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Für all Diejenigen, die ihre Charaktere bis zum Wiederbeginn
nicht ruhen lassen wollen, empfiehlt die SL euch
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Wir wünschen unseren fleissigen Usern viel Spass
auf der neuen Plattform und hoffen
euch alle in alter Frische und mit dem gleichen Elan
bald auch wieder an dieser Stelle begrüssen zu können.
Manchmal hatte er einfach ein Samariter-Gen. Obwohl er bei weitem nicht so Selbstlos war wie es aussehen mochte. Er wollte einfach wissen was genau los gewesen war und da er die vergangenen Tage keine Zeit dafür gehabt und den nächsten Tagen HATTE er genauso wenig Zeit. Wobei er schon jetzt grübelte wie er die Weihnachtsfeier umgehen konnte und sich mal einfach ganz still und heimlich vom Acker machen konnte.
Jedenfalls stand er nun vor Finnjas Tür und hatte –weil es für einfach die einzige tröstende Geste war die er kannte und die er auch bewerkstelligen konnte- einen heißen Kakao für sie zubereitet (er war sich übrigens sicher, dass man den Topf wegschmeißen konnte. Die angebrannte Milch bekam man niemals wieder sauber).
Hoffentlich sah ihn nun niemand, den Ruf als weichherzige Schwuchtel wurde er niemals wieder los, aber davon ab wollte er einfach wissen was nun verdammt noch mal los gewesen war.
Was verdammt nochmal los gewesen war?
Sie konnte es ihm selber nicht beantworten. Und ehrlich gesagt: Sie wollte es auch gar nicht. Sie wollte kein Wort über die ganze Sache mehr verlieren müssen.
Aber sie würde nicht drum herum kommen, oder?
Logan schien Finnja zumindest als Allerletzten erwartet zu haben, als sie an diesem Abend die Tür aufzog. Sie hatte bereits dazu angesetzt etwas zu sagen, aber als sie Logan nun mit seinem Kakao dort stehen sah, schluckte sie ihre Worte einfach herunter.
Sie schien verunsichert darüber, was er hier wollte und noch verunsicherter über die Frage, ob sie überhaupt wissen wollte, was ihn hierher führte.
Sie hob die Hand langsam an und schob die Kapuze des Boleros von ihrem Kopf.
Seitdem die Logan und die Schüler zurück gekehrt waren, hatte sie schon diesen Tick, mit Kapuzen und bis zur Nase empor gezogenen Schals über das Gelände zu laufen. Vorausgesetzt natürlich, dass sie überhaupt ihr kleines Cottage auf dem Gelände verliess.
Sie war sich recht sicher, dass zum Beispiel Chui über kurz oder lang ohnehin Wind von der Sache bekommen würde und vielleicht auch der ein oder andere Schüler sie erkennen könnte. Immerhin hatte sich ihr Gesicht in all den Jahren nicht wirklich verändert. Und dennoch blieb die Hoffnung bestehen, dass der Russ, die Dunkelheit und das Plaid damals genug Schutz geboten hatten, damit sie heute niemand wieder erkennen würde.
Aber war es so gewesen? Hatte sie die ganze Zeit über darauf geachtet sich unkenntlich zu machen (zur damaligen Zeit nicht wegen der Schüler, sondern wegen ihren Zeitgenossen)? Während es für die anderen ein Ereignis war, das nur wenige Tage zurück lag, waren es für sie Erinnerungen, von denen viele Facetten bereits zur Unerkenntlichkeit verblasst waren.
Aber Gefühle verblasste nicht einfach, das machte alles so kompliziert; absurd.
"Komm rein." Aber im Gegensatz zu bisherigen Einladungen, war diese selbst für Logans Ohren eindeutig ohne viel Herzlichkeit ausgesprochen worden, sondern wirkte eher wie aufgezwungen.
Wenn nicht war es ihm auch egal. Er drückte ihr die Tasse in die Hand und spazierte hinein als wäre er hier Zuhause. Das war er ja schließlich auch irgendwie. Obwohl? Eigentlich war sie ja alles in Schuld, oder?
Er sah sich nur knapp um und was er nun von ihrer Einrichtung hielt oder nicht hielt behielt er für sich. Er war ja sowieso nicht gut darin Komplimente zu machen, es sei denn sie wollte hören dass sie tolle Brüste hatte? Aber dafür müsste er sie schon sehen. Also? Na gut, er ließ es bleiben.
