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Dieses Thema hat 6 Antworten
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 Inverness
Allan Bedfort Offline

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Beiträge: 4

03.09.2006 14:33
GENETHICS Antworten
Die Stiefel hallten leise auf dem Boden, bis das Geröll unter den Sohlen zu knirschen begann und Allan stehen blieb. Das klirrende Blau seiner Iris schweifte über die Trümmer, die X-odus übrig gelassen hatte. Aber Allans Gesichtszüge veränderten sich nicht. Erst als jemand neben ihn trat und ihm ein Staubkörnchen vom Sakko streichen wollte, fuhr seine Hand hoch und umfasste den Hals des Anderen. Dieser hob sogar einen Moment vom Boden ab, ehe er glucksend stammelte:

„General, Sir… Sie wollten doch… Sie sagten doch…Lewiiiis.“

Bedfort neigte den Kopf zur Seite und kniff die Augen leicht zusammen. Irgendwie schien es ihm zu gefallen, dass der Andere nach Luft jappste. Doch dann ließ er ihn genauso schnell wieder ab, wie er ihn gepackt hatte, und sah in Gremlins Richtung, als würde er ihn für all die Stümper verantwortlich machen, die das Wort an ihn richteten. Allan zog ein Taschentuch aus der Innentasche seines Sakkos und wischte sich die Finger daran ab. Er hasste dieses dreckige Pack, aber vielleicht lag es auch einfach nur daran, dass seine Familie seit Generationen an dieses unselige Land, Schottland, gebunden war. Nahezu jeder war einmal hier gewesen; und war es nur, um in den hohen Norden zwangsdegradiert zu werden. Skandalfreie Schlagzeilen waren den Bedfort jedenfalls genauso fremd wie Misserfolg. Und Allan bildete da keine goldene Ausnahme. Wahrscheinlich hatten Bedfort-Offiziere auch in den letzten Unabhängigkeitskriegen gegen England auf schottischem Boden für die Krone gekämpft. Mit Sicherheit hatten sie das.

Allan hasste dieses Land.
Er hasste die ungebildeten Bauern im Norden genauso wie die stümperhaften Politiker im Süden des Landes. Ein eigenes Parlament – dass sie es überhaupt wieder hatten, sprach nur für ihre Dummheit. Man musste sich nur ihre grauenhafte Sprache ansehen, die seit dem letzten Jahrhundert wieder vermehrt gesprochen werden wollte. All das sprach in Allans Augen für ihre unkultivierte Kleingeistigkeit. Das Blitzen in seinen kalten Augen verriet lediglich, dass er darauf wartete, dass der Wissenschaftler voraus ging. Tatsächlich verstand der Mann den Wink und stolperte über die Türschwelle, wo er sich jedoch recht geschickt abfing und vorauseilte. In Allans Bewegungen hingegen lag keinerlei Hast, ihm lastete eine royale Herrschaftlichkeit an, die die Distanz zu allen anderen noch deutlicher machte. Normalerweise ließ er – außer seinen Leibwächter – kaum jemanden nahe heran kommen; außer, er verlangte es ausdrücklich. Über das Abkommen, dass Allan und Gremlin einst getroffen hatten, wurde geschwiegen und einige Gerüchte kursierten seitdem in New York, wie Bedfort an diesen Mann gekommen war. Er wich ihm schon seit geraumer Zeit nicht mehr von der Seite und war auf allen offiziellen Anlässen stets in Bedforts Nähe zu sehen.

