander, der hier vor ihr stand, die würde es noch lange...
Zeitreisen waren sowas von anstrengend!
"Hey", gab sie knapp und ziemlich unterkühlt von sich. Ihre Arme verschränkte sie vor der Brust und stierte düster Nathans Zimmertür an.
Leck mich am Arsch!
Durfte sie das so stehen lassen? Sie durfte! Sie war... aber das hatten wir ja bereits.
"Und selber?", erkundigte sie sich mehr schnodderig, als scheinbar wirklich interessiert. Sie lehnte sich mit der Schulter an die Wand und musterte Kassander mit einem seltsamen Blick.
Hatte er sich jetzt satt gesehen oder sollte sie hier noch ein bisschen stehen bleiben?
Sie konnte nicht verhindern über ihre eigenen Gedanken zu grinsen und wandte den Kopf entsprechend von ihm ab, in Richtung Teeküche. "Nen Kaffee?"
Warum sie sich benahm, als wäre sie hier Zuhause? Weil sie es war!
Den netten Mr. Burleigh?
Da stimmte irgendwas vorne und hinten nicht.
Zum einen war er nicht sonderlich nett und zum anderen... wenn sie wirklich Ororo's Tochter war, dann würde sie ihn gewiss nicht Mr. Burleigh nennen, oder? ...oder doch?
Auf jeden Fall schien sie nicht sonderlich gut bei Laune zu sein, so dass er sie vielleicht einfach in Ruhe lassen sollte. Allerdings hätte es ihn wirklich interessiert, wie... ach was, die Zukunft war uninteressant.
Und selber? Hatte er nach ihrem Befinden gefragt, das ohnehin mehr als offensichtlich war? Allmählich kam er zu dem Schluss, dass er das Institut doch irgendwann wieder verlassen hatte. Sie konnte nicht einmal ganze Sätze bilden! Das war gewiss NICHT sein Verdienst. Kassander hob eine Braue und erwiderte: "Ist bei der Reise in die Vergangenheit irgendetwas vorgefallen, das die Sprachgeschichte nachhaltig um Jahre zurück geworfen hat?"
Und wie es ihm ging, wollte sie ohnehin nicht wissen.
Er war Linguist, er konnte das deuten!
Aber einen Kaffee konnte er jetzt durchaus brauchen. Vielleicht fiel ihm dann auch wieder ein, was er hier oben gesucht hatte. Kassander nickte knapp und ging einfach schon mal vor. Instantkaffee konnte er ganz doll zubereiten, aber das meinte sie nicht, oder?
Sie hatte ihn gefragt.
Er setzte sich und ließ sie machen.
"Wie ist dein Name?"
Ja, wie hat dich Ro genannt? Das würde ihn wirklich mal interessieren. Ob er sich "satt" gesehen hatte? Ehrlich gesagt nein, denn er suchte irgendetwas, das sie als Genethicskind entlarvte.
Nnnnboah! Konnte er mal aufhören so überaus dämliche Fragen zu stellen?
Und es war ihr ja ohnehin klar gewesen, dass er die Frage mal so gar nicht raffen würde.
Er war eben Linguist und kein Mathematiker.
Er konnte 1 und 1 wohl nicht zusammen zählen.
Aber keine Angst, sie würde es ihm in naher Zukunft schon noch beibringen.
'Und selber' hatte nichts mit seinem Gemüts- oder Gesundheitszustand zu tun gehabt - es war lediglich eine Gegenfrage auf sein 'rausgeschmissen worden?'. Genau so sah er nämlich auch gerade aus, wenn sie ehrlich war.
In der Teeküche angekommen, stützte sie sich an der Kante der schmalen Küchenzeile auf und atmete erst einmal tief durch. Die Wut weg atmen, genau. Das tat sie hier. Und es war vermutlich auch die Wut auf Nathan, die ihre Arme so zittern liess, wie sie es gerade taten.