Ungefragt schmiss er sich auf das Sofa und stand dann schon vor dem nächsten Problem. Er musste jetzt das Wort ergreifen, oder? Er würde einen Luftsprung machen, wenn er es nicht in der Bandscheibe hätte.
Aber mal ohne Flachs, er hatte keine Ahnung wie er mit ihr umgehen sollte, denn irgendwie sah sie nun mal so traurig aus und er wollte sie nun kaum fragen. „Na? Hat dein Ehemann dich sitzen lassen?“ Wobei das natürlich auch sehr witzig wäre, wenn es nicht so tragisch wäre. Welcher Ehemann denn genau? Finnja trieb es ganz schön bunt, wenn er das mal so anmerken dürfte.
„Du verkriechst dich hier schon die ganze Zeit. Warum kommst du nicht mal rüber?“ Ins Institutsgebäude halt und er fand wirklich das er jetzt sehr sensibel vor gegangen war.
Sie sah ihm von der Tür aus nach und schien einen Augenblick darüber verwundert, dass Logan die Einladung tatsächlich auch angenommen hatte. Die Tür schob sie mit der Ferse hinter sich zu und folgte ihm langsam zum Sofa herüber.
Da sie bisher nicht sonderlich viel Zeit gehabt hatte ihr Cottage einzurichten - und auch nie wirklich gewusst hatte, ob sie letzten Endes hier bleiben würde -, sah alles noch recht spartanisch aus. Was ein ungemein dummer Fehler von ihr gewesen war, denn oftmals erinnerte sie diese Einrichtung nun an das Cottage, dass sie damals mit Scott bewohnt hatte.
In einem völlig anderem Leben, genau...
Finnja verkroch sich für Sekunden hinter dem Becher und nippte an Logans Kakao, wobei die Kapuze lange Schatten über ihr Gesicht warf, die manchmal ein Eigenleben zu entwickeln schienen. Als sie den Kopf wieder anhob, zogen die Schatten sich wie langgliedrige Spinnen unter die Kapuze zurück und blieben lauernd dort hocken.
"Ich bin momentan nicht sonderlich Gesellschaftsfähig, Logan." Und es konnte ihr auch niemand abstreiten, dass sie einen gewissen Grund hatte, sich bedeckt zu halten.
Aber das verstand Logan nicht, oder?
Und eigentlich sollte doch gerade Logan derjenige sein, der es nachvollziehen konnte.
"Ich möchte nicht unbedingt einem der beiden in die Arme laufen." Und nun war Finnja zu der Ehrlichkeit zurück gekehrt, die ihr immer zueigen war. Erklären welche 'beiden' sie meinte, musste sie nicht, oder?
Sie war auf eine verschobene Art und Weise nun an genau gleicher Stelle, an der Logan gestanden hatte, als Jean und schliesslich Scott nach Schottland gekommen waren. Sie wusste nicht einmal, ob Scott Jean das alles erzählt hatte - aber sie war sich verhältnismässig sicher, dass die hübsche Telepathin es ohnehin wusste...
Die Stille war so unangenehm, dass sie ihr kribbelnd unter die Haut zu stiegen schien. Konnten sie nicht vielleicht ein anderes Gesprächsthema auswählen? Ihr Leben war momentan wirklich nicht toll genug es bei Kaffee und Kuchen zu besprechen - oder stand Logan neuerdings auf Soaps? Zu nichts anderem hatte sich das alles hier gerade entwickelt.
Sie hätte nach Ororo fragen wollen, aber selbst die Frage führte wieder nur auf ein Thema zurück, was sie nicht in ihren Gedanken haben wollte.
"Logan? Hast du je daran gedacht..." Ach, moment, sie sprach hier mit Logan, Gott unter den Wölfen, Mister Kurzschlussreaktion oder auch Mister Ich-schwing-mich-aufs-Bike-und-bin-schon-weg.
Bereute er manchmal Kassander und Michel nicht erlebt zu haben, wie sie aufgewachsen sind und ihre ersten Schritte, das erste Wort? All diese Kleinigkeiten?
Scott und sie hatten einen Sohn gehabt - und sie hatte ihn nie zu Gesicht bekommen können. Und deswegen lag sie die letzten Nächte so oft wach und dachte über das Siegel nach.
"Wie geht es Nolan?" Sie zwang sich selbst zu einem Lächeln und stellte letztlich die Kaffeetasse beiseite. "Wenn er momentan nicht unterrichten kann, dann kann ich die Stunden auch wieder übernehmen." Oder sie würde Ian fragen - sie musste ohnehin mit ihm sprechen.