Sie waren angekommen.
Der Mann zog die Plane von Adam Lewis Gesicht und Allan warf einen Blick darauf. Mit leicht gehobener Braue betrachtete er den Toten. Was passiert war? Eine Explosion im Labor, bei der Lewis zu Tode gekommen war. Die Presse wollte natürlich eine Stellungnahme von ihm. Allan war gespannt, wie Temperace auf die Nachricht reagieren würde. Soweit er wusste, war sie sogar hier in Inverness… er erwartete sie spätestens in zwei Stunden, denn nach ihr konnte man die Uhr stellen. Allan nahm den Brieföffner zur Hand und drehte ihn nachdenklich zwischen den Fingern. Dass der Alte tot war, berührte Bedfort nicht – eher im Gegenteil. Er und sein Vater hatten bekommen, was sie verdienten. Da hatten sie jahrelang für ihre Ideen gekämpft und was war letztlich dabei heraus gekommen? Er lachte auf. Heute gehörte alles ihm! Der Vorstand war zu dumm, um auch nur irgendeine Entscheidung ohne ihre Führungsköpfe zu treffen und Allan war mehr als gewillt, diesen Platz einzunehmen. Die Klinge spiegelte im diffusen Notlicht. Es war kaum ein Stein auf dem anderen geblieben und nur sehr wenige Laborräume waren noch begehbar. Allan rammte Lewis den Brieföffner noch einmal in die Brust und wandte sich unter einem erstaunten Keuchen des Wissenschaftlers Gremlin zu.

„Schafft ihn fort.“

Seine Stimme hallte von den rissigen Wänden wieder.
Er würde Genethics hier in Inverness noch einmal aufbauen. Es würde größer werden als zuvor und er würde dieses Mutantenpack zerstören. Doch erst einmal brauchte er eine angemessene Residenz, denn das Hotel von Inverness war eine Zumutung sondergleichen.

Er hasste Schottland.

Gremlin Offline

Besucher


Beiträge: 4

03.09.2006 23:12
GENETHICS Antworten
Er war nur einen Augenblick lang unaufmerksam gewesen. Nein, nicht unaufmerksam. Er hatte den Raum auf mögliche Gefahren untersucht. Doch noch während er sich umsah, war der Wissenschaftler an Bedfort herangetreten. Zu nahe herangetreten. Eigentlich hätte Gremlin ihn spätestens eine Sekunde vorher wegreissen und unschädlich machen müssen. Aber selbst er konnte seine Augen nicht überall haben.

Das Winseln des Wissenschaftlers war geradezu Musik in seinen Ohren. Gern hätte er den Mann so singen lassen, aber Bedfort war schneller. Und Bedfort war der Boss. Der Blick, den er eben hinüberschickte sagte das deutlich genug. Sollte das wieder ein Test werden? Irgendwann konnten einem diese Tests auch mal zu viel werden. Was musste er noch tun, dass Bedfort endlich aufhörte, seine Loyalität anzuzweifeln? Er hielt dem eisigen Bick stand. Ja, er war nicht schnell genug gewesen, aber Leibwächter sein war ja nun auch nicht unbedingt sein Spezialgebiet. Er würde halt besser aufpassen beim nächsten Mal.

Den Weg zur Leiche ging er zwei Meter vor Bedfort her, den Blick aufmerksam abwechselnd nach rechts und links richtend. Auffällig daran mochte höchstens sein, dass er selbst hier drin seine Sonnenbrille nicht absetzte. Da ihm aber nichts ungewöhnliches auffiel, ging es in normalem Schrittempo voran.

Die Leiche war ihm vollkommen egal. Ein Toter mehr, was machte das schon? Allerdings betrachtete er den Brieföffner in Bedforts Hand genauer, und dann erneut den leblosen Körper am Boden. Die Mordwaffe war das nicht gewesen, dafür hatte der Alte zu wenig Blut auf dem Hemd. Dass Bedfort das Werkzeug wieder im Brustkorb des Toten versenkte, überraschte vielleicht diesen Jämmerling im Weisskittel, aber nicht ihn. So war Bedfort eben manchmal.

"Schafft ihn fort."

Das war eindeutig an ihn gerichtet, aber er dachte nicht daran, die Leiche auch nur zu berühren. Stattdessen starrten zwei schwarze spiegelnde Brillengläser den Wissenschaftler an, während ein Fingerschnipsen seine Aufmerksamkeit auf ihn zog.