Sie beliess es dabei Kassander den Rücken zugewandt zu haben, als sie nach ihrer kleinen Verschnaufpause im Küchenschrank nach Bechern und Kaffee zu kramen begann.
Sie konnte nicht verhindern, dass sie genauso dämlich wie Nathan mit ihrer Herkunft hausieren ging. Oder? Nun gut, sie könnte jetzt einfach wild heraus rennen und sich für den Rest des Aufenthalts verstecken. Haha! Sehr lustig Idee, Noemie!
Sollte Finnja sie eben zur Sau machen, wenn sie wieder in ihrer Zeit waren.
Ob es Nathan ähnlich ging, wie ihr? Sie hatte den Namen Finnja zwar ganz eindeutig im Kopf, aber viele die Erinnerungen waren verschwommen, obwohl Noemie wusste, dass es sie eigentlich geben sollte. Als wenn Wasser über ein Bild rinnen und die Tusche langsam bis zur Unkenntlichkeit verlaufen lassen würde.
Und nicht nur diese Erinnerungen machten ihr zu schaffen, sondern auch der Rest ihrer Vergangenheit wurde mehr und mehr ausgewaschen, als wenn jemand ihr Leben einfach neu formatieren wollte.
Irgendwie schien dieser Gedanke Noemie wie ein Blitz zu treffen - welch passendes Bild bei ihrer Mutter, so dass sie den befüllten Löffel einfach auf die Tischplatte fallen liess. Das Kaffeepulver stob in einer kleinen Wolke auf und hatte auch keine Gelegenheit sich auf der Arbeitsfläche auszubreiten, denn schon wurde es weiter gerissen, als Nomi sich ziemlich schwunghaft zu Kassander umwandte.
Sie war ja nun wirklich nicht naiv, dass ihre Vergangenheit derzeit in Veränderung geraten war, war eindeutig Nathans und ihrem Eingriff in selbige zuzuschreiben.
Aber was, wenn...
"Noemie", gab sie unendlich leise zurück, nachdem sie die Frage nach ihrem Namen zu Anfang eigentlich einfach hatte ignorieren wollen. Im Gegensatz zu vielen anderen Menschen mochte sie ihren Namen wirklich gerne und es wäre eine Schande gewesen, wenn sie ihr einen anderen ausgesucht hätten.
Die Hand ausstreckend, fuhr sie Kassander mit dem Daumen über die rechte Augenbraue und die Wange hinab. Das Gefühl war ein anderes, ohne die beiden Narben, die er... Der Gedanke kam zu keinem Ende, viel mehr war sich Nomi nicht einmal mehr sicher, ob Kassander in der Zukunft diese Narben wirklich tragen würde.
"Dad..." Er sollte sich dieses Wort gut einprägen, denn sie würde ihm in der Zukunft ab und an bei weniger liebevollen Namen rufen und - wie jedes Kind - nur in Ausnahmesituationen zugeben, wieviel er ihr eigentlich wert war. Andererseits waren bei einem Team Superhelden wohl des öfteren Ausnahmesituationen im Umlauf.
Das sie hier Kassander gegenüber stand, der im Moment nicht viel ältere, als sie selber war - und das nicht etwa durch seine Mutation bedingt -, schien eine entsprechende Ausnahmesituation zu sein.
Vielleicht war es aber auch einfach die Anstrengung und Aufregung der letzte Tage, dem sie letztlich Tribut zollen musste.
Die Krokodilstränen waren zu gross, um über die Wangen zu rollen und tropfen recht ungeniert auf Kassanders Schulter, als das eigentlich fremde Mädchen ihm um den Hals fiel.