Wunderbar. Gegen ihre doch logischen Argumente und Erklärungen konnte er nichts sagen und so begnügte er sich damit zu schweigen, weil er das genauso gut konnte wie die Augenbraue zu lupfen. Sie war tatsächlich ein armes Stück Menschenkind…eh..oder was auch immer sie eigentlich war und sie war einfach diejenige in diesem Spielchen am schlechtesten abgeschnitten hatte. Er wusste immer noch nicht wie genau sich das eigentlich alles verhielt. Wie sie die Frau sein die mit Scott in der Vergangenheit verheiratet gewesen war und wie nun die gleiche Frau vor ihm stehen konnte. Er hatte es schon damals nicht verstanden als sie Ororo und ihm das Schloss gezeigt hatte, dass nun das Institut war.
Ohne sie zu fragen holte er eine Zigarre aus der Tasche und zündete sie an, genauso wie er sich nun aufrecht hinsetzte und sich vornüber beugte um sich auf seinen Knien abzustützen. Nachdenklich rollte er die Zigarre zwischen den Fingern und paffte ab und an am Mundstück um kurz darauf den Qualm entweichen zu lassen.
„Woran habe ich je gedacht, Finchen?“ Der Spitznahme war irgendwann mal aus Zufall entstanden und er fand schon, dass er jetzt durchaus angebracht war, so lächelte er zwar nicht, aber seine Mundwinkel zuckten.
„Nolan geht es körperlich schon wieder ganz gut.“ Hatte er sich nun verraten, dass er aufmerksamer war als man annehmen würde? Sie musste sich nicht um den Unterricht sorgen und weil ihm das Stillsitzen langsam reichte erhob er sich mit den Worten. „Komm mal her…“ Dabei war er aufgestanden zu ihr hinüber gegangen und zog sie nun in den Arm. Wenn sie jemanden von der Aktion allerdings erzählte würde er sie umbringen müssen. Deal?
Was nun folgte, hatte Logan sich schon selbst zuzuschreiben. Er hatte es ja schliesslich darauf angelegt in dem Thema weiter zu stochern, während sie eigentlich nur über was anderes hatte sprechen wollen.
Sie schluckte ein paar Mal, dass es in der Umarmung in seinen feinen Ohren schon überlaut wirkte, und presste die Hand schliesslich vor den Mund, um ihr hormonbedingtes Geplärre im Zaum zu halten.
Er durfte sie an dieser Stelle einfach ignorieren. Wenn er ihr ein paar Minuten gab, hatte sie sich bestimmt auch wieder beruhigt.
"...je daran gedacht, wie es gewesen wäre Michel und Kassander aufwachsen zu sehen?" Setzte sie nach einer schier endlosen Pause und obwohl er längst ein anderes Thema begonnen hatte fort.
Aller ihrer ehemaligen und Ororos Ermahnungen zum Trotz, stierte sie einen Moment später auf die Zigarre in seiner Hand und sagte nichts dazu. Erschreckenderweise.
Sie erwartete auch keine Antwort auf ihre Frage, da sie im Prinzip ohnehin naiv war - jeder Vater, jede Mutter, wünschte sich doch nur das beste für ihr, sein Kind. Hatte ihr Sohn ein gutes Leben gehabt? War er glücklich gewesen? Was hatte man ihm über seine Eltern erzählt oder war er im Glauben aufgewachsen, ein Sohn der Familie zu sein, in der man ihn untergebracht hatte? Es gab so viele Fragen - und sie kam zu spät, um sie jemandem stellen zu können. Jeder, der ihren Sohn gekannt hatte, war vor Jahrhunderten gestorben.
"Habt ihr wegen bereits etwas wegen des Siegels unternommen?" Ihre Augen schimmerten durch die Tränen ein wenig silbern auf, als sie den Blick letztlich zu Logan hob. Ja, Finnja war eine der wenigen Personen, die selbst zu Logan ein Stück aufblicken musste.
Ehh. Hallo? Konnte sie mal aufhören zu heulen? Das war ja schrecklich und überhaupt. Sie sollte sofort aufhören damit. Die Flecken auf seiner Lederjacke bekam er niemals wieder raus. Doch weil er sich auch für sie irgendwie verantwortlich fühlte behielt er sie im Arm und legte seine Hand an ihren Hinterkopf um ihr ungelenk durchs Haar zu streichen.