"Sie haben es gehört, entfernen sie das da. Egal wie. Jetzt!"

Die völlig akzentfreie Stimme duldete keinen Widerspruch, und sollte sich doch welcher regen, wäre es ihm ein Vergnügen, den Weisskittel auch einmal singen zu lassen. Zwei Sekunden später war die Leiche vergessen, ebenso der Schwächling von Wissenschaftler. Er stand neben Bedfort, sah auf seine Armbanduhr und sagte "Zwölf Uhr einunddreissig. Es bliebe noch Zeit für einen Rundgang durch den Rest der Anlage."

Er war nicht Bedforts Privatsekretär, aber er kannte den Tagesablauf und vermutete, dass Bedfort sich die Chance nicht entgehen lassen würde. Besser, als noch ein weiteres Mal herzukommen. Auf das Nicken hin setzte er sich in Bewegung, zwei Meter vor Bedfort, jeden Meter des Weges genau betrachtend. Er blieb nur ein einziges Mal stehen, um etwas aufzuheben, das zwischen dem Schutt in einer dunklen Ecke lag. Die Sonnenbrille nahm er aber auch dieses Mal nicht ab.

Es war klein genug, um in seiner Hand zu verschwinden. Bedfort hatte nichts dazu gesagt, aber er würde später Fragen stellen, da war sich der Mann, der sich mit Mr. Krieger ansprechen liess, fast sicher.

Temperance Offline

Besucher


Beiträge: 26

15.09.2006 19:52
GENETHICS Antworten
Der Ziwschenfall auf dem Gelände von Genethics hatte nicht nur die Grundmauern der Labore erzittern lassen, sondern auch an anderen Grundsteinen tiefe Risse verursacht.
Jeder Psychologe lernte Masken zu durchschauen, Zusammenhänge aufzudecken und nach Ursachen zu forschen. Aber wer konnte von sich behaupten, sich selbst therapiert zu haben? Temperance für ihren Teil, hatte bis heute mit Gefühlen gelebt, die sie nie hatte klar eingliedern können und deren Ursachen sie zwar kannte, aber an denen sie nicht gerüttelt hatte.

Ihr Vater war in dieser Nacht gestorben. Und eine der verhasstesten Personen in ihrem Leben war gestorben. Adam und sie hatte immer diese Hassliebe miteinander verbunden und spätestens, als der Wissenschaftler damit begonnen hatte Dorian, seine eigene Kreation, ihr und ihrem Können vorzuziehen, war Temperance Wut berechnender geworden, dabei war sie Dorian immer überlegen gewesen. Vermutlich hatte der Trottel bis heute nicht begriffen, wer ihm damals so übel mitgespielt hatte. Auch von New York aus, hatte Tempe ihren eigenen kleinen Einfluss auf Adam Lewis nicht aufgegeben.

Aber Adam hatte schon lange nicht mehr auf sie gehört - und genau das war ihm nun zum Verhängnis geworden. Irgendwie doch putzig, nicht wahr? Hätte er Temperance jemals versucht die Vaterfigur zu sein, um die sie so gebettelt hatte, wäre ihm vielleicht früh genug eine Warnung zugegangen. So aber hatte über die Jahre der Hass die Oberhand gewonnen und Temperance hatte den Wissenschaftler ins offene Messer laufen lassen.
Oder in die offenen Krallen? Sie kannte Logan und seine ungestüme Art inzwischen gut genug, aus diversen... 'Einzelsitzungen' - sowohl mit ihm, als auch mit Caitlynn Lydecker - und könnte sich durchaus vorstellen, dass Lewis ihm zum Opfer gefallen war. Aber hatte der Plan nicht auch geheissen, dass Lewis nur gefangen genommen und verhört werden sollte?
Ja, sie war bestens informiert über das Geschehen im Institut und auch in den Subs und der Witz an der Sache war, dass Logan sich seinen Maulwurf selbst damit geschaffen hatte, indem er Miss Lydecker zu ihrer Patientin gemacht hatte. Scale.