Ihr Auftreten erinnerte ihn an jemanden und diesmal handelte es sich nicht um Ororo, sondern um Logan. War das nicht total bescheuert? Aber Ro und Logan waren immerhin gut miteinander befreundet, wahrscheinlich färbte Logan in der Zukunft irgendwie ab. Kassander musste unwillkürlich grinsen, als er daran dachte, dass Wolverine diesem Institut treu bleiben würde. Dabei machte sein Vater eher den Eindruck, als würde er bei der nächsten Gelegenheit in die Highlands abhauen und mit den Wölfen um die Wette heulen. Gut, wenn man mal davon ausging, dass es in den Highlands noch Wölfe gab, aber darum ging’s ja gerade gar nicht!
Kollabierte sie jetzt gleich? Kassander musterte ihre zitternden Arme, die er – auch wenn sie mit dem Rücken zu ihm stand – recht gut erkennen konnte. Hey, wenn sie so einen Aufstand machte, dann versuchte er eben selbst, Kaffee zu machen. Sie musste ja kein großes Theater darum machen! Er lehnte sich ein wenig vor und machte bereits Anstalten aufzustehen, als sie die Schranktür aufzog und die Tassen herauszog. Wieder einmal erinnerte ihn das an jemanden, so dass er inne hielt und den Kopf schüttelte. Wie konnte es sein, dass man so viel Vergangenheit in der Zukunft sah? In seinen Kindern lebt man weiter, hatte seine Mutter gesagt, aber Kassander hatte sich alles andere als einen würdigen Nachfolger gesehen. Das tat er noch immer nicht, aber es war auch nicht er, der das Vermächtnis seiner Mutter weiter zu tragen schien.
Und konnte sie mal aufhören, mit dem Kaffeepulver herum zu schmeißen?? Kassander wich zurück, damit er die Ladung nicht ins Gesicht bekam. Ein klein wenig hysterisch war sie schon, oder? Vielleicht sollte er ihr doch helfen, sonst wurde das heute nichts mehr. Er konnte allerdings nicht garantierten, ob er das Zeug nicht zu stark machen würde. Er war immerhin Engländer und kein Ami! Aber für den 4 Uhr Tee war es noch zu früh… oder zu spät, wie man es sehen wollte.
„Noemie…“, wiederholte er schließlich und blieb doch einfach sitzen. Ja, irgendwie war das genau der richtige Name. Er sollte ihn Ro vorschlagen. Und sie konnte ihn nicht einmal für verrückt erklären, wenn er ihr sagte, dass ihre Tochter ihm diesen selbst genannt hatte. Ein wenig verworren, aber darüber musste er jetzt auch gar nicht nachdenken, denn das Mädchen wartete schon wieder mit einer neuen Überraschung auf, als sie den Arm ausstreckte. Bis dahin hatte ihn das alles noch nicht wirklich groß gerührt. Nein, es war nicht gänzlich egal, wessen Kind das war, so wie er es Ororo gesagt hatte. Es war nie egal, auch wenn unterschiedlich damit umgegangen wurde. Und durfte er mal noch schnell zwischenfragen: Welche Narben??!
Ach so, DIE Narben. Die Narben, die von ihren Würgeversuchen herrührten! Wie hatte sie ihn genannt? Er würde in der Zukunft wohl doch nicht einfach so abhauen… es erklärte zwar nicht alles, aber das musste es auch nicht. Durfte er dennoch mal anmerken, dass es sehr ungewohnt war, eine junge Frau wortwörtlich am Hals zu haben, die ihn DAD nannte?! So alt war er doch noch gar nicht… aber irgendwie war da doch ein ganz ekelhaftes Gefühl der Vertrautheit (mochte an ihrer Anhänglichkeit liegen!), so dass er sie auf den Schoß zog und ihr über den Rücken strich. Irgendwie hatte er ja schon ganz tolle Logan-Allüren, so dass er schließlich brummend auf seine Schulter sah, als sich dort ein See auszubreiten begann, und meinte: „Lass mich raten; deine Mutation hat was mit Wassererschaffung zutun.“
Er würde das ja nie im Leben zugeben, aber irgendwie glaubte er, dass sie ihn mal ziemlich in der Hand haben würde. Und jetzt sollte sie aufhören zu flennen… konnte ja kein Mensch mit ansehen!! Er kramte in seiner Jeanstasche nach einem Taschentuch und hielt es ihr mit einem unwilligen „Hmm…“ hin.