Einfach mal heulen lassen?!
Natürlich hatte er daran gedacht und ehrlich gesagt wünschte er sich das jeden Tag aufs Neue. Er würde nicht unbedingt behaupten, dass sie eine normale Vater-Sohn Beziehung zu einander hatten. Dafür war er selbst, Michel und Kassander einfach viel zu…speziell. Aber er war stolz darauf auf das was seine Söhne heute waren und er war frustriert darüber, dass es nicht sein Verdient war. Sie waren in erster Linie Freunde und vielleicht würden sie über Jahre hinweg doch eine Familie werden.
„Wir werden es unschädlich machen.“ Wollte sie das wirklich hören? Aber war ja nun mal niemand der um den heißen Brei redete und deswegen fragte er auch. „Was machst du über die Feiertage?“ Lust mit ihm das Weite zu suchen? Auf den ganzen Feiertagsschnickschnack hatte er nämlich kein Bock.
Es unschädlich machen. Hatten sie denn überhaupt bereits eine Ahnung wie das geschehen sollte und mit was genau sie eigentlich zu tun hatten? Denn dies war der Punkt, den auch Finnja bisher noch nicht ans Licht hatte zerren können.
Das Logan so selbstsicher von diesem unschädlich machen sprach, liess Finnjas Mimik schlichtweg entgleisen. Auch wenn die Gefühlsregung auf ihrem Gesicht ohnehin recht undeutbar gewesen war, dankte sie dem Herrn, dass Logan sie aufgrund der Umarmung nicht hatte sehen können.
Ob sie Lust hatte das Weite zu suchen? Ja!
Wollte sie ihn in da mit reinziehen? Weniger, er war schliesslich gerade erst wieder nach Hause gekommen. Reisende sollte man nicht aufhalten und Ausreisser nicht in Versuchung führen, oder?
Sie zog die Nase hoch und löste sich wieder von ihm, um sich mit dem Ärmel - wütend über sich selbst - die Tränen von der Wange zu wischen.
"Die Feiertage?" Weihnachten war für sie in den letzten Tagen in so meilenweite Entfernung gerückt, dass sie einige Schrecksekunden brauchte, um zu begreifen, was Logan da ansprach.
"Nichts. Ich werd' wohl..." Versuchen unsichtbar zu bleiben. Genau das würde sie machen, ja. Raguel und Gabriel hatten zwar bereits Pläne geschmiedet, aber Finnja hatte nicht vor denen auch nachzukommen. Sie wollte niemanden sehen, der was mit einer ihrer verkorksten Ehen zu tun hatte. "Ich werd' wohl hier sein." Hier, nicht in der Schule, sondern in ihrem Cottage. Sie könnte sich ja eine rote Nase aufsetzen und Rudolph spielen!
Weinende Frauen waren die schlimmsten. Das wollte er einfach nochmals erwähnt haben. Sie machte ihn ja vollkommen fertig und überhaupt, WIE sollte er etwaige Tränenspuren auf seiner Jacke erklären, he? Da kam er nie wieder raus. So sah es nämlich aus.
Vielleicht war es ja wirklich nur sehr gesundes Selbstvertrauen, dass er so locker flockig berichtete sie hätten das Zeittor unschädlich gemacht, aber konnte er an dieser Stelle mal ganz melodramatisch etwas einwerfen? Er hatte die Schnauze gehörig voll davon sich ständig Gedanken und Sorgen machen zu müssen. War schließlich nicht mehr zum Aushalten.
Und wenn sie jetzt rumerzählte das er ihr die Wange tätschelte, dann würde er sie ein bisschen würgen, klar? War das auch geklärt. „Nun höre auf zu weinen.“ War ja schrecklich.
„Dann kommst du über die Feiertage mit mir.“ Tja, soviel dazu. Widerrede vollkommen sinnfrei…eh sinnlos. Was glaubte sie denn? Das er sich hier Weihnachten hinpflanzte locker flockige Lieder sang und nackt um den Weihnachtsbaum tanzte? Er hatte mit Weihnachten nie viel am Hut gehabt und obwohl es das erste Weihnachtsfest mit den Kindern im Institut wurde, fühlte er sich irgendwie eingeengt und bedrängt. Sollten sie untereinander feiern, ihn würde eh keiner vermissen.
Genau…Logan bekam seinen kleinen Rappel und suchte das Weite. Immerhin tat er das in den Ferien, war das nichts?