Es war nett, dass Allan sich bereits darum gekümmert hatte, dass sich um den Leichnahm gekümmert wurde. Sie war schliesslich eine trauernde Tochter und hatte nun wirklich nicht den Kopf für solche Dinge frei. Die schlanke Französin in ihrem weissen Designermantel passte zwischen Schutt und Trümmer nun wirklich überhaupt nicht und hochhackige Schuhe waren zur Begehung des frisch ausgebombten Labors ungefähr genauso geeignet, wie Temperance als Trümmerfrau.

"Du bist schon da?" Sie war zwar vor Mr. Krieger stehen geblieben, dem ihr Blick auch bei diesen Worten galt, aber niemand anderes als Allan würde sich wohl davon angesprochen fühlen. "Ich hab' nicht vor morgen mit dir gerechnet", erklärte sie - lächelnd.
Sollte sie Kummer zeigen? Trauer? Mitleid mit den Opfern?
Sie war selber eines gewesen, ihr ganzes Leben lang. Und viel Mitleid hatte man mit ihr auch nicht gehabt. Wozu als Gewissensbisse über Personen, die sie seit langem nicht mehr interessierten?

Das ihre Verspätung daher rührte, dass unsere Miss Gefühlslos daheim dennoch um Adam geweint hatte, blieb ihr Geheimnis.

Allan Bedfort Offline

Besucher


Beiträge: 4

16.09.2006 15:05
GENETHICS Antworten
Allan war doch immer so charmant, das wusste sie doch. In Wahrheit aber wollte er hier keine menschlichen Überreste in den Trümmern, da er es als etwas appetitlos empfand. Er war Engländer, es war ganz klar, dass er Stil hatte... und auch wenn er über Leichen ging, so musste man dies ja nicht immer gleich wortwörtlich verstehen. Er für seinen Teil hatte weder Mitleid mit seinem Vater noch mit dem ihren. Wenn man es genau nahm, dann war Adam Lewis überhaupt nicht Temperance Vater gewesen, auch wenn er dieser Bezeichnung noch am nächsten gekommen war. Armes verlorenes Kind, das sie war. Wäre er ein mitfühlender Mensch, so hätte er sie sicherlich bedauert, aber Allan fand gewisse Schwächen einfach erbärmlich. Nicht dass er sich ganz davon hätte lossagen können, aber dies wusste eigentlich nur die Person, die es betraf.

Dennoch lag ein leichtes Schmunzeln auf seinen Lippen, als er sich halb zu ihr umwandte und eine Hand nach ihr ausstreckte. "Temperance", schon beinahe tadelnd. "Du weißt doch, dass ich mich nie im Termin festlegen lasse." Er ergriff ihre Hand und zog sie etwas näher zu sich. Sein Blick glitt musternd über ihr Gesicht und setzte sich einen Moment in ihren Augen fest. Ja, noch immer das gleiche Spiel, aber schon längst nicht mehr auf dem gleichen Level. Vielleicht war es nicht einmal mehr Spiel zu nennen. Nachdem Lewis' Leiche fortgeschafft worden war, hatte er noch einen kleinen Rundgang mit Gremlin unternommen, wobei er den Anderen einfach hatte voraus laufen lassen. Aus diesem Grund musste der Andere jetzt hinter ihnen stehen, aber Allan war sich recht sicher, dass sein Leibwächter wie immer einen angemessenen Abstand hielt - vor allem, wenn er merkte, dass Allan jemanden traf, dem er weitgehend vertraute und ihn darum nahe genug an sich herankommen ließ. Temperance war ein solcher Fall und vielleicht ließ Allan sie noch näher als sonst an ihn herantreten. Aber genauso wie er sich sicher sein konnte, das Gremlin Augen und Ohren offen behielt, so wusste er genau, dass er ebenso verschwiegen war.