Sie wischte sich die Tränen hastig aus den Augen und zog bereits schniefend die Nase empor, ehe Kassander ihr das Taschentuch hatte reichen können.
Na, wenn er mal jetz nicht einen falschen Eindruck von ihr mit in die Zukunft nehmen würde. Einen völlig falschen, um es richtig zu betonen.
Er sollte nur abwarten, aber er würde ihr im Kleinformat oft genug die Schulter zum Anlehnen sein, wenn sie es gerade brauchte.
Nomi würde sich zu einem ausgeprägten Papakind entwickeln - und das nicht nur, weil man bei dem nur auf die Tränendrüse drücken musste, um seinen Willen durchzusetzen, nein! Es lag nämlich einfach an der Tatsache, dass ihr Mutter einfach eine zu beherrschte Person war, was ihre Emotionen anging. Mutationsbedingt war das natürlich nur zu aller Vorteil - aber Noemie hatte erst spät genug Einsicht dafür, dass ihre Mutter Streit mit ihr nie aus dem Weg gegangen war, weil sie ihr gleichgültig war, sondern weil sie ihre Gefühle immer erst hatte ordnen müssen, bevor es verheerende Folgen gehabt hätte.
Eine harte Lektion für ein Kind, selbst wenn es selber mit einer Mutation heran wuchs.
Daran gezweifelt, dass ihre Familie - wobei die das ganze Institut mit einfasste - sie liebte, hatte sie dennoch nie.
Einfach gewesen war es dafür aber auch nie.
Das Leben war eben nie leicht, um ehrlich zu sein, aber Kassander würde seinen Job schon ganz gut meistern, nicht wahr? Immerhin schien ja nicht alles an der Kleinen verloren zu sein - sah man jetzt von ihren sprachlichen Glanzleistungen ab.
"Wie geht es Mum? Ist alles in Ordnung mit euch?" Oder hatte sie ihn doch rausgeworfen? Sie musste bei dem Gedanken schon wieder Grinsen und das, obwohl sie sich gerade erst die Tränen mit dem Taschentuch weg wischte.
"Hast du es ihr schon gesagt?" Oder hatte er es etwa gar nicht geahnt? War sie von Anfang an immer der Grund gewesen, dass sich diese Frage überhaupt aufgelöst hatte? Aber das war ja eigentlich nicht möglich, weil sie es jetzt ja nicht gewusst hätte und ihm sagen können, wenn es nicht in Zukunft ohnehin rausgekommen wäre.
Oder?
Nein, Zeitreisen waren wirklich nichts für sie, das überstieg ihre Kapazität an logischem Denkvermögen nun bei weitem.
Und nun war es doch ohnehin alles egal, oder? Dann konnte sie den Weg auch zu Ende führen, den sie gerade eingeschlagen hatte.
"Versprich mir, dass du nicht mit ins Labor gehst, Dad - bitte!" So nachdrücklich, wie sie ihn darum anflehte, sollte er sich vielleicht doch noch einmal die Frage stellen: Würde er für ihre sprachlichen Qualitäten zur Verantwortung gezogen werden?
Er hatte ehrlich gesagt noch gar keinen Eindruck von ihr, denn im Moment war er immer noch damit beschäftigt, das alles einzuordnen. Wie alt war sie eigentlich gerade und wie war sie hierher gekommen? Vor ein paar Tagen hatte ihn das alles nicht sonderlich interessiert, weil er nicht mit dem Team in die Vergangenheit gereist war, sondern hier die Stellung gehalten hatte.