Dieses Mal jedoch kühlte sich seine unmittelbare Umgebung nicht ab, wie es sonst manchmal in Temperance Gegenwart der Fall war. Seine Mutation blieb im Verborgenen, lediglich eine kühle Blässe (die man nicht einmal mehr in seinen Kreisen als nobel bezeichnet hätte) haftete ihm stets an und ließ ihn noch unnahbarer wirken. Er bettete ihre Hand in seine Armbeuge und wandte sich wieder Gremlin zu, damit dieser weiterging, während er Temperance einfach mitführte. "Ich hörte, du hast ein Haus gekauft. Bei welchem Makler, wenn ich fragen darf? Ich habe ebenfalls vor, mich hier für eine gewisse Zeit nieder zu lassen. Das Hotel in Inverness gefällt mir nicht und darum baue ich auf unsere jahrelange Freundschaft und versichere dir, dass du kaum mehr in meiner Schuld stehen wirst, wenn du mir deine Gastfreundschaft für eine geraume Zeit anbietest." Wenn sie glaubte, dass er sich gerade auf recht dreiste Weise bei ihr einlud, dann hatte sie vollkommen Recht. Genauso wahr war jedoch auch, dass sie selbst im Hause der Bedfort gelebt hatte, als sie damals in New York gewesen war. Es war also nur eine Frage von Gefälligkeiten und für eine Frau höheren Standes einfach Pflicht, ihm diese Aufforderung nicht abzuschlagen. Jedenfalls wenn sie weiterhin auf sein Wohlwollen bauen wollte - es war nicht so, dass er nicht wusste, dass sie nur allzugern glaubte, es nicht nötig zu haben. Eine kluge Antwort lautete dennoch nicht Nein.

Hatte sie nicht einst gedacht, dass er ihr lediglich so viel Spielraum in ihren Entscheidungen gab, damit er trotz allem immer der Sieger blieb? Und dabei musste er noch zugeben, dass sie nicht dumm war, wenn sie eben diese Tatsache erkannt hatte. Er konnte jedoch nur darauf hoffen, dass sie weiterhin so klug sein würde, sich nicht gegen ihn zu wenden, denn sie als Freundin zu verlieren, würde Allan gewiss zutiefst schmerzen. Einen Gegner jedoch beweinte man nicht. "Gremlin? Führ uns wieder zurück, ich habe genug gesehen."

Gremlin Offline

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Beiträge: 4

16.09.2006 16:00
GENETHICS Antworten
Er hatte die sich nähernden Schritte bereits durch die leeren Gänge des ehemaligen Labors hallen können, wie sie über Schuttbrocken und Glasreste knirschten und allein die Art und Weise der Schrittfolge hatte ihm verraten, dass sich eine Frau näherte.

Gremlin, "Mr. Krieger", war erst stehengeblieben, dann hatte er sich der Geräuschquelle entgegen bewegt. Es hatte keine zwei Sekunden seit Sichtkontakt gedauert und er wusste, dass sie unbewaffnet war; drei weitere Sekunden später war ihm klar, dass sie irgendein elektronisches Gerät in ihrer Tasche trug. Es konnte natürlich nur so etwas Harmloses wie ein Handy sein. Er würde dennoch wachsam bleiben.

Die Art und Weise, wie die elegant gekleidete Frau seinen Arbeitgeber ansprach, deutete eine gewisse Vertrautheit an, die jedoch auch nur aufgesetzt sein konnte. Bekanntschaft oder enge Freundschaft vorzutäuschen oder anzudeuten war ein alter Trick, um unauffällig näher an eine Zielperson heran zu kommen. Allerdings war die Reaktion von Bedfort eindeutig, denn schon als er ihren Namen aussprach, war Gremlin klar, dass dies sein Termin für 14 Uhr war.

Der Leibwächter trat nicht nur zur Seite, sondern wieder ganz in den Hintergrund. Was auch immer die beiden zu besprechen hatten, es war ihre Sache. Ebenso war es ihre Sache, ob jemand anderes sie dabei belauschen konnte. Er selbst war in dieser Hinsicht wie ein lebendes Möbelstück, das unbeeindruckt von ihrer beider Worte vor sich hin dämmerte, bis eine Anweisung ihn wieder auf den Plan rief.

Er bestätigte den Auftrag mit einem knappen Nicken und ging die Strecke zu den Fahrzeugen voraus. Dass die Frau sich mittlerweile bei Bedfort eingehakt hatte, nahm er wahr, aber er dachte sich auch dabei nichts. Wenn Bedfort sie so dicht an sich heranliess, würde er seine Gründe haben. Und wehrlos war der Mann keinesfalls.

Draussen auf dem Platz, der einmal den Fahrzeugen der Angestellten als Parkfläche gedient hatte, musste er zunächst innehalten, um die Sonnenbrille zu richten. Dann erst ging er weiter, öffnete die hintere Tür von Bedforts Wagen und wartete dort auf seinen Boss.

Temperance Offline

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Beiträge: 26

30.09.2006 17:42
GENETHICS Antworten
"Ein Haus?", gab sie ihm mit einem unverkennbar ironischem Unterton zur Antwort. "Deine Quellen waren auch schon mal besser, Allan." Wer dieses 'Haus' noch vor einem Jahr gesehen hätte, hätte es vermutlich nicht einmal für möglich gehalten, dass es je wieder möglich sein würde in dieser heruntergekommenen Bruchbude zu leben. Aber Tempe hatte schon immer bekommen, was sie wollte - und wer wüsste das besser als Allan?
"Ich habe die Ruine von irgendeinem Bauerntrampel abgekauft, Allan. Aber sie hatte Charme, es hat mich einfach angesprochen. Und nach all der Arbeit, die ich hinein gestekt habe", gut, sie hatte das Geld hineingesteckt und darauf Acht gegeben, dass die Bauarbeiter ihr nicht bei Gelegenheitsbesuchen den weissen Designer-Mantel einsauten, "ist es wirklich eine schöne Unterkunft geworden. Und ich brauchte einfach mal eine Auszeit von Frankreich."

Natürlich hatte sie seine Worte durchaus als das interpretiert, was sie immer waren: Das ewige Spiel zwischen ihnen beiden, dass nie ganz aufhören würde. Allan wäre ein Narr, wenn er das wirklich glaubte.
Das ein Nein von ihr eine schlechte Antwort gewesen wäre, war übrigens nur seine Meinung. Temperance hätte mindestens 10 gute Gründe gehabt, die sie auch ihm hätte verkaufen können. Der Unterschied lag nur darin, dass sie nicht wirklich vor hatte Allan aus ihrem Haus wieder auszuladen. "Allerdings ist meine Unterkunft nicht zwingend für Besuch geeignet, Allan. Du wirst dich damit begnügen müssen mit mir sämtliche Zimmer zu teilen."
Was sie zu der nächsten Überlegung brachte, denn ihr Blick wanderte zu Mister Krieger voraus, als sie sich bei Allan unterhakte. Er durfte sich gerne ein Zelt in ihrem Garten aufschlagen oder sich einbudeln - er sah mit seiner Sonnenbrille ja auch ein wenig danach aus, als hätte er eine Maulwurfmutation -, aber er würde definitiv keinen Platz mehr in ihrem Haus finden.

Sie redete - vorerst - mit keinem Wort über den Überfall oder Adam Lewis und doch durfte auch Allan klar sein, dass diese Gespräche spätestens wohl an diesem Abend zur Sprache kommen würden.
Eines wollte ihr einfach logisch erscheinen: Warum war Adam wirklich gestorben? Er hatte immer hoch gepokert, aber seinen Arsch zu retten war immer oberste Priorität für sämtliche Angestellte gewesen. Warum also war er bei einem Angriff gestorben, von dem er vorab bereits von Temperance informiert worden war? Und wo war Caitlynn Lydecker, wenn sich ihre Therapeutin für all die Informationen über das X-odus Team bedanken wollte?

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