Nein, er wollte nicht wissen, wie er in der Zukunft werden würde. Und ohnehin hatte er keine guten Erinnerungen an seinen Vater… oder den Mann, von dem er lange geglaubt hatte, dass er sein Vater war. So musste man es ja sagen. Mit Logan war das auch so eine Sache; eigentlich sah er ihn mehr als einen Freund, auch wenn er ihn anfangs nicht wirklich hatte leiden können – aber das hatte ja auf Gegenseitigkeit beruht. Irgendwie hatten sie sich doch miteinander arrangiert, was man von Michel und ihm nicht sagen konnte. Mit seinem Halbbruder verstand er sich nicht und das würde sich wohl auch nicht ändern… abgesehen davon, dass der andere ohnehin irgendwo in New York war.
Aber zurück zum Thema; was hatte sie denn nun für eine Mutation? Ro’s Wetterbeherrschung würde durchaus zu ihr passen. Vielleicht war es aber auch irgendetwas, das sie von Genethics hatte. Kassander musste leicht grinsen, als sie von Ororo sprach. Der Wettergöttin würde es gewiss gefallen, wenn eine junge Frau Mum zu ihr sagte. Vielleicht sollte er Noemie einfach mal zu Ro schleppen. „Deiner Mutter geht es gut.“ Und es war seltsam genug, dass er das so sagte. „Sie ist vor ein paar Tagen aus New York gekommen, aber…“ du kennst sie ja, hätte er fast gesagt. Tat sie das wirklich? Er hatte keinen Plan, aber er nahm es einfach mal pauschal an. Warum er Noemie so selbstverständlich begegnen konnte, wusste er nicht, denn mit fremden Leuten ging er immer etwas distanziert um. Die Frage war, wie fremd Noemie wirklich war.
„…aber es ist alles in Ordnung.“ Nein, er war nicht rausgeworfen worden. Eigentlich hatten Ro und er auch getrennte Zimmer, aber er fragte Noemie nicht, ob sich das irgendwann ändern würde. Es war seltsam, dass Noemie so selbstverständlich damit umging, dass Kassander und Ororo ein Paar waren, da es bis vor ein paar Tagen niemand gewusst hatte… gut, Jean hatte es vielleicht ja geahnt oder ein paar andere im Institut, aber es war nicht offiziell gewesen. Und wenn Ro ihn bei ihrer Ankunft nicht geküsst hätte, so wäre es immer noch nicht offiziell. Ob sie von den ganzen Streitigkeiten vor ihrer Geburt wusste? Kurz kniff er die Augen zusammen und musterte sie.
„Was soll ich ihr gesagt haben?“ Er verstand diese Frage tatsächlich nicht, obwohl er vielleicht ahnte, in welche Richtung sie ging. Ja, was sollte er Ro gesagt haben? Müsste Ro nicht ihm irgendwas sagen? Oder sprach Noemie die Möglichkeit an, dass… irgendwie wurde er jetzt unruhig, ohne dass er es eigentlich wollte, aber ihm wurde klar, dass Noemie es wissen musste. Kassander räuspert sich leicht und gab sich gleichmütig. „Ich schätzt mal, du weißt es schon… oder? Natürlich musst du es schon wissen. Wie alt bist du?“ Würde sie es ihm sagen? Er glaubte die Antwort zwar schon zu kennen, aber glauben war nicht wissen.
Und warum wechselte sie jetzt noch einmal das Thema?
„Ins Labor?“ Hatte das noch was mit seiner Frage zutun? War doch Lewis Schuld? Warum sollte er ins Labor gehen? „Von was redest du, Noemie?“ Nein, er wusste noch nicht, dass Scott noch einmal dorthin gehen wollte.
Noemie schien erst jetzt ihren eigenen Denkfehler in der Sache wieder zu entdecken - ganz abgesehen davon, dass sie sich schwer tat die nur noch bruchstückhaften Erinnerungen wieder passend zusammen zu fügen.
Natürlich, wenn das Team noch nicht wieder im Labor gewesen war, dann hätte Kassander auch noch gar nicht die Unterlagen in Lewis' Büro gefunden.
So richtig gewechselt hatte sie das Thema also doch nicht.
Aber zugegeben: Jetzt war sie ein wenig in Zugzwang geraten.
Schweigend erhob sie sich von Kassanders Schoss und durchschritt die kleine Teeküche ein paar Mal, wie ein Tiger, seinen neuen Käfig abschreiten würde, um ihn einzuschätzen. Ihre Daumen schob sie in die Gürtelschlaufen der Jeans und dennoch wirkte sie alles andere als lässig, auch wenn die Geste normalerweise einen solchen Touch haben sollte.
"Ich kann es dir nicht genau sagen." Wobei nicht einmal die Warnung so schwer wog die Vergangenheit nicht zu verändern, sondern viel mehr, dass sie es tatsächlich nicht mehr genau wusste - dadurch dass ihre Vergangenheit sich gerade in einem Prozess des stetigen Wandelns befand.
Mit geschlossenen Augen legte sie die Finger an ihre Lippen und schien noch einmal zu überlegen. "Du warst... in seinem Büro, als Rat dich erwischt hat."
Und wie Kassander sicherlich noch bei der Besprechung erfahren würde, war mit Rat einfach nicht gut Kirschen essen. Dinand van Bakker hatte es auf eine schmerzliche - und tödliche - Weise lernen müssen.
"Alles was du dort finden würdest, kann auch ich dir sagen." Und von nun an, durfte Nathan sie steinigen.
Sie war sich sicher, dass es nicht das geringste nutzte, dass sie es Kassander nur ins Ohr flüsterte - Nathan würde es so oder so mitbekommen. Aber diese Information war privater Natur und sollte nur ausgetauscht werden zwischen Vater und Tochter.
Für sie war das alles Vergangenheit, aber für Kassander war es nun mal veränderliche Zukunft. Er war noch nicht wirklich dahinter gekommen, was sie denn jetzt eigentlich meinte, so dass er ihr lediglich mit dem Blick folgte und eine Braue hob. Konnten sie vielleicht doch erst Kaffee trinken und danach weiterreden? Irgendwie ahnte er, dass das nicht ganz leichte Kost werden würde, aber letztlich lehnte er sich einfach wieder zurück und wartete darauf, dass sie fortfuhr.
Wie jetzt, sie konnte ihm das nicht so genau sagen? Er fürchtete die Leute von Genethics nicht, was vielleicht leichtsinnig war, wenn man daran dachte, dass er beinahe von Rat getötet worden war, aber er hatte schließlich dazu gelernt. Und vielleicht hatte ihn Noemie erst jetzt darauf gebracht, in die Büros einzudringen und ...nach was auch immer zu suchen! Kassander ließ einen Löffel zu sich schweben und machte einen Knoten hinein. Allerdings hielt er inne, als Noemie weitersprach. "Rat hat mich erwischt? Was meinst du mit erwischt?" Und selbst wenn, jetzt war er ja vorgewarnt... war das der Grund, warum er nur eine Narbe davon getragen hatte?
Er ließ den Löffel wieder in Ruhe und sein Blick ruhte erneut auf der jungen Frau, die ihn Dad nannte. Alles, was er wissen wollte, konnte sie ihm sagen? Was wollte er denn wissen, hm? Aber sie hatte Recht; er wollte Gewissheit darüber, wessen Kind sie war. Wessen leibliches Kind sie war... wahrscheinlich hatte er sich nur Ähnlichkeiten eingebildet, die gar nicht existierten. Auffordernd sah er sie an und sie wusste, was er wissen wollte, oder?
Als sie sich zu seinem Ohr neigte, schloss er die Augen.
Er öffnete sie auch nicht, während sie sprach. Lediglich sein Wangenmuskel zuckte.